Shortlist für neue ESA-Missionen

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Die Endausscheidung für die Auswahl der zukünftigen ESA-Missionen rückt näher. Unter den “mittelgroßen” (M-class) Missionen sind nur noch drei Kandidaten für zwei Plätze im Rennen:

  • Euclid: Ein orbitales Teleskop zur Kartierung der Verteilung an dunkler Materie im Weltall 
  • PLATO (Planetary Transits and Oscillations of Stars): Noch eine Asteroseismologie und Exoplanetensuchmission nach der Transitmethode, wie bereits CoRoT und Kepler
  • SolO (Solar Orbiter): Eine Mission zur Beobachtung der Sonne aus kurzer Entfernung (knapp innerhalb der Merkurbahn) und gleichzeitig hoher Inklination, was auch einen Blick auf die solaren Polarregionen gestattet. Gewissermaßen eine Fortführung der deutsch-amerikanischen Helios-Mission aus den 70ern

Hinten runter fielen die anderen Mitbewerber, darunter leider auch die Mission, die mir persönlich sehr am Herzen lag: Marco Polo hätte Proben von einem kohligen erdbahnkreuzenden Asteroiden zurückgebracht. Dies wäre wissenschaftlich interessanter als das, was die ziemlich angeschlagene japanische Mission MUSES-C/Hayabusa erbringt, falls sie denn überhaupt Asteroidenmaterial aufnahm und falls dieses Material erfolgreich zum Erdboden transportiert werden kann.

Ich verstehe andererseits schon die Auswahl. Der übliche Proporz zwischen Astronomie und fundamentaler Wissenschaft wurde gewahrt … das dritte Standbein der Weltraumforschung, die Planetologie, kommt allerdings bei den M-Missionen zu kurz … wobei man schon sagen kann, dass SolO ein Mittelding zwischen einer astronomischen und einer interplanetaren Mission darstellt.

Das Modethema “Exoplaneten” konnte die ESA nicht außen vor lassen. Ein vergleichbares Konzept namens “Eddington” wurde bereits vor 10 Jahren vorgeschlagen, kanm da aber nicht zum Zuge. Mit Euclid behält die die europäische Kosmologieforschung die Nase vorn.

Ich hoffe doch sehr, dass nun bei den L-Missionen der interplanetare Kandidat abräumt!

Weitere Information

ESA-Pressemitteilung zur Shortlist der M-Missionen

Kosmologs-Artikel vom 18.2.2009 zur Favorisierung Jupiter- anstelle von Saturn für die nächste L-Mission der ESA

Webseite der Cosmic Vision 2015-2025-Missionsauswahl der ESA mit detaillierten Informationen zu allen untersuchten Missionen. Dort können auch die Beurteilungen der Industriestudien eingesehen werden, die im Auftrag der ESA durchgeführt wurden.

 

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

2 Kommentare

  1. Solarorbiter

    SolO (Solar Orbiter): Eine Mission zur Beobachtung der Sonne aus kurzer Entfernung (knapp innerhalb der Merkurbahn) und gleichzeitig hoher Inklination, was auch einen Blick auf die solaren Polarregionen gestattet

    Mein Favorit, ganz klar. Noch wissen wir viel zu wenig über die Sonne. Ein Solarorbiter, ja das wäre was !

    SOHO liefert ja schon Beeindruckendes. Was wäre wohl von einem Solarorbiter in etwa 30 Mio. km Entfernung zu erwarten ? Darauf wäre ich gespannt.

    Ausserdem wären möglicherweise einige Antworten auf die Frage zu erwarten, ob solarer Einfluss wesentlich zu kurzzeitigen Klimaschwankungen beiträgt oder nicht.

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