Doch nur vier galileische Monde am Jupiter

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Gestern Abend war es zumindest bis kurz nach Mitternacht klar und das Seeing war recht ordentlich, also war ich natürlich draußen und wanderte im Sonnensystem umher … Selbstverständlich stattete ich auch dem Jupiter einen Besuch ab. Dem Planeten und seinen fünf sichtbaren Monden. Äh … fünf?

Ja, fünf, überzeugen Sie sich selbst. Ganz eindeutig fünf. In etwa so, nur natürlich deutlich schärfer, bot sich mir der Anblick durch das Okular. Zum Glück habe ich die Situation noch einmal mit Stellarium gecheckt, bevor ich vorschnell bei der IAU anrief. Von links oben nach rechts unten: Ganymed, Io, Europa, Kallisto … und oberhalb von Kallisto natürlich nur ein Hintergrundstern. Aber ehrlich: dass sich ein Stern mit einer Helligkeit und Färbung hineinmogelt, die den vier galileischen Monden so gleichkommt, sehe ich auch zum ersten Mal.

Komposit aus zwei Aufnahmen des Jupitersystems am 2.7.2015 um 23:05 MEZ, 1/10 und 1/800 s Belichtungszeit.Teleskop: 65 mm / 420 mm Triplet mit Bildfeldebnung, Kamera: Canon EOS 600D, ISO 800.
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Komposit aus zwei Aufnahmen des Jupitersystems am 2.7.2014 um 23:05 MEZ, 1/10 und 1/800 s Belichtungszeit.Teleskop: 65 mm / 420 mm Triplet mit Bildfeldebnung, Kamera: Canon EOS 600D, ISO 800.

Nachdem die trotz Kälte vor Aufregung schweissnassen Hände wieder trocken waren und ich die Enttäuschung verdaut hatte, schaute ich mir, wie immer, den Mond an. Ich wollte zudem auch mal vergleichen, was ein ganz kleiner Refraktor gegenüber einem in Apertur, Brennweite, Linsenzahl und eigentlich auch optischer Qualität deutlich überlegenen Triplet-Apo mit eingebautem Bildfeldebener leistet und muss eigentlich sagen: Er hat sich wacker geschlagen, musste sich am Ende aber doch sichtbar geschlagen geben. Dennoch alle Achtung. Die Fotos tun dem kleinen allerdings Unrecht – dort fällt die erzielte Auflösung allein schon wegen der kleineren Projektionsfläche ab, die zwangsläufig weniger Pixel umfasst. Bei der visuellen Betrachtung war der Unterschied weniger deutlch.

Demnächst vergleiche ich den Kleinen mal mit einem Fünfzöller. Bei der Apertur endet meine Investitionsbereitschaft bei Refraktoren; es ist auch der Wert, ab dem ich ein Maksutov-System für sinnvoll halte.

Halbmond über Darmstadt am 2.7.2014, Teleskop: 65 mm/420 mm Triplet plus Bildfeldebner, Kamera Canon EOS 600D, ISO 200, 1/160 s
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Halbmond über Darmstadt am 2.7.2014, Teleskop: 65 mm/420 mm Triplet plus Bildfeldebner, Kamera Canon EOS 600D, ISO 200, 1/160 s
Halbmond über Darmstadt am 7.2.2014, Teleskop: 50 mm/330 mm ED-Doublet, Kamera Canon EOS 600D, ISO 200, 1/160 s
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Halbmond über Darmstadt am 2.7.2014, Teleskop: 50 mm/330 mm ED-Doublet, Kamera Canon EOS 600D, ISO 200, 1/160 s

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

27 Kommentare

  1. Um den Jupiter kreisen noch jede Menge weitere Monde. Allerdings kann man in der Regel nur die vier galileischen Monde sehen, also Io, Europa, Ganymed und Kallisto. Die restlichen Monde sind recht klein und wurden z.T. erst auf Fotos, die von Raumsonden wie Voyager und Cassini gemacht wurden, entdeckt. Allerdings soll es gelungen sein einige davon auch von der Erde aus zu beobachten oder zu fotografieren.
    Siehe hier: http://www.waa.at/apo/jumo/ka.html

    Vermutlich handelt es sich bei Ihrem fünften Jupitermond aber doch nur um einen Hintergrundstern, evtl. käme dafür HD126766 in Frage. Zur genauen Bestimmung braucht es allerdings genaue, auf die Beobachtungszeit ausgerichtete, Koordinaten.

    • Vielen Dank, dass Sie meinem zugegebenermaßen etwas albernen Artikel so viel Aufmerksamkeit geschenkt haben. 🙂 Die Identifikation des Sterns gestaltet sich relativ einfach, da ich ja die Uhrzeit der Aufnahme wusste. Ich musste nur Stellarium öffnen und auf Jupiter zoomen. Hätte ich die Uhrzeit nicht mehr gehabt (aber sie steht ja in den Bilddaten), hätte ich sie auch durch Herumprobieren bestimmen können, bis die relative Position von Europa ind Io in der Stellarium-Anzeige so aussieht wie im Foto. Es war der Stern HIP 32688.

      Hintergrundsterne sind, wenn man mit so geringen Brennweiten arbeitet wie ich auf diesen Bildern, ein häufiges Phänomen, dass aber einer so hell ost wie am Freitag Abend, erlebe ich zum ersten Mal. meist sieht das eher aus wie heute abend. Da sehe ich sauber aufgereiht von links unten nach rechts oben Europa, Io, Ganymed und Kallisto, und links von Europa sowie links von Kallisto Hintergrundsterne,die allerdiomgs durch das Okular schon deutlich blasser erschienen als die Monde.

      • Gemäss dem Motto: “Keine Frage ist Dumm genug als dass sie nicht gestellt werden dürfte.” werde ich diesem Artikel auch noch etwas Aufmerksamkeit widmen. Denn zum einen hab ich gestern ebenfalls noch Stellarium bemüht, um den Hintergrundstern zu identifizieren zumn anderen finde ich Ihre Beobachtungsberichte immer höchst interessant. 🙂
        Was nun den Hintergrundstern angeht, so kam ich dabei ebenfalls auf HIP 32688, der laut Simbad auch die Bezeichnung HD 49381 trägt. Der Stern HD126766 hat nach Simbad die Nummer 70714 im Hipparcos-Katalog, heisst demnach also auch HIP 70714. Aber der liegt im Sternbild Waage, während der Stern HIP 32688 (ebenso wie der Jupiter zur Zeit) im Sternbild Zwillinge zu finden ist. Ich hab’s jetzt nicht nachgerechnet, aber der Winkelabstand dieser beiden ist sehr gross, so dass ich mich frage, wie Sie @Mona auf diesen Stern gekommen sind? – Vielleicht ein Zahlendreher? – Oder war der Saturn schuld, der gerade auch in der Waage steht? – Naja egal, der kann es jedenfalls nicht gewesen sein.

        Als nächstes ist mir aufgefallen, dass Kallisto auf dem Foto auch schon recht blass aussieht. Und ich gratuliere zur erfolgreichen Sichtung, denn hier war zu der Zeit wieder alles voller Wolken. 🙁

        • @Hans

          Ich habe eine etwas veraltete Sternkarte zu Rate gezogen und weil ich schon ahnte, dass es eventuell nicht der richtigen Stern ist schreib ich: “Zur genauen Bestimmung braucht es allerdings genaue, auf die Beobachtungszeit ausgerichtete, Koordinaten.”

          • Ich bin mit diesen Sternkarten nie klar gekommen. Womöglich noch mit solchen auf Papier, wo man alle möglichen Umrechnungen machen muss, um festzustellen, was vom eigenen Standort aus wo genau zu sehen sein wird oder wenn Winkel in Stunden angegeben werden. Nicht mein Ding – für Leute wie mich gibt’s glücklicherweise Simulationssoftware.

          • Nun ja, die Sterne ändern zwar tatsächlich ihre Positionen, aber in Zeiträumen, die ein Menschenleben bei weitem übersteigen. Deshalb liegen die Unterschiede in den Positionsangaben einzelner Karten oder Kataloge maximal im Bereich von Bogenminuten, eher nur Bogensekunden. Für genaue Beobachtungen muss man die Unterschiede zwar berücksichtigen, aber in diesem speziellen Fall ist es relativ egal, ob die Karte eher neu oder eher alt ist. Denn die beiden Sterne HIP 32688 und HD126766 (=HIP 70714) liegen über 130° weit von einander entfernt am Himmel. Da spielt das Alter der Sternkarte keine Rolle mehr.

        • Mit der Beobachtungschance hatte ich wirklich Glück. Ich stand da unter völlig klarem Himmel. Dann ging ich etwas nach MItternacht wieder ins Haus und guckte wenig später vor dem Schlafengehen aus dem Fenster – da war schon alles zu. Gestern abend habe ich vor 8 Uhr noch einmal geguckt und das Bild hier gemacht. Der Himmel war erst vollkommen frei, dann zog ein schmales Wolkenband durch, danach war es wieder frei. Als ich aber wenig später vor dem Computer saß, schlug schon ein Regenguss aufs Dachfenster.

          Man sollte aus einer Aufnahme, in der die Monde so winzig klein abgebildet sind, nicht allzu viel ablesen wollen. Dass aber Kallisto immer deutlich blasser erscheint, ist richtig und eine Folge der deutlich geringeren Albedo der sehr alten, verwitterten und von Einschlägen zerfurchten Oberfläche von nur 0.19, gegenüber 0.44 für Ganymed, 0.62 für Io und sogar 0.68 für die Billardkugel Europa. Selbst wenn man den Durchmesser von Kallisto und damit die Fläche der scheinbaren Scheibe berücksichtig und den Wert Radius^2*Albedo mit den entsprechenden Werten der anderen galileischen Monde vergleicht, kommt man bei Kallisto auf 36% der Kennzahl von Ganymed, 67% von Europa und 53% von Io. In allen Fällen also deutlich weniger. (Zugrundeliegende Zahlenwerte hier). Das sieht man sofort im Foto. In der Fotomontage aller vier Monde im Wikipedia-Artikel ist der Helligkeitsunterschied auch sehr deutlich.

      • @Michael Khan

        “Vielen Dank, dass Sie meinem zugegebenermaßen etwas albernen Artikel so viel Aufmerksamkeit geschenkt haben.”

        Ich finde Ihre Artikel keineswegs albern. Ich interessiere mich nun mal für die Sache und Ihre Posts regen mich zudem oft zum Weiterdenken an.
        Der Stern HIP 32688, der auf Ihrem Foto zu sehen ist, ist übrigens im Hipparcos-Katalog zu finden. Dieser wurde aus Daten des astrometrischen Satelliten Hipparcos der Europäischen Weltraumorganisation ESA zusammengestellt, der zwischen 1989 und 1993 im Einsatz war. Sie haben diese Mission hier mal erwähnt (letzter Absatz):
        https://scilogs.spektrum.de/go-for-launch/gaia-launch-19-12-2013/

        • @Mona:

          Der Stern HIP 32688, der auf Ihrem Foto zu sehen ist, ist übrigens im Hipparcos-Katalog zu finden.

          Das ist richtig, und zwar unter der Nummer 32688. Das ist die Sache mit den Sternenkatalogen. Davon gibt es mehrere Dutzend, wobei für Hobbyastronomen eigentlich nur 4 oder 5 interessant sind.
          Wie der Hipparcoskatalog zustande kam wissen Sie ja nun schon. Die Einträge der Sterne beginnen alle mit dem Kürzel “HIP” gefolgt von einer laufenden Nummer von 1 (eins) bis 118.218. Bei dem Stern, den Sie zuerst vorgeschlagen haben, handelt es sich um eine Bezeichnung aus dem Henry Draper Katalog, erkennbar an der Kombination “HD”, danach folgt auch wieder eine laufende Nummer.
          Allgemein kann man sagen, dass ein Stern in neueren Katalogen, wobei unter “neu” die Zeit ab etwa 1860 zu verstehen ist, meisst durch eine Kombination aus Buchstaben gefolgt von einer oder mehreren Zahlen bezeichnet wird. Die Buchstabenkombination gibt dabei den Katalog an, die Zahl steht entweder für eine laufende Nummer oder eine Art der Koordinaten, an denen der Stern zu finden ist. Deshalb gibt es für einen bestimmten Stern unterschiedliche Bezeichnungen, je nach dem, in welchem Katalog man guckt. Und hier kommt jetzt die Katalogdatenbank SimBad ins Spiel: die gibt einem nämlich nicht nur Positions- und Heligkeitsdaten, etc. aus, sondern auch die Bezeichnungen, unter denen der Stern in anderen Katalogen verzeichnet ist, und (wichtig für alle Astronomen) was diese Kataloge an weiteren Informationen zu einem Stern bereit halten.
          Das ganze mal am Beispiel des recht bekannten und hellen Sterns Sirius. Den findet man bekanntlich unten links vom Sternbild Orion. Gibt man den Name bei Simbad ein, so liefert er einem u.a. die Info, das dazu Daten aus 23 verschiedenen Sternkatalogen in der Datenbank vorliegen. Ich hab hier mal die Bezeichnungen von den Katalogen raus gefischt, die ich bisher gebraucht habe:

          NAME SIRIUS
          HD 48915 Henry Draper Katalog
          * 9 CMa Flamsteed-Bezeichnung; historisch, anno 1712
          SAO 151881 Smithsonian Astrophysical Observatory (SAO-Katalog)
          * alf CMa Bayer-Bezeichnung; historisch, anno 1625
          HIP 32349 Hipparcos Katalog
          BD-16 1591 Bonner Durchmusterung

          Was es mit diesen einzelnen Katalogen auf sich hat, d.h. wann und wozu sie genau erstellt wurden, würde hier zu lang werden. Dazu gucken Sie am besten in der Wikipedia oder einem anderen Lexikon Ihres Vertrauens.
          Was Simbad sonst noch alles an Daten liefert, ist “‘ne Wissenschaft für sich“, soll heissen, damit muss man sich extra noch mal eine Weile beschäftigen, bis man da voll durchblickt.

  2. Andere Frage bezüglich Astrofotografie, – hab ich gerade bei Florian Freistetter gesehen. Ich zitier mal:

    Ich habe mal eine Frage an die Astrofotografen: Reicht es, mit 2m Brennweite auf die Sterne bzw. den Mond zu fokussieren, wenn man die ISS (idealerweise nur ~400km entfernt) scharf erwischen will?

    Bei meinem letzten Versuch machte die ISS einen leicht unscharfen Eindruck, obwohl ich per Batinov-Maske auf die Sterne fokussiert hatte.

    Eventuelle Tipps, wie man bei höherer Brennweite und näheren Objekten besser fokussieren kann?

    Können Sie dazu auch was kluges beitragen? – Denn das würde mich zum Beispiel auch noch interessieren, sobald ich mir ein besseres Teleskop leisten kann. (Wobei das nicht unbedingt gleich 2m Brennweite haben wird.) Als hellen Lichtpunkt hab ich die Station ja schon gesehen, aber das wird irgendwann auch langweilig, weil man eben keine Details erkennt. Wenn man die ISS dagegen auch als solche erkennen kann, hat das schon eine ganz andere Qualität. Vor allem auch deshalb, weil man solche Aufnahmen ja auch extrem gut vorbereiten muss…

  3. @Hans

    Sie schrieben mir am 11. Februar 2014 1:02:
    “Nun ja, die Sterne ändern zwar tatsächlich ihre Positionen, aber in Zeiträumen, die ein Menschenleben bei weitem übersteigen.”

    Da täuschen Sie sich. Die Sterne ändern bereits im Ablauf einer Nacht ihre Position. Genauer gesagt: Die Erde dreht sich und deswegen verändert sich der Ausschnitt des Nachthimmels, den man sieht. Das hängt mit der Rotation der Erde um die eigene schräg stehende Achse und ihrem Kreisen um die Sonne zusammen. Einzige Ausnahme auf der Nordhalbkugel bildet der Polarstern, der sich immer in der gleichen Position befindet, darum wurde er in früheren Zeiten auch zur Orientierung benutzt.

    Sie meinten wahrscheinlich die sehr langsame Eigenbewegung der Sterne, “die ein Menschenleben bei weitem übersteigen”, diese kommt dadurch zustande, dass alle Sterne um das Zentrum des Milchstraßensystems kreisen.

    • Sie beziehen sich zwar nicht auf eine Aussage von mir, aber ich erlaube mir trotzdem eine Antwort: Sternkarten, wie ich sie kenne, geben die Position der Sterne in Rektaszension und Deklination bezüglich einem inertialen Referenzsystem an. Nur eine solche Angabe ist unabhängig von Datum, Uhrzeit und Beobachterstandort. Diese Positionen sind allerdings, wie Hans schreibt, weitgehend zeitinvariant.

  4. Sie erinnern sich vielleicht, dass es ursprünglich um den von Ihnen fotografierten Jupiter und seine Monde ging. Planeten kann man nicht auf Sternkarten einzeichnen, weil sich ihre Positionen ständig ändern. Sie stehen daher nicht immer in der gleichen Konjunktion zu den Fixsternen. Mir ging es auch nicht um den “Hintergrundstern”, sondern um die Position der Monde, weil ich sehen wollte, ob es sich bei dem fünften Pünktchen eventuell um den Jupitermond Himalia handeln könnte.

    • weil ich sehen wollte, ob es sich bei dem fünften Pünktchen eventuell um den Jupitermond Himalia handeln könnte

      Das können wir mit Sicherheit ausschliessen, wenn Sie sich diesen Screenshot von Stellarium dazu mal näher ansehen. Oben in der Mitte sehen wir den Jupiter und die 4 Galileischen Monde und unten ist mit einem roten Kreuz die Position des Mondes Himalia markiert. Wenn man dann noch einen Blick auf die Helligkeit des Selben wirft, stellt man fest, dass Herr Khan sich schon einen Lichteimer der Extraklasse zulegen müsste, um diesen Mond ablichten zu können.

    • Dann haben wir drei uns gegenseitig missverstanden. Ich sprach nur von Sternkarten allgemein, die Hans bereits angesprochen hatte, und der Art, wie darin die Sterne verzeichnet sind.

      Ich würde natürlich gern das Jupitersystem in solchem Detail beobachten, dass ich auch Objekte 15ter Größe wie Himalia abbilden kann. Meine jetzige Ausstattung geht aber nicht über 5 Zoll hinaus, das reicht nicht. Das 65-mm-Skop, mit dem ich die obige Aufnahme machte, schon gar nicht – andere benutzen sowas als Sucher. Ein Riesendobson, wie von Hans angeregt, wäre dann aber nicht meine Wunschvorstellung, sondern eher ein großes, festinstalliertes Spiegelteleskop (Größenordnung 1 Meter) mit Steuerung unter meiner eigenen Kuppel im Garten oder auf dem Dach.

      Da ich nicht Lotto spiele, brauche ich auch nicht auf einen Hauptgewinn zu hoffen, um so ein Observatorium, samt dazugehörigem Haus und genügend großem Grundstück finanzieren zu können. Wenn ich mal den Nobelpreis gewinne, weiß ich aber schon, wofür ich das Preisgeld anlege. Also los Leute, schlagt mich vor.

  5. @Mona:
    Ich habe tatsächlich die beinahe Zeitinvarianten Positionen aus Rektazension und Deklination gemeint, von denen auch Herr Khan hier schreibt. Denn das sind auch die Positionen, die auf Sternkarten und in den Sternkatalogen, von denen ich schrieb, angegeben werden. Neben dieser Art der Positionsangaben sind noch etwa vier oder fünf weitere Koordinatesysteme im Gebrauch, die sich mit der Erde mit drehen können oder auch nicht.
    Das Koordinatensystem, wo die Positionsangaben aus dem Stundenwinkel, Rektazension genannt, und der Deklination bestehen ist so definiert, das die Positionen sich nur über lange Zeiträume hinweg ändern.
    Ob man einen Stern nun tatsächlich sieht bzw. findet, ist dann wiederum von der Jahreszeit abhängig, bzw. damit verbunden, ob man an der Sonne vorbei gucken muss oder nicht. Wenn man an der Sonne vorbei gucken muss, sieht man ihn nämlich nicht, weil sie gerade zwischen der Erde und dem Stern steht, den man betrachten will und ihn somit überstrahlt.

  6. @all: Ich muss mal was loswerden: Ich finde die Diskussion wirklich sehr gut. Wir reden hier über die Monde von Jupiter und ihre physikalischen Eigenschaften, über Sternkarten, über astronomiscvhe Beobachtungen und andere wissenschaftlich relevante Themen. Dabei habe ich durchaus auch noch eine Menge gelernt, von der Historie von Sternkarten wusste ich nämlich eigentlich gar nichts.

    Ich hätte nicht gedacht, dass sich an diesen Artikel so eine hochwertige Debatte anschließt, deswegen freut es mich umso mehr, dass diese Debatte zustandekam.

    Leider wohnen wir ja alle über ganz Deutschland verstreut, sonst könnten wir die Diskussion bei einer Spechtelrunde unter dem winterlichen Sternenhimmel weiter führen.

    • Freut mich ebenfalls, dass Sie die Diskussion hier interessant finden.
      Wenn Sie die Aussage bezüglich der Geschichte von Sternkarten auf meinen Kommentar vom 10. Februar 2014, 22:32 beziehen, dann ehrt mich das zwar, aber so besonders viel historische Information steckt da meiner Ansicht nach gar nicht drin. – Eher schon in den verlinkten Wikipediaeinträgen. 🙂 Und für wirklich tiefgreifende geschichtliche Informationen ist man, glaube ich, neben an bei Frau Hoffmann besser aufgehoben…

      Was die Sternenkarten sonst noch angeht, so finde ich den Atlas für Himmelsbeobachter von Erich Karkoschka sehr praktisch. Ebenfalls sehr schön, aber besser für den Schreibtisch geeignet ist der Atlas der Sternbilder von Eckhard Slawik und Uwe Reichert, der aber leider nur noch antiquarisch zu kriegen ist.
      Dann wären da noch die Mammutwerke wie die Uranometria J2000.0 oder die letzten 3 Bände des Hipparcos Ergebnis-Katalogs, also der Sky & Telescope’s Millennium Star Atlas. Die Uranometria J2000.0 (die auch 3-Bändig ist) hat unsere lokale Uni als Präsentexemplar, so dass ich da schon mal rein gucken konnte. Das war sehr interessant, aber für Amateure reicht der “Altas für Himmelsbeobachter” völlig aus, wie ich dabei festgestellt habe.

      Gegen eine Spechtelrunde hätte ich grundsätzlich auch nichts einzuwenden. Aber sofern so etwas je zustande kommen sollte, würde ich einen neutralen Ort vorschlagen und Details per email klären wollen.

  7. Bezüglich der Positionsangaben in den Sternenkarten hätte ich noch zu anzumerken, dass ich bei den Winkelangaben im Zeitmass bisher nur selten in die Verlegenheit kam, diese selbst ins Gradmass umrechnen zu müssen. Das nimmt einem Stellarium ja ab, oder man kann es sich gleich schenken, wenn man “nur” nach ganzen Sternbildern guckt. Im Zusammenhang mit dieser Diskussion hat mich das aber doch etwas genervt, so dass ich mich intensiver damit beschäftigt habe. Es hat eine Weile gedauert, bis ich den Dreh heraus hatte, weil es doch etwas vertrackter war als es auf den ersten Blick erschien. Jedenfalls war das mein Eindruck; andere werden das wahrscheinlich schneller hin kriegen. – Und am besten giesst man sich dass dann auch für den Eigenbedarf in Software, sofern man es kann… 😉

    Ein fest installiertes Spiegelteleskop in der Grössenordnung von einem Meter wäre sicherlich interessant, aber das wird wohl für die meissten Hobbyastronomen ein Traum bleiben. Das könnte sich bestenfalls ein Verein mit ein paar sehr engagierten Mitgliedern leisten, die Zweckmässigerweise auch Jobs in Bereichen haben, wo sie an die Einzelteile entweder günstiger dran kommen, oder diese selber bauen können…

    Das führt mich jetzt noch mal zum ursprünglichen Artikel:

    Demnächst vergleiche ich den Kleinen mal mit einem Fünfzöller. Bei der Apertur endet meine Investitionsbereitschaft bei Refraktoren;

    Das kann ich gut nachvollziehen, nachdem ich bei den Shops mal gestöbert habe. Aber auf der verlinkten Seite findet sich auch ein Angebot, dass sehr gut sein soll, nämlich der Skywatcher Startravel-120 OTA / Großfeldrefraktor 120/600mm. Ich kann aber nicht wirklich beurteilen, ob oder in wiefern einem da Honig ums Maul geschmiert wird, weshalb ich da auch nicht weiter drauf eingehe. Stattdessen frage ich mich eher, ob man bei Durchmessern ab 5 Zoll nicht eher einen Reflektor wählen sollte?

    Noch mal zu den Teleskopen der 1m-Klasse: Man könnte ja auch eine 1m Sat-Schüssel zum Radioteleskop umfunktionieren, sofern es einen interessiert. Der Haken daran ist aber, dass man dafür noch eine spezielle elektronische Komponente für die Signalaufarbeitung braucht, die wahrscheinlich sehr teuer wird…

    • Zum Skywatcher 120/600: Das ist ein Achromat, zu einem sehr interessanten Preis. Man kann jetzt so ein Gerät nach absoluten Kriterien bemessen oder relativ zum Preis. Nach absoluten Kriterien muss man sagen, dass da an allerhand Stellen Abstriche gemacht werden muss. Farbfehler werden größer sein als bei einem Apochromaten oder auch schon einem ED-Apo, ebenso andere Abbildungsfehler. Auch der Auszug wird nicht so präzise oder stabil sein können wie bei höherwertigen Refraktoren. Bei der relativen Betrachtung wird man vielleicht zu dem Schluss kommen, dass man bei dem Preis mit den Nachteilen leben kann.

      Was ich genau eruieren würde, ist die Frage des Okularauszugs. Wenn man nur gucken will, d.h., wenn da nur ein Spiegel und ein Okular dran hängen, mag er reichen. Wenn man aber fotografieren will, vielleicht noch mit einer Barlow-Linse zur Brennweitenverlängerung, dann hängt da ein ganzes Stück Baulänge und eine Menge Masse dran. Die Frage ist, ob der das dann auch noch packt. Andersherum: Wenn man an den T2-Adapter sofort die Kamera (mit entsprechendem Zwischenadapter) anschließt und sozusagen als Super-Teleobjektiv verwendet: Warum nicht?

      Fazit, Jeder muss es für sich selbst entscheiden, aber Caveat Emptor.

      Einen Maksutov-Reflektor der Einsteigerklasse mit der Apertur kostet auch schon dasselbe und Maks der Einsteigerklasse haben auch oft ihre vom Sparzwang diktierten Verarbeitungsschwächen. Stichwort Spiegel-Shifting – wenn man einfach keine scharfe Abbildung hinkriegt. Bei Newtons kenne ich mich nicht so aus. Allerdings sollte man auch in Betracht ziehen, dass man bei einem Mak oder Newton eine größere Brennweite hat, die Anwenduing wird also eine etwas andere sein als mit einem 600er. Das muss man sich vorher überlegen. Kurzbrennweitige Maksutov-Cassegrains, Maksutov-Newtons oder Newtons gibt es auch, ads sind aber meist Astrographen, also optisch und mechanisch sehr hochwertige und entsprechend hochpreisige Geräte. Beispiel.

      Radioastronomie ist nicht mein Ding. Nicht, dass ich das uninteressant finde, aber das ist eben etwas ganz anderes, und ich müsste da bei Null anfangen. Außerdem will ich gucken.

      Klar ist ein Riesenspiegel nur ein Traum. Nicht nur braucht man für das Gerät selbst schon viel Geld, sondern auch für das ganze Drumherum. Die Kuppel, die Montierung, das Fundament, die Steuerung. Und dann muss man wohl auch sicher sein, adss man nie im Leben mehr umzieht. Den ganzen Kram abbauen …. In der Tat, in einem Verein wäre das etwas ganz Anderes.

      • Besten dank für die Erklärungen. Ich werde wohl wirklich erst mal eine Einführung zum Thema Teleskope lesen, bzw. in der Umgebung (lokale Sternwarten/Planetarien) mal gucken müssen, was, womit und wozu, bevor ich mir ein Teleskop zulege.

        Ob Radioastronomie wirklich mein Ding ist, weis ich auch nicht, aber das schwebt mir als mehr oder weniger fixe Idee halt durch den Kopf, seit Sat-Schüsseln zur Normalität im Strassenbild gehören. Leider gibt es auch kaum Literatur dazu, die sich an potentielle Hobbyisten wendet, sondern meisst nur solche, die ich an Physikstudenten in höheren Semestern oder schon im Job befindlichen Fachleuten richtet.

  8. @Hans

    “Leider gibt es auch kaum Literatur dazu, die sich an potentielle Hobbyisten wendet, sondern meisst nur solche, die ich an Physikstudenten in höheren Semestern oder schon im Job befindlichen Fachleuten richtet.”

    Wie wäre es, wenn Sie wieder die Schulbank drücken würden? 🙂

    Hier geht um den “Bau und Betrieb eines Radioteleskops für Schulzwecke”:
    http://markusfunke.de/markushtml/projekte/bell.pdf

    Und hier findet sich auch noch was zum Thema:
    http://www.wissenschaft-schulen.de/sixcms/media.php/1308/radioastronomie.pdf

    Kleiner Tipp noch, wenn Sie in die Suchmaschine einfach den Begriff “Radioastronomie für Amateure” eingeben, dann bekommen Sie viele Seiten angezeigt, die sich an “Hobbyisten” richten.

    • @Mona: Besten Dank für die Links. – Zumindest einen davon kannte ich noch nicht.
      Bei der Aussage zu Literatur hab ich auch eher an Sach- bzw. Fachbücher gedacht, die es im Handel geben könnte. Nur von den einschlägigen Verlagen wie Elektor oder Franzis’ ist mir dazu halt nichts bekannt. Vom Springer-Verlag ist mir ein englisches Werk bekannt, auf das meine obige Beschreibung zutrift, und sonst hab ich in den umliegenden Bibliotheken auch nichts gefunden.

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