Die Landestelle von Chang’E-3 am Wochenende

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Am Wochende gab es ein par klare Nächte, die die Beobachtung des Mondes zuließen. Ich nahm die Gelegenheit wahr, den Sonnenaufgang über dem westlichen Mare Imbrium zu verfolgen.

Die Montes Recti findet man in beiden Aufnahmen problemlos. Von dort aus ist man auch schnell bei der Landestelle.

Der Mond am 11.1.2014 um 00:48 MEZ. Die Sonne it im westlichen Mare Imbrium bereits aufgegangen, steht aber noch sehr tief. Der Sinus Iridum ist noch in Dunkelheit gehüllt. Teleskop: TS Optics 65/420 Quadruplet apochromatischer Refraktor, Kamera: Canon EOS 600D
Credit: Michael Khan, Darmstadt Der Mond am 11.1.2014 um 00:48 MEZ. Die Sonne it im westlichen Mare Imbrium bereits aufgegangen, steht aber noch sehr tief. Der Sinus Iridum ist noch in Dunkelheit gehüllt. Teleskop: TS Optics 65/420 Quadruplet apochromatischer Refraktor, Kamera: Canon EOS 600D
Der Mond am 12.1.2014 um 22:38 MEZ. Mare Imbrium und Sinus iridum sind nun komplett ausgeleuchtet. Teleskop: TS Optics Quadruplet 65/420 apochromatischer Refraktor, Kamera Canon EOS 600D
Credit: Michael Khan, Darmstadt Der Mond am 12.1.2014 um 22:38 MEZ. Mare Imbrium und Sinus iridum sind nun komplett ausgeleuchtet. Teleskop: TS Optics Quadruplet 65/420 apochromatischer Refraktor, Kamera Canon EOS 600D

Wie in den Medien berichtet, sind sowohl die Landeplattform Chang’E-3 und der Rover Yutu am Sonntag aus der Hibernation erwacht, in die sie während der Mondnacht versetzt worden waren. Beide sind offenbar wohlauf. Die chinesische Raumfahrtagentur hat inzwischen Bildmaterial hoher Qualität publik gemacht, das von ihren Mondlandesonden gesendet worden ist. Darunter Aufnahmen der Erde im sichtbaren Wellenlängenbereich sowie im EUV.

Das Seeing war wirklich gut, sodass ich ziemlich lange draußen war und mich ein wenig am Nachthimmel umtat.

Jupiter und (von links unten nach rechts oben) Callisto, Io, Europa und Ganymed am 12.1.2014 um 22:48, Teleskop: TS Optics Quadruplet 65/420 apochromatischer Refraktor, Kamera: Canon EOS 600D
Credit: Michael Khan, Darmstadt Jupiter und (von links unten nach rechts oben) Callisto, Io, Europa und Ganymed am 12.1.2014 um 22:48 (Komposit aus zwei Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten), Teleskop: TS Optics Quadruplet 65/420 apochromatischer Refraktor, Kamera: Canon EOS 600D

Das Jupitersystem haben Sie bestimmt schon besser gesehen. Ich auch. Aber angesichts der geringen Brennweite und Apertur sind Schärfe und Details doch recht gut. Zum Aufbau eines größeren Teleskops war es mir schlicht zu kalt.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

8 Kommentare

  1. Sehr schöne Bilder.
    Ich hab am Sonntag auch mal mein Spektiv bemüht um nach dem Mond zu sehen. Der stand da gerade auch so passend, dass ich durch’s Schlafzimmerfenster gucken konnte, was den Vorteil hatte, dass es mir nicht zu kalt wurde. Nach einer Weile hab ich dann auch endlich die Montes Recti wieder gefunden, nachdem ich erst viel zu lange auf die Montes Jura gestarrt hatte. Aber diese direkt, beinahe senkrecht angeleuchteten Berge haben auch eine interessante Wirkung, vor allem, wenn man die Schatten dahinter noch beachtet.
    Dann konnte ich feststellen, das mein Spektiv bei 60-facher Vergrösserung zwar die Krater le Verrier und Helicon noch auflöst, Laplace F aber nicht mehr. – Zumindest hoffe ich, das es die beiden waren. – Jetzt, wo ich das hier schreibe und noch mal mit dem Mondatlas vergleiche, beschleicht mich die Befürchtung, dass ich sie mit den grösseren Timocharis und Lambert verwechselt haben könnte… – so’n Mist. Hoffentlich spielt das Wetter morgen noch mal mit, um das noch mal zu überprüfen. Für heute (bzw. diese Nacht) ist da nichts mehr zu machen; – zu viele Wolken.

    • Timocharis und Lambert sind ganz woanders, nämlich im Süden des Mare Imbrium. Wenn man den Sinus Iridum sieht, und den sah man am Sonntag sehr gut), dann muss man vom unteren Horn der Montes Jura nach Osten weiter gehen und kommt automatisch zu Helicon und Leverrier. Ich bin sicher, dass Sie da auch die richtigen gesehen haben. In der Tat sind die Montes Recti sehr auffällig, sie sehen aus wie eine Reihe von Zähnen, die da aus der basaltischen Ebene des Mare Imbrium aufragen.

      Merken Sie was? Sie kennen sich in dieser Ecke des Mondes schon ganz gut aus. So schnell geht das …

      • Wahrscheinlich haben Sie recht, dass ich auch wirklich Helicon und Le Verrier gesehen habe; ich war allerdings durch die Atlasbilder etwas verwirrt und jetzt weis ich es selbst nicht mehr genau. Und leider spielt das Wetter gerade auch wieder nicht mit, um die Beobachtung wiederholen zu können.

        Merken Sie was? Sie kennen sich in dieser Ecke des Mondes schon ganz gut aus.

        Ja, aber ohne Mondatlas würde ich mich nicht zurecht finden…
        Ich hab übrigens inzwischen den Unterschied bemerkt, der sich ergibt, wenn man einen Atlas wie den von Hatfield benutzt oder so einen, wie er aus den Clementine oder LRO Daten erstellt wurde. Hab mir nämlich noch den Clementine Atlas (ISBN: 0521815282) aus der Bibliothek geholt. Der ist auch ganz nett, aber für Beobachtungen von der Erde aus doch nur bedingt zu gebrauchen. – Aber dafür ist er wahrscheinlich für die Planung von Landemissionen besser geeignet…

        • Haben sie mal den großen oder kleinen Rükl in der Hand gehabt? Clementine ist ja auch nicht schlecht, aber ders Maß der Dinge in der fotografischen Mondkartierung ist LRO. Da ist die Umsetzung von Stoyan und Purucker zu nennen. Aus meiner Sicht sind alle drei für dem irdischen Mondfreund unverzichtbar. Nicht alle drei gemeinsam, aber zumindest einer. Wenn ich die Kombination von Alltagstauglichkeit, Kompaktheit, Preis und Robustheit als Kriterium heranziehe, gewinnt der kleine Rükl.

          Natürlich würden Sie sich ohne Mondatlas nicht zurecht finden. Das gilt doch aber für jeden von uns. Wobei ich aber davon ausgehe, dass Sie beispielsweise den Sinus Iridum, das Mare Imbrium, Plato, die Montes Recti, Copernicus und noch ein paar andere Regionen erkennen können. Also können Sie auch schon ohne Atlas ein ganzes Stück weiter.

  2. Warum gibt es keinen Marsrover, der für mehrere Jahre auf dem Mond unterwegs sein soll wie das für den Marsrover Curiosity geplant ist. In der Wikipedia wird von einer gerade mal 3-monatigen Missionsdauer gesprochen:

    The rover is designed to explore an area of 3 square kilometres (1.2 sq mi) during its 3-month mission, with a maximum travelling distance of 10 km (6.2 mi).

    Ein Mondrover, der 5 Jahre oder länger unterwegs wäre könnte wahrscheinlich mehrere 100 km abfahren. Eigenartig, dass der so nah gelegene Mond immer noch so wenig erforscht ist.

    • Wie schon Robert Heinlein schrieb: “The Moon is a harsh mistress”. Die Anforderungen an einen Mondrover sind deutlich härter als die an einen Marsrover. Andererseits – kürzere Entfernung hin oder her – unterscheidet sich die auf der Oberfläche deponierbare nutzbare Masse, unter Annahme derselben Rakete, gar nicht so sehr zwischen Mond und Mars. Gleiche Masse + höhere Anforderungen = geringere Lebensdauer.

      Fairerweise muss man auch noch hinzufügen, dass ursprünglich geplante Lebensdauer und tatsächlich erreichte Lebensdauer zwei Paar Schuhe sind. Die MER-Rover auf dem Mars, in ihrer Masse durchaus vergleichbar mit Yutu, hatten eine nominelle Missionsdauer von 3 Monaten. In diesen drei Monaten wurden allerdings keine der wirklich dramatischen wissenschaftlichen Entdeckungen gemacht. Spirit hielt 6 Jahre durch, Opportunity ist immer noch aktiv.

  3. Haben sie mal den großen oder kleinen Rükl in der Hand gehabt?

    Bisher noch nicht.

    Clementine ist ja auch nicht schlecht, aber ders Maß der Dinge in der fotografischen Mondkartierung ist LRO.

    Klar, weil der aktueller ist. Clementine flog in 1994 um den Mond und kreist jetzt als Weltraumschrott auf einer Erde-Mond (Transfer?)bahn zwischen beiden hin und her, wie eine kurze Recherche bei Wikipedia und Heavens-Above ergab.

    Da ist die Umsetzung von Stoyan und Purucker zu nennen.

    Den hab ich unter einem Ihrer früheren Beiträge in den Kommentaren mal verlinkt, wenn ich mich nicht irre. Aber in der Hand hatte ich ihn bisher noch nicht. Und die lokale Uni-Bibliothek hat ihn leider auch nicht. – Sollte ich da mal zum Kauf vorschlagen…

  4. Hallo Herr Holzherr,

    der Hauptgrund in der kurzen Missionsdauer liegt daran, dass dies ein Experimentiermodell ist, denn immerhin ist dies die erste chinesische Landemission. Bereits vor der Landung wurde betont, dass ein Funktionieren des Rovers bis zum Beginn der ersten Hibernation 90% des Missionszieles bedeuten würde. Und es sieht so aus, dass tatsächlich das meiste Equipment sogar auch die Nacht überstanden hat.

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