Der Schwan und Chi Cygni am 25.6.

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Gestern Abend hatten wir einen fantastischen Sternenhimmel. So schön habe ich die Milchstraße noch nie in Stadtnähe sehen können. Und doch war ihr Anblick wegen der Hintergrundaufhellung nur ein schwacher Abklatsch dessen, was man in einer wirklich dunklen Umgebung geboten bekäme.

Die Milchstraße über Darmstadt am 26.6.2014, 00:16 MESZ, Blick nach Osten, Canon EOS 600D, Sigma EX10mm f2.8, ISO800, 45 Sekunden Belichtung mit Nachführung
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Die Milchstraße über Darmstadt am 26.6.2014, 00:16 MESZ, Blick nach Osten, Canon EOS 600D, Sigma EX10mm f2.8, ISO800, 45 Sekunden Belichtung mit Nachführung

Hier also der Blick nach Osten, mit der schönen Milchstraße, Vega, dem Schwan, dem Adler und dem Skorpion. Nicht zu Verkennen die Aufhellung und der damit einher gehende Kontrastverlust. Geschenkt, man könnte jetzt mit aggressiver Bildbearbeitung mehr herausholen (Versuchen Sie es gern selbst, die Version mit Auflösung 2592×1728 ist hier) . Aber den Eindruck eines wirklich dunklen Himmels kann man so auch nicht reproduzieren. Wenn das Wetter so bleibt, fahre ich in den nächsten Tagen nachts mal in den Odenwald hinein, wo es dunkel ist.

Der Skorpion am Nachthimmel über Darmstadt, 25.6.2014, 23:39 MESZ, Canon EOS600D, Leica Summicron 50 mm, f2, ISO 800, 10 Sekunden Belichtungszeit, nachgeführt
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Der Skorpion am Nachthimmel über Darmstadt, 25.6.2014, 23:39 MESZ, Canon EOS600D, Leica Summicron 50 mm, f2, ISO 800, 10 Sekunden Belichtungszeit, nachgeführt

(Originalbild 2592×1728 hier) Mein aktuelles Lieblingssternbild: der Skorpion. Eins der Sternbilder, bei dem man auf den ersten Blick sieht, was es darstellt, finde ich. Ebenso wie der Schwan oder Orion. Schauen Sie mal so ab 23:30, wenn der Himmel dunkel ist, nach Süden. Antares (αSco) ist nicht zu übersehen, nicht nur wegen seiner Helligkeit, sondern auch wegen seiner roten Färbung. Es handelt sich um einen roten Überriesen mit einem Durchmesser, der fast 900 Mal größer als der unserer Sonne ist. Wenn Antares in unserem Sonnensystem wäre, würde er bis jenseits des Asteroiden-Hauptgürtels reichen. Das kann man sich gar nicht vorstellen.

Lustig finde ich den Teddybären im obigen Bild. Haben Sie ihn entdeckt? Sie sehen ihn ein Stück oberhalb von Antares. Es handelt sich um das Mehrfachsystem Rho Ophiuchi. Ich hätte nicht erwartet, dass schon mit dem 50 mm-Objektiv drei Sterne des Mehrfachsystems deutlich aufgelöst werden können.

Auch ein Kugelsternhaufen, nämlich Messier 4, ist in der Aufnahme deuitlich zu sehen, bei der Brennweite von 50 mm natürlich nur als verwaschener heller Fleck etwas rechts von Antares. Was von unten ins Bild ragt, ist natürlich keine Dunkelwolke, sondern eine Pappel.

Schwarzweißaufnahme vom Schwan mit Chi Cygni am Abend des 25.6.2014, Canon EOS 600D, Leica Summicron 50 mm, f2, ISO 800, 20 Sekunden, nachgeführt
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Schwarzweißaufnahme vom Schwan mit Chi Cygni am Abend des 25.6.2014, Canon EOS 600D, Leica Summicron 50 mm, f2, ISO 800, 20 Sekunden, nachgeführt

Und nun wieder der Schwan und insbesondere der Mira-Veränderliche χCyg, den ich schon vor 10 Tagen vor der Linse hatte. χCyg strebt dem Maximum seines Helligkeitszyklus entgegen. Ich werde also versuchen, ihn in den kommenden Wochen im Abstand von maximal 10 Tagen wieder zu fotografieren, um zu dokumentieren, wie sich seine Helligkeit ändert. In der Aufnahme von gestern Abend (Originalgröße 5184×3456 hier) finden Sie den Stern an der Position 3404 Pixel von links und 1221 Pixel von oben. Ich meine, gegenüber der Situation von vor 10 Tagen zeigt der Stern im direkten Vergleich mit seinen Nachbarn bereits eine deutliche Helligkeitszunahme.

Urteilen Sie selbst: Hier habe ich aus den zwei Aufnahmen der Konstellation jeweils den Bereich um χCyg herausgeschnitten, und zwar so, dass der Stern genau in der Bildmitte ist, und die beiden Ausschnitte zu einer Gegenüberstellung zusammengefügt. Man darf nicht die absolute Helligkeit beurteilen, da diese von den Aufnahmebedingungen und Kameraeinstellungen abhängt. Wesentlich ist die relative Helligkeit im Vergleich zu den anderen im Bild sichtbaren Sternen.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

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