Der Mond und Mars am 13.4.

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
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Der zunehmende Mond rückt dem Mars auf die Pelle und der Himmel war heute mal klar, sodass ich beobachten konnte. Ich habe die Gelegenheit genutzt, nicht nur einige Stimmungsaufnahmen, sondern auch einen technischen Vergleich unterschiedlicher Objektive bei ansonsten gleichen Bedingungen zu erstellen. Also ein durchaus fairer Vergleich.

Aber immer der Reihe nach. Hier erst einmal eine Übersichtsaufnahme von Mond und Mars über der Bergstraße am Abend des 13.4. Bei den beleuchteten Gebäuden auf dem Berg handelt es sich im die Ruine der Burg Frankenstein (Ja, genau, der Frankenstein).

Mond und Mars über Darmstadt am 13.4.2014 um 22:08 MESZ, Canon EOS 600D mit Standard-Zoom, Brennweite 20 mm, ISO 800, 1 s, f 5.6
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Mond und Mars über Darmstadt am 13.4.2014 um 22:08 MESZ, Canon EOS 600D mit Standard-Zoom, Brennweite 20 mm, ISO 800, 1 s, f 5.6

Jetzt das Kameragehäuse ans Teleskop und den Mond fotografiert. Dies ist die Referenzufnahme für den weiter unten folgenden Vergleich zweier Teleobjektive. Man sieht, dass das Seeing durchaus akzeptabel war.

Mond über Darmstadt am 13.4.2014 um 21:49 MESZ, 65/420 Quadruplet Apochromat, Canon 600D, ISO 100, 1/320 s
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Mond über Darmstadt am 13.4.2014 um 21:49 MESZ, 65/420 Quadruplet Apochromat, Canon 600D, ISO 100, 1/320 s

Jetzt weg mit dem Teleskop und ein mehr als 20 Jahre altes Leica-Telezoom mit einem per Internetrecherche gefundenen Adapter an das Gehäuse der Canon 600D (Achtung: Manche Adapter lassen keine Fokussierung auf Unendlich mehr zu – ein No-Go für die Astrofotografie). Damit habe ich zunächst einmal eine Serie von Bildern bei der kleinstmöglichen Brennweite von 70 mm aufgenommen, damit Mond und Mars immer noch gemeinsam draufpassen. Aus zweien der Bilder habe ich eine Kompositaufnahme zusmmengesetzt, die meinem subjektiven Eindruck am nächsten kommt:

Kompositaufnahme von Mond und Mars über Darmstadt am 13.4.2014 gegen 21:35 MESZ, Canon EOS 600D mit 70/210 mm Vario-Elmar, Brennweite 70 mm, ISO 100, f 4, 1/8 und 1/200 s
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Kompositaufnahme von Mond und Mars über Darmstadt am 13.4.2014 gegen 21:35 MESZ, Canon EOS 600D mit 70/210 mm Vario-Elmar, Brennweite 70 mm, ISO 100, f 4, 1/8 und 1/200 s

Und jetzt zum Vergleich. Besagtes Leica-Objektiv habe ich mit größter Brennweite (210 mm) auf den Mond gerichtet und mehrere Bildserien geschossen. Dann habe ich es gegen das Telezoom von Canon getauscht, das im Set mit der Kamera kam. Damit auch wieder mehrere Serien mit maximaler Brennweite, hier 250 mm. Ergebnis unten, erst Leica (hier Originalgröße), dann Canon (hier Originalgröße).

Mond über Darmstadt am 13.4.2014, 21:31 MESZ, Canon 600D mit Leica Vario Elmar 70-210 mm, Brennweite 210 mm, f5.6, ISO 400, 1/200 s
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Mond über Darmstadt am 13.4.2014, 21:31 MESZ, Canon 600D mit Leica Vario Elmar 70-210 mm, Brennweite 210 mm, f5.6 f11, ISO 400, 1/200 s
Mond über Darmstadt am 13.4.2014 um 21:40 MESZ, Canon 600D mit Canon 85-250 mm Telezoom, 250 mm Brennweite, ISO 100, f 5.6, 1/500 s
Credit: Michael Khan, Darmstadt / Mond über Darmstadt am 13.4.2014 um 21:40 MESZ, Canon 600D mit Canon 85-250 mm Telezoom, 250 mm Brennweite, ISO 100, f 5.6, 1/500 s

Das Ergebnis spricht ja wohl für sich. Ich schreibe das miese Ergebnis mit dem Canon-Objektiv gern meinem Unvermögen zu. Offenbar ist mein Unvermögen aber selektiv, den bei Verwendung des Leica-Objektivs schlug es nicht zu. Gut – die mangelnde Schärfe kann man nicht allein den optischen Eigenschaften anlasten, obwohl das alte deutsche Objektiv das neue japanische auch in dieser Disziplin deklassiert.

Hinzu kommt die Bedienungsfreundlichkeit: Das Leica-Elmar ist kein Autofocus-Objektiv und die Scharfstellung erfolgt dort über einen sehr griffigen, breiten Ring. Beim Canon-Telezoom dagegen verlässt man sich wohl sehr darauf, dass die Mehrzahl der Benutzer ihre Aufnahmen bei Tageslicht mit Autofocus machen wird. Deswegen kann manuell nur über einen schmalen, fummeligen Ring fokussiert werden. Eine genaue Fokussierung ist so kaum möglich. Das sollte man aber wissen, wenn man vorhat, sein mitgeliefertes Teleobjektiv auch an astronomischen Zielen zu verwenden.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

30 Kommentare

  1. Hm, irgendwas verstehe ich nicht:

    Das Leica-Bild hast du mit f/5.6, ISO 400, und 1/200 s aufgenommen. Das Canon-Bild mit f/5,6, ISO 100, und 1/500 s, also gut drei Blendenstufen weniger. Warum ist das Canon bild genauso hell, abgesehen von der grausligen Schärfe, die mich echt überrascht?

    • Du hast natürlich vollkommen Recht. Ich bin bei der Erstellung der Bildunterschriften trotz der EXIF-Daten etwas durcheinander gekommen. Die hier gezeigte Aufnahme mit dem Leica-Telezoom war mit f11 (nicht f/5.6), ISO 400 und 1/200 s aufgenommen. Ich habe in der Serie auch ein Bild mit f5.6 und viel kürzerer Belichtungszeit, das sich aber nicht wesentlich vom gezeigten unterscheidet. Meine Verwirrung rührt daher, dass dieses alte Objektiv, das mit einem Adapter an der DSLR montiert wird, natürlich ihre Blendendaten nicht an die Kamera meldet. Die Kamera schreibt dann einfach den eingestellten Blendenwert in die EXIF-Daten, der aber bei manueller Belichtung irrelevant ist. Deshalb notierte ich mir den Blendenwert nebenbei, aber das ging schief.

      Mit der geschlossenen Blende ist zwar die Tiefenschärfe etwas erhöht, was aber – was ich an den Aufnahmen sehe, die mit mit offener Blende gemacht wurde – hier keinen große Einfluss hat. Die schlechte Fokussierung führe ich, wie gesagt, nicht allein auf die geringere optische Leistung des Canon-Objektivs zurück, sondern auch auf die wirklich deutlich scxhlechtere Ergonomie. Das Leica-Objektiv ist halt dafür konstruiert worden, unter allen Bedingungen manuell fokussiert zu werden. Beim Canon-Objektiv war die manuelle Fokussierbarkeit wohl eher eine Art Nachgedanke.

      • Das erklärts, danke. Der Fairness halber sollte man die Objektive schon bei gleicher Blende gegeneinander testen.

        Das Canonbild ist so mies, dass ich schon an einen verstellten Fokus gedacht habe. meine Canonobjektive sind (v.a. auch die billigen) ziemlich gut – so hab ich ein 50mm, dass locker mit einem erheblich teureren Zeiss 50mm mithalten kann (bei einer Blendenstufe mehr allerdings). Was das manuelle scharfstellen angeht, hast du aber recht, das ist bei denen eher Glückssache. Beim Mond funzt ja oft genug auch der Autofokus noch.

        • Ja, keine Frage. Ich habe ja auch bei gleicher Blende getestet, aber nur eben hier nicht gerade die Bilder für dieselbe Blendeneinstellung gepostet. Am Gesamtergebnis ändert sich nicht wirklich was. Richtig – der Fokuspunkt ist nicht gefunden. Eben wegen der schlechten Ergonomie.

          Dass Canon bessere Objektive als die bauen kann, was sie einem beim Kauf eines DSLR-Sets mitgeben, bezweifele ich nicht. Festbrennweite ist sowieso schon mal eine ganz andere Sache als Zoom, zumal, wenn letzterer auch noch preiswert sein muss. Deine Aussage zur Qualität deines 50ers kann ich absolut nachvollziehen.

          Vom 18-55 Normalzoom von Canon dagegen kann ich gerade bei astrofotografischen Anwendungen dagegen ebenso wenig schwärmen wie vom Telezoom. Die Verzeichnung hier ist schon ärgerlich zu nennen.

          Ich denke, ich werde einfach mal mehr mit meinen alten Leica-Objektiven arbeiten. Dann kriegen die wenigstens mal was zu tun.

    • Es stimmt schon, man sollte keine allzu überzogenen Erwartungen an etwas stellen, das im Set mitgeliefert wird, damit der Kunde der Kamera eines Herstellers den Vorzug über die eines anderen gibt. Die allermeisten Kunden, auch von DSLRs, werden kaum jemals den Autofokus und die automatischen Belichtungsprogramme abschalten. Dann werden sie auch von den Schwächen der Optik meist nicht viel mitbekommen.

      Die Minderheit von Leuten, die das Fotografieren noch einer rein mechanischen Kamera gelernt haben, wissen zwar um die Schwächen heutiger Massenoptiken, aber sie akzeptieren das in der Regel auch.

      Wie gesagt, im gegebenen Fall war das Problem wohl nicht so sehr die Schwäche des optischen Systems, sondern eine Kombination aus nicht überragender Optik, mittelmäßiger Verarbeitung und schlechter Ergonomie, die aber im normalen Betrieb nicht auffallen und auch nicht zum wirklichen Problem werden. Auf der Webseite von Schneider-Kreuznach werden gerade mechanische oder ergonomische Probleme gar nicht angesprochen. Da geht es rein um optische Messwerte.

      Ich beschwere mich ja auch nicht. Ich dokumentiere nur. Das nächste Mal packe ich das Canon-Tele gar nicht mehr ein, wenn ich weitwinklige Astronomieaufnahmen machen will.

      Zu Schneider fällt mir gerade noch was ein: Vor vielen Jahren hatte ich eine Mittelformatkamera vom Typ Exakta 66. Diese verwendete Schneider-Kreuznach-Objektive, die nach meinem Eindruck zumindest damals den Maßstab setzten. Die konnten im Mittelformatbereich mit der Konkurrenz von Rollei und Carl Zeiss nicht nur mithalten, sie waren in vielerlei Hinsicht das entscheidende Quäntchen besser. Kam mir zumindest so vor. Leider war das Fotografieren mit der Exakta 66 dann doch keine Freude, denn dieses nicht gerade niedrigpreisige Gehäuse verwendete für den Filmtransport die als sehr unzuverlässig verschriene Mechanik der DDR-Mittelformatkamera Pentacon Six. Eine Kamera ist aber ein Gesamtsystem – erstklassige Optik mit einem Gehäuse, das dauernd zur Reparatur muss, nützt nichts. Schade.

      Ich versuche jetzt zu eruieren, was ich mit dem sehr guten Schneider-Objektiv anfangen kann. Es gibt hoffentlich eine Möglichkeit, es an einer Digitalkamera einzusetzen, so wie ich die Leica-R-Objektive an der Canon EOS einsetze und die Leica CL-Objektive an der Sony NEX.

      • Hat Ihre “Mittelformatkamera vom Typ Exakta 66” ein P6 Steck- oder Klemmbajonett? Denn dafür gibt es meines Wissens nach noch Adapter für einige andere Objektiv-Anschlüsse. Ob es sich lohnt ein gebrauchtes Gehäuse zu kaufen kann ich nicht sagen, denn Sie möchten ja sehr wahrscheinlich nicht wieder mit Rollfilmen fotografieren.

        • Danke für den Hinweis!

          Inzwischen habe ich mich nochmals etwas schlau gemacht und festgestellt, dass es tatsächlich Adapter für die Objektive der Exakta 66 (die Objektive haben das Pentacon Six-Bajonett) auf die Canon EOS gibt (Beispiel) Auf die Möglichkeit, das Objektiv an der Kleinbild-DSLR zu verwenden, wäre ich gar nicht gekommen. Aber das ist für mich sogar noch die beste Lösung.

          Noch ein Gehäuse möchte ich auf gar keinen Fall, schon gar nicht von einer Rollfilmkamera und dann überhaupt nicht von der Exakta 66, die wirklich einzige Kamera meines Lebens, mit der ich grundunzufrieden war, und zwar allein wegen des Filmtransports.

          Ich werde mal antesten, wie sich das Schneider-Objektiv auf der Canon verhält, im Vergleich zum Leica-Normalobjektiv. Ich berichte dann. An das Leica-Objektiv knüpfe ich hohe Erwartungen, nachdem ich gesehen habe, wie wacker sich das Leica-Telezoom nach der Transplantation geschlagen hat.

          • Freut mich, dass Sie einen passenden Adapter gefunden haben. Auf die Aufnahmen bin ich natürlich schon gespannt.
            Kommentator @Jan Exner hat mich auf die Idee gebracht, mal Mondaufnahmen mit meinem Nikkor 50 mm 1:1.4 MF zu versuchen. Es ist mein bestes Objektiv, hat aber keinen Autofokus. Richtige Astroaufnahmen sind mit einem Normalobjektiv natürlich nicht drin, aber den Mond mit etwas Landschaft kann ich mir auch schön vorstellen.

          • Zusätzlich zu den von Jan Exner vorgeschlagenen Strichspuraufnahmen kann man mit einem so lichtstarken 50er durchaus schon schöne Weitfeldaufnahmen machen, auch ohne Nachführung – ein wackelfreies Stativ sollte es aber schon sein. Eine ganze Menge der Sterne im Orion sollte man auf jeden Fall abbilden können (Orion passt gerade so ins Bild, zumindest ohne den hochgereckten Arm), wobei man M42 da schon mehr als nur erahnen kann, vielleicht sieht man sogar schon die Färbung.

            Sie können bei kurzen Brennweiten locker bis auf mehr als eine Sekunde gehen, ohne dass die Erdrotation sich sichtbar störend bemerkbar macht. Am Besten immer ein paar Serien mit unterschiedlichen Belichtungszeiten (z.B. von 5 s bis hinunter zu 1/20 s) machen. Kostet ja nix im Zeitalter der digitalen Kameras. Auch mit dem ISO-Wert sollte man etwas experimentieren. Bei ISO 800 nimmt das Rauschen noch nicht überhand. Das kommt aber auf die Kamera an.

            Sehr schön ist das von Ihnen angesprochene Mondlicht auf der Landschaft, wie schon der Dichter sagte (Shakespeare: “Der Kaufmann von Venedig”, V. Akt, 1. Aufzug). Wolken, ansonsten von Himmelsbeobachtern eher als lästig wahrgenommen, erhöhen den ästhetischen Reiz sogar.

          • Ich war erstaunt, wie lange man mit ganz kurzen Brennweiten belichten kann, ohne dass die Sterne Spuren ziehen. Eigentlich ist es ja klar, dass das so sein muss, trotzdem haben mich die Zahlen überrascht. Da kann man die Ausgabe für eine Nachführung sparen. Es sei denn, man möchte die ohnehin haben, weil man auch längerbrennweitige Astrofotografie betreibt. Aber auch dann ist es schön, wenn man einfach mal ‘Rausgehen und die Kamera auf ein Stativ setzen und 15 Sekunden lang belichten kann, ohne großen Aufwand mit Einnorden etc.

          • @Jan Exner: Danke für die Idee mit den Strichspuraufnahmen. Werde ich mal versuchen!

          • @Michael Khan

            “Eine ganze Menge der Sterne im Orion sollte man auf jeden Fall abbilden können (Orion passt gerade so ins Bild, zumindest ohne den hochgereckten Arm), wobei man M42 da schon mehr als nur erahnen kann, vielleicht sieht man sogar schon die Färbung.”

            Falls das Wetter über Ostern einigermaßen passt werde ich mal einen Versuch wagen – zumindest der Mond mit Wolken müsste drin sein. Beim Stichwort M42 fiel mir ein, dass ich noch ein uraltes 35 mm 1:2.8 Weitwinkelobjektiv mit diesem Anschluss besitze, dafür werde ich mir nun einen Adapter bestellen. Tja, auf was man hier nicht so alles kommt. 🙂

          • Ja, stimmt, das alte M42-Gewinde …

            Die alten Objektive sind oft die bessere Wahl. Früher machen die Leute beim Fotografieren noch alles selbst und wissten, was Blende und Belichtungszahl und ISO (bzw. damals DIN)-Empfindlichkeit bedeuten ud vor allem, wie das alles zusammenhängt. Heutzutage stellen doch die meisten einfach das vollautomatische Programm ein (wenn sie eine DSLR besitzen), die Kamera macht das dann schon. Die Kamera macht das auch wirklich zugegeben besser als ein unerfahrener Fotograf.

            Vor allem wird das vollautomatische Programm der Kamera die offene Blende vermeiden wie der Teufel das Weihwasser, denn bei offener Blende machen sich alle Schwächen der Optik sofort bemerkbar. Früher kamen die Objektivhersteller mit so was nicht so leicht durch, denn da entschied noch der Kamerabesitzer selbst, welche Einstellungen er wollte.

            Astrofotografie ist Fotografie unter Extrembedingungen. Wer sich mit den Grundlagen gut auskennt (was bei Ihnen ja der Fall ist), hat eine gute Ausgangsposition, wird aber immer noch eine ganze Menge umdenken müssen.

            Wer übrigens ein wirklich kurzbrennweitiges Objektiv sein eigen nennt, sollte sich darauf einstellen, es in knapp einem Monat einsetzen zu können. Ich muss aber gleich dazu sagen, dass ein Kleinbild-35 mm-Objektiv, wenn es an eine APS-C-Digitalkamera mit ihrem Crop-Factor von etwa 1.6 angeschlossen wird, in dem erzielten Bildwinkel einer Brennweite von mehr als 50 mm in der Kleinbildwelt entspricht, was nicht wirklich Weitwinkel ist.

  2. Das ist hier ja mal wieder eine sehr interessante Diskussion bezüglich Kameras und was man damit machen kann, stelle ich fest. 🙂
    Ich hätte dazu denn auch gleich mal ‘ne Frage: Auf dem Foto vom Sternbild Orion manchen sich die Verzeichnungen dadurch bemerkbar, dass die “Ecksterne” (Beteigeuze, Bellatrix, Rigel & Saiph) alle in Richtung der Bildecken lang gezogen sind, oder?
    Dann wären da noch diese blauen “Farbkränze”, die insbesondere bei den drei Gürtelsternen zu erkennen sind. Was ist denn das genau für ein Effekt? Der ist mir letzte Woche nämlich auch mal aufgefallen, als ich den Mond durchs Spektiv betrachtet habe. Da war es aber der “Rand des Mondes” in Richtung Sonne, der so einen blauen Schimmer aufwies.

    Zum Schluss wäre dann noch zu erwähnen, das ich es endlich auch mal geschaft habe, den Saturn vor die Linse zu bekommen und erstmals die Ringe in Natura gesehen habe. Was mich dabei gewundert hat war, dass die Abbildung nicht viel grösser erschien, als ein Fingernagel vom kleinen Finger, oder eine halbe Briefmarke, wenn man so will. – Und das bei ungefähr 60-facher Vergrösserung.

    • Soso, Sie kennen jetzt auch schon alle Ecksterne des Sternbilds Orion mit Namen? Nicht schlecht.

      In der Tat, Sie haben die Coma entdeckt, also der Asymmmetriefehler, der umso stärker wird, je weiter das Objekt von der Bildmitte entfernt ist. Die ist hier ziemlich stark, was an mangelnder Qualität des Objektivs liegt. Ich werde es demnächst mal mit einem guten Festbrennweitenobjektiv verwenden.

      Der zweite Bildfehler ist, wie von Mona richtig bemerkt, chromatische Aberration, die dadurch bedingt ist, dass unterscheidliche Farben, also unterschiedliche Wellenlängen, unterschiedlich stark gebrochen werden udn deswegen an leicht unterschiedlichen Positionen abgebildet werden, was zu diesen Farbsümen führt. Gute Apochromaten korrigieren die chromatische Aberration wirklich sehr efektiv, dazu werden verschiedene Linsen und Kombinationen hochwertiger Glassorten verwendet.

      Chomatische Aberration tritt verstärkt dort auf, wo große Helligkeitskontraste vorliegen und wenn die Fokussierung nicht ganz stimmt. Man kriegt sie bei Linsensystemen nie ganz weg, aber man kann sie sehr weit reduzieren. Das wurde bei dem Biligzoom aber nicht versucht. Kann man ach nicht erwarten – im Normalbetrieb ist die CA nicht zu sehen, und Astrofotografie ist aus Sicht eines Kameraherstellers kein Normalbetrieb.

      Sie haben mit Ihrem Spektiv einen blauen Farbsaum gesehen. Mit einer kleinen Veränderung der Scharfeinstellung hätte der Farbsaum seine Farbe geändert. Als ich unlängst mit dem alten Leica-Telezoom den Mond aufnahm, habe ich sogar die chromatische Aberration zur Fokussierung benutzt. Roter Farbsaum: Kurz vor dem Fokuspunkt, grüner Farbsaum: kurz nach dem Fokuspunkt, kein Farbsaum: scharf! Das ging besser als mit der Konzentration auf den Mondrand oder einen Krater, funktioniert aber nur mit einem guten Objektiv.

      • Soso, Sie kennen jetzt auch schon alle Ecksterne des Sternbilds Orion mit Namen? Nicht schlecht.

        😀 😀 *LOL* – Der ist gut! 😀
        Aber mir fiel keine bessere Bezeichnung ein, um die 4 Sterne als Gruppe zu benennen. Dass zum ganzen Sternbild noch mehr zum gehören, weis ich auch. Der Haken ist, dass die Sterne, die den Kopf und den Arm mit der Keule darstellen sollen, sowie den Bogen, bzw. in der Stellarium-Figurendarstellung eine Art Fell einer mittelgrossen Katze, so schlecht erkennbar sind, weil sie nicht zu den hellsten gehören.

        In der Tat, Sie haben die Coma entdeckt, also der Asymmmetriefehler, der umso stärker wird, je weiter das Objekt von der Bildmitte entfernt ist.

        Ah ja, danke für die Aufklärung.

        Der zweite Bildfehler ist, wie von Mona richtig bemerkt, chromatische Aberration, die dadurch bedingt ist, dass unterscheidliche Farben, also unterschiedliche Wellenlängen, unterschiedlich stark gebrochen werden udn deswegen an leicht unterschiedlichen Positionen abgebildet werden, was zu diesen Farbsümen führt. Gute Apochromaten korrigieren die chromatische Aberration wirklich sehr efektiv, dazu werden verschiedene Linsen und Kombinationen hochwertiger Glassorten verwendet.

        Was dann vermutlich der Grund dafür ist, dass solche Optiken entsprechend teuer sind, schätze ich.

        Chomatische Aberration tritt verstärkt dort auf, wo große Helligkeitskontraste vorliegen und wenn die Fokussierung nicht ganz stimmt. Man kriegt sie bei Linsensystemen nie ganz weg, aber man kann sie sehr weit reduzieren.

        Sie haben mit Ihrem Spektiv einen blauen Farbsaum gesehen. Mit einer kleinen Veränderung der Scharfeinstellung hätte der Farbsaum seine Farbe geändert.

        Das hab ich vergangene Nacht mal ausprobiert, bzw. es war eigentlich schon morgen, denn die nautische Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Je nach schärfe hatte ich dann auch unterschiedliche Farben, aber wie Sie auch geschrieben haben, gingen sie nicht ganz weg. – Ich denke auch, dass das Spektiv nicht für astronomische Beobachtungen gebaut wurde. Denn bei Tageslicht fallen diese Farbsäume nicht auf.

        Als ich unlängst mit dem alten Leica-Telezoom den Mond aufnahm, habe ich sogar die chromatische Aberration zur Fokussierung benutzt. Roter Farbsaum: Kurz vor dem Fokuspunkt, grüner Farbsaum: kurz nach dem Fokuspunkt, kein Farbsaum: scharf! Das ging besser als mit der Konzentration auf den Mondrand oder einen Krater, funktioniert aber nur mit einem guten Objektiv.

        Interessant. Mir ist beim Spektiv augefallen, das es trotz der grossen Entfernung einen Unterschied macht, ob ich den Mond am Rand scharf stelle oder an einer Formation in der Mitte. Der Unterschied ist zwar nicht sehr gross, aber da der Mond ja doch sehr gross ist, und es sich um mehrere 100 Km Distanz zwischen Rand und Mitte handelt, fällt er doch auf.

        —-

        Wer übrigens ein wirklich kurzbrennweitiges Objektiv sein eigen nennt, sollte sich darauf einstellen, es in knapp einem Monat einsetzen zu können.

        Ah ja. Was gibt’s da zu sehen?

        Ich muss aber gleich dazu sagen, dass ein Kleinbild-35 mm-Objektiv, wenn es an eine APS-C-Digitalkamera mit ihrem Crop-Factor von etwa 1.6 angeschlossen wird, in dem erzielten Bildwinkel einer Brennweite von mehr als 50 mm in der Kleinbildwelt entspricht, was nicht wirklich Weitwinkel ist.

        Ich hab ein 24mm Weitwinkel, auch Makro-tauglich; wie verhält es sich damit?

        —-

        Ich verlinke hier mal die häufigsten Abbildungsfehler:

        http://de.wikipedia.org/wiki/Abbildungsfehler

        Ah, besten Dank, das hilft ja schon mal weiter.

        • Verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde das wirklich gut, dass Sie so viele Sternnamen kennen. Bei mir hätte es für Beteigeuze, Rigel und bellatrix gereicht. Saiph hätte ich schon nachschlagen müssen.

          Zur chromatischen Aberration: Die fällt in der Tat dann am meisten auf, wenn die Kontraste sehr hoch sind. Ich vermute, dass Sie am Tag auch nicht davon verschont bleiben – beispielsweise wenn Sie ein sehr dunkles Dach vor dem hellen Himmel sehen.

          Was das Scharfstellen am Mond angeht, da kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass es etwas ausmachen kann, ob man den Mondrand oder Objekte mitten auf der sichtbaren Scheibe anvisieren. Wenn Sie da wirklich nachfokussieren mÜssen, halte ich das eher für ein Zeichen dafür, dass Sie aufgrund der chromatischen Aberration den Rand nicht richtig sehen können.

          In den technischen Beschreibungen Ihres 24mm-Objektivs (findet man auch im Internet) müsste stehen, was es für einen Bildwinkel horizontal, digital udn diagonal hat. Sie verwenden eine Kleinbild-Kamera mit Film, richtig? Dann ist 24 mm schon ein guter Weitwinkel.

          • Verstehen Sie mich nicht falsch,

            Keineswegs. Ich fand den Spruch wirklich witzig, sonst hätte ich die entsprechenden Smilies nicht angebracht. 🙂

            ich finde das wirklich gut, dass Sie so viele Sternnamen kennen.

            Oh, danke für die Blumen, aber ob das so viele sind, ist doch noch ‘ne andere Frage. 🙂

            Die chromatische Aberration ist mir bei Tag noch nicht aufgefallen, da ich das Gerät auch nicht soo oft nutze. Und was den Mond angeht, Nun vielleicht haben Sie recht, denn das Teil wackelt auf dem Kamerastativ auch fürchterlich. Den Saturn konnte ich beispielsweise auch erst dann in voller Schönheit bewundern, als auch die letzten Schwingungen abgeklungen waren.

            In den technischen Beschreibungen Ihres 24mm-Objektivs (findet man auch im Internet) müsste stehen, was es für einen Bildwinkel horizontal, digital udn diagonal hat.

            Naja, da hab ich leider nichts gefunden. Auf dem Objektiv und dem Deckel steht “EXAKTA”, dazu findet man den ehemaligen Kamerahersteller Ihagee, der mal eine gleichnamige Produktlinie anbot. Aber den gab’s schon nicht mehr, als ich das Objektiv gekauft habe. Dann steht in der Wikipedia noch, dass einige japanische Hersteller zeitweise den Markennamen EXAKTA benutzt haben, aber das war’s dann auch. Über http://camerapedia.wikia.com/wiki/Camerapedia kam ich dann noch auf die Firma Cosina, u.a. ein Auftragsfertiger für verschiedene Marken, aber ob das Objektiv von dort kommt, oder sonstwoher hab ich nicht heraus gefunden.

            Sie verwenden eine Kleinbild-Kamera mit Film, richtig? Dann ist 24 mm schon ein guter Weitwinkel.

            Ja, richtig. Das 24mm Objektiv war dasjenige mit der kürzesten Brennweite, das ich damals kriegen konnte.

            Aber Sie haben vergessen, die Frage zu beantworten, wozu man das Weitwinkelobjektiv demnächst gebrauchen kann.

          • Ein Weitwinkelobjektiv kann man natürlich immer gebrachen, aber der besondere Anlass, den ich meine, wird an dieser Stelle am 11.5.2014 in der üblichen Detailfülle beschrieben stehen.

            Nur so viel vorab: Dieses Ereignis erschien mir so wichtig, das ich gerade in ein 10-mm-Okular für meine Canon investiert habe.

          • Bei Ihnen rutscht auch keiner meiner Fehler durch. Natürlich – ein Objektiv war gemeint. Hoffentlich funktioniert das damit auch so, wie ich mir das vorstelle.

          • Ein Weitwinkelobjektiv kann man natürlich immer gebrachen, aber der besondere Anlass, den ich meine, wird an dieser Stelle am 11.5.2014 in der üblichen Detailfülle beschrieben stehen.

            Nun gut, dann lass ich mich mal überrraschen.

            Nur so viel vorab: Dieses Ereignis erschien mir so wichtig, das ich gerade in ein 10-mm-Okular für meine Canon investiert habe.

            Sie meinen ein 10mm-Objektiv für Ihre Kamera, oder?

        • Vor den Abbildungsfehlern hätte ich vermutlich erst diese Seite verlinken sollen, auf der alle gängigen Objektivarten beschrieben werden und auch der von Herrn Khan angesprochene “Crop-Factor”:

          http://bilder.quelle.at/pool/formatpdf/4712416.pdf

          Da verschiedene Kamerahersteller leicht unterschiedliche Sensorgrößen benutzen ist der Crop-Faktor nicht immer exakt gleich. So beträgt er beispielsweise bei Canon 1,61 und bei Nikon und Sony 1,53. Wenn Sie nun Ihr 24 mm Weitwinkel auf einer dieser Digitalkameras benutzen würden, so müssten Sie die Brennweite des Objektivs mit dem Crop-Faktor multiplizieren und bekämen dann eine Weitwinkelfunktion, die nur mehr einem Wert von 38,64 mm bzw. 36,72 mm entspräche.

  3. @Hans

    “Naja, da hab ich leider nichts gefunden.”

    Wenn Sie Ihr Objektiv weiterhin mit einer analogen Kamera mit Kleinbildfilm verwenden wollen (und nicht mit einer Digitalkamera), dann gelten für die Brennweite 24 mm folgende Bildwinkel: In der Höhe 53°, in der Breite 74° und in der Diagonale 84°.

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