DART: Es kracht am 27.9.2022 um 01:14 MESZ

Trajektorie von DART zwischen Start und Ankunft am Asteroiden 65803/Didymos. Quelle: Michael Khan mit Daten von NASA/JPL-Horizons.

Die Asteroidenmission DART wurde am 23.11.2021 um 22:21 PST gestartet und ist jetzt bald am Ziel. Am 26.9.2022 um 23:14 Ostküsten-Sommerzeit, und damit gerade rechtzeitig für die Abendnachrichten im US-Fernsehen (23:14 UTC bzw. am 27.9. um 01:14 unserer Zeit) wird die Raumsonde mit 6.15 km/s auf Dimorphos krachen, den 160 Meter großen Mond im Binärsystem 65803 Didymos.

DART (=”Double Asteroid Redirection Test”) ist Bestandteil des NASA-ESA-Gemeinschaftsprojekts AIDA (“Asteroid impact and Deflection Assessment”). Dieses Projekt umfasst zwei Missionen: DART (NASA) und HERA (ESA). Vereinfacht gesagt: DART kracht in den Asteroiden und HERA guckt sich nachher den Schaden an. 

DART selbst führt noch einen Cubesat (Kleinstsatelliten) namens LICIACube aus Italien mit. Dieser wurde am 11. September ausgesetzt, also 15 Tage vor dem Einschlag von DART. LICIACube benutzt sein Antriebssystem, um seine Ankunft im Didymos-System um drei Minuten zu verzögern und die eigenen Bahn zu zu ändern, dass die Sonde in sicherem Abstand vorbeifliegt. So kann LICIACube den Impakt und die erzeugte Wolke von Auswurfmaterial dokumentieren. Die Bahn von LICIACube bleibt aber trotz der kleinen Anpassungen immer noch weitgehend dieselbe wie die von DART – auch LICIACube wird zwangsläufig mit über 6 km/s vorbeirauschen, sodass wenig Zeit für Bilder bleibt.

DART hat eine schwierige Aufgabe. Es ist keine Kleinigkeit angesichts der hohen Relativgeschwindigkeit, einen so kleinen Körper wie Dimorphos zu treffen. Ein automatisches System übernimmt die Steuerung vier Stunden vor dem Impakt, im Abstand von knapp 90,000 km. Ein geschlossener Regelkreis verwendet die Bilder der Navigationskamera namens DRACO an Bord von DART. Das System beobachtet, wo Dimorphos gerade ist und berechnet, wo der Asteroidenmond zum Impaktzeitpunkt sein wird. Auf diese Stelle wird DART gezielt, mit kleinen Manövern von vier Steuerdüsen, oben, unten, links und rechts. Das Zielen wird kontinuierlich verfeinert, bis etwa 2 Minuten vor dem Impakt, also beim Abstand von etwa 700 km. Das System unterscheidet dabei zwischen dem 800 Meter großen Mutterasteroiden und dem 160 Meter großen Mond Dimorphos. Es wäre ja peinlich, wenn DART auf den falschen Körper kracht.

Ob es geklappt hat, wird man schon sehr bald anhand der letzten Bilder von DART sowie der Aufnahmen von LICIACube wissen. Man will aber mehr wissen, nämlich wie stark durch den Impakt die Bahn von Dimorphos verändert wurde. Die Umlaufperiode beträgt 12 Stunden. Man rechnet mit einer Änderung von bis zu einigen Minuten. Das kann anhand der Beobachtung der Lichtkurve durch Teleskope auf der Erde sehr genau bestimmt werden, aber dazu braucht man schon noch etwas Zeit. 

Natürlich wird das große Finale der Mission DART live übertragen.

Mehr Informationen finden Sie im Press Kit der Mission. 

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

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