Chinesen sind hinter dem Mond und tun was

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Die aktuelle chinesische Mondmission Chang’E-5-T1, ein Technologiedemonstrator als Vorbereitung für weitere, wesentlich anspruchsvollere Missionen zu unserem Trabanten, ist weitgehend aus der Presse verschwunden.  Man hat anlässlich des Mondvorbeiflugs ein bisschen davon geredet, dann ein paar Tage später noch einmal von der geglückten Landung der Kapsel. Das war’s.

Dabei ist die Mission auch jetzt noch lange nicht vorbei. Chang’E-5-T1 bestand aus zwei Elementen:

  • Der Kapsel, mit der ein “Skip-Reentry” absolviert wurde. Dies ist ein komplexer Wiedereintritt mit zeitweiligem Verlassen der Atmosphäre und einer dadurch sehr gestreckten Flugbahn. Die Kapsel sieht aus wie eine maßstäblich verkleinerte Version des Eintrittsmoduls des bemannten Raumschiffs Shenzhou (bzw. nicht gerade zufällig des Eintrittsmodul des russischen Sojus-Raumschiffs)
  • Dem Träger (manche Berichte sprechen auch von einem “Service-Modul”; gemeint ist dasselbe): Dies ist eine Modifikation des chinesischen Satellitenbus DFH-3A, einer Plattform für Kommunikations- oder Navigationssatelliten in mittleren oder geostationären Bahnen.

Hier die Eckpunkte der Mission:

  • 23. Oktober 2014: Start auf einer Rakete vom Typ Langer Marsch 3C/E, Einschuss in den Transfer zum Mond.
  • 27. Oktober 2014: Mondvorbeiflug und dabei gravitative Umlenkung auf einen vier-Tages Transfer zur Erde. Hierbei wurde auch die bekannte Aufnahme mit der Rückseite des Monds im Vordergrund und der Erde im Hintergrund gemacht, die es am 4.11.2014 zu APOD-Weihen schaffte.
  • 31. Oktober 2014: Abtrennung der Eintrittskapsel 20 Minuten vor dem Wiedereintritt. Die Kapsel landete wohlbehalten in der inneren Mongolei. Der Träger absolvierte gleich nach der Abtrennung ein Manöver zum Anheben seines Perigäums (sonst wäre er auch in die Atmosphäre eingetreten und dabei zerstört worden). Seine Bahn war nach wie vor hochexzentrisch, mit einer Apogäumshöhe von etwa 540,000 km. Das neue Perigäum nach dem Anheben lag 600 km über der Erdoberfläche. Diese Bahn hatte eine Umlaufperiode von rund 17 Tagen.
  • Das nächste Apogäum wurde am 9 November, das nächste Perigäum am 17. November durchlaufen. Auf diesem Umlauf fand keine Mondbegnung statt. Am Apogäum wurde das Erde-Mond-System mit der Erde im Vordergrund fotografiert.
  • Die Bahn wurde durch Korrekturmanöver so angepasst, dass der Satellit am 23. November wieder dicht am Mond vorbeiflog und dabei ein Einschussmanöver absolvierte, das die Relativgeschwindigkeit so weit reduzierte, dass der Satellit gerade so eben eingefangen war – in einer parabolischen Bahn, die zur Lagrange-Region L2 des Erde-Mond-Systems führte, rund 55,000 km “hinter dem Mond”, von der Erde aus gesehen.
  • Die weite Lissajous-Bahn um den EML2-Punkt wurde am 27. November eingenommen. Seitdem wird die Sonde in dieser Bahn betrieben, auf der ein “Umlauf” 2 Wochen dauert.

Dort werden weitere operationelle Experimente betrieben. Zum einen ist der Betrieb eines Raumfahrzeugs im EML2 anders als in der L2-Region des Erde-Sonne-Systems, wo alles etwas langsamer passiert. Von der Lissajous-Bahn um EML2 kann man in auch anderswohin – man könnte mit minimalem Treibstoffaufwand zum EML1, in eine geozentrische Bahn oder sogar in einen der kollinearen Lagrange-Punkte ins Erde-Sonne System.

Man kann aber auch hinunter in einer niedrige Bahn um den Mond. Von der Lissajous-Bahn um den EML2-Punkt verzweigen Zonen gleicher Energie einmal hinunter in Mondnähe und einmal hinauf in eine geozentrische, der Bahn des Mondes ähnliche Trajektorie. In regelmäßigen Abständen sind diese sogenannten Mannigfaltigkeiten sogar mit anderen verbunden, die zu den Lagrange-Punkten 1 und 2 im Erde-Sonne-System führen. Zum Mond hinunter kommt man also leicht, aber um dort eine stabile, niedrige Bahn einzunehmen, muss bei der Ankunft ein großes Manöver verabreicht werden.

Das sollte aber kein Problem sein: Nachrichtensatelliten haben große Tanks. Der Träger von Chang’E-5-T1 war mit 1065 kg Treibstoff beladen, von denen jetzt noch 800 kg übrig sind. Die Bedienermannschaft kann also noch eine Menge Dinge ausprobieren und dabei eine ganze Menge nützlicher Dinge lernen.

In nicht allzu ferner Zukunft wird um einen der Lagrange-Punkte des Erde-Mond-Systems eine permanent bemannte Station kreisen. Auf Englisch nennt man das “manned hub” (Wichtiger wäre es wohl, zu wissen, wie man das auf Chinesisch nennt). Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass der EML2 bevorzugt werden wird.

Es ist bestimmt kein Zufall, dass Chang’E-5-T1 nun gerade dort positioniert wurde. Die Chinesen wissen, was sie tun, und sie tun eine ganze Menge. Schauen wir uns mal an, was diese Nation in den vergangenen Jahren im Weltraum geleistet hat:

  • 2003 flog ein chinesischer Raumfahrer (nein, kein Taikonaut!) in einem chinesischen Raumschiff, gestartet von einer chinesischen Rakete, um die Erde. Damit wurde China die dritte Nation weltweit und die erste asiatische Nation mit einem eigenen bemannten Zugang zum Weltraum.
  • 2005 flogen erstmals zwei chinesische Raumfahrer mit einem chinesischen Raumschiff ins niedrige Erdorbit.
  • 2007 wurde eine chinesische Raumsonde in eine Bahn um den Mond eingeschossen.
  • 2008 folgte der erste Flug mit drei chinesischen Raumfahrern, von denen einer eine Außenbordaktivität absolvierte.
  • 2011 wurde eine chinesische Raumsonde, die zunächst den Mond erkundet hatte, in eine Bahn um den Lagrange-Punkt 2 des Erde-Sonne-Systems befördert.
  • 2012 flogen drei chinesische Raumfahrer, darunter eine Frau, zu einer chinesischen Raumstation.
  • 2012 absolvierte die chinesische Raumsonde, die im ESL2 betrieben worden war, nach erfolgreicher Erdflucht einen nahen Vorbeiflug an einem erdbahnkreuzenden Asteroiden.
  • 2013 landete eine chinesische Sonde weich im Regenmeer auf dem Mond und setzte einen Rover ab.
  • 2014 demonstrierte eine chinesische Mission, nämlich besagte Chang’E-5-T1, die Fähigkeit der chinesischen Ingenieure, Eintrittskapseln vom Mond sicher auf chinesischem Territorium zu landen.
  • 2014 demonstrierte dieselbe chinesische Sonde den kontrollierten Betrieb um EML2.

Meine Damen und Herren, wir reden hier von einem Zeitraum von nur 12 Jahren. Diese Leute meinen es Ernst. Hier ist noch lange nicht Schluss. Es geht jetzt erst richtig los.

Die Europäer schickten übrigens 2003 eine kleine Raumsonde zum Mond und seitdem nichts mehr. Es wurde viel von anderen Orbitern, Pol-Landern oder gar Probenrückführung geredet (und geredet, und geredet, und noch mehr geredet). Sie schickten 2003 eine Sonde zum Mars und seitdem nichts mehr. 2003 konnte Europa keine eigenen Astronauten ins erdnahe Orbit schicken, weil sie weder eine dafür geeignete Rakete noch ein eigenes bemanntes Raumschiff besitzen. 2014 hat sich an dieser Situation immer noch gar nichts geändert.

Vielleicht sollten die Leute, die meinen, sie müssten sich vor der angeblichen Islamisierung des Abendlands fürchten, mal überlegen, ob sie ihre Ängste richtig sortiert haben. Was das Abendland fürchten sollte, ist die eigene technische Rückständigkeit und zukünftige wirtschaftliche und politische Irrelevanz und der damit einher gehende selbstverschuldete Mangel an Handlungspielraum.

Darüber mache ich mir Sorgen. Wer meint, wir hätten da gar kein Problem, macht sich etwas vor.

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Hier noch einige Bilder zur Mission Chang’E-5-T1. Diese Bilder und umfassende Informationen finden sich in der Berichterstattung zur Mission auf spaceflight101.com:

Computergenerierte Darstellung von Chang’E-5-T1 in der Konfiguration vor Abtrennung der Eintrittskapsel, Quelle: CCTV via spaceflight101.com
Gelandete Eintrittskapsel am 31.10.2014, Quelle: Xinhua via spaceflight101.com
Skizze des Transfers zum Liussajous-Orbit um EML2 und des möglichen Rücktransfers, Quelle: China National Radio via spacecflight101.com
Aufnahme des Erde-Mond-Systems während des ersten Mondvorbeiflugs am 27. Oktober 2014, Quelle: CASC/CCTV via spaceflight101.com
Aufnahme des Erde-Mond-Systems vom zweiten Apogäum am 17.11.2014, Quelle: Space Administration of Science, Technology and Industry for National Defence via spaceflight101.com

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

29 Kommentare

  1. Spontis und Gutmenschen haben das Ruder in Europa übernommen – und die wissen und fühlen genau, dass Geld für die Raumfahrt hinausgeschmissenes Geld ist. Geld, das ja immer knapp ist wird von diesen den wirklichen Sorgen der Menschen verpfilchteten Politikern lieber für Erneuerbare Energien, Wind- und Solarfarmen und Biotreibstoffe ausgegeben oder für die Mütterrente und andere soziale Wohltaten. Denn diese Poltiker wissen wo die Menschen der Schuh drückt und welche Zukunft die Europäer anstreben sollen. Zwar braucht es für diese Zukunft vielleicht auch andere Technologien als diejenigen, die die Europäer für sich selbst gerade noch akzeptieren und darum fördern, aber für dafür waren und sind ja die USA zuständig – und in nicht allzuferner Zukunft dann vielleicht die Chinesen.

    • Es geht im Artikel nicht um die Umverteilung von Geldern, sondern um die Erkenntnis, dass wir von Ländern wie China bald technisch überholt werden. Und dann bringen Sie auch noch die Mütterrente ins Spiel, bei der es sich ja nicht um eine neue Rentenart handelt, sondern lediglich um eine Verbesserungen bei der Anrechnung von Kindererziehungszeiten, d.h. Mütter oder Väter, deren Kinder vor 1992 geboren sind, erhalten zwei statt bisher ein Jahr Kindererziehungszeit pro Kind angerechnet.

      Wer in Bezug auf die Raumfahrt etwas voranbringen will, der darf die Leute nicht gegeneinander ausspielen, das schafft nur böses Blut. Der neue Chef der ESA, Johann-Dietrich Wörner, sagte dazu in einem Interview: “Ich möchte die Gesellschaft mehr einbeziehen. Oft war es so, dass Missionen geplant wurden und im Nachhinein haben wir erklärt, warum wir sie machen. Wir müssen die Bevölkerung und die Geldgeber aus der Politik stärker einbinden in die Frage, was wollen wir im Weltraum erreichen? Es klingt trivial, ist aber eine schwere Aufgabe, die Bedürfnisse der einzelnen Bürger und der Wissenschaftler aufzunehmen und daraus die richtigen Konsequenzen für unsere Arbeit abzuleiten. Das bedeutet aber auch, dass sich die Raumfahrt einem Paradigmenwechseln unterziehen muss. Dazu kommt der Fakt, dass der Tourismus eine größere Rolle spielt, ebenso die weitere Kommerzialisierung der Raumfahrt.”
      Quelle: http://www.zeit.de/wissen/2014-12/woerner-esa-bemannte-raumfahrt (Seite 2)

      • der sanfte Zynismus hinter “Der Mensch wird zum Mars fliegen, spätestens dann, wenn es hier auf der Erde zu warm ist.” im Interview mit dem neuen ESA-Chef spricht Bände. Das heisst doch: er kann sich sehr gut vorstellen, dass die Menschheit im Allgemeinen und die Europäer (die ESA) im Speziellen auch nicht in den nächsten paar Milliarden Jahren zum Mars fliegen – solange dauert es nämlich noch bis sich die Sonne zum roten Riesen aufbläht und es auf der Erde zu warm wird.
        Wer an die Weltraumerkundung glaubt, spricht anders. Er macht konkrete Pläne und geht schrittweise vor um ein grosses Ziel zu erreichen. So wie das die Chinesen machen.

        • Der neue ESA-Chef meinte nicht die Sonne, die sich eines Tages zu einem Roten Riesen aufblähen wird, sondern die Klimaerwärmung und deren Folgen.

          • Nein, das lässt er offen. Für den Informierten kommt aber nur das zweite in Frage.
            Mit solchen verbalen Spielereien wie er sie in diesem Satz demonstriert hat, zeigt der neue ESA-Chef, dass er kein verbissener Weltraum- und Technikfan ist und er zeigt auch, dass sein Einsatz wenn es ums Budget und grosse Pläne geht, beschränkt sein wird.

        • Man sollte eine einzige flapsige Bemerkung in einem Interview nicht überbewerten und dort alles mögliche hinein zu interpretieren versuchen.

          Es wird auf der Erde nicht erst dann zu warm (nicht nur für die Menschen, sondern für alles höhere Leben) wenn die Sonne tatsächlich nahe am Ende ihres Lebenszyklus steht. Meines Wissens geschieht das schon deutlich früher – uns bleiben vielleicht noch einige Hundert Millionen bis etwa eine Milliarde Jahre. Keineswegs ein paar Milliarden, aber wie auch immer – unmittelbaren Handlungsbedarf sehe ich nicht. Da gibt es jetzt erst einmal drängendere Probleme.

          Auch einen Zusammenhang zum Klimawandel sehe ich nicht, denn erstens ist mir nicht bekannt, dass der die Erde unbewohnbar machen würde. Er würde Schwierigkeiten machen, das ja. Aber eher der Zivilisation als der Natur.

          Zweitens, und wichtiger: Eine Menschheit, die technisch imstande ist, eine nennenswerte Anzahl von Menschen (und nicht nur 10,100 oder gar 1000) zum Mars zu bringen und ihnen dort das Überleben zu sichern, wird auch die Fähigkeit haben, die globale Erwärmung nicht weiter anzuheizen und mit den Folgen des Klimawandels fertig zu werden, sie vielleicht gar zu nutzen.

          Eine Menschheit deren Technologie nicht ausreicht und die sich von den Ereignissen vor sich her treiben lässt, hat auch gar nicht die Mittel zu einer interplanetaren Kolonisierung.

          Zusammengenommen: Diese eine zitierte Bemerkung macht, wie man es dreht und wendet, wenig Sinn. Man sollte sich nicht daran hoch ziehen.

          • Die flapsige Bemerkung des neuen ESA-Direktors zu Marsreisen bedeutet auf alle Fälle: Marsreisen liegen in der fernen Zukunft und Marsreisen sind nichts was die ESA gross beschäftigt. Hier muss man doch fragen: Warum ist eine bemannte Marsreise etwas was die NASA beschäftigt, worüber die ESA aber nur Witze macht? Wenn die ESA Europa und die EU repräsentiert, dann repräsentiert sie mehr Menschen als in den USA leben und auch mehr Wirtschaftskraft als in den USA vorhanden ist.

          • Auch die NASA beschäftigt eine bemannte Marsmission nicht zentral. Die Ziele für die bemannte Exploration sind der Mond (bzw. ein bemannter Hub in einem Erde-Mond-Lagrange-Punkt) und Asteroidenmissionen wie ARM. Mars ist da erst einmal etwas wie ein Fernziel.

            Es gibt natürlich immer zu allem und jedem Studien und mehr oder weniger schwammige Absichtserklärungen, was nicht bedeutet, dass alles dieselbe Priorität genießt.

            Die Frage, warum Europa es nicht einmal gebacken bekommt, bzw. das nicht für nötig hät, eigenen bemannten Zugang zum erdnahen Weltall zu schaffen, wenn das in den USA schon kleine Upstart-Unternehmen mit 3000 Angestellten können, stellt sich vollkommen unabhängig von bemannten Mars-Missionen.

      • Dieses Zitat von Herrn Wörner hätte inhaltlich auch von Herrn Khan sein können.
        Ansonsten stimme ich zu, dass man die Leute nicht gegeneinander ausspielen darf.

        Und warum sind die Bürger in Europa eigentlich mehrheitlich nicht mehr so sehr am technischen Fortschritt interessiert oder treffen diese unsinnige Unterscheidung zwischen “nützlicher Forschung und dem Menschen nicht dienender Forschung“? – Ich denke, die Antwort darauf ist gesellschaftlich begründet, bzw. liegt in der Gesellschaftspolitik der letzten 20 Jahre begründet, wo es eher darum ging, einen bestimmten Status Quo zu zementieren, als die Gesellschaft als Ganze weiter zu bringen. – So jedenfalls mein rein subjektiver Eindruck.

        Und ich befürchte, Herr Khan und einige andere sind (und bleiben vorläufig) sowas wie die einsamen Rufer in der Wüste, die man zwar interessant findet, aber (noch?) nicht wirklich ernst nimmt. Aber wahrscheinlich brauchen die westlichen Industriegesellschaften auch erst mal wieder so eine Art “Sputnik-Schock”, der in diesem Fall darin besteht, dass China eine Mannschaft auf den Mond schickt, die dort nicht nur ein bis zwei Tage bleibt, sondern etwa ein oder zwei Wochen. In jedem Fall aber länger als die Amerikaner bei den Apollo-Missionen. Wenn die so weiter machen wie bisher, könnte ich mir gut vorstellen, dass das so um das Jahr 2020 herum der Fall sein wird. Und richtig interessant dürfte die Reaktion westlicher Politiker werden, wenn die Chinesen anfangen, auf dem Mond eine Basis zu bauen…

        • Forschung soll den Menschen nützen und nicht schaden. Außerdem nimmt die Entwicklung einer komplizierten neuen Mission einfach eine gewisse Zeit in Anspruch. Dazu macht auch das Zitat von Wörner im Interview Sinn, wo er auf die Feststellung des Zeit-Reporters, dass die NASA Mitte der 2030er Jahre Astronauten zum Mars bringen wolle, antwortete:”Ich glaube, das wird noch länger dauern, 30, 40 Jahre bestimmt. Damit das gelingt, muss man technologisch noch einen richtig großen Sprung nach vorn machen. Nach aller Erfahrung dauert das seine Zeit. Aber ich garantiere Ihnen: Der Mensch wird zum Mars fliegen, spätestens dann, wenn es hier auf der Erde zu warm ist.”
          Im Gegensatz zu @Martin Holzherr nehme ich, wie gesagt, nicht an, dass das für “den Informierten” so auszulegen sei, “dass die Menschheit im Allgemeinen und die Europäer (die ESA) im Speziellen auch nicht in den nächsten paar Milliarden Jahren zum Mars fliegen ….”. Wörner meinet den Klimawandel, alles andere wäre Unsinn!

          • @Mona:
            Nun, ich denke auch, dass Herr Wörner in dem Interview den Klimawandel meinte.
            Ansonsten denke ich, dass wir abwarten müssen, bis irgendwer die ersten Menschen zum Mars schickt. Ich stimme Herrn Wörner aber drin zu, dass dafür noch ein grösserer technologischer Sprung nötig ist. Ich denke aber auch, dass der noch einige Zeit auf sich warten lässt, und der Anstoss dazu eher weniger aus Europa kommen wird. Wenn jedoch, was ich erwarte, die Chinesen in den 2020er Jahren anfangen sollten, eine permanent besetzte Mondbasis zu bauen, dann werden zumindeest die USA alles unternehmen, um mit China gleichzuziehen, d.h. ebenfalls anfangen, eine Mondbasis zu bauen. Allein schon aus Prestigegründen, denn es kann doch (aus amerikanischer Perspektive) nicht angehen, dass China was hat, das die USA nicht auch haben.
            Aus Europa wage ich eine solche Reaktion eher zu bezweifeln. Da werden eher die Bremser das Ruder übernehmen, oder jene die versuchen, sich dabei an die US-Entwicklung anzuhängen und eine Kooperation anzubahnen. In dem Fall hoffe ich aber, dass die USA den Europäern von Anfang an klipp und klar sagen, dass die Europäer sich selbst eine bauen sollen, wenn sie eine haben wollen. Platz genug ist ja da, und die nötigen Resourcen haben sie auch, sie müssen sie nur entsprechend nutzen.

          • @Hans 9. 1.2015: Folgendes: “die USA folgt China auf den Mond und die Europäer reden darüber oder werden Passagier der USA” denken wohl viele Europäer, US-Amerikaner und sogar Chinesen. Diese Erwartungen verraten schon viel über die Selbst-und Fremdwahrnehmung der erwähnten Blöcke. Die Europäer sind sich aber wohl zuwenig bewusst, was eine solche Haltung für ihre Zukunft bedeutet. Zumal eine Fortsetzung der Rolle Europas als lautstarker, aber passiver Partner der USA in Bereichen wie militärische Verteidigung, Weltraumforschung und Weltraumfahrt immer schwieriger wird, orientieren sich die USA doch zunehmend Richtung Pazifik. Dazu kommt noch der jüngste Schwenk der Russen hin zu China (Russland liefert China Waffen und Technik, China baut eine Hochgeschwindigkeitslinie Peking Moskau). Und Europa demonstriert Handlungsunfähigkeit: Nicht einmal die Eurokrise hat Europa in den Griff gekriegt und in der technologischen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsstaaten bleibt der Bilateralismus oder gar die Scheinkooperation das Mass aller Dinge.

            Mir scheint, dass Europa damit unter seinem Potenzial bleibt, ja dass eine EU, welche das zustande bringt, was wir heute beobachten, fehl am Platz ist.

            Damit die EU oder die ESA (zwei verschiedene Organisationen, aber mit ähnlichen Problemen) ihren Zweck erfüllen, müssten diese Gebilde ihre Zuständikeiten klarer definieren und dann innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs eine klarere Position einnehmen und mehr anpacken. Sonst kommt dann irgendwann der Punkt, wo die Jugend Europas sich schon ganz früh überlegen muss, auf welchen Kontinent sie auswandern soll.

          • @Hans und @Martin Holzherr:
            Die politischen Verwerfungen der letzten Zeit werden der europäischen Raumfahrt sehr schaden. Herr Wörner äußerte sich zwar in dem Zeit-Interview recht optimistisch bezüglich einer weiteren Zusammenarbeit mit Russland und er will auch die Bevölkerung und die Geldgeber mehr einbinden, doch Europa ist meines Erachtens zu stark von den USA abhängig um sich frei entscheiden zu können. Zudem kosten die aktuellen Krisen eine Menge Geld und Amerika verlangt, dass die Nato-Länder ihren Militäretat erhöhen und zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den eigenen Wehretat stecken. Dieser Forderung wird man wohl nachkommen müssen. Eine deutsche Wirtschaftszeitung empfiehlt schon mal sich mit Aktien der Rüstungsindustrie einzudecken, da diese fette Gewinne erwarten ließen. Ob da noch Geld für anspruchsvolle Raumfahrtprojekte übrigbleibt?

          • @Martin Holzherr

            die USA folgt China auf den Mond und die Europäer reden darüber oder werden Passagier der USA” denken wohl viele Europäer, US-Amerikaner und sogar Chinesen. Diese Erwartungen verraten schon viel über die Selbst-und Fremdwahrnehmung der erwähnten Blöcke.

            Das kann gut sein, und ich hätte es auch lieber anders, nämlich so, dass Europa sich seiner Möglichkeiten und Fähigkeiten bewusster wäre und dies auch ausnutzen würde. Nur wage ich zu bezweifeln, dass das von dem derzeitigen Führungspersonal in Politik und Wirtschaft geleistet werden kann. Ich nehme vielmehr an, dass die meissten davon viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und/oder aber so tief in irgendwelchen transatlantischen Organisationen verstrickt sind, (deren Führung natürlich in US-Hände liegt,) so dass sie gar nicht merken, dass sie Europa durch ihr handeln in der zweiten Reihe hinter den USA halten und so seiner Potentiale berauben. Das kann den USA natürlich nur recht sein, wo die doch die Führung der ganzen Welt anstreben *), sowohl auf politischer, als auch auf wirtschaftlicher und kultureller Ebene. (Denn das ist ja der Sinn von vielen dieser transatlantischen Organisationen.)

            ———————

            *) Einen Nachweis dazu liefert etwa dieser Artikel, erster Absatz unter dem 2. Bild.

        • […] unsinnige Unterscheidung zwischen “nützlicher Forschung und dem Menschen nicht dienender Forschung”? –

          In der Tat – eine vollkommen unsinnige Unterscheidung, die schnell dazu führt, Grundlagenforschung abzuqualifizieren und allein auf angewandte Forschung zu setzen, weil manche meinen, wenn nicht in absehbarer Zeit ein Produkt heraus kommt, hätte die Forschung nichts genützt. Es ist schnell gesagt, dass Forschung dem Menschen nützen soll, und wer würde da nicht zustimmen …. Aber was heißt das konkret?

          Chinesische Investitionen in die Hochtechnologei sollen wahrscheinlich gar nicht “der Menschheit” nützen. Sie sollen China fit machen für die Zukunft. Die Zeit, wo China die Werkbank der Welt ist, weil dort die Fertigung billig ist, nähert sich dem Ende.

          China wird sich danach nur über einen technischen Vorsprung gegenüber der wachsenden Konkurrenz behaupten können. Jetzt liegt das Augenmerk wohl darauf, den Brain Drain zu stoppen. Wenn die besten jungen Leute das Land verlasssen, wie soll es dann voran gehen?

          Wenn man aber den eigenen jungen Wissenschaftlern spannende und interessante Möglichkeiten für ihre Arbeit und Forschung bietet, dann werden sie im Lande bleiben.

          Wenn man sich mal beispielsweise im Silicon Valley umschaut und sich überlegt, was da noch ohne die hochqualifizierte Einwanderer aus Asien los wäre, dann wird schnell klar, dass der Aufstieg Asiens über die Investition in Hochtechnologie den Niedergang des Westens zur Folge haben wird, wenn hier gemeint werden sollte, man könne sich auf seinen Lorbeeren ausruhen.

          Die sicherste Art, ein Wettrennen zu verlieren, besteht darin, gar nicht mitzukriegen, dass ein Wettrennen stattfindet.

    • Technisch überholt wird Deutschland von China nicht weil die Chinesen besser sind, sondern weil in Europa viele der Bürger, die sie einbeziehen wollen, am technischen Fortschritt gar nicht mehr interessiert sind. In China wird über noch schnellere Hochgeschwindigkeitszüge diskutiert, in Deutschland geht es eher darum, dass so ein Zug nicht vor dem eigenen Garten vorbeirauscht.
      Natürlich soll man Dinge nicht gegeneinander ausspielen und meine Beispiele wollten lediglich zeigen, was die Leute wirklich interessiert – und das ist nun mal nur selten die Forschung. Wenns ums Geldausgeben geht, dann wird sehr schnell zwischen nützlicher Forschung und dem Menschen nicht dienender Forschung unterschieden. Ich erinnere mich noch an einen Spiegel-Artikel über neue Hitzeschilde, die von verschiedenen Stellen in Europa entwickelt werden. Der Artikel endete mit der als selbverständlich verkauften Feststellung, dafür fehle doch das Geld. So denken viele.
      Ein wichtiger Grund warum Europa im Weltraum nichts zustandebringt liegt aber auch im politischen Bereich, konkret in der nicht funktionierenden Idee von einem gemeinsam handelnden Europa. Ich behaupte: gäbe es die europäische Idee nicht würden die europäischen Staaten mehr im Weltraum unternehmen als sie es jetzt tun. Deutschland würde dann seine eigenen Weltraumziele verfolgen und sich bei Bedarf mit den richtigen Partnern zusammenschliessen. Heute aber bedarf es der gegenseitigen Abstimmmung vieler europäischer Länder – und hier genau zeigt sich, dass Europa nicht funktioniert.

  2. Sehr interessanter Artikel, auch um mal mehr zum Thema Lagrange-Punkte und Orbits zu erfahren.

    Da ist ein Vertipper in “anders als in der L2-Region des Erde-Sonde-Systems” — ich vermute zumindest, dass die Masse der Sonde nicht für eine L2-Region außerhalb der Sondenhülle ausreicht..?

  3. Die Chinesen verfolgen im Weltraum eine klar erkennbaren Kurs. Die Missionen bauen aufeinander auf und demonstrieren wachsende Fähigkeiten. Das vermisse ich bei der ESA wo ich den Eindruck eines Flickenteppichs von zum Teil recht exotischen, auch beeindruckenden Missionen habe (Rosetta beispielsweise), die insgesamt aber nicht weiterführen. Es gibt zwar auch hier an einigen Punkten aufeinander aufbauende Missionen wie es das Paaar Hiparchos, Gaia zeigt, doch insgesamt ist kein Pfad zu Kompetenzgewinnen in gewissen Bereichen erkennbar.

    Nun könnte man einwenden, das schöne Bild von Kompetenzgewinnen mit jeder Mission gibt es bei den chinesischen Missionen nur darum, weil diese das abspulen was andere schon vorgemacht haben. Das mag teilweise stimmen. Doch es bleibt der Eindruck, dass es den fehlenden Fixpunkt, die fehlenden überzeugenden Ziele erst seit ein paar Jahrzehnten gibt und das sowohl bei der NASA als noch viel mehr bei der ESA. Für mich gäbe es mehrere lohnende Langfristziele. Eines wäre die systematisch Kartierung der Mondoberfläche mittels automatischen Rovern bis hin zur Erkundung von Übriglbleibseln früherer vulkanischer Aktivität, oder der Erforschung von Mondkratern in die noch nie das Licht der Sonne hineingeschienen hat. Ein anderes Ziel wären die Monde des Mars mit Einrichtung einer permanenten Phobos/Deimos-Station. Warum nur wirken die heutigen Missionen so unsystematisch, so zufällig ausgewählt und hingeworfen?

    • Sie vergleichen hier meines Erachtens Äpfel mit Birnen. Die Raumfahrt der Volksrepublik China steht unter staatlicher Kontrolle und wird in Zukunft noch stärker mit dem Militär verzahnt werden. Oder glaubt hier wirklich jemand, dass es den Chinesen nur um Forschung geht? “Damit gilt in China dasselbe wie in anderen Ländern: Die Raumfahrt hat in großen Teilen “Dual Use”-Charakter, die Technologien können sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden. Eine Trägerrakete, die eine Raumkapsel in den Orbit bringen kann, ist prinzipiell auch in der Lage, einen Atomsprengkopf zu tragen. Ein Navigationssatellit kann sowohl einen Pkw als auch eine ballistische Rakete zum Ziel führen. (…) Chinas Militärs scheinen ebenso wie ihre amerikanischen Kollegen davon überzeugt zu sein, dass die Nutzung des Weltraums in den Kriegen der Zukunft von entscheidender Bedeutung ist.”
      Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/rede-von-xi-jingpin-peking-plant-militarisierung-der-raumfahrt-a-964621.html

    • Was Sie da bemängeln, beschreibt die interplanetare Forschong der ESA leider sehr zutreffend. Es ist keine klare Linie erkennbar, Missionen bauen nicht aufeinander auf, einmal erworbenes Know-How wird nicht genutzt und es bildet sich keine Wissenschafts-Community.

      In der Erdbeobachtung und der satellitengestützten Astronomie sieht es zum Glück etwas besser aus, aber in der planetaren Forschung leider nicht, und es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas verbessern wird.

      • Russland ist momentan auf der Suche nach neuen Partnern für die Raumfahrt, da die USA ihre Kooperation mit Russland kappen. Sputniknews zitiert dazu aus der russischen Wochenzeitung “WPK”: “Falls Amerika auf das ISS-Programm verzichte, könne Russland die Raumstation im Alleingang nicht „besiedeln“, denn die Möglichkeiten etwa in Sachen Energieversorgung und Kommunikation seien begrenzt. Eigene Raumstationen zu bauen, sei eine noch schwierigere Aufgabe. Die bemannte Raumfahrt bleibe dabei für Russland vorrangig. Die Frage bestehe nun darin, wen man als Partner wählen soll, sofern die USA nicht mehr in Betracht kommen.
        Die Europäische Weltraumagentur ESA sei zwar eine seriöse Organisation, habe aber im Bereich der bemannten Raumfahrt vorerst nichts Beeindruckendes erreicht. China sei offenbar ein aussichtsreicherer Partner.”
        http://de.sputniknews.com/german.ruvr.ru/2014_06_10/Russland-sucht-neue-Partner-fur-Raumfahrt-7494/

        Strebt die ESA eine weitere Kooperation mit Russland an, die über die ISS hinausgeht?

        • Es gibt eine Kooperation im Bereich der Marsforschung, die eingegangen wurde, nachdem die ESA im Jahr 2011 von der NASA im ExoMars-Progamm schnöde sitzen gelassen wurde. Zum Glück war die russische Raumfahrtagentur bereit, als gleichberechtigter Partner einzusteigen. Die russische Seite hat Interesse bekundet, die Kooperation jenseits der zwei aktuell geplanten ExoMars-Missionen (Orbiter und Landedemonstrator 2016, Rover frühestens 2018) fortzuführen.

  4. Was ist mit Indien?? Ich gehe stark davon aus, daß die es China mindestens gleichtun werden wollen?!
    an M. Khan: wie wird man denn indische Raumfahrer nennen??
    PS: A. Clarke hat schon in seinem “2010”-Roman von chinesischen Raumstationen gesprochen…

    • Bereits seit etwa 2007 wurde von der Schaffung eigener bemannter Kapazitäten Hindustans gesprochen, aber mir ist nicht bekannt, dass ernsthafte Vorbereitungen angefangen hätten. Ich glaube kaum, dass mit bemannten Flügen noch in diesem Jahrzehnt zu rechnen ist. Die Motivation für Indien wäre allerdings dieselbe wie bei China: Durch Hochtechnologieprojekte mit Leuchtturmfunktion dem Brain Drain entgegen wirken.

      Wie die Inder ihre Raumfahrer offiziell ansprechen werden, können sie sich ja bis dahin noch überlegen. Unter den vielfachen Probleme, die auf dem Weg ins Orbit zu lösen isnd, ist diese Frage nicht unbedingt die drängendste. Interessant wäre die die Wahl der Sprache, der die Bezeichnung entlehnt sein soll. Am coolsten fände ich Sanskrit … aber vielleicht wird als Kompromiss auch die im englischen Sprachraum gängige Bezeichnung “astronaut” geführt werden.

      Rakesh Sharma, der erste Inder im Weltraum (1984 mit Soyuz T11), bezeichnet sich als “cosmonaut”. Aber das liegt vielleicht nur an der Tatsache, dass er seine Raumfahrerausbildung natürlich in Moskau erhielt.

      In den 1950ern gab es das politische Motto “Hindi-Chini bhai bhai” (Inder und Chinesen sind Brüder). Bald allerdings wurde in den Konflikten zwischen Pakistan die chinesische Seite von der UdSSR unterstützt, die pakistanische von China. Da war nix mehr mit “bhai bhai”.

      • Ja, China und Indien kooperieren nicht besonders gern. Indien ist in gewissem Sinne schon länger als China ein teilweise modernes industrialisiertes und Dienstleistungs- Land. Doch China hat in den letzten 3 Jahrzehnten ein fast überirdisches Entwicklungstempo an den Tag gelegt und Indien definitiv abgehängt. Wenn Indien keinen übergrossen nationalen Stolz hätte, sondern statt dessen prioritär seine eigene Entwicklung beschleunigen wollte, sollte es auf vielen Gebieten stärker mit China kooperieren und sich von China gar industrialisieren lassen. Die Chinesen suchen nämlich bereits nach Ländern, die ihnen beispielsweise ihre Hochgeschwindigkeitszüge und ihre Atomkraftwerke abnehmen. Nicht die Industrieländer werden die Kunden von chinesischen Hochtechnologiegütern sein, sondern vor allem Entwicklungsländer, denn im westlichen Sinn sind auch die höherwertigen chinesischen Produkte noch nicht Hochtechnologie, für andere Entwicklungsländer aber schon. Solche weitgehende Kooperationen bis hin zu Kooperationen im Weltraum verbietet aber wohl der Stolz der Inder.

  5. Was ist mit Indien?? Ich gehe stark davon aus, daß die es China mindestens gleichtun werden wollen?!
    an M. Khan: wie wird man denn indische Raumfahrer nennen??
    PS: A. Clarke hat schon in seinem “2010”-Roman von chinesischen Raumstationen gesprochen…

    “Vielleicht sollten die Leute, die meinen, sie müssten sich vor der angeblichen Islamisierung des Abendlands fürchten, mal überlegen, ob sie ihre Ängste richtig sortiert haben. Was das Abendland fürchten sollte, ist die eigene technische Rückständigkeit und zukünftige wirtschaftliche und politische Irrelevanz und der damit einher gehende selbstverschuldete Mangel an Handlungspielraum.
    Darüber mache ich mir Sorgen. Wer meint, wir hätten da gar kein Problem, macht sich etwas vor.”

    Das werden ganz viele Leute nicht verstehen, weil sie von RF keine Ahnung haben. Weil ihnen das Verständnis + INteresse fehlen usw. Allerhöchstens gibt es Ängste vor dem USA-Europa-Handelsabkommen; aber dieses ist nichts gegen das China-USA-Handelsabkommen! Und wenn es dazu kommt, wird Europa nicht nur in der RF auf der Zuschauerbank sitzen…

    • das China-USA-Handelsabkommen!

      Ein China-USA-Handelsabkommen? – Das ist mir aber neu. Ich weis bisher bloss von TPP, dem Trans-Pacific-Partnership Abkommen. Aber bei dessen Verhandlungen ist China ausdrücklich nicht eingeladen, d.h. es bleibt aussen vor.

  6. Wer es wie China schaffte, innerhalb eines halben Jahrhunderts in einem ausgelaugten und hungernden riesigem Land, in kurzen Zeiträumen den Hunger zu stillen, der schafft auch noch mehr. Man kann darüber streiten, ob von der chinesischen Führungselite unsere Ansicht von Menschenrechten dabei berücksichtigt wurden oder sogar jetzt noch werden. Fraglich auch, ob der Erfolg unter deren Einhaltung überhaupt möglich wäre. Aber China entwickelt sich zu einer der technologisch fortschrittlichsten Industrienationen der Welt. Allein dadurch werden sich auch die gesellschaftlichen Verhältnisse den dortigen Bedürfnissen der Menschen anpassen müssen. So wird in absehbarer Zeit China wohl, anstelle der USA, die führende Industrienation und damit mächtigste Nation der Welt werden.
    Die westlichen Hochtechnologieländer dagegen verlieren immer mehr ihres Wissenschafts- und Technologievorsprungs aus dem letzten Jahrhundert. Statt alle Kraft für notwendige Zukunftsperspektiven aufzuwenden, wird diese verbraucht um lang ignorierte rückwärts gerichtete Strömungen aus längst überholt geglaubten Zeiten zurückzudrängen. Ängste um gesellschaftliche, aber besonders technologische Probleme werden in den immer bildungsärmer werdenden Teilen der Bevölkerung geschürt und genutzt, um wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt einzuschränken. Die daraus resultierenden unsinnigen Aufwendungen und Verwerfungen lassen uns längerfristig zu den großen Zukunftsverlierern werden. Europa, aber hier besonders wieder Deutschland, macht dabei Nebensächlichkeiten zur Cheffrage. Nur die derzeitig noch vorteilhafte wirtschaftliche Stellung Deutschlands kaschiert derzeit noch die großen politischen Fehlleistungen der letzten Jahrzehnte in Europa. Neue kommen aber immer weiter hinzu und verstärken dadurch die wissenschaftlichen und technologischen Rückstände. Nur sehr großer technologischer Fortschritt aber ist in der Lage, das Überleben einer zunehmenden Menschheit auch langfristig zu sichern. Egal was auf der Erde geschieht, wird nur die sichere Bezwingung und Nutzung des Weltraums die größte Überlebenschance für die Menschheit bleiben und noch zusätzlich enorme Technologiegewinne erbringen. Die dafür erforderlichen Mittel wurden leider in der westlichen Welt, aus bekannten Gründen, enorm zurück gefahren. Aber auch Russland verliert mehr und mehr seiner Raumfahrtkompetenz. Wir sollten daher froh sein, dass andere Staaten, besonders aber China nun beginnen, diese große und lebenswichtige Aufgabe für die Menschheit mehr und mehr zu übernehmen. Sie werden dann aber auch von den Ergebnissen am meisten profitieren und China scheint dabei schon sehr weit gekommen.
    Leider besteht ja wenig Aussicht, das alle Völker vereint sich einer der wichtigen Zukunftsaufgaben zuwenden und somit deren Erfolg sichern. Schade!

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