China plant baldige Mondlandung

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Raumfahrt aus der Froschperspektive
Go for Launch

Die Volksrepublik China arbeitet weiter daran, eine Führungsrolle in der Weltraumtechnik einzunehmen. Nach dem erfolgreichen Abschluss der zweiten Mondmission Chang’E 2 im Sommer 2011 (die Raumsonde wurde mittlerweile in den Lagrange-Punkt L2 des Erde-Sonne-Systems transferiert und ist immer noch aktiv) ist das nächste Ziel der Chinesen eine Mondlandesonde.

Chang’E 3 soll 2013 gestartet werden und im Sinus Iridum (Regenbogenbucht) im Nordwesten des Mare Imbrium (Regenmeer) landen. Die nächste Aufgabe im chinesischen Monderforschungsprogramm könnte in einer weichen Landung einer weiteren Sonde in schwierigerem Terrain bestehen. Danach kann man eine Mission zur Entnahme und Rückführung von Proben angehen.

Eine Probenrückführungsmission wird allerdings einer deutlich stärkeren Rakete bedürfen, etwa von der Klasse der Ariane 5, der Atlas V oder der Proton. Auch daran wird in China bereits gearbeitet. Das Fernziel ist eine bemannte chinesische Mondlandung. Dazu braucht man allerdings eine wirkliche Schwerlastrakete.

Parallel zur planetaren Forschung treibt China den Ausbau seines Satelliten-Navigationssystems voran, ebenso den Aufbau einer eigenen Raumstation im niedrigen Erdorbit. Wo man auch hinschaut, es scheint immer ein Programm mit deutlich abgesteckten, aufeinander aufbauenden Meilensteinen zu geben. Der Erfolg gibt den Chinesen Recht.

Und was machen wir?

Die Europäer sind da leider – wie nur allzu oft in der Weltraumtechnik – eher das Gegenteil von Anpackern und Problemlösern. Nachdem die ESA 2003 die kleine Sonde SMART-1 zum Mond schickte, soll nun eine Landesonde folgen. Diese soll gleich das schwierige Missionsziel einer weichen Punktlandung auf einem Kraterrand am Südpol umsetzen – allerdings nicht vor 2018. Das ist zumindest die aktuelle Planung. Sollten aber noch einige europatypische Warteschleifen gefahren werden, kann sich dieser Termin auch um unbestimmte Zeit verschieben.

Hierzulande ist kein Programm zu sehen, keine logische Folge, kein Aufbau von Kompetenz und kein technologischer Vorsprung. Nur Zaudern und Abwarten, in der irregeleiteten Hoffnung, es wird billiger, wenn man abwartet und nichts tut. Das Gegenteil ist allerdings der Fall: Wenn man einen Vorsprung hatte, wird der verspielt. Wenn man eh schon zurückliegt, wird der Rückstand immer größer. Zudem laufen einem die besten jungen Leute weg, die verständlicherweise keine Lust haben, ihre produktivesten Jahre in einer Umgebung zu verschwenden, die keinen Anspruch auf Erstklassigkeit mehr erhebt.

Weitere Information

Artikel “China Targets 2013 for Launch of Lunar Lander Mission” vom 9.1.2012 auf spaceflightnow.com

Kosmologs-Artikel “Programm statt Wurstelei: Beispiel Mond” vom 15.3.2009, zum Ende der ersten chinesischen Mondmission Chang’E-1. Leider muss ich feststellen, dass das, was ich vor nunmehr fast drei Jahren schrieb, heute immer noch genau so anwendbar ist.

Kosmologs-Artikel vom 15. Oktober 2011 zum achten Jahrestag des ersten bemannten chinesischen Raumflugs mit dem Raumfahrer Yang Liwei

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten Meinungen sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

13 Kommentare

  1. China fliegt zum ESA-Budget auf den Mond

    Das ESA-Weltraum-Budget betrug 2011 $5,430 Millionen Dollar, das Budget von CNSA (China) $1,300 Millionen Dollar.

    Sicher muss China sein Weltraumbudget noch mindestens verdoppeln um sich einen bemannten Mondflug leisten zu können. Doch selbst dann liegen sie im Budget immer noch unter dem aktuellen ESA-Budget. Momentan scheint sogar die DLR ein grösseres Budget zu haben als China. Schon erstaunlich wie billig man mit kopierter sowjetischer Technik in den Weltraum kommt. Mit ihrer robusten und zugleich spottbilligen Weltraum-Hardware sind die Russen bis heute nicht zu schlagen (ausser dass sie jetzt alles verkommen lassen, was frühere Generationen aufgebaut haben).

  2. Vergleichbarkeit von Budgets

    Ich denke, beim Vergleich der Budgets der zivilen chinesischen Raumfahrtagentur mit westlichen zivilen Agenturen muss man sehr vorsichtig sein.

    Zum einen, was die Summe des Budgets selbst angeht: Die CNSA wird in Renminbi finanziert, nicht in Dollars. Die chinesische Währung ist jedoch nicht frei konvertierbar und die chinesische Regierung hält ihre Währung auf einem künstlich unterbewerteten Niveau.

    Zum zweiten, was die Finanzierungsquellen angeht: Wie viel der chinesischen Raumfahrtaktivitäten werden tatsächlich allein aus dem Budget der zivilen Raumfahrtagenur gedeckt, wie viel aus anderen Quellen, beispielsweise militärischen?

    Zum dritten, was das Lohnniveau angeht: Was in der Raumfahrt Geld kostet, sind in erster Linie die Leute. Wenn die Gehälter niedriger sind, dann gibt es eben für eine gegebene Summe deutlich mehr Mannjahre als im Westen.

    Wenn man das alles einrechnet, dann dürfte sich ziemlich schnell zeigen, dass die chinesischen Investitionen in den Raumfahrtsektor keineswegs so gering ist, wie die genannten Zahlen es erscheinen lassen. Von nichts kommt nichts.

    Es ist meines Erachtens auch nicht zutreffend, die chinesischen leistungen als kopierte sowjetische Technik abzutun. Bei Shenzhou ist ein erheblicher Anteil Sojus-Technik enthalten, aber es handelt sich keineswegs um eine reine Kopie. Bei den Trägerraketen und den Raumstation-Bauteilen ist der chinesische Entwicklungsbeitrag erheblich. Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, die Chinesen seien nichts als Kopierer und Billigheimer. Alle aufsteigenden Industrienationen, auch Japan, haben ausländische Technik übernommen und dann ihren eigenen Weg gesucht.

    China wird seinen Platz an der Spitze der Industrienationen nicht ohne sehr umfassende eigene technologische Kompetenz behaupten können. Wir aber auch nicht.

  3. Chinesen im Mondanflug

    Das wird doch nie was.

    Kommandant: “Mehr links!”
    Steuelmann: “Rinks?”
    Kommandant: “Nein! Links ist del Mondrand!!!”
    Steuelmann: “Roger, Mondland-Manövel eingereitet…”

    (knapp am Rand vorbei, landen statt dessen auf den Mars)

    Kommandant: “Uff. Auch gut. Eine Flasche Malsbier für alle, zum Feieln.”

  4. Ehrgeiziges China

    “Die Volksrepublik China arbeitet weiter daran, eine Führungsrolle in der Weltraumtechnik einzunehmen.”

    Und nicht nur da, die Chinesen versuchen überall die Nummer eins zu werden:
    http://www.focus.de/…ehrlich-gut_aid_499608.html

    Auch Chinas Jugend fühlt sich ernstgenommen und wird von der Idee mitgerissen, am Aufbau des Landes beteiligt zu sein. Unsere Jugend hingegen wird ausgebremst, da wir keine anderen Pläne mehr haben, als zu sparen, seit unser Geld von den Banken verzockt wurde. Wir verspielen nicht nur unseren Vorsprung, wir nehmen unserer Jugend auch jeglichen Idealismus. Da ist es doch kein Wunder, wenn der Rückstand immer größer wird und Deutschlands Blütenträume von der Raumfahrt langsam verdorren.

  5. Alf

    Ich meine mich zu erinnern, dass der chinesische Stand auf der Expo 2000 in Hannover vor allem aus dem Modell einer Mondbasis bestand, die ich damals unheimlich beeindrucken fand. Außerdem wurde, wenn ich mich richtig erinnere, die Zahl 2020 genannt, aber der mit dem Aufbau dieser Station begonnen werden soll.

    Weißt du, ob das chinesische Raumfahrtprogramm tatsächlich einmal eine Mondbasis in so naher Zukunft geplant hatte?

  6. 2 Antworten

    @Alf:

    Leider weiß ich auch nicht, wie der Stand der chinesischen Planung im Jahr 2011 war. Vielleicht kann Eugen etwas dazu sagen? Immerhin müssen die Chinesen im Jahre 2000, also nur 3 Jahre vor ihrem ersten bemannten Raumflug mit Yang Liwei, bereits eine recht solide Planung der weiteren Aktivitäten gehabt haben. Wir werden sehen, wie die Entwicklung der Großrakete Long March 5 läft. Diese ist das Kernelement aller bemannter Forschung jenseits des nahen Erdorbits.

    Ich ärgere mich jetzt übrigens, dass ich bei meinem Expo-Besuch den chinesischen Stand nicht besucht habe …

    @Mona:

    Ganz sicher haben Sie Recht damit, dass China generell einen Spitzenrang in der Welt anstrebt. Die Chinesen, die ich kenne, sind sich der historischen Bedeutung Chinas bewusst und empfinden das 20ste Jahrhundert als Jahrhundert des Niedergangs und der Schmach.

    Aber auch pragmatisch gesehen hat China keine Alternative zur technologischen Großmacht, denn die Zeit, wo das lang allein über den Preis konkurrenzfähig sein konnte, werden wohl in absehbarer Zeit vorbei sein. Auch die chinesische Bevölkerung hat steigende Ansprüche, die sich jetzt schon in steigenden Stückkosten niederschlagen.

    Die chinesische Regierung ist nicht demokratisch legitimiert, die einzige Form der Legitimation aus Sicht der Bevölkerung – vermute ich – kann nur darin bestehen, dass die Leute das Gefühl haben, dass es ihnen mit dieser Regierung besser gehen wird als ohne sie. Nur dann werden sie bereit sein, die sonstigen Einschnitte in die Persönlichkeitsrechte hinzunehmen, die die Regierung der chinesischen Bevölkerung auferlegt.

    Mit Ihrer Beschreibung der deutschen Verhältnisse bin ich nur bedingt einverstanden. Die durch das verzockte Geld ausgelöste Krise muss in den letzten Jahren als Erklärung und oft auch als Rechtfertigung für alles herhalten.

    Aber das Problem liegt, meine ich, tiefer. Schon seit vielen Jahren investieren wir nicht genug in Forschung und Bildung. Weniger als andere Nationen und zuwenig, um noch Schritt zu halten. Die Staatseinnahmen halten offenbar mit den vielfältigen Ausgaben nicht mehr Schritt.

    Nun sind wir zwar alle unisono der Meinung, dass wir immer mehr Steuern und Abgaben zahlen als früher, aber die tatsächliche Steuerquote widerspricht dieser Wahrnehmung. Die ist in Deutschland seit 40 Jahren mehr oder weniger konstant. Was allerdings zugenommen hat, ist die Steuer-Ungerechtigkeit. Gerade die Bestverdiener können die vielfältigen Abschreibungsmöglichkeiten nutzen, die normal Beschäftigten nicht offen stehen.

    Ich meine, wenn wir in Zukunft eine Chance haben wollen, muss die Steuerquote steigen. Wo soll den noch gespart werden? Die Infrastruktur wird doch schon auf Verschleiß gefahren. Klar gibt es Sparpotenzial, aber es gibt auch noch größeren Finanzierungsbedarf, und außerdem müssen die angehäuften Schulden getilgt werden. Das ginge, ohne den Konsum abzuwürgen, aber nur im Rahmen einer wirklich tiefgreifenden Reform.

    Blütenträume sind Raumfahrtprojekte nicht. Sie sind eher die Leuchttürme einer wohlfinanzierten Forschungsszene. Wenn die Leuchttürme weit und breit nicht zu sehen ist, dann deswegen, weil der ganze Unterbau mangels Masse tiefer und tiefer versinkt.

    Ich weiß natürlich sehr gut, dass es dazu nicht kommen wird.

  7. @Michael Khan

    Mit ihrer Einschätzung der deutschen Befindlichkeit haben Sie schon recht, auch wenn ich die Bankenkrise etwas vereinfacht dargestellt habe, so ist mir der Gesamtzusammenhang durchaus bewusst. Und natürlich sollen “Bestverdiener” auch ihren Beitrag zu den Steuern leisten – keine Frage.

    Sie schreiben: “Blütenträume sind Raumfahrtprojekte nicht. Sie sind eher die Leuchttürme einer wohlfinanzierten Forschungsszene. Wenn die Leuchttürme weit und breit nicht zu sehen ist, dann deswegen, weil der ganze Unterbau mangels Masse tiefer und tiefer versinkt.
    Ich weiß natürlich sehr gut, dass es dazu nicht kommen wird.”

    Ja, das mit den Leuchttürmen ist in Deutschland zur Zeit groß in Mode. Man versteht es wahrscheinlich so, dass das Licht des Leuchtturms Hoffnung und Orientierung gibt.
    Man könnte es aber auch anders verstehen. Ich weiß nicht, ob Sie das japanische Sprichwort kennen (ich kann es leider nur auf Deutsch sagen): “Am Fuße des Leuchtturms ist es dunkel.”
    Wie würden Sie das interpretieren?

    Zum Schluss: Ich weiß, Sie sind nur realistisch, aber Ihr letzter Satz klingt doch recht hoffnungslos. Vielleicht brechen ja für die Raumfahrt doch wieder bessere Zeiten an und es gibt neue Projekte, für die man sich begeistern kann. In diesem Sinne:
    http://www.staff.uni-mainz.de/…ichte/frueh01.htm

  8. @Mona

    Die Raumfahrt ist doch kein Selbstzweck. Im Gegenteil, gerade beim momentan wichtigsten Problem der Menschheit, nämlich der umweltschonenden Energieversorgung, könnte sie einen wesentlichen Beitrag leisten. Aber das wäre schon wieder ein Thema für einen Artikel.

    Es geht mir ja gar nicht allein um die Raumfahrt. Es geht mir allein schon darum, dass es ja nur noch Konservative gibt, in der Politik wie in der Bevölkerung. Schwarz-Konservative sowieso, aber auch Gelb-Konservative, Rot-Konservative und Grün-Konservative.

    Wirklich Progressive im Sinne einer positiven Einstellung gegenüber Wissenschaft und Technik, die ja immerhin der Garant unseres Wohlstands sind und das Einzige, was bald acht, zehn oder zwölf Milliarden Menschen über die Runden helfen kann – wo gibt’s denn die?

    So geht’s mir manchmal.

  9. Innovation@Michael Khan, Mona

    @Michael Khan, Mona

    Wieviel in Forschung und Exzellenz investiert wird hängt stark von kulturellen Faktoren ab und von der Einschätzung dessen, was Technik überhaupt bewirken kann und soll.

    Im alten China ab dem Jahr 1000 (Song-Dynastie) gab es sehr viele Erfindungen und Innovationen und Lebensverbesserungen technologischen Ursprungs, von der Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität durch den Ersatz von damaligen Weizen geringen Ertrags durch 10 Mal so viel Ertrag bringendem Reis (schon im Jahr 1000 gab es 100 Mio. Chinesen), über die Erfindung des Papiers (auch des Papiergeldes), die Errichtung einer Bürokratie bis zum Aufbau einer ganzen Kulturnation, in der Techniken wie Eisen- und Stahlverarbeitung, Seidentextilien und Porzellan entscheidende Rollen spielten.
    Spätere chinesiche Dynastien – die Ming-Dynastie beispielsweise – nahmen dagegen eher eine reservierte Haltung gegenüber neuen Technologien ein und verlegten sich auf die Absicherung des Erreichten. Es war die Zeit des grossen Mauerbaus.

    Auch die meisten Deutschen erwarten von neuer Technologie abgesehen vom Reiz des Neuen wenig für ihr Leben: Steigerungen der Produktivitiät und neue Produktionsverfahren gefährden gar den eigenen Arbeitsplatz und die technologischen Felder, die in den Freizeitbereich hineingreifen wie der Mobilfunk oder die Internetrevolution kommen sowieso aus dem Ausland oder werden mit Deutschland kaum in Verbindung gebracht.
    Auch in Deutschland geht es um das Absichern der eigenen Existenz und nicht mehr darum, etwas Neues zu erreichen und es der Welt zu zeigen.

    Anders sieht das in Israel aus. Diese Start-up Nation hatte im Jahr 2009 63 Nasdaq-kotierte Firmen, mehr als jedes andere nicht US-Land. Kultureller Hintergrund sind in Israel 1) der Glaube an Technologie um sich gegen eine feindliche Nachbarschaft zu behaupten 2) die Bereitschaft der vielen Immigranten, völlig neue Wege zu beschreiten, denn für sie gibt es etwas aufzubauen und nicht etwa etwas Bestehendes zu verteidigen.

    Ein Faktor spielt auch die Grösse von Ländern: Grosse Länder können durch ihr Engagement mehr in bestimmten technologischen Bereichen erreichen, wo viel Geld investiert werden muss (z.b. in der Raumfahrt, der Energieforschung (Fusion,etc) ). Andererseits gibt es in grossen, schon “arrivierten” Ländern auch viele Hindernisse, viel Bürokratie und viele Interessengruppen, die am Bestehenden feshalten und sich gegen eine Neuverteilung der Mittel wehren. Es erstaunt deshalb nicht, dass in der Liste der innovavisten Länder unter den ersten 10, nämlich der Schweiz, Schweden, Singapur, Hong Kong, Finnland, Dänemark, USA, Kanada, die Niederlande und Grossbritannien immerhin 7 jeweils weniger als 20 Millionen Einwohner haben.
    Deutschland ist in dieser Liste immerhin auf dem 12. Rang und das wohl zurecht, denkt man doch beispielsweise an die innovative Automobilindustrie, die global gesehen an der Spitze ist und den Trend setzt. Doch das ist wohl auch ein Problem von Deutschland: Innovative Bereiche sind die Ausnahme. Der Automobilsektor gehört dazu und man könnte auch die Erneuerbaren Energien (Wind+Sonne) dazuzählen, ausser dass dies ein Massenmarkt ist, in dem sich Deutschland nur in bestimmten Nischen behaupten können wird.
    Deutschland müsste eben auch Akzente setzen und versuchen die Leaderschaft bei bestimmten Technologien zu übernehmen.
    Im Innovationsbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird dem Rechnung getragen und auf die großen gesellschaftlichen Bedarfsfelder Gesundheit, Klima- und Ressourcenschutz, Mobilität und Sicherheit gesetzt. Die Frage ist nur, ob die Orientierung am grossen gesellschaftlichen Bedarf nicht gerade ein Zeichen einer arrivierten Gesellschaft ist, für die Gesundheit, Sicherheit und Ressourcenschutz wichtiger sind als in die Welt hinauszugehen.

    Für Deutschland bestände übrigens auch die Chance in bestimmten Bereichen eine Führungsrolle innerhalb Europas zu übernehmen. Gerade um den Erneuerbaren Energien zum Durchgruch zu verhelfen braucht es mehr als ein paar Windturbinen und Solarpanels auf jedem Hausdach. Es wäre ein europaweites Hochspannungs-Transmissionsnetz nötig um die Schwankungen in der Energieproduktion auszugleichen. Dies wird auch in der Roadmap-2050 gefordert und wurde schon früher in kostenoptimierten EE-Projeken des Physikers Gregor Czisch als matchentscheidend eruiert. Wie wir alle wissen tut sich Deutschland aber schwer, an der Spitze einer europaweite Innitiative für ein solches Supergrid zu stehen. Deutschland ist zwar das stärkste europäische Land, braucht seine Stärke aber nur um anderen ihre Grenzen zu zeigen und sie an die deutschen Haushälter-Tugenden zu erinnern. Die Initiative übernehmen andere oder eben niemand.

  10. Antwort @Michael Khan

    Ich würde die Raumfahrt auch nicht als Selbstzweck sehen wollen. Habe ich das falsch rübergebracht? Und wo sie zur umweltschonenden Energieversorgung einen Beitrag leisten könnte, das müssen Sie bei Gelegenheit mal erklären, darunter kann ich mir kaum was vorstellen.
    Bezüglich den Konservativen stimme ich Ihnen zu. Kürzlich wurde von einer Zeitung sogar die Frage aufgeworfen, ob uns nicht eine Rückkehr ins Mittelalter drohe, weil die Wissenschaft immer mehr an Autorität verliert.
    http://www.welt.de/…eckkehr-ins-Mittelalter.html

    In dem Buch “Vorsicht Medizin” steht der Spruch: “Die Wissenschaftsfeindlichkeit der Bevölkerung stammt von der Bevölkerungsfeindlichkeit der Wissenschaft.” Das war auch der Grund, warum ich das jap. Sprichwort ins Spiel brachte. Ich bin nämlich der Ansicht, dass man die Leute mit ins Boot nehmen müsste und sie nicht von einem Leuchtturm herab ansprechen darf. Ein jeder von uns ist doch in der Regel auch ein Fachfremder auf einem Gebiet, das nicht zu seinem Beruf gehört. Insofern sind Blogs, wie dieser hier, eine gute Sache, da wird man als Laie auch schon mal an die (virtuelle) Hand genommen und bekommt erklärt, was man nicht versteht. 😉

  11. Autos @Martin Holzherr

    Sicher lassen sich viele deutsche Produkte gut verkaufen. Chinas Neureiche sollen ja auch ganz scharf auf deutsche Nobelautos sein, da haben Sie sicher recht. Um bei den Autos zu bleiben: Ich musste mir letztes Jahr ein neues Auto kaufen, da mein altes nach 15 Jahren kaputt ging. Ich suchte natürlich kein Nobelmodell, sondern ein eher sparsames und umweltverträgliches Gefährt. Zu meinem Erstaunen fand ich kaum kein Auto, das weniger Benzin verbrauchte und geringeren CO2-Ausstoß hatte, als mein altes. Wie kann so etwas sein? Ist die Umweltdebatte an den Autobauern spurlos vorübergegangen? Selbst wenn sich die vielen Chinesen, die sich in Zukunft ein Auto kaufen werden, nur einen Kleinwagen zulegen, so darf sich die Welt doch auf einen rasanten Anstieg von CO2-Emissionen gefasst machen. Anscheinend stört das aber kaum jemanden. Und es macht einem traurig, wenn Sie schreiben: “Auch die meisten Deutschen erwarten von neuer Technologie abgesehen vom Reiz des Neuen wenig für ihr Leben.” Insofern kann ich Herrn Khans dunkelgraue Gedanken in dieser Hinsicht sehr gut nachvollziehen kann. Es tut sich einfach nichts!

  12. Hallo an alle zusammen,

    natürlich teile ich Eure Meinung über die sehr ungünstige Konservativität (die bei mir in Österreich so ähnlich ist), und im Gegensatz dazu, die Meinung über die kreativen zukünftigen Möglichkeiten, die ich persönlich sehr viel mehr liebe (manches klingt nach Science-Fiction).

    Ich drücke mich gerne mit dem Mittel der humorvollen Übertreibung aus, weil das einfach einfacher ist, und humorvoll dazu, falls man Humor überhaupt mag.

    Also versuchen wir es einmal als Dystopie:

    Die ungebildeten Massen der Arbeitssklaven sehen die geistigen Tricks der Wissenschaftler als infame und gemeine Methode an, Geld und Macht an sich zu bringen, nur weil die Wissenschaftler ein wenig besser als die Arbeitssklaven denken können.

    Die ungebildeten Massen der Arbeitssklaven stammen daher, weil:

    a) Weil sie von Natur aus zu dumm sind,

    b) Weil sie eine teuflische Verschwörung der Wissenschaftler so dumm gemacht hat,

    c) Weil sie selbst zu faul zum Lernen sind,

    d) Weil der Unterricht in den Naturwissenschaften fürchterlich langweilig und sinnlos erscheint (wer ist schuld?),

    e) Weil sie ohnehin Brot und Spiele (ja, ja HALO) in ausreichender Menge vorgesetzt bekommen,

    f) Weil es eine Reihe sehr viel leichter als die Naturwissenschaft verstehbarer Aberglauben gibt,

    g) Weil es bequemer ist, irgend etwas bestimmtes fest zu glauben, als ständig alles kritisch zu überprüfen und anzuzweifeln,

    h) Weil die Arbeitssklaven ihre eigene Existenzgrundlage klarerweise nicht mehr verstehen können.

    Die ungebildeten Massen der Arbeitssklaven sagen:

    Auf den Scheiterhaufen mit den Wissenschaftlern, zurück zur Basisdemokratie.

    Moment mal, wurde das nicht schon in Kambodscha von den roten Khmer getestet?

    Das Kabelfernsehen mit etlichen Kanälen in Farbe und Stereoton beruht auf der konsequenten technischen Anwendung von zahlreichen physikalischen Gesetzen.

    Was sehen wir dann im Kabelfernsehen:

    Astrologische Lebensberatung.

    Das ist ungefähr so logisch, wie wenn man zuerst zum Mond fliegt, und dann dort mit der Wünschelrute nach Wasser sucht.

    Im Zeitalter von Admiral Graf Frederik von Hombug ist die Trennung in Volk und Herrscher bereits endgültig vollzogen (Vorsicht, Science Fiction).

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