Eilmeldung: Bouzkachi wird olympische Disziplin!

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Lausanne, 1. April 2014: Das internationale olympische Komittee hat auf einer teilweise turbulenten Tagung, die sich bis spät in die Nacht hinein zog, eine revolutionäre Entscheidung getroffen und die zentralasiatische Kampfsportart Bouzkachi (alternative Schreibweise: “Buzkashi”) schon für die kommende Sommerolympiade 2016 in Rio de Janeiro zugelassen.

Heftiger Streit entbrannte nicht nur um die Frage der Zulassung selbst. Das IOC steht seit langem unter Druck, die Spiele zu “globalisieren” und die Auswahl der Disziplin weniger an den in in Europa gepflegten sportlichen Traditionen auszurichten. Dieses Argument wurden von den Vetretern der zentralasiatischen Nationen aufgegriffen, insbesondere Afghanistan, Usbekistan und Kasachstan. Da stand das IOC unter Zugzwang. Man konnte am Ende nicht umhin, den eigenen Worten auch Taten folgen zu lassen.

Die Entscheidung zur Zulassung dieser Sportart führte jedoch zu einer Kette weiterer Streitpunkte, die zunehmend heftiger und erbitterter diskutiert wurden. Es ging dabei um sehr grundsätzliche Fragen wie die anzuwendenden Regeln im olympischen Wettkampf. Beim Bouzkachi sind nur die grundlegenden Regeln festgelegt: Zwei Mannschaften von Reitern versuchen, sich gegenseitig den enthaupteten Kadaver eines Kalbs oder einer Ziege abzujagen und diesen durch das Tor am Ende der gegnerischen Seite des Spielfelds zu werfen. Ein Kalb ist zwar schwerer und deswegen schwieriger zu handhaben; der Kadaver zerfällt jedoch nicht so leicht, selbst wenn es hoch her geht. Wie beim Fußball werden die geglückten Versuche jeder Mannschaft gezählt. Die mit der höchsten Punktzahl gewinnt am Ende das Match.

Soweit herrschte noch weitgehend Einigkeit, aber an der Stelle war eigentlich noch gar nichts klar. Soll der Gebrauch der Peitsche oder wenigstens der Reitgerte gegen Teilnehmer der gegnerischen Mannschaft zulässig sein? Was ist mit anderen Waffen? Soll es zulässig sein, Kontrahenten unter vollem Körpereinsatz vom Pferd zu stoßen?

Fragen über Fragen.

Als gegen Mitternacht keinerlei Einigung in Sicht schien, schlug der afghanische IOC-Vertreter, vielleicht nur halb scherzhaft, vor, die noch offenen Fragen durch ein ad-hoc anberaumtes Bouzkachi-Turnier klären zu lassen. Jeweils eine Mannschaft würde dabei einen Standpunkt vertreten, am Ende hätte der Standpunkt sich durchgesetzt, dessen Vetreter siegreich aus dem Turnier hervor geht.

Ob nun Ernst gemeint oder nicht, dieser Vorschlag brachte Bewegung in die Diskussion. Die übermüdeten Delegierten rechneten (wahrscheinlich vollkommen zu Recht) damit, dass im Fall einer solchen Lösung die zentralasiatischen Delegierten die Sache komplett unter sich ausmachen würden. Am frühen Morgen des Dienstag war ein offenbar für alle Seiten akzeptabler Kompromiss gefunden worden. Zumindest sah man auf der Pressekonferenz am Morgen des 1. April keine unzufriedenen Gesichter.

Für die Vertreter der zentralasiatischen Nationen war wichtig, dass ihr Traditionssport weitgehend unverfälscht olympische Weihen empfangen sollte. Vorschläge der US-Delegierten, statt eines enthaupteten Kalbs einen mit Sand oder Sägespänen gefüllten Ledersack zu verwenden, erschienen ihnen inakzeptabel und blieben dann auch chancenlos. Es war unvermeidlich, dass die Zentralasiaten an anderer Stelle Federn lassen mussten. So wird der Gebrauch von Schlag-, Stich- und Schusswaffen in der Arena vollkommen verboten; die Anwendung von Gewalt wird stark reglementiert.

Damit konnten aber offenbar alle Seiten leben.

Die Sportwelt kann sich damit ab 2016 auf eine neue, schnelle und trotz aller Einschränkungen immer noch harte Sportart einstellen. Brandheißer Kandidat für die Medaillenränge ist Kennern zufolge Afghanistan, wobei Kasachstan, Usbekistan und Kirgistan durchaus auch Chancen eingeräumt werden. Gerüchten zufolge gibt es in Gebieten westlicher Nationen mit starker Reitertradition, wie dem Süden Argentiniens und dem Westen der USA, durchaus Interesse an der Aufstellung eigener Bouzkachi-Mannschaften und -Trainingszentren.

Die Pressekonferenz in Lausanne wurde erwartungsgemäß von Protesten von Tierschutzorganisationen begleitet.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

4 Kommentare

  1. Es wird schwer, mit den asiatischen Sportlern mitzuhalten. Immerhin wurde schon damit begonnen, Wettkampfziegen zu züchten.

    https://www.youtube.com/watch?v=58-atNakMWw

    viel länger als ein Spiel hält so eine Ziege nicht. Und essen möchte die dann auch niemand mehr.
    Eine Alternative im Sinne des Tierschutzes bietet es sich an, mit simulierten Ziegen zu arbeiten, aber wie man sieht ist man hier auch noch am Anfang:

    https://www.youtube.com/watch?v=WgTQglGvNUs

  2. @David:
    Hast Du Dir die Videos mal angesehen? Genau wegen dem Datum habe ich die Ironietags weggelassen. War vielleicht verkehrt, weil zu hoch. Also nochmal für Blitzmerker:
    Es ist klar, dass die Meldung ein Aprilscherz ist, darum habe ich zwei Links auf IMHO lustige Ziegenvideos gepostet, die nur sehr entfernt etwas mit dem beschriebenen Sport zu tun haben.

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