Der verfinsterte Mond, der sehr helle Mars (weniger Tage vor Opposition), Saturn, Jupiter, Venus und möglicherweise auch die ISS gleichzeitig am Abendhimmel des 27.7.2018, hier simuliert für Darmstadt um 22:21 MESZ

27.7.2018: Totale Mondfinsternis, vier Planeten … und noch mehr?

Am Abend des 27.7. wird es eine totale Mondfinsternis geben. Über Deutschland wird der Mond bereits fast komplett verfinstert aufgehen (nach 21:00 MESZ). Die totale Phase endet um 23:13 MESZ, wobei der Mond erst ab 1:30 wieder ganz aus dem Halbschatten der Erde heraus ist.

Aber das ist noch nicht alles. Während der verfinsterte Mond sich langsam in den Nachthimmel hocharbeitet, werden gleich vier helle Planeten zu sehen sein. Mars wird – nur wenige Tage vor der Opposition und in einem Erdabstand von weniger als 58 Millionen km – heller als Jupiter erscheinen. Mit seiner rötlichen Färbung sicher ein spektakulärer Anblick!

Der verfinsterte Mond, der sehr helle Mars (weniger Tage vor Opposition), Saturn, Jupiter, Venus und möglicherweise auch die ISS gleichzeitig am Abendhimmel des 27.7.2018, hier simuliert für Darmstadt um 22:21 MESZ

Credit: Michael Khan via Stellarium / Der verfinsterte Mond, der sehr helle Mars (weniger Tage vor Opposition), Saturn, Jupiter, Venus und möglicherweise auch die ISS gleichzeitig am Abendhimmel des 27.7.2018, hier simuliert für Darmstadt um 22:21 MESZ

Die nur zu knapp 60% beleuchtete Venus in 127 Millionen km Abstand ist immer noch der hellste unter diesen vieren. Sie wird dann bald untergehen, aber natürlich wird es nicht langweilig, denn wir können immer noch den Mars und den weiterhin verfinsterten Mond beobachten.

12 Grad rechts vom Saturn und mit +6.2mag zu schwach, um mit dem unvewaffneten Auge gesehen zu werden: Kleinplanet 4/Vesta. Wen Sie aber einen Feldstecher oder gar ein Teleskop dabei haben, ist die Beobachtung kein Problem. Auch eine einigermaßen leistungsfähige Digitalkamera sollte damit keine Schwierigkeiten haben.

Totale Mondfinsternis und ISS?

Wenn die aktuelle Vorhersage der Bahn der ISS Bestand hat, wird gegen 22:21 die ISS mit sechs Menschen an Bord (darunter der Deutsche Alexander Gerst) knapp an der Venus vorbei und dann hoch in den Nachthimmel klettern, wobei sie mit einer Helligkeit von -3.4mag spektakulär hell sein wird. Anderthalb Stunden später ist sie wieder da, mit einem fast polaren Überflug und nochmals ein Stück heller.

Aber Achtung: Die Überflugbahn hängt von den aktuellen Bahnelementen der ISS ab – und natürlich auch stark vom Beobachterstandort. Die hier gezeigte Situation gilt – falls sie überhaupt eintrifft – für den Standort Darmstadt. Wer anderswo wohnt, sollte die Überflugbahn für den Abend für seinen Standort berechnen lassen, beispielsweise hier.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

15 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Na da werde ich mir den 27. mal freihalten, dass möchte ich auf gar keinen Fall verpassen.
    Vielen Dank für den Beitrag

  2. Ich muss nochmal nachfragen, weil ich da was nicht verstanden hab zur Mondfinsternis. Eigentlich nimmt der Mond doch immer langsam und gleichmäßig ab und zu, weil er einen Monat braucht um die Erde zu umrunden und sich in dieser Zeit halt der Winkel von Erde Sonne Mond ändert und die Erde den Mond entsprechend viel oder wenig bedeckt.

    Wie kann das denn dann bei der Mondfinster plötzlich so schnell gehen? Ich würde mich sehr freuen, wenn es eine Software gibt bei der ich die Konstellationen mal simulieren kann, so ähnlich wie bei Stellarium (was ja aber nur die Perspektive von der Erde aus bietet, oder?) um zu verstehen wie Sonne Mond und Erde genau zueinander stehen und wie die Lichter dann fallen.

  3. Die Mondphasen und eine Mondfinsternis sind gänzlich unterschiedliche Phänomene. Die Mondphasen entstehen so: Die Sonne bescheint den Mond, deswegen wird die eine Halbkugel beschienen und die andere nicht. Wir sehen von der Erde mal mehr, mal weniger von der sonnenbeschienenen Halbkugel, sodass wir die einzelnen Mondphasen zu sehen bekommen. Die Erde bedeckt den Mond dabei nicht. Das hat mit den Mondphasen nichts zu tun.

    Bei einer Mondfinsternis passiert aber etwas ganz anderes. Da fliegt der Mond durch den Schattenkegel der Erde hindurch, sodass er erst weniger, dann gar keine Beleuchtung mehr erhält, bis auf ein klein bisschen Licht, das durch die Erdatmosphäre gebrochen wird. Da – und nur da – bedeckt in der Tat die Erde den Mond so, dass das Sonnenlicht ihn nicht trifft.

    Damit das passieren kann, müssen Sonne, Erde und Mond ziemlich genau in einer Linie stehen. Ich denke, schon die Wikipedia erklärt die Sache ziemlich gut: —> Click

  4. Hallo .
    Leider habe ich die Finsterniss verpasst . Jetzt leuchtet der Gute ja wieder in seiner vollen Pracht . Ein helles Objekt kann ich noch unterhalb sehen . Aber wer ist es ?
    Grüße vom Niederrhein
    Betty

    • Nur eine totale Mondfinsternis führt zu einem “Blutmond”, denn der darf dann ja nicht mehr direkt von der Sonne beschienen werde, sondern nur noch von dem bisschen Licht, das durch die Erdatmosphäre in den Kernschattenbereich hinein gestreut wird. Je tiefer der Mond in den Kernschatten taucht, desto mehr Blut trieft.

  5. Ja, so dachte ich es mir auch. Ich wundere mich nur, daß dieser Begriff erst seit drei Jahren in den Verlautbarungen zu Mondfinsternissen erscheint…

  6. Wann wurde denn zum ersten mal in der europäischen, nahöstlichen, fernöstlichen, afrikanischen Geschichte eine Mondfinsternis allgemein/ein Blutmond vorausgesagt ?? Ich stelle mir vor, welche unglaubliche wissenschaftliche Meisterleistung dies vor mehreren tausend Jahren gewesen sein muß und welchen religiösen Taumel und politischen Gehorsam man dadurch im gemeinen Volk erzeugen konnte…

    • Angeblich 585 v.Chr. durch Thales von Milet, aber gesichert ist das meines Wissens nicht.

      Die frühen Vorhersagen basierten nicht auf Kenntnissen der Himmelsmechanik, sondern vielmehr auf Beobachtungen der Periodizität von Mondfinsternisereignissen über lange Zeiträume hinweg.

  7. Ich habe mal schnell ein bißchen etwas aus Wikipedia zusammengesucht. Folgende Zitate dazu:
    “Außerdem gibt es Berichte über zwei Mondfinsternisse während der Ur-III-Dynastie.”
    Die Ur-II-Dynastie war die letzte sumerische Geschichtsepoche, 2050-1940 v.u.Z.

    Aus der Regierungszeit des Babylonischen Königs Amm-saduqa, er regierte von 1646 bis 1626 v.u.Z.:
    Die Venus-Tafeln des Ammi-ṣaduqa stellen das bislang älteste Schriftdokument zur Planetenbeobachtung dar. Die in der Bibliothek des Aššurbanipal in Ninive entdeckten Keilschrifttexte beinhalten insbesondere Beobachtungen der Venus und deren synodischer 584-Tage-Periode.

    Sollte für Ammi-ṣaduqa die mittlere Chronologie zutreffend sein, fand in seinem 5. Regierungsjahr am 6. Mai 1642 v. Chr. der sehr selten auftretende Venustransit statt. In Babylonien konnte der Beginn von 17:26 Uhr bis kurz vor Sonnenuntergang (18:37 Uhr) beobachtet werden. Das Maximum wurde gegen 21:02 Uhr Ortszeit erreicht; der Venustransit endete gegen 00:32 Uhr des 7. Mai.

    Und aus der Regierungszeit des assyrischen Königs Assarhaddon (14. März 680- 26.10. 669 v.u.Z. assyr. König, Assyrien war ein Riesenreich im Altertum und erstreckte sich von der Nordspitze des heutigen Syrien bis zum Persischen Golf):

    “In Asarhaddons 11. Regierungsjahr fand am 22. Mai 670 v. Chr. ein sehr selten auftretender Venustransit statt. In Babylonien konnte das astronomische Ereignis von 13:02 Uhr bis kurz nach der Maximumphase (17:03 Uhr) beobachtet werden. Der restliche Verlauf war wegen des Sonnenunterganges (18:47 Uhr) nicht mehr zu verfolgen. Der Venustransit endete gegen 21:05 Uhr Ortszeit.”

    Offensichtlich kannte man nicht nur sehr gut die Bewegungen von Sonne und Erde (natürlich!), sondern auch Sonne-Erde-Venus, falls der Venustransit keine zufällige Entdeckung war.

    Jetzt etwas sehr OT, Entschuldigung, hier noch ein Zitat aus Wikipedia über den o.g. assyrischen König Assurpanipal (regierte 669-631 v.u.Z.), das aussagekräftig den damaligen Stand der Wissenschaften beschreibt:
    “Aššurbanipal rühmte sich, als einziger assyrischer König Keilschrift lesen und schreiben zu können. Er schrieb über sich selbst: „Ich habe gelernt, was der weise Adapa gebracht hat, habe mir den verborgenen Schatz, die gesamte Tafelschreiberkunst angeeignet, bin in die Wissenschaft von den Vorzeichen am Himmel und auf der Erde eingeweiht, diskutiere in der Versammlung der Gelehrten, deute mit den erfahrensten Leberschauern die Leberomina. Ich kann komplizierte, undurchsichtige Divisions- und Multiplikationsaufgaben lösen, habe schon immer kunstvoll geschriebene Tafeln in schwer verständlichem Sumerisch und mühsam zu entzifferndem Akkadisch gelesen, habe Einblick in die Schriftsteine aus der Zeit vor der Sintflut, die ganz und gar unverständlich sind.“

  8. Kann man einen Venustransit mit dem bloßen Auge beobachten ? Wie stellt man sich die Beobachtung des Venustransits ohne optische Instrumente vor ?

    • Man kann. Das habe ich selbst schon gemacht.

      Aber man sollte, selbst wenn man kein optisches Instrument benutzt, im Interese des Schutzes des eigenen Augenlichts wenigstens eine Sonnenfinsternisbrille verwenden. Man sieht einfach einen kreisrunden, kleinen Fleck vor der Sonnenscheibe. Der Durchmesser des Flecks ist etwas weniger als ein Dreißigstel des scheinbaren Winkeldurchmessers der Sonne, also deutlich sichtbar.

      Sie können ja gleich mal den nächsten Venustransit vormerken. Der findet schon im Dezember 2117 statt, also in weniger als 100 Jahren.

      Was hat das aber mit dem Blogartikel zu tun?

Schreibe einen Kommentar