18.5.1980: Vulkan St. Helens explodiert

Gunnar Ries hat vor einem Jahr des 30sten Jahrestags der denkwürdigen Explosion des Vulkans Mt. St. Helens im US-Bundesstaat Washington gedacht, ebenso wie andere.

Ich bin eigentlich ein Jahr zu spät dran, aber vor einigen Tagen stieß ich beim Aufräumen auf eine alte Ausgabe des National Geographic-Magazins vom 11. Januar 1981. Diese Ausgabe beschäftigte sich intensiv mit der Eruption. Auch 30 Jahre später ist das Bildmaterial immer noch sehr beeindruckend, insbesondere die bekannte Sequenz, die Gary Rosenquist auf seiner wilden Flucht  vom Bear Meadow-Campingplatz nordöstlich des Vulkans machte. Rosenquist floh mit anderen Campern vor dem pyroklastischen Strom, der sich vom nur 15 km entfernten St. Helens mit hoher Geschwindigkeit genau zu ihm hin bewegte.

Die Eruption des Mount St. Helens am 18. Mai 1980 war eine Katastrophe mit Ansage. Über einen Zeitraum von zwei Monaten hatte sich unter einem Gesteinspfropf Magma angesammelt und dabei die Magmakammer seitlich erweitert, was zu einer gewaltigen Ausbeulung an der Bergflanke führte und zahlreiche lokale Erdbeben auslöste.

Die Gegend war zwar evakuiert wurden, aber das als Gefahrenzone deklarierte Gebiet war zu klein bemessen. Geologen hatten rings um den Vulkan Stellung bezogen und Messinstrumente aufgebaut. Man rechnete mit einer schweren Eruption. Diese trat auch ein, aber anders als erwartet: In einem gewaltigen Erdrutsch verabschiedete sich nicht nur die Beule, sondern die gesamte nördliche Flanke des Bergs, die teilweise in den darunter gelegenen Spirit Lake rutschte.

 

Google-Maps-Aufnahme vom Gebiet um den Mount St. Helens, WA. Auf diesen offenbar noch älteren Aufnahmen ist gut die Zone der Zerstörung vom Ausbruch am 18.5.1980 zu erkennen.
Google-Maps-Snapshot von der Gegend um den Mount St. Helens. Auf den Satellitenaufnahmen sind noch gut die Spuren der Verwüstung im Norden des Vulkans zu sehen, ebenso die aufgerissene Nordflanke. Der Spirit Lake wurde durch den gewaltigen Erdrutsch angehoben und verschoben. Im Krater bildet sich bereits ein neuer Kegel. Die obersten 400 Meter des alten Vulkangipfels wurden weggesprengt. Quelle: Google Maps

Durch die plötzliche Druckentlastung bildete sich nicht nur eine plinianische Eruptionswolke, sondern zugleich ein massiver, lateraler pyroklastischer Strom, der ein fächerförmiges Gebiet mit einem Durchmesser von 30 Kilometern nordwestlich bis nordöstlich des Vulkans entwaldete, verbrannte und mit dicken Schichten heißer Vulkanasche bedeckte. Zudem bildete Gestein mit geschmolzenem Eis vom Erdrutsch einen Lahar im Tal des North Fork Toutle river.

Der Geologe David Johnston befand sich nur etwa 11 km nördlich des Vulkans auf einem kleinen Bergrücken, von dem man annahm, dass er auch von einem pyroklastischen Strom nicht erreicht werden konnte – zu Unrecht, wie sich zeigte. Johnston hatte gerade noch Zeit, per Funk einen Notruf abzusetzen. Die glutheiße Asche erreichte ihn weniger als eine Minute nach Beginn des Erdrutschs. Seine Leiche wurde nie gefunden. Vulkanologen leben gefährlich.


Hier folgt die Bildserie von Gary Rosenquist. Zwei weitere Bilder aus der NG-Ausgabe von 1981 fand ich ungeheuer beeindruckend. Sie zeigen die Bergsteigerin Suzanne Christensen auf dem 60 km entfernten Mount Adams, die angesichts der sich ausbreitenden gewaltigen Aschewolke vor Schreck auf den Hintern fällt. Hier hat jemand die Seite gescannt und auf Flickr gestellt.

Die berühmte Fotosequenz von Gary Rosenquist auf seiner überstürzten Abreise vom Campingplatz Bear Meadow, etwa 15 Kilometer nordöstlich des Vulkans. Das oberste Bild wurde 5 Minuten vor Beginn der Eruption geschossen. Die folgenden Bilder decken einen Zeitraum von nicht einmal einer Minute ab. Zunächst sieht man den massiven Erdrutsch, der die Flanke des Vulkans freilegte. Dadurch kann sich die seitliche Magmakammer schlagartig in einem gewaltigen pyroklastischen Strom entladen. Das letzte Bild der Serie konnte ich online nicht finden. Da war die glutheiße Gas- und Aschewolke schon fast bis zu den Bäumen vorgerückt, die man im Bildvordergrund sieht. Quelle: USGS/Gary Rosenquist

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

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