Gletscherabbruch im Himalaja löst Sturzflut und Erdbeben aus
BLOG: Geschichte der Geologie

Am 26. August 2026 hat sich eine Sturzflut aus Wasser und Geröll nahe der Grenzregion Nepal und Tibet(China) ereignet, mit verheerenden Folgen für die dortigen Siedlungen. Videoaufnahmen zeigen wie schnell und plötzlich die Wassermassen regelrecht durch die engen Täler „hindurchschießen“. Menschen rennen davon, aber es gibt kaum eine Möglichkeit sich rechtzeitig in höher gelegenen Gebieten und damit in Sicherheit zu bringen.
Ersten Berichten zufolge ereignete sich östlich des betroffenen Gebiets im Einzugsgebiet eines Seitentals ein Magnitude 4+ Erdbeben. Das führte zu Spekulationen, dass die Erschütterungen möglicherweiße eine Eis-Schutt-Lawine ausgelöst haben, diese dann den Berg hinuntergerutscht ist und die Reibungshitze das Eis zum Schmelzen gebracht hat.
Allerdings hat der USGS diesen ersten Bericht revidiert. Die Magnitude 5.2 Erschütterung wurde von einer herabstürzenden Masse ausgelöst, war also ein Ergebnis, nicht der Auslöser der Katatsrophe.
Der Italienische Geophysikalische Dienst INGV hat Messdaten des Pyramid Laboratory-Osservatory, einer Forschungsstaion im Khumbu-Tal in der Nähe des Everest, genutzt, um dieses seismische Ereignis besser zu charakterisieren. Die Station misst eigentlich schwache und langfristige Erschütterungen die von den ständig in Bewegung befindlichen Gletschern und meteorologschen Phänomenen (wie Druckabfall vor einem Sturm) ausgehen.
Erdbeben entstehen (sehr vereinfacht gesagt) wenn ein unter Spannung stehendes Gestein entlang einer Störung plötzlich bricht. Das entsprechende Seismogramm (in der Abbildung ganz oben wurde ein 10 Sekunden langes Magnitude 5.3 Erdbeben, das im September 2020 Nepal erschüttert hat, verwendet) zeigt einen Impuls, der viel Energie auf einmal freisetzt, aber dann rasch ausklingt. Auch die maximale Grundbeschleunigung (in der Abbildung die erste Kurve in Schwarz) ist dementsprechend höher.
Eine Rutschung, ein Bergsturz oder eine Lawine (untere Abbildung). nimmt dagegen graduell an Intensität zu, da sie sich einen Hang hinunterbewegt und dabei Höhenenergie in Bewegungsenergie umgewandelt wird. Einzelne stärkere Impulse sind unregelmäßig und über einen längeren Zeitraum (bis zu 60 Sekunden) verteilt. Diese Impulse entstehen, wenn gröberer Schutt oder größere Eisblöcke aufschlagen. Rollende Blöcke oder Schutt der am Grund entlangschrammt verursacht dagegen langwellige Erschütterungen, im Seimogramm an den (mehr oder weniger) durchgängigen roten Bereich im unteren Frequenzbereich zu erkennen.
Zum Vergleich: Der Kollaps des Mount St. Helens im Mai 1980, die größte je von Menschen direkt beobachtete Rutschung mit einem geschätzten Volumen von 2,5 Kubikkilometern, verursachte ein Erdbeben der Magnitude 5.6. Der Bergsturz von Blatten am 28. Mai 2025, bei dem drei bis neun Millionen Kubikmeter Gestein und Eis abrutschten, löste ein Erdbeben der Magnitude 1 bis 2 aus.
Satellitenaufnahmen scheinen jetzt zu bestätigen, dass Teile eines Hängegletschers am 7.245 Meter hohen Langtang Lirung abgebrochen sind. Geschätzt sind weit über 10 Millionen Kubikmeter Material etwa 1.400 Meter die steilen Bergflanken hinabgestürzt. Ob dieses Material in einen Gletschersee gestürtzt ist und einen Gletscherlauf verursacht hat, ist nicht ganz klar. Ältere Satellitenbilder zeigen keinen See im betroffenen Gebiet (wobei bedingt durch die Gletscherschmelze sich auch immer temporäre Seen bilden können). Das Material hat vermutlich den Lhende Khola Fluss aufgestaut, bis dieser den Schuttdamm durchbrochen hat und als Flutwelle das Haupttal hinuntergeschossen ist.