Die Geschichte des Krakatau (Teil II.)

Geschichte der Geologie

Als der Vulkan Krakatau am Morgen des 27. August 1883 mit der Kraft von 7000 Hiroshima-Bomben explodierte, erzeugte er einen Knall der noch in einer Entfernung von fast 5000 Kilometer wahrgenommen wurde. Die Flutwellen, die durch den Kollaps der Insel entstanden, waren bis zu 40 Meter hoch und erschlugen mehr als 30000 Menschen. Nach 32 Stunden hob sich der Meeresspiegel noch im 18000 Kilometer entfernten Le Havre, Frankreich. Zwanzig Kubikkilometer Bimsstein und Asche wurden in den Himmel geschleudert. Drei Monate nach dem Ausbruch färbte sich der Himmel blutrot und vier Jahre lang kühlte die Asche in der Atmosphäre den Planeten deutlich ab. Ein Jahr nach dem Ausbruch landete ein Teppich aus Bimsstein an der Ostküste Afrikas, bedeckt mit Muscheln, Krebsen und Skeletten von Mensch und Tier.

Der Ausbruch des Krakatau in 1883.

Nach über 200 Jahren Ruhe war am 20. Mai 1883 der Krakatau wieder erwacht, als vorbeifahrende Schiffe eine große Eruptionssäule über der Insel bemerkten. Am 27. Mai besuchte ein Schiff mit neugierigen Gästen aus Batavia (das heutige Jakarta), damals die Hauptstadt von Niederländisch-Indien, die ansonsten nun menschenleere Insel mit ihrem aktiven Vulkan. „Ein Bild der totalen Zerstörung aus dem mit unbeschreiblicher Schönheit und donnernder Gewalt die Rauchsäule emporschoß“ notiert der Bergwerksingenieur J. Schuurman. Ab Juni werden die Explosionen häufiger und erste Erdbeben erschüttern den Hafen von Anyer auf Java. Einige Tage vor dem 27. August hörte man noch in Batavia die Explosionen, 150 Kilometer vom Krakatau entfernt. Die Eruptionen werden immer lauter, wie eine Abfolge von Kanonenschüsse und Donnerschläge. Am 23. August fällt ein hellbrauner Ascheregen über die Sundastraße. Die Menschen entlang der Küste sind nicht weiter beunruhigt. Vulkane sind in Indonesien ein vertrauter Anblick. Außerdem liegen mehr als 30 Kilometer zwischen der Insel und der Küste. Am späten Nachmittag wird die See immer unruhiger und mehrere große Wellen treffen den Hafen von Anyer.

Sonntag, 26. August, um 14.00 Uhr sprengt der steigende Druck im Berginneren den Vulkanschlot frei. Der diensthabende Telegraphist in Anyer tickert nach Batavia: “Krakatau explodiert, Qualm und Dunkelheit ringsum”. Der Ausbruch des Krakataus erreicht nun seinen Höhepunkt mit einer Serie von sehr heftigen Explosionen. Um 5.30 am Morgen des 27. August zeichnet das Barometer in Batavia eine weitere schwere Druckwelle auf. Eine Stunde später erreicht die erste Welle die Küste, ein mindestens zehn Meter hoher Tsunami. In Anyer ist der Tsunami sogar 35 Meter hoch, von der Stadt bleiben nur Trümmer übrig. Einige Einwohner retten sich auf die umliegenden Hügel. In Telukbetung auf Sumatra überlebt keiner, als die enge Bucht die Wellen direkt auf die Stadt bündelt strömt das Wasser fast drei Kilometer landeinwärts.

Den Raddampfer “Berouw”, festgezurrt im Hafen von Telukbetung auf Sumatra, trägt eine Welle fast drei Kilometer landeinwärts. Dort landet das Schiff fast unversehrt in einem Flußbett. Die Besatzung ist tot.

In den nächsten Stunden folgen drei weitere Tsunami, 300 Dörfer werden zerstört und 30000 Menschen sterben. Um 10.30 trifft eine Glutlawine die Küste von Java. Tausende weitere Menschen, die knapp dem Tsunami entkommen waren, ersticken oder verbrennen. Gegen 11.00 Uhr bricht der nördliche Teil des Krakatau über die nun leere Magmakammer zusammen, fast sechs Kubikkilometer Inselmasse verschwinden in den Fluten. Die dabei gebildete Caldera ist über 200 Meter tief. Noch im 3100 Kilometer entfernten Ceylon zieht sich das Meer zurück „und ließ viele Boote auf dem Trockenen … Das geschah noch zweimal.“

Krakatau war die erste Naturkatastrophe, über die binnen Stunden auch der Rest der Welt erfuhr, dank der gerade eingeführten Telegrafie. Am 28. August schreibt die Morgenausgaben der Kölnische Zeitung: „Auf der vulcanischen Insel Krakatoa in der Sundastraße haben in der vergangenen Nacht furchtbare Erdausbrüche stattgefunden. Die Feuererscheinungen waren in Batavia sichtbar. Serang ist vollständig in Dunkelheit eingehüllt, aus den Kratern ausgeworfene Steine sind dort niedergefallen. Auch in Batavia herrschte fortwährend vollständige Finsternis und alle Gaslaternen waren gestern Abend verlöscht. Der Verkehr mit Anjer ist unterbrochen und man hegt Befürchtungen für diesen Ort.“

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David Bressan ist freiberuflicher Geologe hauptsächlich in oder, wenn wieder mal ein Tunnel gegraben wird unter den Alpen unterwegs. Während des Studiums der Erdwissenschaften in Innsbruck, bei dem es auch um Gletscherschwankungen in den vergangen Jahrhunderten ging, kam das Interesse für Geschichte dazu. Hobbymäßig begann er daher über die Geschichte der Geologie zu bloggen.

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