Der Gebirgskrieg in den Dolomiten – Wie die Geologie Schlachten bestimmt

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Was die Steine erzählen und wie wir sie verstehen lernten
Geschichte der Geologie

1915 erreichte der große Krieg auch die Dolomiten. Italien hatte Österreich-Ungarn den Krieg erklärt und man fürchtete, das italienische Truppen über die Pässe der Alpen bis nach Wien vordringen würden. Rasch wurden die Gipfel der Dolomiten eingenommen und befestigt. Wer die Höhen kontrollierte, konnte die Pässe unter Beschuss nehmen. Ein einzelnes Geschütz konnte so beinahe eine ganze Armee aufhalten. Es gab aber kaum Erfahrungswerte für den Gebirgskrieg, noch nie zuvor war so lange und in einer solch extremen Umgebung gekämpft worden.

Die Dolomiten stellen ehemalige Riffe dar, die sich aus Becken mit leichter verwitterbaren Material erheben. Hunderte von Metern hohe Wände sind keine Seltenheit. Im Sommer sind diese Wände Steinschlag und Muren ausgesetzt, im Winter donnern Lawinen zu Tal und ein eiskalter Wind weht um die Gipfel. Am Ende des Krieges waren mehr Soldaten durch solche Naturereignisse, als durch Kampfhandlungen, umgekommen.

Das “Richthofen-Riff” in den Südtiroler Dolomiten. Schuttzungen, die von den Abhängen des ehemaligen Riffkerns geschüttet wurden, verzahnen mit braunen Sand- und Tonsteinen eines ehemaligen Ozeanbeckens, die heute von Wiesen bedeckt werden.

Eine wichtige Schlüsselstelle im Krieg war der Falzarego-Pass (2.105m SH). Über ihn konnte man von CortinaAmpezzo ins Gadertal gelangen, und von dort über das Pustertal nach Österreich. Der Falzarego-Pass wird vom 2.800m hohen Lagazuoi überragt, strategisch ideal gelegen um den Pass zu sichern. Der Lagazuoi besteht fast vollständig aus Dolomit der Kassianer-Formation. Es handelt sich um einen ehemaligen massiven Riffkern, von den aus periodisch große Schuttlawinen in die umgebenen Becken abgingen. In Richtung der Schuttzungen fällt der Lagazuoi nach Norden hin relativ flach ab, während nach Süden, zum Falzargeo-Pass hin, eine Steilwand im massiven Dolomit entwickelt ist. Der Gipfel ist relativ flach, dort stehen Mergel an, die in einem ehemaligen flachen Meer waagrecht abgelagert wurden. Während der Heraushebung der Dolomiten wurde diese geologische Formation nur unwesentlich verkippt. Der Falzarego-Pass selber entstand, als ältere, weiche Mergel- und Sandstein durch Erosion abgetragen wurden.

Die Südwand des Lagazuoi überragt das Tal mit dem Falzarego-Pass. Der Gipfelaufbau fällt relativ flach nach Norden hin ab.
Das eigentliche Gipfelplateau das Lagazuoi wird von flachliegenden, braunen Mergeln und Sandsteine der Heiligkreuz-Formation gebildet. Darüber folgt der gebankte Hauptdolomit, ein hartes Gestein, das im Hintergrund die Steilwände der Tofane ausbildet.

Die österreichischen Truppen befestigten das breite, flache Gipfelplateau und warteten auf die Italiener. Erste Angriffe konnten auch tatsächlich abgeschmettert werden. Die Italiener erkannten aber eine Schwachstelle im Bollwerk des Lagazuoi. Ein Felsband zieht sich durch die Mitte der Südwand. Dieses Felsband entstand, als der obere Teil des Lagazuoi entlang einer geologischen Störung über den unteren Teil überschoben wurde. Die Italiener eroberten schließlich das Felsband, das den Namen Martini-Felsband erhielt, nach dem Offizier der den erfolgreichen Angriff führte. Die Österreicher konnten vom Gipfel des Lagazuoi aus das Felsband nicht einsehen, das von den Italienern noch zusätzlich befestigt wurde. Aber auch die Italiener saßen fest. Mitten in der Felswand, war an einen direkter Sturm zum Gipfel, und den österreichischen Stellungen hin, nicht zu denken.

Die österreichischen Stellungen am Rand des Abgrunds, von hier aus konnte das gesamte Tal und der Pass überwacht und verteidigt werden.

Dieser unheimliche Waffenstillstand dauerte nur kurze Zeit, schließlich kam es zu einer der seltsamsten Schlachten im ersten Weltkrieg – der Minenkrieg am Lagazuoi (Fortsetzung folgt).

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David Bressan ist freiberuflicher Geologe hauptsächlich in oder, wenn wieder mal ein Tunnel gegraben wird unter den Alpen unterwegs. Während des Studiums der Erdwissenschaften in Innsbruck, bei dem es auch um Gletscherschwankungen in den vergangen Jahrhunderten ging, kam das Interesse für Geschichte dazu. Hobbymäßig begann er daher über die Geschichte der Geologie zu bloggen.

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