Alfred Wegener und die Enstehung der Kontinente und Ozeane

Wir stehen der Erde gegenüber wie der Richter dem Angeklagten, der jede Auskunft verweigert, und haben die Aufgabe, die Wahrheit auf dem Wege des Indizienbeweises zu ermitteln.
Alfred Wegener

Am 6. Januar 1912 stellte der Meteorologe Alfred Wegener in einem öffentlichen Vortrag, mit dem Titel Die Heraushebung der Großformen der Erdrinde (Kontinente und Ozeane) auf geophysikalischer Grundlage, seine Arbeitshypothese über einen Großkontinent namens Pangaea dar, dessen verdriftete Bruchstücke die modernen Kontinente bilden.

Wegener war nicht der Erste der einen ehemaligen Superkontinent vermutete. Die passenden Küstenformen von Afrika und Südamerika waren schon kurz nach der Veröffentlichung der ersten geographischen Karten der neuen Welt aufgefallen. In 1658 publizierte der Mönch Francois Placet ein Büchlein, wo er vorschlug, dass die Kontinente während der biblischen Flut auseinandergebrochen waren. Der mittlere Teil zwischen Amerika und Afrika versank dabei als sagenhafte Insel Atlantis für immer in den Fluten. In 1858 publizierte der französische Naturforscher Antonio Snider-Pellegrini die erste Karte eines Ur-Kontinents. Auch er nahm an, dass dieser Kontinent durch die Wucht der biblischen Flut zerrissen wurde. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Vorstellungen dieses hypothetischen Superkontinents verfeinert, allerdings fehlte stets der Mechanismus um das Zerbrechen und das Verdriften von ganzen Kontinenten zu erklären. Um 1900 vermutete der Italiener Roberto Mantovani das sich die Erde langsam ausdehnt und dabei die kontinentale Kruste zerreißt. In 1908 schlug der amerikanische Amateur-Geologe Frank B. Taylor vor, dass der Mond mit seiner Gravitation die Kruste der Erde in Falten legen würde und Kontinente hinter sich her zieht. Der österreichische Geologe Otto Ampferer spekulierte um 1906 mit seiner Unterströmungstheorie über Magmaströmungen, die Teile der Kruste mit sich in den Erdmantel ziehen würden. Durch die Kollision der einzelnen Teile kam es dabei zur Faltung der Alpen.  Ampferer konnte allerdings nicht erklären, woher die Energie für solche Bewegungen stammt und wird später die Verschiebungstheorie von Wegener ablehnen.

Wegener konnte wie seine Vorläufer nicht schlüssig erklären, wie Kontinente sich bewegen. Er vermutet Gravitations- und Zentrifugalkräfte, die die Kontinente verschieben, aber die Kräfte waren, wie seine Kollegen ihm vorhielten, dafür viel zu schwach. Auch ging er davon aus, dass die Kontinente wie Eisschollen durch den basaltischen Ozenaboden pflügen. Es ließen sich aber keine Verfaltung, verursacht durch die treibenden Kontinente, im Ozeanboden finden.

Wegener stirbt 1930, die Idee der Kontinentaldrift führt zunächst ein Schattendasein. In abgeänderter Form lebt sie, besonders unter Feldgeologen die Südamerika und Afrika gut kennen, aber weiter. Wegener konnte nämlich nachweisen, das besonders geologische Formationen und Abfolgen entlang der Küsten von Afrika und Südamerika sich auffallend ähneln. So hat der Granitgneis, der heute die berühmte Silhouette von Rio de Janeiro prägt, ein entspreches Gegenstück in Angola und Namibia. Die Verteilung der Gesteine konnte nur dadurch erklärt werden, dass Afrika und Amerika in der geologischen Vergangenheit direkt verbunden waren.

Erst 30 Jahre nach Wegeners frühen Tod werden Messungen des Ozeanbodens denn nächsten Schritt einleiten…

Die Herren sind wie Kontinentalschollen, sie lassen sich nur durch ungeheure, durch geologische Zeiträume wirkende Kräfte bewegen.
Däne Johan Peter Koch, der Wegener auf zwei Grönlandexpeditionen begleitete

Veröffentlicht von

David Bressan ist freiberuflicher Geologe hauptsächlich in, oder wenn wieder mal ein Tunnel gegraben wird unter den Alpen unterwegs. Während des Studiums der Erdwissenschaften in Innsbruck, bei dem es auch um Gletscherschwankungen in den vergangen Jahrhunderten ging, kam das Interesse für Geschichte dazu. Hobbymäßig begann er daher über die Geschichte der Geologie zu bloggen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. In “abgeänderter Form” (s.o.) lebt die Kontinentaldrift in der Plattentektonik weiter. Diese erklärt die Bewegung der Kontinente als Ausdruck der Plattenbewegungen (und damit auch die verwandte Geologie von Südafrika und Brasilien). Die Plattentektonik kennt auch den Motor dieser Bewegung (die Wärmeenergie des Erdinnern); sie stellt daher Wegeners wegweisende Theorie vom Kopf auf die Füße.

  2. Ich möchte die Gelegenheit hier nutzen, um auf den Tag des Geotop in 06311 Helbra/Mansfelder Land, am Sonntag, den 16.9.2018 aufmerksam zu machen.
    Das Mansfelder Land war über 800 Jahre lang Zentrum der Förderung und Verarbeitung des Mansfelder Kupferschiefers. Auf der Homepage http://www.erlebnisweltkupfer.de erhalten Sie Informationen über unsere Vereinsarbeit. Glück Auf und vielleicht können wir Sie bei uns begrüßen.

Schreibe einen Kommentar


E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
-- Auch möglich: Abo ohne Kommentar. +