Zur Bedeutung von Bildungs- und Forschungseinrichtungen in Bangalore und Pune

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Bildungs- und Forschungseinrichtungen erlangen in modernen Industrien eine bedeutende Stellung, da diese einerseits neue Technologien und Wissen erzeugen und gleichzeitig hochqualifiziertes Personal für den Arbeitsmarkt ausbilden. Besonders für High-Tech Industrien sind Verbindungen zu diesen Institutionen von entscheidender Bedeutung, da die Geschwindigkeit mit der sich neues Wissen verbreitet und die Generierung von neuen Technologien maßgeblich zu deren Erfolg beiträgt. In Entwicklungsländern wie Indien befinden sich viele Institutionen jedoch noch in einem frühen Entwicklungsstadium und können nicht die Rolle und die Bedeutung einnehmen, wie diese es in entwickelten Ländern tun. Es setzt jedoch ein Wandel ein, da immer mehr Regionen in Indien Industrien herausbilden, die auf moderne Forschungs- und Bildungseinrichtungen angewiesen sind.

High Tech City Cluster in Bangalore und Pune

Die Städte Pune und Bangalore gehören ohne Frage zu den High-Tech Zentren Indiens. Beides angehende Megastädte mit derzeit ca. 6,5 Millionen in der Metropolregion. Geprägt wird Bangalore durch Unternehmen im Bereich der Informations- und Telekommunikationstechnologie und Pune durch Unternehmen aus der Biotechnologie und des Automobilbaus. Der britische Independent bezeichnet die Stadt südlich von Bombay als Motor-City Indiens, da alle namhaften in- wie ausländischen Hersteller in den Stadtgrenzen für den südasiatischen Markt produzieren. Für diese High-Tech Industrien ist die schnelle Generierung von Wissen und neuen Technologien entscheidend für das Geschäftsmodell. Wird das Wissen in diesen Industrien nicht aufgefrischt, so besteht die Gefahr, dass die Unternehmen nicht mehr Konkurrenzfähig sind (Lock-In), und sich nicht auf dem Weltmarkt behaupten können.
Sowohl Bangalore als auch Pune beinhalten, für indische Verhältnisse, sehr gute Universitäten und staatliche Forschungsinstitute. Bangalore, das Silicon Valley Indiens, hat in seiner Entwicklung zur High-Tech Region schon einen langen Entwicklungspfad zurückgelegt, da bereits in den frühen 1950er Jahren erste staatliche Forschungsinstitute in den Stadtgrenzen angesiedelt wurden. Die Wahl für diese sensiblen militärischen Einrichtungen fiel auf Bangalore, da die Stadt weit weg von den konfliktreichen Grenzen Nordindiens liegt (siehe Artikel: Die Entwicklung der indischen Softwareindustrie in Bangalore).
Pune hingegen entwickelte sich, im Vergleich zu Bangalore, verhältnismäßig spät zu einem aufstrebenden Zentrum im Bereich der Hochtechnologie und Industrie. Noch in den 1970er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die Stadt hauptsächlich durch die zweifelhaften Praktiken des Osho-Ashram von Bhagwan Shree Rajneesh bekannt. Erst in den 1980er und 1990er Jahren änderte sich dieses jedoch und die Stadt entwickelte sich zu einem der wichtigsten Standorte der indischen Automobilindustrie sowie zu einem bedeutenden IT-Zentrum. In den vergangenen Jahren bildete sich zudem auch Unternehmen in den Bereichen erneuerbare Energien und des Agrobusiness heraus. Industrien, die sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden und in Zukunft ein hohes Entwicklungspotential aufweisen.

Verknüpfungen zu Bildungs- und Forschungseinrichtungen

Entscheidend für die Fortentwicklung von High-Tech Industrien sind unterschiedliche Interaktionsmuster zwischen Unternehmen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Diese Interaktionsmuster lassen sich in vier unterschiedliche Grundtypen unterteilen.
(a)    Arbeitsmarktrelevante Interaktionen: Fachhochschulen stellen Arbeitskräfte zur Verfügung, während Universitäten einen Schwerpunkt auf Forschung haben. Entwickelt eine Agglomeration einen akademischen Schwerpunkt, so zieht diese bessere Studenten und Wissenschaftler an.
(b)    Interaktionen in Angebot und Nachfrage von Produzenten und Dienstleistern: Akademische Institutionen benötigen angepasste Dienstleistungen, vor allem im infrastrukturellen Bereich. Zudem bieten diese Institutionen eine Reihe von Dienstleistungen an (Tests, Training, Zertifizierung, Prototypentwicklung, etc.).
(c)    Interaktionen durch Firmenneugründungen: Durch Spin-Off Aktivitäten aus Universitäten wird die Unternehmensstruktur und Wissensgenerierung stark beeinflusst. Viele Universitäten unterhalten Wissensparks oder spezielle Förderprogramme.
(d)    Interaktionen der Wissensgenerierung und in Lernprozessen: Gängige Programme sind Workshops, Praktika, Gastvorlesungen, Diplom- und Doktorarbeiten, etc.

In Indien sind viele dieser Interaktionen hauptsächlich noch informeller Natur, da entscheidende Institutionen im Technologietransfer fehlen oder eine unzureichende Mittelausstattung aufweisen.

Bangalore und Pune als Beispielregionen

Laut einer Studie von BASANT und CHANDRA beeinflussen folgende Prozesse maßgeblich die Entwicklung der High-Tech Zentren Bangalore und Pune.  Wichtig für die Regionalentwicklung dieser beiden Städte sind die Schwerpunkte der lokalen Bildungs- und Forschungseinrichtungen, die Ausstattung des Arbeitsmarktes, Unternehmensneugründungen und die aktive Rolle der staatlichen Forschungseinrichtungen. Durch das Wachstum der entsprechenden Märkte, kommt es zu Verbreiterungs- (deepening) und Vertiefungseffekten (thickening) in der Regionalwirtschaft. Dies geschieht durch eine zunehmende Diversifizierung und Spezialisierung der Unternehmen. Forschungs- und Bildungseinrichtungen reagieren auf diese Prozesse und bilden entsprechend der aktuellen Nachfrage notwendige Ressourcen zur Verfügung. Durch das schnelle Wachstum des Biotechnologiesektors in Bangalore und Pune entstehen zudem Synergieeffekte, die neue Interaktionsmuster an den Schnittpunkten von Wirtschaft und staatlichen Institutionen generieren. Zu sehen ist dies, da in beiden Städten sich bereits im Bereich der Bioinformatik erste Unternehmen herausbilden.
Die Bedeutung von Unternehmensneugründungen ist in Indien noch als sehr gering einzuschätzen, da es hauptsächlich an Risikokapital für neue Ideen mangelt und es nur geringe Bestrebungen gibt, aus Forschungsergebnissen neue Produkte zu generieren. Zudem reagieren staatliche Stellen in der Finanzierung von Neugründungen noch zu träge und es fehlen Steuerungselemente, die die Zusammenarbeit von Unternehmen und Forschungseinrichtungen fördern. Bis vor kurzem war es zudem staatlich finanzierten Institutionen nicht erlaubt, Anteile an privaten Unternehmen zu erwerben. Ohne zusätzlich finanzielle Reize entstehen Interaktionen jedoch nur sehr langsam oder gar nicht.  
Die indische Regierung hat diese Proble jedoch erkannt und für mehr Konkurrenz zwischen den Bildungs- und Forschungseinrichtungen gesorgt, damit in der Zukunft mehr Forschungsergebnisse kommerzialisiert werden können, und es zu mehr Interaktionen zwischen Unternehmen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen kommt. Denn nur wenn es den indischen Städten gelingt, eine erfolgreiche Regionalwirtschaft herauszubilden, besteht überhaupt die Möglichkeit, dass die massive städtische Armut in Indien maßgeblich verringert werden kann.

Verwendete Literatur

BAGCHI-SEN, S.; SMITH, H. 2008: Science, Institutions, and Markets: Developments in the Indian Biotechnology sector. In: Regional Studies, 42(7), S.961-975.
BASANT, R.; CHANDRA, P. 2007: Role of Educational and R&D Institutions in City Clusters: An Exploratory Study of Bangalore and Pune Regions in India. In: World Development, 35(6), S.1037-1055.
D´COSTA, A. 2002: Software outsourcing and development policy implications: an Indian perspective. In: International Journal Technology Management, 24(7/8), S.705-723.
FROMHOLD-EISEBITH, M. 2002: Regional cycles of learning: foreign multinationals as agents of technology upgrading in less developed countries. In: Environment and Planning A, 34(12), S.2155-2173.
PARTHASARATHY, B. 2006: From software services to R&D services: local entrepreneurship in the software industry in Bangalore, India. In: Environment and Planning A, 38(7), S.1269-1285.

  • Veröffentlicht in: WiGeo
Stefan Ohm

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www.geographieblog.de

Meine Name ist Stefan Ohm und ich bin Geograph. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und danach bei Electronic Data Systems (EDS) als Lotus Notes Entwickler gearbeitet. Während meines Studiums in Hannover führte mich mein Weg zur Texas State University in San Marcos (USA) sowie zur University of Bristol (UK). Darüber hinaus absolvierte ich zwei Praktika bei NGO’s in Neu Delhi (Indien), mit dem Ziel Entwicklungsprozesse vor Ort genauer zu betrachten und damit ein besseres Verständnis über diese zu erhalten. Promoviert habe ich über den Strukturwandel im Perlflussdelta und Hongkong (China) an der Justus Liebig Universität in Gießen.

2 Kommentare

  1. Frage

    Hallo ich bin auf ihren Blog gestoßen,da ich mich über die Zukunftsaspekte der High -Tech Industrie informieren sollte und einen Referat dazu vorbereiten soll. Mir ist aufgefallen, dass sie sehr viel zu dem Thema wissen und sich damit auseinandergesetzt haben und wollte fragen, wie sie die Zukunft von Bangalore usw. sehen und ob sie auch in Zukunft das IT-Mekka sein werden bzw. welche Bedingungen sie erfüllen müssen um dies zu ermöglichen. Ich habe leider sehr wenig Kenntnis zu diesem Thema und würde ich sehr über eine Antwort freuen.

  2. Hallo,mir ist aufgefallen, dass sie sehr viel zu dem Thema wissen und wollte sie fragen, ob sie meinen, das die High Tech Industrie in Indien eine Zukunft hat (Bangalore…) bzw. welche Bedingungen sie schaffen müssen um dies zu ermöglichen.
    Ich muss nämlich zu dem Thema ein Referat halten und habe leider wenig Kenntnis. Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.

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