Wie reagiert Amerika auf die Klimapolitik der Bush Regierung?

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Nach der gefeierten Berliner Rede von Barack Obama wird deutlich, dass die Vereinigten Staaten, bei einem Wahlsieg Obamas, vor einer Wende in der Klimapolitik stehen. Unter der Regierung Bush war Amerika, als größter CO2 Produzent, nicht gewillt große Schritte zu unternehmen, um klimaschonende Technologien zu etablieren. Amerika als Klimasünder war ein beliebtes Bild hiesiger Medien. Bei einer genaueren Betrachtung erscheint dieses Bild allerdings als einseitig und verzerrt.

Auf der Ebene der amerikanischen Bundesstaaten und der Unternehmen hat sich seit 2006 viel getan. Besonders Kalifornien und New York sind im Begriff sich an die Spitze des Klimaschutzes zu stellen. Und dies nicht nur auf amerikanischer, sondern auch auf internationaler Ebene. Lehnte die amerikanische Öffentlichkeit und die Industrie in den 1980er und 1990er die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Klimawandel noch als Hirngespinst und liberale Propaganda ab, so hat sich ein gravierender Wandel dieser Ansichten seit 2000 vollzogen.
Waren noch in den 1990ern viele amerikanischen Großkonzerne in der Global Climate Coalition (GCC), einer Interessengruppe, die Werbung gegen die CO2 Senkung produzierte, organisiert, so bezweifelt heute kaum noch ein amerikanisches Multinationales Unternehmen die Erkenntnisse zum Klimawandel. Seit 1997 sind prominente Firmen wie BP, Ford und General Motors aus der GCC ausgetreten, worauf diese im Jahr 2002 ihre Arbeit entstellte.
Ein letztes Aufbäumen von Gegner einer CO2 Senkung wurde 2006 von der breiten amerikanischen Öffentlichkeit nur mit einem Kopfschütteln wahrgenommen. In einem Werbespot, finanziert vom Competitive Enterprise Institute (CEI), wurde mit dem Werbespot, „Carbon Dioxid: they call it pollution, we call it life“, geworben. Die größten Geldgeber dieser Kampagne waren Coca Cola und ExxonMobil, die mittlerweile ihre damaligen Sichtweisen revidierten und nun den Klimawandel  offiziell akzeptieren.

Die Wandlung in Öffentlichkeit und Politik

Neuesten Umfragen zufolge, akzeptieren mittlerweile 84% der amerikanischen Öffentlichkeit die Erkenntnisse des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Besonders die katastrophalen Auswirkungen des Hurrikans Kathrina und Al Gores Dokumentarfilm, „Eine unbequeme Wahrheit“, haben den Klimawandel auf die Tagesordnung vieler US Bürger gebracht. Obwohl sich die amerikanische Regierung noch immer gegen Regelungen zur CO2 Senkung sperrt und bereits mit dem Gedanken spielt neue Ölfelder in der Arktis zu erschließen, sieht das Bild in den Bundesstaaten anders aus. Kalifornien hat bereits ein Gesetz verabschiedet, welches vorschreibt, dass der CO2 Ausstoß (Referenzjahr 1990) bis zum Jahr 2020 halbiert und bis 2050 um 80% gesenkt wird. Weitere Bundesstaaten arbeiten bereits an ähnlichen Gesetzen, so wie z.B. New York. Aber nicht nur die Regierungen der Bundesstaaten schwenken auf den Klimaschutz ein, die CitiGroup, als ein Beispiel unter vielen, wird im kommenden Jahrzehnt $40 Mrd. in Projekte investieren, die zum Ziel haben den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Seit 2006 hat sich die Investitionssumme in alternative Energien um 266% erhöht, und es wird erwartet, dass diese in den kommenden Jahren massiv anwachsen wird. Dies ist auch dringend nötig, denn absolut liegt die Summe noch immer unter der der amerikanischen Tiermittelnahrungsindustrie.
Als einer der größten Investoren im Bereich Umweltschutz und grünen Technologien hat sich General Electric, das weltweit größte Unternehmen im Bereich Elektronik und Anlagentechnik, etabliert. Viele Unternehmen planen, oder haben bereits damit begonnen diesem Weg zu folgen. Getragen wird dieser von steigenden Rohstoffpreisen und der Abhängigkeit von Krisenregionen im Nahen Osten und Afrika.

Weltmarktführer in 15 Jahren?

Von außen betrachtet erscheint die USA als uneinsichtiger Klimasünder, der als größter Energieverbraucher und Produzent von Treibhausgasen, internationale Verträge, wie das Kyoto Protokoll, blockiert oder ignoriert. Allerdings ändert sich dieses Bild, bei einer genaueren Betrachtung. Die amerikanische Öffentlichkeit und Wirtschaft steht am Beginn eines gravierenden Wandels. Experten schließen nicht mehr aus, dass der Bereich alternative Energien in den kommenden 15 Jahren ein boomender Jobmotor wird. Während seinen Wahlkampfauftritten spricht Obama von fünf Millionen neuen Arbeitsplätzen, die entstehen können, wenn es eine entsprechende Förderung gibt.
Eine Weltmarktführerschaft in grünen Technologien, die auch gleichzeitig exportfähige Spitzentechnologien sind, wird für 2020 nicht mehr ausgeschlossen. Bis dahin ist allerdings noch ein weiter Weg zu beschreiten, denn an der Tatsache, dass die USA der größte Klimaschädling und Energieverbraucher ist, wird sich so schnell nichts ändern. Für das Weltklima ist zu hoffen, dass sich die weltweit größte Volkswirtschaft noch rechtzeitig auf den Weg, Richtung Klimaschutz, begeben kann.

Quellen

1. The Economist: Cleaning up: A special Report on business and climate change, Volume 383, Number 8531
2. The Guardian: Revealed: How Oil giant influenced Bush
3. Die Zeit: Amerika wird grün
4. ExxonMobil Klimaerklärung

  • Veröffentlicht in: WiGeo

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www.geographieblog.de

Meine Name ist Stefan Ohm und ich bin Geograph. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und danach bei Electronic Data Systems (EDS) als Lotus Notes Entwickler gearbeitet. Während meines Studiums in Hannover führte mich mein Weg zur Texas State University in San Marcos (USA) sowie zur University of Bristol (UK). Darüber hinaus absolvierte ich zwei Praktika bei NGO’s in Neu Delhi (Indien), mit dem Ziel Entwicklungsprozesse vor Ort genauer zu betrachten und damit ein besseres Verständnis über diese zu erhalten. Promoviert habe ich über den Strukturwandel im Perlflussdelta und Hongkong (China) an der Justus Liebig Universität in Gießen.

14 Kommentare

  1. Umdenken

    Ohne zugrundeliegende Zahlen zu haben möchte ich behaupten, dass die Erhöhung des Spritpreises in den letzten Monaten mehr zur Änderung des Lebensstils vieler Menschen beigetragen hat, als jeder Dokumentarfilm oder jede Werbekampagne es jemals tun kann. An ihrem Geld hängen die Leute!

  2. @ Sebastian:

    Das stimmt nur begrenzt. Es gibt in den USA schon seit ein paar Jahren eine sehr starke und vielseitige Graswurzelbewegung, die sich unter anderem dem Energiethema und ähnlichen Fragestellungen verschrieben hat. Gerade Blogs sind da sehr stark involviert, zum Beispiel hier.

  3. Seltsam ist eigentlich nur, dass die USA nicht schon längst Weltmarktführer für alternativen Energien ist. Ob es nun in der Solar- Wind- oder Wasserenergie, die USA haben riesige Potentiale. Und zusätzlich verfügen sie noch über gute Universitäten und Forschungsinstitute. Das sollte für die Zukunft eigentlich eine gute Mischung sein.

  4. @Mirjam

    Nur schade, dass viele Universitäten und Forschungseinrichtungen eng mit dem Milität zusammenarbeiten und viele Innovationen in der Waffentechnik getätigt werden. Aber ich gebe dir Recht, die Potentiale sind riesig. In Südkalifornien entsteht gerade mit 500 MW eines der größten Solarkraftwerke der Welt. Zum Vergleich: Deutsche Atomkraftwerke ca. 1400 MW.

  5. Nachtrag

    Von den fünf größten Solarkraftwerken, die derzeit weltweit entstehen, werden drei in den USA sein. Neben dem erwähnten Kraftwerk in Kalifornien, entsteht noch ein weiteres in Arizona (280 MW), in New Mexiko (300 MW) und in Nevada (64 MW).
    Hier ist eine Liste mit weiteren Informationen, die von Foreign Policy erstellt wurde.

  6. @Stefan Ohm

    Komisch, dass das Militär noch nicht damit begonnen hat, sparsame Technologien einzuführen. Gerade in diesem Bereich sollte doch eine Unabhängigkeit von endlichen Rohstoffen sinnvoll sein. Besonders, wenn Nachschubwege unterbrochen sind. Was bringt schon ein Panzer, wenn kein Sprit mehr da ist und er im Straßengraben stehen bleibt?

  7. @ Mirjam

    Wie es scheint hat die US Army bereits damit begonnen sich für erneuerbare Technologien zu interessieren. Der Preisdruck scheint auch dort zu wirken. Diese Webseite berichtet von einem Miliarden Deal mit der Firma Konarka, die stromerzeigende Textilien herstellt.
    Bereits beim Mikrochip, dem Internet und der Flugzeugtechnologie, trugen die US Militärinvestitionen entscheidend zum Erfolg dieser Technologien hinzu.

  8. Preisdruck auf die Autohersteller

    @Sebastian Koch

    Laut Heise Autos hat sich der hohe Benzinpreis drastisch auf das Kaufverhalten der Amerikaner ausgewirkt. Der Absatz von SUVs und Pickups ist dieses Jahr um 26,5% im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen (Zeitraum: Januar-Mai). Bei sparsamen Autos war dieser Einbruch nur ein Bruchteil dessen und konnte beim Honda Civic sogar 10% zulegen.

    Quelle: Link

  9. Vorbild USA

    Dank einheitlicher technischer Standards und fehlender Landesgrenzen erreichen in den USA 40 Prozent der Güter ihre Empfänger per Bahn.

    Das könnte auch daran liegen, dass in Deutschland der LKW-Transport deutlich preisgünstiger ist als in den USA. Trotz höherer Treibstoffpreise in den USA.

    Das verdeutlicht an welchen Parametern man nachsetzen könnte um den 14%tigen Anteil, den die Deutsche Bahn in Deutschland hält, zu erhöhen.

  10. Es gibt einen recht interessanten Dokumentarfilm: “The end of Suburbia”. Dieser Film untersucht die Auswirkungen,was mit amerikanischen Städten geschieht, wenn der Benzinpreis weiter steigt. Laut Film kommt es zu einer Revitalisierung der Innenstädte, da Stadtkern naher Wohnraum wieder mehr gefragt ist. Eine ähnliche Situation,wie hier in Deutschland. Mittlerweile ist das Wohnen in der Stadt ja wieder schick. Nur dass die USA viel stärker von steigenden Benzinpreisen getroffen wird, da die Städte ja viel flächenhafter sind, als hier in Europa. Der billige Benzinpreis rächt sich dann umso mehr, denn bisher konnten Arbeitnehmer einfach 50 Kilometer zur Arbeit fahren,ohne sich Gedanken um den Preis zu machen. Alleine um diese Siedlungsstruktur zu erhalten, müssten günstige Alternativen gefunden werden.

  11. @Sarah

    Kenne den Film. Ist eigentlich ganz gut, aber die einzige Aussage des Films ist, dass die verfügbare Mobilität die Stadtstrukturen bestimmt. Um diese eine Aussage zu erläutern, ist er ein wenig lang.
    Aber es stimmt schon, bei steigenden Energiepreisen bekommen die amerikanischen Städte Probleme. Ich war letztes Jahr in L.A. Gar nicht vorstellbar, wie die Menschen es schaffen sollen sich in dieser Stadt ohne Auto zu bewegen. L.A. hat eine gefühlte Nord-Süd Ausdehnung von 100 Kilometern. Dies ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu bewältigen.

  12. End of Suburbia

    @Maike und Sarah

    Die Dokumentation hört sich recht interessant an. Ich habe mir die DVD mal bestellt. Ich hoffe, er kommt noch diese Woche an. Vielleicht schreibe ich nächste Woche darüber. Der vollständige Titel ist übrigens: The end of suburbia: Oil Depletion and the Collapse of the American Dream

  13. End of Suburbia

    Ich bin sehr gespannt auf deine Ansichten zu dem Film. Derartige Themen werden ja gerade in den amerikanischen Blogs, in denen ich mich immer rumtreibe, sehr stark diskutiert.

  14. The end of Suburbia

    @Lars Fischer

    Heute ist die DVD angekommen. Einen Artikel werde ich erst nächste Woche schreiben können, da ich für diese Woche bereits an einem Artikel über Fußball (passend zum Saisonstart) schreibe.

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