Regionalwirtschaftliche Effekte der Bundesligavereine – am Beispiel des HSV

Kein anderer Sport ist weltweit so erfolgreich und beliebt wie der Fußball. Die Zahl der aktiven Freizeit- und Vereinsspieler wird weltweit auf mehr als 250 Millionen (in Deutschland ca. 16 Millionen) geschätzt. Die Bundesliga profitiert bereits seit Jahren von dieser wachsenden Beliebtheit in Form von steigenden Besucherzahlen und TV-Geldern. Die WM 2006 im eigenen Land hat dies weiter vorangetrieben und die Bundesligavereine verzeichnen seit Jahren steigende Umsätze und ihre regionalwirtschaftliche Bedeutung nimmt für die betroffenen Städte beständig zu.

Die Bundesliga in Zahlen

Die Zuschauerzahlen der Bundesliga steigen bereits seit Jahren stark an und erfuhren durch die WM einen weiteren Schub. Betrug die durchschnittliche Zuschauerzahl aller Bundesligaspiele in der Saison 1990/1991 noch unter 20.000, erreichte diese in der Saison 2007/2008 mit durchschnittlich 38.975 Besuchern (Stadienauslastung 86,12%) einen neuen Höchststand. Verglichen mit anderen Top-Ligen ist europaweit schon seit Jahren der höchste Schnitt. Neue Stadien, die mehr Komfort bieten, haben dieses erst möglich gemacht. Auch finanziell steht die Bundesliga, im Vergleich zur Serie A, Premier League und der Primera Division mittlerweile sehr gut da. Nach einem Gesamtumsatz von ca. 900 Millionen Euro in der Saison 2000/2001, steigerten die Erstligavereine diesen in der Saison 2006/2007 auf mehr als 1.400 Millionen Euro, bei einem nachsteuerlichen Gewinn von fast 60 Millionen Euro.
Die genauere Betrachtung der Einnahmen der Bundesligavereine zeigt jedoch, dass diese starken saisonalen Schwankungen unterliegen. Dies trifft besonders bei Qualifikation oder Nichtqualifikation für den Internationalen Wettbewerb zu. Laut HSH Nordbankstudie, teilen sich die Einnahmen der Bundesligavereine wie folgt auf. 21,3% werden über den Spielbetrieb, 24,5% durch Werbung, 33% über TV-Einnahmen, 5,3% über Transfers, 4,4% über den Verkauf von Merchandising und 11,4% über sonstige Einnahmen generiert. Die Ausgaben der Erstligavereine sind ebenfalls breit gefächert.  39,3% der Ausgaben entfallen auf Mannschaftsgehälter, 4,3% für Personal und Verwaltung, 12,2% für Transfers, 16,1% für den Spielbetrieb, 3,3% für Jugend und Amateure, sowie 24,7% für sonstige Ausgaben.

Regionalwirtschaftliche Bedeutung am Beispiel des HSV

Welche regionalwirtschaftliche Bedeutung Bundesligavereine haben, verdeutlicht das Beispiel des Hamburger Sportvereins (HSV). Als einer der Topvereine der abgelaufenen Saison (4. Tabellenplatz und Qualifikation für den UEFA Cup) konnte der HSV seine Erträge seit der Saisons 2001/2002 (63 Millionen) zur Saison 2006/2007 (120 Millionen) fast verdoppeln. Die größten Einnahmeblöcke generierten die Hamburger aus dem Spielbetrieb, den TV-Einnahmen und Werbung. Der 15 Millionen „Van Der Vaart“ – Transfer zeigt jedoch, dass diese Einnahmeblöcke saisonal stark variieren können.
Laut oben zitierter Studie, ist der HSV als mittelständisches Unternehmen zu klassifizieren, welcher mit seinen 100 Beschäftigten direkte Einkommenseffekte von ca. 52 Millionen Euro (Saison 2006/2007) für die Regionalwirtschaft generiert. Darüber hinaus haben diese, regionale Multiplikatorwirkung, da das Einkommen der HSV Beschäftigten in den regionalen Konsum fließt. Diese induzierten Effekte schaffen ca. 240 weitere Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse mit Einkommenseffekten von ca. 12 Millionen Euro. Darüber hinaus generiert der Verein zusätzlich angrenzende und indirekte Effekte, da dieser auf lokale Dienstleistungen und Produkte zurückgreift und regelmäßig Infrastrukturinvestitionen (Stadionausbau, Trainingsgelände, etc.) tätigt. Gemeinsam generieren diese 400 Beschäftigungsverhältnisse mit einem Einkommen von 20 Millionen Euro. Die gesamte Regionalwirtschaftliche Bedeutung des HSV beläuft sich demnach in der Schaffung von 740 Arbeitsplätzen, die Einkommenseffekte in Höhe von 84 Millionen Euro schaffen. Im Vergleich zu anderen Bundesligavereinen sind diese Effekte relativ hoch. Der  SV Werder Bremen generiert 347 und Borussia Mönchengladbach 334 Arbeitsplätze (Stand Saison 2001).
Zu diesen Einkommens- und Beschäftigungseffekten kommen noch eine Vielzahl weiterer hinzu, die sich allerdings nur schwer quantifizieren lassen. Ein international spielender Verein, wie der HSV, stärkt die Bekanntheit der Stadt Hamburg enorm und erhöht gleichzeitig die Attraktivität dieser. Laut WILMS und FISCHER (2001) generierte der SV Werder Bremen in der Saison 1999/2000 eine Medienpräsenz von ca. 93 Millionen DM (ca. 47,5 Millionen Euro), die zum Großteil auch der Stadt Bremen zugute kam. Für den HSV fehlen vergleichbare Werte, sollten allerdings in ähnlicher Größenordnung liegen.

Quellen

VÖPEL, H. und STEINHARDT, M., 2008: Wirtschaftsfaktor Fußball, Studie im Auftrag der HSH Nordbank, Hamburg
WILMS, W. und FISCHER, A., 2001: Bundesliga-Fußball als Standortfaktor: Analyse der regionalwirtschaftlichen Bedeutung des SV Werder Bremen mit einem Stadien Benchmark, Bremen
KICKER Sonderheft (2008): Bundesliga 2008/2009

 

 

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Meine Name ist Stefan Ohm und ich bin Geograph. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und danach bei Electronic Data Systems (EDS) als Lotus Notes Entwickler gearbeitet. Während meines Studiums in Hannover führte mich mein Weg zur Texas State University in San Marcos (USA) sowie zur University of Bristol (UK). Darüber hinaus absolvierte ich zwei Praktika bei NGO’s in Neu Delhi (Indien), mit dem Ziel Entwicklungsprozesse vor Ort genauer zu betrachten und damit ein besseres Verständnis über diese zu erhalten. Promoviert habe ich über den Strukturwandel im Perlflussdelta und Hongkong (China) an der Justus Liebig Universität in Gießen.

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Gerade bei der Wahl des Wohnortes können Fußballvereine das Zünglein an der Waage sein. Städte, die keinen Erstligaverein haben, müssen dann auf anderen Gebieten punkten

  2. Gibt es

    Untersuchungen, die derartige Effekte in Relation zu anderen Attraktionen setzen, also zum Beispiel im Vergleich zu den Alsterdampfern oder dem Hamburger Dom?

  3. Steuerliche Zuschüsse

    Die Bundesligavereine (oder Profisport allgemein) werden ja immer wieder kritisiert, dass soviel Steuergelder in die Stadien und in die Infrastruktur für eben diese investiert werden, obwohl die Vereine Profit machen. Aber solche Studien beweisen doch, dass dieses Geld gut investiert ist und nicht nur zur Unterhaltung der Bürger beiträgt, sondern auch echte Jobs schafft.

  4. @Rafael

    Habe mir die Studie von Wilms und Fischer mal angeschaut und etwas zur Subventionierung der Eintrittskarten von Fußball und Theater gefunden. Die Zahlen stammen aber aus dem Jahr 2001.

    Subvention pro Besucher:
    Weser Stadion: 1,54 DM
    Bremer Bäder: 3,72 DM
    Theater: 105 DM

    Die Subventionen für den Fußball fallen also recht gering aus. Dennoch beachtlich, was ein Verein, der erste Bundesliga spielt, für eine Stadt bedeutet.
    Die soll jetzt kein Plädoyer für mehr Fußball oder Profisport sein. Persönlich denke ich, dass der Betrag für Theater und Museen auch sehr gut angelegt ist.

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