Gesundheit, Patente und Profite

Im Entwicklungspolitischen Forum des Foyer International in Göttingen hielt Andreas Wulf von medico international letzten Donnerstag einen Vortrag zum Thema „Gesundheit, Patente und Profite“. Es ging dabei um die Frage, inwieweit handelspolitische Bestimmungen und Forschungsprioritäten die gesundheitliche Versorgung in Entwicklungsländern hemmen.

 

Deutschland führte 1968  Patente auf Arzneimittelwirkstoffe ein. Der Patentschutz wird meist mit den hohen Entwicklungskosten neuer Medikamente begründet, was auf eine bisher wohl einmalige und sehr umstrittene Studie zu Forschungskosten der Tufts-Universität in den USA zurückgeführt wird. Umstritten ist die Studie, weil ein Großteil ihrer Finanzierung aus der Pharmaindustrie stammt und bei der Berechnung der Forschungskosten nicht berücksichtigt, dass die Kosten von den Steuern absetzbar sind, dafür aber berücksichtigt, was man mit der investierten Summe am Kapitalmarkt hätte erzielen können. Der Patentschutz sichert neuen Medikamenten eine Monopolstellung von etwa 10 bis 15 Jahren auf dem Markt zu, erst nach Ablauf dieser Zeit wird es Wettbewerbern erlaubt, Generika herzustellen. Hohe Preise für Medikamente setzen sich meist da durch, wo es keine konkurrierenden Produkte gibt, erst Generika können den Preis des Originalmedikamentes drücken. Die Herstellung von Generika ist allerdings durch den Patentschutz untersagt.

Die Forschung und Entwicklung von Medikamenten ist zunehmend gewinn- statt bedarfsorientiert. Das meiste Geld für Forschung fließt in die Entwicklung von Mitteln gegen Krankheiten der westlichen Nationen, wie Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen oder Life-Style-Medikamente. Die Pharmaunternehmen geben fast doppelt soviel Geld für die Vermarktung ihrer Medikamente aus wie für die Forschung. Vermarktung deshalb, weil viele der entwickelten Medikamente Life-Style-Produkte und damit nicht lebensnotwendig sind. In Mittel gegen Tropenkrankheiten wie Tuberkulose, Malaria oder der Schlafkrankheit, von denen hauptsächlich arme Menschen in Entwicklungsländern betroffen sind und an denen täglich mehrere tausend Menschen sterben, hingegen wird kaum investiert. Doch gerade diesen Menschen würden Generika besonders zugute kommen, da diese günstig in Entwicklungsländern hergestellt werden könnten.

 

 

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Meine Name ist Stefan Ohm und ich bin Geograph. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und danach bei Electronic Data Systems (EDS) als Lotus Notes Entwickler gearbeitet. Während meines Studiums in Hannover führte mich mein Weg zur Texas State University in San Marcos (USA) sowie zur University of Bristol (UK). Darüber hinaus absolvierte ich zwei Praktika bei NGO’s in Neu Delhi (Indien), mit dem Ziel Entwicklungsprozesse vor Ort genauer zu betrachten und damit ein besseres Verständnis über diese zu erhalten. Promoviert habe ich über den Strukturwandel im Perlflussdelta und Hongkong (China) an der Justus Liebig Universität in Gießen.

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Menschen denken falsch

    Viele Medikamente werden meiner Meinung auf der Grundlage entwickelt, was die Welt nicht braucht.
    Da es aber immer wieder Menschen gibt, die den Medikamentenkonsum als etwas Notwendiges ansehen, weil die Welt angeblich so viele Keime und Bakterien hat, wird es auch immer eine Zielgruppe der reichen Welt geben, die diese Medikamente kaufen.
    Die angesprochenen notwendigen Medikamente, die Menschen in den Entwicklungsländern helfen würden, bringen sicherlich nicht so viel Geld und könnten auch nicht so teuer verkauft werden.

  2. @ Karsten

    Ja, genau da liegt das Problem, dass ein Großteil der Forschung und der Medikamente an die “Luxus”-Bedürfnisse der reichen Industriestaaten angepasst wird, da hier das Geld vorhanden ist. Zudem sind diese Forschungen, wie im Beitrag auch schon angesprochen, meist von Pharmaunternehmen gesponsort.

    Gestern kam ein interessanter Beitrag bei Quarks über das ADHS-Syndrom und dem damit in Zusammenhang stehenden Diskurs. Dabei wurde deutlich, wie fragwürdig doch manch bei uns “umworbenen Krankheit” und deren Behandlung mit Medikamenten ist und inwieweit unser Umgang mit sogenannten Krankheiten nicht eher ein Spiegel unserer Gesellschaft ist.

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