Afrika Offline

Während in den U.S.A., große Teilen Europas und in ostasiatischen Staaten die Verbreitung von Breitbandanschlüssen in den letzten Jahren stark zugenommen hat, verharren viele Länder Afrikas in ihrem Status, nicht an das Internet angebunden zu sein. Einzig in den Maghreb Staaten und in Südafrika ist eine höhere Verbreitung von Internetanschlüssen vorhanden. Doch besonders in den Staaten südlich der Sahara sind Internetanschlüsse rar gesät. Diese Tatsache wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern, da die nötigen Investitionen in grundsätzliche Infrastrukturen ausbleiben.

Aktuelle Situation

Die Zahlen für Afrika wirken bedrückend, denn nur ca. 4% (2007) der afrikanischen Bevölkerung verfügt über einen Internetanschluss. Im Vergleich zu anderen Nationen liegt dies auf einem sehr geringen Niveau, besonders da eine starke Konzentration in Marokko, Ägypten und in Südafrika vorherrscht. So verfügen 1,79% der südafrikanischen und 6,79% der marokkanischen Haushalte über einen Internetanschluss (Südkorea: 90%, U.S.A.: 53%, Großbritannien: 53%). Der Sudan bildet in Afrika das Schlusslicht, mit einem Wert von 0,05%. Obwohl die Verbreitung von Internetanschlüssen Afrikaweit sehr gering ist, wird mehr als 75% des Datenverkehrsverkehrs nicht von afrikanischen Netzbetreibern bewältigt. Ein Grossteil des Datenverkehrs muss über Großbritannien oder den U.S.A. betrieben werden. Ohne die Nutzung von Satelliten wäre eine Kommunikation nicht möglich. Der Mangel an eigener Infrastruktur verursacht jährliche Kosten, die in die Milliarden Dollar gehen. Der Weg über Satellitenverbindungen bedeutet neben höheren Kosten auch noch langsamere, instabilere Verbindungen, aufgrund höherer Durchlaufzeiten.

Gründe für geringe Ausbreitung und Investitionen

Der Mangel an leistungsfähiger Telekommunikationsinfrastruktur lässt sich mit hohen Armutstaten in weiten Teilen Afrikas erklären. In Landstrichen, die von hoher Armut, hohen AIDS-Raten und Bürgerkriegen geprägt sind, werden nur geringe staatliche Investitionen in die Kommunikationsnetze getätigt. Die politische Instabilität hält zudem private Investoren davon ab, tätig zu werden. Hinzu kommen Modellprojekte, die einst hoffnungsvoll begannen und gnadenlos scheiterten. So investierte Terracom, eine in Boston ansässige Firma, mehr als $20 Millionen in Ruanda, in der Verpflichtung 300 Schulen mit einem Internetanschluss auszustatten und gleichzeitig in die Kommunikationsinfrastruktur des Landes zu investieren. 4 Jahre später ist Ernüchterung eingetreten. Die Regierung des Landes beschuldigt Terracom sich nicht angemessen engagiert zu haben. Terracom selber weist dies zurück und nennt hohe bürokratische Hürden als eine der Hauptursachen für die Verzögerungen. Ein Firmensprecher nennt zudem, dass es schwer sei, eine Schule mit einem Internetanschluss auszurüsten, wenn das ganze Dorf über keine Stromversorgung verfügt.

Ausblick

Ende 2006 waren weltweit 1,1 Mrd. Menschen online, die wenigsten von diesen kamen aus den Ländern Afrikas. Während die Wachstumsraten der Internetanschlüsse vor allem in Asien hoch sind, stagnieren diese in Afrika. Dies wird sich in den kommenden Jahren auch nicht ändern, denn politische Instabilität, hohe bürokratische Hürden, Armut und Seuchen wie AIDS verhindern großflächige Investitionen in die Kommunikationsnetze der betroffenen Länder. Dennoch besteht Hoffnung für Afrika, denn in den letzten Jahren erfolgte ein Boom in der mobilen Kommunikation, die in einigen Jahren auch den Datenverkehr des Internets bewältigen kann. Schätzungen zufolge werden 2011 mehr als 100 Millionen Menschen in Westafrika über ein Mobiltelefon verfügen. In Verbindung mit erschwinglichen Notebooks (OLPC – One Laptop per Child) könnte dies in Afrika einen Boom des Internets auslösen.
 
Quellen

1. International Herald Tribune: Africa, Mostly Offline, Struggles to Get on the Internet

2. Reuters: 3G cell service goes live in Mauritania

3. The Guardian: China overtaking US for fast internet access as Africa gets left behind

4. New York Times: Waiting for the web

  • Veröffentlicht in: WiGeo

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www.geographieblog.de

Meine Name ist Stefan Ohm und ich bin Geograph. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und danach bei Electronic Data Systems (EDS) als Lotus Notes Entwickler gearbeitet. Während meines Studiums in Hannover führte mich mein Weg zur Texas State University in San Marcos (USA) sowie zur University of Bristol (UK). Darüber hinaus absolvierte ich zwei Praktika bei NGO’s in Neu Delhi (Indien), mit dem Ziel Entwicklungsprozesse vor Ort genauer zu betrachten und damit ein besseres Verständnis über diese zu erhalten. Promoviert habe ich über den Strukturwandel im Perlflussdelta und Hongkong (China) an der Justus Liebig Universität in Gießen.

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Politische Unruhen

    Es ist aber durchaus verständlich, dass keiner investieren will. Zu einem gewissen Grad zerstören sich die Länder selbst die Chancen darauf, in kurzer Zeit den Anschluss zu finden. Denn die hohe Anzahl an politischen Unruhen und die ständige Ungewissheit machen jegliche Investition nicht kalkulierbar und somit unmöglich.

  2. Ähnliches trifft ja für die Länder des Nahen Ostens zu. Politische und wirtschaftliche Unsicherheit vermindern Investitionen. Vielleicht bewirken ja die Devisen aus dem Rohstoffhandel, dass die Länder Afrikas mehr in die Infrastruktur investieren.

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