𝗖𝗹𝗮𝘂𝗱𝗲 𝗖𝗼𝗱𝗲 𝗶𝘀𝘁 𝗱𝗲𝗿 𝗲𝗿𝘀𝘁𝗲 „𝗞𝗜-𝗔𝘀𝘀𝗶𝘀𝘁𝗲𝗻𝘁“, 𝗱𝗲𝗿 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗻 𝗝𝗼𝗯-𝗧𝗶𝘁𝗲𝗹 𝘃𝗲𝗿𝗱𝗶𝗲𝗻𝘁

Nach Jahren von Assistants und Copilots, die nur Vorschläge machen konnten, scheinen unsere geheimsten Wünsche erfüllt zu sein: Ein KI-Assistent, dem wir in natürlicher Sprache unser Computer-Problem schildern und der das Problem sofort behebt – statt uns in zig Foren zu schicken, um Lösungen zu finden:

Claude Code macht keine Vorschläge. Claude Code macht. 🧑‍🏭

Claude Code Terminal-Oberfläche

Seit ich Claude Code auf meinem Windows-Notebook laufen habe, rufe ich keinen PC-Experten mehr an. Und ich muss nicht mehr Gemini- und ChatGPT-Modelle mit meinen Windows-Problemen volljammern. Ich beschreibe Claude Code das Problem, und lasse den Bot von der Kette.

Claude Code hat schon meinen Download-Ordner organisiert. Den Screenshot-Ordner aufgeräumt. Er erinnert mich an meine Termine. Und daran, dass ich gleich 120 Liegestütze machen wollte (als ich sie mal ausließ, hat er nachgefragt 🤣). Er liest meine Mails und sagt mir, was drin steht. (Für die DSGVO-Gläubigen: Claude Code hat nur Zugang zu meinem Bot-und-Newsletter-Postfach. Keine privaten Mails.)

Klar ist Claude Code sicherer als OpenClaw. Mir ist es nicht gelungen, Claude Code dazu zu bringen, eine .exe-Datei zu löschen. „Das musst du selber machen“, sagte der freche Bot. 😊 Ansonsten spart mir Claude Code aber massiv Zeit und Nerven. Zum Beispiel bei meiner letzten Drucker-Plage.

Seit letzter Woche wollte mein Pantum-Drucker nicht mehr drucken. Brainstorming mit Gemini 3.1 Pro hat nichts gebracht. Ich habe alles Mögliche probiert. Schon wollte ich alle Geräte ins Auto tragen und in den Computer-Reparatur-Laden fahren. Am Ende ist mir aber eingefallen: Vielleicht könnte ich Claude Code auch im Hardcore-„Computer Use“ testen. Vielleicht war es an der Zeit, mit dem Bot nicht nur Ordner und Dateien in Ordnung zu bringen, sondern auch den Computer zu reparieren.

Ich habe Sonnet 4.6 in Claude Code genau zwei Anweisungen gegeben. Die hab ich mir vorher von Sonnets größeren Bruder Opus 4.6 in der Claude-App geholt:

𝗘𝗿𝘀𝘁𝗲 𝗔𝗻𝘄𝗲𝗶𝘀𝘂𝗻𝗴 (gestrafft): Zeig mir den Status meiner Drucker.

Claude Code öffnet PowerShell, scannt alles durch — und findet das Problem selbst. Der Drucker war auf einen uralten Port konfiguriert. Das hätte ich nie gefunden. Gemini auch nicht, weil Gemini meinen PC nicht anfassen kann.

Claude Code scannt Drucker-Ports in PowerShell

𝗭𝘄𝗲𝗶𝘁𝗲 𝗔𝗻𝘄𝗲𝗶𝘀𝘂𝗻𝗴: Mach den Drucker startklar.

Claude Code versucht, den Drucker im Netzwerk zu finden. Erster Scan-Versuch: Syntaxfehler im eigenen Skript. Korrigiert sich selbst. Zweiter Versuch: Drucker antwortet nicht auf Ping. Claude Code ändert die Strategie, scannt die Drucker-Ports direkt. Ergebnis: Drucker ist gar nicht im WLAN.

Und jetzt kommt die Offenbarung: Statt stur weiterzumachen, sagt Claude Code: „Das WLAN musst du am Drucker selbst einrichten. Aber ich stelle dir jetzt den USB-Drucker als Standard ein — der funktioniert.“

Zwei Minuten später druckt der Drucker: Keine Treiber-Neuinstallation, zu der mich Gemini überreden wollte. Kein Googeln. Kein Forumspost.

Claude Code setzt USB-Drucker als Standard

Mit Claude Code können Computer-Unkundige endlich ihren Rechner zähmen. Wenn ihr Probleme habt, startet Claude Code.

Oder mailt mich an. 😊

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Liebe Besucherin, lieber Besucher, willkommen auf meinem SciLogs-Blog "Gehirn & KI". Ich möchte hier über alle möglichen Aspekte der Künstliche Intelligenz schreiben, vor allem geht es in diesem Blog aber um Generative KI, ihre Sprachmodelle und Chatbots und um die Hintergründe der maschinellen Verarbeitung der natürlichen Sprache. Auch die Unterschiede der Sprachvererbeitung bei Menschen und Maschinen werden hier thematisiert, genauso wie natürliche und Künstliche Intelligenz - Gehirn & KI eben. Neues über künstliche Intelligenz, künstliche neuronale Netze und maschinelles Lernen poste ich häufig auf: LinkedIn Hier etwas zu meiner Laufbahn: ich promovierte am Lehrstuhl für Theoretische Chemie der TU München über die Entstehung des genetischen Codes und die Doppelstrang-Kodierung in den Nukleinsäuren und forschte dort einige Jahre. Hier eines unserer Paper: Neutral adaptation of the genetic code to double-strand coding. Zur Zeit bin ich Professor und Fachdozent für Künstliche Intelligenz an der SRH Fernhochschule und der Spiegelakademie, KI-Keynote-Speaker und Experte für Sprachmodelle und Chatbots. Auf YouTube kümmere ich mich um die Videoreihe unserer SRH Fernhochschule "K.I. Krimis" über ungelöste Probleme und Rätsel der Künstlichen Intelligenz. U. a. bin ich zweifacher Vizemeister der Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften und Träger des Ernst-Hoferichter-Preises der Stadt München. Mein Sachbuch über Künstliche Intelligenz "Ist das intelligent oder kann das weg?" erschien im Oktober 2020. Im Tessloff-Verlag erscheinen meine von Marek Blaha wunderschön illustrierten Kinderkrimis "Datendetektive" mit viel Bezug zu KI, Robotern und digitalen Welten. Viel Spaß mit meinem Blog und all den Diskussionen hier :-). Jaromir

13 Kommentare

  1. Vielen Dank für den schönen Blogpost – endlich mal Besonnenes und Konstruktives zu KI-Anwendungen zu lesen, tut richtig gut. Denn auch diese Technologie ist gekommen, um zu bleiben, wie ich an meinen Kindern und Studierenden unmittelbar sehen kann.

    Mit Dank und blognachbarlichen Grüßen!

    • Lieber Michael, vielen Dank für die weisen Worte: Die KI ist tatsächlich gekommen, um zu bleiben. Nur an uns liegt es, wer etwas davon haben wird.

      Liebe Grüße

      Jaromir

      PS: Ich sollte mich umgekehrt wieder mal mehr mit dem Glauben beschäftigen. 😊

  2. Wieso hing der Drucker eigentlich auf einmal an LPT1? Mir scheint hier weniger die Leistung der KI bemerkenswert, als vielmehr die vorhergegangene Fehlleistung, die deren Einsatz erst erforderlich gemacht hat.

    Schade, dass Claude den BOFH-Modus noch nicht beherrscht – da kommen noch spaßige Zeiten auf uns zu…

    • schorsch: „Wieso hing der Drucker eigentlich auf einmal an LPT1?“

      Jaromir: „Keine Ahnung! Vielleicht hat ein Windows-Update die USB-Port-Zuordnung gebrochen und böswillig auf LPT1 🤣 umgestellt. – Ich gebe aber gern zu, dass ich’s nicht entdeckt habe.“

      schorsch: „Schade, dass Claude den BOFH-Modus noch nicht beherrscht – da kommen noch spaßige Zeiten auf uns zu…“

      Jaromir: „Hier kenne ich mich wiederum sehr gut aus: Keine Chance, dass ein Modell, das an einigen Billionen Tokens trainiert wurde, das wahrscheinlichste nächste Token vorhersagen, zum Bastard Operator From Hell wird – BOFH ist eine urmenschliche Rolle.“ 😊

  3. Du scheinst ja einigermaßen nachvollziehen zu können, was Claude hier gemacht hat. Da ist für mich schwer nachvollziehbar, dass du ohne KI gezwungen gewesen wärst, deine gesamten Gerätschaften zum Reparaturservice zu schleppen – aber gut, es gibt ja so Trottel.

    Aber vielleicht hast du die Situation ja auch einfach nur etwas überspitzt dargestellt, um deinen Punkt besser herausstellen zu können. Absolut legitim, und wenn man dabei auch noch Humor einfließen lässt und Pat & Patachon spielt, sorgt das für Aufmerksamkeit und kommt beim Publikum immer gut an.

    Aber dann fällt ein wichtiger Punkt leider komplett unter den Tisch: Der normale Anwender, der mit einem solchen Problem scheitert, dies mit Hilfe einer KI aber gelöst bekommt, ist dieser KI vollkommen ausgeliefert. Er ist in keiner Weise in der Lage, die von der KI angebotene Lösung qualifiziert zu beurteilen – ihm kann von der KI alles untergeschoben werden.

    Den Anwendern bei einem solchen Problem Prompts unterzuschieben, die das Problem vielleicht sogar lösen mögen, vor allem aber eine Backdoor auf dem Computer einrichten, ist schon heute gängige Praxis böswilliger Akteure.

    Es ist also jederzeit zu erwarten, dass diese alle Mühen auf sich nehmen werden, KIs so zu trainieren, dass diese zukünftig die Auslieferung der Trojaner übernimmt. Und bei diesen böswilligen Akteuren muß es sich nicht um irgendwelche russischen Amateure handeln – das kann der Betreiber der KI selbst sein oder auch westliche staatliche Stellen. Das BKA z. B. ist bei solchen Möglichkeiten sicher gerne ganz vorn dabei: Warum nicht mittels KI dem Kinderpornoverdächtigen, dem Steuerhinterzieher, dem Affen mit dem dummen Grinsen oder der vaschissnen Trulla da einen Staatstrojaner unterschieben?

    • 😊

      schorsch: „Aber dann fällt ein wichtiger Punkt leider komplett unter den Tisch: Der normale Anwender, der mit einem solchen Problem scheitert, dies mit Hilfe einer KI aber gelöst bekommt, ist dieser KI vollkommen ausgeliefert. Er ist in keiner Weise in der Lage, die von der KI angebotene Lösung qualifiziert zu beurteilen – ihm kann von der KI alles untergeschoben werden.“

      Jaromir: „Die meisten jungen Programmierer und IT-Leute haben sich mit KI auseinandergesetzt und nutzen KI als Werkzeug – denn das ist KI. Einige, vor allem Ältere, beziehen ihre KI-Bildung immer noch aus Hollywood, obwohl KI im Grunde ein Bereich der IT ist. Schon 2018 oder 2019 warnte ein relativ bekannter IT-Mensch hier im Blog vor KI. Ein Kommentator kommentierte am Anfang 2019 meinen Beitrag über AlphaFold „AlphaFold und die Wissenschaft der Jäger und Sammler“ mit „Alles nur Werberummel“ – 2024 hat Demis Hassabis für AlphaFold den Nobelpreis bekommen.

      Die Kette der „Experten“ scheint ungebrochen zu sein, die die Vorteile einer neuen Technologie in ihrem Bereich am besten kennen müssten, diese Technologie und ihre Werkzeuge aber am liebsten zum Teufel jagen würden:

      -> Am Anfang des 19. Jahrhunderts zertrümmerten Weber Webmaschinen
      -> In den 1960ern und 1970ern haben mir Lehrer verboten, mit dem Taschenrechner zu rechnen
      -> Am Anfang der 2000er Jahre beschimpfte mich eine Mutter (eine Lehrerin) bei einer Brigadestunde in einer Montessori-Grundschule, weil ihre Tochter meinem kleinen Sohn beim Schachspielen am Notebook zuguckte: Ihre Tochter dürfe nicht mit Computern spielen.

      Und jetzt verteufeln manche IT-affine KI: Dabei sollten gerade sie in ihrem Bereich aufklären: Wenn die halbe Welt z. B. OpenClaw auf ihrem Computer installiert, um damit Computer Use zu machen, sollten sie sicherere Alternativen vorstellen – wie eben ich in diesem Blog: Claude Code.

      Klar findet man keine Technologie und kein Werkzeug, die ganz sicher sind. Sehr wahrscheinlich haben einige Urmenschen vor dem Feuer gewarnt, das eine Frau in die Höhle gebracht hatte.

      Doch einige Mutige griffen sich die Feuerfackel. Und obwohl sie sich damit hin und wieder verbrannten, machten sie es möglich, dass wir heute da sind.“

      • Es ist es äußerst wichtig, dass gerade IT-ler und gerade heute versuchen, den Rest der Bevölkerung in Sachen KI realistisch aufzuklären: Klar soll man dabei die Risiken benennen, man soll aber unbedingt die Leute für diese neue Technologie begeistern – denn schon jetzt kommen wir – vor allem wirtschaftlich – wegen der „Verteufelung“ dieser neuen Technologie unter die Räder. Man würde denken, der Sehnsucht nach dem Urwald hängen in Deutschland vor allem Anhänger von Rudolf Steiner und Samuel Hahnemann und der Farbenlehrer von Goethe an, doch auch einige IT-Leute sehnen sich komischerweise nach dem Alten und Überschaubaren: Im Urwald kann man aber nicht seinen alten Commodore oder Atari aus dem Keller holen und damit den deutschen Mittelstand retten.

        • J. Konecny.
          Nicht nur IT-ler sollten für KI und ihre Anwendungen aufgeschlossen sein.
          Gerade habe ich bei Elster (Plattform für die Steuererklärungen)
          mit der richtigen Dateneingabe gekämpft.
          Und……..die verständlicheren Informationen dazu hat mir die KI von google geliefert.
          Das ist die Zukunft.
          Und was sagt die die KI selbst dazu ?
          Ein KI-Assistent ist ein auf Künstlicher Intelligenz basierendes Programm, das Aufgaben
          automatisiert, Fragen beantwortet und Nutzer im Alltag oder Beruf unterstützt.
          Danke für ihren blog.

          • Vielen Dank!

            Und wenn wir „Human-in-the-Loop“ ordentlich einsetzen, kann viel weniger schief gehen. 😊

            Ich lasse mir mittlerweile die meisten Formulare mit Claude Code ausfüllen und kontrolliere anschließend. Ärgerlich ist es nur, wenn ich drei Stunden lang einen Bot basteln muss, der mir dann nur drei Felder ausfüllt. 🤣 – Trotzdem habe ich dabei gelern, und das ist das Wichtigste.

      • > „in den 1960ern […] haben mir Lehrer verboten, mit dem Taschenrechner zu rechnen

        1.) Wie alt bist Du?
        2.) Taschenrechner? In den 60ern? Und auch noch verboten? Ich erinnere mich, 1975 oder 1976 erstmals einen (meinem Vater entwendeten) TI in den Matheunterricht mitgebracht, dort zerlegt (und wieder zusammengesetzt) und meinem Mathelehrer dazu gebracht zu haben, Bauklötze zu staunen. Darüber, was der alles kann! Und was dieses Ding kostet: Er hätte ein Monatsgehalt dafür hinblättern müssen! War allerdings auch das teuerste damals erhältlich TI-Modell.

        Der erste Taschenrechner, den ich je in der Hand hatte, dürfte ungefähr 1971 oder 1972 gewesen sein, damals noch mit UPN, 7-Segment Leuchtanzeige in Glühfadentechnik und einer Batterielebensdauer von zwei Stunden. Aber programmierbar! Geil!

        Und die ersten Verbote für Taschenrechnernutzung im Unterricht kamen m. W. erst nach meinem Abitur, also nach 1982 auf. Ich glaub, Deine Erinnerung ist da etwas aus dem Tritt geraten. Oder Dein Kalender…

        • Vielleicht ist ja auch nicht Deine Erinnerung aus dem Tritt geraten. Jaromir, ganz ehrlich: Bist Du eine Halluzination?

          • Da hilft nur das Googeln. Im Grunde ist es mir aber mit 70 mittlerweile egal, ob mich Leute für eine Halluzination halten. Ich versuche zu ihnen auf jeden Fall nett zu sein – so lange sie zu mir nett sind.

        • 1. Ich bin 70. Und Du? 🤣

          2. Sorry. Habe mich verschrieben: In den 1970ern wollte ich schreiben. Ich hatte aber leider keinen eigenen Taschenrechner, da ich 1976 mein Abi in der soz. Tschechowslowakei machte – so reich war ich nicht. Ein Freund hatte einen, aus dem Westen importiert oder aus Tuzex oder woher auch immer. Unser Mathelehrer hat nicht erlaubt, dass wir den Taschenrechner in der Schule benutzen – TI war’s auf jeden Fall. Mein Freund durfte es nicht mal mehr in die Schule bringen. Meinen ersten Atari schickte ich etwa 1986 meinem Neffen in der Tschechoslowakei. Das ganze Dorf hat ihn besucht, um den Rechner zu bestaunen. Immerhin hat der Neffe dann seinen Doktor in Informatik gemacht.😊

          Meinen Infos nach war seit etwa 1979/1980 die Verwendung einfacher, nichtprogrammierbarer Taschenrechner in allen Bundesländern im Unterricht erlaubt. An einzelnen Schulen aber waren sie noch 1983 verboten, als ich in Deutschland mein Abitur machte. Ich erinnere mich neblig, dass ich meinen Taschenrechner – auch einen TI – damals nicht benutzen durfte, erst als ich 1984 an der TU München war, ging es. Ich entschuldige mich aber vorsichtshalber für die Erinnerung, die im Laufe des Lebens durch neue und neue Geschichten moderiert wird. 😊

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