Zehn gefährliche Krisen

In seinem Global Risks Report 2018 stellt das Weltwirtschaftsforum (WEF) zehn Szenarien für globale Systemzusammenbrüche vor, die sie als Future Shocks1 bezeichnen. Das WEF möchte diese Ideen nicht als Vorhersagen, sondern nur als Stoff zum Nachdenken und Anregung zum Handeln verstanden wissen.

Bei dem gerade zu Ende gegangenen, von allen wichtigen Regierungschefs besuchten Jahrestreffen des WEF in Davos standen die finsteren Dystopien nicht im Vordergrund2 – einige von ihnen verdienen aber durchaus mehr Aufmerksamkeit, als sie gegenwärtig erhalten. Andere wiederum erscheinen mir eher unwahrscheinlich. Aber urteilen Sie selbst:

1. Die Kombination von Extremwetter, politischer Instabilität und unbeherrschbaren Pflanzenkrankheiten könnte zu plötzlichen Ernteausfällen bei wichtigen Grundnahrungsmitteln wie Getreide und Reis führen.

Die Welternährungsorganisation FAO führt eine genaue Statistik über die weltweiten Erträge, den Verbrauch und die Vorräte an Grundnahrungsmitteln. Demnach waren die Getreidevorräte Ende 2017 so hoch wie lange nicht mehr. Trotzdem machen sie nicht mehr als ein Drittel eines Jahresverbrauchs aus. Bei wachsender Weltbevölkerung, schrumpfenden Ackerflächen und der zunehmenden Gefahr durch resistente Schädlinge wie den Weizenschwarzrost könnten die Lagerbestände in den nächsten Jahrzehnten deutlich schrumpfen. Dann würden zwei aufeinander folgende Missernten bereits ausreichen, um weltweit Teuerungen und Hungersnöte hervorzurufen. In Europa wäre die Versorgung vermutlich nicht direkt betroffen: das teure Getreide wird in die Länder exportiert werden, die am meisten Geld aufbringen können. Aber in der dritten Welt und in einigen Schwellenländern werden vermutlich Hungeraufstände ausbrechen.

Meine Einschätzung: Ein solches Ereignis wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten. Die Gefahr für die Welt hängt davon ab, ob große Staaten oder Atommächte wie China, Indien oder Pakistan instabil werden.

 

2.  Unkontrollierbar wachsende Algorithmen, geschaffen von Systemen mit künstlicher Intelligenz (KI), überwuchern das weltweite Datennetz, so dass es an den Rand des Zusammenbruchs gerät.

Hier sollte man zwei Dinge unterscheiden: Algorithmen und KI. Algorithmen sind Handlungsanweisungen nach dem Muster: Wenn A, dann springe nach B, sonst nach C. KI hingegen lernt, sie modifiziert ihre Reaktionsmuster. Sie könnte sogar trainiert werden, eigene kleine Programme zu schreiben. Ob dieser Code tatsächlich derart wuchert, dass er das Internet verstopft, wage ich allerdings zu bezweifeln. Der zusätzliche Datenverkehr durch die massenhafte Verbreitung von internetfähigen Überwachungskameras oder smarten Autos, Häusern und Maschinen (Stichwort: Internet of Things – IoT) ist vermutlich schon sehr bald ein wesentlich größeres Problem.

Meine Einschätzung: Ein mögliches, aber eher unwahrscheinliches Szenario.

 

3. Der zunehmende Nationalismus und Protektionismus könnte den internationalen Handel behindern oder gar abwürgen.

Genau diese Befürchtung stand im Mittelpunkt des aktuellen Jahrestreffens. De Facto sind wir alle auf den internationalen Handel so stark angewiesen wie nie zuvor. Preiswerte Kleidung wird in Ostasien genäht, Computerbauteile und Handys kommen aus China. Deutsche Supermarktketten beziehen Blaubeeren, Erdbeeren und Spargel aus Peru. Fast sämtliche Rohstoffe legen erstaunlich weite Wege zurück. Das Abwürgen des internationalen Handels wäre also keine gute Idee. Andererseits war die Wirtschaft der europäischen Staatenwelt vor dem Ersten Weltkrieg fast so stark vernetzt wie heute. Das hat die damals dominierenden Nationalisten in Deutschland, England, Frankreich oder Russland nicht davon abgehalten, sich in einen selbstmörderischen Krieg zu stürzen.

Meine Einschätzung: Nicht so unwahrscheinlich, wie es scheint. Menschen sind keine so rationale Akteure, wie die klassischen Wirtschaftstheorien annehmen.

 

4. Der Populismus bedroht die soziale und politische Ordnung auch in reifen Demokratien. Die Versuche von Populisten, staatliche Institutionen und Kontrollmechanismen auszuhebeln, könnte eine Welle von Gewalt auslösen, die bis an den Rand von Bürgerkriegen führt.

Populisten definieren sich durch ihre Feinde. Sie rechtfertigen ihre Forderungen und Aktionen mit dem Kampf gegen eine existentielle Bedrohung, die angeblich das gesamte Volk auszulöschen oder zu unterjochen droht. Für Widerstand, Widerspruch oder unabhängige demokratische Institutionen ist da kein Platz. Sie halten den behaupteten Existenzkampf ungebührlich nur auf. Wenn die Gefahr beseitigt ist (irgendwann in der Zukunft), dann sind die Populisten natürlich gerne bereit, demokratische Spielregeln zu respektieren. Aber in der Gegenwart fehlt ihnen dafür die Geduld …

Wenn Populisten, wie in Ungarn oder Polen, tatsächlich ihre Forderungen umsetzen, droht ein autoritärer Staat, der sich über die Feindschaft zu seinen Nachbarn oder eine diffuse weltweite Bedrohung definiert. Die gewaltlose demokratische Ablösung der Regime wäre irgendwann kaum noch möglich.

Meine Einschätzung: Die Gefahr ist real. Autoritäre Regime mit populistischem Charakter herrschen in Russland, der Türkei, Polen und Ungarn. Die Trump-Regierung zeigt populistische Züge mit dem typischen Unwillen zur internationalen Zusammenarbeit.

 

5. Unbemannte, mit künstlicher Intelligenz ausgerüstete Fischerboote (Drone Ships) könnten die letzten Fischschwärme aus den ohnehin überfischten Ozeanen klauben. Das könnte den Zusammenbruch der wichtiger Speisefischpopulationen beschleunigen.

Schon heute fängt die legale und illegale Fischerei mehr als nachwächst. Fischbestände können sehr plötzlich kollabieren, wie das Beispiel der Kabeljaupopulation vor der Ostküste von Kanada zeigt. Sie verschwand Anfang der neunziger Jahre nach jahrzehntelanger Überfischung fast komplett, worauf die Fischereiindustrie in Neufundland ihre Grundlage verlor. Weil die Speisefischbestände in aller Welt akut gefährdet sind, muss man jederzeit damit rechnen, dass wichtige Proteinlieferanten aus dem Meer binnen weniger Jahre komplett verschwinden. Dazu muss man aber weder künstliche Intelligenz noch Dronenschiffe bemühen. Die mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen könnten sich sehr viel schlimmer auswirken3.

Meine Einschätzung: Die weit verbreitete Überfischung kann jederzeit zu einem markanten Rückgang der Fangmengen führen. Künstliche Intelligenz hat damit wenig zu tun. Das Szenario erscheint damit insgesamt eher bemüht.

 

6. Eine Kaskade von Finanzkrisen zieht die politische und wirtschaftliche Weltordnung in den Abgrund.

Der mühsam und auf Kosten der Steuerzahler vermiedene Zusammenbruch vieler internationaler Großbanken während der Finanzkrise 2008 zeigt ein Gefahrenszenario auf, das sich in abgewandelter Form jederzeit wiederholen könnte.

Sollte das internationale Finanzsystem tatsächlich zusammenbrechen, die Banken reihum zahlungsunfähig werden, Währungen von heute auf morgen wertlos werden, könnte es zu einer enormen Erschütterung der Weltordnung kommen, wie zuletzt zu Beginn der 1930er Jahre. Allein in Deutschland stieg die Arbeitslosigkeit von 1929 bis 1932 von knapp 10% auf mehr als 30%.

Die moderne Kommunikationstechnik könnte eine solche Krise enorm beschleunigen. Denkbar wäre zum Beispiel ein massiver Cyberangriff, der sich schneller ausbreitet, als er eingedämmt werden kann. Wenn Banken, Versicherungen und Börsen vom Netz genommen werden müssten, um die Attacke zu stoppen, könnten im schlimmsten Fall die weltweiten Zahlungssysteme kollabieren, so dass selbst an einfachen Supermarktkassen keine Zahlungen mehr verbucht werden könnten. Nur Bargeld würde noch angenommen, aber die Bankautomaten wären ebenfalls offline, und könnten nichts ausgeben. Schon in ca. 10 Jahren wird in den meisten Industrieländern sowieso weitgehend bargeldlos bezahlt werden. Eine mehrere Tage anhaltende weltweite Downtime der Bankenrechner würde vermutlich Hunderte Milliarden Euro kosten.

Meine Einschätzung: Finanzkrisen mit einer fatalen Eigendynamik sind immer wieder aufgetreten. Sie haben aber bisher die Staaten nie in den Abgrund gerissen. Auch im 21. Jahrhundert wird das wohl nicht geschehen. Eine Destabilisierung der Staaten würde allerdings die Gefahr von großen und kleinen Kriegen deutlich erhöhen.

 

7. Teure Medikamente zur Steigerung der geistigen Leistung könnten die Spaltung zwischen Arm und Reich vertiefen.

Das Thema habe ich für mein Buch Klüger als wir?“ gründlich untersucht. Das Fazit war: Es gibt keine Medikamente, mit denen man seine geistige Leistung wirksam steigern könnte. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die sogenannten „Neuroenhancer“ haben nur eine sehr begrenzte Wirkung. Sie können allenfalls für eine kurze Zeit die Müdigkeit zurückdrängen. Die Intelligenz verbessern sie nicht.

Meine Einschätzung: Hier sehe ich keine Gefahr für die Welt.

 

8. Cyberattacken auf kritische Infrastrukturen könnten zu einer unkontrollierbaren Eskalation und letztlich zu Kriegen mit schwerwiegenden Konsequenzen führen.

Ohne Strom und Wasser würden moderne Staaten binnen weniger Tage zusammenbrechen. Gleichzeitig werden Cyberangriffe auf Kraftwerke, Wasserwerke, Krankenhäuser oder Industrieanlagen immer häufiger gemeldet. Kritische Infrastrukturen müssen deshalb besser gesichert werden. Darüber sind sich eigentlich alle Experten einig. Gleichzeitig ist klar, dass die Regierungen der Welt bisher diese Erkenntnis nicht in konkrete Maßnahmen umsetzen. Es geht dabei keineswegs nur um den Schutz der Bevölkerung.

In einer internationalen Krise könnte eine Cybersabotage der Stromversorgung den letzten Anlass für den Ausbruch offener Feindseligkeiten liefern. Ich würde das allerdings nicht als globales Risiko, sondern eher als regionales Risiko ansehen. Nur wenn sich Atommächte gegenseitig die Infrastruktur lahmlegen, könnte die Situation wirklich außer Kontrolle geraten. Darauf sollte man es besser nicht ankommen lassen.

Meine Einschätzung: Der Schutz kritischer Infrastrukturen muss dringend verbessert werden. Die Risiken sind sonst unkalkulierbar.

 

9. Der zunehmende aggressive Nationalismus macht Grenzkriege weltweit wahrscheinlicher.

Wir leben in einem Zeitalter vielfacher internationaler Verträge und Organisationen. Grenzen sollten also eigentlich kein Thema sein, und Streitigkeiten um den genauen Verlauf könnten von internationalen Schiedsgerichten geklärt werden. Aber so funktioniert das nicht. Viele russische Politiker träumen immer noch davon, die Grenzen der Sowjetunion – oder des Zarenreichs – wieder herzustellen. Die Unterstützung Russlands für georgische und ukrainische Separatisten und nicht zuletzt die Annektion der Krim machen den Nachbarstaaten gewaltige Kopfschmerzen. Zwischen Indien, Pakistan und China sind große Gebiete im Himalaja umstritten. Der sogenannte Kaschmir-Streit hat bereits zu mehreren Kriegen geführt und ist bisher weder entschieden noch geschlichtet. Er schwelt weiter, und es kommt immer wieder zu kleineren und größeren Gefechten. Alle drei beteiligten Staaten verfügen über Atomwaffen. China beansprucht große Gebiete im südchinesischen Meer, wo große Erdöllager vermutet werden. Andere Staaten wie Japan oder die Philippinen sehen darin eine Verletzung ihrer Hoheitsrechte. Konflikte sind vorprogrammiert.

Meine Einschätzung: Grenzkriege sind jederzeit möglich. Wenn sie ausbrechen, kosten Menschenleben und vernichten Milliardenwerte. Der Kaschmir-Konflikt beispielsweise ist seit als 50 Jahren extrem brisant. Eine Stärkung internationaler Verträge könnte helfen.

 

10. Das Bedürfnis nach Schutz vor Cyberangriffen, politische Zensur oder wirtschaftlicher Protektionismus könnte das Internet so fragmentieren, dass es kaum noch funktionsfähig ist.

Schon Punkt zwei behandelt das Szenario eines Internetinfarkts, wenn auch aus anderen Gründen. Politische Zensur im Internet ist bereits Wirklichkeit. China hat sehr wirksam die Kontrolle seiner Bürger durchgesetzt, Russland etwas schlampiger, und die NSA filtert große Teile des weltweiten Internet-Datenverkehrs. Massive Cyberangriffe könnten tatsächlich dazu führen, dass immer mehr Staaten und Provider Fluttore und Schleusen ins Internet einbauen. Aber letztlich ist der globale Fluss von Daten für die Wirtschaft und die Politik zu wichtig geworden, um ihn zu unterbinden.

Meine Einschätzung: Eine massive Abschottung ist schwierig und würde den Akteuren zu sehr schaden, als dass man ernsthaft damit rechnen müsste.

Fazit

Das WEF hat zehn spannende Szenarien zusammengestellt, einige durchaus realistisch, andere sehr weit hergeholt.

Technische Probleme lassen sich eigentlich immer lösen, aber die massiven Herausforderungen durch den Klimawandel, mögliche Missernten oder die Erschöpfung von Rohstoffreserven wird die Menschheit nur in einer gemeinsamen Anstrengung meistern können. Der aufkommende Populismus und Nationalismus könnte die weltweite Zusammenarbeit aber stark behindern. Hier sehe ich die wohl größte Gefahr für die Zukunft.

Anmerkungen

[1] Vermutlich spielt der Begriff auf das berühmte Buch „The Future Shock“ (1970) des amerikanischen Futurologen Alvin Toffler an. Allerdings definierte er „Future Shock“ als ein Wahrnehmungsproblem. Die Menschen haben den Eindruck, dass sich in zu kurzer Zeit zu viel ändert. Daraus ergibt sich ein „Information Overload“, der schließlich in eine Verweigerungshaltung münden kann, die im schlimmsten Fall breite Bevölkerungskreise erfasst. Das WEF bezeichnet mit dem Begriff „Future Shock“ mögliche zukünftige Krisenereignisse.

[2] Das offizielle Motto der Tagung lautet „Creating a Shared Future in a Fractured World“. Das hört sich nach langfristigen Perspektiven und durchdachter frühzeitiger Krisenprävention an. Tatsächlich ging es aber in den Reden der Teilnehmer mehr um die Sorge, dass immer mehr Staaten Handelshemmnisse aufbauen. Die Regierung der USA hatte kurz vorher beschlossen, Importzölle auf Solarmodule und Kühlschränke zu erheben. Trump hatte schon vorher angekündigt, nur noch bilaterale Handelsverträge abschließen zu wollen, weil die USA dann in jedem Fall der stärkere Partner sind.

[3] Nach verschiedenen Schätzungen gelangen jedes Jahr mehr als 8 Millionen Tonnen zusätzlich in die Ozeane. Wenn das nicht aufhört, wird die Masse der Plastikabfälle schon bald die Gesamtmasse der Fische übersteigen. Praktisch alle Strände weltweit sind von Mikroplastikpartikeln durchsetzt.

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

25 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich stimme den Einschätzungen Thomas Grüters weitgehend zu, sehe aber nicht im Populismus und Nationalismus die grösste Gefahr für die unmittelbare Zukunft, denn populistische Phasen gab es selbst im Westen immer wieder und dass sie in autoritären Regimen enden ist die Ausnahme. Ungarn und Polen sind (noch) keine autoritären Regime und werden es auch nicht werden, zumal die ungarische Bevölkerung stärker pro-europäisch und pro-EU ist als selbst die italienische. Victor Orban richtig einzuschätzen ist schwierig, es gibt aber Hinweise darauf, dass er bewusst mit dem Feuer spielt, es sich aber mit der EU nicht verderben will.
    Autoritäre Regime wie Russland, Ägypten oder selbst die Türkei sind nicht das Resultat von reinem Populismus, sondern sie sind Resultat einer schon immer fehlenden demokratischen Kultur. Natürlich kann durch Nationalismus/Populismus die Demokratie letztlich geschleift werden, doch es braucht einiges dazu. Nazideutschland entstand jedenfalls nicht auf der Basis einer vorher blühenden demokratischen Realität/Kultur, sondern auf dem Boden einer gescheiterten Weimarer Republik.
    Zu den 10 Risiken hier meine Einschätzung:
    1) Nahrungsmittelkrise aus politischen Gründen oder wegen Pflanzenkrankheiten: Bei nur 30 Tage Vorrat wird es das sicher irgendwann geben. Nur ist heute die Wahrscheinlichkeit gerade wegen der Globalisierung viel geringer als im 19. und frühen 20. Jahrhundert, denn damit die Reis- und Weizenernte weltweit gleichzeitig einbricht braucht es sehr viel unglückliche Umstände.
    2) Unkontrollierbar wachsende Algorithmen, geschaffen von Systemen mit künstlicher Intelligenz: Passiert sicher nicht unbeabsichtigt. Durchaus möglich in der Form eines Cyberangriffes. Warum nicht unbeabsichtigt? Weil die Akteure sich auch heute Regeln unterwerfen müssen und die grossen IT-Player wie Google, etc. höchst interessiert daran sind, dass so etwas nicht passiert.
    3) Handel schrumpft gefährlich wegen Protektionismus und Nationalismus: Passiert nur unter extremen Umständen, zumal Protektionismus überhaupt nichts Neues ist. Es gab schon in den 1980/90er Jahren massive US-Importzölle für Halbleiterprodukte aus Japan um die heimische Speicherindustrie zu schützen. Genützt hat es den Amis überhaupt nichts, denn sie waren zu spät dran mit ihren Zöllen (es gab schon gar keine US-Speicherindustrie mehr).
    4) Der Populismus bedroht die soziale und politische Ordnung auch in reifen Demokratien. Ja, lokal kann das passieren, zum Beispiel in Italien, wenn der Zinssatz steigt und die Italiener die Schuldzinsen nicht mehr berappen können. Doch das führt höchsten zu einer Eurokrise und zu einer populistischen Cinque stelle-Regierung, nicht aber zu einer Weltkrise.
    5) ..die letzten Fischschwärme aus den ohnehin überfischten Ozeanen klauben: Da kann ich nichts zu dem hinzufügen, was Thomas Grüter nicht schon gesagt hat.
    6) Eine Kaskade von Finanzkrisen zieht die politische und wirtschaftliche Weltordnung in den Abgrund:Da kann ich nichts zu dem hinzufügen, was Thomas Grüter nicht schon gesagt hat.

    • Ergänzung:
      7) eure Medikamente zur Steigerung der geistigen Leistung könnten die Spaltung zwischen Arm und Reich vertiefen. : Da kann ich nichts zu dem hinzufügen, was Thomas Grüter nicht schon gesagt hat.
      8) Cyberattacken auf kritische Infrastrukturen könnten zu einer unkontrollierbaren Eskalation und letztlich zu Kriegen mit schwerwiegenden Konsequenzen führen. Da kann ich nichts zu dem hinzufügen, was Thomas Grüter nicht schon gesagt hat.
      9) Der zunehmende aggressive Nationalismus macht Grenzkriege weltweit wahrscheinlicher. Ja, Grenzkriege laufen ja schon: Türkei -> Syrien, China -> südchin.Meer, Russland -> Ukraine,
      10) Cyberangriffe, politische Zensur oder wirtschaftlicher Protektionismus könnte das Internet so fragmentieren, dass es kaum noch funktionsfähig ist. Das finde ich wahrscheinlicher als Thomas Grüter es gefunden hat. Warum? Weil Wissenschaft und Industrie eine Art Restinternet aufrechterhalten können (von der Regierung akzeptiert) während die Regierung den Zugang für die normale Bevölkerung so stark kontrolliert, dass es in Tat und Wahrheit gar kein globales Internet mehr gibt.

      • ad 10)
        Das Web ist per se unzensurierbar, es kann auf Crypto-Verbindungen ausgewichen werden, auch das sogenannte Darknet meinend, zudem in concreto auf die Staaten, die in vielen Bundesstaaten noch das 1. Zusatzartikel zur Verfassung sehr ernst genommen wird und sich die Einschränkung der Freiheit der individuellen Meinungsäußerung im Kern auf Aufrufe zur Gewalt und auf Aufrufe, die Panik (sic!) auslösen, der Ausruf “Bombe im Theater!” hier der “Klassiker”, beschränken.
        Auch die sogenannte Blockchain-Technologie gibt hier, insbesondere auch sogenannte Soziale Netzwerke meinend, Anlass zu Hoffnung.
        Autoritäre Staaten, die sich insbesondere dadurch auszeichnen die Freiheit der Meinungsäußerung einschränken zu wollen, werden insofern letztlich an das Gerät selbst gehen, nicht an das Web.
        Das Gerät selbst wird dann zur “Waffe” erklärt, warten Sie mal ab.

        • *
          [da] in vielen Bundesstaaten noch das 1. Zusatzartikel zur Verfassung sehr ernst genommen wird und sich [i.p.] Einschränkung der Freiheit der individuellen Meinungsäußerung […] [beschränkt]

        • @Dr. Webbaer (Zitat): Das Web ist per se unzensurierbar, es kann auf Crypto-Verbindungen ausgewichen werden, auch das sogenannte Darknet meinend. Mit Zensur ist immer die Zensur eines Nachrichtenkanals gemeint, also das Publikationsverbot in einer Zeitung, auf TV oder bei Facebook,Twitter. Die chinesische Form von Twitter (Sina Weibo) wird in China überwacht und es gilt sogar, Sina Weibo wurde als chinesische Twitter-Version geschaffen um die Twitter-Funktionaliät regierungskonform darzubieten. Man liest dazu in der Wikipedia (übersetzt von DeepL): Nach den Unruhen in Ürümqi im Juli 2009 hat China die meisten heimischen Microblogging-Dienste eingestellt, darunter auch den ersten weibo-Dienst Fanfou. Viele populäre, nicht-chinesische Microblogging-Dienste wie Twitter, Facebook und Plurk wurden seither von der Anzeige ausgeschlossen. Sina’s CEO Charles Chao betrachtete dies als Chance.[12][13] Die SINA Corporation hat am 14. August 2009 die getestete Version von Sina Weibo auf den Markt gebracht.[14] Die Grundfunktionen wie Nachricht, Private Nachricht, Kommentar und Re-Post wurden im September 2009 ermöglicht. Am 28. Juli 2010 wurde eine Sina Weibo-kompatible API-Plattform für die Entwicklung von Anwendungen von Drittanbietern auf den Markt gebracht.[2]

  2. Sehr interessant.
    zu1)
    Zustimmung, ziemlich wahrscheinlich.
    zu2 und 3)
    Übersieht die Gefahr des internationalen Handels selber.
    Der hat sich unkontrolliert ausgebreitet, ohne die sozialen und ökologischen Standards mitzunehmen. Würde das so weitergehen, käme der Zusammenbruch von dieser Seite. Nationalismus ist keine Lösung, aber eine logische Gegenreaktion auf das Versagen der Progressiven, die einen entfesselten internationalen Handel mit internationaler Kooperation verwechseln.
    Die ähnliche Situation vor dem 1.WK hat in die Katastrophe geführt, heute besteht die Hoffnung, daß der massive populistische Druck zu einer inneren Erneuerung der Progressiven führt, Ansätze dafür gibt es bereits.
    Der Nationalismus ist inhaltlich reaktionär, könnte aber wieder die Räume schaffen, in die erneuerte Progressive dann inhaltlich vorstoßen können.

    zu 9)
    Weitsichtig. Nicht so sehr Kashmir, aber China-Indien dürfte längerfristig die Region mit der größten Atomkriegsgefahr sein.
    Beides sind kollektivistische Gesellschaften, von denen China noch keine demokratische Erfahrung hat.
    Das wird sich bald ändern, die Demokratie ist in China nicht aufzuhalten. So um die 20 Jahre nach den ersten demokratischen Versuchen aber kommt es fast immer zu einem nationalistischen Backflash wie in Ungarn, Russland oder Polen und natürlich auch Deutschland.
    Indien wiederum ist ein Pulverfass aus extremen sozialen Unterschieden und ultrareaktionären Traditionen.

    • @ Kommentatorenkollege ‘DH’ :

      Auch hier konnte das, was einmal kodiert als das beschrieben werden soll, was aus Sicht einiger zu Deutschland gehören soll, in der Nennung gemieden werden, sehr schön.
      In China, Indien und Russland gibt aus Sicht von Dr. Webbaer, der hier einige kennt, zu viele vernünftige Leute, als dass derartige Demokratie (Indien), “Demokratur” (Russland) oder Meritokratie (? – von einem Kollektivismus kann für China nicht mehr klar geschrieben oder gesprochen werden) zu einer starken Gefahr für den Weltfrieden und die globale Wirtschaft werden könnten.
      Kleine Widerrede zum Populismus und Nationalismus: Die Antipoden Elit(ar)ismus und Internationalismus sind in extremer Ausprägung vergleichbar gefährlich wie die Erstgenannten, in extremer Ausprägung; selbstverständlich ist der Nationalismus nicht per se gefährlich, bspw. ist der Patriotismus nichts anderes als milder Nationalismus, auch gibt es das Selbstbestimmungsrecht der Völker und Sezession kann friedlich verlaufen, Dr. Webbaer war vor ca. 25 Jahren in einen derartig friedlich verlaufenden Prozess eingebunden, und die deutsche Wiedervereinigung ist ohne (mildem) Nationalismus unbegründet und war ebenfalls ungefährlich bis wünschenswert.
      Es gilt sowohl auf der Schiene “Nationalismus-Internationalismus” wie auf der Schiene “Populismus-Elit(ar)ismus” einen goldenen Mittelweg zu finden; mehr ist nicht los.
      Q: Ist Frau Dr. Angela Dorothea Merkel eigentlich eine Populistin oder Elit(ar)istin? A: Sie könnte, wie dies u.a. auch Olaf Henkel tut, als Ober-Populistin bezeichnet werden, weil sie ihre politischen Meinungen in Bezug auf ihr Verbleiben im Amt immer wieder, eben ihrer Opportunität geschuldet, stark geändert hat, keinen besonderen Intellekt erkennen ließ und kaum in diesem Sinne, im intellektuellen, als Elit(ar)istin bezeichnet werden. – Oder?

      MFG + schöne Woche noch,
      Dr. Webbaer

      • PS :
        Der gute Mann heißt wohl Hans-Olaf Henkel, das mit der “Oberpopulistin” ist womöglich hier falsch abgelegt, gespeichert worden, wenn auch sinngemäß, vgl. :

        -> https://www.focus.de/politik/experten/eurokrise-und-fluechtlingsfrage-der-gute-ruf-als-regierungsziel-auch-merkel-ist-dem-populismus-verfallen_id_6242226.html

        Hans-Olaf Henkel ist übrigens, aus diesseitiger Sicht, ein pfiffiges, wie auch ein wenig zweifelhaftes Kerlchen, seine Anekdoten zur Beatles-Zeit sind hier gerne zK genommen worden, vgl. mit dieser lustigen Polemik, allerdings hat er schon eine politisch konservative, rechte Partei mitbegründet, ideologisch und später ist er ja auch beigetreten (wie wieder ausgetreten), um dann wieder streng gegenzureden, so dass der Schreiber dieser Zeilen, der nur ungerne psychologisiert, hier schon einen recht wankelmütigen Charakter (einen “Narzisten”?) ausmachen möchte, rein spekulativ und her spaßeshalber.

        Dies, wie so oft, nur ganz am Rande notiert,
        MFG
        Dr. Webbaer

      • Patriotismus und Nationalismus sind zwei grundverschiedene Dinge.
        Die Nation an sich ist nichts gefährliches, wobei ich zustimme, daß viele Progressive heute weit über das Ziel hinausschießen und den Unterschied zwischen Nation und Nationalismus nicht mehr erkennen (wollen?).
        Der Internationalismus, der nicht genau definierbar ist, ist in seiner heutigen Form, die sich im wesentlichen auf den Hass auf die Nationen beschränkt, ein reiner Anti-Nationalismus und damit ebenfalls eine Variante reaktionären Denkens.
        Die Nation war mal der große Traum der Progressiven, woran man einmal mehr sehen kann, wie sich die Zeiten geändert haben.

  3. Vielen Dank für die gut zu lesende Zusammenfassung, Nachrichten werden ja immer auch gerne zügig zur Kenntnis genommen, und die persönliche, fachliche Einschätzung.
    Ergänzende, alternative persönliche Einschätzung :
    Das Web wird auf unterschiedliche Art und Weise angegriffen, der werte Autor hat ja bereits an anderer Stelle sogenannte EMP-Angriffe genannt, die im Nordkorea-Zusammenhang aktuell wurden, aber auch AI-Prozesse könnten unerfreuliche Wirkungen haben, wie auch die angeblich dem sogenannten Populismus angeblich entgegenwirkende zunehmende Zensur von falscher politischer Meinung, in der Regel Hate Speech genannt, wobei diejenigen zu herrschen suchen, die bestimmen, was Hate Speech genau sein soll. – Und das Web ist für die Gesamtwirtschaft zunehmend zentral geworden.
    Das Zauberwort (das was aus Sicht einiger zu Deutschland gehören soll) ist ungenannt, wenn auch angedeutet (‘Kaschmir-Konflikt’) worden und ebenfalls ein großes Risiko, besonders für einige Staaten Europas, obwohl wirtschaftlich nicht so-o bedeutend, denn auch in einer derart schwer belasteten Welt könnte die Wirtschaft florieren.
    Zudem dürfte der insbesondere von der BRD forcierte Internationalismus (vgl. auch mit der Merkel-Davos-Rede) der EU zu Problemen führen, da er mit Demokratiedefiziten einhergehen muss, wie Dr. Webbaer findet : muss.

    MFG + schöne Woche noch,
    Dr. Webbaer

  4. Zehn gefährliche herbeiphantasiete Krisen, die möglicherweise in den nächsten 10 Jahren auf uns zukommen – und dabei können wir nicht einmal die Wahrscheinlichkeit angeben mit der es zu einem Krieg zwischen den USA und Nordkorea im Jahr 2018 kommt? So unwahrscheinlich ist ein Krieg nämlich nicht, bedeutet doch die Alternative, dass Nordkorea bald direkt die USA atomar bedrohen kann – etwas was für viele US-Politiker und -Analysten undenkbar ist und nicht hingenommen werden darf. Im Jahr 2018 wäre der allerletzte Moment um Nordkorea durch einen Präventivschlag zu entwaffnen, ansonsten könnte Nordkorea schon bald einen wiedereintrittsfähigen Nuklearsprengkopf entwickeln, der dann tatsächlich eine US-Stadt vernichten könnte. Gegen einen US-Präventivschlag spricht allerdings, dass die südkoreanische Regierung keinen solchen will, denn sie schätzt das Risiko für Südkorea als zu hoch ein. Der New York Times Artikel The Price of War With North Korea hält einen Angriff der USA auf Norkorea für äusserst riskant – vor allem für Südkorea und seine Bevölkerung, nicht unbedingt für die USA selbst. Allerdings können sich die USA nicht leisten, Südkorea zu opfern, nur um zu verhindern, dass Nordkorea eine atomare Bedrohung für die USA werden. Selbst das Herabregnen von Atombomben über Nordkorea, das womöglich vor allem die nordkoreanische Bevölkerung, nicht aber die südkoreanische bedrohen würde, könnte sich die USA nicht ohne Ansehensverlust in der Welt leisten.
    Fazit: Selbst die Wahrscheinlichkeit für ein katastrophales Ereignis im Jahr 2018 wie es ein Kriegsschlag der USA gegen Nordkorea wäre, kann wahrscheinlich nur von wenigen Experten zuverlässig eingeschätzt werden.

    • Nur der Wissende kann bei Prognosen auch noch Wahrscheinlichkeit angeben, haha.
      Krieg scheint nicht möglich zu sein, weil China Nord-Korea als Einflussgebiet betrachtet, auch punktuelle Militär-Schläge scheinen sehr schwierig zu sein, es ist auch unbekannt, was ein sogenannter Enthauptungsschlag bringen würde, für den Donald J. Trump aus Sicht des Schreibers dieser Zeilen aber nicht der Mann ist, so dass eine Art Deal, der wohl auch langfristig nicht eingehalten wird, die aus Sicht Dr. Webbaers wahrscheinlichste Handlung ist – oder es geht einfach so weiter. [1]
      Haben’S diesen Jokus, mit dem Trump auf seine unbeschreibliche Art anscheinend einen Wirkungstreffer gelandet hat, mitbekommen, Herr Holzherr? – Nicht wegen der Drohung, sondern weil sich “Rocket Man” so nicht ernst genommen sehen kann, was einem Gesichtsverlust gleichkommt, im fernost-asiatischen Raum.

      MFG
      Dr. Webbaer

      [1]
      Ihr Argument mit “dass Nordkorea bald direkt die USA atomar bedrohen kann” ist natürlich stichhaltig, Trump wird hier eine Lösung mit China suchen – oder “Rocket Man” hält sich schlauerweise mit Drohungen zurück längere Zeit, er wird Trump womöglich (auch : politisch) überleben…

      • @Dr.Webbaer. Zu jeder Prognose gehört implizit eine Wahrscheinlichkeit und sehr unwahrscheinliche Dinge erwähnt man gar nicht. Oft spürt man auch aus der Formulierung wie wahrscheinlich ein Autor seine Prognose hält.
        Noch zu Nordkorea (Zitat): Krieg scheint nicht möglich zu sein, weil China Nord-Korea als Einflussgebiet betrachtet, Einen Eroberungskrieg liesse China nicht zu, aber einen Enthauptungsschlag wohl schon,zumal China die nukleare Hochrüstung Nordkoreas ebenfalls verurteilt. Kann Nordkorea sein nukleares Arsenal halten oder gar ausbauen, haben wir einen weiteren Fall von Proliferation und es wäre ein Vorbild geschaffen für andere Staaten mit nuklearen Ambitionen (Iran z.b.). Es gibt also rein strategisch gesehen genügend Gründe für einen Präventivschlag und der Artikel Is the US Preparing for Preventive War? Views From North Korea erwähnt auch Zeichen, dass es Vorbereitungen dafür gibt. Allerdings sind die Voraussetzungen der USA dafür einen Präventivschlag durchzuführen, dessen Vorbereitungen unbemerkt bleiben, sehr schlecht, was bedeutet, dass ein Präventivschlag eine grosse Gefahr für Südkorea bedeuten würde. Das macht einen solchen Präventivschlag in der Tat unwahrscheinlich.

        • Der Artikel aus the CONVERSATION: The case for using military force against North Korea macht gleich im ersten Satz klar (übersetzt von DeepL):

          Während sich amerikanische und kanadische Beamte diese Woche treffen, um über Nordkorea zu diskutieren, ist es eine Erinnerung wert, dass militärische Optionen auf dem Tisch liegen müssen, wenn diplomatische Bemühungen, das Land zu denuklearisieren, scheitern.

          Nach dieser Sicht muss Nordkorea entweder freiwillig nuklear abrüsten oder aber es muss mit miltärischen Mitteln abgerüstet werden.
          Mit grosser Wahrscheinlichkeit aber wird Nordkorea weder freiwillig nuklear abrüsten noch werden die USA einen Präventivschlag führen. Das allerdings bedeutet, dass wir einen Schritt weiter auf dem Weg zur nuklearen Proliferation sind, wo schliesslich immer mehr Staaten nuklear gerüstet sein werden.

  5. Th.Grüter
    “Wir leben in einem Zeitalter vielfacher internationaler Verträge und Organisationen. Grenzen sollten also eigentlich kein Thema sein, und Streitigkeiten um den genauen Verlauf könnten von internationalen Schiedsgerichten geklärt werden. Aber so funktioniert das nicht. Viele russische Politiker träumen immer noch davon, die Grenzen der Sowjetunion – oder des Zarenreichs – wieder herzustellen.”

    Internationale Verträge und Organisationen (wie z.B. die UN) sollten also als unbedingte Basis und zuvörderst das Völkerrecht einhalten!

    (gestrichen, bitte schreiben Sie sachlich und zur Sache) TG

    Stattdessen wird im Artikel von vielen russischen Politikern schwadroniert die angeblich revisionistische Gelüste häütten und es wird von unserem Nachbarn Russland als autoritäres Regime mit populistischem Charakter schwadroniert.

    Ausgerechnet Russland welches in 2 Weltkriegen von Deutschland überfallen wurde, wird dämonisiert, es wird eine (verständliche) Sezession als Annexion bezeichnet, und es wird gegen das Land polemisiert, welches den Hauptblutzoll für Befreiung Deutschlands von den Nazis getragen hat, und das sich n a c h dem Fall des eisernen Vorhangs immer ans Völkerrecht gehalten hat (auch in Georgien 2008, wo bekanntlich Georgien in Südossetien angegriffen hat und nicht umgekehrt) , im Gegensatz zu den USA, die als Gefahr für den Frieden, den dessen Politik nun mal darstellt, nicht erwähnt werden. Ziemlich einseitige Sicht der Dinge also.

    • Zunächst einmal, Herr Thurner: Mein Blog ist kein Forum zum Ausbreiten der eigenen Weltanschauung. Dafür nutzen Sie bitte eigens eingerichtete Foren, oder Ihre eigene Homepage.
      In meinem Kommentar zur Befürchtung des WEF, dass zunehmender Nationalismus mehr Grenzkriege hervorrufen könnte, habe ich Russland, China, Indien und Pakistan als Beispiele genannt. Dabei wird Russland keineswegs dämonisiert (ebensowenig wie die anderen Staaten). Nationalisten sind keine Dämonen. Kurzer Rückblick in die Geschichte: Russland wurde im ersten Weltkrieg nicht von Deutschland überfallen. Die ersten Schlachten fanden im damals deutschen Ostpreußen statt. Im zweiten Weltkrieg überfiel Deutschland die Sowjetunion, nicht Russland, nachdem beide Staaten vorher Polen unter sich aufgeteilt hatten, und deshalb eine direkte Grenze hatten. Der Unterschied zwischen “Russland” und “Sowjetunion” ist keine Haarspalterei, sondern außerordentlich bedeutsam. In der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken war die russische SSR nur ein gleichberechtigter Gliedstaat unter vielen. Damit war der Keim für den späteren Zerfall gelegt. Bei der Auflösung der UdSSR entstanden dann logischerweise neue Staaten in Gebieten, die vorher jahrhundertelang zum Zarenreich gehört hatten, und die viele Russen selbstverständlich zum russischen Reich rechneten. Es steht Ihnen frei, sich in Moskau auf der Straße umzuhören, ob die meisten Russen Weißrussland, die Ukraine, die baltischen Staaten, Georgien oder Kasachstan als unabhängige Staaten oder als abtrünnige Gebiete des russischen Reichs betrachten. Die von Putin vorangetriebene Eurasische Wirtschaftsunion hat der russische Politiker Dmitri Rogosin schon als Beginn einer neuen Supermacht vorgestellt.
      Und noch einmal: Es geht um die Frage der Grenzkonflikte. Wenn sie einen umstrittenen Gebietsanspruch der USA kennen, dürfen Sie ihn gerne mit in die Diskussion einbringen.

  6. Die Qualität menschlicher Prognosen bezüglich zukünftiger politischer und wirtschaftlicher Entwikcklung ist gering, auch wenn es um die Prognose von zukünftigen Krisen geht. Das lässt sich schon daran erkennen, dass prognostizierte Krisen oft den gerade kürzlich durchgemachten Krisen entsprechen. Ich vermute aber, die Prognosequalität könnte verbessert werden, wenn störende emotionale und mit Erlebnissen verbundene Faktoren reduziert werden. Mit anderen Worten, ich vermute, dass menschliche Experten bei der Voraussage von Krisen die Sachlichkeit, die nötige emotionale Distanz und die Unbelastetheit fehlt. Es bräuchte meiner Meinung nach eine mehr anthropologisch motivierte Sicht auf die Ereignisse, eine Sicht, die die Menschheit als Tierart mit typischen, sich nur wenig und langsam änderden Charakteristiken, Motiven und Verhaltensweisen sieht. Die Idee ist folgende: Menschen können in grosser Menge wie Teilchen in der Physik betrachtet werden und das, was bei Teilchen in der Physik beispielsweise die anziehenden und abstossenden Kräfte aufgrund von Ladungen sind, das sind beim Menschen Anlagen, menschliche Grundbedürfnisse, Zielvorstellungen, Ängste etc. Ähnlich wie sich nun physikalische Teilchen je nach Temperatur, nach Druck und nach von aussen und von anderen Teilchen einwirkenden Kräften anders verhalten, so ist es auch bei menschlichen Populationen. Die Nazizeit Deutschlands würde bei einer solchen statistischen Sicht wohl vollkommen anders verstanden werden als in der Nachkriegszeit, wo etwa von Kollektiv- oder Individualschuld der Deutschen gesprochen wurde und wo Rassismus und Nationalismus verantwortlich gemacht wurden. Versuchsweise habe ich eine solche mehr physikalische/anthropologische Sicht auf die Nazizeit und den zweiten Weltkrieg angewandt und mich von meinen jüngsten “Erkenntnissen” leiten lassen, dass Rassismus und Nationalismus auch heute noch weit verbreitet sind und angenommen, dass die anderen europäischen Bevölkerungen zur Zeit vor dem zweiten Weltkrieg genau so rassistisch und nationalistich waren wie die deutsche Bevölkerung. In dieser Sicht war nicht Nationalismus und Rassismus entscheidend für den zweiten Weltkrieg, sondern es war der erwachte kollektive Wille, als deutsches Volk eine dominantere Stellung in Europa einzunehmen. Dieser Wille zu Grossdeutschland entspringt in der anthropologischen Sicht dem Willen von Einzelpersonen in ihrem Leben autonom und dominant auftreten zu wollen. Faktisch war Deutschland schon vor dem zweiten Weltkrieg eine dominante und die wirtschaftlich und gesellschaftlich am weitesten fortgeschrittene europäische Gesellschaft, was sich etwa an den Exportraten (Exportweltmeister), an den wissenschaftlichen Leistungen (einige internationale wiss. Zeitschriften waren gar deutschsprachig) und an vielem mehr ablesen lässt. Doch aufgrund der Versailler Verträge und historischer Zufälle, war Deutschland vor dem zweiten Weltkrieg “kastriert” und scheinbar in einer schwächeren Position als andere europäische Staaten, die beispielsweise über grossem Kolonialbesitz verfügten. Die Kombination von realer Bedeutung und Grösse Deutschlands mit scheinbarer Matchlosigkeit boten dann ideale Voraussetzungen für eine Figur wie Hitler, der von Beginn weg vor allem auch Deutschland mehr Macht geben wollte – und der es von anbeginn auch schaffte, zum Teil bewusst herbeigeführte Konflikte für sich und für Deutschland zu entscheiden, was ihm noch mehr Unterstützung von seiten der deutschen Bevölkerung brachte und was heute oft mit dem Begriff Appeasement-Politik in Zusammenhang gebracht wird, wobei die Zugeständnisse der anderen europäischen Mächte an Deutschland eben auch daher kamen, weil Deutschland potenziell und dann bald auch schon reell stärker war als die anderen europäischen Kräfte. Ein bevorstehender, von Deutschland angezettelter Krieg, sahen damals nur wenige voraus. Eine nüchterne, analytischere Haltung wäre aber meiner Meinung in der Lage gewesen, die steigende Kriegsgefahr zu prognostiziern und ein Krieg hätte gar verhindert werden können, wenn sich die anderen europäischen Kräfte rechtzeitig zusammengeschlossen hätten und sie Hitler die frühen Erfolge verwehrt hätten.
    Vielleicht bringen ja bei der Prognose von zuKünftigen Konflikten Musteranalysen und beispielsweise der Einsatz von Deep Learning, welches solche Musteranalysen oft besser als der Mensch durchführen kann, mehr als die heutige Befragung von Experten.

    • @ Herr Holzherr :

      Sie denken oft zu stringent und anderen zu gläubig, aber hier setzt es Pluspunkte :

      Ich vermute aber, die Prognosequalität könnte verbessert werden, wenn störende emotionale und mit Erlebnissen verbundene Faktoren reduziert werden. Mit anderen Worten, ich vermute, dass menschliche Experten bei der Voraussage von Krisen die Sachlichkeit, die nötige emotionale Distanz und die Unbelastetheit fehlt. Es bräuchte meiner Meinung nach eine mehr anthropologisch motivierte Sicht auf die Ereignisse, eine Sicht, die die Menschheit als Tierart mit typischen, sich nur wenig und langsam änder[n]den Charakteristiken, Motiven und Verhaltensweisen sieht.

      (Abgesehen von dem Vergleich des Menschen als Tierart, dafür explizit nicht, der Mensch ist nicht nur kulturell außerordentlich dynamisch.)

      Der ideale Anthropologe ist natürlich Humanist und philosophisch gebildet, weiß um seine eigenen Schwächen und um seine “Pappenheimer” generell, er hält sich emotional zurück, trennt unbedingt zwischen Kommentar und Bericht / Einschätzung, und ruht sozusagen in sich.
      Der Schreiber dieser Zeilen glaubt, dies wie so oft nur ganz am Rande angemerkt, beim hiesigen werten Inhaltegeber einige dieser Leistungsmerkmale zu erkennen, Münster ist ja auch eine schöne Stadt, der Aasee, ach, herrlich, btw : gibt es noch diese bekloppten Billard-Kugeln dort?, äh, wo war er stehen geblieben?, …, …, …, ach ja, nicht-menschliche Experten gibt es nicht, es gibt sogenannte Expertensysteme der Informationstechnologie, war mal vor ca. 30 Jahren ein großes Thema, herauskam nicht viel, und die Informationstechnologie als Instrument des Menschen.
      Sie wird immer sein Stellvertreter bleiben, solange sie kein eigenes Bewusstsein entwickelt, wobei dieses nicht programmiert werden kann, sondern anderweitig entstehen müsste.
      (Hier – ‘Menschen können in grosser Menge wie Teilchen in der Physik betrachtet werden’ – setzte es einen weiteren Minuspunkt, ist deshalb auch nicht weiter oben, sondern nur hier, ganz untergeordnet, zitiert worden.)

      Generell sind Prognosen interessengesteuert, es fäinden sich ansonsten nicht die Mittel, um Apparate zu entwickeln wie aufrecht zu halten, die nicht interessengesteuert sind und in großem Umfang prädiktiv leisten.
      Die im WebLog-Artikel dankenswerterweise aufbereiteten Prognosen sind interessengesteuert.
      Ansonsten könnten Sie versuchen Einzelnen zu vertrauen, die als sogenannte Original Thinker sozusagen idiotisch (der Privatmensch bleibt gemeint) denken und publizieren, der (ideale) Philosoph ist ja immer auch Idiot.
      Hier natürlich extra-vorsichtig bleiben, dennoch an dieser Stelle der kleine Hinweis auf Scott Adams.

      MFG
      Dr. Webbaer

  7. Zu Ihrer Antwort Herr Grüter,

    noch einmal: mein Blog ist kein Abladeplatz für Jeremiaden. Wenn Sie den Zustand der Welt beklagen wollen, richten Sie sich eine Homepage ein. TG

    Aber bitte, ich werde Ihre Überlegungen zu möglichen Krisen/Kriegen in dieser Welt nicht mehr stören, versprochen.

    Ich nehme Sie mal beim Wort. TG

  8. Mein Versprechen galt nicht für den Fall ,daß Sie meinen Text nach Gutsherrenart erneut zensieren/kürzen und nur den letzten Satz veröffentlichen. Sie scheuen die frei und offene Diskussion Kollege Grüter.
    Offensichtlich wollen Sie z.B. die Verantwortlichkeit der hegemonialen US Politik seit 1999 mit inzwischen über eine Million Toten und mehrere Millionen von Flüchtlingen und an Leib und Seele Verwundeten hevorgerufen durch die (Angriffs)Kriege des Westens in AFG/Irak/Libyen sowie die Verantwortung für die Stellvertreterkriege nicht erkennen, benennen dies aufdeckenderweise als “Jeremiaden”. Mangels Gegenargumenten können Sie nicht auf die vorgenannten Fakten eingehen. Sehr schade.

    • Nun ja, Versprechen sind so eine Sache. Sie hatten bereits im September 2016 eine ähnliche Auseinandersetzung mit Herr Dr. Blume. Im Grunde habe ich Dr. Blumes Ausführungen nichts hinzuzufügen. Dies ist mein Blog, und wie in meinem Haus und Garten setze ich die Regeln. Sie sind Gast, und ich kann eine gewisse Höflichkeit erwarten. Die Politik der USA habe ich nicht zur Debatte gestellt, es ging hier um die Befürchtung der WEF, dass zunehmender Nationalismus zu mehr Grenzkonflikten führt. Das stelle ich gerne zur Diskussion. Aber wie gesagt: Sie sind hier Gast in meinem Haus, und ich erwarte, dass sie sich auch so benehmen.

  9. Die letzte große Wirtschaftskriese war als einige den Erdölpreis durch knapp halten des Erdöls künstlich in die Höhe getrieben haben.
    Ob das nun Staaten waren die dahinter gestanden sind oder Erdölkonzerne oder das Finanzwesen, oder alle zusammen ist eine andere Frage.
    Man sieht daran jedenfalls das man künstlich eine Weltwirtschaftskriese auslösen kann wenn man will. Das sie das wieder tun ist in Wirklichlich die größte Gefahr ob sie nun Erdöl knapp halten oder sonst irgend etwas.

    Von der politischen Seite besteht die größte Gefahr durch die Islamsierung die von jenen Narren betrieben wird die die auf beiden Augen blind sind. Das kann nur in eine Katastrophe führen.

  10. Globale Risiken, die neu im 21. Jahrhundert auftauchen
    Cyber-/Internetangriffe durch aus dem Ruder gelaufende künstliche Intelligenz, Autonome Drone Ships, die das Weltmeer leer fischen und ein fragmentiertes, nicht mehr globales Internet wegen Zensur,etc. und die Folgen des Klimawandels werden im Global Risks Report 2018 als neu auftauchende Gefahren genannt. Neue Technologien können tatsächlich ganz neue Risiken hervorbringen, das zeigt sich schon in der erst seit dem zweiten Weltkrieg vorhandenen Gefahr eines Nuklearkrieges.
    Alle mächtigen Technologien, die sich neu im 21. Jahrhundert entfalten, können neue globale Risiken begründen.
    An erster Stelle neuer Risikotechnologien sehe ich die Biotechnologie, denn erst jetzt kann das Genom von Lebewesen gezielt verändert werden, erst jetzt könnte ein kleines Forscherteam oder gar ein Einzelforscher etwa ein neues Grippevirus schaffen, welches eine Grippepandemie auslöst ähnlich der, die 1918 25 Millionen Tote weltweit hinterliess. Der britische Astronom Martin Rees hat deshalb gewettet, dass bereits bis 2020 ein solcher bioterroristischer Zwischenfall stattfindet und mindestens 1 Million Leuten das Leben kostet.
    Viel populärer als die Biotechnologie ist die künstliche Intelligenz als Risikotechnologie. Wobei man in Bezug auf die künstliche Intelligenz mehrere unterschiedliche neue Risiken erkennen kann:
    1) Künstliche Intelligenz erlaubt autonome Systeme, etwa autonome Killerdrohnen. Diese könnten sogar von Terrorist gegen ganze Menschengruppen oder auch gegen Flugzeuge eingesetzt werden
    2) Eine fortgeschrittene künstliche Intelligenz könnte den Menschen die Macht streitig machen.
    Beurteilung: KI für autonome Systeme ist heute schon möglich. KI ist heute aber nicht wirklich intelligent und kann heute keine eigenen Absichten entwickeln, so dass 2) vorläufig nicht aktuell ist.

    Wer aber sind die Akteure im 21. Jahrhundert, von denen die neuen Gefahren ausgehen? Sind es Staaten, Terrorgruppen oder einzelne durchgedrehte Forscher? Je mehr Akteure es gibt desto grösser wird die Gefahr für die Bevölkerung und letztlich die Zivilisation. Alles spricht dafür, dass in Zukunft auch grosse Gefahren von Terrorgruppen oder gar Einzelnen ausgehen werden. Hilft hier eine stärkere Personenüberwachung? Oder werden nach den ersten Bioterrorwaffeneinsätzen überall biologische Schleusen eingeführt? Das wissen wir heute nicht. Jedenfalls stehen uns interessante Zeiten bevor. Bereits haben die Anzahl der Terroranschläge weltweit stark zugenommen mit mehr als 80 Terroranschlägen im Jahr 2017 aber weniger als 10 Terroranschlägen pro Jahr in den Jahren vor 2015. 34’000 Tote durch Anschläge gab es im Jahr 2016, wobei 11600 dieser Toten die Terroristen/Anschlagstäter selbst waren. Mit andern Worten: Ein einzelner Terroranschlag tötet heute relativ wenige Menschen. Das liegt an den eingesetzten, oft recht primitven Waffen, wie Fahrzeugen, die in die Menge fahren, Bomben und Feuerwaffen. Doch es ist ein Irrtum zu glauben, auch die zukünftigen Terroristen würden nur solch primitive Waffen einsetzen. Sogar heutige Terroristen haben bereits Zuganz zu 3D-Druckern und deren Fähigkeiten nehmen massiv zu. So gibt es heute auch 3D-Drucker, die Metallobjekte oder Objekte aus verschiedenen Materialien drucken können. Doch neben den klassischen politisch/religiös motivierten Terroristen könnten zukünftig auch einzelne Forscher zu den Gefährdern hinzukommen. Damit könnten wir in eine Situation geraten, in der nicht mehr staatliche Akteure den Frieden und die Zivilisation gefährden, sondern Terroristen und Spinner.

  11. Aber urteilen Sie selbst.

    Avec plaisir, wenn ich denn meine “Teufelshörner noch einmal ausfahren” darf. 😉

    ad 1. hierzu nur eine Ergänzung: Eine Destabilisierung von Atommächten muss keine zusätzliche Weltgefährdung bedeuten, wie wir an der Destabilisierung der Sowjetunion feststellen konnten. Und auch schon heute würde ich Pakistan nicht als stabilen Staat bezeichnen. Manche mögen sich wundern, aber bisher ist man mit Kernwaffen sehr verantwortungsvoll umgegangen.

    ad 2. Das ist meine Nr.1. Das Buch “Blackout” hat soviele Verantwortliche aufgescheucht, dass man sich ernsthaft mit diesem Szenario auseinandergesetzt hat. “Graceful degradation” steht hier für ein angemessenes risikominderndes “Architekturkonzept”. (Die Natur verfolgt analoge Konzepte, wie man an Reorganisationsprozessen etwa im Gehirn bei Sauerstoffunterversorgung erkennen mag.)

    ad 3. Überschaubares Risiko. Führt innerhalb einer Volkswirtschaft (siehe auch 2.) zu Reorganisationen, die schmerzhaft aber nicht “letal” sind. Man analysiere Volkswirtschaften, die einem internationalen Boykott unterworfen werden/wurden.

    ad 4. Populisten definieren sich durch ihre Feinde. Sie rechtfertigen ihre Forderungen und Aktionen mit dem Kampf gegen eine existentielle Bedrohung, die angeblich das gesamte Volk auszulöschen oder zu unterjochen droht. Für Widerstand, Widerspruch oder unabhängige demokratische Institutionen ist da kein Platz. Sie halten den behaupteten Existenzkampf ungebührlich nur auf.

    Hier erlaube ich es mir zu provozieren. Zunächst eine kleine Ergänzung: Zum Populismus wird gerne dazugezählt: “Einfache Lösungen für komplexe Probleme.”

    Die Provokation? Lesen wir “existenzielle Bedrohung” als “Bedrohung durch Kernkraftwerke” und “einfache Lösung” als “sofortiges Abschalten”.

    Die “reinrassigsten Populisten” sind demnach (hier und auch in anderen Themenbereichen) Greenpeace. Der Schuh passt wie angegossen.

    Im parteipolitischen Bereich haben sich populistische Parteien der Konkurrenz zu stellen, und dann sieht man, wie gut die anderen Parteien tatsächlich sind.

    ad 5. kein zusätzlicher Kommentar.

    ad 6. kein zusätzlicher Kommentar.

    ad 7. kein zusätzlicher Kommentar.

    ad 8. vergleichbar 2. (und damit subsumiert unter meine Nummer 1.)

    ad 9. kein zusätzlicher Kommentar.

    ad 10. Diesen Punkt bewerte ich anders, denn eine Abschottung ist vielleicht aufwändig und verursacht Kosten, wird aber von Staaten, die den politischen Willen haben, schon heute konsequent durchgeführt. Die Firewalls sind nicht perfekt, erfüllen aber ihren politischen Zweck (ob uns das gefälllt oder nicht).

    Für ein permanent zur Verfügung stehendes Internet würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Hier kann der Einzelne für sich wahrscheinlich noch am besten Vorsorge treffen, die ich kurz mit “analogen Backups” beschreiben möchte, sowie mit persönlichen Sicherungskopien wichtiger Daten etc. Das systematische Auslagern in Clouds hat etwas potenziell harakirihaftes. (Nun: suum cuique, wie der Lateiner schon bemerkte.)

    MfG, H.-J. S.

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