Wunschdenken: Ernüchterung

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die Psychologie irrationalen Denkens
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Vor wenigen Tagen habe ich über das Wunschdenken in der Energiewende geschrieben und prompt hat die EU-Kommission reagiert. Sie schlägt vor, die Klimaschutzziele der EU sehr viel allgemeiner zu fassen. Es geht in Zukunft nur noch darum, ein verbindliches Ziel für die Senkung des Ausstoßes von Klimagasen vorzugeben. Die Einzelheiten bleiben den Mitgliedsstaaten überlassen.

Die Mitglieder lesen vermutlich nicht meinen Blog und ich habe auch nicht das Privileg, über Insiderwissen zu verfügen. Die Kommission wird also zu dem gleichen Ergebnis gekommen sein wie ich: Der bisher vorgesehene Ausbau erneuerbarer Energien beruht auf Wunschdenken.

Haben die Deutschen daran Schuld? Immerhin hat die Bundesregierung bis Ende November 2013 mit brachialer Gewalt eine strengere EU-Vorgabe für Autoabgase verhindert. Möglicherweise stehen die Deutschen auch im Verdacht, Quoten für den Anteil erneuerbarer Energien durchsetzen zu wollen, weil deutsche Firmen die Ausrüstung (Solarzellen, Windkraftanlagen, etc.) dafür liefern.

Es hat allerdings wenig Sinn, nach Schuldigen zu suchen. Die Vorgaben waren schlicht illusorisch. Nehmen wir einmal an, Deutschland würde es mit gigantischem Aufwand wirklich schaffen, seinen CO2-Ausstoß bis 2050 um 50% zu reduzieren: Welche Auswirkungen hätte auf das Weltklima? Die traurige Antwort lautet: Keine.

Deutschland ist derzeit für ca. 2,5% des CO2-Ausstoßes der Welt verantwortlich. Eine Halbierung würde also gut ein Prozent einbringen. Nach übereinstimmenden Prognosen des Statistikamts des US-Energieministeriums und von Exxon Mobile wird der CO2-Ausstoß der Welt bis ca. 2040 aber um mehr als 30% steigen. Wir bekämpfen einen Buschbrand mit einem Gartenschlauch. Da hilft es auch nichts, wenn wir den Wasserdurchsatz verdoppeln. Der Ansatz ist einfach falsch.

Im übrigen hat die neue Bundesregierung die Ziele für die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien bereits zurückgeschraubt: Bis 2036 sollen sie 60% ausmachen. Bisher war von 80% bis 2040 die Rede. Die Grünen hatten im Wahlkampf sogar 100% bis 2030 auf ihre Fahnen geschrieben.

Aber selbst die neuen Regierungsziele sind kaum zu erreichen. Sie berücksichtigen nicht, dass auf absehbare Zeit nur Windkraftanlagen an guten Standorten rentabel sind. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2000 (EEG) war dazu gedacht, die saubere Energien so lange zu fördern, bis sie konkurrenzfähig sind. Danach sollen sie ihren Strom am Markt verkaufen. Das wird aber auch in zehn Jahren noch nicht funktionieren. Ab etwa 2025 werden die Anlagen, die aus der Förderung fallen, vom Markt gehen. Der Zubau muss diesen Verlust ausgleichen und zugleich den weiteren Ausbau sichern. Das wird eine fast unmögliche Aufgabe. Nur mit einer deutlichen Erhöhung der Förderung lässt sich diese Aufgabe stemmen. Dann bleibt der Strom aber teuer.

Eventuell ist aber der Boom der erneuerbaren Energien in Deutschland schneller zu Ende als bisher erwartet. Wenn die EU-Kommission wirklich die massiven Subventionen1 der stromintensiven Industrien für unzulässig erklärt, würde ein weiterer Ausbau von Windkraft und Photovoltaik den Industriestandort Deutschland beeinträchtigen. Das kann sich keine Regierung leisten.

 Anmerkung

1Die Netzbetreiber sind verpflichtet, Strom aus erneuerbaren Energien zu einem festgesetzten Preis abzunehmen. Sie verkaufen ihn dann mit Verlust weiter. Der Gesamtverlust wird als EEG-Umlage auf die Verbraucher umgelegt. Die Industrie zahlt nur einen geringeren Anteil. Das tatsächliche Verfahren ist etwas komplizierter, aber es läuft letztlich darauf hinaus, dass ein Teil des Einkaufspreises über die EEG-Umlage von der Industrie auf die Verbraucher umgewälzt wird. Damit erhält die Industrie Strom zu einem subventionierten Preis, der im Extremfall deutlich unter dem tatsächlichen Einkaufspreis der Netzbetreiber liegt. Je höher die Umlage, desto höher die Subvention.

Thomas Grüter

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

22 Kommentare

  1. Abgesehen von den Kollateralschäden (hiesige Vogelwelt, Fledermäuse, Landschaftsverschandelung, sowie Bergbau in China wegen seltener Erden und giftigste Abgase bei deren Verarbeitung), die den Begriff “Umweltschutz” auf ein neues Niwo bringen, ist die Lösung ja längst bekannt, Atomkraft.

    China hat anscheinend 70 verschiedenen Brüter getestet und jetzt einen ausgewählt, mit dem sie ihre Uranvorräte auf 3 Jahrtausende verlängern können (damit gleichzeitig ihren Atommüll vernichten). Japan hat eine Technologie zur Urangewinnung aus dem Meer entwickelt. Von Thorium noch nicht gesprochen, Energie für die Ewigkeit.

    In einer normalen Welt würde Deutschland Kerntechnik für viel Geld exportieren. Stattdessen dieser beschämende Irrsinn. (Ob man wohl die Politiker eines Tages zur Rechenschaft ziehen wird?)
    .
    Es mag ja sein, das es eines Tages noch diverse technische Durchbrüche geben wird. Nicht so ganz schlecht scheinen diese Lenkdrachen zu sein, die den Wind in 300m Höhe ernten, bei geringstem Materialeinsatz (dort oben weht er so stetig, wie sonst auf dem Meer). Solarzellen aus Perowskit könnten einmal einen realen Beitrag leisten zur weltweiten Stromerzeugung. Wer weiß das schon. Bleibt die ungelöste Frage der Speicherung.

    Und natürlich, angesichts der Kernkraft, ist das alles eh überflüssig, nette Spielerei, aber brauchen tun wir es nicht. Unsere Vorfahren würden uns eh für verrückt erklären, wenn sie anschauen müssten, dass es die Leute heute darauf anlegen, sich wieder komplett von der Natur (Wind und Sonne) abhängig zu machen. Als ob nicht jeder Depp wüsste, das die Natur nicht “gut” ist oder je war.

  2. Hat der EU-Rückzieher – keine EE- und keine Energiesparvorgaben mehr – unmittelbare Konsequenzen für Deutschland? Nicht unbedingt, zumal die Energiepolitik grösstenteils Sache der Mitgliedsländer ist. Nur wenn (Zitat)

    die EU-Kommission wirklich die massiven Subventionen1 der stromintensiven Industrien für unzulässig erklärt

    dann würde es für Deutschland sehr schwierig. Doch wäre solch eine Subventionsverbot nicht ein gewaltiger Affront der EU-Kommission gegenüber seinem wichtigsten Mitgliedsland?

  3. Vielen Dank Herr Grüter, dass Sie dieses Thema erneut aufgreifen.
    Solange wir eine “Grüne” Partei haben, in der Wirtschaftskompetenz nach wie vor abträglich für die politische Karriere ist, steht diese einer wirklich nachhaltigen Energiepolitik im Wege.

    “Die Grünen hatten im Wahlkampf sogar 100% bis 2030 auf ihre Fahnen geschrieben.”

    Die Grünen scheinen auch nicht sonderlich lernfähig zu sein.
    Eine Energiewende, bei der hauptsächlich die privaten Verbraucher zur Kasse gebeten werden, ist unakzeptabel und nicht vermittelbar.
    Falls man die Industrie komplett an den Kosten beteiligt, werden energieintensive Produkte halt importiert, Arbeitsplätze verschwinden in Deutschland. Für eine CO2 Nachhaltigkeit wäre überhaupt nichts gewonnen.
    Zwischen diesen beiden Extremen stehen planwirtschaftliche anmutende Regelungen, mit allen bürokratischen Auswüchsen und juristischen Finessen. Das bekommt man nicht in den Griff – wie man sieht. Und ich glaube hier ist das Problem der Grünen. Sie haben – ähnlich wie die Linken – gar nicht verstanden, welcher gewaltigen Vorzüge marktwirtschaftliche gegenüber planwirtschaftlichen Regelungen haben. Um die richtige Mischung zwischen marktwirtschaftlichen Freiheiten und notwendige Regelungen zu finden braucht man aber ein Mindestmaß an Wirtschaftskompetenz.
    Konsequenter weise lehnen grüne Politiker auch Wirtschaftskunde als Schulfach ab, da sie es von vorneherein mit Lobbyismus gleichsetzen.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/bildungspolitik-schueler-wollen-wirtschaft-als-fach-gruene-nicht-12743126-p2.html

  4. @Ralph

    was soll denn die sinnfreie Attacke auf die Grünen? Bis auf Baden-Württemberg sind die Grünen seit 2005 in keiner Regierung. Also ist die derzeitige Energiepolitik de facto nicht Sache der Grünen sondern schlicht der … Tusch! … ach so wirtschaftkompetenten CDU/CSU.

      • Wie ich in langjähriger Tätigkeit in privater Industrie und staatlicher bzw. überstaatlicher technischer Forschung lernen musste, ist das sicherste Zeichen für den bevorstehenden Exitus eines Vorhabens, dass der Schwerpunkt der Diskussion sich von der Durchsetzung der Projektvorhaben weg und dafür zu Behauptungen hin bewegt, man selbst bzw. diese oder jene Gruppe habe mit dem betreffenden Vorhaben nichts zu tun (gehabt).

        Der Erfolg hat viele Väter und Mütter, der Misserfolg ist ein Waisenkind.

  5. @Ralph

    Dass die Grünen nichts mit der Energiepolitik zu tun haben, sollten Sie vielleicht mal den Grünen selbst erklären. Die behaupten nämlich landauf, landab, dass die Grünen es waren, die die “Energiewende” eingeläutet haben. Ob andere da nun mehr oder weniger kompetent sind, tut nichts zu Sache – aus der Mitverantwortung für dieses gescheiterte Vorhaben können sich die Grünen nicht so einfach stehlen.

    @wendehals

    Der Zug ist für die deutsche Nukleartechnik schon längst abgefahren. Da kannte noch niemand das Wort “Energiewende”, als die Weichen in Richtung Abstellgleis gestellt wurden. Seit Jahrzehnten kein neues Kernkraftwerk gebaut, keine neuen Reaktorlinien, kein Einstieg in die dritte Generation und keine Option für die vierte.

    Ausgefallene Ideen, die nie über ein Nischendasein hinauskommen werden, gibt es im Dutzend billiger. Was mit Perovskiten am Ende wird, werden wir sehen müssen. Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass erst einmal große Ankündigungen gemacht und Probleme und Nachteile ausgeblendet oder zumindest hintenan gestellt werden. Gerade in der öffentlichen Berichterstattung, aber auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Was für jedes Solarzellenmaterial gilt, ist, dass Sonnenlicht gebraucht wird. Das führt zum wesentlichen Problem, das Sie auch genannt haben, nämlich dem der Energiespeicherung. Das – und noch nicht einmal die Kosten des Aufbaus der Wind-Kraftwerke und PV-Anlagen, ist der Showstopper bei der “Energiewende”. Nach wie vor vollkommen ungelöst. Nicht nur technisch ungelöst, sondern schon physikalisch.

    Wir brauchen jetzt nicht wieder über das Supergrid zu diskutieren. Allein, dass so etwas auf den Tisch kommt, oder auch das Konzept mit gewaltigen Pumpspeicheranlagen in Norwegen, über dessen natürliche Ressourcen offenbar deutsche Politiker frei verfügen zu dürfen meinen, zeigt, wie fundamental das Problem ist.

  6. @ Michael Khan

    kann es sein das sie mich und nicht Ralph meinten? Nun denn:
    Ralphs post ist ein reines bashing der Grünen. Diese Einseitigkeit der Betrachtung muss geradegerückt werden. Natürlich bedeutet dies nicht, dass die Grünen hier keinen Anteil dran haben. EEG zB..

    Nur, alle anderen haben das übernommen.

    Und das hauptsächlich die privaten Verbraucher zur Kasse gebeten werden, ist auch keine alleinige Tat der Grünen, sondern verfehlte Subventionspolitik, denn nichts anderes ist eine einseitige Kostenbefreiung. Jede Regierung hätte dies seit 2005 ändern oder anpassen können.

    es ist auch schon formaljuristisch egal wer etwas behauptet. Hier zählt doch einfach nur wer was es und nicht, wer behauptet er wäre es gewesen und dies tut sehr wohl was zur Sache.

  7. Erneuerbaren-Evangelisten sehen die Situation ganz anders als Thomas Grüter sie hier dargelegt hat.
    Im Kapitel Shifting paradigms: from integrating renewables to system transformation des Renewables 2013 Global Statusreport liest man:

    It is now evident that a mix of variable and dispatchable renewables can provide a stable and reliable electricity supply. As installed capacities of renewables increase, a portfolio of different renewable technologies can often cover the major part of the power demand and, where interconnected to other grids, can provide a surplus to export. They can provide electricity around the clock and throughout the year at reasonable costs, if the grid system and the regulatory framework are flexible and operated smartly. Further, it has been shown that renewables can reduce electricity prices considerably and thus alleviate energy costs for consumers.

    Der letzte Satz behauptet eine Senkung der Elektrizitätspreise durch mehr Erneuerbare. Für Firmen, die den Strom zum Handelspreis an der Strombörse beziehen und die von der EEG-Umlage befreit sind, gilt das tatsächlich, für alle anderen ist der Strompreis deutlich gestiegen. Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Dänemark, also in den Ländern mit dem höchsten EE-Anteil.

    Im letzten Abschnitt dieses Kapitels schreibt der Autor Rainer Hinrichs-Rahlwes (German Renewable Energies Federation):

    “Some industrialised countries (for example, Denmark and Germany) have decided to base their electricity supply and/or final energy supply predominantly on variable renewables. They are moving their electricity supply away from systems based on traditional (relatively inflexible) base load that is complemented by marginal cost-driven balancing power to more flexible systems that are driven by and designed for variable renewables.”

    Doch wenn er schreibt: “They are moving their electricity supply away from systems based on traditional (relatively inflexible) base load …to more flexible systems that are driven by and designed for variable renewables”, dann kann er wohl nur die Zeit nach 2020 meinen, denn momentan wird die Basislast in Deutschland vor allem von Braunkohlekraftwerken getragen.
    Der erste Satz suggeriert eine Verbesserung der Versorgungssituation durch Abrücken von den inflexiblen traditionellen Stromquellen zu den flexiblen Erneuerbaren. Doch die Flexiblität besteht nur dann, wenn es bei Bedarf abrufbare (dispatchable) erneuerbare Stromquellen gibt. Das sind heute Wasserkraft und Biomasse. Über Wasserkraft verfügt aber Deutschland kaum und auch Biomassekraftwerke genügend hoher Kapazität wird es nicht so schnell geben.

    Fazit: Wenn Deutschland den Anteil der Erneuerbaren stetig weiter erhöhen will, besteht wohl die grösste Herausforderung darin, den Preisanstieg in Grenzen zu halten und zugleich die CO2-Emissionen zu reduzieren. Die CO2-Emissionen können aber nur deutlich gesenkt werden, wenn weniger Strom aus Braunkohlekraftwerken stammt. Jeder Ersatz für Braunkohlekraftwerke (z.B. Gaskraftwerke oder Speicher) verteuert aber das System weiter. Damit nehmen die Freiräume für die deutsche Energiepolitik eher ab als zu.

  8. Grüne Energie
    der Blog gefällt mir, weil auch klare Vergleiche gezogen wurden.
    Ich möchte hier etwas einfügen, das aus meiner Sicht 2014 eine Durchbruch erreichen sollte. Schon 2012 war es geplant, 2013 kam nichts (Wunschdenken) und nun hoffe ich, dass die „Kalte Fusion“ 2014 endlich Fuß fast (Ernüchterung). Eigentlich ist es die LOW ENERGIE NUKLEAR REAKTION – LENR. So ein bisschen erinnert mich die praktische Einführung an den Berliner Flughafen.
    Die NASA sah ja schon am 12.01.12 eine Wende: http://www.youtube.com/watch?v=mxeKeuh_2Bw&list=PL88C39D88C870DAF2&feature=c4-overview-vl . Ein Vattenfall-Physiker erklärte: „Wir müssen die Kernkraft ersetzen”.
    http://sverigesradio.se/sida/artikel.aspx?programid=2108&artikel=5383458 .
    Wenn ein Energie-Unternehmen anfängt – machen die anderen bestimmt auch mit.
    Die LENR kann/könnte also 2014 eingeführt werden. Die Heiße Fusion kann nach bisherigen Berechnungen 2060 ersten Strom aus Kraftwerken liefern. http://www.spektrum.de/alias/energie/kernfusion-ist-die-beste-energiequelle/1125607 : In einem Interview mit dem Greifswalder Physiker Prof. Klinger ging er auf der einen Seite davon aus, dass die Kernfusion die beste Energiequelle ist (Einsatz von Wasserstoff: 1 g für 3000 MW) und auf der anderen Seite brachte er zum Ausdruck, dass frühestens 2060 mit einem Fusionskraftwerk zu rechnen ist.

  9. Ein Supergrid, welches Europa und Nordafrika umschliessen würde könnte mit 100% variablen Energieeinspeisern (nur Wind+Sonne) klarkommen, das hat bereits die Studie von Gregor Czisch gezeigt.
    Wie aber würde ein auf die EU beschränktes Supergrid performen: Der arxiv-Artikel What can transmission do for a fully renewable
    Europe?
    kommt zum Schluss, dass ein solches ganz Europa (nur Europa) umschliessendes Supergrid die nötige Speicherkapazität um 40% reduzieren würde.Um das zu erreichen müsste die bestehende Netzkapazität in Europa um den Faktor 4 vergrössert werden.

    According to our analysis, transmission can reduce the balancing energy by up to 40%, in particular by decreasing the bulk of the mismatch between generation and load. On the other hand, transmission cannot take care of the remaining 60% balancing energy, and equivalently the corresponding 60% surplus (for the fully renewable end-point scenario). As for the power capacities of balancing and alternative usage/curtailment, transmission (with a di erent ow paradigm than presented here) is at best able to reduce them by about 20% of the average load.
    If a reinforced transmission grid is to be build, we recommend to follow the quantile capacity interpo- lation method. This enables Europe to gain 90% of the potential benet of transmission while roughly quadrupling today’s transmission capacities. This build-up is comparable to what has been seen over the past decade.

    Mit andern Worten: Ein nur Europa abdeckendes Supergrid löst das Problem nur zum Teil.

    Eine besonders pessimistische Sicht auf die Energiewende entwirft Hans Werner Sinn in Hans Werner Sinn – Energiewende ins Nichts. Er rechnet damit, dass trotz horrenden Investitionen und Kosten für die Erneuerbaren am Schluss ein grosser Teil des Stroms in Deutschland weitherhin mit Kohle produziert wird.
    Die Schwäche von Sinn’s Vision ist, dass er neue technische Entwicklungen wie in Zukunft viel billigere Batterien oder neue Speichertechnologien wie adiabatische Druckluftspeicher nicht berücksichtigt und nicht einmal erwähnt.

  10. Wunschdenken betreffend Potenzial der Erneuerbaren gibt es nach David Mc Kay nicht nur in Deutschland sondern in ganz Europa. In Kapitel Energy plans for Europe, America, and the World seines Buches Sustainable Energy without the hot air kommt er für ganz Europa zu folgendem Beitrag der Erneuerbaren Energien zum durchschnittlichen Energiebedarf von 125 Kilowattstunden pro Europäer.
    Wind: 9 kWh/Tag pro Person
    Wasserkraft: 6.4 kWh/Tag pro Person
    Wellenenergie: 2 kWh/Tag pro Person
    Gezeiten: 2.6 kWh/Tag pro Person
    Photovoltaik vom Dach: 7 kWh/Tag pro Person
    Photovoltaik durch 5% der Landfläche überdeckt mit PV: 54 kWh/Tag pro Person
    Fazit: Selbst wenn man 5% der Landfläche Europas mit Solarpaneln überdeckt und sonst noch allen Wind und alle Hydroenergie nutzt, erhält man damit nur etwa die Hälfte des aktuellen europäischen Verbrauchs. Anders sieht es für Nordamerika aus, wo durch massiven Einsatz der Photovoltaik der gesamte Bedarf gedeckt werden könnte.

  11. Der Autor des im Breakthrough-Institut erschienen Artikels The poverty of the Energiewende  wundert sich auch über das Wunschdenken, welches im deutschen Energiewendewende-Projekt zum Ausdruck kommt. Er scheint zu fragen.
    Die spinnen, die Deutschen!?
    das kommt in folgender Passage gut zum Ausdruck:

    Anybody aware of Germany’s technical prowess must ask: why has the nation that helped to pioneer the age of electricity (above all thanks to the engineering genius of Werner von Siemens and organizational achievements of Emil Rathenau) rushed into the difficulties that were easy to envision — into generating those highly fluctuating electricity flows? These flows create havoc with the grids in neighboring countries by suddenly overloading their transmission capacity, and they undermine economic viability of traditional utilities due to low returns realized on the repeatedly interrupted, but still necessary, fossil fuel-based generation.

    Im übrigen widmet sich der Artikel mehr der dem sozialen Paradox der Energiewende: Rentner und sozial Schwache finanzieren  die Solarpanel der Eigenheimbesitzer.

      • Stimmt. Wobei die Rentner wohl zu einem wichtigen Teil trotzdem darunterfallen – als “low income Germans” nämlich. Gut, dass sie so genau gegenlesen. Das spornt einen an, selber genauer zu lesen.

  12. Wie weit Erneuerbare noch davon weg sind, alle anderen Energiequellen zu ersetzen, zeigt für mich folgende Meldung: Spanish island to be fully powered by wind, water wo man liest:

    The smallest and least known of Spain’s Canary Islands, El Hierro, is making a splash by becoming the first island in the world fully energy self-sufficient through combined water and wind power.

    El Hierro ist ein Inselchen. Und dennoch das erste welches allein mit EE zurechtkommt und das nur weil El Hierro wie die andern kanarischen Inseln sehr bergig ist, was es leicht macht an geeigneter Stelle einen Speichersee anzulegen. Dieser Speichersee nimmt die überschüssige Windenergie auf und gibt sie bei Bedarf wieder ab. Eventuell könnte ein See allein schon ganz Hierro mit Strom versorgen,denn die Nordseite der Insel erhält ziemlich viel Regen.

    El Hierro also die erste Insel und erste Region, die sich ohne Anbindung an ein Netz mit Strom selbst versorgt. Das sollte einen zu denken geben. Denn wenn der Zweck von EE die Vermeidung von CO2-Emissionen ist, dann muss auch Deutschland irgendwann entweder energieautark werden oder nur EE-Strom importieren. All die Braunkohle- und danderen fossilen Kraftwerke, die jetzt noch hochgezogen werden müssen aus Klimasicht schon in ein paar Jahrzehnten stillgelegt werden.

  13. Der Knackpunkt für ein System das auf Erneuerbare Energien allein beruht ist der Energy Return On Investment, also ob mehr Energie erzeugt wird als der Aufbau und Betrieb an Energie benötigt. Ein Energiesystem in einem westlichen Industrieland muss zudem nicht nur ins Positive kommen, also mehr Energie erzeugen als es verbraucht, sondern es muss einen EROI von mehr als 6 aufweisen, also mindestens 6 Mal mehr Energie erzeugen als es verbracht. Nur so kann die Arbeitskraft, die hinter dem Aufwand steckt mit marktüblichen Löhnen finanziert werden.
    Der EROI kann sich auch in der Rentabilität ausdrücken wie im obigen Beitrag erwähnt,

    Aber selbst die neuen RegierungszZiele sind kaum zu erreichen. Sie berücksichtigen nicht, dass auf absehbare Zeit nur Windkraftanlagen an guten Standorten rentabel sind.

    muss es aber nicht unbedingt. Ein System mit ungenügendem EROI kann nämlich in Deutschland rentabel sein, wenn die Energie für die Erzeugung der Solarpanel und Windturbinen billig ist, weil beispielsweise die Energiepreise in China (billige Kohle) tiefer sind als in Deutschland.

    Die Studie Energy intensities, EROIs, and energy payback times of electricity kommt nun zum Schluss, dass in Deutschland nicht einmal Windturbinen einen genügenden EROI haben, geschweige denn Solarpanel. Dies gilt allerdings bei Windturbinen nur wenn man den Speicher miteinbezieht, der nötig ist um Strom bei Flauten bereitzustellen.

    Der EROI einer Windturbine in Deutschland liegt gemäss dieser Studie bei 16 ohne Energiepufferung, aber nur bei 4 mit Einergiepufferung. Der EROI von Polysilizum-Solarzellen beträgt 4 aber nur 2.3 mit Energiepufferung.
    Im Vergleich dazu ist der EROI eines Wasserkrafterks 50 und mit Pufferung 35. Der EROI vonn Steinkohlekraftwerken ist 29, der von Braunkohlekraftwerken 31.

    Fazit: Der EROI selbst von ungepufferten Solarpanels (ohne Speicher) ist mit einem Wert von 4 kleiner als der für ein Industrieland nötige EROI von 6 und der EROI von Windkraftwerken beträgt mit Energiepufferung 4, was ebenfalls unter dem nötigen EROI von 6 liegt.
    Der EROI ist natürlich keine fixe Grösse sondern kann mit energieeffizienterer Herstellung erhöht werden. Damit Solarpanel unter den deutschen Einstrahlungsbedingungen aber je einen genügend grossen EROI erreichen, wären noch gewaltige technische Verbesserungen nötig. Und zwar nicht nur bei der Herstellung der Solarpanel sondern auch bei der Energiespeicherung.

  14. Energy returned on energy invested (EROEI) sollte es eigentlich heissen. Im Kommentar habe ich die Bedeutng aber mit der Umschreibung “ob mehr Energie erzeugt wird als der Aufbau und Betrieb an Energie benötigt.” genügend erklärt.
    Die entsprechenden Werte für konkrete Energietechnologien werden in verschiedenen Publikationen immer wieder anders – meist getrimmt für eigene Aussagen – aufgelistet.
    Die Werte für die USA, die im referenzierten Wikipedia-Artikel genannt werden, scheinen mir aber in der Grössenordnung korrekt:
    .3 Biodiesel
    3.0 Bitumen tar sands
    80.0 Coal
    1.3 Ethanol corn
    5.0 Ethanol sugarcane
    100.0 Hydro
    35.0 Oil imports 1990
    18.0 Oil imports 2005
    12.0 Oil imports 2007
    8.0 Oil discoveries
    20.0 Oil production
    10.0 Natural gas 2005
    10.0 Nuclear (with diffusion enrichment)
    50-75 Nuclear (with centrifuge enrichment)
    30.0 Oil and gas 1970
    14.5 Oil and gas 2005
    6.8 Photovoltaic
    5.0 Shale oil
    1.6 Solar collector
    1.9 Solar flat plate
    18.0 Wind

    Auch diese Liste zeigt, dass in den USA viele EROEI’s unter dem Wert von 6 liegen und damit nicht selbsttragend sind, beispielsweise:
    3.0 Bitumen tar sands
    1.3 Ethanol corn
    5.0 Ethanol sugarcane
    6.8 Photovoltaic
    5.0 Shale oil
    1.6 Solar collector
    1.9 Solar flat plate

    Wobei der Wert für Phtoovoltaik mit 6.8 in den USA deutlich höher liegt als in Deutschland. Die meisten Solarpanels gibt es in den USA in Kalifornien, wo die Sonneneinstrahlung im Jahresdurchschnitt mehr als doppelt so hoch ist wie in Deutschland ( 1.000 kWh pro Quadratmeter und Jahr durchschnittlich in Mitteleuropa).

  15. Übrigens EROI= energy return on investment> scheint in Gebrauch zu sein liest man doch im referenzierten Artikel

    Another economic measure, closely related to the energy payback time, is the energy returned on energy invested (EROEI) or energy return on investment (EROI),[99] which is the ratio of electricity generated divided by the energy required to build and maintain the equipment.

    Noch zu etwas anderem:
    Ivanpah Solar Power Tower Is Burning Birds liest man auf IEEE-Spektrum gerade. Der Ivanpah Solar Power besteht aus 300’000 Spiegeln die auf einen zentralen Turm gerichtet sind, wo eine Temperatur von 500°C erreicht wird. Als Konsequenz aus dem Verbrutzeln von Vögeln wird nun gefordert den Turm während der Vogel-Wanderungszeit abzustellen.

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