Wovor sie Angst haben

KI-Bild: Konferenz über globale Risiken

Das Weltwirtschaftsforum in Genf fragt einmal im Jahr mehr als tausend Experten, welche globalen Risiken ihnen die schlimmsten Kopfschmerzen bereiten. Vom Gruselfaktor einmal abgesehen – lernen wir daraus irgendwas?

Die meisten von uns kennen das Weltwirtschaftsforum (World Ecomonic Forum – WEF) als ein internationales Spektakel, die jedes Jahr im Januar oder Februar im schweizerischen Davos stattfindet. Von seinem bescheidenen Beginn im Jahre 1971 wuchs das Treffen zu einer Mammutveranstaltung heran, an der in diesem Jahr vom 19.1. bis 23.1. fast 3000 Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft teilnahmen, darunter 65 Staats- und Regierungschefs. Die Weltpresse – ebenfalls zahlreich vertreten – berichtete ausführlich.

Der französische Präsident Emmanuel Macron trug eine markante Sonnenbrille, der kanadische Premierminister Mark Carney hielt eine bemerkenswerte Rede, der deutsche Kanzler Friedrich Merz sah im neuen Zeitalter der Großmächte einen rauen Wind wehen und regte an, auf eigene Stärke zu setzen. Donald Trump schwadronierte über dieses und jenes, erklärte aber immerhin eindeutig, Grönland nicht mit Gewalt einnehmen zu wollen. Das beruhigte nicht nur die Dänen.

Hinter den Veranstaltungen steht eine Schweizer Stiftung gleichen Namens. Wegen der hohen Beiträge der großen Mitgliedsfirmen verfügt sie über einen Jahresetat von ca. 500 Millionen Euro und beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter. Sie hat sich auf die Fahnen geschrieben, einmal im Jahr die Führungspersönlichkeiten der Welt zusammenzubringen, um die dringendsten Probleme der Welt zu diskutieren oder zu lösen. Die von der Stiftung organisierten „Communities“ sollen dann daran arbeiten, zündende Ideen tatsächlich umzusetzen.1

Der Global Risks Report

Im Vorfeld der Treffen erstellt die Stiftung einen „Global Risks Report“. Die aktuelle Ausgabe ist die einundzwanzigste ihrer Art. Die Veränderung der Risikowahrnehmung über die Jahrzehnte ergibt genug Stoff für eine Masterarbeit ergeben. Deshalb habe mir für diesen Blogpost nur die letzten vier Reports (also 2023, 2024, 2025 und 2026) näher angesehen.

Die Stiftung verschickt jedes Jahr zwischen 1200 und 1500 Fragebögen an „Experten“ aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Alle Risiken sind vordefiniert, die Teilnehmer sollen sie nur einschätzen, und zwar auf einer Skala von 1 bis 72. Dabei sollen sie zwei Zeithorizonte bewerten: zwei Jahre und zehn Jahre. Dieses enge Korsett lässt wenig Raum für differenzierte Urteile. Kreuzwirkungen oder Abhängigkeiten lassen sich so nicht erfassen. Die Vorgabe für die Risiken passt das WEF jedes Jahr an.

KI-Bild: Globale Risiken.
Debatte über globale Risiken. KI-generiertes Symbolbild.

So fehlen in den letzten beiden Risks Reports die Punkte: „Misserfolge bei der Eindämmung des Klimawandels“ und „Misserfolge bei der Anpassung an den Klimawandel“. Der Report hat also in den Jahren 2025 und 2026 nicht mehr erfasst, ob sich jemand darum Sorgen macht, warum auch immer.

Wer sind die „Experten?

Leider gibt das WEF nicht an, wie es die „Experten“ auswählt. Schickt es den Fragebogen an die Chefs mit der Bitte, sie an einen geeigneten Mitarbeiter weiterzuleiten? Wer immer die Fragebögen ausfüllt, müsste Umweltrisiken ebenso zuverlässig bewerten wie gesellschaftliche und technische Gefahren (Kategorien siehe Tabelle 1).

Tabelle Kategorien
Kategorien der Risiken, die das WEF abfragt.

Die Bezeichnung „Fachmann“ oder „Experte“ ist nicht geschützt, sie verlangt keine Ausbildung, keine Prüfung und keine Praxis. Die Autoren der Risks Reports geben keine Auskunft darüber, welche Qualifikationen sie von den Teilnehmern der Befragung erwarten und wie sie das überprüfen. Bei den meisten Befragten beruht die Beurteilung der Risiken wohl eher auf einem Bauchgefühl, nicht auf echtem Wissen. Mit Straßeninterviews würde man vermutlich ein ähnlich fundiertes Meinungsbild erfassen3.

Übrigens verteilt das WEF die meisten Fragebögen (ca. 65 bis 70 Prozent) in Europa und Nordamerika, was zu einer weiteren Verzerrung führt.

Als wissenschaftliche Studie würde der Risks Report deshalb kaum durchgehen. Als repräsentative Umfrage übrigens auch nicht, denn es ist unklar, wen die befragte Stichprobe repräsentieren soll.

Vorsicht ist also angebracht.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Wenn man den Hintergrund berücksichtigt, liefern die Reports trotz aller Mängel wertvolle Informationen.

  1. Die Eliten sind verunsichert und rüsten sich für schweres Fahrwasser. Auf die allgemeine Frage, ob sie eher ruhige oder turbulente Zeiten erwarten, verschobenen sich die Antworten zwischen 2023 und 2026 immer mehr in Richtung „turbulent“, und zwar nicht nur kurzfristig, sondern auch auf Sicht von zehn Jahren.
  2. Umweltfaktoren wie „Extremwetter“, „Kollaps der Ökosysteme“ oder „Kritische globale Umweltveränderungen“ erhalten seit Jahren die höchsten Werte (ca. 6 von 7) unter den langfristigen Risiken. Sind die Fachleute also besonders umweltbewusst? Eher nicht. Extremwetter kommt jedes Jahr vor. Also wird es in den nächsten zehn Jahren ein katastrophales Ereignis geben. Die globale Erwärmung verläuft so schnell wie nie zuvor, also werden kritische Umweltveränderungen eintreten. Ökosysteme werden zusammenbrechen, irgendwo, irgendwann.
  3. Die Einschätzung kurzfristiger Risiken (2 Jahre) ändert sich von Jahr zu Jahr, je nachdem welche Probleme die Welt gerade hat. Die Befragten extrapolieren einfach aktuelle Probleme auf die nahe Zukunft, etwa nach dem Motto: Wenn es heute regnet, wird es morgen wohl auch regnen.
  4. Die Teilnehmer der Befragung platzieren fast alle Risiken in den Bereich zwischen 4 und 5,5 auf der siebenteiligen Skala. Die WEF gibt leider keine Streuung an, so das man nicht sehen kann, wie weit die Einzelnen auseinanderliegen. Im Grunde läuft es darauf heraus, dass sich die befragten Experten von dutzenden Gefahren umstellt sehen, die sie für gleichermaßen schlimm halten. Für den Alltag einzelner Menschen spielen globale Gefahren keine Rolle, wenn man nicht gerade Regierungschef eines großen Landes oder CEO eines multinationalen Konzerns ist. Die Bewertung wird sich also kaum auf alltägliche Entscheidungen auswirken.
  5. In den letzten Jahren sorgen sich die Befragten immer stärker um den Zusammenhalt der Gesellschaft. Desinformation, gesellschaftliche Polarisierung und weltwirtschaftliche Konfrontation dringen in ihren Alltag ein, und das nicht nur auf einer theoretischen Ebene.
    Donald Trump verkörpert diese Verunsicherung wie kein zweiter. Er regiert nach der Art eines launischen Autokraten, Recht interessiert ihn nicht. Der Schweiz habe er 39 % Zoll aufgebrummt, sagte er, weil die schweizerische Bundespräsidentin ihn „schief angesprochen (rubbed me the wrong way)“ hätte. Freundschaft und Loyalität wertet er höher als das Gesetz. Seinen Feinden hetzt er die Justiz auf den Hals, einfach weil er sie als Feinde betrachtet, nicht weil sie gegen Gesetze verstoßen hätten. Und „Wahrheit“ ist für Trump immer das was gerade sagt, ganz gleich, ob es der Wirklichkeit entspricht oder nicht. Auch die von Firmen wie Meta und X kaum unterbundene Desinformation in sozialen Netzen treibt den westlichen Eliten zu Recht die Sorgenfalten auf die Stirn.

Für die westlichen Eliten ist die Zerstörung ihrer Unabhängigkeit im Alltag angekommen. Nicht umsonst stand die diesjährige Münchener Sicherheitskonferenz unter dem Motto „Under Destruction“.

Was ist „Ungleichheit?“

Interessant ist die zunehmende Wahrnehmung von „Ungleichheit“ als Risiko. Das Wort hat viele Bedeutungen. Ist die Ungleichheit innerhalb eines Staates gemeint? Die politische Ungleichheit, also das Gefühl, „abgehängt“ zu sein, die Ungleichheit der Einkommen, der Vermögen, der Bildung? Die ungleiche Verteilung von Macht, Geld, Bodenschätzen, Waffen, Einfluss in der Welt? Viele Akteure führen „Ungleichheit“ als Grund für Unzufriedenheit an und betonen das dadurch entstehende Konfliktpotenzial. In Kalifornien verlangt eine Initiative, dass alle Milliardäre einmalig 5 Prozent ihres Vermögens abgeben sollen. Der Vorstoß könnte im November bei den Zwischenwahlen in den USA zur Abstimmung gestellt werden.

Die Initiative schreibt, dass die Milliardäre in Kalifornien zwei Billionen US$ besitzen und die Steuer deshalb 100 Milliarden US$ einbringen könne.
Wie viele Schulen und Krankenhäuser könnte man damit bauen, wie vielen Menschen helfen! Bedauerlicherweise ist das eine Fata Morgana, schließlich gelten Milliardäre zu Recht als Meister in der Kunst der Steuervermeidung. Aber es geht wohl eher ums Prinzip als ums Geld.

Auch in Deutschland kocht die Diskussion hoch, obwohl die Ungleichheit in den letzten Jahren nicht zugenommen hat.

Vielleicht liegt es unter anderem daran, dass Milliardäre nicht mehr so unsichtbar sind wie noch vor wenigen Jahren. Einige der „Tech Bros“, der Internetmilliardäre wie Mark Zuckerberg, Elon Musk oder Peter Thiel, pumpen Millionen in die Politik, um ihre schrägen Ideen durchzusetzen. Das schafft natürlich böses Blut. Und Trumps unverhohlene Bestechlichkeit trägt auch ihren Teil dazu bei.

Kriege und Kriegsverdrängung

Was denken die vom WEF Befragten über das Kriegsrisiko? Russland hat die Ukraine überfallen und prominente Politiker aus Russland drohen auch den NATO-Staaten sehr deutlich mit Krieg bis zum Atomkrieg.

Zu meinem Erstaunen halten die WEF-Experten bewaffnete Konflikte zwischen Staaten für ein kurzfristiges Risiko, langfristig sehen sie eher geringe Probleme. Das finde ich fahrlässig optimistisch, besonders wenn man bedenkt, dass viele der Befragten in Europa sitzen. Vielleicht verdrängen sie aber auch die Gefahr. Die Bilder aus der Ukraine sind einfach zu schrecklich.

Selbsterfüllende Prophezeiung

Die Methoden und Ergebnisse der Risks Reports sind zweifelhaft, aber die Menschen vertrauen ihm, und das verleiht ihm Einfluss.

  • Wenn die Vorstände wichtiger Unternehmen glauben, dass die Elite bestimmte Risiken für bedrohlich hält, werden sie ihre Entscheidungen daran orientieren.
  • Wenn Politiker aus dem Report entnehmen, welchen Sorgen sie entgegentreten müssen, dann werden sie ihre Programme anpassen.
  • Wenn Wissenschaftler aus dem Report schließen, welche Ängste sie ansprechen müssen, um Fördergelder zu erhalten, dann werden sie ihre Anträge genau so formulieren.
  • Wenn Journalisten lesen, welche Fehlentwicklungen sich nach Meinung von Experten verstärken werden, dann sind sie gut beraten, ihre Berichterstattung zu diesen Punkten zu verstärken.

Der Risks Report berichtet nicht nur, welche Risiken die weltweite Elite am meisten fürchtet, sondern er bestimmt maßgeblich, wie solche Risiken wahrgenommen werden. Allein deshalb sollte man ihn ernst nehmen.

Anmerkungen

[1] In eigenen Worten:
Since 1971, the World Economic Forum has stood at the intersection of geopolitics and cooperation, believing that the only viable path forward is to connect leaders across sectors, regions, ideologies and generations to make sense of global challenges and move the world forward together …
For more than five decades, the Forum has served as an impartial, globally respected platform for cooperation. Our Annual Meeting in Davos brings together leaders from across sectors and regions to address the world’s most pressing challenges, while our year-round communities — spanning industries, regions, and generations — collaborate continuously through initiatives and dialogues that turn ideas into action.

[2] In den Sozialwissenschaften spricht man von einer Likert-Skala, benannt nach dem amerikanischen Sozialwissenschaftler Rensis Likert (1903 -1981). Es geht dabei um den Grad der Zustimmung zu einer vorgelegten Behauptung. Meist sind fünf oder sieben mögliche Antworten vorgesehen. (Etwa: Stimme überhaupt nicht zu, stimme nicht zu, neutral, stimme zu, stimme voll und ganz zu). Beim Fragebogen zum Global Risks Report geht um die Bewertung eines Risikos mit den Extremen „extrem gering“ und „extrem schlimm“.

[3] Ausgewiesene Experten für globale und existenzielle Risiken gibt es aber durchaus. Hier einige Beispiele:
Der amerikanische Politikwissenschaftler Ian Bremmer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesem Thema. Die von ihm gegründete Eurasia Group gibt jedes Jahr im Januar eine Liste der zehn größten politischen Risiken heraus.
Die Universität Cambridge unterhält das „Center for the Study of Existential Risk“. Das 2012 gegründete Institut möchte sicherstellen, dass „unsere eigene Species eine langfristige Zukunft hat“. Das Robert Schuman Centre for Advanced Studies am European University Institute in Florenz gibt jährlich einen Bericht heraus, der die globalen Risiken für die EU auflistet. Die Methode ähnelt der des WEF.

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Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

11 Kommentare

  1. „Wovor sie Angst haben“?

    Naheliegender Weise, vor dem „großen Krieg“ und vor einem Kollaps der Weltwirtschaft.

    Interessant ist aber D. Trump. Er ist von bemerkenswerter „Offenheit“. Ihm fallen Sachverhalte auf und er macht sie öffentlich, er spielt mit seiner Macht, auf einer Art die es so noch nie gegeben hat.

    Als ihn Journalisten mit der üblichen „Lügenmasche“ demontieren wollten, hat er ihnen viele zusätzliche, offensichtliche Lügen, absichtlich „um die Ohren geschlagen“, dass die Journalisten nicht mehr wussten, wie ihnen geschieht…..

    Andererseits vermittelt er die „pure Wahrheit“, wenn normalerweise alle lügen. In der Grönlandfrage meinte er ganz offen, auf noch nie dagewesen Art, dass er Grönland braucht, damit die Russen und Chinesen Amerikas „Vorgärtchen“ nicht bekommen und Amerika die Rohstoffe braucht.

    Andere Politiker hätten argumentiert, sie wollten die Grönländer von ihren edlen Werten überzeugen, oder den Eisbären gutes tun….

    Auch zu Senskyj war er ganz offen. Er hat ihm erklärt, dass Amerika nicht blöd genug ist, in einen WK3 zu schlittern, nur weil die Ukrainer, z.B. ausgerechnet die russische Flotte aus Sewastopol vertreiben wollten. Die Amerikaner sollten sich praktisch mit den Russen gegenseitig Atombomben um den Schädel schlagen….

    Auch dass Amerika zu einem riesigen „Selbstbedienungsladen“, mit riesigen Schulden verkommen ist, wo Zuwanderer einfach „eingetreten“ sind, ohne sich um die Gesetze zu scheren, ist ihm aufgefallen. Auch dass die Autoarbeiter, weil sie ihre Arbeit verloren haben, zu Drogensüchtigen geworden sind….

    In Amerika, aber auch in der ganzen Welt, wegen der großen aufgezeigten Gefahren, gäbe es viel zu tun…..

    Alles mit etwas „gelenkten“, friedlichen Deals, lösen zu wollen, scheint eine gute Idee…

    Man kann Trump nur Glück wünschen, dass alles gut geht….

    Dann klappt es hoffentlich doch noch mit dem Nobelpreis….

  2. Na vielen Dank!
    Hab wieder was gelernt… Das ich mich ohne Qualifikation als Experte bezeichnen darf, das wusste ich ja schon. Was mir komplett neu war, das das WEF keine Angaben macht, wer überhaupt ihre Fragebögen ausfüllt.

    Jeder Reviewer würde bei einem wissenschaftlichen Artikel da direkt mit Freude seine Ablehnung formulieren, wenn die Versuchspersonen weder beschrieben noch nachvollziehbar sind.

    Irgendwie bin ich schon etwas erschüttert, wenn ich sehe, dass sich da eigentlich nur die Creme de la Creme trifft und vernetzt bleibt… Na immerhin auf hoher Ebene an einem Ort, der früher als das Mekka der Allergiker galt.

    Immer wieder spannend, was man so hier erfährt 😇 👍

  3. irgendwas stimmt nicht.
    Wenn man Google befragt nach den häufigsten Ängsten , dann erhält man als Antwort:
    1. tiefes Wasser 22 %
    2. Ungeziefer 22 %
    3. Krankheit und Tod 19%
    4. Fliegen 18 %

    Vielleicht sollte man umformulieren in “ungelöste Probleme der Politik”.
    Es heißt ja auch Global Risks Report.
    Und was noch auffällt, Experten leben in einer anderen Welt. Die haben keine Sorgen, ob sie ihre Miete noch bezahlen können. Das betrifft die Kategorie Wirtschaft. Was für das Wahlverhalten eine Rolle spielt, das ist die Zuwanderungspolitik. Aber das ist auch kein Porblem für Experten, die sind ja international.

    tut mir leid für das vernichtende Urteil !

    • Google Gemini ist vielleicht nicht unbedingt eine gute Quelle. Wie nahezu alle LLMs gibt Gemini lieber eine falsche als keine Antwort. Es geht hier bei der Umfrage des WEF auch nur um die Angst vor globalen bestimmten Risiken, und zwar solche Risiken, die das WEF vordefiniert und dann abfragt. Das lässt sich so kaum vergleichen. Das wird deutlich, wenn man zum Beispiel fragen würde: “Haben Sie mehr Angst vor Ungeziefer als vor einem Atomkrieg?”

  4. @NI 24.02. 10:07

    „Die haben keine Sorgen, ob sie ihre Miete noch bezahlen können. Das betrifft die Kategorie Wirtschaft. Was für das Wahlverhalten eine Rolle spielt, das ist die Zuwanderungspolitik.“

    Angesichts des Geburtenmangels hätten wir ohne Zuwanderung überall Verfall zu beklagen. Entsprechend helfen die Zuwanderer vor allem dem Wohnungsmarkt. Ob die Zuwanderer jetzt mehr Arbeiten oder mehr neue Nachfrage erzeugen, ist dabei gar nicht so klar, scheint mir.

    Aber zuviel davon treibt die Mieten in einigen Kommunen in zunehmend unbezahlbare Höhen. Das liegt eher weniger nur an den Zuwanderern, es gibt auch ohnehin eine weitere Abwanderung vom Land in viele Städte. Aber die neu eingewanderten Mitbürger kommen da dann noch oben drauf.

    Entsprechend würde ich vorschlagen, dass jede Kommune selber entscheidet, wieviele neue Einwanderer sie haben will. Und die EU kann dann die Außengrenzen so dicht machen, dass eben genau so viele Menschen kommen, wie die Kommunen das bestellt haben.

    Dabei kann man an Leib uns Leben bedrohte durchaus bevorzugen, aber auch welche mit einer gefragten beruflichen Qualifikation. Soweit das eben möglich ist.

    Der Umgang mit der 2. Generation ließe sich nebenbei auch deutlich verbessern. Dass die nicht in den Schulen der Brennpunktstadtteile weitgehend unter sich bleiben und bessere Bildungsabschlüsse hinbekommen.

  5. Thomas G.
    Sehr gut, sie nehmen es mit Humor. Mein Beitrag war auch nicht todernst gemeint, er sollte bei dem Regensauwetter auch nur ermuntern, das eigene Missfallen loszuwerden.
    Bei der Einschätzung von google KI bin ich ganz bei ihnen, was die so von sich gibt, ….da muss man die Antwort schon vorher wissen.
    Was jetzt den A…..krieg und das Ungeziefer betrifft, Der A…..krieg ist für die junge Generation nur ein Wort, Kopfläuse und Bettwanzen, die sind konkret.

    Tobias J.
    du hast eine differenzierte Meinung zum Politgeschehen.
    In einer überalterten Gesellschaft ist der Zuzug erwünscht. Aber es gibt Grenzen, wie schon vor 70 Jahren als die Gemeinden in der SBZ eine Zuzugsperre verhängen durften, an jedem Ortseingng hing dort ein Schild.

    Die Brennpunktstadtteile, die haben wir selbst geschaffen, als man die Fremdarbeiter in Stadtteile geschickt hat, wo kein Deutscher mehr wohnen wollte.
    Und dabei wusste man doch, wohin eine Ghettopolitik führt.

  6. Man kann diesen „Global Risks Report“ des WEF als eine Art politisch-gesellschaftlichen Wetterbericht auffassen – allerdings wie die Gewissheit der Vorhersage (4-4,5 auf der Skala von 1..7) zeigt, eher als einen Wetterbericht vor dem Zeitalter der modellbasierten, mit Hochleistungsrechnern verfolgten Wetterprognosen. Jeder rät halt mal, jeder giesst seine eigenen Ängste und Befürchtungen in die vorgegebene Skala.

    Wie beim wirklichen Wetterbericht interessieren die häufigsten politisch-gesellschaftlichen Wetterlagen am wenigsten, denn man kennt sie schon, ist vertraut mit ihnen. Das wären hier der Klimawandel und seine Folgen, denn darüber spricht man schon seit 10 oder mehr Jahren.
    Neu ist halt die Geopolitik, die sich nicht mehr im Stillen abspielt, sondern auf der Weltbühne. Vor Kurzem noch unterstellte man vor allem Russland und China eine imperiale Agenda zu verfolgen, doch jetzt kann man ruhig auch die USA unter Trump zu den Mächten dazuzählen, die den Globus unter sich aufteilen wollen und die auch grössere disruptive Massnahmen wie Regime-Stürze, Bombardierungen, massive militärische Drohungen in ihr Arsenal aufnehmen.
    Neu ist auch die Hi-Tech Szene in der Milliardäre und ihre Firmen die Technologien (KI, Robotik, Automes Fahren+Fliegen) ausbrüten, die unser zukünftiges Leben bestimmen.

    Persönlich erstaunt mich am Global Risks Reort 2026 die relativ tiefe Bewertung der Gefahr einer „negativen Auswirkung von KI-Technologien“, nämlich nur gerade 4%. Aber gerade jetzt Ende Februar 2026 gibt es mit Codex (OpenAI) und Claude Opus 4.6 zwei sehr mächtige Code-Tools, ja Softwaregeneratoren, die frühere monatelange Software-Arbeit auf ein paar Tage reduziert und das mit 10 Mal weniger Leuten. Das wälzt die gesamte Software-Industrie um und stellt tausende von gerade ausgebildeten Software-Ingenieuren frei. Kommt noch dazu, dass die gleichen oder leicht abgewandelten Tools als Agentensysteme (etwa Claude Coworks oder Claude Legal) auch die Arbeit von Rechtsanwälten und überhaupt Juristen übernehmen können. Wir sind mitten in einer Umwälzung der Arbeitswelt und der Global Risks Report hat das verpasst, weil er etwas zu früh abgefasst wurde.

    Kurzum: Tatsächlich sind wir in einer Phase der geradezu unheimlichen Beschleunigung aller Veränderungsprozesse und die Global Risks Reports müssten dementsprechen halbjährlich angepasst werden, um aktuell zu bleiben.

    • Der Vergleich mit der Wettervorhersage ist gut. Zumindest bei den gesellschaftspolitischen Themen hat der Report aber tatsächlich nicht nur einen Einfluss auf die Wahrnehmung, sondern tatsächlich auch auf die Entscheidungen und damit auf die wirkliche Entwicklung, in etwa so, als ob sich das Wetter von der Vorhersage beeindrucken ließe.
      Im Global Risks Report 2026 rücken die Gefahren der KI nur in der langfristigen Bewertung auf einen hohen Platz vor, dabei könnten negative Entwicklungen auch schon schneller auftreten. Die Fortschritte der KI in der Softwareentwicklung sind gigantisch, aber voller Fußangeln. Die KI entwickelt selbst für komplexe Aufgaben guten Code, aber er muss von Experten nachgebessert werden. Softwareentwicklung ist schon lange nicht mehr ein einfaches Abarbeiten von Pflichtenheften, es müssen komplexe Vorgaben und ausgefeilte Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigt werden. Der Code muss modular und wartbar sein, und selbstverständlich gut dokumentiert werden. Alles das leistet die KI zu 90 bis 99 Prozent, aber nicht mehr. Für den Rest braucht man sehr gut ausgebildete Menschen. Nur: wie will man in Zukunft diese Experten ausbilden, wenn die einfachen Aufgaben, an denen sie lernen und wachsen können, von der KI erledigt werden?

      • @Thomas Grüter: Ja, das sehe ich auch so: es braucht weniger, dafür bessere Software-Ingenieure. Überhaupt führt KI dazu, dass wenige Hochqualifizierte ganze Technologien, Dienstleistungsbereiche und Industriesektoren managen und beherrschen werden und 90% der heute Beschäftigten müssen sich nur noch um die Schnittstelle zu den Menschen kümmern und Daten erheben zu Zwischenfällen und Dingen, die nicht so laufen wie vorgesehen.
        Auf diesen Umbruch bereitet uns niemand vor – auch nicht Schule und Studium.

    • Martin H.
      ” Tatsächlich sind wir in einer Phase der geradezu unheimlichen Beschleunigung aller Veränderungsprozesse ”
      Jedenfalls stellt es die Presse so dar. Wenn man genauer hinsieht, in Deutschland ändert sich konkret nicht viel. Der Umstieg auf E-Autos ist schleichend, das neue Heizungsgesetz soll ja wieder überarbeitet werden, Ganztagesbetreuung für Schüler, eine Absichtserklärung, es fehlen 100 000 Betreuungskräfte, Fortschritt bei der Ukraine ?, Fortschritt im Gazastreifen ?, für die Betroffenen jedenfalls noch nicht sichtbar, Verringerung der Müllmengen ? Verringerung des CO2 Ausstoßes ?

      Was sich tatsächlich verändert sind die Kosten, die auf die Bürger zukommen, war früher auch schon so, explodierende Mieten, das ist unheimlich für alle, die einen Nebenjob annehmen müssen, damit sie die Mieten bezahlen können.

      Zustimmung bei den KIs, gerade habe ich angefragt, wie ich die Benzinverbrauchsanzeige bei meinem Auto zurückstellen kann, Antwort, das kostet nur 1 € , geben sie ihre Kontonummer an.

      Aber Angst haben wir dabei nicht wirklich, so ist unsere Gesellschaft geworden, abgestumpft bei allen Beschleunigungen. In zwei Wochen wird in BW gewählt, dann werden wir sehen , steht der Bürger auf Beständigkeit = CDU oder doch eher auf Veränderung = AfD.

      • @NI: sehr richtig: die Veränderung in Form neuer Technologie kommt nicht aus Deutschland, sondern aus den USA und China. Und spüren tun dies heute bereits etwa Automobilfirmen wie VW, Mercedes oder Porsche, deren Autoabsatz in China plötzlich massiv eingebrochen ist, weil die Chinesfn inzwischen Autos mit besserer Software. und zu einem günstigeren Preis erwarten.

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