Wie groß ist die Gefahr durch Asteroiden?

Schon wieder ist ein Asteroid gefährlich nahe an der Erde vorbeigeschossen, wenn der Presse glauben darf. Aber würde überhaupt ein nennenswerter Schaden entstehen, wenn ein 50 – 500 Meter messender Klotz aus Stein oder Eis die Erde trifft?

Am 19.4.2017 passierte ein Felsbrocken von 600 Metern Durchmesser die Erdbahn, und näherte sich dabei der Erde auf knapp fünffache Mondentfernung. Das Objekt ist noch namenlos, es trägt lediglich die vorläufige Bezeichnung 2014 JO25. Es ist also erst vor rund drei Jahren entdeckt worden.1 Die Boulevardpresse verbreitet über solche Begegnungen gerne Gruselgeschichten, aber selbst seriöse Internetportale wie Scinexx neigen manchmal zur Übertreibung. Am 19.4.2017 las man dort:

„Unter diesen [erdnahen Asteroiden] sind vor allem größere Brocken von mehreren hundert [Metern] bis zu rund einem Kilometer Durchmesser. Würden sie die Erde treffen, könnten die Folgen ähnlich verheerend sein wie nach dem Einschlag des “Dinokillers” vor rund 65 Millionen Jahren.“ (meine Ergänzungen in eckigen Klammern)

Der hier als Dinokiller bezeichnete Asteroid schlug vor rund 66 Millionen Jahren in die mexikanische Halbinsel Yukatan ein. Er maß 10 bis 15 km, war also deutlich größer als die allermeisten bekannten NEOs (Near Earth Objects). Einen so gewaltigen Impakt (Einschlag) hat es seitdem nicht mehr gegeben. Aber auch sehr viel kleinere Objekte richten beträchtliche Schäden an. Am 15. Februar 2013 trat ein ca. 19 – 20 m großer Asteroid in die Erdatmosphäre ein und zerbarst über der russischen Stadt Tscheljabinsk. Die Druckwelle beschädigte 3700 Gebäude. Unzählige Fensterscheiben zersplitterten. Fast 1500 Menschen wurden verletzt.

Während Asteroiden unter 50 Metern Größe im Allgemeinen in der Atmosphäre auseinanderbrechen, erreichen größere Einschlagkörper die Erdoberfläche und sprengen einen Krater hinein, der durchaus die 10fache Größe des ursprünglichen Körpers erreichen kann. Ein Asteroid von 500 Metern würde also einen Bereich von 5 km (ca. 20 km²) restlos umpflügen. Wesentlich zerstörerischer wirken allerdings die Begleiterscheinungen: die Luftdruckwelle, der Feuerball und das Erdbeben.

Ein Beispiel: In Deutschland gibt es zwei relativ junge Einschlagkrater: Das Nordlinger Ries und das Steinheimer Becken. Das kreisrunde Ries misst ca. 20 km und entstand vor 14,6 Millionen Jahren beim Aufprall eines Asteroiden von ca. 1500 m Größe. Der Einschlag löschte im Umkreis von mindestens 100 km alles Leben aus und verwüstete halb Europa. Mehr als 150 km³ Gestein wurden ausgeworfen. Größere Brocken flogen bis zu 70 km weit.

Die Biosphäre ist empfindlich. Bei der hier wiedergegebenen Größe der Erde würde der Einschlags eines Asteroiden von der Größe eines i-Punkts die Menschheit vermutlich auslöschen.

Nun sind erdnahe Asteroiden von mehr als 1 km Größe ausgesprochen selten, und die meisten von ihnen sind inzwischen bekannt. Kleinere Objekte sind sehr häufiger und nur zum geringen Teil erfasst (siehe auch Tabelle 1). In geschichtlicher Zeit wurde noch nie ein Einschlag beobachtet, der von einem Asteroiden von mehr als 100 Metern Größe stammt. Wissenschaftliche Beobachtungen über Wirkungen und Schadensmuster fehlen deshalb weitgehend.

Die Arbeitsgruppe von Clemens Rumpf von der University of Southampton in England hat im April ein Paper veröffentlicht, in dem sie anhand einer Simulation ausrechnet, wie hoch die Opferzahlen ausfallen könnten.2 Sie hat sich auf Einschläge von Asteroiden zwischen 50 und 400 Metern beschränkt. Dem Paper zufolge muss man mit Zehntausend bis einer Million Toten rechnen, wenn der Asteroid auf dem Land aufschlägt. Fällt er in den Ozean, sind es eine Größenordnung weniger (1000 – 100000). Die meisten Opfer sterben nicht beim Impakt, sondern an der Schockwelle, dem dadurch hervorgerufenen Sturm und dem Feuerball.

Die Berechnungen basieren auf einem Modell, das Gareth Collins und seine Kollegen vom Imperial College in London im Jahr 2005 entwickelt haben.3 Sie im WWW eine haben eine interaktive Schadenssimulation veröffentlicht. Auf dieser Seite können Besucher verschiedene Parameter wie Größe des Asteroiden, Geschwindigkeit, Eintrittswinkel und Beschaffenheit des Aufschlagortes angeben. Als Antwort erhalten sie unter anderem die Größe des Kraters und den zu erwartenden Schaden durch Luftdruck, Hitze und Erdbeben in einer vorgegebenen Entfernung.

Um die Einschlagfolgen überhaupt abschätzen zu können, hat die Arbeitsgruppe allerdings stark vereinfachte Annahmen zugrunde gelegt. Die durchaus beeindruckende Formelentwicklung in dem Paper kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass genaue Berechnungen kaum möglich sind, weil die Erfahrungswerte fehlen. Beispielsweise ist ziemlich unklar, in welcher Höhe ein einschlagender Asteroid auseinanderbricht. Collins verwendet deshalb feste Werte dafür. Die Auswirkungen des Feuerballs und der Schockwelle hat die Gruppe nach den Erfahrungen mit Atombombentests aus den Jahren von ca. 1945 – 1975 berechnet und beruft sich dabei im Wesentlichen auf die klassische Arbeit von Samuel Glasstone und Philip Dolan aus dem Jahr 1977. Nur bestehen zwischen einer Atombombenexplosion und dem Einschlag eines Asteroiden beträchtliche Unterschiede. Letztlich bietet der Ansatz von Collins kaum mehr als eine sehr grobe Abschätzung der möglichen Folgen eines Asteroideneinschlags. Ein Abgleich mit tatsächlichen Impaktereignissen ist nicht möglich, sie sind (glücklicherweise) viel zu selten.

20000 simulierte Einschläge

Die Arbeitsgruppe von Clemens Rumpf benutzte die Formeln von Collins, um 20000 zufällig erzeugte Impaktereignisse durchzurechnen. Dabei berücksichtigten sie die wahrscheinliche Verteilung der Geschwindigkeit, der Größe und des Auftreffwinkels. Die fiktiven Ereignisse verteilten sie dann so auf der Erdoberfläche, wie es der tatsächlich zu erwartenden Wahrscheinlichkeit entspricht. Aus der durchschnittlichen Bevölkerungsverteilung und den physikalischen Wirkungen berechneten sie dann die Anzahl an Todesopfern.

Trotz des ganzen Aufwands ist das Ergebnis aber nicht mehr als eine sehr grobe Schätzung. Erstens sind die Annahmen über die physikalische Wirkung der Einschläge relativ unsicher und zum zweiten ist die Bestimmung von Opferzahlen chronisch schwierig. Da hilft es auch nicht, statistische Fehler durch 20000 Wiederholungen verringern zu wollen.

Ein Beispiel: Die Anzahl der Opfer hängt kritisch von der Vorwarnzeit ab. Sollte ein Asteroid auf Kollisionskurs einige Tage vor dem Zusammenstoß entdeckt werden, könnte das unmittelbar betroffene Gebiet evakuiert werden. Selbst einige Stunden Vorwarnzeit könnten die Opferzahl um eine Zehnerpotenz verringern, weil die Betroffenen sich wenigstens ansatzweise schützen können.

Wenn der Asteroid ins Wasser fällt

Nach einer neuen Arbeit des amerikanischen Los Alamos National Laboratory (LANL) würde der Einschlag eines ca. 250 Meter großen Asteroiden im Ozean vermutlich weniger Schaden anrichten als bisher erwartet.4 Dabei kam ein Supercomputer zum Einsatz, um die Hydrodynamik beim Aufprall zu simulieren. Das LANL verfügt über eine sehr große Rechenkapazität, weil es unter anderem für die amerikanische Regierung die Wirkung von Atombomben simuliert. Nach den Ergebnissen der Impaktsimulation würde der Tsunami eher bescheiden ausfallen, ein Großteil der Aufprallenergie geht wohl in die Erzeugung von Wasserdampf. Immerhin schleudert der Einschlag eine eindrucksvolle, mehrere Hundert Meter messende Wassersäule hoch. Aber insgesamt verliefe der Einschlag wohl relativ glimpflich, wenn die nächste Küste mehr als 100 Kilometer entfernt ist. Der Wasserdampf als starkes Klimagas könnte allerdings in den nächsten Monaten oder Jahren das Weltklima deutlich beeinflussen.

Wie häufig sind Impakt-Ereignisse?

Etwa alle 2000 – 5000 Jahre ist der Einschlag eines Asteroiden von 100 Metern Größe zu erwarten, auf einen Felsen von 300 Metern Größe müsste man schon 70000 – 120000 Jahre warten (Tabelle 1). Es macht also wenig Sinn, Katastrophenschutzübungen abzuhalten.

Häufigkeit und Wirkung von Asteroideneinschlägen

Vermutlich geht die meiste Gefahr von Steinbrocken der Größe 40 – 100 m aus. Ein solches Geschoss erwarten die Astronomen alle paar hundert Jahre und es würde in einem bewohnten Gebiet beträchtlichen Schaden anrichten. Wenn man es Monate bis Jahre vor dem Einschlag entdeckt, lässt es sich aber selbst mit heutigen Mitteln noch rechtzeitig ablenken. Der beste Schutz wäre deshalb ein Ausbau der Frühwarnsysteme. Davon gibt es schon einige, wie zum Beispiel das in Hawaii angesiedelte Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) oder das europäische NEOShield-2.

Erste Regel: keine Panik!

Alles in allem besteht kein Grund zu Sorge, oder gar zur Panik. Nur zum Vergleich: Massive Vulkanausbrüche mit schweren globalen Auswirkungen auf das Klima kommen im Abstand von einigen hundert Jahren vor. Der letzte fand im April 1815 statt. Damals blies der Mount Tambora auf der Insel Sumbawa in Indonesien 160 km³ Asche in die Atmosphäre. Im Jahr 1816 fiel in weiten Teilen Europas und Nordamerikas der Sommer weitgehend aus. Die dadruch ausgelösten Missernten führten zur schlimmsten Hungersnot des 19. Jahrhunderts. Der Einschlag eines Asteroiden mit globalen Wirkungen wäre dagegen höchstens alle Hunderttausend Jahre zu erwarten.

Anmerkungen

[1] Michael Khan hat hier bei den Scilogs in seiner gewohnt gründlichen Art die Bahn des Asteroideneine genau beschrieben und die (entfernte) Möglichkeit eines Einschlags diskutiert.

[2] Rumpf, C. M., H. G. Lewis, and P. M. Atkinson (2017) Asteroid impact effects and their immediate hazards for human populations, Geophys. Res. Lett., 44, doi:10.1002/2017GL073191.

[3] Collins, G. S., H. J. Melosh, and R. A. Marcus (2005) Earth impact eects program: A web-based computer program for calculating the regional environmental consequences of a meteoroid impact on earth, Meteoritics & Planetary Science, 40(6), 817–840, doi: 10.1111/j.1945-5100.2005.tb00157.x

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Nicht unwitzigerweise rät Stephen Hawking wie folgt an :
    -> http://www.focus.de/wissen/videos/bbc-reportage-stephen-hawking-ueberzeugt-wir-sollten-die-erde-schnellstmoeglich-verlassen_id_7088445.html (sofern dieser Quelle getraut werden darf)
    -> http://www.bild.de/news/ausland/stephen-hawking/physikgenie-hawking-menschheit-muss-innerhalb-der-naechsten-1000-jahre-erde-verlassen-48780872.bild.html (dito, dieser Kollege scheint eine Null zuletzt gestrichen zu haben)

    Ansonsten gilt natürlich schon bspw. :

    Alles in allem besteht kein Grund zu Sorge, oder gar zur Panik.

    Oder wie Friedrich Wilhelm von der Schulenburg-Kehnert anzumerken wusste, dass die Ruhe die erste Bürgerpflicht ist.

    Robustheit gegenüber jeder Störung sollte das primäre Leistungsmerkmal eines Systems sein, das in der Regel hier durch Redundanz ausgleicht.
    An dieser Redundanz mangelt es leicht erkennbar terrestrisch und insofern rät auch Dr. W an beizeiten zumindest den Orbit zu bemühen, gesellschaftlich zu beschreiten zu suchen im Sinne eines bestandserhaltenden Systems, um zumindest nicht von der nächsten “kosmischen Fliegentrappe” womöglich in einigen hundert Jahren sozusagen direkt abgeholt zu werden.

    MFG
    Dr. Webbaer

    • Stephen Hawking glaubt nicht, dass die Erde in den nächsten Hundert Jahren vom Einschlag eines Asteroiden unbewohnbar gemacht wird. Er hat eher die Menschheit in Verdacht, ihren eigenen Planeten zu einem ungemütlichen Ort zu machen.

      • Noch verrückter. Eine eigenständige Zivilisationsknospe zu erzeugen wird viel teurer als die selbstzerstörerischen Prozesse zu stoppen. Zumal die Ableger dann dazu imstande sein müssten, in absolut lebensfeindlichen Umgebungen nachhaltig zu wirtschaften, während wir das hier unter prächtigsten Umständen angeblich nicht hinkriegen dürfen, weil das den Koch Brothers nicht gefällt.

  2. Ich wollte jetzt gerade auf meinen “Lieblings”himmelskörper verweisen (dieser hier), der uns anfang der 4000er Jahre auf eine halbe Mondentfernung nahe kommt. Aber genau das ist beim JPL nicht mehr zu sehen. Effekt der neuen administration?

  3. Das Risiko für einen verheerenden Einschlag ist exterm gering lautet ein Untertitel des Spektrum der Wissenschaft 5.17-Artikels Astronomie: Felsbrocken im All, eines Übersichtsartikels, der fast alles sagt zu Asteroiden, ihren Aufbau, ihre Verteilung, ihre Erkundung und der Gefahr, die von ihnen ausgeht. Im erwähnten Unterkapitel werden
    – der 20 Meter grosse Tscheljabinsk-Asteroid aus dem Jahr 2013 erwähnt,
    – der Einschlag eines nur 1 Meter grossen Brockens im Hochland von Peru im Jahr 2007, der einen 14 Meter grossen Krater riss,
    – der Eisenasteroid, der 1947 in Sibirien mehrere metergrosse Krater hinterliess
    – das Tunguska-Ereignis von 1908, bei dem ein 30 bis 40 Meter grosser Asteroid in der Atmosphäre zerbarst und dessen Schockwelle 2000 Quadratkilometer Wald umlegte.
    Und genau diesen kleineren Asteroide, die das Potenzial haben in einer getroffenen Stadt einen weit grösseren Schaden anzurichten als das der Tsunami tat, der unter anderem das AKW Fukushima lahmlegte, genau die Asteroide dieser Grössenklasse sind bis jetzt zum grössten Teil unentdeckt, was sich daraus ablesen lässt, dass die Zahl der entdeckten erdnahen Asteroide für Asteroide kleiner als 800 Meter nicht mehr dem erwarteten Potzengesetz folgen.
    Allerdings ist es extrem unwahrscheinlich, dass solche ein Asteroid gerade über einer Grossstadt zerplatzt. Doch gemäss Autor Detlef Koschny entwickelt die ESA derzeit ein eigenes Suchteleskop mit einem Hauptspiegel von 1.2 Metern und einem Gesichstfeld, das mehr als 120-mal so gross ist wie der Vollmond. 4 solcher Teleskope könnten in einer einzigen Nacht den gesamten Himmel abdecken und ein Objekt wie der Tunguska-Asteroid würde dieses Teleskop drei Wochen vor dem eventuellen Einschlag entdecken. Als Abwehrmassnahmen sieht Detlef Koschny
    – die Evakuation bezugsweise den Rückzug der Bewohner des betreffenden Gebiets in Gebäudeteile fern von Fenstern. Das hätte im Fall des Tscheljabinsk-Asteroiden Verletzungen vermieden
    – für Objekte zwischen 50 und 100 Meter wäre eine Kollision mit einem kinetischen Impaktor die beste Abwehrmassnahme, vorausgesetzt die Vorwarnzeit reicht dafür aus.

    Jedenfalls sind die wirklich grossen und gefährlichen Asteroiden zum grössten Teil bereits kartiert und ihre Bahnen für die nächsten 100 recht exakt vorausberechnet.

    • Herr Koschny hat in der Tat einen hervorragenden Übersichtsartikel geschrieben, den ich wirklich nur empfehlen kann. Mir ging es hier aber weniger um die Bahnen oder Eigenschaften der Asteroiden, sondern mehr um die zu erwartenden physikalischen Wirkungen von Einschlägen und den daraus entstehenden Folgen für die Menschen. Mit diesem Problem hat sich Clemens Rumpf in seiner neuen Arbeit beschäftigt. Weil aber die physikalischen Effekte offenbar schwer zu bestimmen sind, lassen sich die Folgen des Einschlags eines kleineren Körpers (ca. 50-250m) kaum zuverlässig vorhersagen. Interessant ist immerhin das Ergebnis der Simulation eines ozeanischen Einschlags am LANL. Danach fällt der Tsunami geringer aus als bisher befürchtet, dafür wird mehr Wasserdampf in die Atmosphäre injiziert.

    • Interessant an grossen, die Erdbahn kreuzenden Asteroidenbrocken finde ich die Tatsache, dass wir sie schon bald alle kennen werden und wir ihre Bahnen für Jahrhunderte werden vorausberechnen können. Grosse Vulkanausbrüche dagegen werden uns wohl immer überraschen.

      Was Riesentsunamis ausgelöst durch kilometergrosse Asteroidentreffer angeht, sollten diese eigentlich geologische Spuren an Küsten hinterlassen haben. Doch gefunden hat man bis jetzt nur Spuren von Riesentsunamis infolge von Bergflankenabrissen wie beispielsweise den vor Westafrika oder um Hawai herum. In beiden Fällen stürzten gewaltige Felsmassen von instabilen Vulkanhängen in den Ozean. Die dabei entstehenen Tsunamis mit einer Wellenhöhe von 150 bis 300 Meter hätten heute verheerende Auswirkungen. Vulkane scheinen also auch in dieser Hinsicht um Grössenordnungen gefährlicher als Asteroide.

  4. Wenige Tage vor einem Impakt würde lediglich ein Korridor und kein genauer Impaktpunk auf der Erdoberfläche bestimmbar sein.
    http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Engineering_Technology/Asteroid_day/Asteroids_assessing_the_risk
    Selbst wenige Stunden davor wäre dies so. Es wäre vermutlich daher sehr schwierig zu evakuieren.
    Impaktszenarien wurden auch schon in Katastrophenschutzübungen eingebaut, wie z.b. in jene der Fema im Nov.2016.
    https://www.nasa.gov/feature/jpl/nasa-and-fema-conduct-asteroid-impact-emergency-planning-exercise
    Auch in den Planetary Defense Konferenzen werden solche Szenarien durchgespielt.
    http://pdc.iaaweb.org

    • Richtig, zu Bestimmung der Bahn braucht man Beobachtungen über eine längere Zeit und möglichst einen halben Umlauf. Das war in der NASA-Katastrophenschutzübung auch so vorgesehen. Wenn ein Asteroid erst wenige Tage oder Wochen vor einem möglichen Einschlag entdeckt wird, ist der Einschlagkorridor sehr lang und auch ziemlich breit. Aber selbst bei gut bekannter Bahn ist nur schwer vorherzusagen, zu welchem Zeitpunkt der Asteroid in der Luft explodiert – wenn überhaupt. Und dann ist es immer noch kaum möglich, die genauen Auswirkungen vorherzusagen. Immerhin wird wohl weniger als ein Zehntel aller Asteroiden in ein dicht bewohntes Gebiet einschlagen, ein regional verheerender Impakt ist also vielleicht alle 1000 – 3000 Jahre zu erwarten.

  5. Ein paar Anmerkungen:

    1.) Das Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken entstanden zeitgleich, wahrscheinlich durch den Impakt eines Asteroiden, dern von einem kleineren Mond begleitetet wurde.

    2.) Auf die Schwierigkeit, einen Einschlagort vorauszuberechnen und daraus folgend, die wahrscheinliche Unmöglichkeit, die Gefährdungszone so einzugrenzen, dass eine Evakuierung realistisch ist, wurde bereits in einem anderen Kommentar hingewiesen. Das ist genau der Punkt.

    Beispielsweise ist die 3-Sigma-Landezone einer Mars-Landesonde, die bis knapp vor dem atmosphärischen Eintritt in Funkkontakt mit der Erde steht, deren Bahn deswegen gut bekannt ist und die zudem auch noch im interplanetaren Flug gesteuert wird (all das hat man nicht bei einem anfliegenden Asteroiden) eine Ellipse mit einer Ausdehnung in der Längsachse von etwa 100 km, wenn der atmosphärische Flug nicht gesteuert ist. Bei einem Asteroiden, der sich der Erde nähert, hätte man Tage vor dem Eintritt wahrscheinlich eine weniger genaue Kenntnis der Bahn und deswegen eine höhere Unsicherheit des Einschlagsgebiets. Zudem ist die Gefährdungszone, wie im Artikel erwähnt, deutlich größer als die Zone, innerhalb derer der Einschlag erfolgen kann. Soll man ein ganzes Land evakuieren?

    3.) Der verlinkte Artikel des LANL enthält zahlreiche Passagen, die bei mir Zweifel an der Belastbarkeit der dort gemachten Aussagen hervorrufen. Beispielsweise wird die Menge des bei einem Impakt im Meer in die Atmosphäre transportierten Wassers auf “as much as 250 megatons” beziffert, was schwerwiegende Folgen für das Weltklima (“a significant impact in climate”) haben soll .

    250 Millionen Tonnen sind aber nicht viel – es sind 250 Millionen Kubikmeter, also ein Würfel von 630 Metern Kantenlänge. Wenn ich einmal googele, wie groß der Wassereintrag durch Verdunstung ist, finde ich Zahlen von 5*10^14 Kubikmeter pro Jahr. Das wären 1.5*10^12 Kubikmeter pro Tag, was jetzt auch nicht so superdramatisch ist – ein Würfel von etwas über 11 km Kantenlänge.

    250 Millionen Tonnen (was ja angeblich die Obergrenze für das beim Impakt verdampfte Wasser ein soll) wären ein einmaliger, verschwindend geringer Prozentsatz der täglichen natürlichen Verdunstung. Gerade mal 0.017%. Das soll das Weltklima wesentlich beeinflussen?

    Ich habe da noch so ein paar Punkte entdeckt, wo ich mich gefragt habe, ob der LANL-Artikel wohl etwas mit heißer Nadel gestrickt war.

    • Alles richtig (und wichtig), Michael. In der Tat ist es bisher kaum möglich, vorherzusagen, wo ein Asteroid genau einschlagen wird, zumal dann nicht, wenn man ihn erst Wochen oder Tage vorher entdeckt. Es ist außerdem nicht möglich, vorherzusagen, wie sich Druckwelle, Feuerball und Erdbeben beim Einschlag auswirken. Die Rechnungen, die da aufgemacht werden, sind allenfalls grobe Schätzungen. Eine Evakuierung ist sicherlich auch unmöglich, man könnte allenfalls versuchen, Menschen aus der 1-Sigma-Zone in Sicherheit zu bringen. Das bringt aber naturgemäß nicht viel, weil der Asteroid dort nur einer 68% Wahrscheinlichkeit einschlägt. Das LANL ist sichtlich stolz auf seine Simulationssoftware, aber die Klimawirkung des Wasserdampfs überschätzen sie wohl deutlich. Die Arbeit ist offenbar auch noch nicht in einem begutachteten Journal erschienen (kommt ja vielleicht noch). Insgesamt ist ein Schutz vor NEO-Einschlägen wohl möglich, wenn man die Objekte Jahre vorher entdeckt und rechtzeitig ablenken kann. Alles andere ist noch völlig unausgereift.

      • Na, wenn das LANL-Paper wirklich mal in einem Peer-Reviewed Journal eingereicht wird, werden die Autoren so ein selbstverliebtes Geschwalle voll mit hochtrabendem Jargon wie das hier um die Ohren gehauen bekommen.

        Visualization of this data is critical to understanding the science of the simulation. We note, however, that is often difficult for the scientist to create visualizations of the large data, due to the computing demands and the time it would take away from their simulations. The need for integrated in situ pipelines that include visualization is clear, though the easy integration may prove unwieldy. A ParaView Catalyst [14] adapter was developed for the xRage code. This adapter allowed Dr. Gisler to execute a ParaView pipeline at run time. The xRage adapter translates the AMR grid to an unstructured grid representation. Both the unstructured grid and a resampling to regular structured grids was used for different visualizations and analysis. Volume rendering was the primary use of the sampled data. Dr. Gisler used these visualizations as evidence that the simulations support his conclusions. He presented both his conclusions and the visual evidence to a diverse set of peers at the Second International Workshop on Asteroid Threat Assessment. The variety of visualizations showed that the current understanding is supported and that hypothesized forces were accounted for in the simulation (i.e. leading high pressure from the airburst).

        • Den Text hat wohl eher die Presseabteilung verbrochen. Niemand würde in einem wissenschaftlichen Text oder Abstract die eigenen Leute mit dem Doktortitel erwähnen (This adapter allowed Dr. Gisler to execute …). Ich hoffe doch, die beteiligten Wissenschaftler üben etwas mehr Zurückhaltung, wenn sie ihre Ergebnisse veröffentlichen.

  6. Wie gross ist die Gefahr, dass ein grosser Asteroid unentdeckt die Erde trifft?
    Das scheint mir die entscheidende Frage. Die nächste wichtige Frage wäre dann, ob man Beobachtungsinstrumente bauen kann, die diese Wahrscheinlichkeit stark reduzieren und die eine lange Vorwarnzeit garantieren. Ich denke an einen Asteroidentreffer, der nicht nur eine Stadt, sondern ein ganzes Land verwüsten kann oder der vorübergehend gar das Klima ändert.
    Im Internet finde ich dazu keine Antworten, obwohl diese oder eine ähnliche Frage schon gestellt und (unzulänglich) beantwortet wurde, beispielsweise unter dem Titel Could an asteroid hit earth undetected?
    Auch die oben verlinkte Arbeit mit den Treffersimulationen beantwortet diese wichtigen Fragen nicht.

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