Verschwörungstheorien, Fragen und Antworten

BLOG: Gedankenwerkstatt

die Psychologie irrationalen Denkens
Gedankenwerkstatt

Vor fast zehn Jahren, im August 2006, erschien mein Buch über Verschwörungs­theorien im Scherz-Verlag. Das Thema hat offenbar viele Menschen interessiert, der Verlag hat vor einem Monat die fünfte Auflage herausgebracht. Seit das Buch auf dem Markt, habe ich eine Reihe von Interviews gegeben und dabei festgestellt, dass einige Fragen immer wieder auftauchen. Deshalb habe ich die Antworten hier zusammengestellt.

Verschwörungstheorien sind aktueller denn je, in sozialen Netzen stolpert man alle naselang darüber. Und oftmals stammen sie von Facebook-Freunden, denen man das nie zugetraut hätte. Genau genommen haben sie die Geschichten fast nie selbst erfunden, sondern teilen sie lediglich. Das hätten wir eigentlich nie erwartet, und fragen uns: Was für Leute glauben überhaupt an Verschwörungstheorien? Aber ganz abgesehen davon klingen viele dieser Geschichte irgendwie plausibel, womit wir gleich bei der ersten Frage wären:

1. Frage: Woran erkennt man eine Verschwörungstheorie?

Das ist nicht immer einfach und lässt sich am besten an einem Beispiel erklären:

Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer, 4. Auflage 2016
Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer, 4. Auflage 2016

Ein Spiel wie ein Alptraum, zwei nicht gegebene Elfmeter, ein Abseitstor gegen die eigene Mannschaft. Bei der Presse­konferenz wütet der Trainer: „Kann ein Schiedsrichter wirklich so einseitige Fehler machen? Würde mich nicht wundern, wenn irgendwo in Asien teure Wetten auf das Spiel gelaufen sind. So macht man Fußball kaputt.“

Übersetzt heißt das: Die asiatische Wettmafia hat den Schiedsrichter bestochen, damit er das Spiel verschiebt. Der Trainer weiß das natürlich nicht, er vermutet es nur, sonst würde er Anzeige erstatten und Einspruch gegen die Wertung des Spiels einlegen. An diesem Beispiel erkennt man den typischen Aufbau einer Verschwörungstheorie:

  1. Es gibt mindestens einen verborgenen Gegner (SIE), der den eigenen Leuten (UNS) heimlich Böses zufügt.
  2. SIE wollen UNSERE wichtigsten Werte zerstören. Vielleicht beherrschen sie auch heimlich die Welt, negieren alle moralischen Werte, zerstören das Klima, untergraben die Freiheit oder knebeln das Internet.
  3. SIE sind heimlich für bestimmte Ereignisse, Vorgänge, Katastrophen oder Verbrechen verantwortlich.
  4. Eventuell kommt noch der vierte Punkt dazu: SIE müssen bekämpft werden, bevor SIE noch mehr Unheil anrichten.

Die gegnerische Gruppe ist typischerweise gesichtslos, so wie die asiatische Wettmafia im Beispiel. Ihre inneren Strukturen sind unbekannt, sie erscheint einfach diffus böse. Folgt man den Erzählungen, dann findet man meist die folgenden stereotypen (=klischeehaften) Eigenschaften: Böse, mächtig, verschlagen, allgegenwärtig, unsichtbar. Ich habe dafür den Namen Dämonenstereotyp geprägt.

2. Frage: Ist das wahr oder ist das eine Verschwörungstheorie?

Berichte über angebliche Verschwörungen gibt es wie Sand am Meer. Hier eine kleine Auswahl:

  1. Stimmt es, dass Flüchtlinge in Supermärkten stehlen, aber die Polizei nichts unternimmt, oder die jeweilige Stadt sogar den Schaden bezahlt? Haben Politiker in Land und Bund wirklich Anweisung erteilt, solche Diebstähle nicht zu verfolgen?
  2. Hat die amerikanische Regierung die Zerstörung des World Trade Center selbst inszeniert, um den Irak zu besetzen und direkten Zugriff auf die irakischen Ölreserven zu bekommen?
  3. Haben sich alle großen Hersteller von Glühlampen verschworen, die Haltbarkeit der Leuchten zu verringern, um mehr davon zu verkaufen?

(Auflösung weiter unten)

Im normalen Sprachgebrauch steht „Verschwörungstheorie“ immer für einen haltlosen falschen Verdacht. Tatsächlich sind solche Verdächtigungen aber per se weder wahr noch falsch. Wie kann das sein?

Bleiben wir bei dem Beispiel des Trainers, der dem Schiedsrichter unterstellt, er habe das Spiel verschoben.

Das ist ohne Zweifel eine Verschwörungstheorie, aber sie muss nicht zwangsläufig falsch sein. Die asiatische Wettmafia und andere kriminelle Organisationen haben tatsächlich schon Schiedsrichter und Spieler bestochen. Dabei ist viel Geld geflossen und noch mehr Geld gewaschen worden. Ob in diesem konkreten Fall das Spiel wirklich verschoben wurde, können wir aber nicht entscheiden. Der Trainer weiß es auch nicht, er hat lediglich voller Wut einen Verdacht in die Welt gesetzt. Seine Verschwörungstheorie lebt aber nur in seinem Kopf und erlaubt keine Rückschlüsse auf die Wirklichkeit. Sie ist wirklichkeitsfrei.

Ganz allgemein: Verschwörungstheorien geben immer nur einen Verdacht wieder. Manche Menschen schmücken ihn liebevoll aus und schreiben ganze Bücher darüber. Aber das ändert nicht: Verschwörungstheorien bleiben ein rein geistiges, wirklichkeitsfreies Konstrukt.

Auflösung der Beispiele:

1. Vertuschen deutsche Behörden, das Flüchtlinge in Supermarkt massenhaft Waren klauen?

Das Internetportal Hoaxmap hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gerüchte über Asylsuchende und Flüchtlinge zu überprüfen. Es listet diverse Falschmeldungen über Diebstähle in Supermärkten, die angeblich von Asylbewerbern begangen wurden. Bisher sind alle widerlegt worden. Deshalb ist auch die weitergehende Behauptung falsch, die Polizei bliebe untätig oder die Städte kämen für den Schaden auf. Das in bestimmten Kreisen verbreitete Misstrauen gegen Asylbewerber sorgt aber dafür, dass viele Menschen frei erfundene Meldungen in sozialen Medien ohne Bedenken teilen.

2. Hat die amerikanische Regierung die Zerstörung des World Trade Center inszeniert, um einen Vorwand für die Besetzung Afghanistans und des Irak zu haben?

Der saudi-arabische Terroristenführer Osama bin Laden hat mehrfach erklärt, seine Terror-Organisation al-Qaida habe die Attentate auf das World Trade Center und das Pentagon vorbereitet und durchgeführt. Aber gerade in Europa glauben viele Menschen trotzdem, die amerikanische Regierung habe diese Verbrechen selbst in Auftrag gegeben oder sogar selbst durchgeführt. Das ist eine bemerkenswerte Anschuldigung, denn den Auftraggebern und den Handlangern würde in den USA nicht weniger als die Todesstrafe drohen. Sie müssten sich unter anderem wegen Hochverrat, Mord in mehr als 3000 Fällen, und die Verschwörung zu diesen Straftaten verantworten. Nach amerikanischem Recht kann jeder Teilnehmer einer kriminellen Verschwörung für alle Straftaten herangezogen werden, die einer der Verschwörer begangen hat. Wer sich als Kronzeuge zur Verfügung stellt, darf aber mit Straferlass oder vollständiger Amnestie rechnen. Bisher hat sich niemand gemeldet, obwohl die Verschwörung mehrere tausend Mitwisser gehabt haben müsste. Das spricht eher gegen eine Beteiligung der US-Regierung, ohne die Details einzusteigen.

Schon Niccolò Machiavelli hat darauf hingewiesen, dass es unmöglich ist, eine Verschwörung auf Dauer geheim zu halten, wenn die Anzahl der Verschwörer drei oder vier übersteigt. Ganz allgemein ist eine kriminelle Verschwörung immer ein Rennen gegen die Zeit. Die einzige Möglichkeit, für Geheimhaltung zu sorgen, sei es, so schrieb Machiavelli, den Verschwörern keine Zeit zum Verrat zu lassen. Eine Verschwörung von mehreren tausend Menschen über mehr als 10 Jahre dürfen wir demnach als äußerst unwahrscheinlich ansehen. Schon die wesentlich kleineren Verschwörung von Osama bin Laden stand, der Rekonstruktion nach, mehrfach kurz vor dem Scheitern.

Von allen Wahrscheinlichkeiten einmal abgesehen: Der Verdacht, die US-Regierung habe ein solches Verbrechen im eigenen Land begangen oder gedeckt, weist auf das in aller Welt verbreitete Misstrauen gegen die USA hin.

3. Haben sich die Hersteller von Glühlampen verabredet die Lebensdauer der Brennfäden zu begrenzen?

Diese immer wieder verbreitete Behauptung stimmt tatsächlich. In den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts legten die führenden Hersteller von Glühlampen, darunter Osram, Philips, Tungsram und GE eine Reihe von gemeinsamen Standards fest (siehe Wikipedia-Eintrag Phoebuskartell). Unter anderem vereinbarten sie, dass Brenndauer der von ihnen produzierten Glühlampen 1000 Stunden nicht überschreiten sollte. Gleichzeitig teilten die Firmen die Märkte untereinander auf.

Die Funktionszeit einer Glühbirne hängt hauptsächlich von der Temperatur des Glühfadens ab. Je heißer er wird, desto heller leuchtet er, aber umso schneller brennt er durch. Man kann die 1000 Stunden Lebensdauer deshalb als sinnvollen Kompromiss zwischen verschiedenen Anforderungen auffassen. Andererseits könnte das jede Firma auch in Eigenregie entscheiden. Eine Absprache darüber ist im besten Fall grenzwertig. Ganz sicher verboten war aber die Beschränkung des Wettbewerbs in den verschiedenen Märkten. Anfang der Vierzigerjahre kam die Sache heraus, und im Jahr 1953 verbot die US-Regierung die Gebietsabsprachen und die Vereinbarung zur Begrenzung der Lebensdauer von Glühbirnen. Damit war das Kartell erloschen. Manche Menschen meinen allerdings, es existiere noch heute, und die EU habe die Glühbirnen im Auftrag des Kartells verboten, um den Verkauf von teuren Energiesparlampen und LEDs zu fördern.

3. Frage: Was sind das für Leute, die solche Sachen glauben?

Leiden die Anhänger von Verschwörungstheorien unter irgendeiner geistigen Störung? Kann ein geistig gesunder Mensch tatsächlich glauben, dass die US-Regierung die Mondlandung nur vorgetäuscht hat, Kondensstreifen in Wahrheit aus heimlich versprühten Giften bestehen, oder viele Prominente in Wahrheit gut getarnte außerirdische Reptilien sind?

Diese Fragen kommen bei nahezu jedem Interview. Und immer wieder antworte ich das gleiche: Nein, Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, sind im allgemeinen geistig völlig normal. Schließlich sind wirkliche Verschwörungen, Komplotte, Kartelle und Intrigen fast allgegenwärtig und mancher Verdacht erweist sich als richtig.

Wissenschaftliche Studien geben ebenfalls keinen Hinweis darauf, das geistige Störungen eine verbreitete Ursache für den Erfolg von Verschwörungstheorien sind. Sie zeigen allenfalls, dass jemand, der an eine bestimmte Verschwörung glaubt, auch andere Komplotte für wahrscheinlich hält.1 Ist er also besonders leichtgläubig? Der amerikanische Historiker Richard Hofstadter nimmt eher das Gegenteil an. In seinem wegweisenden Essay „The Paranoid Style in American Politics“ aus dem Jahr 1964 sieht er die politische Rechte in den USA als geradezu zerfressen von einem generellen Misstrauen (paranoia = Verfolgungswahn) gegen die Eliten.2 Hofstadter ist kein Mediziner oder Psychologe, sondern Historiker. Er diagnostiziert keine geistige Störung, sondern attestiert lediglich eine besonders einseitige und starre Geisteshaltung und leiht sich dafür das Wort „paranoid“ aus.

Die meisten politischen Verschwörungstheorien treten in Gruppen auf: Rechte und Linke, Konservative oder Progressive, Liberale oder Sozialisten haben jeweils andere Ideen, welche Teile der Wirklichkeit von geheimen Mächten vorgetäuscht sind. Sie sind also misstrauisch gegen alles, was ihrem Weltbild widerspricht, und akzeptieren willig unlogische und komplexe Ideen, wenn sie in ihr ideologisches Schema passen. Solche verbohrten Gestalten gehen anderen gehörig auf die Nerven, aber sie sind im medizinischen Sinne geistig normal. Auch andere Menschen neigen gelegentlich zu extremem Misstrauen gegenüber anderen Gruppen. Tatsächlich hängt die Verbreitung einer Verschwörungstheorie eher von der aktuellen Situation als von der geistigen Disposition des einzelnen ab. Ein Beispiel: Am 4. Oktober 1914, also kurz nach Beginn des ersten Weltkriegs, veröffentlichten 93 deutsche Intellektuelle unter dem Titel „An die Kulturwelt!“ eine Rechtfertigung des brutalen Vorgehens der deutschen Heeres in Belgien. Sie bestritten zunächst die deutsche Schuld am Ausbruch des Krieges:

Es ist nicht wahr, daß Deutschland diesen Krieg verschuldet hat. Weder das Volk hat ihn gewollt noch die Regierung noch der Kaiser … Erst als eine schon lange an den Grenzen lauernde Übermacht von drei Seiten über unser Volk herfiel, hat es sich erhoben wie ein Mann.

Weiter schrieben sie u.a.:

Es ist nicht wahr, daß wir freventlich die Neutralität Belgiens verletzt haben. Nachweislich waren Frankreich und England zu ihrer Verletzung entschlossen. Nachweislich war Belgien damit einverstanden. Selbstvernichtung wäre es gewesen, ihnen nicht zuvorzukommen.

Beide Behauptungen sind falsch, aber viele Deutsche betrachteten die Idee eines allgemeinen Komplotts gegen Deutschland und einer heimlichen Absprache der Belgier mit den Frankreich las unbestreitbare Tatsache. Belgien wollte natürlich niemals Kriegsschauplatz werden, und es gab auch keinen Grund, das anzunehmen.

Das bemerkenswerte Dokument trägt unter anderem die Unterschriften von Max Planck, Wilhelm Konrad Röntgen, Ernst Haeckel, Max Reinhard und Gerhard Hauptmann.3

Keiner dieser Wissenschaftler und Künstler war vorher durch einen besonderen Hang zu Verschwörungstheorien aufgefallen. Aber jetzt sahen sie Deutschland als Opfer finsterer Machenschaften seiner damaligen Gegner. Ihr Aufruf traf die Stimmung in Deutschland und Österreich, stieß im Ausland aber auf einhellige Ablehnung.

Ganz allgemein gilt: Die Verbreitung von Verschwörungstheorien ist weniger eine Funktion der individuellen Disposition als vielmehr der sozialen und politischen Situation.4

Anmerkungen

[1] Eine gute Übersicht der aktuellen Veröffentlichungen findet sich zum Beispiel in diesem Paper:
Swami, Viren, et al. “Conspiracist ideation in Britain and Austria: Evidence of a monological belief system and associations between individual psychological differences and real‐world and fictitious conspiracy theories.” British Journal of Psychology 102.3 (2011): 443-463.

[2] Hofstadter, Richard. “The paranoid style in American politics.” Harper’s Magazine 229.1374 (1964): 77-86.

[3] Das ganze Dokument findet sich beispielsweise auf der Webseite des Deutschen Historischen Instituts in Washington D.C.

[4] Menschen (auch Wissenschaftler) neigen dazu, die Bedeutung der individuellen Disposition systematisch zu überschätzen. Diese Fehler ist so auffällig, dass man ihn als „fundamentalen Attributionsfehler“ bezeichnet.

Thomas Grüter

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

5 Kommentare

  1. Spontane Reaktion auf das in Anm. 3 genannte Dokument: Das ist ja “furchtbar” .. Ehre, Stolz, Patriotismus ..

  2. Inwieweit spielt dabei der Schutz der eigenen Meinung vor der Wirklichkeit eine Rolle?

    Beispiel: Ich weiß, der Kommunismus hat recht. Das ist zweifelsfrei wissenschaftlich belegt. Bei Wahlen kriegen kommunistische Parteien 0,5%. Wie soll ich meine Meinung noch rechtfertigen, wenn ich nicht daran glaube, dass eine Verblödungs- oder Unterdrückungsindustrie die Massen davon abhält, die Wahrheit zu erkennen?

  3. Vielleicht sind V-Theorien auch der Versuch , die herrschenden Verhältnisse infrage zu stellen , nur werden dabei dieselben Mittel angewandt , die bereits zu den herrschenden Verhältnissen geführt haben , der V-Theoretiker versucht etwas , was mittelfristig zum Scheitern verurteilt ist , er bekämpft das System , indem er es abbildet , nur in besonders absurder und überzeichneter Weise .
    Daher hat man auch oft den Eindruck der Satire , obwohl das die V-Theoretiker weit von sich weisen würden.

    Einfach gestrickte Denkweisen jedoch wurden nicht von den V-Theoretikern in die Welt gesetzt , vielmehr folgen die V-Theoretiker den Pfaden , die jene ausgetreten haben , die sich heute für die Vernünftigen halten und dabei keinerlei Selbstzweifel mehr kennen, womit nicht diejenigen gemeint sind , die versuchen , vernünftig an etwas heranzugehen , sondern diejenigen , die absolute Wahrheiten verbreiten , im Namen des Guten , des Alternativlosen oder des “Korrekten”.

    Die V-Theoretiker übersteigern dieses Prinzip nur , sie setzen sich ins gemachte Nest , sie sind daher Teil des Systems und nicht , wie sie selber glauben , deren Gegner.

    • Gerade in Deutschland neigen viele Menschen dazu, die Anhänger von Verschwörungstheorien als eher bedauernswerte Zeitgenossen anzusehen, die mit der Komplexität der Welt überfordert sind, und deshalb ein rigoroses Schema von Gut und Böse brauchen. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. In vielen Staaten der Welt pflegen die Regierungen ein “offizielles” Feindbild, das sie mit ständig neuen Verschwörungstheorien unterfüttern. Markante aktuelle Beispiele sind beispielsweise die Regierungen von Ungarn, Venezuela und der Türkei. Populistische und diktatorische Regime begründen die Unterdrückung der Opposition gerne mit der Bedrohung von außen, die natürlich mit allen Kräften bekämpft werden muss. Jede inländische Opposition gerät sofort in den Verdacht, diesen Kampf zu schwächen oder gar mit den ausländischen Verschwörern zusammenzuarbeiten. Hier geht es nicht dann nicht darum, die herrschenden Verhältnisse in Frage zu stellen, sondern im Gegenteil, jede Frage im Keim zu ersticken.

      • So ist es , das Gefährliche an diesen Machthabern ist , daß sie Verschwörungen mehrheitlich nicht glauben , sondern benutzen und über tatsächliche Macht verfügen , daraus ganz reale Bedrohungen zu zimmern , die dann eben nicht mehr nur theoretisch sind.

        Allerdings können die nicht auf jene Theorien zurückgreifen , wie sie die 9/11 – oder Mond-Verschwörer aufstellen. Der letztere Typus des V-Theoretikers wird sich immer eine Theorie suchen , die gegen das Herrschende geht .
        Das sind keine Herdentiere , die bei der Masse ankommen wollen , das sind eher sowas wie querulatorische Oppositionelle , die auch sofort das Gegenteil ihrer eigenen Theorie behaupten würden , wenn sie aus Versehen mal die Masse überzeugen sollten (was allerdings kaum geschehen wird , weil sie ihre Theorien von vorneherein so ausfstellen , daß es nicht so weit kommt)
        Im Unterschied dazu Antisemiten und ähnliche , die sehr wohl die Masse im Visier haben und daher auch ideologisches Futter für Pogrome und Unterdrückung liefern können.

Schreibe einen Kommentar