Traumzeit

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die Psychologie irrationalen Denkens
Gedankenwerkstatt

Der amerikanische Science-Fiction-Autor Neal Stevenson hat in einem Interview mit der Zeitschrift Technology Review im April 2012 den Pessimismus moderner Science-Fiction-Romane beklagt.

Stevenson gehört zu den Großen der Branche und ist unter anderem durch seine Romane Snow Crash und Diamond Age bekannt. Darin greift er aktuelle Fehlentwicklungen auf und verdichtet sie zu dystopischen Visionen der nahen Zukunft.

Genau wie ich hat er in seiner Jugend atemlos die Mondlandungen verfolgt. Er träumte von Reisen zum Mars und von großen ringförmigen Raumstationen in der Erdumlaufbahn. Mehr als 40 Jahre später ist nichts davon Realität geworden, stattdessen haben die USA ihr bemanntes Raumfahrtprogramm eingestellt.

„Große Dinge werden nicht mehr angefasst“, meint Neal Stevenson. Die grandiosen Visionen der sechziger Jahre sind verloren gegangen. Die Nebula-Awards (der Preis der Science-Fiction and Fantasy Writers of America Inc.) ist in den letzten zehn Jahren nur noch an Fantasy-Bücher oder Dystopien gegangen. In Deutschland gab es mit Frank Schätzings Buch Limit immerhin eine technische Zukunftsvision zu kaufen, die nicht von vornherein negativ angelegt war. Ansonsten ist das Angebot eher traurig. Als ich am Abend des 3. Mai bei Amazon nachgesehen habe, standen auf den ersten zwanzig Plätzen 12 Perry-Rhodan-Romane bzw. -Hefte. Bei ihnen geht es meist weniger um Raumfahrt, als mehr um Krieg.

Deshalb möchte ich hier an einige der herausragenden Autoren der fünfziger und sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts erinnern, eine Zeit, die ich als Traumzeit der Science-Fiction bezeichne. In Deutschland scheint es wieder eine Nachfrage nach diesen Büchern zu geben, denn viele von ihnen sind in den letzten Jahren neu übersetzt oder neu aufgelegt worden.

Der wohl bekannteste Autor der Traumzeit ist Isaac Asimov (1920 – 1992). Obwohl er im Hauptberuf Schrifsteller war, hatte er noch eine Professur für Biochemie an der Universität Boston. Kaum ein anderer Autor hat so viele Bücher veröffentlicht und dabei zugleich ein sehr hohes Niveau gehalten. Viele seiner Science-Fiction-Bücher kreisen um zwei Schwerpunkte: die positronischen Roboter und das galaktische Imperium. Als einer der Ersten hat er sich Gedanken um das Zusammenleben von intelligenten Robotern und Menschen gemacht. Viele von Asimovs Kurzgeschichten befassen sich mit den Konflikten und Paradoxien, die aus seinen drei Roboter-Gesetzen entstehen können (siehe auch Boris Hänßlers Blog).

Das andere Thema von Asimov war das Schicksal des galaktischen Imperiums. Aliens spielen darin keine Rolle, das Millionen von Planeten umfassende Reich von Trantor ist nur von Menschen bewohnt. Asimov setzte selbstverständlich voraus, dass die Menschheit die Erde überwinden und die Galaxis besiedeln würde. Allerdings ist in seinem Zukunftsentwurf die Erde zum Großteil radioaktiv verseucht und nur wenige Menschen leben noch dort. In dem Buch Radioaktiv …!, jetzt neu übersetzt als Ein Sandkorn am Himmel beschreibt Asimov, wie ein Mensch von heute in diese Welt versetzt wird und einen Terrorangriff auf das Universum verhindert. Das Buch ist auch in der heutigen Zeit immer noch sehr spannend und wirkt noch immer aktuell.

Die letzten beiden Bände der Foundation-Trilogie habe ich vor mehr als dreißig Jahren gelesen und fand sie damals sehr spannend und überzeugend. Als ich vor einigen Monaten den ersten Band lesen wollte, war ich etwas enttäuscht. Seine endlose Dialoge und die diplomatischen Verwicklungen kamen mir hohl und langweilig vor. Die Zeiten haben sich eben geändert und sicherlich auch mein Geschmack, was Bücher angeht.

Der Engländer Arthur C. Clarke (1917 – 2008) brachte schon 1945 die Idee auf, Fernmeldesatelliten als Relaisstationen in einem geostationären Orbit zu parken. Er schrieb zusammen mit Regisseur Stanley Kubrick das Drehbuch zu dem 1968 uraufgeführten Film 2001 – Odyssee im Weltraum. Sein gleichnamiges, wenig später erschienenes Buch wies eine Reihe von Änderungen gegenüber dem Film auf, um die Handlung etwas plausibler zu gestalten. Für das Jahr 2001 sah der Plot bereits eine internationale ringförmige Raumstation und eine permanente Mondbasis vor. Ein intelligenter Computer leitet die Mission zum Jupiter (Film) oder Saturn (Buch). Die Menschheit ist auf dem Sprung zur Besiedlung des Sonnensystems. Das Buch ist auf Deutsch leider nur noch antiquarisch erhältlich. Clarkes Buch Die Stadt und die Sterne hat der Heyne-Verlag dagegen 2011 neu übersetzt und veröffentlicht. Das darin vorgestellte Konzept der selbsterhaltenden Stadt Diaspar, die über eine Milliarde Jahre von einem hochintelligenten Computersystem (dem Zentralgehirn) gesteuert wird, ist und bleibt faszinierend. Die Menschen dort sind fast unsterblich, ihr Gedächtnis und ihre Persönlichkeit werden in einem riesigen Computerspeicher aufbewahrt. Daraus generiert das Zentralgehirn ab und zu einen Körper, der dann tausend Jahre lang in der Stadt leben darf. Diaspar ist mit einer Kuppel gegen die Umwelt abgeschlossen. Ihre Bewohner leiden unter einer instinktiven Angst vor freien Plätzen, und die Gründungslegende behauptet, dass ein unbarmherziger Gegner den Menschen einst ihr galaktisches Imperium entriss und ihnen nur die eine Stadt auf der Erde ließ, die sie nie wieder verlassen durften. Erst Alvin, der Held der Geschichte, deckt die Lüge hinter der Legende auf …

Der dritte Schriftsteller aus der Traumzeit, den ich hier vorstellen möchte, heißt Clifford D. Simak (1904 – 1988). Sein Thema sind nicht die großen galaktischen Reiche, die Technik und die Tücken von Raumschiffen oder die Kriege mit Aliens. Er schildert die menschliche Seite des Fortschritts. Seine Protagonisten sind normale Menschen und sie müssen sich mit Dingen herumschlagen, die sie nicht verstehen. Der Heyne-Verlag hat die Geschichtensammlung Als es noch Menschen gab im Jahre 2010 neu aufgelegt, alle anderen Bücher kann man leider nur noch antiquarisch kaufen. Simaks Roboter und Aliens sind oft menschlicher als die Menschen, wie beispielsweise der freundliche Roboter Jürgens aus dem Roman Special Deliverance (deutsch: Poker um die Zukunft). Er fragt ganz am Anfang den Protagonisten, ob er eine Macke habe. Der verneint etwas verblüfft.

„Es ist mein Hobby, Menschen zu sammeln, die eine Macke haben“, erwiderte der Roboter. „Ich kenne jemanden, der sich für Gott hält, und zwar immer dann, wenn er betrunken ist.“

„Damit kann ich nicht dienen“, versicherte Lansing. „Betrunken oder nüchtern – für Gott habe ich mich noch nie gehalten.“

„Ach“, erwiderte Jürgens, „das ist doch nur eine Spielart des Verrücktseins. Es gibt noch viele andere.“1

Simaks Geschichten entwickeln sich langsam, und man muss etwas für skurrile Situationen und Charaktere übrig haben, um seine Romane schätzen zu können. Er beherrscht die uralte Kunst des Erzählens und er schreibt im Grunde Märchen für Erwachsene.

Natürlich haben viele andere Autoren in der Traumzeit an den Visionen einer raumfahrenden Menschheit mitgearbeitet, z. B. Paul Anderson, Harry Harrison, Larry Niven oder Robert Heinlein, um nur einige zu nennen.

Wenn ich mich heute umsehe, dann sind diese Visionen verblasst. Star Wars spielt vor langer Zeit in einer anderen Galaxis. Die hervorragend gemachte Fernsehserie Battlestar Galactica zeigt eine dystopische Zukunft, die sich am Schluss als ferne Vergangenheit herausstellt.

Ist der Aufbruch der Menschen ins All nur noch ein verblassender Kindheitstraum der heute 40 bis 60jährigen? Denken die Jüngeren nur noch von ihrer Karriere? Träumen sie nur noch von virtuellen Abenteuern bei World of Warcraft? Bald werden die Mondlandungen nur noch Geschichte sein, wie jetzt schon die erste Erdumrundung. Wer kennt noch die Namen Hermann Oberth, Juri Gagarin und Wernher von Braun?

Wenn die Träume vergessen sind, wenn die großen Ziele gestorben sind, welche Zukunft bleibt dann noch für die Menschheit?

[1] Clifford D. Simak (1983) Poker um die Zukunft. Knaur Verlag, München, p43

Thomas Grüter

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

19 Kommentare

  1. Phantastik und Futurologie

    “Viele von Asimovs Kurzgeschichten befassen sich mit den Konflikten und Paradoxien, die aus seinen drei Roboter-Gesetzen entstehen können”

    Das solltest du mal vergleichen mit den Konflikten und Paradoxien, die allein aus dem Mac-Flacon-Glumbkin-Ramphorney-Hmurling-Piaffka-Snowman-Fitolis-Birmingdaque-Phootley-Caropka-Phalseley-Groggerner-Maydansky-Gesetz entstehen können.

    Da haben Logiker, Juristen und Roboter (oder Planeten?) ihren Spaß dran. Genauer beschrieben wird das in “Die Waschmaschinentragödie” (enthalten in “Sterntagebücher”). Der Autor, Stanislaw Lem, verdient sicher ebenfalls eine Erwähnung in deiner (T)raumzeit-Liste.

    Und ein optimistisches Happy End wird in der Geschichte dann auch noch geliefert.

  2. Visionen

    Ich glaube, in Zeiten, wo hoch geachtete Politiker behaupten, dass man zum Arzt gehen solle, wenn man Visionen hat, sind eben diese wirklich nicht sonderlich gefragt. (Andrerseits erlaube ich mir aber auch die Frage, ob jener Politiker nicht inzwischen an altersbedingten Wahrnehmungsdefiziten bzw. Starrsinn leidet?)

    Wenn ich dann noch lese, dass heutige Jugendliche die Verfilmung der Apollo 13 Ereignisse für Science Fiction halten, frag ich mich auch, wo die grossen Visionen von einst (und Teile der Allgemeinbildung) geblieben sind. – Meine Antwort auf die Frage ist ja, das mächtige Gruppen aus Politik und Wirtschaft überhaupt kein Interesse daran haben, dass das Volk derartige Visionen hat und dementsprechend dafür sorgen, das solche Visionen klein gehalten und von vorn herein für verrückt bzw. unrealisierbar erklärt werden. Aber ich denke auch, dass es so nicht mehr lange weiter geht, und sich früher oder später wieder eine grosse Vision breit macht, die die Welt erfasst, die Menschen anzieht und zu deren Umsetzung viele ihren Beitrag leisten werden.

    Was die drei letzt nachgefragten Namen angeht, die sind mir durchaus bekannt, was aber auch daran liegt, das ich mich neben der SF auch für Raumfahrt und Astronomie interessiere.
    Was eine permanente Basis auf dem Mond angeht, so halte ich es für möglich, diese zumindest technisch innerhalb von 10 Jahten zu realisieren. Wenn man allerdings das gesellschaftliche und politische Umfeld in Europa und den USA heut zu Tage betrachtet, wird wahrscheinlich auch in 50 Jahren nichts daraus werden. – Es sei denn, die Chinesen machen es vor. Denen traue ich es durchaus zu, dass sie in den 2020er Jahren damit anfangen, eine Basis auf dem Mond zu errichten und Europa, USA und Japan dumm darstehen lassen.

    Noch eine kleine Anmerkung am Rande: Die hervorragende Serie um das Raumschiff Galactica heisst Battle_star_ Galactica nicht Battle_ship_. Und gerade der Schluss dieser Serie hat mich doch ziemlich lange beschäftigt und tut es im Grunde immer noch. Das liegt wohl daran, dass er mir nicht wirklich gefällt, obwohl er aus Sicht der Protagonisten durchaus sinnvoll ist.

  3. @hans

    Ja, es sieht im Moment wirklich nicht so aus, als bo die USA den Elan aufbrächten, eine Mondstation zu errichten, oder auch nur ihr bemanntes Weltraumprogramm zu erneuern. Ob die Chinesen wirklich den Mond besuchen wollen, ist im Moment auch noch unklar. Vage Pläne sind keine festen Vorhaben. Aber immerhin wäre es möglich.

    Besten Dank für den Hinweis auf den Schreibfehler (Battleship statt Battlestar, ist korrigiert).

  4. Die Zukunft kommt auf leisen Sohlen

    Science-Fiction Autoren wie Clarke, Asimov, Lem, die mit Filmen wie 2001 Space Odessey oder Solaris assoziert werden, zeigen den Menschen in einer kosmologisch bedeutenderen Rolle als er es heute ist.

    Raumfahrt war zentral für diese neue Rolle des Menschen. Doch die reale, staatlich getragene Raumfahrt a la Nasa steckt schon lange fest und niemand glaubt mehr an eine baldige Space Odessey weder im Jahre 2001 noch im Jahre 2051.

    Statt dessen scheinen wir alle hier eine andere Abzweigung in der Viele-Welten-Realität genommen zu haben, einen Weg der zur Neudefinition von Privatheit versus Öffentlichkeit, persönlichem Wohl versus allgemeinem Wohl, persönlicher Macht versus Staatsmacht, Freiheit und Zwang führen könnte – führen könnte, denn wir befinden uns mitten in diesem Prozess.

    Technosozial ist er gekennzeichnet durch Phänomene wie Facebook, personalisierte Werbung, Wikileaks, Anonymous, Piratenpartei, personalisierte und vernetzte Medizin , gadgetmässig wird er repräsentiert durch Smartphones, Tablet-Computer, GPS, DNA-Scanner in jeder Arztpraxis, 3D-Drucker (aka additive manufacturing) und softwaremässig gehören Gesichts- und Spracherkennung, assistiertes Fahren, Cloud-Computing, Cloud-Storage und Systeme zur Vergabe von Zugriffsrechten unter Freunden/Feinden und Firmen dazu, politisch/sozial äusserst sich dieser Weg auf der ernsteren Seite in Volksaufständen bei denen die sozialen Medien (Facebook/Twitter) eine Rolle spielen wie das beim Green Movement im Iran oder beim arabischen Frühling der Fall war, er äusserst sich aber auch in der Bildung neuer Communities wie den Bloggern, den Online-Spielern oder den Online-Education Teilnehmern. Auf der Unterhaltungsschiene bespielen Big Brother, Dschungelcamp und Casting-Shows das Thema Einzelner im Spannungsverhältnis zur Gemeinschaft.

    Kein Science-Fiction Autor hat dieses Spannungsfeld Einzelner versus Öffentlichkeit/Gemeinschaft/Community vorweggenommen und realistisch zum Ausdruck gebracht. Am ehesten findet es sich noch bei Philip K. Dick in Werken, die ihren Weg in die Kinos genommen haben als Blade Runner, Minority Report, Total Recall, wobei diese Zukunftsvisionen etwas totalitäres an sich haben, dass uns hoffentlich nicht erwartet. Philip K.Dicks Erzählstil passt übrigens gut zum Thema Einer versus Viele. Dies zeigt auch folgendes Wikipedia-Zitat:

    Im Stil des Philip K. Dick wird der Leser szenenweise von der Gedankenwelt des einen Protagonisten in die des nächsten geführt. Auf diese Weise entsteht ein Pluralismus, der eine kategorische Absage an den Ich-Erzähler verkörpert und dennoch die Protagonisten nicht unreflektiert von außen betrachtet, sondern ihre teilweise gegensinnigen Ansichten, aber auch Weltvorstellungen nebeneinander stellt. Viele Geschichten enden weder glücklich noch tragisch, sondern lassen den verwirrten Leser am Ende des Buches allein. Er muss sich seine eigene Wirklichkeit aufbauen, nachdem er eine gewisse Zeit mit Dicks Figuren verbracht hat.

    Diese eigene Wirklichkeit müssen auch wir alle aufbauen, die wir eingetaucht sind in dieses Spannungsfeld Individuum versus Gemeinschaft und Staat.

  5. Ende der Traumzeit?

    Mein Vorredner @Hans hat die Sache z.T. schon auf den Punkt gebracht, warum es keine großen Visionen mehr gibt. Besonders die Feststellung finde ich richtig, “das mächtige Gruppen aus Politik und Wirtschaft überhaupt kein Interesse daran haben, dass das Volk derartige Visionen hat und dementsprechend dafür sorgen, das solche Visionen klein gehalten und von vorn herein für verrückt bzw. unrealisierbar erklärt werden.”

    Mit einem Science-Fiction könnte man unsere Zeit schon vergleichen. Es handelt sich hier aber nicht um eine Geschichte, die von großen Visionen, interessanten Abenteuern und einer besseren Welt handelt. Nein, wir leben in einer Zeit, in der das “Volk” zur manipulierbaren Masse verkommen ist und ständig von Politik und Wirtschaft an der Kandare gehalten wird. Die moderne Gesellschaft, lässt dem Individuum nur so viel Freiheit, wie zur Erlangung von Konsumzielen benötigt wird. Die moderne Zivilisation lähmt die Menschen und Träume wirken sich eher störend aus, schaffen sie doch in der Regel keinen Mehrwert.

    Der Begriff “Traumzeit” stammt aus der Mythologie der australischen Aborigines. Dabei handelt es sich um Geschichten einer universellen, raum- und zeitlosen Welt, die ständig neue Realitäten gebiert und auf diese Weise die “Traumzeit” ständig mit neuen Vorgängen füllt und erfüllt.

    Dieser Vorgang scheint momentan unterbrochen zu sein. Oder ist es nur eine Art Wellenbewegung, die zurückschwappt um sich dann wieder Bahn zu brechen, wie @Hans meint, der schrieb: ” Aber ich denke auch, dass es so nicht mehr lange weiter geht, und sich früher oder später wieder eine grosse Vision breit macht, die die Welt erfasst, die Menschen anzieht und zu deren Umsetzung viele ihren Beitrag leisten werden.”

  6. Vision und Realität

    Die früheren Visionen zur Entwicklung von Raumfahrt stammen aus Zeiten, als man wenig Ahnung von der Realität hatte. Heute weiß man, dass der menschliche Körper in der Schwerelosigkeit massiv abbaut bzw. außerhalb des magnetischen Schutzschildes des Erde durch Strahlung gefährdet wird. Aus diesem Grund ist die märchenhafte Vision eines Aufbruchs ins All nicht mehr sehr erstrebenswert – noch dazu, wo es keinne zweiten erdähnlichen Planeten in erreichbarer Entfernung gibt.

  7. Visionen @KRichard

    Was Sie schreiben, kann ich so nicht nachvollziehen. Die Firmen, die kommerzielle Raumfahrt betreiben wollen, sind sehr wohl ambitioniert. Wenn man z.B. im Weltraum oder auf dem Mond ein Disneyland für Reiche betreiben will, womit sich sehr viel Geld verdienen lässt, dann lassen sich auch diverse Schwierigkeiten überwinden.
    Außerdem sind viele der Menschheitsträume schon wahrgeworden. Denken Sie doch nur mal an den Traum vom Fliegen, das war letztlich auch nur eine Frage der technischen Entwicklung, obwohl Fliegen lange Zeit als Utopie galt.

  8. Visionen zum Zweiten

    Nun ja, es mögen im Moment noch vage Pläne sein, die die Chienesen in Sachen Mondbasis haben, aber sie arbeiten sich kontinuierlich in der Entwicklung von Trägerraketen und Raumschiffen vor. Und wenn sie so weiter machen, dann werden sie irgendwann das Niveau und die technischen Fähigkeiten der Amerikaner erreichen und sie überholen, wenn die so weiter machen wie es zur Zeit der Fall ist.

    @KRichard: Nun ja, die frühen Visionen der Raumfahrt, mögen in ihrer ursprünglichen Form vielleicht nicht mehr Sinnvoll sein, aber ich würde sie dennoch nicht als überholt betrachten. Ich denke vielmehr, das man Mittel und Wege finden wird, um Menschen im Weltraum vor der Strahlung zu schützen, die die heutigen Möglichkeiten übertreffen. Ebenso bin ich Sicher, das man eines Tages auch die Schwerkraft soweit verstanden haben wird, das man sie künstlich erzeugen kann. Das werden wir sehr wahrscheinlich zwar nicht mehr erleben, aber ich schliesse es auch nicht grundsätzlich aus.

    @Mona: es ist doch immer wieder interessant, Ihre Beiträge zu lesen, sei es nun hier, bei Herrn Kahn oder sonstwem. Und es freut mich natürlich, das ich mit meiner Meinung nicht alleine bin.

  9. @Mona und Hans

    Ich würde die Rolle der Politik beim Fehlen von Visionen nicht überschätzen. Um hier wieder einen der klassischen Science-Fiction zu zitieren: “Politiker sind wie die Armaturen meines Autos. Sie zeigen mir den Weg an, aber sie haben keinen Einfluss darauf” (Fred Hoyle: Die Schwarze Wolke, aus dem Gedächtnis zitiert). Die Politik läuft der gesellschaftlichen Entwicklung eher hinterher, als dass sie sie bestimmt. Wir alle sind in der Verantwortung. Vielleicht hat Hans recht und eines Tages werden sich die Visionen wieder Bahn brechen. Sollte es so sein, wird die Politik auf den Zug aufspringen, nicht weil sie es will, sondern weil sie muss.

  10. Bemannte Raumfahrt eingestellt?

    Wann genau haben die USA die bemannte Raumfahrt eingestellt? Richtig ist, sie haben das STS-Programm, also die Space Shuttles, eingestellt.

    Von Einstellung der bemannten Raumfahrt kann keine Rede sein. Das Gegenteil ist der Fall. Neue Transportsysteme werden entwickelt. Es werden von der NASA durchaus neue Ziele ins Auge gefasst. Bemannte Landung auf einem Asteroiden (um 2025), bemannte Landung auf dem Mars 2035.

  11. Die Zukunft ist Facebook: eine Dystopie

    Die grosse Geste mit der der Affenmensch in Kubricks Space Odessey 2001 einen Knochen hoch in die Luft wirft hat damals – zu Zeiten Kubrick’s – gewirkt und die Zuschauer seines Films erleben mit, wie sich dieser wirbelnde Knochen in eine im schwarzen All (zu Richard Strauss’ “Also sprach Zarathustra”) kreisende Raumstation verwandelt.

    Die grosse Geste, die grosse Reise weit über uns hinaus: sie ist vergessen durch einen Alltag, in dem neue Technologie vor allem das verstärkt hat, was Menschen in der Realität, abseits von hehren Visionen, schon immer und vor allem gemacht haben: Palavern, Tratschen, sich mit fremden und eigenen Federn schmücken, ein Bild von sich aufbauen, das im Gegensatz zu den Tattoos und derben Hautintarsien unserer Vorfahren möglicherweise leichter abwaschbar und revidierbar ist (auch wenn es – einmal im Netz – vielleicht für immer zugreifbar bleibt).

    Die Zukunft heisst Facebook und kann sich zur Dystopie auswachsen

    Heute beherrschen Themen die alttägliche Diskussion, die alte Methoden in einem neuen Gewand zeigen – einem Gewand, das erst durch neue Kommunikations- und Informationstechnologien Gestalt findet.

    Man diskutiert über die Legalität von grossen Lauschangriffen, über Bundestrojaner, Identitätsdiebstahl, man praktiziert illegalen Download (legal, illegal, scheissegal), bildet neue Communities und Gruppen, die ihre Macht im Netz vordemonstrieren, z.B. im Cybermobbing oder in Shitstorms, die schon einmal ein paar “dumme” Opfer (die brauchts auch) zur Strecke bringen.

    Die neuen Technologien, die unseren Alltag immer mehr infiltrieren bringen also nicht etwas grundsätzlich neues, sondern nur eine neue Qualität und Quantität von Phänomenen, die es früher schon gab und die teilweise sogar in Verfassungen als “Versammlungsfreiheit” beispielseise verbrieft waren. Doch virtuelle, fast spontan sich formierende Versammlungen ändern nicht nur die Quantität (Mitgliederzahl), sondern auch die Qualität.

    Wie diese neuen Kommunikationsformen, Communities und das Preisgeben von Privatem sich noch auswirken werden, das wissen wir nicht. Es ist aber nicht abwegig zu antizipieren, dass es sich zu einer Dystopie auswachsen kann.

  12. Rolle der Politik

    Thomas Grüter schrieb:
    “Ich würde die Rolle der Politik beim Fehlen von Visionen nicht überschätzen. (…) Die Politik läuft der gesellschaftlichen Entwicklung eher hinterher, als dass sie sie bestimmt. Wir alle sind in der Verantwortung.”

    Natürlich sind wir alle in der Verantwortung, darum muss man Leuten, die Politik machen, auch genau auf die Finger schauen. Diese zanken sich in der Öffentlichkeit meist um Banalitäten, anstatt wichtige Dinge in Angriff zu nehmen und so gewinnt man den Eindruck, dass die Politik der gesellschaftlichen Entwicklung hinterherläuft. Es gibt aber auch eine Politik, die von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird, da davon so gut wie nichts in die Presse gelangt. Selbst Gesetze, die enorme Auswirkungen haben, werden oft kaum thematisiert, weil nur wenige Journalisten es wagen das System in Frage zu stellen. Vor dem Hintergrund des aktuellen Prozesses in Guantanamo ist vielleicht auch ein Gesetz interessant, das US-Präsident Obama letztes Jahr unterzeichnete. Sicher will man damit nur die Terrorgefahr einschränken, für viele die unschuldig in diese Mühle geraten wird es aber kein Trost sein:
    http://www.aclu.org/blog/national-security/president-obama-signs-indefinite-detention-law

    Die USA haben sich aus Kostengründen von vielen Raumfahrtprogrammen verabschiedet oder diese abgespeckt. Für Großprojekte fehlt auf Jahre hinaus das Geld. Von ihren Kriegen wollen sich die USA aber nicht verabschieden, obwohl diese enorme Kosten verursachen: http://costsofwar.org/

    @Hans: Danke 😉

  13. Rolle der Politik: Symbolik vs. Inhalt

    Die Nasa ist als staatlich alimentierte Organsiation im Prinzip nur dem Fortschritt und der Forschung verpflichtet und muss keinen irgend wie gearteten Return on Investment einfahren.

    Und trotzdem gehen kaum noch überzeugende Impulse von der Nasa aus, keine Impulse also, die der Zukunft der Raumfahrt ein Gesicht geben könnten. Vielmehr erhält man als aussenstehender den Eindruck, die Nasa wirke sich ähnlich lähmend auf die Raumfahrt aus wie sich die Planwirtschaft der Sowjetunion auf die Entwicklung der Land- und übrigen Wirtschaft auswirkte. Änlich wie in den Forschungs- und Planeinrichtungen der Sowjetunion kennt auch die Nasa Abteilungen für Advanced Studies, in denen kühne Visionen entworfen werden, doch es ist wahrscheinlich gar nicht vorgesehen, dass eine dieser Visionen je Eingang in die Praxis findet. Nach der Abkehr vom Space-Shuttle-Programm, das sich als Fiasko ersten Ranges herausstellte, ist die Nasa wieder dort angekommen wo sie vor dem Abgang von Wernher von Braun, dem aus Deutschland “eingekauften” Pionier, stand, nämlich vor einer ungewissen Zukunft und ohne überzeugende Ansätze dieser zu begegnen. Die Zukunft hat es in sich, dass sie offen ist und für eine zunehmend bürokratische Organisation gibt es nichts unangenehmeres als etwas offenes, noch ungeplantes. Auch für US-Politiker, die die Nasa als ikonisches staatliches Unternehmen gern umarmen und instrumentalisieren, hat sich die Zielrichtung geändert: Jetzt spielt nicht mehr der Fortschritt, die Eroberung des Mondes noch vor den Russen beispielsweise , eine wichtige Rolle, sondern vor allem die Tatsache, dass der Hauptharst der Nasa-Mitarbeiter in Florida lebt und arbeitet und man durch bezirzen des Nasa-Stolzes und durch Versprechungen für Budgeterhalt (-erhöhungen liegen sowieso nicht drin und für was auch?), die Stimmen des Staates Florida “einkaufen” kann.

    Dabei gibt es eine Zukunft in der Raumfahrt – nur scheinbar eben nicht mit der Nasa. Dass es eine Zukunft im All geben kann haben nicht nur mehrere Kommentare hier gezeigt, sondern das zeigen nun auch verschiedene private US-Raumfahrtunternehmen. Und was mich am meisten verblüfft: Diese jungen privaten Raumfahrtunternehmen gehen zwar den gleichen Weg, den auch jede Raumfahrtnation nehmen musste und setzen zuerst einmal ganz konventionelle Raketentechnologie ein, doch sie haben oft Visionen für die Zukunft, die weit über die Visionen der Nasa oder anderer staatlicher Raumfahrtorganisationen hinausgehen. Ein gutes Beispiel sind die Zielsetzungen von SpaceX und Blue Origin wiederverwendbare Raketen – wiederverwendbar von der ersten bis zur letzten Stufe – zu bauen und damit die Kosten für den Transport ins All so stark zu senken, dass das Raumfahrtzeitalter dann richtig abheben könnte und Visionen wie die Energieerzeugung mit Solarsatelliten im All oder der Weltraumtourismus für jedermann realisiert werden könnten.

    Die Nasa ist heute risikoavers und ihr inoffizielles Hauptziel ist die Erhaltung von Arbeitsplätzen im Raumfahrtbereich, auch wenn ihre Projekte der Raumfahrt selbst überhaupt nichts bringen. Deshalb muss die Nasa in letzter Konsequenz auch gegen Nicht-Raketen-Projekte sein, die die Raumfahrt auf eine völlig neue Basis stellen würden mit hunderten bis tausenden von möglichen Aufstiegen in den niedrigen Orbit zu sehr günstigen Transportkosten. Denn diese Technologien würden zwar die Raumfahrt revolutionieren, aber keine neuen Nasa Arbeitsplätze schaffen. Das prominenteste Beispiel einer solchen vielversprechenden neuen Technologie um Waren und später auch Menschen kostengünstig in den niedrigen Orbit zu “schiessen” läuft unter dem Projekttitel Star Tram. Star Tram würde mit der bekannten Technologie der Magnetschwebebahnen (magnetic levitation) Güter auf einer hundert Kilometer langen Schiene beschleunigen und schliesslich ins All “schiessen”. Ein unbemanntes, nur für den Warentransport geeignetes Star Tram Generation I System könnte für nur 20 Milliarden US-Dollar in nur 10 Jahren gebaut werden und würde 150,000 Tonnen Masse pro Jahr in eine niedrige Umlaufbahn bringen. Ein für den bemannten Flug geeignetes Generation 2 System könnte in 20 Jahren für den doppelten Preis gebaut werden. Die Nasa als bürokratisches Monster wird solche Projekte kaum umsetzen zumal sie Nasa Arbeitsstellen gefährden und für private Organisationen sind solche Projekte zu teuer.

    Vielleicht ändert daran ja Crowdsourcing etwas?

  14. Berührt mich sehr

    Stimulierender Artikel, aufschlussreich und anrührend zugleich. “When we were young” – in der Jugend ist man am empfänglichsten für fremde Themen – in Büchern wie im Kino.
    Ich habe alle von dir erwähnten Autoren auch intensiv gelesen und geliebt. Heinlein würde ich noch ergänzen und vor allem Jack Williamsons “Wing 4”. Unter den deutschen Autoren wären noch Herbert W. Franke und Wolfgang Jeschke zu erwähnen; sie haben starke SF geschrieben – sind aber beide recht pessimistisch (oder dystopisch). Andreas Eschbach möchte ich noch sehr lobend ins Feld führen, unter den deutschen Autoren. Frank Schätzings beide “Ziegelsteine” natürlich ebenfalls: Der “Schwarm” ist Klasse und “Limit” (wenngleich gut 100 Seiten zu geschwätzig) ist auch ein gelungener Roman klassischer SF-Manier.
    Interessant, dass die Kino-Blockbuster von SF dominiert werden! Bei den TV-Serien würde ich “Babylon 5” als die weitaus ansprechendste und intelligenest “gestrickte” Longtime Stroy “Startrek” und “Battlestar” vorziehen.-
    Für mich hat die SF viel mit Religionsersatz zu tun – was sind die Aliens denn anderes als die “Dämonen” (wenn sie – wie meist – böse sind) oder “Engel” (wenn sie gut zu uns Erdenmenschen sind), die sich in christlichen und anderen religiösen Schriften tummeln?
    Ich meine das keineswegs abwertend. Eine Epoche und Zivilisation, die – wenn sie sie es wissen will – allmählich ahnt, wie groß diesen Universum tatsächlich ist, mit vielleicht Trillionen Sternsystemen, einem Alter von vielen Milliarden Jahren – und einer fast täglich und, wie mir schein, exponential ansteigenden Zahl möglicher Exoplaneten – Vow! Welche Literaturgattung befasst sich denn damit außer der SF?
    Ich würde diese charakterisieren als die Literaturgatttung, die sich mit der Entwicklung der Menschheit als Ganzem (Evolution!) befasst – und weniger mit dem Schicksal einzelner Charaktere. Die großen Meister können beides gut verbinden. Frank Herbert vermittelt in seiner “Dune”-Serie- bei allen Fantasy-Elementen – etwas von der Größe und Weite dieses Universum und ihren zeiltichen Dimensionen.
    Entlarvend ist, gerade beider dominierenden – amerikanischen SF (speziell in den Filmen) der amrtialische Aspekt. Krieg mit waffenstarrenden Marines und Rangers verkauft sich eben besser als intelligente Szenarien.
    Leider waren die Altvorderen auch nicht gerade die besten Erzähler – sowohl Asimov wie Clarke sind knochentrockene Berichterstatter. Simak hatte was drauf als Erzähler (insbesondere verfügte eher üebr etwas, das in der SF sehr seltenen ist: Humor). Und dann wären da natürlich noch Robert Sheckley, Alfred Bester – die ganze Riege der Galaxy-Autoren.
    Ich muss mich bremsen. Danke, Thomas Grüter, für diese anregenden Traum-Zeilen!

  15. SF-Utopien

    Ein Krebskranker wird kein neues Haus mehr bauen und auch keine Pläne entwerfen.

    Die Tatsache, das unsere industrielle Zivilisation ihre eigene Existenzgrundlage zerstört, indem durch Klimawandel langfristig Landwirtschaft unmöglich wird, kann zwar von Politikern verleugnet und von Konsumenten verdrängt werden, aber im Unbewußten ist diese fundamentale Entwertung aller Zukunftsutopien sehr präsent und verhindert hoffnungsvolle Weltentwürfe seitens sensibler sozialer Chronisten, der Schriftsteller.

    Wenn wir seit Jahrzehnten alternative Energietechnologien haben, warum setzen sie sich nicht durch ?
    Weil unser Marktsystem systematisch in der Zukunft anfallende Kosten ausblendet, im Gegenteil jetzige Kosten in die Zukunft verschiebt und so immer mehr Ungleichgewichte auftürmt statt sie abzubauen.

    Überschuldete Staaten können keinen Energiewandel subventionieren.
    Die durch fossile Energien aufgeblähte Zivilisationsblase nähert sich der Deflationsphase und die offene Zukunftsfrage ist, wie laut das Platzgeräusch sein wird.
    An daran orientierten dystopischen Versuchen hat in der SF-Literatur noch nie ein Mangel bestanden, gab es doch schon immer Autoren, die das Nachhaltigkeitsprinzip samt Konsequenzen verstanden haben.

  16. Das die Politik derzeit der gesellschaftlichen Entwicklung eher hinterher läuft, anstatt sie mit zu bestimmen, ist leider wahr. Auch ist es richtig, dass wir alle in der Verantwortung stehen. Aber es ist im Moment leider auch so, dass jene, die eher dem Gemeinwohl zugeneigt sind, und weniger dem eigenen Ego, in der Minderheit sind. Die Erkenntniss, dass das, was dem Gemeinwohl dient, letztlich auch dem eigenen Ego nützt, ist leider nicht sehr weit verberbreitet. Stattdessen wird dem Blick durch die betriebswirtschaftliche Brille heute eine Bedeutung beigemessen, die ihm nicht zusteht.

    Und das Facebook sich zur Dystopie entwickeln kann, liegt wohl daran, das viele gar nicht wissen, was die Firma mit den Daten noch so alles treibt, die die vielen Leute hinterlassen, die dort angemeldet sind, bzw. sich gar nicht bewusst sind (und es auch nicht immer sein wollen) was die Firma damit anstellen kann. Da ist die personalisierte Werbung nur eines der kleineren Übel, das manche Zeitgenossen wahrscheinlich noch nicht einmal als solches betrachten.

    Zur NASA würde ich sagen, das sie nach allem, was man so liesst, zur Zeit wirklich zu Bürokratisch ist, kann es aber nicht wirklich fundiert belegen. Allerdings muss man fairerweise auch sagen, das die ganzen sogenannten privaten Firmen ihre Subventionen auch über bzw. von der NASA beziehen, so dass man auch behaupten kann, dass die NASA damit an ihrer eigenen Abschaffung arbeitet. Und sie wird auch finanziell chronisch unterbemittelt, d.h. Gelder für interessante wissenschaftliche Forschung werden gekürzt, so das Projekte verzögert werden, wie z.B. das JWST oder ganz gestrichen werden. Das ist für Arbeitsplätze übrigens auch nicht gerade förderlich.

    Zu den wiederverwendbaren Raketen(stufen) fallen mir gerade aber auch hauptsächlich die “Geht-nicht”-Stimmen ein, die sagen, geht mit aktueller technologie nicht, bzw. nur auf Kosten der Nutzlast. Da haben sie zwar in sofern recht, weil die Oberstufen dann auch noch Treibstoff für die Rückkehr brauchen und einen Hitzeschild um beim Wiedereintritt nicht zu verglühen, aber das sind alles lösbare Probleme. Aber da wäre dann auch wieder die Grundlagenforschung gefordert, die Materialien entwickelt aus denen sich z.B. bessere Hitzeschilde bauen lassen, als zur Zeit machbar. Aber diese Diskussion ist eigentlich bei Michael Kahn oder Bernd Leitenberger besser aufgehoben. Letzter ist “professioneller Laie” in Raumfahrtfragen mit Blog bei seiner eigenen Webseite.

    WAs Nicht-Raketen-Projekte angeht, da sollte die NASA sich aber auch anpassen können, schliesslich ist sie ja nicht nur für Raumfahrt zuständig, sondern auch für Luftfahrt(forschung), die innerhalb der Atmosphäre bleibt. Okay, so Sachen wie der Spacelift fallen da natürlich nicht unbedingt drunter.

  17. gute oder schlechte Zukunft

    Zunächst mal mein Dank an alle Kommentatoren. Die Diskussion bringt das Thema wirklich voran, sie ist zwar kontrovers aber ausgesprochen durchdacht und fair. Da macht es wirklich Spaß, ein Blog zu schreiben!

    @Suse
    “Ein Krebskranker wird kein neues Haus mehr bauen und auch keine Pläne entwerfen.”
    Der Satz zeigt das Problem, das viele Menschen heutzutage haben. Sie sehen die Zivilisation schon auf dem Sterbebett, und erwarten resigiert das Ende der Menschheit. Aber das muss nicht sein. Wir haben unsere Zukunft in der Hand. Noch hat die Menschheit die Option, die Planeten und vielleicht die Sterne zu erreichen.

    @Jürgen von Scheidt
    Vielen Dank für deinen sehr guten Kommentar! Es gibt sicher noch viele Autoren und Bücher, die es verdient haben, erwähnt zu werden, aber ich habe mich bewusst beschränkt, damit der Beitrag nicht zu lang wird. Vielleicht können wir ja einige unserer Leser anregen, sich mit diesen Büchern zu beschäftigen.

    @Hans und Andreas
    Die NASA ist wirklich eine überdimensionale Behörde und entsprechend unbeweglich. Sie plant bisher, 2020 oder später wieder Astronauten ins All zu schicken. Weil aber der NASA-Chef Charlie Bolden als enger Gefolgsmann von Präsident Obama gilt, werden die Republikaner im Kongress vermutlich versuchen, den NASA-Etat kräftig zu rupfen, allein um den Präsidenten zu ärgern. Von Visionen keine Spur. Sollte Obama keine zweite Amtszeit bekommen, wird Bolden gehen müssen und der neue Chef muss sich erst einarbeiten. Das sind keine guten Aussichten.

  18. Sascha Lobo warnt vor Dystopie Facebook

    Unter dem Titel Zuckerberg verkauft Ihre Zukunft zeigt Sascha Lobo, warum Facebook an der Börse so viel Wert ist: Weil Facebook-Einträge über seine vielen Millionen Teilnehmer gerade zu verblüffend viel Auskunft geben. Ob jemand homosexuell ist, wie gut er sich als Arbeitskraft bewähren wird, all das kann aus Facebook-Einträgen viel zuverlässiger herauslesen als sogar aus eigens für diese Fragestellungen geschaffene Tests. Und Zugang zu solchen für viele Firmen wertvolle Informationen will nun Mark Zuckerberg an der Börse vergolden.

    Wenn man sich das negative Potential vergegenwärtigt, dass hinter Facebook steckt, kommt einem Hannah Arendt in den Sinn, die von der Banalität des Bösen sprach. Wer weiss, vielleicht wird eine Facebook-Aktie der ersten Stunde einmal einen ähnlichen Stellenwert haben wie eine Erstausgabe von Hitlers “mein Kampf”.

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