Kein Fortschritt ohne Öl und Gas?

Donald Trump erlässt nicht nur willkürliche Zölle, er will auch fossile Energien wieder stärker fördern. Klimaschutz hält er für überflüssig. Sein Energieminister Chris Wright hat Ende Juli in einem Gastbeitrag für das britische Nachrichtenmagazin The Economist eine skurrile Begründung dafür geschrieben.

Eigentlich müsste er es besser wissen, denn im Gegensatz zu vielen anderen engen Mitarbeitern von Trump hat Chris Wright keine Karriere im Showbusiness hinter sich. Vielmehr hat er am renommierten Massachusetts Institute of Technology Ingenieurwissenschaften studiert und seinen Master gemacht. Später hat mehrere Firmen gegründet, die im sogenannten Fracking-Geschäft tätig sind. Fracking ist die die gängige Abkürzung für „Hydraulic Frakturing“. Dabei wird mit hohem Druck eine spezielle Flüssigkeit durch eine Bohrung in die Erde gedrückt, um bei Öl- und Gas-Lagerstätten die Förderung zu erleichtern. In den USA wird das Verfahren in großem Maßstab angewandt.

Bis zu seiner Ernennung zum Energieminister war er CEO der Firma „Liberty Energy“. Sie verdient ihr Geld unter anderem mit Ausrüstungen für Fracking-Bohrungen. Und das ist in den USA ein Riesengeschäft. 2024 setzte Liberty Energy mehr als fünf Milliarden US$ um.

Wenn man in Deutschland Menschen bittet, die größten Erdölproduzenten zu nennen, wird den meisten wohl Saudi-Arabien und Russland einfallen. Tatsächlich sind aber die USA das größte Förderland für Erdöl und Erdgas, weit vor Saudi-Arabien (zweiter) und Russland (dritter). Es ist also nachvollziehbar, dass der Chef einer florierenden Firma für Öl- und Gasgewinnung von alternativer Energie nicht viel hält. Und Chris Wright hat schon vor seiner Ernennung zum Energieminister aus seiner Abneigung gegen den Klimaschutz keinen Hehl gemacht.

„Es gibt keine Klimakrise und wir sind auch nicht mitten in einem Wandel der Energieerzeugung“, erklärte er 2023 in einem Video auf LinkedIn. Einen Mangel an verfügbarer Energie sieht er als den schlimmsten Armutfaktor an. Ausschließlich eine verstärkte Förderung und Verbrennung von Kohlenwasserstoffen (Öl und Gas) könne diese Armut lindern, sagte er bei mehreren Gelegenheiten. Seine Firma hat im Jahr 2024 sogar eine bunte Broschüre herausgebracht, in der diese These vorgestellt und erläutert wird.

Trump ist auf diesen Zug gerne aufgesprungen, nicht zuletzt, weil die Öl- und Gasindustrie über viel Geld verfügt. Wenn sie eine Milliarde US$ an Spenden für seinen Wahlkampf springen lassen, erklärte Trump, damals noch Präsidentschaftskandidat, vor Vertretern von Ölfirmen, werde er Umweltrestriktionen aufheben und weitere Ölbohrlizenzen vergeben. Diese Summe war aber selbst den Ölmagnaten zu viel. Nach einer Rechnung der Gruppe „Climate Power“ gaben sie aber in den Jahren 2023 und 2024 immerhin rund 445 Millionen US$ für Lobby-Arbeit aus. Rund 96 Millionen davon kamen allein für Trumps Wahlkampf zusammen.

Schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit rief Trump einen „Energienotstand“ aus und wies seine Minister an, mehr bundeseigenes Land zur Exploration freizugeben. Außerdem widerrief er eine Reihe von Umweltschutzvorschriften und bestellte mit Chris Wright einen Lobbyisten der Ölindustrie zum Energieminister. Der nutzte auch gleich seine Einführungsrede für die Mitarbeiter des Ministeriums, um Deutschland als warnendes Beispiel hinzustellen:

Das Land habe auf erneuerbare Energien gesetzt und leide jetzt unter den Folgen. „Wenn Energie teuer und unzuverlässig ist, werden alle ein bisschen ärmer und es ist schwieriger, Waren im Land herzustellen. Was passiert dann? Die Industrieproduktion wird einfach woanders hin verlagert. Sie verschwindet nicht, sie findet nur nicht mehr in Deutschland statt. Dinge werden in Asien oder den Vereinigten Staaten hergestellt, auf ein Schiff verladen und nach Deutschland zurückgeschickt.“1

Tatsächlich nimmt die Industrieproduktion in Deutschland seit Jahren ab, aber das liegt nicht an unzuverlässiger Stromversorgung. Vielmehr ist die Stromversorgung in Deutschland so sicher wie fast nirgendwo anders – und deutlich sicherer als in den USA. Maßgeblich ist eher die Krise der deutschen Automobilindustrie. Und die Energiepreise in Deutschland sind in den letzten Jahr hauptsächlich deshalb so schnell gestiegen, weil Russland ohne Vorwarnung die Belieferung mit Erdgas eingestellt hat (inzwischen sind die Preise wieder deutlich gefallen).

Die Argumentation, die Wright übrigens auch in seinem aktuellen Artikel für den „Economist“ wiederholt, nimmt wenig Rücksicht auf komplexe Zusammenhänge und kommt immer wieder auf einen einzigen Punkt zurück:

„Fortschritt und Reichtum der Welt hängen vom steigenden Energieverbrauch ab. Deshalb muss Energie billig sein und in immer größeren Mengen zur Verfügung stehen.“

Und das, so folgert er, geht nur mit Öl und Gas, wobei eine Beimischung von Kernenergie durchaus sinnvoll sein kann.

Das alles propagiert Wright schon lange. Neuerdings argumentiert er auch, dass Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz Unmengen elektrischer Energie verschlingt. Wer hier mithalten will, muss billigen Strom im Überfluss bereitstellen, aus Öl und Gas natürlich.

Wright und der Klimawandel

Und der Klimawandel? Doch, sagt er, den gibt es. Aber:

„Wir werden den Klimakrise [falsch im Original] als das betrachten, was er ist: keine existenzielle Krise, sondern ein reales, physisches Phänomen, ein Nebenprodukt des Fortschritts … Milliarden Menschen konnten der Armut entkommen … Ich bin bereit, für dieses Erbe des menschlichen Fortschritts bescheidene Nachteile in Kauf zu nehmen.“

Und er meint, es habe keinen Sinn, die Stromerzeugung auf erneuerbare Energien umzustellen. Schließlich ist Elektrizität nur für etwa 20 % des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich. Und der Rest? Betrachtet man den gesamten Energieverbrauch der Welt, dann machen Kohle, Gas und Öl tatsächlich mehr als 80 Prozent aus2. Und deshalb sind sie auf absehbare Zeit unersetzlich. Das meiste wird zur Wärmeerzeugung verbrannt. Autos, Flugzeuge, Schiffe und Eisenbahnen brauchen deutlich weniger, aber immer vergleichsweise viel. Darauf baut Wright sein Argument auf, dass die Welt eben nicht mitten in einem Wandel der Energieerzeugung steckt. Hat er damit eventuell recht? Spoiler: Hat er nicht.

Dürre. Ausgetrockneter Bach in vertrockneter Wiese.
Dürre. KI-generiertes Symbolbild

Wrights Argumente sind eine geschickte Mischung aus Tatsachen, Interpretationen, Auslassungen, Falschbehauptungen und unzulässigen Schlussfolgerungen.

Richtig ist, dass fossile Brennstoffe nach wie vor die Energieversorgung der Welt – und auch Deutschlands – dominieren (mit je 80 Prozent). Es ist eine Lebenslüge der deutschen „Energiewende“, dass unser Land der Welt ein Vorbild ist, oder auch nur einen Großteil der Dekarbonisierung bereits geschafft haben. Tatsächlich liegt der schwierigste und steilste Teil noch vor uns, und ob die fehlenden 80 Prozent wirklich in zwanzig Jahren zu schaffen sind, bleibt offen. Trotzdem ist dies der richtige Weg, auch wenn wir eventuell mit Verspätung am Ziel anlangen.

Chris Wright hat deshalb unrecht, wenn er sagt, dass kein Wandel stattfindet.

Würde er sich ohne Scheuklappen umsehen, könnte ihm auffallen, dass viele Länder angefangen haben, die Stromerzeugung auf erneuerbare Energien umzustellen, und die Abhängigkeit des Verkehrs und der Wärmeerzeugung von fossilen Energien zu reduzieren. Eigentlich sollte das bis zur Mitte des Jahrhunderts geschafft sein, aber der Weg ist wie üblich anstrengender als das Ziel.

Braucht Fortschritt mehr Energie?

Treibt nur ein stetig ansteigender Energieverbrauch den technischen Fortschritt an, wie Wright behauptet? Diese Idee ist mindestens umstritten. Der Energieverbrauch der EU hat von 2005 bis 2023 um ca. 12 Prozent abgenommen (Deutschland -13 Prozent, Niederlande – 22 Prozent), während das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 50 Prozent gestiegen ist. Die EU-Staaten verbessern also die Energieeffizienz. Die EU steht auf dem Standpunkt, dass eine Verringerung des Energieverbrauchs keineswegs dem Fortschritt und dem Wirtschaftswachstum im Weg steht. Und das Potential ist bisher nicht einmal ausgeschöpft. Ein Kurzgutachten des Instituts für Energietechnik und Energiemanagement der Hochschule Niederrhein kam 2023 zu dem Ergebnis, dass die deutsche Industrie ohne große negative Auswirkungen noch weitere 44 Prozent des Energiebedarfs einsparen könnte.3 Die billigste Energie ist immer diejenige, die gar nicht erst verbraucht wird. Aber gibt es überhaupt einen linearen Zusammenhang zwischen Reichtum und Energie?

Die folgende Vergleichstabelle zeigt den Energieverbrauch und das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf für wichtige Industriestaaten:

Bruttoinlandsprodukt und Energieverbrauch
Bruttoinlandsprodukt und Energieverbrauch pro Kopf in ausgewählten Staaten im Jahr 2024 (Quelle: Ourworldindata.org)

Halten wir fest: Fortschritt und Reichtum hängen ganz offenbar nicht am Energieverbrauch. Hier liegt Wright also falsch. Und das müsste er eigentlich wissen, schließlich war er lange genug in der Branche tätig.

Billige Energie durch Öl und Gas?

Donald Trump hatte in seinem Wahlkampf versprochen, die Preise für Energie und Strom zu halbieren, und zwar durch eine Förderung des Verbrauchs von Kohle („I love Coal!“), Öl und Gas. Geht das, oder ist das eines seiner vielen leeren Versprechen? Sehen wir mal:

Die Kosten der Erdölproduktion liegen in den meisten Ländern weit unter dem gegenwärtigen Durchschnittspreis von ca. 70 US$ pro Barrel. Die Produktionskosten in Saudi-Arabien liegen wohl unter 10 US$. Russland produziert für ca. 40 – 45 US$4, die Ölförderung durch Fracking in den USA kostet teilweise mehr als 60 US$. Die gegenwärtigen Öl- und Gaspreise werden deshalb ausschließlich von Angebot und Nachfrage bestimmt. Jede Ausweitung der Nachfrage führt beinahe sofort zu steigenden Preisen, jeder Rückgang zu einem Einbruch. Wenn Trump sein Wahlkampfversprechen halten will, muss seine Regierung die Ölpreise drücken – aber nicht zu sehr, weil einige einheimische Produzenten dann aufgeben würden. Idealerweise würden sich die Ölpreise also in dem schmalen Korridor zwischen 70 und 80 US$ bewegen, um sowohl die Ölindustrie als auch die Verbraucher bei Laune zu halten. Für die angekündigten Preissenkungen bei Benzin und Diesel bleibt da nicht viel Spielraum.

Beim Strom sieht es nicht besser aus. Sicher, Trumps Regierung tut einiges um Kohle- und Gaskraftwerke zu fördern. Die Umweltagentur hat unter seiner Ägide vorgeschlagen, die CO2-Grenzwerte für Kraftwerke aufzuheben und die Grenzwerte für Quecksilber hochzusetzen. Das hilft den Kohlekraftwerken enorm.

Nur: Die Stromerzeugung aus Kohle ist seit 2000 um zwei Drittel zurückgegangen und ein großer Teil der Kohlekraftwerke ist älter als vierzig Jahre. Die Erneuerung und Erweiterung kostet erst einmal viel Geld, und das werden die Betreiber auf den Preis des Stroms aufschlagen – wenn sie das überhaupt angehen wollen. Niemand weiß schließlich, ob auch künftige Regierungen kohlefreundlich bleiben werden.

Bei Gaskraftwerken sieht es etwas anders aus. Sie erzeugen ohne Frage günstigen Strom, solange die Umweltauflagen großzügig sind und eine CO2-Abgabe nicht erhoben wird. Aber wer jetzt ein neues Gaskraftwerk bauen will, muss sich darauf verlassen, dass sich das in den nächsten zwanzig Jahren nicht ändert. Und dieses Risiko werden wohl die wenigsten eingehen wollen. Schließlich dauert allein der Bau eines großen Kohle- oder Gaskraftwerks mindestens drei bis sieben Jahre.

Auch Trump kann also nicht einfach die Zeit zurückdrehen. Und anders als vor 40 Jahren müssen sich die fossilen Kraftwerke heutzutage der erneuerbaren Konkurrenz stellen. Zwar stehen erneuerbare Energien nicht durchgehend zur Verfügung, aber sie sind billig und außerdem schneller am Netz. Für eine große Windfarm oder einen Solarpark reichen ein Jahr Vorlaufzeit – und große Stromspeicher werden auch immer günstiger.

Fazit

Die Argumente, die Wright vorbringt, sind dünn, teilweise falsch und voller Auslassungen. So liegt der Verdacht nahe, dass es ihm mehr um sein eigenes Geschäft als um die Sicherheit der amerikanischen Energieversorgung geht. Aber warum macht er sich überhaupt die Mühe, sein Geschäft als Beitrag für den Fortschritt der Menschheit zu verkaufen? Vielleicht möchte er – auch vor sich selbst – nicht als amoralischer Neureicher dastehen, der sein Geld damit verdient, Boden und Luft zu verschmutzen. Vielleicht möchte er auch, dass seine Kunden ein besseres Gewissen haben. So genau weiß das das niemand.

Und Donald Trump sieht es sicherlich nicht ungern, wenn die Öl- und Gasindustrie weiterhin hohe Summen für seine politischen Freunde spendet. Dafür ernennt er auch gerne einen Ölmagnaten zum Energieminister.

Ein Deal, eben.

Anmerkungen

[1] “If your energy is expensive and it’s unreliable, everyone lives a little bit of a poorer life and it’s harder to manufacture things in your country,” he said. “So guess what happens? That manufacturing, it just moves somewhere else. Doesn’t go away, it’s just not built in Germany anymore. It’s built in Asia, United States, and loaded on a ship and shipped back to Germany.”

[2] Das ist in Deutschland nicht anders. Im Jahr 2024 hat unser Land 80 Prozent seines Energiebedarfs mit fossilen Energien gedeckt. Wenn wir wirklich bis 2045 komplett auf erneuerbare Energien umstellen wollen, haben wir die Umstellung noch zum größten Teil vor uns.

[3] Meyer, J., Madsen, M., & Saars, L. Kurzstudie Energieeffizienzmaßnahmen in der Industrie. Krefeld 2023. Link

[4] Angegeben sind hier die sogenannten „Breakeven costs“, also die Kosten für Förderung und Transport.

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www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

41 Kommentare

  1. „Wir werden den Klimakrise [falsch im Original] als das betrachten, was er ist: keine existenzielle Krise, sondern ein reales, physisches Phänomen, ein Nebenprodukt des Fortschritts … Milliarden Menschen konnten der Armut entkommen … Ich bin bereit, für dieses Erbe des menschlichen Fortschritts bescheidene Nachteile in Kauf zu nehmen.“

    Darin steckt vor allem DIE Lebenslüge, die die Mehrheit der Menschen im nun “freiheitlichen” Wettbewerb um “Wer soll das bezahlen?” nicht aussprechen/zugeben wollen, dafür lieber die Ränkespiele mit heuchlerisch-verlogener Schuld- und Sündenbocksuche im Tanz um den heißen Brei weiter zelebrieren, denn es würde vor allem OHNE wettbewerbsbedingt-konfuse Symptomatik funktionieren den Klimawandel für alle menschenwürdig zu organisieren.

  2. Anmerkung:

    Die wettbewerbsbedingt-konfuse Symptomatik um “Wer soll das bezahlen?”, steht stets im gleichbleibenden Verhältnis von 1:5 (Wohlstand : Tittytainment*) der Weltbevölkerung.

    *Neue Bezeichnung für Brot und Spiele, seit einer WWK 1996 in den USA, wo die Großen den “Kleinen” vor allem die Bedingungen der Globalisierung der “Dienstleistungsgesellschaft” einfach überstülpen wollten, aber noch nicht konnten und somit sozusagen aus Langeweile das Tittytainment formulierten.

  3. @Hauptartikel

    Die 20% die wir schon haben, sind elektrische Energie. Und die 80% die noch fehlt sind größtenteils Primärenergie. Das ist nicht dasselbe. Die 20% bräuchten 2-bis 3-mal so viel fossile Primärenergie, wenn sie in Wärmekraftwerken produziert werden müsste. Und der Strom für E-Autos spart das 3- bis 5-Fache an Benzin und Diesel ein, und auch Wärmepumpenstrom spart das 2- bis 4-fache an Gas oder Öl ein, wenn dieses einfach nur verbrannt wird.

    Wir sind also längst weiter als diese 20% unterwegs. Auch der sinkende Gesamtenergieverbrauch liegt zum guten Teil an der direkten elektrischen Energie, die von PV-Modulen und Windrädern produziert werden.

    Das muss man differenzierter rechnen. Mir scheint, wir haben schon bald 40% erreicht?

    • Deutschland will seinen Primärenergieverbrauch bis 2030 um 20 Prozent gegenüber 2024 senken. Ob das klappt, ist aber nicht sicher, meint zumindest das Umweltbundesamt. Und eventuell kommt das Jevons-Paradox noch dazwischen. Dieses Paradox beruht auf der Beobachtung, dass die effizientere Nutzung eines Rohstoffs (z.B. Energie) zu einer höheren Nachfrage führen kann, weil die effizienter hergestellten Produkte natürlich billiger sind. Drücken wir also mal die Daumen, dass dieser Effekt uns ebensowenig in die Quere kommt, wie der enorme Leistungsbedarf der Rechenzentren.

    • da habe sie Recht…ich glaube das wir bei 45% sind…..

      die Lobby lässt grüßen 🙈🤷🏻‍♂️

  4. Öl und Gas als Preis des Fortschritts?

    Das behauptet nichtmal Trump.

    Er stellt Öl und Gas dar als VORAUSSETZUNG für den Fortschritt; nicht als Preis.

    Wenn überhaupt, dann kann man die Klimaerwärmung als Preis des Fortschritts sehen. Was dann natürlich ein zu hoher Preis wäre; WENN es wirklich so wäre; was es aber nicht ist. Fortschritt ist nämlich auch mit klimaneutraler Energieerzeugung möglich.

      • @Thomas Grüter

        Kein Fortschritt ohne Öl und Gas?

        _______________________________________________________

        Richtig, das wird behauptet; von Trump und Co.

  5. Was Trump zeigt, ist eine der vielen, vielen Varianten von etwas, das sie in einer Welt von Losern immer und überall sehen: Das Adolf Prinzip. Wenn du der Beste sein willst, aber nicht das Zeug dazu hast, musst du alle zerstören, die besser sind als du.

    Ob Taliban, ob katholische Kirche, ob die deutschen Eliten, die sich in Elfenbeintürmen einschließen, ob die Staaten Europas mit ihren ethnischen Clan-Chefs und Klüngel-Gangs, die einander mit Kleinkriegen zerstören, bei denen es nur um den Schaden des anderen geht, nicht um den eigenen Nutzen, die Supermärkte, die Ihnen Bonuskarten aufdrücken, die Menschen, die sich in Ideologie-Blasen verschließen, und so weiter – jeder macht eine eigene Sekte auf, ein eigenes Imperium, in der er sich für Gott erklärt, das Monopol für sich beansprucht, Ressourcen und Sklaven auszubeuten, die Konkurrenz aussperrt und zum Teufel erklärt.

    Ich bezeichne das als Zombie-Apokalypse: Wenn Kooperation nichts mehr nützt, weil sie nicht genug Profit abwirft, um die ganze Kooperative durchzufüttern, zerfällt sie in kleine, rivalisierende Gangs. Diese verlieren die Fähigkeit zur Kommunikation und Empathie, die Fähigkeit, gegenseitig ihre Seele zu erkennen, die einzige Sprache, die allen noch gemeinsam ist, ist die Gewalt. Und so zerfällt die Welt in viele Zombie-Gangs, von denen sich jede für das letzte Grüppchen Überlebender hält, das die Zombies zerstören muss, bevor sie es zerstören.

    In der Leiche der Welt sehen Sie also ganz normale Verwesung, wie in jedem anderen Kadaver. Doc in einer Sekte läuft die Evolution schneller, durch memetische Inzucht, einfache Struktur und kurze Verbindungswege steigert sie sich sehr schnell in einen Wahn hinein. Je mehr Energie Sie dem Gesamtsystem zuführen, desto mehr Größenwahn und Weltfremdheit entwickeln die einzelnen Zellen.

    Eine Forschungsreihe mit Petrischalen, ein Schulprojekt mit vielen Arbeitsgruppen, eine Pandemie mit vielen mutierenden Viren funktionieren genauso: Wenn Sie nicht mehr weiter wissen, müssen Sie sich rasant schnell anpassen, deswegen senden Sie unzählige Späher aus, Sonden, die jeden möglichen Weg sondieren. So bricht auch das Wasser durch die Wand – es nützt jede Ritze, bis es eine findet, die es verbreiten kann.

    Die Falle, in die die Menschheit geht, ist identisch mit der, in die jedes Stück Salami geht, wenn Sie es in der Sonne lassen – wenn bei dem Forschungsprojekt nix herumkommt, fressen die Mutanten-Zombies einfach einander auf und verarbeiten die Leiche zu Milupa für die Geier, Dünger für die Kartoffeln, das Startkapital für die Überlebenden. Dass wir uns an das Alte klammern und Neuem skeptisch begegnen, hält zu Lebzeiten Ihren Körper zusammen – wenn dieser aber nicht mehr funktioniert, bleibt Ihnen nur der Sprung nach Vorne, die Mutation, der Bau eines neuen Körpers, der an die Umwelt besser angepasst ist. Doch das Leben auf Erden ist so ausgelegt, dass es sich zwar wieder in Ursuppe auflöst, diese aber nicht mehr die Fähigkeit hat, neue Lebensformen hervorzubringen, weil es für die Evolution effizienter und sparsamer ist, sie an schon existierende, überlebensfähige Modelle zu verfüttern.

    Die Menschheit verfällt in Regression zu primitiveren Gesellschaftsformen: Alphatier, stärkste Männchen, Untertanen, oder Plantagenbesitzer, Aufseher, Sklaven. Dieses Urmuster ist nicht nur die Grundlage von Affen-Gangs und aller menschlichen Staaten und Wirtschaftssysteme, sondern auch von Einzellern, Sternensystemen und Atomen. Dieses primitive Skelett ist grausam und voller zerstörerischer Extreme, deswegen polstern wir es mit vielen Grauzonen und Nischen, um es erträglich zu machen. Aber es ist schnell, einfach, zielstrebig, effizient. Genau das Richtige, wenn Sie den globalen Krieg als Mittel gewählt haben, um ein altes Ökosystem aufzulösen und ein neues zu errichten, indem sich alle darum prügeln, den bestmöglichen Platz in den neuen Nahrungsketten zu erringen.

    Ist nur Tod und Wiedergeburt. Kein Grund zur Aufregung. Nur zur Verzweiflung. So ein Massenaussterben tut nun mal weh, und es irritiert ganz besonders, wenn man die Wahl hätte, sich mit Hirn und Arbeit und Kooperation anzupassen, und die Menschheit doch lieber die Gladiatoren-Arena wählt, weil ihr ihr Ego wichtiger ist als ihr Leben.

    • @Paul S

      Das PRINZIP des zeitgeistlich-reformistischen Kreislaufes im stets und überall immer gleichermaßenen imperialistisch-faschistischen Erbensystem, lautet nicht Adolf, es lautet KONFUSION, die mit Schuld- und Sündenbocksuche im Tanz um den heißen Brei zelebriert wird, dem heißen Brei der nun wettbewerbsbedingt-konfusen Symptomatik, wo die Menschen nun manisch wie panisch glauben es geht nicht ohne.

    • Paul S,
      Ihre Ausführungen sind u.a. egozentrisch, kryptisch, nicht zu Ende gedacht und basisfremd.

      Mit Egozentrik kenne ich mich als Egozentriker aus. Wie es exemplarisch, teils aphoristisch, anders sein könnte…

      Finde den Klimakrise-Fehler
      „Das Holozän ist die seit mehr als 11’000 Jahren andauernde warmzeitliche Klimaepoche der Nacheiszeit, die bis heute andauert. Bis vor 5900 Jahren waren die Alpengipfel auf 3000 bis 4000 Meter wahrscheinlich eisfrei, wie Forschende mit Beteiligung des Paul Scherrer Institut und der Uni Bern anhand von Eisbohrkernen herausgefunden haben. Nur die aller höchsten Gipfel wiesen damals demnach eine Eiskappe auf.“ Quelle: swissinfo, Artikel vom 17. Dezember 2020: Alpengipfel waren vor 6000 Jahren bis hoch hinauf eisfrei

      Berliner Gletscher am Funkturm
      „Vor 20.000 Jahren türmte sich über Berlin ein 200 Meter hoher Gletscher auf. „Als er kam, verschlang er alles Leben. Als er schmolz, hinterließ er uns die Landschaft, in der wir heute leben“… Quelle: Berliner Zeitung

      Tatsache ist, mehr als 90 % der einst vorhandenen Arten sind ausgestorben.

      Zur Besorgnis der Menschheit, sofern Sie der englischen Sprache mächtig sind, “siehe” das youtube-Video George Carlin – Saving the planet

      Übrigens, für Menschen, die auf einer Waage stehen, bringt Bauch einziehen nichts.

      Wenn man der Natur schon eine Persönlichkeit geben will, dann gilt:

      »Natur kennt keine Gnade. Natur lässt keine Vermeidung zu. Natur kennt und duldet nur Anpassung.«

      »In der Natur ist individuelle Freiheit der Abstand zwischen Jäger und Gejagtem.«

      Was ist Leben?
      Das Streben nach (thermodynamischen) Ungleichgewichten.

      oder

      Wie erkennt man Leben?

      An dem Streben nach (thermodynamischen) Ungleichgewichten.

      »thermodynamisch« im Hinblick auf den 2.Hauptsatz der Thermodynamik

      Weiterführend erkennt man Leben an von Leben ausgehende Konstruktionen (Maschinen), die gleichfalls Ungleichgewichte auslösen.

      Von wem respektive über was schreibt der Artikel-Autor und Paul S?
      Masse und Mächtige sind „meinungsflexibel“. Je nachdem, wie der Wind der Massenmedien weht. Heute z.B. gegen „Rechts“, was das auch immer gemäß Zeitgeist bedeuten soll, morgen für „Rechts“. Individueller und gesellschaftlicher Opportunismus sind massenmeinungsoffen. Alles nur eine Frage des aktuellen Programms respektive adaptierten Algorithmus, Stichwort: NPC.
      Non-Player-Charakter (NPC-Meme), zu Deutsch: Nicht-Spieler-Charakter ist ein Internet-Meme, das für Menschen steht, von denen man annimmt, dass sie nicht selbst denken; denen es an Introspektion oder intrapersoneller Kommunikation mangelt; die ihre Identität vollständig durch ihre Umgebung und die Informationen, die sie konsumieren, bestimmen, ohne dass die Person selbst irgendetwas bewusst verarbeitet…

  6. Muss es nicht als Artikelüberschrift »Kein Fortschritt ohne Öl und Gas? statt »Kein Fortschritts ohne Öl und Gas?« heißen?

    U.a. Öl und Gas werden bleiben, da Wind- und Solarenergie ohne Zwischenspeicher keine Versorgungssicherheit bedeuten.

    • @Freyling: “… ohne dass die Person selbst irgendetwas bewusst verarbeitet…”

      Was ist der Sinn des Lebens?

  7. Öl und Gas zu verteufeln ist zu kurz gedacht. Das Erdöl ist der Grundstoff der Petrochemie.
    Das Erdöl steckt nicht nur im Tank von Autos: Es findet sich auch im Kunststoff der Armaturenbretter, im Gummi der Reifen, in Farben und Lacken, Schaumstoffen und Beschichtungen, in Seifen, Klebstoffen und Schmiermitteln. Eine vergleichbare Liste könnte man für den Arbeitsplatz aufstellen, für die Wohnung, für Medikamente und Kosmetika – schlicht für (fast) alles. Die meisten dieser Produkte, ohne die große Teile unseres Alltags nicht denkbar wären, gehen auf eine kleine Sammlung von petrochemischen Ausgangsstoffen zurück, die in gigantischen Mengen in tausende unterschiedliche Verwertungsketten fließen.

    Die Dummheit der Menschen besteht darin, das Erdöl zu verbrennen. Jetzt nicht nur wegen des klimaschädlichen CO2. Nein, aus Erdöl werden heute schon die meisten Produkte des täglichen Lebens hergestellt.

    Und dabei müssen sich alle Industrienationen an die eigene Nase fassen.
    Was ist denn mit dem Flugverkehr, was ist denn mit der Tourismusindustrie, was ist denn mit dem freien Welthandel per Schiff ?
    Und jetzt kommt der nächste Widerspruch, was ist denn mit dem Kunststoffmüll?
    Den Industrienationen ist noch nicht bewusst geworden, dass Kuststoffe nur eine andere Form von Erdöl sind, und die werden einfach weggeworfen ??

    Mit dem Finger auf eine Person zu zeigen kann man auch als Ablenkung von den eigenen Ungereimtheiten sehen.

    • Ja, Produkte aus Erdöl sind wohl allgegenwärtig. Dabei sollte man aber berücksichtigen, dass die petrochemische Industrie im Vergleich zum Straßenverkehr relativ wenig Öl verbraucht. Eine Statistik der EU für 2023 zeigt, dass die chemische Industrie etwa 12 Prozent des Erdöls für chemische Zwecke nutzt, der Straßenverkehr dagegen fast 50 Prozent (letztes Tortendiagramm auf der Seite). auch der Verband der chemischen Industrie hat sich bereits Gedanken darüber gemacht, wie Kunststoffe ohne Erdöl hergestellt werden können. Und wir sollten vielleicht auch bald Ideen entwickeln, wie die Menschheit die Unmengen an Mikro- Und Nanoplastik wieder los wird, die inzwischen alles zumüllen. In Zukunft müssen andere, schneller zerfallende und ungiftige Kunststoffe eingesetzt werden. Also: auch hier geht die Entwicklung, also der Forstschritt, vom Erdöl weg.

      • @Freyling: “… die ihre Identität vollständig durch ihre Umgebung und die Informationen, die sie konsumieren, bestimmen, ohne dass die Person selbst irgendetwas bewusst verarbeitet…”

        Ja, so ist das im geistigen Stillstand und gleichermaßen unverarbeitet-instinktiver Bewusstseinsschwäche von Angst, Gewalt und egozentriert-gebildetem “Individualbewusstsein”, seit Mensch erstem und bisher einzigen GEISTIGEN Evolutionssprung, dass “Recht des Stärkeren” in allen denkbaren …losigkeiten!?

  8. Erst wenn der letzte Fisch gegessen ist und der letzte Baum gefällt ist…..usw…

    werden wir merken…das man (n) Geld nicht Essen kann….🤷🏻‍♂️😋🙃

  9. @Jörg 10.08. 14:46

    „da gebe ich ihnen Recht…. vielleicht auch schon bei 45%“

    Ich muss mich hier selber korrigieren. Ich schrieb:

    „Die 20% die wir schon haben, sind elektrische Energie. Und die 80% die noch fehlt sind größtenteils Primärenergie. „

    Ich habe das noch mal nachgerechnet, in den 20% ist wohl die Energie enthalten, die man bräuchte, um die erneuerbare Stromproduktion in Wärmekraftwerken produzieren zu müssen. Hier hat man dann anscheinend einen Faktor von 2,5 gerechnet, was auch 40% Wirkungsgrad bedeutet.

    Bei Wärmepumpen kann der Stromeinsatz aber noch günstiger als 2,5 sein, und in der Mobilität haben wir einen Faktor von mindestens 2,5 bis sogar 10, bei PKW im Stadtverkehr.

    Weniger Individualverkehr, insbesondere ein System von selbstfahrenden E-Sammeltaxis, könnten allerdings hier ganz entscheidende zusätzliche Einsparungen bringen. Auch werden langsam aber sicher immer mehr Altbauten energetisch saniert, auch das dürfte Auswirkungen auf den Strombedarf der Wärmepumpen haben.

    Und auch die letzten nötigen Backupkraftwerke kann man auch mit Kraftwärmekopplung realisieren, das ist noch mal ein gutes Stück effizienter.

    @Thomas Grüter 09.08. 20:56

    „Und eventuell kommt das Jevons-Paradox noch dazwischen.“

    Macht jetzt soviel aber auch nicht, wenn Energie im weiteren Verlauf der Energiewende wirklich wieder billiger wird. Das dürfte den weiteren Zubau auf jeden Fall beflügeln. Dann werden eben noch ein paar mehr PV-Module aufgestellt?

    Mit den Windrädern könnten der Platz enger werden, bei PV reicht das auch für mehr, schätze ich. Wenn die geeigneten Dächer ausgebaut sind, geht es mit Freiflächen noch immer weiter. Insbesondere an trockenen Standorten kann man diese sehr gut mit Viehweiden kombinieren, ohne dass der landwirtschaftliche Ertrag dabei kleiner wird.

    @Dirk Freyling 10.08. 00:05

    „U.a. Öl und Gas werden bleiben, da Wind- und Solarenergie ohne Zwischenspeicher keine Versorgungssicherheit bedeuten.“

    Deswegen brauchen wir ja auch Speicher. Angefangen mit Kurzfristspeichern auf Basis von Lithiumbatterien, praktischerweise in Autos verbaut und bidirektional ans Stromnetz angeschlossen. Am Ende dann auch immer mehr Wasserstoff, für den Winter kann man den z.T. in den derzeitigen unterirdischen Erdgasspeichern lagern. Und solange das noch nicht fertig ist, brauchen wir selbstverständlich noch fossile Kraftwerke, aber deren Laufzeiten werden dann nach und nach immer weniger, und damit dann auch Verbrauch und Emissionen.

    • @ Jörg

      ja und wir werden dann auch sehen, dass man von den politischen Floskeln und dem Aktionismus auch nicht satt werden wird 🙁 … auch wenn Glauben Berge versetzt 😉

  10. Öl und Gas sind endlich und müssen so oder so irgendwann ersetzt werden. Je früher das passiert, desto weniger stark steigen die globalen Temperaturen.
    Aber klar ist es nicht so einfach auf Öl und Gas völlig zu verzichten wie viele wohl denken. Denn 1) Öl und Gas liefern nicht nur Energie, sie speichern auch Energie und 2) Öl ist auch die Basis für sehr viele petrochemische Produkte, beispielsweise für die meisten Kunststoffe. Auch Erdgas ist mehr als nur ein Energielieferant. So stammt heute mehr als 90% des verwendeten Wasserstoff aus Erdgas, also Methan. Auch Ammoniak und damit Stickstoffdünger wird mithilfe von Erdgas, also Methan, hergestellt. Gerade gestern habe ich gehört, dass die Umstellung der weltweiten Ammoniaksynthese auf „grünes Ammoniak“ gleich viel Strom benötigen würde wie die gesamte europäische Union heute erzeugt.

    Fazit: Ein vollständiger Verzicht auf Kohle, Erdöl und Erdgas bedeutet mehr als nur ein Wechsel der Energiequellen. Es bedeutet auch völlig andere chemische Prozesse aufzusetzen für die Erzeugung von Wasserstoff, Ammoniak und Plastik. Vollständig neue, bis jetzt nur im Labormassstab erprobte chemische Prozesse, auf Weltmassstab zu skalieren dürfte länger als nur ein paar Jahre dauern. Überhaupt gilt: je weiter die Dekarbonisierung fortgeschritten ist, desto schwieriger und teurer wird es auch noch den Rest zu schaffen. Meine Prognose: die eigentlichen Probleme der Energiewende kommen erst auf uns zu. Aber vielleicht ist es noch zu früh, tiefer darüber nachzudenken, denn es könnte auch sein, dass neue Technologien diese Probleme bald einmal bezwingbar machen. Allerdings haben wir nicht mehr so viel Zeit, was bedeutet, dass bald 10 oder 15 Jahre bedeuten muss.

  11. 🚫Gas, 🚫 Öl ist möglich, aber es ist eine Frage der Geschwindigkeit
    Der völlige Verzicht auf Erdöl und Erdgas ist kein physikalisches Problem, aber sehr wohl ein Problem der Technikskalierung, was in die Frage mündet: Wie schnell schafft es die „Weltwirtschaft“, vollkommen auf Erdöl und Erdgas zu verzichten? Hier ein paar Hinweise darauf wie lange so ein Prozess dauert:
    – Heute angeschaffte Verbrenner-Autos werden zu einem grossen Teil auch im Jahr 2035 noch laufen und auch 2035 noch Öl oder Diesel tanken
    – Kunststoffe können aus Pflanzenmaterial hergestellt werden, was sie aber teurer macht. Deshalb wohl ist der Anteil von Bio-Kunststoffen heute immer noch gering. Mit andern Worten: ohne Erdöl wird’s teurer, was ein Problem für ärmere Länder ist.
    – „Grüner Ammoniak“ wird aus Wasserstoff und Stickstoff hergestellt, wobei der Wasserstoff durch Elektrolyse entsteht. Heute ist Wasserstoff aus Elektrolyse immer noch sehr teurer. Bis überhaupt die Produktion von „grünem Ammoniak“ in grossem Massstab beginnt müssen die Kosten deutlich runterkommen. Das aber kann gut und gern 10 bis 20 Jahre dauern.
    – Technische Transformationen im Energiesektor brauchen generell eine lange Zeit. Massenfabrizierte Elektroautos etwa existieren seit 2012, haben aber 2025 weltweit erst gerade 20% erreicht, in den USA sogar deutlich weniger. Vor 2040 dürfte wir nicht bei 100% Elektroautos ankommen. Für „grünen Ammoniak“ oder 100% Biokunststoff dürfte es noch länger brauchen.
    Fazit: Eine vollkommener Verzicht auf Erdöl und Erdgas ist nicht vor 2050 zu erwarten. Es könnte aber auch viel länger dauern. Historisch gesehen waren Umstellungen auf neue Energiequellen schon immer lange andauernde Prozesse.

  12. @Martin Holzherr 11.08. 00:17

    „Überhaupt gilt: je weiter die Dekarbonisierung fortgeschritten ist, desto schwieriger und teurer wird es auch noch den Rest zu schaffen.“

    So sieht es wohl aus. Zunächst konnten wir einfach PV und Windräder installieren, und den Strom direkt an die Verbraucher weiterleiten. Das gerät längst an Grenzen, es muss schon abgeregelt werden und es braucht jetzt Kurzfristspeicher für den weiteren Zubau von grüner Primärproduktion.

    Was jetzt aber von den Rahmenbedingungen behindert wird. Wir bräuchten mehr Ladeinfrastruktur für E-Autos, praktischerweise bidirektional, und keine Durchleitungsgebühren dafür und für stationäre Lithiumspeicher. Beides stabilisiert die Stromnetze mehr als dass sie sie belastet.

    Wenn das Speicherproblem gelöst ist, geht es weiter mit einer Umstellung der Technik beim Verbraucher, die extra kostet. Angefangen mit den E-Autos, die nur langsam die Verbrenner ablösen. Die Altfahrzeuge werden vermutlich so lange im Einsatz sein, wie sie halten. Das sind dann auf jeden Fall Investitionen, auch wenn schon bald die E-Autos bei den Kosten gleichziehen.

    Beim Thema Heizung braucht es noch deutlich mehr Investitionen auf Verbraucherseite, die neben der Bereitstellung der grünen Energie reichlich extra kosten. Hier jetzt noch einiges mehr, als nur den Ersatz von alten Heizungsanlagen. Auch Wasserstoff mitsamt Speichern wird hierfür gebraucht.

    In der Industrie müssen dann auch ganze Produktionen umgebaut werden, die auch teurer werden können als die alten.

    Einen Lichtblick sehe ich hier aber doch: Wenn die PV-Module und Lithiumbatterien weiter immer billiger werden, dann wirkt sich das über die Kosten hinaus auch auf die Geschwindigkeit der Energiewende aus. Insbesondere in Ländern mit viel Licht und Solarertrag, und wo man sowieso noch dabei ist, eine zuverlässige Stromversorgung aufzubauen.

    Auch der Bedarf für Klimaanlagen kann immer besser direkt mit PV gedeckt werden, die Laufzeiten der Klimaanlagen fallen so gut mit dem Solarstromangebot zusammen, dass hierfür nicht mal Kurzfristspeicher nötig wären.

    Es kann also durchaus sein, dass die steigenden Kosten für Speichern und Verarbeiten beim Endverbraucher durch sinkende Kosten bei der grünen Primärproduktion ausgeglichen werden?

    • @Tobias Jeckenburger
      Zitat 1: „Was jetzt aber von den Rahmenbedingungen behindert wird. Wir bräuchten mehr Ladeinfrastruktur für E-Autos..“
      Vor allem braucht es Lademöglichkeiten auch abseits der grossen Achsen, das heisst es sollte keine weissen Flächen ohne jede Ladeinfrastruktur geben. Ob es aber von der absoluten Zahl sehr viel mehr braucht, können wir heute gar nicht sagen. Es könnte durchaus sein, dass in 10 Jahren 10 Minuten Ladezeit das Normale sind und in 20 Jahren gar 5 Minuten. Dann aber braucht es absolut gesehen sogar weniger Ladesäulen, weil die gleiche Ladesäule pro Tag 50 oder gar 100 Mal eingesetzt werden kann. Kurzum: Die Elektromobilität ist immer noch ständigen Änderungen unterworfen.

      Zitat 2: „Es kann also durchaus sein, dass die steigenden Kosten für Speichern und Verarbeiten beim Endverbraucher durch sinkende Kosten bei der grünen Primärproduktion ausgeglichen werden?“
      Das sehe ich vor allem an günstigen Standorten mit beispielsweise viel Wind oder viel Sonne. In dicht bevölkerten Ländern wie Deutschland aber kann man nicht die ganze Landschaft mit Energieinfrastruktur überstellen. Schon heute wehrt sich die Bevölkerung gegen zu viele Windanlagen und verlangt, dass Übertragungsleitungen unterirdisch verlegt werden. Das macht den Strom jedenfalls nicht günstiger. Zudem muss Deutschland Wasserstoff importieren, wenn es Wasserstoff als Backup nutzen will. Denn in D fehlt der Platz für die nötige Wasserstoffproduktion.

    • @Tobias Jeckenburger (Zitat): „Es kann also durchaus sein, dass die steigenden Kosten für Speichern und Verarbeiten beim Endverbraucher durch sinkende Kosten bei der grünen Primärproduktion ausgeglichen werden?“
      Zuerst einmal plant D den Neubau von Gaskraftwerken mit einer Leistung von bis zu 20 Gigawatt, was etwa 40 Anlagen entspricht, die zusammen 22 bis 32 Milliarden Euro kosten. Diese Gaskraftwerke werden erst in 10 Jahren alle fertiggestellt sein und müssten dann bis 2045 (also nach 10 Jahren Betrieb) wieder stillgelegt und durch Wasserstoff-Backup ersetzt werden. Das wird den Strom teurer machen. Zudem könnten der Wasserstoff-Backup noch sehr viel mehr kosten.
      Kurzum: D muss in naher Zukunft den Strom-Backup in Form von Grossbatterien, Gaskraftwerken und später Wasserstoffkraftwerken finanzieren. Nach heutigem Wissen wird das einiges kosten und den Strom sicher nicht billiger machen.

  13. @Martin Holzherr 11.08. 17:16 / 18:07

    „In dicht bevölkerten Ländern wie Deutschland aber kann man nicht die ganze Landschaft mit Energieinfrastruktur überstellen.“

    Bei Windrädern auf jeden Fall, bei PV sehe ich da aber keine wirklichen Probleme. Viel mehr als 1 % der Landesfläche Deutschlands dürfte nicht erforderlich sein.

    „Zudem muss Deutschland Wasserstoff importieren, wenn es Wasserstoff als Backup nutzen will.“

    Anlagen, die überwiegend Wasserstoff produzieren sollen, lohnen sich natürlich bei PV vor allem in Südeuropa oder Nordafrika. Da dürften sich dann auch Wasserstoffpipelines bis nach Mitteleuropa lohnen. Auch Offshore-Windparks könnten das leisten.

    Wenn wir jetzt aber öfter sowieso saisonale Überschüsse haben, lohnt es sich, die auch noch in Wasserstoff zu verwandeln, bevor man sie einfach abregelt.

    „Diese Gaskraftwerke werden erst in 10 Jahren alle fertiggestellt sein und müssten dann bis 2045 (also nach 10 Jahren Betrieb) wieder stillgelegt und durch Wasserstoff-Backup ersetzt werden.“

    Das müsste doch wohl möglich sein, dass diese Gaskraftwerke sowohl mit Erdgas und Biogas wie auch mit Wasserstoff laufen? Oder sogar mit einer Mischung dieser Brennstoffe, so wie gerade das Angebot aussieht.

    Wir können meine ich auch gerne noch die alten Kohlekraftwerke als letztes Backup bereit halten. Wenn die nur alle paar Jahre für einige Wochen im Einsatz sind, sind die entsprechenden Emissionen ziemlich niedrig. Es sehe wenig Sinn, da jetzt neue Gaskraftwerke zu bauen, die nur wochenweise im Winter laufen müssen. Zumal auch zur Neige gehende Methan- und Wasserstoffspeicher ein Problem sein können, da helfen dann nur Kohlekraftwerke, neben Kraftwerken, die mit gelagertem Holz und Müll laufen können.

    Auch kann ich mir vorstellen, dass wir in den Städten flächendeckend Fernheizungsnetze bekommen werden. Dort kann man dann kleinere Gaskraftwerke gebrauchen, die in Kraftwärmekopplung und mit Methan wie mit Wasserstoff laufen. Kombiniert mit Großwärmepumpen erscheint mir das als günstigste Lösung. Da kann dann sowohl jede Menge Überschüsse von den Großwärmepumpen verarbeiten lassen, wie aber auch Backupstrom fürs allgemeine Stromnetz liefern.

    „Nach heutigem Wissen wird das einiges kosten und den Strom sicher nicht billiger machen.“

    Schwer zu sagen, wie sich die Preise für PV und Lithiumbatterien entwickeln werden. Auf jeden Fall haben wir seit dem Ukrainekrieg eigentlich astronomische Strompreise, das kann doch eigentlich nur billiger werden. Wer die Möglichkeit einer eigene PV-Anlage mit eigenen bidirektional angeschlossenem E-Autos hat, wird vermutlich heute schon viel günstiger wegkommen.

    Ich wohne hier in innenstadtnaher verdichteten Bebauung als Mitglied einer Wohnungsgenossenschaft. Die planen auch hier alle geeigneten Dächer mit PV auszustatten, und das würde auch für alle Autos reichen. Das wäre gar nicht mal zu teuer, aber es gibt hier in der Stadt auf die Schnelle gar nicht die Handwerker, die das alles installieren müssen. Das dauert also mindestens 10 Jahre, bis dieses Projekt abgeschlossen ist. Hier verspreche ich mir in der Tat dann auch niedrigere Stromkosten. Ein Auto brauche ich gar keins, aber wer dann ein E-Auto hat, der kann dann nicht nur billigen Genossenschaftsstrom laden, sondern gleichzeitig mit einer bidirektionalen Ladestation die Fahrzeugbatterie dazu nutzen, Geld am Strommarkt zu verdienen.

    • Zitat 1: “Wir können meine ich auch gerne noch die alten Kohlekraftwerke als letztes Backup bereit halten. Wenn die nur alle paar Jahre für einige Wochen im Einsatz sind, sind die entsprechenden Emissionen ziemlich niedrig.“
      Ja, das wäre sogar sehr viel sinnvoller als neue Gaskraftwerke zu bauen, denn etwas Neues mit langer potenzieller Betriebszeit zu bauen, macht wenig Sinn, wenn man gar nicht weiss, welche Technologie die Zukunft bestimmt.

      Zitat 2: “Schwer zu sagen, wie sich die Preise für PV und Lithiumbatterien entwickeln werden. Auf jeden Fall haben wir seit dem Ukrainekrieg eigentlich astronomische Strompreise, das kann doch eigentlich nur billiger werden. “
      In fast allen Videos oder Artikeln dazu liest man, dass es tendenziell teurer wird, einfach darum, weil bei mehr als 60% Erneuerbaren Speicher und Backup immer wichtiger werden und zudem der Bedarf nach Netzausbau zunimmt. Man sagt ja, dass 100% Erneuerbare bedeuten, dass der Gesamtstrombedarf sich verdoppelt, weil nun elektrische Geräte wie E-Autos, Wärmepumpen, etc. fossile Geräte ersetzen. Eine Verdoppelung der Gesamtstrommenge in Deutschland bedeutet aber einen massiven Netzausbau. Und der ist nicht gratis.

      Zitat 3: “Die planen auch hier alle geeigneten Dächer mit PV auszustatten, und das würde auch für alle Autos reichen. Das wäre gar nicht mal zu teuer, aber es gibt hier in der Stadt auf die Schnelle gar nicht die Handwerker, die das alles installieren müssen. Das dauert also mindestens 10 Jahre, bis dieses Projekt abgeschlossen ist.“
      Ja, ein Riesenproblem: D will bis 2045 klimaneutral werden, hat aber weder die Leite noch das Geld um die Umstellung in so kurzer Zeit umzusetzen. Prognose: Künstliche Intelligenz zusammen mit humanoiden Robotern könnten hier die Lücke eventuell schliessen. Nur ist das eben Spekulation. Deutschlands Zukunft ist also auf Sand gebaut, beziehungsweise hängt in der Luft.

      • Martin Holzherr
        “Wir können meine ich auch gerne noch die alten Kohlekraftwerke als letztes Backup bereit halten. ”

        Wir sollten sogar. Wir verwenden Asphalt für unsere Straßen. Und Asphalt ist eine Mischung aus kleinen Steinen + Bitumen. Und Bitumen wird aus Erdöl gewonnen.
        Man kann auch Teer verwenden aus der Steinkohle.

        Mit der Klimaneutralität wird es nichts, denn die ausufernden Stadtrandgebiete pflastern den Boden zu , die Sonneneinstrahlung erwärmt das “Stadtklima” zusätzlich.
        Die Politik läuft nur Schlagworten nach, das sieht man daran, dass auch das Straßennetz ausgebaut wird. Flächenverbrauch ist nicht sinnvoll wenn man die Klimaerwärmung stoppen will.

  14. Was auch immer hier von Kommentatoren gewünscht wird…
    Wie sieht die Realität der „alternativen“ Energieversorgung ohne Zwischenspeicher aus?
    Ein Wechselstromnetz mit einer Frequenz von 50 Hz unterliegt bestimmten Randbedingungen, die für einen stabilen und effizienten Betrieb notwendig sind. Mit ± 0,2 Hz in synchronisierten Netzen wie dem europäischen Verbundnetz. Zur Erinnerung, was passiert, wenn die Freqenzabweichung größer wird. Das System wird dann abrupt abgeschaltet respektive das System schaltet sich dann automatisch ab.
    Was exemplarisch in Spanien und Portugal Ende April 2025 zum Blackout führte, weiß jeder, der entsprechend im Bereich Elektrotechnik (vor)gebildet ist. Anders als Gas-, Kohle-Kraftwerke sowie Kernkraftwerke wird der erzeugte Solar- und Windstrom direkt ins Stromnetz eingespeist. Daraus ergeben sich, je nach Wind und Sonneneinstrahlung, mitunter extrem unterschiedliche Energiemengen in mitunter extrem kleinen “Zeitfenstern”, die nicht reguliert werden können. Die Energie aus Gas-, Kohle-Kraftwerken sowie aus Kernkraftwerken wird, vereinfacht dargestellt, mechanisch auf Turbinen übertragen. Die Turbine ist mit einer Welle verbunden, die sich dreht und so mechanische Energie überträgt. Die rotierende Welle ist an einen Generator gekoppelt, der nach dem Prinzip der elektromagnetischen Induktion funktioniert: Ein Rotor (mit Magneten oder Elektromagneten) dreht sich innerhalb eines Stators (mit Kupferwicklungen). Durch die Bewegung des Magnetfelds entsteht ein elektrischer Strom in den Spulen. Der erzeugte Wechselstrom wird über Transformatoren auf Hochspannung transformiert und ins Stromnetz eingespeist. Die (Massen-)Trägheit der Turbinen gewährleistet eine konstante Frequenz und Bedarfsschwankungen können gut gesteuert und ausgeglichen werden. Der direkt erzeugte Solar- und Windstrom fließt hingegen schwer bis gar nicht nachregulierbar direkt ins Netz. Vereinfacht ausgedrückt: In Spanien hat sich das Netz automatisch reguliert abrupt abgeschaltet, denn die andere Option wäre im Ergebnis das (Kettenreaktions-)“Himmeln” der Transformatoren gewesen. Im Ergebnis: Brennende, letztendlich final verklumpte Metallhaufen statt Transformatorenwerke.
    Fazit
    Maximal ~ 55 Prozent Ökostrom können in ein Wechselstromnetz eingespeist werden, das, wie im europäischen Verbundnetz auf 50 Hertz synchronisiert sein muss! Grundlastfähig sind nur Dampfkraftwerke aufgrund der riesigen Schwungmassen der Generatoren. Nur diese liefern planbar und zuverlässig zu jeder Zeit Strom in einer Größenordnung von 90 Prozent der installierten Leistung, bei Windstrom sind es zehn bis zwanzig Prozent, bei Solarstrom fünf bis zehn Prozent.

    • Eine Direkteinspeisung von EE-Strom gibt es immer weniger, da Batterien einen Teil des Stroms aufnehmen. Zusätzlich müssen in Zukunft alle Einspeiser, also auch Solar- und Windanlagen, netzaufbauend operieren. “Netzaufbauende Einspeisung” bedeutet, dass die Einspeisung so erfolgt, dass sie die
      Netzstabilität unterstützt: Durch intelligente Steuerung der Einspeisung kann das Netz stabilisiert werden, indem beispielsweise Einspeisespitzen geglättet oder die Einspeisung an den Bedarf angepasst wird.
      Die Netzflexibilität kann erhöht werden, indem die Einspeisung so erfolgt, dass sie zur Flexibilität des Netzes beiträgt, also beispielsweise die Möglichkeit bietet, bei Bedarf schnell mehr oder weniger Strom einzuspeisen.
      Kurzum Die netzstabilisierende Wirkung von grossen Inertialmassen wie sie in Turbinen vorhanden sind, kann elektronisch und regelungstechnisch nachgebildet werden. Besonders hilfreich sind dabei Batterien als Zwischenspeicher.

      • …wiederholende Semantik, mit nur einer bekannten Aussage…
        …”Besonders hilfreich sind dabei Batterien als Zwischenspeicher.”
        ACH, what’s new?, im ideologischen, innovationsentrückten Gedankenreich mag man das glauben…
        ABER: Viel zu teuer, des Weiteren, Lithiumabbau ist eine extreme Umweltsünde…

        Gibt es verfahrenstechnisch gut bekannte ungenutzte Speicheralternativen?
        JA!

        Druckluftspeicher sind gut geeignet sind, um Strom respektive elektrische Energie nachhaltig zu speichern. Doch warum wird das so gut wie nicht thematisiert? Warum ist dies in Deutschland nicht schon seit Jahrzehnten anwendungstechnisch umgesetzt worden? Warum ist nahezu niemand hierzulande diesbezüglich kreativ und innovativ gewesen, und dass, obwohl die moderne deutsche Industrieproduktion seit Anbeginn ihrer Geschichte bei fast allen erdenklichen Prozessen verfahrenstechnisch mit Druckgasen arbeitet(e)? Deutsche waren Pioniere der Drucklufttechnik seit den ersten Tagen der Industrialisierung. Vor diesem Hintergrund drängt sich ganz aktuell die Frage auf, warum die Entwicklung und Marktimplementierung dieser Technologie wieder einmal in China und nicht in Deutschland stattfinden?
        Die chinesische 100-Megawatt-Anlage ist laut der chinesischen Akademie der Wissenschaften das modernste bislang gebaute Druckluftspeicherkraftwerk der Welt. Es kann bis zu 60.000 Haushalte mit Strom versorgen. Jährlich kann die Anlage rund 130 Gigawattstunden Strom zur Verfügung stellen. Das System ist denkbar simpel: Um die Energie zu speichern, wird dabei in Phasen wetterbedingt hoher Erzeugung erneuerbarer Energien Luft verdichtet und unter hohem Druck gespeichert. Wird Strom benötigt, entlässt man die Luft wieder aus den Speichern. Die bei der Kompression freigesetzte Wärme wird gleichfalls gespeichert. Diese wird gebraucht, um die Luftspeicher bei der Dekompression zu erwärmen, da die Anlage sonst bei der Luftexpansion einfriert. Mit diesem Speichertypus kann eine beachtliche Effizienz von über 70 Prozent erreicht werden.

  15. Wir hätten diesen Umbau des Energienetzes nicht benötigt, wenn Mensch endlich OHNE wettbewerbsbedingt-konfuse Symptomatik zusammenleben würde und somit alles auf ein vernünftiges Maß gebracht wäre – Auch mit den jetzigen Maßnahmen wird das alles nur stumpf- wie blödsinniger Aktionismus bleiben, im Sinne des wachstumwahnsinnigen Wettbewerbs um die Deutungshoheit dieser Welt- und “Werteordnung”. 👋🥴👍🏻

  16. @Martin Holzherr 12.08. 19:07

    „Eine Verdoppelung der Gesamtstrommenge in Deutschland bedeutet aber einen massiven Netzausbau. Und der ist nicht gratis.“

    Nicht unbedingt, wenn ein großer Teil des zusätzlichen Stroms direkt beim Verbraucher produziert wird. Auch können überall verteilte schnelle Speicher dafür sorgen, dass die bestehenden Netze sehr gut ausgelastet werden.

    Entsprechend macht es jetzt Sinn, wenn auch in Süddeutschland mehr Windkraft installiert wird, und PV vor allem in den Städten und bei Industriebetrieben zugebaut wird.

    Auch E-Autos können flexibel geladen werden, je nach Stromangebot, aber auch je nach lokaler Netzbelastung.

    Und wenn wir sowieso Einiges an Wasserstoffwirtschaft aufbauen, kann man mit Wasserstsoffpipelines jede Menge Energie auch sehr weite Strecken transportieren.

    • Eine Verdoppelung der Gesamtstrommenge in Deutschland von 500 Terawattstunden pro Jahr heute auf 1000 Terawattstunden im Jahr 2045 benötigt auf alle Fälle einen Ausbau des Netzes an vielen Stellen unabhängig davon ob Erneuerbare oder Bandkraftwerke den Strom erzeugen.
      Richtig ist aber, dass Erneuerbare heute noch extreme Stromspitzen erzeugen können, wo dann etwa bei viel Wind an der Nordsee 20 Gigawatt Leistung zusätzlich erzeugt werden, was dann den Stromtransport vom Norden in den Süden über Hochspannungstrassees nötig macht. Hier können Grossbatterien tatsächlich helfen, indem sie Lastspitzen kappen und damit verhindern, dass Leitungen überlastet werden oder gar die Windkraftanlagen vom Netz getrennt werden müssen.
      Kurzum: Grossbatterien können Lastspitzen kappen, eine deutlich grössere Gesamtstrommenge aber verlangt auf alle Fälle Netzanpassungen.

  17. @Dirk Freyling 12.08. 12:47

    „ABER: Viel zu teuer, des Weiteren, Lithiumabbau ist eine extreme Umweltsünde…“

    Bergbau hat immer seine Folgen. Ohne dem geht es nun mal nicht. Und teuer sind die Lithiumspeicher auch nicht mehr. Insbesondere kann man damit sehr gut Fahrzeuge antreiben, und die ziemlich großen Fahrzeugbatterien nebenbei als Stromnetzspeicher nutzen. Und auch wenn die Kapazität nach 10 oder 20 Jahren nachlässt, kann man die alten Fahrzeugbatterien ausbauen und als reine Netzspeicher weiter nutzen.

    Und die verwendeten Rohstoffe wie auch das Lithium selber können vermutlich am Ende recycelt werden, und müssen entsprechend dann auch nur einmal ausgegraben werden. Nur die Fossilen Energieträger werden wirklich verbrannt, und sind dann als Abgase in der Atmosphäre verteilt.

    „Mit diesem Speichertypus kann eine beachtliche Effizienz von über 70 Prozent erreicht werden.“

    Lithiumakkus bringen eben 90 Prozent. Und sind wie gesagt leicht genug, um Fahrzeuge anzutreiben.

    Von mir aus kann man aber gerne auch Druckluftspeicher nutzen.

  18. 100% Erbeuerbare: mit heutiger Energietechnik wird’s teuer, doch neue Batterietechnologien könnten das ändern
    Die geplante deutsche Energiewende mit 100% Erneuerbaren, Batterien als Stundenspeicher und Wasserstoff als Langzeitspeicher und Backup wird es bei heutigen Wasserstoffpreisen und dem Einsatz von Wasserstoff für 10% des Strombedarfs äusserst teuer, einfach darum, weil grüner Wasserstoff heute sehr teuer ist. Dazu kommt, dass mit Wasserstoff als Backup 2/3 der primär erzeugten Strommenge verloren gehen.
    Sehr viel besser wären da billige Grossbatterien, denn ihr Wirkungsgrad liegt bei 90%. Heute kommen Grossbatterien aber erst für die Speicherung von Strom für einige Stunden in Frage, vor allem auch weil sie zu teuer sind. Doch das muss nicht so bleiben. Eben hat CATL die Natrium-Ionenbatterie Naxtra vorgestellt, die eine Energiedichte von 175Wh/kg hat und heute um 100 Dollar pro Kilowattstunde kosten soll. Doch CATL sagt voraus, dass Natrium-Ionenbatteruen, wenn sie einmal im Terwattstunden-Bereich pro Jahr gefertigt werden nur noch 10 Dollar pro Kilowattstunde kosten werden. Falls dieser Preis stimmt, dann könnten 24 Stunden Gesamtstrom in Deutschland in Natrium-Ionenbatterien gespeichert werden und die Batterien würden nur 27 Milliarden Euro kosten. Ein landesweiter deutscher Batteriespeicher für 10 Tage würde dann nur 270 Milliarden Euro kosten. Es gibt aber nur ganz wenige Dunkelflauten, die länger als 10 Tage anhalten. Für diese langtägigen Dunkelflauten könnte man dann die bestehenden Kohlekraftwerke wieder hochfahren.
    Kurzum: Mit heutiger Technologie werden 100% Erneuerbare teuer, mit dreckbilligen Batteriespeichern aber könnte das Gesamtsystem recht günstig realisiert werden. Die Zukunft liegt also in den (chinesischen) Wolken.

    • Ergänzung zu Dunkelflauten in Deutschland: Die meisten Dunkelflauten in D dauern zwischen 2 und 8 Tagen, es gibt aber auch Dunkelflauten, die länger als 2 Wochen anhalten mit 2 Rekorden: 30 Tage im Dezember 2022, 54 Tage im März 2023. Eine Dunkelflaute ist definiert als eine mehr als 48-stündige Phase von weniger als 10% EE-Leistung.
      Fazit: Auch mit 10 Tagen Batteriespeicher werden nicht alle Dunkelflauten abgedeckt. Für solche seltenen, aber langanhaltenden Dunkelflauten sollten meiner Ansicht nach möglichst kostengünstige „Notfall“-Generatoren zum Einsatz kommen. Grund: Die Gesamtkosten der Energiewende dürfen nicht beliebig gross werden. Es ist beispielsweise falsch für die letzten 5% der Treibhausgase mehr als 50% der gesamten Kosten der Energiewende aufzuwenden. Falls Deutschland zu viel Geld für Klimaprojekte hat, sollte es dieses Überschussgeld besser in Klimaprojekten anderer Länder ausgeben als es in eine superteure „Endlösung“ der eigenen Energiewende zu investieren.

  19. Kosten der Energiewende vorab festlegen
    D strebt CO2-Neutralität bis 2045 an ohne ein Kostendach festzulegen, sie will also Klimaneutralität koste es, was es wolle, erreichen. Doch Deutschland kann durch all ihre Investitionen das Weltklima kaum beeinflussen. Global gesehen wäre es das Richtige, immer gerade das zu finanzieren, was die meisten CO-Reduktionen weltweit reduziert und nicht unbedingt das, was etwa die Insel Helgoland klimaneutral macht.
    Die Gesamtkosten der deutschen Energiewende werden aber trotzdem bereits eingeschätzt. Aurora Energy Research etwa geht von Gesamtkosten von 3,44 Billionen Euro bis 2045 aus und viele andere Studien bewegen sich im gleichen Rahmen. Mein Vorschlag: Anstatt allein das Nullemmissionsziel im Auge zu haben, sollte man auch ein Kostendach festlegen, was bedeutet, dass man festlegt, wieviel man maximal ausgeben will. Für Deutschland etwa scheinen mir jährliche Ausgaben von 4% des BIP pro Jahr für die Klimaziele als Kostendach sinnvoll. Das wären 200 Milliarden Euro pro Jahr für die Energiewende und damit Ausgaben von 4 Billionen Euro über die Zeitspanne von 2025 bis 2045 als Maximum. Mehr sollte man einfach nicht ausgeben, denn es lohnt sich nicht, beliebig viel Geld nur für ein nationales Ziel auszugeben, das einem globalen Problem entspringt.
    Kurzum: Deutschland sollte nicht beliebig viel Geld für seine Klimaziele ausgeben, denn Deutschland kann das globale Klima über Ausgaben in D kaum beeinflussen. Eventuell ist es sogar sinnvoll, mit einem Teil des Klimageldes Projekte im Ausland zu finanzieren.

    • Aurora Energy Research etwa geht von Gesamtkosten von 3,44 Billionen Euro bis 2045 aus und viele andere Studien bewegen sich im gleichen Rahmen

      Bei den Kostenangaben der Energiewende muss man immer darauf schauen, ob da zwischen zusätzlichen Kosten und Kosten, die sowieso auftreten, differenziert wird.

      Eine McKinsey-Studie von 2021 gab Kosten von 6 Billionen Euro an – sagt aber ganz klar, dass 5 Billionen davon sowieso investiert werden müssten und “nur” 1 Billionen tatsächliche Mehrkosten sind und selbst diese 1 Billionen Euro sich je nach Bedingungen amortisieren könnten. Beispielsweise muss ein Autofahrer früher oder später sowieso ein neues Auto kaufen. Wenn er sich dann für ein E-Auto entscheidet, kostet das zwar etwas mehr, aber ein Großteil der Kosten würde sowieso anfallen.

      Der letzte Aspekt wird gerne weggelassen, um die Energiewende künstlich besonders teuer erscheinen zu lassen.

      • @Primergy: Klar sind die Kosten der Energiewende vor allem Investitionskosten und Investitionen generieren ja irgendwann auch Erträge. Anstatt von Investitionskosten könnte man auch von Anschaffungskosten sprechen. In Deutschland sind beispielsweise die Anschaffungskosten für E-Autos grösser als die für Verbrenner. Über die gesamte Lebenszeit aber sind E-Autos auch heute schon günstiger als Verbrenner. Ähnliches gilt vielleicht auch für Energietechnologie. Allerdings entwickelt sich die EE-Technologie auch schnell weiter und diese Entwicklungen könnten bestimmte Investitionen im Rückblick obsolet erscheinen lassen, weil es später besseres gibt. Ein Beispiel dafür sind die geplanten Erdgaskraftwerke in D.
        Investitionen/Anschaffungskosten müssen in jedem Fall vorab gezahlt werden, also bevor irgendwelche Erträge generiert werden. Deshalb können Investitionen nicht beliebig gross werden.

  20. @Martin Holzherr 13.08. 11:25 / 13:17

    „Es gibt aber nur ganz wenige Dunkelflauten, die länger als 10 Tage anhalten. Für diese langtägigen Dunkelflauten könnte man dann die bestehenden Kohlekraftwerke wieder hochfahren.“

    Genau. Insbesondere gibt es auch noch Ertragsschwankungen über ganze Jahre. Wenn bis dahin die Erdgasspeicher für Wasserstoff genutzt werden, können die in ungünstigen Jahren im Winter recht schnell leer laufen. Dann ist das Wasserstoffbackup aufgebraucht. Da hilft dann nur noch Kohle, aber auch gelagertes Holz und gelagerter Müll. Und Wasserstoffpipelines aus Südeuropa.

    Insbesondere konkurrieren Erdgaskraftwerke mit den Wasserstoffspeichern, zumal das Speichern mit Wasserstoff 4 mal mehr Platz in den unterirdischen Kavernen braucht als Methan.

    „Eventuell ist es sogar sinnvoll, mit einem Teil des Klimageldes Projekte im Ausland zu finanzieren.“

    Auf jeden Fall würde ich sogar sagen. Es geht schließlich ums Weltklima, und nebenbei noch um die Finanzierung von feindseligen Diktaturen wie in Russland und Iran. Beides wirkt nur global. Und den Menschen in den ärmeren Ländern kann es auch noch helfen, dann wollen auch weniger hier in Europa einwandern, das wäre auch noch ein Pluspunkt.

    Gerade PV hat in den Wüstengegenden mehr als den doppelten Ertrag als in Deutschland, da lohnen sich doch insbesondere großzügige Kooperationen. Für Nordafrika kann man dann eine günstige und verlässliche Stromversorgung fördern, und zugleich einen Teil des erzeugten Stroms in Wasserstoff verwandeln und per Pipeline nach Europa transportieren.