Ist das Gehirn parteiisch?

Warum glauben so viele Menschen an offensichtliche Lügen, oder zu neudeutsch, an „Fake News“? Die Psychologen Jay J. Van Bavel und Andrea Pereira von der New York University haben gerade ein Paper veröffentlicht, die dieses Phänomen erklären soll.

Sie stellen ein Modell vor, das erklären soll, wie und warum Parteilichkeit (engl. „partisanship“) die Informationsverarbeitung im Gehirn beeinflussen soll. Aber nicht nur dass: Sie schlagen auch vor, welche Gegenmaßnahmen am ehesten Erfolg versprechen1 (Hier der Link auf die Draftversion des Papers im PsyArXiv).

Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Jedenfalls berichtete die Presse ausführlich darüber (z. B. das Internetportal Science Daily, aber auch das Massenblatt Vanity Fair). Die Nachrichtenagentur dpa verfasste einen Artikel dazu, der in mehreren großen deutschen Tageszeitungen abdruckt wurde. Auch n-tv und die Deutsche Welle nahmen das Thema auf.

Die Autoren des Papers verwenden das Wort „partisanship“, was mehr als nur „Parteilichkeit“ bedeutet. In den USA existieren seit vielen Jahrzehnten nur zwei große politische Parteien: die Republikaner und die Demokraten. Traditionell dominiert in einem sozialen Milieu nur eine der beiden Parteien, und zwar so deutlich, dass politische Diskussionen über Parteigrenzen hinweg kaum noch zustande kommen. Die Anhänger der jeweiligen Parteien bleiben vorwiegend unter sich, lesen verschiedene Zeitungen, informieren sich bei unterschiedlichen Fernsehnetzwerken und kommunizieren in sozialen Netzen nur untereinander. Ihre Sicht auf die Welt könnte kaum verschiedener sein. Die Anhänger von Demokraten und Republikanern reden kaum miteinander dafür um so mehr übereinander. In beiden Lagern verbreiteten viele Menschen die bösesten Gerüchte über die jeweils andere Partei. Die Änderung der Parteipräferenz wird geradezu als Verrat an der eigenen sozialen Gruppe betrachtet. Einige Experten behaupten, das Land sei heute so tief gespalten wie zuletzt im Sezessionskrieg. Die Aussichten auf eine Versöhnung sind eher gering, und die gegenwärtige Regierung tut alles, um die Kluft weiter zu vertiefen.

Wenn also zwei Wissenschaftler für sich beanspruchen, ein Modell entwickelt zu haben, das diese Kluft erklärt und zugleich Abhilfe verspricht, dann erregt das zunächst einmal Aufmerksamkeit, auch weit über die Wissenschaftsgemeinde hinaus.

Bestimmt Parteilichkeit unsere Wahrnehmung?

Das Paper versucht zu belegen, dass die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, einem Stamm oder einer Partei weitgehend die Wahrnehmung der Wirklichkeit bestimmt. Nicht die Dummheit der Menschen, sondern die Besonderheiten des „parteilichen Gehirns“ bewirkt eine dauerhafte Verzerrung der Weltsicht, meinen die Autoren. Van Bavel argumentiert, dass Menschen  politische Ereignisse korrekt und umfassend verstehen möchten. Das nennt er „Genauigkeitsziel“. Es aber stehe in Konflikt mit anderen Zielen, wie zum Beispiel dem Zugehörigkeitswunsch, also dem Bestreben, sich als gutes Gruppenmitglied zu zeigen, dem Wunsch nach einem geschlossenen, widerspruchsfreien Weltbild („Epistemic Closure“) oder dem Streben nach Macht und Reichtum. Auch der Wunsch, sie aus der Masse herauszuheben („Distinctiveness“), oder gefühlte moralische Werte könnten dem Genauigkeitsziel entgegenstehen. Es siege nur dann, wenn es stärker sei als die Summe aller entgegenstehenden Wünsche. In allen anderen Fällen verfälsche das Gehirn Wahrnehmung und Gedächtnis im Sinne der vorgefassten parteilichen Überzeugung.

Es ist nun wahrhaft nicht neu, dass Menschen die Umwelt im Licht ihrer Vorurteile sehen, und sich an viele Ereignisse auch nur sehr selektiv erinnern. Rein spekulativ dagegen ist van Bavels Behauptung, Menschen hätten den Drang, das komplexe politische Geschehen möglichst genau zu verstehen. Dazu kenne ich keine entsprechende Untersuchung, und das Paper zitiert auch keine. Die Autoren stellen diese zentrale These einfach in den leeren Raum. Und da hilft es auch nicht viel, wenn sie ihr Paper mit Abbildungen anreichern, die zeigen sollen, welche Gehirnareale an der Verarbeitung und ilterung von Informationen beteiligt sind.

Aus ihrer – an sich schon zweifelhaften – Analyse leiten die Autoren dann Vorschläge zur Überwindung der Einseitigkeit ab. Sie schlagen vor unter anderem vor, man könnte:

  1. Die mehrfache Gruppenzugehörigkeit ausnutzen. Weil Menschen sich beispielsweise gleichzeitig als Parteianhänger und Staatsbürger fühlen können, wäre es möglich, an den Staatsbürger zu appellieren, um eine gemeinsame Grundlage zu finden.
  2. Das Selbstgefühl der Menschen stärken, damit sie ihre Identität nicht so sehr von der Zugehörigkeit zu einer Gruppe abhängig machen. Dadurch sinkt der Druck, die Meinung der Gruppe zu übernehmen, und alle Ereignisse nur aus diesem Blickwinkel zu sehen.
  3. Ereignisse nicht nur berichten, sondern Abläufe schildern und Begründungen liefern. Dadurch lässt sich eine parteiliche Sicht der Dinge aufweichen, weil den Menschen klar wird, dass ein anderer Blickwinkel auch durchaus plausibel ist.

Alles das lässt sich bereits in antiken Rhetorik-Lehrbüchern finden. Wer nicht so weit zurückgreifen möchten, kann natürlich auch einen modernen Ratgeber über Verkaufspsychologie lesen.

Der Schlaf der Vernunft.

“Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer.” Berühmte Radierung von Francisco de Goya aus dem Jahr 1799. Credit: Gemeinfrei.

Insgesamt verbindet das Paper gesicherte Erkenntnisse der Sozialpsychologie mit schwach belegten Vermutungen. Die Autoren bezeichnen das Ergebnis als ein Modell, also als vereinfachte Abbildung (parteilichen) Informationsverarbeitung im menschlichen Gehirn. Der Erstautor Jay J. van Bavel  forscht seit Jahren daran, wie das menschliche Gehirn Eigengruppen und Fremdgruppen unterscheidet, und welche unterschiedlichen Verarbeitungswege mit technischen Methoden nachweisbar sind. 2 3 4 Beim Betrachten von Gesichtern vertrauter Menschen der eigenen Gruppe zeigt das Gehirn beispielsweise ein anderes Aktivitätsmuster als beim Ansehen fremder Gesichter. Das heißt aber nicht, dass Parteilichkeit im Gehirn so fest verdrahtet ist, dass sie die Vernunft regelmäßig ausschaltet. Es ist schon sehr gewagt, auf solche Spekulationen ein Modell zu gründen. Wenn es die Wirklichkeit korrekt abbilden würde, könnte man durchaus darüber diskutieren. An diesem Lackmustest scheitert es jedoch kläglich.

So erklärt es beispielsweise nicht, warum sich im amerikanischen Wahlkampf hauptsächlich falsche Nachrichten über die Demokraten und ihre Kandidatin Hilary Clinton verbreiteten.5 Nach van Bavels Modell sollte kein großer Unterschied zwischen beiden Seiten bestehen. Aber offenbar gibt es Gruppeneigenschaften oder Grundüberzeugungen, die die Anfälligkeit für Fake News beeinflussen.

Wenn, wie das Paper behauptet, die Parteilichkeit im Gehirn fest verankert ist, sollten Parteien eigentlich fast unzerstörbar sein. Das lässt sich aus europäischer Sicht nicht bestätigen. In Italien und Frankreich hat sich das traditionelle Parteiensystem fast völlig aufgelöst. In Deutschland lagen die Rechtspopulisten zeitweise fast gleichauf mit der SPD. Bei den Wahlen zum britischen Unterhaus im Jahr 2010 holten die schottischen Nationalisten 6 von 59 der schottischen Wahlkreise, fünf Jahre später aber 56. In Großbritannien herrscht seit Jahrhunderten eine Demokratie, also sollten die Parteigrenzen in den Köpfen unverrückbar fest verankert sein. Offenbar ist das aber nicht der Fall. Van Bavels Modell funktioniert also in Europa überhaupt nicht und erklärt auch bestimmte Eigenheiten des amerikanischen Wahlkampfs nicht wirklich befriedigend. Damit hilft es im Grunde nicht weiter.

Warum hat das Paper dann eine so erstaunliche Resonanz erzeugt?

Der Krieg gegen die Wissenschaft

Eine Erklärung ist das Phänomen, das amerikanische Zeitungen „Krieg gegen die Wissenschaft“ nennen. Wissenschaftler forschen und veröffentlichen ihre Ergebnisse in Artikeln, die vorher von Kollegen begutachtet werden. Damit soll eine gewisse Qualität sichergestellt werden. Naturwissenschaftler legen offen, mit welchen Methoden sie ihre Daten gewonnen und aufbereitet haben. Jeder ist eingeladen, die Experimente zu wiederholen und die Schlussfolgerungen zu überprüfen. Das klappt zwar nicht immer perfekt, aber doch gut genug, um einen stetes Erkenntnisfortschritt zu ermöglichen. Dabei sehen sich Wissenschaftler in ihrer überwiegenden Mehrheit als unparteilich. Ihre Ergebnisse bestätigen vielleicht die Methoden und Ziele der Politik, oder sie widersprechen ihnen. Letztlich hängt das von Naturgesetzen ab, die nicht verhandelbar sind. Die gegenwärtige US-Regierung sieht das anders. Forschungen sind nur dann erwünscht, wenn sie die Ziele der Politik unterstützen. Scott Pruitt, der gegenwärtige Chef der Umweltschutzbehörde EPA (Environment Protection Agency) hat in der Vergangenheit mehrfach erklärt, dass er die gesamte Behörde für überflüssig hält. Nach seiner Überzeugung haben Menschen kaum Einfluss auf das Klima. Und im Jahr 2005 verkündete er, dass es nicht genügend Beweise für die Evolution der Arten gebe. Auf die Frage, ob diese Ansicht mit der Aufgabe der Behörde vereinbar sei, wissenschaftlich fundierte Entscheidungen zu treffen, gab sein Pressesprecher dem Magazin Politico die folgende bemerkenswerte Antwort:

„Wenn Sie unterstellen, dass ein Christ nicht als EPA-Chef arbeiten sollte, ist das beleidigend, und eine Frage, die es nicht wert ist, dass man sich weiter ihr befasst.“

Wissenschaftler in den USA sehen mit Entsetzen, dass die Worte „Klimawandel“ und „evidenz-basiert“ von den Webseiten der Regierung gestrichen wurden. Wer auf Forschungsergebnisse verweist, die der offiziellen Linie entgegenstehen, muss mit persönlichen Angriffen rechnen. Dabei macht sich die Regierung nicht einmal die Mühe, eine mühsam gewonnene Erkenntnis zu widerlegen. Sie erklärt einfach die Wissenschaftler zu Feinden, denen man nicht trauen könne. Das gleiche gilt für Journalisten, die den Kurs Linie der Regierung kritisieren. Aber die unbestreitbaren Tatsachen? Die Regierung halte sich an „alternative Tatsachen“, erklärte Trumps Beraterin Kellyanne Conway. Was soll denn das sein? Ein Hüllwort für „Lügen“ vermutlich, denn es gibt nur eine Wirklichkeit, die wir uns alle teilen. Donald Trump kümmert sich darum wenig. Er hat im ersten Jahr seiner Präsidentschaft durchschnittlich 5,6 falsche oder irreführende Aussagen pro Tag gemacht – CNN hat mitgezählt. Trotzdem behält er weiterhin die Unterstützung der großen Mehrheit der Republikanischen Wähler, was viele unabhängig denkende Menschen langsam in die Verzweiflung treibt.

Aus diesem Grund ist der Wissenschaftsgemeinde und den kritischen Journalisten jede Erklärung für dieses Phänomen recht, auch wenn sie so unzureichend ist wie van Bavels Paper.

Schlussfolgerungen

Wissenschaftler müssen jetzt lernen, dass alleine Fakten und wissenschaftliche Ergebnisse nicht ausreichen, um Menschen zu überzeugen.

Auf der Jahresversammlung der AAAS, der größten Wissenschaftsorganisation der USA, erinnerte einer der Redner daran, dass schon Aristoteles in seinem Rhetoriklehrbuch drei Faktoren nannte, die zusammenkommen müssen, wenn man Menschen überzeugen will:

  • Ethos, die persönliche Autorität und Überzeugungskraft,
  • Pathos, der Appell an die Gefühle, und
  • Logos, die logische und faktenbasierte Argumentation.

Bisher war es selbstverständlich, dass Wissenschaftler allein aufgrund ihres Berufs persönliches Ansehen genossen. Aber jetzt spricht ihnen die Trump-Regierung vielfach das Ethos ab und verweigert mit dieser Begründung auch dem Logos die Anerkennung.

Die Wissenschaftler realisieren leider nur langsam, dass sie jetzt um ihre Anerkennung kämpfen müssen. Fakten alleine reichen nicht. Man muss sie den Menschen auch überzeugend nahebringen.

 Anmerkungen

[1] Van Bavel J.J., Pereira A (2018). The Partisan Brain: An Identity-based Model of Political Belief. Trends in Cognitive Sciences, 22 (3), p213–224. Published online: February 20, 2018

[2] Van Bavel, J.J., Packer, D.J., & Cunningham, W.A. (2008). The neural substrates of in-group bias: A functional magnetic resonance imaging investigation. Psychological Science, 19, 1131-1139. [PDF]

[3] Xiao, Y.J., Coppin, G., & Van Bavel, J.J.(2016). Perceiving the world through group-colored glasses: A perceptual model of intergroup relations. Psychological Inquiry, 27 (4), 255-274. [PDF]

[4] Nam, H.H., Jost, J.T., Kaggen, L., Campbell-Meiklejohn, D., & Van Bavel, J.J. (2017). Amygdala structure and the tendency to regard the social system as legitimate and desirable. Nature Human Behavior. [PDF]

[5] Woher weiß man das? Bis ins letzte Jahr hinein gab es auf Facebook einen fast unregulierten Markt für Nachrichtenportale. Je mehr Leser, desto höher das Einkommen der Betreiber. Während sich falsche und übertriebene Beschuldigungen gegen Frau Clinton oder die Demokratische Partei extrem schnell verbreiteten, war umgekehrt mit erfundenen oder aufgeblasenen Sensationsmeldungen über Donald Trump kein Geld zu verdienen. Der Markt für Falschbehauptungen ist offenbar ziemlich einseitig. (Nachzulesen zum Beispiel in der Frankfurter Rundschau vom 18.9.2017, oder hier)

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

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  1. Nicht unbedingt das Gehirn, aber die US-Öffentlichkeit ist parteilich segregiert – und inzwischen gibt es sogar Berufssparten die ausgeprägt demokratisch oder republikanisch dominiert sind. Das gilt gerade auch für Wissenschaftler, denn gemäss Pew Research, Scientists, Politics and Religion gilt (übersetzt von DeepL): Die meisten Wissenschaftler identifizieren sich als Demokraten (55%), während 32% als Unabhängige identifizieren und nur 6% sagen, dass sie Republikaner sind. Wenn die Neigungen der Unabhängigen betrachtet werden, kennzeichnen volle 81% als Demokraten oder lehnen sich an die Democratic Partei, verglichen mit 12%, die entweder als Republikaner kennzeichnen oder in Richtung zum GOP lehnen. In der Öffentlichkeit gibt es weitaus weniger sich selbst als Demokraten (35%) bezeichnende und weit mehr Republikaner (23%).

    Wenn also die Trump-Regierung „Klimawandel“ und „evidenz-basiert“ von den Webseiten der Regierung streicht, dann protestiert dagegen kaum ein republikanischer Wissenschaftler – schlicht und einfach, weil es kaum republikanische Wissenschaftler gibt. Trump kann so etwas tun, ohne dass er einen einzigen republikanischen Parteianhänger verliert!

  2. Liest sich gut, vielen Dank für die Besprechung des Modells der beiden genannten Psychologen!
    Bär wie Mensch sind halt Rudeltiere und doch steifen sie auf, wenn ihnen etwas nicht schmeckt, werden renitent, <em<wenn man sie lässt, was dann doch gegen grundsätzliches, gar kaum abänderliches Partisanentum spricht.

    Sehr nett der Hinweis auf die weitgehende Zerstörung, oder positiv formuliert : die fortlaufende Neuordnung des demokratischen Parteienwesens in Europa.
    Auch in der Tschechei (vs. ‘Tschechien’, tsk, tsk, ‘Tschechien’ ist seinerzeit vom bundesdeutschen Nachrichtenmagazin “Spiegel” durchgesetzt worden, sprachlich korrekt bleibt : ‘Tschechei’ – vgl. auch mit Česko und der ‘Slowakei’) tut sich hier beispielsweise einiges, aber auch in Good Old Germany findet, vielleicht auch : dankenswerterweise, diese Neuordnung statt, peu à peu, der Deutsche ist womöglich ein wenig statisch.

    Hierzu erläutert Dr. Webbaer gerne noch kurz :

    Die Regierung halte sich an „alternative Tatsachen“, erklärte Trumps Beraterin Kellyanne Conway. Was soll denn das sein? Ein Hüllwort für „Lügen“ vermutlich, denn es gibt nur eine Wirklichkeit, die wir uns alle teilen.

    Das ist ein ganz wichtiger Punkt und derartiges Versagen ist hier bemerkt worden, wie verhält es sich bei der Erhebung von Daten, die Fakten bedeuten?
    Daten sind Gegebenes und Fakten sind Gemachtes, die Welt wird beforscht und es werden Datenlagen erhoben.
    In der Wirtschaft (vs. Kneipe) weiß jeder, dass Datenlagen, bspw. zu bestimmten Betriebsverläufen, von unterschiedlichen Personen oder Abteilungen unterschiedlich bereit gestellt werden können.

    Es wird ja grundsätzlich ausschnittsartig, näherungsweise und an Interessen (!) gebunden erfasst, bereits die Erfassung benötigt eine Theorie, die Messtheorie, die wiederum grundsätzlich ausschnittsartig, näherungsweise und an Interessen (!) gebunden angelegt ist, niemand erfasst sozusagen alles.

    In der Wissenschaft, hier ist Dr. Webbaer Wissenschaftler genug, ist es genauso.

    D.h. es muss “alternative Fakten” geben, deren Bearbeitung erfolgt dann kompetitiv und mal gewinnt die eine erfasste Datenlage (sozial also) mehr an Bedeutung, mal die andere. [1]
    Fakten sind vom Menschen betriebene Versuche, das zu erfassen, was ist.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1]
    Ins Relativistische soll es hier natürlich nicht gehen, sondern die Bearbeitung der Welt ist “nur” als (sinnhafte und nie endende) Veranstaltung beschrieben, weil erkannt, worden.

  3. Bär wie Mensch sind halt Rudeltiere und doch steifen sie auf, wenn ihnen etwas nicht schmeckt, werden renitent, wenn man sie lässt, was dann doch gegen grundsätzliches, gar kaum abänderliches Partisanentum spricht.

    (Und, ja, Bären sind keine Rudeltiere, der beabsichtigte kleine Gag ist dann durch falsche HTML-Auszeichnung wohl endgültig verhunzt worden.)

  4. Dr. Webbaer,
    der Mensch darf gern parteiisch sein, soll es sogar, denn unterschiedliche Meinungen sind kaum gemeinschaftsfördernd.
    Wichtig ist nur , dass es auch eine “andere Meinung”, Sie nennen es alternative Fakten, gibt/geben soll, denn erst im Gleichgewicht , im Machtvakuum entsteht Freiheit.
    Der Sozialgedanke in Deutschland war am stärksten, als sich die beiden Machtsysteme DDR/BRD , also Kapitalismus und Sozialismus diametral gegenüberstanden. Und in diesem Kräftegleichgewicht konnten soziale Fortschritte erzielt weren, z. B. die Mitbestimmung.
    Im Augenblick findet ein Sozialabbau statt, weil der Sozialismus de facto nicht mehr existiert.

    • Statt ‘Unterschiedliche Meinungen sind kaum gemeinschaftsfördernd’ ginge alternativ auch die Form ‘unterschiedliche Meinungen sind gemeinschaftsfördernd’, das Zauberwort hier wieder : Kultur.
      Diskurs-Kultur, Habermas hat sich hier ein wenig hervorgetan, mit seiner Diskurstheorie, womit so kein “Name-Dropping” angestrebt war.

      Sind strenge Polarisierungen anzutreffen, Herr Dr. Grüter wusste diese aktuelle Polarisierung in den Staaten zu nennen, geht es “nur” darum einen Rahmen zu schaffen diese demokratisch auszuhalten oder positiv formuliert : in den gesellschaftlichen Bezug einzupflegen, oft kommt dann Gutes heraus.

      Am Rande notiert, Dr. W war bereits in den Sechzigern und Siebzigern in der BRD vorrätig oder vorrättig und die seinerzeitige Polarisierung der politischen Meinung war ebenfalls extrem, die politisch Linke schloss seinerzeit eine Revolution im sozialistischen Sinne nicht aus, erst ca. um 1970 wurde klar, dass sie nicht stattfinden wird, die “gute” Revolution, und Willy Brandt hat hier geschickt balanciert, so dass demokratisch nichts aus dem Ruder lief.
      (Wobei er die RAF und so ein wenig zu verharmlosen wusste, korrekt, ein dbzgl. “Zeit”-Artikel findet sich im Web.)

      ‘Fakten’ meinen übrigens nicht ‘andere Meinung’, sondern erhobene Datenlagen, die bereits unterschiedlich anfallen können; dass Meinung per se unterschiedlich anfällt, liegt in der Natur der (demokratischen) Sache, ist aber nicht demokratisch gebunden.

      MFG
      Dr. Webbaer

  5. US-Psychologen erklären also Parteilichkeit, Parteinahme (partisanship: Vorurteil zugunsten einer bestimmten Sache) zu einem anthropologischen Grundphänomen.
    Das überrascht eigentlich nicht. Schon mehrmals wurde US-Wissenschaftlern vorgeworfen, Erkenntnisse über US-Bürger zu Erkenntnissen über den Homo sapiens überhaupt verklärt zu haben. Ein Beispiel ist US-Standard für psychiatrische Diagnosen, das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, welches für sich beansprucht, international gültige Standards für Diagnosen in der Psychiatrie zu setzen, dem aber vorgeworfen wird, die in den USA gültigen sozialen Normen zum internationalen Standard erhoben zu haben. Die britische psychologische Gesellschaft schrieb zum DSM-V (übersetzt von DeepL): Die British Psychological Society erklärte in ihrer Antwort vom Juni 2011 auf die DSM-5-Entwürfe, dass sie “mehr Bedenken als Lob” habe.Sie kritisierte vorgeschlagene Diagnosen als “eindeutig weitgehend auf sozialen Normen beruhend, mit Symptomen”, die alle auf subjektiven Urteilen beruhen…. nicht wertfrei, sondern vielmehr aktuelle normative soziale Erwartungen widerspiegeln”, und stellte Zweifel an der Zuverlässigkeit, Gültigkeit und Wertigkeit bestehender Kriterien fest, dass Persönlichkeitsstörungen nicht auf die allgemeine Bevölkerung normiert wurden und dass “nicht anders spezifizierte” Kategorien “riesige” 30% aller Persönlichkeitsstörungen abdeckten.

    Wobei die sozialen Normen in den USA und in Grossbritannien sich noch ähneln. In anderen Ländern aber ziemlich anders sind. Tatsächlich gibt es in bestimmten Ländern psychiatrisch/psychologische Krankheitsbilder, die der DSM-V nicht kennt, obwohl man sicher sein kann, dass der DSM-V jedes denkbare psychiatrische Krankheitsbild kennt, das sich in den USA beobachten lässt. Ein Beispiel dafür ist das japanische Hikikomori (junge Erwachsene, die das Haus ihrer Eltern kaum noch verlassen). Zu Hikikomori liest man in Hikikomori, A Japanese Culture-Bound Syndrome of Social Withdrawal? A Proposal for DSM-V: Aus Japan sind eine Reihe neuer empirischer Studien hervorgegangen. Die Mehrzahl dieser Fälle von Hikikomori sind als eine Vielzahl von bestehenden psychiatrischen Störungen der DSM-IV-TR (oder ICD-10) klassifiziert. Eine nennenswerte Untergruppe von Fällen mit substanzieller Psychopathologie erfüllt jedoch nicht die Kriterien für eine bestehende psychiatrische Störung. Es gibt also psychologisch/psychiatrische Phänomene, die es nur in Japan, nicht aber in den USA gibt.

    Doch US-Wissenschaftler aus dem Humanbereich (Medizin, Soziologie, etc) neigen dazu, den US-Bürger als Repräsentanten des Menschen schlechthin zu sehen. Und da der Einfluss der US-Wissenschaft und der US-Kultur immer noch sehr gross ist und eine globale Reichweite hat, lassen sich dann auch viele Bürger weltweit davon überzeugen, was bei US-Bürgern gefunden worden sei müsse für alle Menschen aller Länder gelten.

  6. Das Gehirn ist sicherlich nicht parteiisch, Überzeugungen und (politische)Einstellungen liegen auf einer anderen Ebene. Wäre es parteiisch, würde die überwiegende Mehrheit der Menschen die Minderheit dominieren, damit wäre dann auch die politische Überzeugung festgelegt.
    Wie @hmann schrieb, ist es außerordentlich wichtig, dass es ein Kräftegleichgewicht gibt, denn auch wenn dazu im Grundgesetz nichts steht, gibt es in einigen Länderverfassungen, z. B. der hamburgischen, den Art.
    23a Abs. 1 mit dem Satz: „Die Opposition ist wesentlicher Bestandteil der parlamentarischen Demokratie.“
    Nur in einer Diktatur darf es keine Opposition geben, werden diejenigen als Dissidenten verfolgt, deren Meinung nicht systemkonform ist. Oder, wie es der Politikwissenschaftler Lothar Fritze beschreibt:
    “Die Macht (…) beruht ganz wesentlich auf der angemaßten Alleinzuständigkeit, das politische Vokabular verbindlich zu definieren, sowie dem praktischen vermögen, die öffentliche Sprache zu prägen. das politische Vokabular aber definiert, wer die grenze zwischen “wahr” und “falsch”, “plausibel” und “abwegig”, “gut” und verwerflich” zieht, wer die Unterscheidung zwischen guten und schlechten Argumenten trifft” (In: TUMULT Vierteljahresschrift für Konsensstörung, Frühjahr 2018: Macht und ideologische Hegemonie)

    Nicht unterschiedliche, oppositionelle Meinungen also sind ein Grund, sich Sorgen zu machen, sondern wie mit ihnen und den Vertretern der Andersdenkenden umgegangen wird. Es gibt einige bemerkenswerte Vorträge von Prof. Rainer Mausfeld zum Thema “Die Angst der Machteliten vor dem Volk”, in denen er aufzeigt, wie Manipulation und Propaganda funktionieren, u. a. hier:
    Die Angst der Machteliten vor dem Volk

    • @Trice: In Deutschland gab es ja auch einmal die Diskussion, ob Parteien überhaupt die dominierende politische Rolle haben sollten, die sie haben. Man spricht von der Parteiendemokratie und der Essay
      Die Zerstörung der Parteiendemokratie von oben nach unten – Essay geht unter anderem auf kritische bundesdeutsche Stimmen ein wie die von Richard von Weizsäcker, der sagte: Parteien seien machtversessen und machtvergessen, meinte er, und stellte die Verankerung der Parteien in Artikel 21 GG in Frage. Seine Aussagen gipfelten in der Frage: “Welche Vorkehrungen haben wir getroffen oder unterlassen, um das überparteiliche Element, den Staat, nachhaltig zu stärken?”
      Der verlinkte Artikel warnt vor der Aushöhlung der Parteiendemokratie durch eine medial geförderte Ausrichtung auf Personen und auf medial lohnende Aussagen und Profile.
      In Europa haben die traditionellen Parteien allerdings – wie oben von Thomas Grüter hervorgehoben – an Bedeutung verloren. Unter anderem wegen einem Vertrauensverlust und weil ihnen die Bevölkerungen mehrerer grosser europäischer Länder nicht mehr Lösungen zutrauen.
      Ganz anders in den USA, die weiterhin durch die beiden grossen Parteien geprägt sind. Die Wahl von Trump zum Präsidenten könnte man zwar ebenfalls als Zeichen eines Vertrauensverlust in die beiden traditionellen US-Parteien Republikaner und Demokraten interpretieren, denn Trump ist auch innerhalb der republikanischen Partei ein Querschläger – oder mindestens so aufgetreten. Doch letztlich ist Trump nun wieder auf der Linie der republikanischen Partei, wobei umgekehrt auch grosse Teile der Republikaner auf die Trump-Linie umgeschwenkt sind. Wie Thomas Grüter schon schreib geht die Parteienorientierung in den USA so weit, dass Republikaner und Demokraten nun in völlig verschiedenen Welten mit völlig verschiedenen Medien und völlig verschieden interpretierten Realitäten leben. Auch in der zersplitterten europäischen Parteienlandschaft gibt es allerdings dieses Phänomen der unterschiedlichen Realtiätswahrnehmung bei verschiedenen parteilichen Ausrichtungen, nur ist hier in Europa die Parteienlandschaft in Bewegung und es sind vielerlei Entwicklungen möglich. Eine solch bipolare Aufspaltung der ganzen Gesellschaft wie sie in den USA zu beobachten ist, scheint mir sogar ein schwer erklärbares Unikum. Am ehesten entspricht diese Aufspaltung der US-Gesellschaft dem was früher der Gegensatz zwischen Katholiken und Reformierten war (und heute der zwischen Shiiten und Sunniten). Dieser Gegensatz ging ja auch so weit, dass Katholiken und Reformierte in verschiedenen Welten mit anderen Medien (Zeitungen) und anderen Werten lebten. Allerdings erscheint uns eine solche Aufspaltung, die auf Glaubensüberzeugungen basiert, nicht zur modernen Welt zu passen. Beobachten wir also in den USA, dem Land, das die Moderne stark gepägt haben, ein antimodernes Phänomen? Vielleicht.

      • Beobachten wir also in den USA, dem Land, das die Moderne stark gep[r]ägt ha[t], ein antimodernes Phänomen?

        Ein modernes Phänomen, die gesellschaftliche Polarisierung nimmt zu, die einen wollen es beim Althergebrachten belassen, die anderen sind progressiv und wollen (entscheidende) gesellschaftliche Änderung.
        Dieses Phänomen ist neu, während früher US-Demokraten und US-Republikaner viele Sichten teilten, wird die Schnittmenge nun kleiner.
        Auch in der BRD feststellbar, selbst Seehofer und die Dame, die zwar sprechen, aber nicht reden kann, stehen auf unterschiedlichen Seiten, sind anders persönlich aufgestellt.
        Es wird wohl von kollektivistischer Seite nun auch die Chance gewittert, mit dem neu hinzugekommenen scheinbaren Partner, der allerdings theozentrisch-kollektivistisch aufgestellt ist, kein wirklicher Partner sein kann, neue Stärke zu zeigen und Althergebrachtes zu brechen, übrigens sogar in den Staaten.

        MFG + schönes Wochenende,
        Dr. Webbaer

    • @ Kommentatorenfreund ‘Trice’ :

      Die Opposition ist wesentlicher Bestandteil der parlamentarischen Demokratie.

      Ein schöner Satz, intuitiv und klar, aber vielen dann doch wieder nicht.
      Die liberale Demokratie zeichnet sich ohnehin durch eine gewisse Schönheit aus, auch wenn sie nicht einfach ist (Einfachheit gilt oft als Maßstab von Schönheit, auch sogenannte Lösungen betreffend.), und auf komplexe Art und Weise, auch die bekannte Schichtentrennung ist hier gemeint, implementiert werden konnte.
      Ein Wunder, dass sie funktioniert!

      Ja, das mit der Kür der Alternativen Fakten zum sogenannten Unwort des Jahres in der BRD war ein Tiefpunkt, so soll wohl Konformität über Datenlagen und Schlussfolgerungen bundesdeutsch beworben werden, eine peinliche Aktion der “Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres”.
      Dass es alternative Fakten gibt und geben muss, weiß eigentlich jeder, auch vor Gericht gibt es unterschiedliche Zeugenaussagen zu einem Tathergang und Wirtschaft und Wissenschaft leben sozusagen von der Unterschiedlichkeit der Erfassung, so mancher Reproduktionsversuch von Experimenten und ihren Ergebnissen ist gescheitert.
      TUMULT ist recht pfiffig, ein beachtenswertes Medium, das Dr. Webbaer nicht gut kennt, hoffentlich ist es nicht böse politisch rechts.
      >:->

      MFG + schönes Wochenende,
      Dr. Webbaer

  7. @web🐻

    “alternativ … ‘unterschiedliche Meinungen sind gemeinschaftsfördernd’ … Kultur”

    😆 die Unkultur des “gesunden” / systemrational-konfusionierten Konkurrenzdenkens, für den nun “freiheitlichen” Wettbewerb / “Tanz” um …!? 😎

  8. @Dr.Webbaer

    TUMULT ist recht pfiffig, ein beachtenswertes Medium (…), hoffentlich ist es nicht böse politisch rechts.

    Die Bezeichnung politisch rechts ist, worauf Sie dankenswerter Weise mehrfach hingewiesen haben, der politisch korrekten Umdeutung der vormals vorgenommenen Sitzordnung im Parlament zu verdanken, die – klassisch konditionierend – Begriffe miteinander verkuppelt, die im Prinzip nichts miteinander zu tun haben. Weshalb sich – um mal die Kartoffelgrafik der Sinus-Milieus zu bemühen – die Traditionellen und konservativ Etablierten zu ihrer eigenen Überraschung in die nationalsozialistischen Ecke komplimentiert wiederfinden.
    TUMULT ist pfiffig, ja, intellektuell ebenfalls und ein noch geduldetes Gegengewicht (deshalb Konsensstörung) zu den nichtbösen, also guten politisch linken Medien. Und mitunter findet man dort auch (unbeabsichtigt) Erheiterndes – wie z. B. für den von mir verwendeten Begriff “zustandsorientiert” für das normale menschliche Denken der Mehrheit – die wesentlich passendere, nur leider etwas abwertend wirkende Beschreibung “das von jetzt-zu-jetzt hoppelnde Aktualitätsbewusstsein”, das eben deshalb nichts von dem unmerklichen, durch biopolitische Subversion sich vollziehenden, Transformationsprozess in unserer Gesellschaft – oder ihn zu spät – bemerkt.
    Wie auch immer, bei allem Bemühen, die Menschen intellektuell, ethisch, sozial und physisch (soziales Kostrukt) zu egalisieren, sie auf gleicher Ebene zu versammeln, um sie kombinierbar und grenzenlos einsetzbar zu machen, wird dieser Plan wohl nicht aufgehen, weil es eben immer eine “Partei” gibt, die sich nicht fügen wird. Für Hobbes war ihr Vertreter der “böse Mensch”, für Rousseau der “gute Mensch”.

    • @ Kommentatorenfreundin ‘Trice’ :

      Klingt schlau, klug und womöglich auch ein wenig weise.
      Bei ‘Für Hobbes war ihr Vertreter der “böse Mensch”, für Rousseau der “gute Mensch”.’ hat Dr. W noch ein wenig geprüft, deshalb die späte Reaktion, weil er nicht direkt verstanden hat, müsste also zutreffend sein.

      MFG
      Dr. W

  9. Trice:” Das Gehirn ist sicherlich nicht parteiisch…”
    Stimme ich zu. Unsere Gehirne gleichen sich in ihrer Funktion und Struktur. Parteiisch dagegen sind die Glaubens-und Verhaltensmuster, die dem Gehirn durch Eltern,Gesellschaft und dem Zeitgeist vermittelt werden und im Gehirn als neuronale Verschaltungen und Muster zu einem EGO konditioniert werden. An Hand dieser anerzogenen unbewusst handelnden MUSTER bewertet das limbische System im Gehirn nun alle eingehenden Reize (Informationen) und legt fest, ob es aversive, neutrale oder angenehme Reize (Gefühle) sind. Das alles kann es aber nur auf der Basis der bereits vorhandenenen Software aller Bewertungsmuster. Selbstverständlich kann solche “Software” auch manipuliert und im Sinne der Fremdbestimmung von Menschen vermittelt werden.Die Mächtigen sind da im Sinne ihrer Machterhaltung sehr kreativ…

  10. @Dr. Webbaer

    Entschuldigung, Sie haben recht, ich hätte die Quellen nennen sollen. Hobbes beschreibt das “böse Kind”, das stark, sozial unangepasst und unvernünftig ist, im Leviathan – als den Menschen, der sich nicht einer vernünftigen Gesellschaftsordnung unterwirft – wobei man bei Hobbes Zweifel haben kann, ob der “Souverän” allein aufgrund von vernünftigen Gesetzen, denen sich der Mensch unterwerfen soll / muss zum Zweck einer friedlichen Gesellschaft, diesen Zweck erfüllen kann und nicht unversehens zur Diktatur wird.
    Und Rousseau spricht von ihm im “Emile”und widerspricht Hobbes, weil er meint, böse wird der schwache, nicht der starke Mensch, der sich wehrt – gegen Übergriffigkeit jeglicher Art.

  11. @Martin Golzower

    Menschliche Gehirne gleichen sich, haben auch die gleiche Funktion, unterscheiden sich aber in der Arbeitsweise. Aber auch die hat keinen Einfluss auf Prozesse oder gar auf Einstellungen, Vorlieben und Denkweisen, die alle auf einer anderen Ebene liegen.
    Bewertungen finden auch nicht im Gehirn statt, sofern unter Gehirn die neuronale Verschaltungsarchitektur verstanden wird, sondern im Bewusstsein und im Denken des Menschen.
    Deshalb erstaunt es mich immer wieder, welche Leistungen und Fähigkeiten dem Gehirn zugeschrieben werden, obwohl bisher von den Wissenschaften, die sich mit ihm befassen, die Frage, wie es eigentlich arbeitet, noch nicht – nicht einmal ansatzweise – beantwortet worden ist. Nichtsdestoweniger ist es durchaus möglich, durch Manipulation – oder Gehirnwäsche – die Verschaltungsarchitektur so zu beeinflussen, dass das psychisch-physische Empfinden nachhaltig geschädigt wird. Denn bewusstes Erleben und neuronale Prozesse sind korreliert.

    Schön, dass Sie “Software” in Anführungszeichen gesetzt haben, denn dergleichen gibt es im Gehirn nicht, es arbeitet ja auch nicht wie ein Computer.

  12. Wer beim Thema Psychologie und Verzweiflung der Wissenschaft mit Argumenten zu Punkten Aristoteles nennt, müsste eigentlich auch Platon nennen, oder?

    Ich verabschiede mich mit einem, wie ich finde, zu der Zeit passenden Zitat von C. G. Jung: “Unser Intellekt hat Ungeheures geleistet, derweilen unser geistliches Haus zerfallen ist”

  13. Klaus Moll

    Die Studie wirft eine interessante Frage auf. Wie stark ist unser Gehirn mit “Vor”stellungen “vor”geformt die eng mit der jeweils eigenen Existenz und der Angst um dieselbe zusammen haengen. Die letztere duerfte zur Identifizierung des Gehirnareals zusammenhaengen das hier erwaehnt wird. Diese wiederum duerfte mit der Identitaet oder besser der Auffassung der eigenen Rolle im sozialen Umfeld zusammenhaengen. Wissenschafter sind in dieser Hinsicht eher unsicher aber schon etwas mehr an diesen Umstand gewoehnt, eine Gewoehnung die aus der Bereitschaft zur Infragestellung kommt, die die eigene Identitaet mit in die Frage einbezieht. Karl Popper hat ja fuer die Wissenschaft die Regel aufgestellt, dass eine Aussage nur dann wissenschaftlich ist, wenn sie so formuliert ist, dass man sie widerlegen kann. Gesellschaftlich fest gebundene, zum Beispiel in ihrer sozialen Klasse, wehren sich gegen die Gefaehrdung ihres Status, was sie gleichzeitig einengt. Dies wiederum bewirkt Aengste, weil man fuerchtet mit dem Wandel meist nach “unten” nicht umgehen zu koennen.
    Meine sehr persoenliche Meinung und mit der Bitte um Widerspruch.

    • Popper hat ja selbst einigen Quatsch fabriziert, oder wenn nicht “Quatsch”, so zumindest Stammtischartiges, das nicht “Quatsch” genannt werden muss, qua Popper.
      Er lehnte das Induktions-Prinzip nachvollziehbarerweise ab, was ihn aber nicht von “Quatsch” abhielt, denn so und womöglich nur so konnte er sozial allgemein akzeptant werden.
      Biologistisch lässt sich am besten derart argumentieren, dass die Epigenetik in der Lage ist generationen-übergreifend, vs. evolutionär, die bekannte Datenhaltung meinend, Erfahrungen der Altvorderen, das Fachwort an dieser Stelle, das wichtige, zu übermitteln, auch Verfolgungserfahrung.

      Karl Popper hat ja fuer die Wissenschaft die Regel aufgestellt, dass eine Aussage nur dann wissenschaftlich ist, wenn sie so formuliert ist, dass man sie widerlegen kann.

      Dies gilt für die Naturwissenschaften, so zumindest von Popper angedacht, klug schon, aber nicht schlau, wie sich Dr. Webbaer anzumerken erlaubt.
      Dr. Webbaer, der sich mit Popper längere Zeit beschäftigt hat, mit seinem Output.

      Nicht empirisch adäquate naturwissenschaftliche Theorie behält einen Wert, es kann ja auch theoretisierend repariert werden und Metaphysik ist halt Metaphysik, kann, idealerweise weder falsi- noch verifiziert werden.

      Popper hätte klar sagen können, dass etwas, wenn es nicht falsifierbar ist, theoretisiert wird, womöglich, aber nicht sicher Metaphysik darstellt, mehr ist eigentlich nicht los.

      Im heutig Politisch ist hier nichts zu napfen.

      MFG
      Dr. Webbaer

  14. Klaus Moll
    Wie stark ist unser Gehirn ” vor” geformt die eng mit der jeweiligen Existenz und der Angst um dieselbe zusammenhängen…
    Ich vermute diese Vor-formung betrifft nicht nur unsere menschlichen Gehirne sondern ist auch fester genetischer Bestandteil tierischer Hirne. So hätte sich ohne diese TodesAngst keine evolutionäre Entwicklung vollziehen können,da die Art im wahrten Sinne des Wortes von anderen gefressen worden wäre. Säugetiere haben als Abwehr und Schutz vor Fressfeinden als Warnsystem GEFÜHLE entwickelt. Angst ist ein solches. Beim Menschen hat diese Angst allerdings noch eine andere Qualität, da er sich der Alternativlosigkeit des Todes bewusst ist.Die Angst um die eigene Existenz könnte also aus dem Bewusstsein um die eigene Sterblichkeit kommen,oder ?

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