Globale Risiken und Nebenwirkungen

Welche globalen Risiken fürchten die führenden Ökonomen, Politiker und Wissenschaftler am meisten? Das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum – WEF) hat sie gefragt, und die Antworten am 17.1.2018 im Global Risks Report 2018 veröffentlicht. Das Zahlenwerk wirft kein gutes Licht auf die globale Elite.

Rund tausend Experten verschiedener Fachrichtungen hat das WEF gebeten, zum einen die Wahrscheinlichkeit und zum anderen Schadenswirkung von bestimmten, vorgegebenen Risiken auf Sicht von zehn Jahren einzuschätzen. Knapp die Hälfte der Befragten arbeiten in der Wirtschaft (Business), ein Fünftel in Universitäten (Academia), und jeder Neunte für NGOs1. Nur rund 8 % sind für Regierungen tätig. Das WEF hat leider nicht näher erläutert, was es unter einem „Experten“ versteht. Der Begriff ist etwas schwammig. Jeder darf sich Experte nennen, der Titel ist nicht geschützt. Aber man darf schon davon ausgehen, dass das WEF seine Fragebögen an die Führungsetagen der Organisationen adressiert hat. Die Ergebnisse spiegeln also am ehesten die Meinung der globalen Wirtschaftselite wider.

Die schlimmsten Auswirkungen – bei relativ geringer Wahrscheinlichkeit – schreiben die meisten Umfrageteilnehmer den Massenvernichtungswaffen zu. Bereits im zweiten Jahr hintereinander haben sie dieses Thema auf den ersten Platz der Risiken mit der größten Wirkung gesetzt. Die zunehmenden internationalen Spannungen, nicht zuletzt bedingt durch den erratischen außenpolitischen Kurs der US-Regierung, machen der internationalen Elite also ernsthafte Sorgen.

Tabelle 1: Wahrscheinlichste und schädlichste Risiken aus dem Global Risks Report 2018. Das WEF hat jedem Risiko einen Score von 1 bis 5 zugeordnet. Das Gesamtrisiko ist aus dem Produkt beider Scores ermittelt.

Während die Experten einen Atomwaffeneinsatz eher unrealistisch halten, erwarten sie in die nächsten zehn Jahre mit hoher Sicherheit gewaltige Schäden durch extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen. Massive Cyberattacken und Datendiebstahl stehen auf ihrer Risikoliste ebenfalls ganz oben, aber sie erwarten dabei nur geringe Schäden. Eine große Krise der Wasserversorgung halten sie zwar für gefährlich, aber für wenig wahrscheinlich (siehe Tabelle 1). Die Umfrage fand im September und Oktober 2017 statt. Zu diesem Zeitpunkt wussten nur Insider, dass Kapstadt als erste Großstadt der Welt kurz vor einer Rationierung des Trinkwassers stand. Inzwischen dürfen die Bürger nur noch 50 Liter pro Tag verbrauchen und ab Ende April droht die völlige Einstellung der Wasserversorgung, weil die Reservoire mittlerweile fast leer sind. Was im Herbst letzten Jahres noch wie eine theoretische Gefahr aussah, ist plötzlich Wirklichkeit geworden.

Keine Probleme im Finanzsektor?

Wirtschaftliche Schadensfälle wie Finanzkrisen, Arbeitslosigkeit, Aktien- oder Immobilienblasen bereiten den WEF-Experten derzeit keine schlaflosen Nächte. Früher war das anders: Von 2008 bis 2010 stand der Begriff „Zusammenbruch von Anlagewerten“ an der Spitze aller wahrgenommenen Gefahren. Die Herausgeber des Global Risks Reports2 sind nicht unbedingt so optimistisch. Ein Kapitel mit dem Titel „Economic Storm Clouds“ zählt die aktuellen Schwachstellen der Weltwirtschaft auf und warnt vor zunehmenden politischen Unwägbarkeiten.

Wie man Risiken richtig beurteilt

Risikoanalyse ist buchstäblich eine Wissenschaft für sich.3 Großes und anerkanntes Fachwissen in einem begrenzten Gebiet führt jedoch nicht unbedingt zu genauerer Einschätzung globaler Gefahren. Systematische Fehler sind eher die Regel als die Ausnahme. Schon die geografische Verteilung der Experten beeinflusst das Ergebnis. Die meisten der Befragten stammen aus Europa (42,9%), etwa halb so viele aus Nordamerika und 12,7 aus Ostasien und der Pazifikregion. Der Rest der Welt macht weniger als ein Viertel aus. Man könnte das als Schieflage ansehen, aber man sollte nicht vergessen, dass die Meinungsführer in diesen Regionen große Teile der Weltwirtschaft steuern. Ihre Erwartungen und Befürchtungen haben Gewicht, und ihre aktuellen Investitionsentscheidungen legen fest, wohin sich die Weltwirtschaft in den nächsten zehn Jahren bewegt.

Wenn sie wichtige Risiken vernachlässigen und andere dafür überschätzen, hat das gravierende Folgen für die Menschheit. Die Umfragen für die Global Risks Reports der vergangenen zwölf Jahre lassen einige wiederkehrende systematische Wahrnehmungsfehler erkennen.

  1. Der Zeitrahmen für die Risikoeinschätzung beträgt 10 Jahre. Deshalb ist es schon erstaunlich, wie sehr sich die angefragten Experten von aktuellen Krisen und Katastrophen beeindrucken lassen. Im Jahr 2008 platzte in den USA und einigen anderen Ländern eine Immobilienblase. Plötzlich konnten immer mehr Menschen ihre Hauskredite nicht mehr bezahlen, und der Markt brach zusammen.
    Prompt setzten die WEF-Experten in den Jahren 2008 bis 2010 genau dieses Risiko an die Spitze ihrer Angstskala. Dabei war es eigentlich kaum anzunehmen, dass sich dieses Ereignis binnen 10 Jahren wiederholen würde. Im letzten Jahr beherrschten Wetterkatastrophen die Schlagzeilen und schon findet sich das Thema an der Spitze der Risikoerwartung wieder. Insgesamt drängt sich der Eindruck auf, dass die Experten sich sehr stark von kurzfristigen Trends beeinflussen lassen. So stand 2015 der Begriff „Massenhafte unfreiwillige Migration [Large-scale involuntary migration]“ an der Spitze der wahrscheinlichen Risiken, und belegte 2016 noch den zweiten Platz. 2017 und 2018 tauchte er nicht mehr unter den ersten fünf auf.4 Offenbar verstellen aktuelle Krisen den Blick auf längerfristige Gefahren.
  2. Wirtschaftliche Schadensfälle wie Finanzkrisen, Arbeitslosigkeit, Aktien- oder Immobilienblasen finden sich nicht unter den ersten acht Punkten der wahrscheinlichsten oder schlimmsten Risiken. Nach Meinung der Experten, die das WEF befragt hat, läuft die Wirtschaft also absolut rund, und das wird in den nächsten zehn Jahren auch so bleiben. Man muss nicht besonders spitzfindig sein, um wiederum ein Risiko darin zu sehen, dass die Meinungsführer des WEF die Möglichkeit wirtschaftlicher Rückschläge offenbar nicht mehr auf dem Radarschirm haben.
  3. Im aktuellen Report fürchten die befragten Experten im Wesentlichen solche Ereignisse, auf die sie keinen oder nur geringen Einfluss haben. Extremwetterlagen werden in ferner Zukunft häufiger werden, aber auf 10 Jahre betrachtet, ist dieser Effekt eher gering. Naturkatastrophen treten immer wieder auf, und sind eher zufällig verteilt. Die von Nordkoreas Diktator Kim Jong-un angeheizte Debatte über Atomwaffeneinsätze macht den Wirtschaftseliten Angst, aber die Lösung des Konflikts liegt in den Händen der Politik, nicht der Wirtschaft. Die Abwehr von Cyberangriffen ist in den meisten Firmen die Sache von Technikern und IT-Spezialisten.
    Im Grunde sehen sie sich also zurzeit nicht in der Position, die nach ihrer Ansicht drängendsten Risiken der Menschheit einzudämmen. Im Gegenteil: Die Wirtschaft, ihr Hauptarbeitsgebiet, sehen sie in einer glänzenden Verfassung und erwarten auch in den nächsten 10 Jahren keine großen Probleme. Wie schon 2008 könnte sich die nächste Wirtschaftskrise binnen weniger Tage zu einem Flächenbrand entwickeln, weil es niemand für nötig befunden Pläne zur Eindämmung bereitzuhalten.

Fazit

Kann es sein, dass die im Global Risks Report 2018 befragte Elite von Wissenschaftlern, Wirtschaftsführern und Politkern gefährlich kurzsichtig agiert, weil sie sich zu sehr von aktuellen Problemen blenden lässt? Dass sie extrem mit sich zufrieden ist und keine eigene Verantwortung für die gegenwärtig wichtigsten Probleme erkennen will?

Ich gebe zu, das ist vielleicht etwas zugespitzt. Andererseits warnen selbst die Herausgeber des Reports:

„Aber man muss fragen, ob dieser allgemeine Optimismus die Gefahr der Selbstzufriedenheit birgt und wirtschaftliche Risiken zunehmend ignoriert werden.“5

 

P.S.: Der Report stellt zehn weitere Risiken vor, zu denen die Experten nicht befragt wurden, die aber nach Meinung der Herausgeber bald akut werden könnten. Dazu werde ich noch einen eigenen Kommentar schreiben.

Anmerkungen

[1] NGO steht für Non-governmental Organisation (Nichtregierungsorganisation). Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt dazu: „Die Akteure sind Initiativen, Vereine und Organisationen, die weder dem Staat oder Markt noch rein der Privatsphäre zugeordnet werden können. Auf globaler Ebene erhöhen international vernetzte Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) das Gewicht der Zivilgesellschaft und bringen Themen wie Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte zur Sprache.“

[2] Herausgeber ist der WEF, als strategischer Partner sind genannt: Marsh & McLennan Companies und die Zurich Insurance Group. Die wissenschaftliche Beratung holte sich der WEF von der National University of Singapore, der Oxford Martin School, die zur Universität Oxford gehört, und dem Wharton Risk Management and Decision Processes Center der Universität von Pennsylvania.

[3] Immerhin hat das WEF zwei Wissenschaftler gebeten, zu den Schwierigkeiten und den möglichen Fehlern der Risikoeinschätzung Stellung zu nehmen. So berichtet Michele Wucker über “Systematische Wahrnehmungsfehler und Risiko-Behandlung”. Allerdings ist die studierte Politologin und Inhaberin eines Strategieberatungsunternehmens bisher eher als Verfasserin von populärwissenschaftlichen Büchern in Erscheinung getreten. Wissenschaftliche Veröffentlichungen von ihr findet man kaum.

[4] Ein Vergleich mit den Ergebnissen aus den Vorjahren ist schwierig, weil offenbar die Themenvorgabe verändert wurde. So gab es 2011 den Risikofaktor “Flooding”, der jetzt nicht mehr vorkommt. Er ist offenbar bei “Extreme Weather Events” untergeschüpft. 2012 gab es den Faktor “Water Suppy Crisis”. Er war unter die Umweltrisiken eingeordnet worden. In diesem Jahr hingegen heißt das Thema “Water Crisis” und ist in die Gruppe der gesellschaftlichen Risiken ausgewandert.

[5] Im Original: But it is important to ask whether this swing to optimism suggests the possibility of complacency and a developing blind spot around economic risks

 

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

47 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das größte Risiko für Mensch und Umwelt sind die Politiker und die Experten, die sich im Rahmen der Gesetze und Verordnungen letztendlich immer wieder in treuhänderischer Verantwortungslosigkeit üben – Beispiel: Gestern habe ich eine Doku über den Waffenhandel der Firma Rheinmetall gesehen.
    Ums es kurz zu halten: Damit diese Firma die scharfen Beschränkungen umgehen kann, hat sie Produktionsstätten im Ausland (Sardinien, Südafrika). Wenn irgendwer dagegen protestiert, sagen deutsche Politiker und Experten, dass die ausländischen “Verantwortungsträger” zuständig sind, diese jedoch schieben die Zuständigkeit wegen der deutschen Firma wieder zurück.

    Doch auch weil diese Firma eine Aktiengesellschaft ist, und sich die vielen Aktionäre nicht darum scheren wie ihr Gewinn erzielt wird, kann man sagen das Dummheit ein besonders großes Risiko für menschen- und umweltverachtende Nebenwirkungen ist.

    • Gratulation zur ausgezeichneten Analyse der ich mich nur vollinhaltlich anschließen kann.

      Massenvernichtungswaffen mögen bedrohlich wirken, haben aber in der Regel nur eine sehr beschränkte regionale/lokale Wirkung, wenn es sich nicht unbedingt um einen high altitude NEMP oder eine außer Kontrolle geratene Biowaffe handelt. Schlimm genug für die Betroffenen, aber Weltrisiko? Außer es eskaliert völlig.

      Hingegen können Cyber-Angriffe/Zwischenfälle zu verheerenden Kaskadeneffekten führen.
      Von der Labilität unserer Stromversorgung liest man natürlich auch nichts … denn sie funktioniert ja noch. Gleichzeitig würde der erwartbare Kollaps des europäischen Stromversorgungssystems (“Blackout”) zur größten Katastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg werden. Und so weiter 😉

      Beste Grüße aus Wien
      Herbert Saurugg

      • Es ist umstritten, ob ein regionaler Atomkrieg mit dem Einsatz von ca. 100 Atombomben schon globale Auswirkungen hat. Eine Simulation von von Wissenschaftlern der Rutgers Universität in New Brunswick im Staat New York ergab ein erschreckendes Szenario. Danach würde der Ruß der durch die Explosionen ausgelösten Brände die Erde weltweit verdunkeln und zu einem atomaren Winter mit nachfolgender Hungerkatastrophe führen. Kritiker haben eingewandt, dass die in der Simulation angenommenen Brände unrealistisch groß seien, und der tatsächliche Klimaeffekt vermutlich sehr viel geringer ausfiele. Ich hoffe, dass sich niemand herausgefordert fühlt, es drauf ankommen zu lassen …

        • Ok, 100 Atomexplosionen sind dann schon einige Eskalationsstufen zu viel. Dann sind wir bereits weitab der Beherrschbarkeit. Ich habe da eher an lokale Ereignisse, wie Superterrorimus (Einsatz von Massenvernichtungsmittel – damit habe ich mich vor 20 Jahren beschäftigt) oder an einem sehr beschränkten Atomschlag gedacht. Aber wie wir aus der Geschichte wissen, wurden alle Kriegsauslöser/-beginne in ihrer Auswirkung massiv unterschätzt. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt, um das erneut zu beweisen,

  2. Die URSACHE aller symptomatischen Probleme unseres bewusstseinsbetäubten “Zusammenlebens”, ist der nun “freiheitliche” WETTBEWERB um Kommunikationsmüll.
    Am Ende, wenn alle Sündenbocksuche und auch der “Tanz um den / das …” keinen …, dann heißt es einfach DUMM GELAUFEN!? 😎

  3. Es ist die wahrgenommene aktuelle Grosswetterlage, welche die Risikoeinschätzungen dieser Experten weitgehend bestimmt – das ist klar. Auf 10 Jahre hinaus sind wirtschaftliche, ökologisch/umweltbeogene und selbst gesellschaftliche Prognosen kaum möglich.
    Fragwürdig erscheint mir die rein globale Sicht, gehen (Gross-)Risiken doch heute meist von bestimmten Regionen aus. Die Finanzkrise beispielsweise begann in den USA, die Krim-und Ukrainekrise entstand an der russischen Grenze und führte zu (immer noch anhaltenden) Sanktionsmassnahmen der EU, die Konflikte im südchinesischen Meer gehen von China aus und heute und in naher Zukunft könnten Konflikte im arabisch-/islamischen Raum eskalieren. Auch Wasserversorgungskrisen entstehen in Gebieten mit vorbestehender Trockenheit und eskalieren dann plötzlich durch eine Kombination von unbekümmerter Verschwendung, langen niederschlagsarmen Phasen und zu spät aufgegleisten Gegenmassnahmen.
    Selber sehe ich die Grossrisiken in den nächsten 10 Jahren in Konflikten im arabischen Raum, in Konflikten von China mit Staaten in seinem Hinterhof und in Entwicklungskrisen in der Subsahara. Auch der Terrorismus könnte in den nächsten 10 Jahren noch nie gekannte Ausmasse annehmen. Ökonomisch gesehen könnten wir am Beginn eines neuen 40 bis 60 Jahre anhaltenden Kondratiew-Zyklus stehen. Es wäre der 6. Zyklus (1=Frühindustrialisierung, 2=Eisenbahn, 3=Elektrotechnik,Schwerindustrie,Chemie, 4=Automobil,Halbleiter, 5=Information, Kommunikation). Dieser 6. Zyklus erhält von vielen den Arbeitstitel Digitalisierung, womit gemeint ist, dass Software und Computerhardware nun alle Lebensbereiche durchdringe (Internet der Dinge) und wo die Software erstmals intelligente, menschenähnliche Züge annehme. Auch die biologischen und medizinischen Wissenschaften könnten im Rahmen der Digitalisierung unglaubliche Dinge möglich machen wie etwa Krebsheilungen in fast allen Fällen, voll personalisierte optimal auf den Einzelfall abgestimmte Meditin, Stop des Alterungsprozesses, 100 Jahre als neue Durschnittslebenszeit).
    Grossrisiken ergeben sich hier – bei der Digitalisierung – durch ihren Einsatz für Krieg/Terror, Ausschaltung der Opposition oder gar der Demokratie und Totalüberwachung.

  4. Globale Risiken und Nebenwirkungen versucht der Mensch immer mit Hilfe statitischer Methoden zu berechnen. Meiner Lebenserfahrung nach ist Zukunft jedoch nicht planbar und zu großen Teilen von Zufällen (unverstandenen oder unbekannten Zusammenhängen) geprägt.
    Der Mensch sieht sich selbst immer als ein stabiles Element in diesen Überlegungen. Weitestgehend unberücksichtigt bleibt jedoch, dass wir als Kinder dieses Planeten uns immer in Abhängigkeit von den Eigenschaften dieses Planeten verändern werden.
    Eine sich verändernde Umwelt wird einen veränderten Menschen hervorbringen.

  5. Ökonomen als Kollektiv haben die US-Subprime-Krise nicht vorausgesehen – doch einige unter ihnen schon, zum Beispiel Robert Shiller (der einen eigenen Immobilienindex unterhielt).
    Ich wage sogar zu behaupten: Das Heer der Experten irrt sich bei Prognosen häufiger als gut informierte Nicht-Experten und Leute mit einer distanziertern Sicht und Position. Grund: Experten stimmen sich mit der kollektiven Meinung und der Meinung anderer Experten ab und verschliessen sich dadurch einer distanzierteren Betrachtung. Ein Phänomen, das viele von uns kennen. Es gilt ja auch, ein Deutscher urteilt anders über die Situation in Deutschland als ein guter Deutschlandkenner aus dem Ausland – und nicht selten erkennt der ausländische Deutschlandkenner Probleme, die der Experte, der in Deutschland lebt, nicht einmal wahrnimmt.
    Dass Experten auf ihrem Gebiet der Expertise häufiger falsche Prognosen abgeben als selbst informierte Laien ist schon längere Zeit bekannt. Es gibt den Verdacht, dass hier auch emotionale/menschliche Faktoren eine Rolle spielen und dass Prognosen mit deep Learning (mit tiefen neuronalen Netzwerken) besser werden könnten.
    Im folgenden einige Auszüge aus Why economic forecasting has always been a flawed science , welche meine Aussagen unterstützen (übersetzt von DeepL):

    Seine Analyse [Prakash Loungani at the IMF] ergab, dass Ökonomen 148 der vergangenen 150 Rezessionen nicht vorhergesagt hatten. Ein Teil des Problems, sagte er, war, dass es nicht viel von einem Reputationsgewinn gab, der durch die Vorhersage einer Rezession, die andere verpasst hatten, erzielt werden konnte. Wenn Sie mit dem Konsens nicht einverstanden wären, würden Sie auf Skepsis stoßen. Der Nachteil, es falsch zu machen, war persönlich schädlicher als der Vorteil, es richtig zu machen.

    Und hier noch wie man zu besseren Prognosen kommt (übersetzt mit DeepL):

    Das Good Judgment Team glaubt, dass ein Teil des Problems darin besteht, dass wir die Wissenschaft der Vorhersage falsch verstehen und die falschen Leute nach Vorhersagen suchen. Wenn wir wissen wollen, was mit der Wirtschaft geschieht, denken wir, dass es naheliegend ist, einen Ökonomen zu fragen. Aber Storey sagt, dass das der falsche Ansatz sein könnte. Forecasting ist eine Kunst, die von der Notwendigkeit, über spezifische Fachkenntnisse zu verfügen, getrennt ist. Die Leute, die den arabischen Frühling am besten vorhersagen konnten, seien keine Nahost-Experten. Es handelte sich um Menschen, die Osteuropa studiert hatten und dort ähnliche Muster entwickelt hatten. Wir brauchen keine Fachexperten, wir brauchen Leute, die gut darin sind, alles vorherzusagen.

    • Ökonomische Krisen (wie die Subprime Krise im US-Immobilien-und Finanzmarkt), aber auch die Entwicklung von bewaffneten Konflikten bis zu Kriegen und sogar katastrophale Folgen der Klimaerwärmung sind letztlich chaotische Phänomene, die sich dadurch auszeichnen, dass ab einem bestimmten Punkt plötzlich völlig andere Gesetze gelten. Man spricht auch von Bifurkationen womit man meint, dass das System ab einem gewissen Punkt plötzlich einen völlig anderen Pfad beschreitet. Solche Bifurkationen (Scheidewege?) gibt es auch bei vielen natürlichen Phänomenen (Erdbeben, Materialversagen mit Bruch) und bei Krankheiten wie Epilepsie, Migräne, Depression. Es gibt aber Vorboten dafür, dass ein System instabil wird und eine Bifurkation bevorsteht. Nach Didier Sornette (ETH Zürich) erkennt man beispielsweise eine finanzielle Blase, die kurz vor dem Platzen steht am superexponentiellen Wachstum. Dies erlaubt ihm die automatische Detektion von Blasen mittels des Financial Crisis Observatory
      Allerdings erscheinen die Vorboten einer Katastrophe relativ kurz vor der Katatstrophe. Man kann keine finanziellen Kollapse 5 Jahre im Voraus prognostizieren, sondern typischerweise nur einige Monaten, eventuell ein zwei Jahre im Voraus die Zeichen erkennen, dass so etwas bevorsteht. Beispiel: Die Subprime Krise (Finanzkrise, die 2007/08 begann) wurde von 6 Ökonomen vorausgesagt.
      – Nouriel Roubini sagte 2006 eine US-Kredit/Immobilienkrise voraus
      – Ann Petifor schrieb 2006 das Buch The Coming First World Debt Crisis (In dem Buch wirft Pettifor der US-Notenbank, Politikern und Mainstream-Ökonomen vor, dass sie einen Rahmen befürwortet haben, der unhaltbar hohe Kredit- und Konsumniveaus unter dem Deckmantel der Stützung der Wirtschaft unterstützt.)
      – Steve Keen (Kingston Universität) eröffnete im Dezember 2005 die Website debtdeflation.com um dort die globale SchuldenBlase zu diskutieren
      – Dean Baker (Centre for Economic and Policy Research) schrieb 2004: Der Absturz des Wohnungsmarktes wird nicht schön sein. Es ist so gut wie sicher, dass es zu einem zweiten Einbruch in die Rezession kommen wird. Schlimmer noch, Millionen von Familien werden sehen, dass der Großteil ihrer Ersparnisse verschwindet, wenn Häuser in einigen der Blasengebiete 30 Prozent oder mehr ihres Wertes verlieren”.
      – Raghuram Rajan (Reserve Bank India) sagte 2005 (Zitat, übersetzt von DeepL): Die Einführung komplizierter Instrumente wie Credit-Default-Swaps und Mortgage-Backed Securities machte das globale Finanzsystem zu einem riskanteren Ort. Tatsächlich argumentierte er, dass solche Entwicklungen “auch eine grössere – wenn auch noch kleine – Wahrscheinlichkeit einer katastrophalen Kernschmelze schaffen können”.
      – Peter Schiff (Euro Pacific Capital) erklärte im August 2006 (übersetzt von DeepL): Die Vereinigten Staaten sind wie die Titanic und ich bin hier mit dem Rettungsboot, das versucht, die Menschen dazu zu bringen, das Schiff zu verlassen… Ich sehe eine echte Finanzkrise auf die Vereinigten Staaten zukommen.” In späteren Debatten sagte er voraus, dass die Immobilienpreise 2007 abstürzen und eine drohende “Kreditklemme” drohen würde.

      Die früheste Voraussage stammt also aus dem Jahr 2004, wo Dean Baker den Absturz des Immobilienmarktes voraussagte ohne aber ein Prognosedatum anzugeben.
      Prognosen mit Angaben eines Crash-Datums wurden erst Ende 2006 abgegeben, beispielsweise von Peter Schiff. Das war eine Vorwarnzeit von einem Jahr.
      Fazit: Crash- und Kriegs/Krisenprognosen können von (einigen wenigen) Menschen, aber auch von Computerprogrammen einige Monate bis etwa ein Jahr im voraus prognostiziert werden. 10-Jahre Prognosen scheinen unmöglich.

      • Herr Holzherr, Sie haben recht: Zehn-Jahres-Prognosen sind unmöglich. Das ist hier aber auch nicht das Problem. Lassen Sie es mich so erklären: Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, dann wird dieser Brunnen bewacht und gesichert. Eigentlich hätte man das vorher tun können, aber das hätte Geld gekostet, und es war ja noch nichts passiert. Andere, ähnlich gefährliche Brunnen bekommen deshalb leider immer noch keine Aufmerksamkeit. Sollte ein Kind hineinfallen, ist die Aufregung groß, und es wird gehandelt. Andererseits verfallen auch die Sicherheitsanlagen mit der Zeit. In jedem Fall müsste man Zeit und Geld aufwenden, um alle Brunnen wenigstens einigermaßen zu sichern.
        Es macht allerdings keinen Sinn, alle Ressourcen darauf zu verwenden, genau vorauszusagen, wann das Kind in den Brunnen fallen wird, um pünktlich einen Tag vorher genau diesen Brunnen zu sichern. Das ist viel zu unsicher. Ich muss nicht genau wissen, wann eine Krise auftritt, ich muss nur wissen, dass die gegenwärtigen Strukturen höchstwahrscheinlich auf einen Absturz zusteuern. Den genauen Zeitpunkt zu wissen, hilft nur denen, die davon profitieren wollen, nicht aber denen, die solche Ereignisse abwenden möchten.

        • Ja, eine Entwicklung, die zur Krise führt, gar nicht erst zuzulassen, wäre das Beste. Nur scheint es gar nicht einfach zu sein, zu erkennen, was eine Blase und was noch eine normale Entwicklung ist. EIn gutes Beispiel dafür ist der Australian Property Bubble (übersetzt von DeepL):

          Die australische Immobilienblase ist die anhaltende Debatte in Australien darüber, ob der australische Immobilienmarkt signifikant überteuert ist oder nicht und ob ein signifikanter Abschwung (auch als “Korrektur” oder “Kollaps” bezeichnet) vorliegt. Die Debatte ist seit mindestens 2001 im Gange, wobei die australischen Immobilienpreise weiter steigen. Einige Kommentatoren, darunter ein Beamter des Finanzministeriums,[1] behaupten, dass sich der australische Immobilienmarkt in einer bedeutenden Blase befindet.

          Verschiedene Branchenexperten haben argumentiert, dass es sich nicht um eine Blase handelt und dass die Hauspreise das Potenzial haben, im Einklang mit dem Einkommenswachstum weiter zu steigen

          .

  6. Das Fazit scheint mir noch moderat formuliert. Diese “Elite” hat bewiesen, daß sie nicht willens, bereit und in der Lage ist, auch nur ansatzweise mit den Problemen klarzukommen.
    Wenig überraschend, schon aus dem Vorhandensein der Krise kann erkannt werden, daß die “Eliten” so verantwortungslos sind wie sie es sind. Wären sie es nicht, wäre eine solche Krise gar nicht möglich.
    Der nächste Crash kommt, wenn wir Glück haben, schleichend.
    Interessant ist die Unwahrscheinlichkeit eines großen Krieges, ein ganz wesentlicher und völlig übersehener Unterschied zu den Zwanzigern.
    Wenn nicht alles kurz und klein geschlagen werden kann, hat das stabilisierende Rückwirkungen auf den Umgang mit der Krise selber, umgekehrt zur Dynamik nach unten, die in den 30ern stattfand.
    Für die “Eliten” keine gute Nachricht. Gerade in Deutschland haben sie die beiden Weltkriege gebraucht, um sich stabil an der Macht zu halten. Entfällt diese Option, entfällt auch die Option des “Weiter so”.

  7. “Wenn nicht alles kurz und klein …”

    Da steckt das Problem des vorherrschenden Kreislaufes – wenn dem herkömmlich-gewohnten Stumpf-, Blöd- und Wahnsinn keine wirklich-wahrhaftige Kraft der Ordnung von Vernunft und Verantwortungsbewusstsein bei und entgegen tritt, dann wird auf irgendeiner Seite SICHER der Knopf zum Finale gedrückt werden!

    • Umgekehrt. Die fehlende “Knopf-Option” läßt gar nichts anderes übrig als Vernunft. Nicht viel davon, aber ein Minimum. Quasi eine atomare Grundsicherung des Friedens.

  8. Die “stabilisierenden Rückwirkungen” des “freiheitlichen” Wettbewerbs, sind Konfusion, ignorante Arroganz und menschenverachtender Wahnsinn (“gesundes” Konkurrenzdenken)!!! 😎

  9. “Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, dann wird dieser Brunnen bewacht und gesichert. Eigentlich hätte man das vorher tun können…”

    So erscheint mir das mit dem leidigen Plastik, so erscheint es mir mit den Insekten…
    Gibt es eigentlich keinerlei Frühwarnsysteme?
    Doch: Ich meine, es muß sie geben. Denn wirklich ALLES ist heutzutage im Fokus, Tendenzen dürften im Grunde leicht erkennbar sein.

    • Doch, es gibt Frühwarnsysteme. Aber das Abwenden von nicht eingetretenen Katastrophen kostet Zeit und Geld. Und natürlich monieren Kritiker, dass die Warnungen weit übertrieben seien. Für Politiker stellt sich also die Frage, ob sie Geld ausgeben sollen um ein Desaster zu verhindern, dass vielleicht auch ohne Vorsorge nie eintreten wird. Oder ob sie Vorschriften erlassen sollen, um beispielsweise Umweltbelastungen zu verhindern, die gefährlich werden können, aber im Moment noch niemand stören.
      Ein weiteres Problem ist die Validität der Warnungen. Nicht alle Frühwarnsysteme sind zuverlässig, und Lobbygruppen übertreiben schon mal, um Gehör zu finden. Die Sache ist also nicht unbedingt einfach, aber trotzdem ließe sich sicherlich mehr tun. Die im Global Risks Report dokumentierte Kurzsichtigkeit der wirtschaftlichen und politischen Weltelite ist nicht unbedingt hilfreich.

    • Zitat Gerhard:

      so erscheint mir das mit dem leidigen Plastik, so erscheint es mir mit den Insekten… Gibt es eigentlich keinerlei Frühwarnsysteme?

      Die Frühwarnsysteme sind ja gerade die Meldungen/Nachrichten beispielsweise über Plastikstrudel im Meer, das Artensterben (und die Abnahme z.B. von Insekten), die Möglichkeit, dass Glyphosphat Krebs auslösen könnten. Nicht alle diese Probleme haben aber für die Öffentlichkeit (und die sie repräsentierenden Politiker) die gleiche Prioriät, die gleiche empfundene Dringlichkeit. Ich sehe folgende Regel am Werk: Wenn eine Gefahr auch nur das Potenzial hat, die menschliche Gesundheit zu gefähren, dann wird relativ schnell gehandelt, dann werden Substanzen und Praktiken verboten, selbst wenn nur ein Verdacht besteht. Ist aber “nur” die Natur, sind nur unsere Mitgeschöpfe oder Ökosysteme gefährdet, dann wird oft gar nicht gehandelt, vor allem dann nicht, wenn der Aufwand relativ gross wäre, dabei die Wirtschaft oder bestimmte Berufsgruppen stark tangiert wären oder viel Geld ausgegeben werden müsste.
      Es gibt unzählige Beispiele die die obengenannte Regel bestätigen – gerade auch aus jüngster Vergangenheit. So beschloss die (potenzielle) Regierungskoalition (GroKo) aus CDU/CSU und SPD das Verbot von Glyphosphat, obwohl es keinen Beweis dafür gibt, dass Glyphosphat Krebs verurschat. Beispiel 2: Mobilfunksender müssen einen oft sehr tief angesetzten Grenzwert für die Leistung der abgestrahlten Radiowellen einhalten – und das obwohl ein Gesundheitsschaden durch auch 10 mal intensivere Radiowellen als erlaubt, nicht nachgewiesen werden kann. Beispiel 3: Plastikmüll, der im Meer landet, gefährdet das Meeresleben (Fische und Vögel) auf ernsthafte Art und Weise. Das effizienteste Mittel dagegen wäre das Verhindern, dass Plastik in Gewässer gerät (80% des Plastiks im Ozean kommt über Flüsse, die in den Ozean münden). Es müssten also Abfallmanagementsysteme aufgebaut werden – und das nicht etwa in Deutschland, sondern in Süd- und Ostasien. Doch es wird kaum etwas unternommen: Weder unternehmen die aufstrebenden Schwellenländer genug noch helfen ihnen die Industrieländer dabei. Warum? Weil der Schaden im Meer für die Menschheit nur eine geringe Gesundheitsgefahr bedeutet.

      • Ergänzung: hier einige durch uns verursachte Umweltprobleme, die vor allem Tiere, Pflanzen und Ökosysteme betreffen und weniger den Menschen direkt:
        Natürliche Pelze (Zuchttiere allein für Pelzgewinn), Entwaldung (z.B. um Palmölpflanzen anzubauen), Überfischung, Arten- und Lebensraumverlust durch Flächenverbrauch (für Agrikultur, Siedlungen) und Landschaftszerschneidung (durch Strassen), Bodenerosion (durch Landwirtschaft), nächtliche Beleuchtung mit Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt, Lärm in der Natur (Strassen), Versauerung und Erwärmung der Ozeane (durch CO2 und Klimawandel) mit Absterben von Korallenriffen, Anoxische (ohne Sauerstoff) Zonen im Meer wegen Düngung (Phospat/Nitrat fördert Algenwachstum wobei die schliesslich absterbenden Algen allen Sauerstoff verbrauchen) und im Rahmen der Klimaerwärmung (siehe ozeanisches anoxisches Ereignis)

  10. Fokus – TV-Magazine können sich heute aus einem überquellenden Füllhorn an problematischen Themen bedienen, und die Profitler des Systems brauchen keine Angst haben das sich etwas wesentlich verändert, denn Kritik ist assimiliert, verhaftet, der Konfusion angepasst, vor allem weil die Journalje in Verpflichtung zu journalistischer “Neutralität” funktionieren. Und so ist auch die “brav” konsumierende Masse nicht bereit Vernunft und Verantwortungsbewusstsein im Sinne von wirklicher Wahrhaftigkeit um- und durchzusetzen!

  11. Risiko-Management ist eine Kunst für sich.
    Das Risiko meint bestimmte unerfreuliche Folgen eigenen Handelns.
    Luhmann bspw. legte Wert auf die Unterscheidung zwischen Risiko und Gefahr.
    Gefahr kommt von außen und kann insofern schlechter bis schlecht gemanagt werden.

    Die genannten Risiko-Szenarien (Abbildung 1) können insofern, mit einem gewissen Schmunzeln, womöglich zuvörderst als Außenkommunikation von Umfrageteilnehmern verstanden werden.

    Bei sogenannten Extremwetterereignissen wird dies besonders deutlich, denn in einer um ca. 1 K bis 2 K erwärmten Erde werden sich derartige Gefahren (!) und von den Abgefragten benannten Gefahren in Grenzen halten, noch, anders sieht es natürlich generationenübergreifend aus, allerdings denken viele Abgefragte nicht so, sondern wirtschaftlich und das Hier-und-Heute meinend, durchaus : opportunistisch bei ihren kleinen Verlautbarungen.

    Hier, bei – ‘Die zunehmenden internationalen Spannungen, nicht zuletzt bedingt durch den erratischen außenpolitischen Kurs der US-Regierung, machen der internationalen Elite also ernsthafte Sorgen.’ – ,setzt es allerdings aus Sicht von Dr. Webbaer einen Minuspunkt.
    ‘Erratisch’ war aus seiner Sicht, ähnlich wie Jimmy Carter in Persien seinerzeit, so um 1979 herum, von bestimmter Aufrührung in islamischen Gebiet etwas Positives zu erwarten, vergleiche auch mit diesem Stück :
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Rede_an_die_islamische_Welt

    Leider leider ließen sich weder ein Nation-Building betreiben (George W. Bush), noch sogenannte Frühlinge evozieren (Dr. W wird immer auch ein wenig stinkig, wenn der Prager Frühling als Namensgeber gemeint ist), denn die beiden Donald J. Trump vorkommenden US-Präsidenten haben von Jimmy Carter wenig gelernt, wie er findet.
    Barack Hussein Obama II hat es womöglich mit der längere Zeit geheim gehaltenen Entstehung des sogenannten Islamischen Staats richtig verbockt.

    Donald J. Trump gilt als anti-interventionistisch.

    Risk-Management wird insofern, in Unternehmen der Wirtschaft, stets auch ein wenig belächelt, als Zukunfts-Management, vergleiche auch mit sogenannten Zukunfts-Forschern oder Futurologen, hier einmal ein bundesdeutscher Spaßbold zeitversetzt zitiert :

    -> https://derstandard.at/496477/Internet-wird-kein-Massenmedium

    MFG + schöne Mittwoche, beste Grüße an die werte Frau Gemahlin,
    Dr. Webbaer

  12. Über die “Eliten” hinaus scheint es aber zur Zeit auch in der Bevölkerung ein arg geringes Bewußtsein für Gefahren zu geben.
    Das massive Insektensterben ist eigentlich schon ein starkes Alarmzeichen, das zwar abstrakt, aber dennoch gut wahrnehmbar ist.
    Daß da nicht mehr Entsetzen ausgelöst wird, ist kein gutes Zeichen.

  13. DH,
    Insektensterben,
    Das Insektensterben wird sich auch auf die Vögel auswirken, die Insekten fressen.
    Dann kommen die Tiere dran, die bisher Vögel gefressen haben.
    Dann kommen die Pflanzen dran, die bisher von Insekten bestäubt wurden.
    Das Ende ist nicht abzusehen.
    Und ich gebe Ihen recht, dass die Menschen aus diesen Tatsachen keine Schlüsse ziehen.

  14. @hmann

    SCHLÜSSE ZIEHEN

    Es wirkt sich dem “Bewusstsein” entsprechend so aus:
    Wie wird sich das auf mein / das Geschäft auswirken?, oder: Wie könnte man daraus ein Geschäft machen?!

    Vor allem aber, wird die systemrationale Überproduktion an systemrationalem Kommunikationsmüll bedient, in Form von Blogs, TV-Magazine und / oder Blogs die auf entsprechende Bücher zum Kaufen hinweisen!!! 😎

  15. hto,
    nicht alle Menschen denken kommerziell oder eigensüchtig, da kann ich dich beruhigen.
    Ich würde sogar behaupten, dass viele Menschen in den Tag hinein leben, ohne große Perspektive, ohne große Ziele.

  16. @hmann
    Schritt eins, Vögel, ist bereits Realität. die Zahl der Singvögel geht fast genauso dramatisch zurück wie die der Insekten.
    In den USA gibt es bereits ganze Landstriche, die nur noch mobil bestäubt werden können, die natürliche reicht oder existiert nicht mehr.

  17. Risiken und Nebenwirkungen

    Bsp.: Imperialismus bedeutet vor allem Vererben – Die einen vererben ihren meist missratenen … das zweifelhafte und UNVERDIENTE Vermögen, insgesamt vererbt Mensch so den Nachkommen eine “Zukunft” die …!? 😎

    👆 Eine Welt und “Werteordnung” OHNE … ist nicht nur machbar! 👊

  18. Bis ins 19. Jahrhundert gingen die einzigen globalen Risiken von weltweit wirksamen Naturkatatstrophen wie Asteroideneinschlägen oder Vulkanausbrüchen des Vulkanitätsindexes 8 (des höchsten) aus – Ereignisse, die höchstens alle 10’000 Jahre oder eher noch seltener stattfinden. Alles andere menschengemachte, wie Kriege, Verschmutzung, Ausbeutung der Natur, Missernten, Erdbeben und Überschwemmungen hatte nur für Menschen in unmittelbarer Nähe des Ereignisses eventuell fatale Auswirkungen, nicht aber für Menschen auf einem anderen Kontinent.
    Zur Zeit der Römer wussten die Römer nicht einmal, was die Chinesen oder Inder gerade trieben (Alexander der Grosse war aber schon einmal dort) und bis zur Zeit von Kopernikus waren Amerika, Australien, Indonesien und die pazifische Inselwelt den Europäern überhaupt nicht bekannt und von Afrika kannten sie nur gerade den ans Mittelmeer anstossenden Teil.
    Heute erst (seit dem 19./20. Jahrhundert) gibt es vom Menschen selbst ausgehende globale Risiken wie sich weltweit auswirkende Finanz- oder Wirtschaftskrisen oder Cyberattacken und potenzielle Rohstoffknappheiten (Wasser), die sich jahrelang auswirken und es sind sogar Katastrophen (Atomkrieg,Biowaffeneinsatz) oder irreversible Umweltänderungen (Klimawandel) möglich, die die Zivilisation gefährden oder sie dauerhaft in ihrem Potenzial einschränken.
    Das Risiko für einen Atomkrieg oder menschengemachte Pandemien mit hunderten von Millionen Toten oder von menschengemachten Klimaveränderungen, die die ganze Zivilisation gefährden ist für die nächsten 10 bis 30 Jahre zwar gering, so dass die meisten Menschen nicht sonderlich beunruhigt sind. Doch über 100 oder mehr Jahre steigt die Wahrscheinlichkeit für solch katastrophle Ereignisse stark an, zumal immer neue Risiken dazukommen, vor allem durch den mit dem wissenschaftlichen und technischen Fortschritt einhergehenden Wissens- und Fähigkeitszuwachs. Fast jedes Wissen und fast jede Technologie kann letztlich auch gegen den Menschen eingesetzt und das ist auch immer wieder passiert. Die ersten Terroranschläge geschahen noch mit Messern, dann mit Feuerwaffen, Bomben, Flugzeugen (9/11) und irgendwann wird ein Forscher im Dienst einer verrückten Idee oder Ideologie ein tödliches Virus auf die Menschheit loslassen – das ist so sicher wie das Amen am Schluss eines Gebets. Der britische Astronom Sir Martin Rees hat sogar eine Wette darauf abgeschlossen, dass noch vor 2020 durch einen Bioterroranschlag mehr als 1 Million Todesopfer fordern werde.
    Auch wenn er sich hier irrt, ist es dennoch nur eine Frage der Zeit bis so etwas passiert. Und wenn es passiert beginnt eine neue Zeitepoche – eine Zeitepoche, in der sich alle Bürger, Experten und Politiker bewusst sein werden, dass die Existenz der Zivilsation, ja selbst der Menschheit keine Selbstverständlichkeit ist und dass man Vorkehrungen treffen muss um das Schlimmste zu verhüten. Und man wird dann auch zur Erkenntnis kommen, dass eine voll globale Zivilisation mit starken gegenseitigen Abhängigkeiten falsch organisiert ist, wenn die Konsequenz aus ihrem Zerfall eine Rückfall in prähistorische Zeiten ist.

    • Ergänzung: Als grosse Gefahr und grosses Risiko sehen wir Menschen fast nur Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind. Es gilt:
      – Atombomben wurden abgeworfen, also könnte es wieder passieren
      – AKW’s haben bei Unfällen Radioaktivität freigesetzt (wann wieder?)
      – Chemische Kampfstoffe wurden im 1.Weltkrieg eingesetzt (wann wieder?)

      Potenzielle Gefahren/Risiken, die sich (noch nicht) realisiert haben, werden dagegen weniger bis überhaupt nicht beachtet – vor allem nicht in der Öffentlichkeit. Mit biologischer Kriegsführung beschäftigen sich darum vor allem Experten. Die Öffentlichkeit wird sich erst damit beschäftigen wenn es passiert ist. Hätten die USA keine Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen und wäre es auch später nicht passiert wären wir viel unbekümmerter was die Gefahr eines Atomkrieges angeht.

      Das hat auch Thomas Grüter in einem Kommentar weiter oben festgestellt, wo er sogar davon schrieb, dass auch Probleme, die sich schon manifestiert haben (wie das Plastikmüllproblem) oft nicht angegangen werden, weil man damit leben kann und man nicht unnötig Geld ausgeben will.

      Meine Ansicht hierzu: Ereignisse, die durch einzelne Menschen ausgelöst werden können, werden mit Sicherheit irgendwann passieren, denn es gibt inzwischen 7.47 Milliarden Menschen und irgend einer davon macht auch etwas sehr unwahrscheinliches oder höchst amoralisches. Ein Beispiel dafür sind die Anthrax-Briefsendungen an US-Senatoren eines US-Forschers.

      • @ Herr Holzherr :

        Das Risiko-Management, also das Management, das Unerfreuliches bearbeitet, wenn auf Grund eigener Handlung, in concreto auch : Entwicklung, kann nur das Known-Known [1] bearbeiten.

        Ingenieure sind dazu angehalten auch Schadwirkung zu erahnen, wenn es zu Missbrauch des Produkts kommt, sie können aber nicht das Unknown-Unknown berücksichtigen.

        Das Unknown-Unknown wäre aber dann Risiko und nicht etwa Gefahr, wenn es eigenem Vorhaben, eigener Produktentwicklung folgt.

        Insofern haben Sie recht, wenn Sie hervorheben, dass bestimmte negative Folgen eigenen Handelns gerade auch in der Öffentlichkeit besonders heraufgestuft (kennt der Duden (noch) nicht, haha), gar hysterisiert wird, aber nicht die Hauptrisiken meinen können, denen sich der hier gemeinte Primat aussetzt.

        Und Gefahren (vs. Risiken) sind noch schwerer vorab erkennbar.

        Insofern sieht’s in der Tat ein wenig mau aus und es muss fortlaufend gelernt werden, dennoch rät Dr. Webbaer, wegen der allgemeinen Komplexität, von der sogenannten Zukunftsforschung ab, nicht weil ein derart genanntes Vorhaben per se schlecht wäre, sondern weil idR die Falschen sich als Zukunftsforscher veranlagen, was aber nicht zu vermeiden ist.

        MFG
        Dr. Webbaer

        [1]
        Sehr lustig! :
        -> https://de.wikipedia.org/wiki/There_are_known_knowns
        … wie richtig, Missverstehende haben sich, nicht nur in der BRD, hier schwer erregt, an dieser umfänglich korrekten Einschätzung des Herrn Rumsfeld, meist : politisch Linke.

        • @Dr. Webbaer (Zitat): Ingenieure sind dazu angehalten auch Schadwirkung zu erahnen, wenn es zu Missbrauch des Produkts kommt
          Das tun sie auch, wie der Artikel Why You Should Fear ‘Slaughterbots’—A Response aufzeigt. Dort geht es um die Gefahren von autonomen Killerdrohnen, auf die der Autor schon einmal hinwies. Doch die vorherrschenden Kommentare zu dem Warnhinweis zeigten gemäss Autor (Ingenieur), dass die Kommentatoren die Gefahr gar nicht verstanden/gar nicht verstehen (Zitat, übersetzt von DeepL):

          Da sie keiner individuellen menschlichen Aufsicht bedürfen, sind autonome Waffen potenziell skalierbare Massenvernichtungswaffen (WMDs); praktisch unbegrenzte Anzahlen können von wenigen Personen gestartet werden. Dies ist eine unausweichliche logische Konsequenz der Autonomie. Daher erwarten wir, dass autonome Waffen die menschliche Sicherheit auf individueller, lokaler, nationaler und internationaler Ebene verringern werden.
          Trotzdem haben wir erlebt, wie hochrangige Verteidigungsbeamte das Risiko mit der Begründung ablehnten, dass ihre “Experten” nicht glauben, dass die “Skynet-Sache” wahrscheinlich passieren wird. Skynet ist natürlich das fiktive Führungssystem in den Terminator-Filmen, das sich gegen die Menschheit wendet. Das Risiko des Auftretens der “Skynet-Sache” steht in keinerlei Zusammenhang mit dem Risiko, dass Menschen autonome Waffen als Massenvernichtungswaffen einsetzen, oder mit anderen von uns und Scharre genannten Risiken. Dies hat leider gezeigt, dass seriöse Diskurse und akademische Argumente nicht ausreichen, um die Botschaft zu vermitteln. Wenn selbst hochrangige Verteidigungsbeamte, die für autonome Waffenprogramme verantwortlich sind, die Kernfragen nicht verstehen, dann können wir nicht erwarten, dass die Öffentlichkeit und ihre gewählten Vertreter entsprechende Entscheidungen treffen.

          Fazit (wieder einmal): Die meisten Menschen verstehen die Grössenordnung einer Gefahr, eines Risikos erst, wenn schon einmal “etwas” passiert ist. Mit anderen Worten: Die Menschheit lernt erst aus Katastrophen.

          • @ Herr Holzherr und hierzu :

            Fazit (wieder einmal): Die meisten Menschen verstehen die Grössenordnung einer Gefahr, eines Risikos erst, wenn schon einmal “etwas” passiert ist.

            Negativ, zu einfach gedacht, vgl. mit ‘Those who cannot remember the past are condemned to repeat it.’ [George Santayana] – ‘die meisten Menschen’ sind Moden unterworfen und sozusagen verdammt zu wiederholen.
            Sie sind weder in der Lage zwischen Risiko und Gefahr (u.a. : Luhmann) zu unterscheiden, noch in der Lage Folgen eigenen Handelns zu erkennen und zu antizipieren, dazu erfolgte weiter oben der kleine Vortrag zu den “Unknowns”.

            Herr Dr. Grüter, der Schreiber dieser Zeilen folgt jenem womöglich ‘Original Thinker’ seit einigen Jahren, auch wenn er -womöglich!- beizeiten ein wenig ungünstig püschologisiert, keinesfalls : immer, hat natürlich recht, wenn er meint, dass auf Seiten der Erkenntnissubjekte so einiges im Argen liegt.
            (Seine werte Frau Gemahlin hat sozusagen immer recht.)


            Das mit den tötenden Bots können sie knicken, denn es müsste für diese erst eine Infrastruktur aufgebaut werden, die nicht unbemerkt bliebe.

            Hier – ‘Dies hat leider gezeigt, dass seriöse Diskurse und akademische Argumente nicht ausreichen, um die Botschaft zu vermitteln. Wenn selbst hochrangige Verteidigungsbeamte, die für autonome Waffenprogramme verantwortlich sind, die Kernfragen nicht verstehen, dann können wir nicht erwarten, dass die Öffentlichkeit und ihre gewählten Vertreter entsprechende Entscheidungen treffen.’ – würde Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund insofern Gegackel feststellen wollen.


            Ansonsten, natürlich wird die Welt gefährlicher, abär nicht auf eine Art und Weise, wie sie jetzt schon bestimmt ist.
            Das, was aus Sicht einiger zu Doitschland gehören soll, wird einstweilen ausreichen.

            MFG
            Dr. Webbaer

          • @Dr.Webbaer (Zitat):

            Das mit den tötenden Bots können sie knicken, denn es müsste für diese erst eine Infrastruktur aufgebaut werden, die nicht unbemerkt bliebe.

            Nein, eine Infrastruktur braucht es für Killerdrohnen nicht, es genügen wohl bald schon 3D-Drucker und Software für die Intelligenz und Autonomie der Drohnen. Letzlich braucht es also nur Software, denn auch der 3D- Drucker muss mit einem softwarebasierten Modell gefüttert werden.
            Nach Behauptungen der Russen wurden im syrischen Krieg bereits autonome, mit Explosivwaffen gerüstete Drohnen gegen russische Flugbasen eingesetzt. Das entnimmt man dem Artikel Russia says mysterious armed drones are attacking its military bases in Syria – and they don’t know who’s sending them. Allerdings sind die dort beschriebenen Drohnen noch relativ primitiv – was sich aber über Fortschritte im 3D-Printing schnell ändern kann (Zitat, übersetzt von DeepL): “

            Diese Systeme sind weit verbreitet, leicht zu steuern und erfordern sicherlich kein großes technisches Know-how – man kann sie praktisch überall im Internet kaufen. Diese Systeme wurden zur Durchführung von Basisaufklärung und zum Einbringen oder Abwerfen von kleinen Sprengstoffen eingesetzt.

            “Diese Systeme sind zwar tödlich, haben aber bisher keine nennenswerten Auswirkungen auf die Koalitionsbetriebe gehabt. Wir ergreifen geeignete Maßnahmen zum Schutz der Streitkräfte, um sicherzustellen, dass die Streitkräfte der Koalition und unsere Partner ihre Aufgaben sicher erfüllen können.

          • Dr. Webbaer hat den Drohnen-Vorfall in Syrien verfolgt, die eingesetzte Hard- wie Software war unzureichend.
            Niedrige Zivilisation wird derart nicht aufbauen können, bspw. von Hass auf Juden erfüllte muslimische Araber haben weder im Gazah noch in der sogenannten West-Bank diesbezügliche militärische Ziele erreichen können, und die sind wirklich motiviert, werden u.a. auch vom Iran unterstützt, von schlauen Persern sozusagen.

            Korrekt bleibt angemerkt, dass zukünftige Kriege nicht ohne der Informationstechnologie auskommen können, allerdings sitzen hier “Dienste” wie in den Staaten oder Russland oder China darauf die hierfür benötigte Software zu “verlausen”, weil sie bereits und sozusagen in der Hardware sitzen.
            Der regelmäßig islamisch motivierte Feind wird hier kein Bein auf den Boden bekommen, weil seine Ratio theozentrisch stark eingeschränkt zu bleiben hat, dankenswerterweise.

            In der BRD und anderswo, wo muslimische Immigranten bevorzugt aufgenommen worden sind, wird das gute alte Messer sprechend bleiben, in Halshöhe, wie im Koran auch vorgesehen.

            Sich unverständig zu stellen bedeutet immer auch zweiter Sieger (Hans Rosenthal) zu sein, haha, die hier gemeinte Menge wird aber zu töten bereit bleiben, selbstverständlich nur als Menge und nie direkt auf Einzelpersonen bezogen, Bon appétit,
            MFG
            Dr. Webbaer

  19. DH,
    wie ich unsere Techniker kenne, werden sie Minidrohnen konstruieren, die das Bestäuben der Blüten übernehmen.
    Das hat ja auch Auswirkungen auf die Gewässer. Letztes Jahr haben die Gemeinden am Oberrhein noch gegen die Stechmücken gespritzt.
    Solange der Großteil der Bevölkerung noch nicht sensibilisiert für den Umwltschutz ist, sehe ich da keine Chance den Einsatz von Insektenvertilgungsmitteln zu stoppen.
    Letztes Jahr war ich in einem Bäckerladen. Da hat doch eine verkäuferin in die Auslage mit Mohnschnecken mit Insektenspray direkt auf die Süsswaren gesprüht, damit die Wespen weggehen.
    Ist das noch Unwissen oder schon Schwachsinn?

  20. @hmann
    Eindeutig Schwachsinn.

    “Minidrohnen konstruieren, die das Bestäuben der Blüten übernehmen.”
    Realistisch.
    Kurzer Ausflug auf die Osterinseln- dort gab es meines Wissens einen großen Zusammenbruch der Bevölkerungszahlen, bis vor einiger Zeit ging man davon aus, daß das mit der Abholzung der letzten Wälder zusammentraf.
    Tatsächlich kam der Bruch erst deutlich später, was mit einem geschickten System mit einem speziellen Anbausystem zusammenhing, mit der die Bewohner die Ersosion des Ackerlands verhindern konnten.
    Interessant auch für unsere Zeit, in Bezug auf Risikoeinschätzung.
    Der gefährlichste Moment ist womöglich nicht der, in dem das natürliche System zusammenbricht, sondern später.
    Der Mensch ist bekanntlich anpassungsfähig und kann durch künstliche Ersatzsysteme einiges kompensieren.
    Nur sagt einem schon der Instinkt, daß solche Ersatzsysteme viel anfälliger sind als die natürlichen.
    Ein künstliches Bestäubungssystem könnte bereits ein solcher Fall sein. Man fühlt sich sicher, die Gefahr überwunden zu haben, obwohl sie nie größer war als mit solchen Ersatzsystemen.

    • @ Kommentatorenkollege ‘DH’ :

      Der gefährlichste Moment ist womöglich nicht der, in dem das natürliche System zusammenbricht, sondern später.

      ‘Sondern anders’ wäre die von Dr. Webbaer bevorzugte Variante, webverwiesen werden soll hier dieser TED-Vortrag von Steve Petranek :
      -> https://www.ted.com/talks/stephen_petranek_counts_down_to_armageddon/transcript?language=de (Punkt 10 vs. Punkt 8 ist gemeint)

      Aus Sicht des Schreibers dieser Zeilen befindet sich die aufgeklärte Welt offensichtlich in einer Sinnkrise, die (letztlich) durch die Säkularisierung entstand, vergleiche auch mit einigen diesbezüglichen Thesen aus dem Hause Dr. Michael Blume, in einer Krise, die sich u.a. i.p. unzureichender Fertilität und geistig im Relativismus / Nihilismus ausdrückt.
      Kinderlose verfügen bspw. und in der Regel über einen anderen zeitlichen Planungshorizont als Leutz, die Kinder haben, Dr. Webbaer hat diese Beobachtung hundertfach gemacht, gerade auch in wissenschaftsnahen WebLogs.

      Ob hier ein Risiko oder “nur” eine Gefahr vorliegt, ist nicht ganz klar, Denken ist bekanntlich gefährlich, der geschätzte hiesige Inhaltegeber, Stichwort : Gedankenwerkstatt, äh, denkt womöglich ähnlich.

      MFG
      Dr. Webbaer (der jetzt den Vergleich mit den Osterinseln und ihren Kannibalen nicht so-o gelungen fand)

  21. Also wenn die Insekten sterben, dann ist es mit den Bakterien (ohne die bekanntermaßen nichts funktioniert) auch nicht mehr weit hin!? Mahlzeit 😎

  22. Zu diese Kommentar von “Dr. Webbaer 26. Januar 2018 @ 16:19” noch kurz, reziprok :

    [T]here are known knowns; there are things we know we know. We also know there are known unknowns; that is to say we know there are some things we do not know. But there are also unknown unknowns – there are things we do not know we don’t know. [“Rummy”]

    Diese Aussage ist lustig wie zentral, Dr. W staunt insofern ein wenig, wie viel Potential bei der US-republikanischen Präsidentschaft zwischen 2001 und 2009 vorhanden war, aber nicht umgesetzt werden konnte, vgl. bspw. mit diesem Jokus, insbesondere auch i.p. sog. Nation-Building, was anthropologischer-seits nur schlecht aussah, vgl. auch hiermit :

    -> https://www.youtube.com/watch?v=uL6OGwsp9_o

    -> https://www.youtube.com/watch?v=nfmATUzBwxY

    MFG + schönen Tag des Herrn noch,
    Dr. Webbaer

  23. Ein interessanter Blog, auf den ich bei Ihnen, Herr Grüter, gestoßen bin.

    In Ihrer “Psychologie irrationalen Denkens” arbeiten Sie sich an der Vernunft besser der fehlenden Vernunft ab. Von außen betrachtet hat man den Eindruck, dass “Vernunft” Aspekte der Berechenbarkeit haben sollte: Man kann rational bewerten, ob ein Verhalten vernünftig ist oder unvernünftig.

    Nun ist aber “der Wille des Menschen sein Himmelreich”. Das beginnt (oder endet) z.B. bei der Partnerwahl. Folgt man Andre Kostolany, dann kann man den Ehemann zwar rational nach dem Kontostand auswählen, das wäre vernünftig, sich andererseits aber auch “atomar” ohne Kosten-Nutzen-Analyse von einem Menschen gefangennehmen lassen. (Letzteres ist wohl Hans Olaf Henkel mit seiner zweiten Partnerin bei einem Empfang so geschehen.)

    “Sei doch vernünftig!” haben wir alle schon gehört – und gesagt.

    Wir kennen aber auch den Spruch: “Er hatte keine Chance – aber er nutzte sie.” Und wir kennen die Geschichte des Frosches, der in einen Eimer voll von Milch fiel und in hoffnungsloser Situation strampelte und strampelte. Aussichtslos und – so würde man sagen – unvernünftig. Bis die Milch zu Butter wurde und der Frosch sich befreien konnte.

    Was ich sagen möchte: Der Mensch ist zuvörderst ein unvernünftiges Wesen. Zum Glück. Damit verhält er sich analog einem Gas, das jeden freien Raum ausfüllt. Es ist zwar so, dass unvernünftiges Verhalten in vielen wohl gar in den meisten Fällen sich als nachteilig also tatsächlich als unvernünftig herausstellte, aber eben nicht in allen. Dass also Unvernunft wie ein Evolutionsbeschleuniger fungiert.

    “Wege in der Gefahr” formulierte C.F. v. Weizsäcker in einem Buch vor zwei Generationen. von Weizsäcker machte sich große Sorgen, vor allem um militärische Großkonflikte im kalten Krieg. Sind die Gefahren größer geworden? Eine Klimamänderung zumindest sehe ich eher gelassen und wenn jemand von einer zukünftigen “Klimahölle” spricht, dann fällt es mir schwer, ihn weiterhin ernst zu nehmen. In Europa zumindest werden wir den Änderungen eher entspannt entgegensehen können. Und vergessen wir nicht: es wird auch Gewinner einer Klimaänderung geben.

    Darüber hinaus sehe ich meine Standpunkte hierzu sehr gut in Ganteförs Buch “Wir drehen am Klima – na und?” zum Ausdruck gebracht. Eine Melange aus Faust und Prometheus? Schön – und angemessen. Denn der Mensch ist zum Überleben gemacht.

    Zu guter letzt: Für einen Arzt stellt das Streben nach Gesundheit i.A. das höchste Ziel dar. Allgemein muss das aber nicht der Fall sein. Wenn sie, Herr Grüter, in einem früheren Beitrag die Metapher eines Übergewichtigen bemühen, der an Diabetes zu erkranken droht, dann darf man einwenden, dass Gesundheit vielleicht nur als Sekundärziel gesehen werden darf, als Rahmenbedingung, die das Erreichen anderer Ziele erleichtert. Für viele ist es auch nicht das höchste Ziel. (Schon jeder Soldat weiß das.)

    Wir sind nicht auf der Welt, einen zufällig entstandenen status quo zu erhalten oder “die Schöpfung”. Wir dürfen, nein wie müssen unvernünftig sein, wenn wir uns nicht irgendwann unter der Guillotine der “Diktatur der Vernunft” wiederfinden wollen.

    MfG H.-J. S.

  24. “In Europa zumindest werden wir den Änderungen eher entspannt entgegensehen können. ”
    Schön, für Sie, dass Sie einer Entwicklung so gelassen entgegensehen, die ja zunächst andere, ärmere Regionen und vor allem spätere Generationen trifft.
    “Und vergessen wir nicht: es wird auch Gewinner einer Klimaänderung geben.”
    Ja, wird es. Es sind diejenigen, die sich an einen sich stetig aber unaufhaltsam beschleunigten Klimawandel am besten anpassen können. Also Tiere und Pflanzen mit raschem Generationswechsel. Bäume und Menschen gehören demnach eher nicht dazu.

    • Anpassung geschieht auch über schon vorhandene Genvarianten im bereits existierenden Genpool, die im status quo zunächst noch keinen signifkanten Vorteil besitzen, deren Stunde aber bei einer Änderung der Umwelt gekommen ist. (Der Genpool bildet gleichsam eine “Quasispezies”.) Für eine schnelle Anpassung benötigt es also keine schnelle Generationswechsel. (“Diversity” in einer Kultur, im Mitarbeiterpool etc. hat analoge Vorteile und liefert einen Grund für das Etablieren einer gewissen Diversity.)

      Kommen wir zum Menschen: Der benötigt keine besondere Anpasung, denn er hat sich schon an die unterschiedlichsten Klimate angepasst. Darüber hinaus ist er in der Lage, sich eine lebenserhaltende Umgebung auch in extrem lebensfeindlichen Umwelten zu schaffen (auf die Spitze getrieben: in einer Raumstation).

      Streng genommen habe ich damit einen Ihrer Punkte beantwortet, den sie (aggressiv?) missverstanden haben: Als ich von “Gewinnern” sprach, dachte ich an unterschiedliche Länder, die volkswirtschaftlich vom Klimawandel profitieren können. Diese wird es geben und man darf sich keine Illusionen über planetare Solidarität machen. (Länder leiten heute ohne große Skrupel Flüsse zu Lasten ihrer Nachbarländer ab. Wo bleibt da die Solidarität.)

      Es ist korrekt: Die Menschen verfolgen eine “imperiale Lebensweise” und “verbeulen” bei ihrem Sprung in den Orbit und darüber hinaus den Planeten an der einen oder anderen Stelle. Das ist bedauerlich, aber der Mensch als Speerspitze der Evolution darf das nicht nur, er muss es tun, wenn das Leben hier nicht in einer Sackgasse enden soll – und der Planet wird sich von den Beulen “erholen”.

      Kurzum: Der Aufstieg des Menschen “begann mit der Technik” – nicht mit menschlichen Vorfahren, die Nachhaltigkeit predigten.

      MfG H.-H. S.

      • Also, ich kann Ihrer Logik nicht so ganz folgen. Ihr Argument dagegen, ethisch und verantwortungsvoll zu handeln, ist es “unvernünftige Verhaltensweisen” zu pflegen, um der “Diktatur der Vernunft” zu entkommen. Abgesehen davon, dass ein “scilog” und überhaupt eine Diskussion ja eigentlich gerade der Vernunft und vernünftigen Argumenten verpflichtet sind, treibe ich Ihre Meinung mal auf die Spitze:
        Vielleicht wäre aus Sicht des Widerstands gegen die Diktatur der Vernunft gut, wenn manche Autofahrer wesentlich häufiger 200 km/h fahren (auch in Ortschaften) und andere 20 km/h (auch auf der Autobahn, nebeneinander). Das ist zwar unvernünftig, ist aber ein wirksamer Widerstand gegen die Diktatur der Vernunft. Irgendeine Geschwindigkeit muss schließlich rein zufällig die richtige sein, wir müssen einen unvernünftigen Schwarm bilden um das per Zufall herauszufinden. Außerdem benutzen wir dazu dann unsere Technik (Autos), sehr gut. Wo wir gerade dabei sind, ich finde es auch unvernünftig eine automatische Waffe auf dem Schwarzmarkt zu kaufen und damit wild in der Gegend herum zu ballern. Wenn es dabei Opfer gäbe, wäre das übrigens sehr unvernünftig.

        • Der Punkt, um den es mir geht, besteht doch in folgendem:

          Der Mensch ist ein zielorientiertes Wesen, der nicht nur vorgegebene Ziel verfolgt, wie es ihm in seiner Kindheit beigebracht wurde, sondern der sich mit dem Erwachsenwerden selbst eigene Ziele setzt. (Dieser Standpunkt ist alles andere als selbstverständlich. Die klassichen Religionen lehren z.B. Gehorsam gegenüber dem lieben Gott als letztendlichem Zielgeber als höchste Tugend.)

          Das selbstverantwortete Setzen eigener Ziele ist dann keine Funktion “vernünftiger Argumente” (Karl Steinbuch sprach in diesem Zusammenhang von a-Rationalität, um es von sagen wir selbstzerstörerischer Irrationalität abzugrenzen.).

          Solche selbstgesteckten Ziele können dem Außenstehenden unvernünftig erscheinen, da man die Wahrscheinlichkeit des Erreichens als zu klein ansieht. Gehen wir z.B. zwei Generationen zurück und stellen uns vor, Reinhold Messner kündigte an, alle 8000-er ohne Sauerstoff zu besteigen.

          “Lieber Reinhold, jetzt sei mal vernünftig. Sonst müssen wir dich wegen Selbstgefährdung in die Psychiatrie einweisen.”

          Es sollte jetzt bei etwas gutem Willen – aber haben Sie den? – klarergeworden sein, was ich mit “unvernünftigen” Verhaltensweisen meine. (Ihre Beispiele wären bestenfalls eines Zeugen Jehovas würdig, wenn er gegen die Evolutionstheorie feuert.)

          Ein Wissenschaftler (auch und besonders in scilogs), der “Vernunft” predigt, ist schleichend dabei, “sich nicht gemein zu machen mit einer Sache”. Dieses Verhalten grassiert in starkem Maße bei der Klimadebatte und führt – haben Sie das noch nicht bemerkt? – zu totalitären Denk- und Bewertungsansätzen, etwa der Umrechnung jedweden Verhaltens in ein CO2-Äquivalent.

          Eine Jahreszahl nach der anderen vergeht, ohne das die vorhergesagten Dystopien eingetreten sind. Ben Bovas “Jahrtausendwende” ging an uns vorüber. Auch Skynet löste nicht Armageddon aus. Und in 4 Jahren wird “soylent green” Geschichte sein.
          Fast könnte man glauben, die Klimakatastrophe (nein die “Klimahölle”) sei der letzte Versuch, Menschen in ihrem Denken und Wollen zu disziplinieren, wie es Pater Leppich vor 50 Jahren mit der Danteschen Hölle vergeblich versuchte.

          MfG H.-J. S.

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