“The Ends of the World” – Buchbesprechung

Die Geschichte des Lebens auf der Erde bestand aus langen Phasen ruhiger Evolution, unterbrochen von plötzlichen Katastrophen. Dominierende Arten verschwanden und machten anderen Platz, die vorher über ein Schattendasein nicht herausgekommen waren. Könnte auch über die Menschheit unerwartet ein Verhängnis hereinbrechen, und wenn ja, was sollten wir dagegen unternehmen?

Vor einigen Wochen hat der amerikanische Wissenschaftsautor Peter Brannen unter dem Titel „The Ends of the World“ ein hervorragendes Buch über den aktuellen Stand der Forschung zu dem Thema veröffentlicht.

Schon lange streiten sich die Forscher, welche Ereignisse die Vielfalt des Lebens immer wieder dezimierten. Haben Asteroiden die Erde getroffen? Oder haben Millionen Jahre dauernde Vulkanausbrüche die Erde fast unbewohnbar gemacht? Hat sich die Erde zeitweilig in einen Kühlschrank verwandelt, der die Meere bis an den Äquator zufrieren ließ? Oder hat eine Supernova-Explosion in unserer kosmischen Nähe die Erde mit tödlichen Strahlen überschüttet?

Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die meisten Aussterbeereignisse eher hausgemacht waren und nicht auf kosmische Einflüsse zurückgingen. Nur die Dinosaurier hatten wohl das Pech, einem großen Asteroiden zum Opfer zu fallen. Bei allen anderen war es wohl eher ein – mehr oder weniger plötzlicher – Klimawandel. Jetzt könnte man argumentieren, dass Klimakatastrophen bei Wissenschaftlern gerade in Mode sind, und viele Paläontologen auf den Zug aufspringen, um sich im Wissenschaftsbetrieb besser zu platzieren. Aber in den letzten Jahren hat die Forschung überzeugende Belege für die Klimatheorie gefunden.

Fünf große und diverse kleinere Aussterbeereignisse kennt die Wissenschaft inzwischen – wobei durchaus umstritten ist, ob die großen wirklich so außergewöhnlich sind, dass man sie in einer eigenen Kategorie führen sollte.

Brannen fokussiert sein Buch auf die fünf großen Katastrophen und geht der Frage nach, ob die Menschen bereits die sechste eingeleitet haben. Am Schluss diskutiert er das voraussichtliche Ende der Bewohnbarkeit des Planeten Erde, das in etwa 800 Millionen Jahren bevorsteht.

Liste der großen Aussterbeereignisse. Die Datierung ist nicht auf eine Million Jahre gesichert, es finden sich deshalb auch leicht abweichende Zahlen

Das Buch schildert sehr farbig die Ökosysteme, das Klima und die Verteilung der Landmassen auf der frühen Erde. Der Autor hat die Fundstätten besucht und lässt die beteiligten Wissenschaftler ausführlich zu Wort kommen und erklärt auch, warum manche Theorien umstritten sind. Wir erfahren, welche Tiere die jeweilige Zeit beherrscht haben, bevor das Schicksal zuschlug, und sie binnen weniger Millionen Jahre von der Oberfläche des Planeten verschwanden.

Strichzeichnung eines Trilobiten. Diese entfernt mit den Krebsen verwandte Klasse von Meerestieren waren bis zum Ende des Trias weltweit verbreitet.

Die Sicht der Wissenschaft auf die Aussterbeereignisse hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt.

Noch vor zwanzig Jahren standen astronomische Ereignisse ganz oben auf der Liste der Verdächtigen. Aber die inzwischen gefunden Indizien haben sie entlastet. Aber nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft lösten plötzlich katastrophale Klimaschwankungen die meisten der großen Umwälzungen aus. Nur für das Ende der Dinosaurier (mit Ausnahme der Vögel) war wohl ein Asteroid verantwortlich. Eine gewaltige, Tausende von Jahren anhaltenden Eruption von Flutbasalten1 in Indien leistete vermutlich Beihilfe.

Aber Brannen liefert nicht nur die Theorien, sondern erläutert auch die geologischen Besonderheiten und die Fossilienfunde aus den Krisenzeiten. Und die weisen überzeugend auf plötzliche Klimaereignisse als Ursache der Umwälzungen.

Und damit wären wir bei der Gegenwart – oder jedenfalls, was Geologen als Gegenwart definieren. Das schließt durchaus noch die Zeit ein, als der Homo Sapiens sich aufmachte, Afrika zu verlassen. Auch das Ende der letzten Eiszeit ging mit einer plötzlichen Erwärmung einher, während zugleich der Meeresspiegel um mehr als 100 Meter stieg. Auch die Tierwelt veränderte sich dramatisch, aber nicht allein wegen der globalen Erwärmung.

 

Der Panzerfisch Dunkleosteus terelli. Der riesige Jäger erreichte eine Länge bis 6 Metern und ein Gewicht von einer Tonne. Die Aussterbeereignisse im Devon bedeuteten sein Ende. Die Haie übernahmen seine ökologische Nische. BIld: Dmitry Bogdanov – dmitrchel@mail.ru. Lizenz: CC BY 3.0.

Brannen räumt mit dem lange gehegten Traum auf, dass die frühen Jäger und Sammler im Einklang mit der Natur lebten. Das Aussterben der Megafauna Asiens und Nordamerikas (Mammuts, Höhlenbären, Wollnashörner etc.) fällt zeitlich und räumlich zu genau mit dem Auftauchen der Menschen zusammen, als dass man einen Zufall annehmen darf.

Das Buch diskutiert auch die Frage, ob die Menschen im Begriff sind, das sechste große Massensterben auszulösen. Die Forscher, die Brannen gefragt hat, verneinten das mehrheitlich. Aber sie warnten auch, dass die Gefahr nicht vorbei sei. Der extrem schnelle Anstieg der Treibhausgase, die der Mensch in den letzten beiden Jahrhunderten zu verantworten hat, wird eine Klimakatastrophe und – möglicherweise – ein Massenausterben nach sich ziehen.

Im letzten Kapitel geht es um das finale Aussterben des Lebens auf der Erde. Vielleicht trifft ja in den nächsten Millionen Jahren ein riesiger Komet oder Asteroid unseren Heimatplaneten. Die Biosphäre ist empfindlich. Sie würde den Einschlag eines Asteroiden oder Kometen mit mehr als einem Hundertmillionstel der Erdmasse kaum heil überstehen.

Aber auch wenn uns alle kosmischen Katastrophen erspart bleiben, wird die Sonne in 800 bis 1000 Millionen Jahren (Brannen legt sich auf 800 fest) so heiß werden, dass organisches Leben auf der Erde unmöglich wird.

Insgesamt möchte ich Brannens Buch ausdrücklich empfehlen. Er vergreift sich gelegentlich in seinen Metaphern und sein Englisch ist auch nicht gerade einfach. Aber das schmälert nicht den positiven Gesamteindruck. Grobe Fehler sind mir nicht aufgefallen, ich bin allerdings auch kein Geologe oder Paläontologe. Der Autor schildert farbig und spannend, warum sich das Leben auf der Erde über lange Perioden ruhig und stabil entwickelte, bevor plötzlich alles zusammenbrach. Er erläutert auch, warum wir derzeit fahrlässig auf ein Massensterben zusteuern, das unsere Art gleich mit auf den Fossilienfriedhof der Geschichte schwemmen könnte, wenn wir nicht gegensteuern.

Besprochenes Buch

Peter Brannen: The Ends of the World – Volcanic Apocalypses, Lethal Oceans and our Quest to Understand Earth‘s Past Mass Extinctions. New York 2017

Anmerkungen

[1] Magma, also heiße flüssige Lava, quillt aus Vulkanen – jedenfalls meistens. Manchmal aber reißen riesige Spalten auf, aus der die Erde Magma erbricht. Sobald es erstarrt, wird zu Flussbasalt. Die Ausbrüche können Hunderttausende von Jahren anhalten, und die Fläche von Deutschland und Frankreich zusammen mehr als 1000 Meter tief mit Lava begraben. Dabei entweichen große Mengen an giftigen Gasen. Vor 66 Millionen Jahren, als der Chicxulub-Asteroid die Dinosaurier tötete, flutete eine riesige Erdspalte große Teile Indiens mit Lava und schuf den sogenannten Dekkan-Trapp. Vermutlich haben beide Ereignisse dazu beigetragen, die Erde für einige hunderttausend Jahre in ein nach Schwefel stinkenden Höllenloch zu verwandeln.

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

51 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das Ende der habitablen Erde
    Ja, die Sonne leuchtet immer stärker und in 800 Millionen bis 1200 Millionen Jahren nähern sich die Oberflächentemperaturen der Erde dem Siedepunkt von Wasser an. Aber schon ab 600 Millionen Jahren (200 Millionen Jahre vorher) wird die Erde fast unbewohnbar, weil der CO2-Gehalt der Atmosphäre so stark absinken wird, dass vielen Pflanzen (den C3-Pflanzen, den meisten Bäumen also) die Luftnahrung (CO2 nämlich) fehlt. Grund: Mit zunehmender Temperatur wird sich die Verwitterung beschleunigen und diese Verwitterung bindet Kohlendioxid (Eine künstlich beschleunigte Verwitterung wäre übrigens eine Methode um die CO2-Konzentration der Atmosphäre jetzt zu reduzieren).

    Eine fortgeschrittene technische Zivilisation könnte eventuell die Erde dauerbeschatten um dieses Schicksal zu verzögern. Dazu müsste Staub in den Langrange-Punkt L1 des Erde-Sonne-Systems eingebraucht werden.

    • Der Staub müsste ein wenig näher zu der Sonne als der Langrange-Punkt L1 des Erde-Sonne-Systems eingebracht werden.
      Eine vollständig reflektierende Fläche die quer zur Sonnenstrahlung steht, und die rund 1,54 Gramm pro Quadratmeter hat, schwebt ruhig in der Sonnenstrahlung, und zwar in jedem Abstand von der Sonne, ohne sie umkreisen zu müssen, beziehungsweise umkreisen zu dürfen.
      Die rund 1,54 Gramm pro Quadratmeter erreicht man bei Aluminiumfolie mit einer Schichtdicke von 570 Nanometern.
      Bei einer vollständig absorbierenden Fläche würden 0,77 Gramm pro Quadratmeter den selben Effekt haben.
      Reale lichtstreuende Objekte würden zwischen diesen Extremwerten liegen.
      Um nicht zu weit vom Langrange-Punkt L1 zur Sonne hin zu kommen, dürfen also die Staubteilchen nicht zu klein sein, beziehungsweise darf die Folie nicht zu dünn sein.

  2. “Brannen räumt mit dem lange gehegten Traum auf, dass die frühen Jäger und Sammler im Einklang mit der Natur lebten. ”
    Das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena befasst sich u.a. damit.

    Es gab ja deutlich mehr als die 5 Mega-Ereignisse und soweit ich weiß, sind auch die kleineren von Bedeutung, weil sie zwar nicht umfassend, aber lokal und in gehörlichem Prozentsatz “wüteten”.
    Ich denke, daß sich Pflanzen dem veränderten CO2-Gehalt in ferner Zukunft anpassen werden, bis zu einem gewissen Grad zumindest. Man hat festgestellt, daß die Leistung der Pflanzen in den letzten 200 Jahren (!) in der Photosynthese um etwa 30 Prozent (?!) angestiegen ist.
    in 600 Millionen (!!) Jahren, falls die Menschheit zwischenzeitlich nicht ausgestorben ist, herrschen sicher andere Möglichkeiten für uns als heute. Wer weiß, vielleicht sind wir da schon völlig unabhängig von äusseren Gegebenheiten. Diese Ansicht passt zwar nicht in eine wissenschaftlichen Blog, aber ich äusserte ihn mal trotzdem.

    • @Gerhard: Falls die Erde in 500 Millionen Jahren noch von Menschen im heutigen Sinne bevölkert ist und Technik und Wissenschaft sich weiterentwickeln wird die Menschheit dafür sorgen, dass die Temperaturen gar nie stark ansteigen. Dementsprechend wird auch der CO2-Gehalt der Luft nicht sinken. Künstliche Beschattung der Erde durch eine Staubschicht wird für eine fortgeschrittene Menschheit wohl das allerletzte Mittel sein. Besser wäre es, die Erdbahn nach weiter aussen zu verlagern. Wie das gehen soll, ist mir jetzt nicht klar – aber vielleicht wissen unsere Nachfahren irgendwann, wie man so etwas macht.

  3. Schöner Beitrag, der Lust auf das besprochene Buch macht.
    Dennoch ein bisschen Mikropedanterie von mir als altem Klugscheißer ;-):

    Magma, also heiße flüssige Lava, quillt aus Vulkanen – jedenfalls meistens. Manchmal aber reißen riesige Spalten auf, aus der die Erde Magma erbricht.

    Magma und Lava sind so 2 Begriffe, die gerne parallel verwendet werden. Grob gesagt ist es Magma, solange es als flüssiges Gestein in der Erde ist, und Lava, sobald es austritt. Magma enthält neben den geschmolzenen Gesteinskomponenten auch eine Menge fluider Phase wie Kohlendioxid, Schwefeldioxid, Wasser und dergleichen.

  4. Pest, Seuchen, Hunger und Krieg verkörperten im Mittelalter das Schlimmste, was Menschen und der Menschheit insgesamt widerfahren kann und dementsprechend standen drei der vier apokalyptischen Reiter in Dürers „Die vier Apokalyptischen Reiter” für Krieg (Schwert), Hungersnot (Waage) und Tod (Leichnam).
    Zudem: Dürers Darstellung entspricht dem Johannesevangelium ( Offenbarung des Johannes ), indem der zweite (rote) Reiter für den Tod durch Krieg&Gewalt steht, der dritte (schwarze) Reiter für Tod und Hunger repräsentiert und der vierte (fahle) Reiter Furcht, Krankheit, Niedergang und Tod symbolisiert. Das bezeugt: Die Plagen Hunger, Krieg, Krankheit und Tod verkörperten über Jahrtausende das Schlimmste, was Menschen widerfahren kann – und diese Plagen sind entweder menschengemacht oder aber der Biologie zu verdanken (jeder muss letztlich sterben, jeder kann krank werden).

    Die Umwelt aber in der die biblischen und mittelalterlichen Menschen lebten war den Menschen im Grossen und Ganzen wohlgesinnt, die Natur lieblich, die Temperaturen häufig angenehm.

    Brannen entwirft in seinem Buch offenbar Welten, Umwelten, Umgebungen, die weit schlimmer sind als die, in denen die Menschen der Bibel oder des Mittelalters lebten. Welten, in denen Vulkane ganze Subkontinente verschlingen oder plötzliche Klimaschwankungen einen Grossteil der Lebewesen umbringen und für immer beseitigen.
    So etwas passiert zwar nur alle paar hundert Millionen Jahre, doch wenn die Menschheit so lange aushält wird sie unweigerlich auch einmal in ein solches Szenario hineinkommen. Doch es gibt auch kleinere Ereignisse der unheimlichen Sorte: Im Grunde genügt wohl schon der Ausbruch eines Supervulkans wie er unter den phlegräischen Feldern oder Yellowstone ruht, um mehr Menschen das Leben zu kosten als allles was bisher in der Menschheitsgeschichte geschah. Ja, im schlimmsten Fall könnte sogar der Klimawandel einen beispiellosen Blutzoll kosten.

    Sich damit zu beschäftigen finde ich allein schon darum faszinierend, weil es nahe am Undenkbaren liegt. Doch das Undenkbare passiert immer wieder (der Holocaust gehört dazu) und wird anschliessend Teil der menschlichen Geschichte und damit Teil des nun Denkbaren.

    • Es muss sich noch zeigen, ob die Menschheit lange genug lebt, um Zeuge eines großen Aussterbeereignisses zu werden. Erstmal muss sie den selbst induzierten Katastrophen entkommen, und die sind, wenn nicht ein Wunder geschieht, nur noch Jahrzehnte entfernt …

    • @ Martin Holzherr:
      Also jetzt mal etwas Makropedanterie 😉
      Das Johannesevangelium und die Offenbarung des Johannes (Apokalypse) sind nicht dieselben biblischen Bücher.

  5. Ketzerisch gefragt: Und wenn ja, sollten wir etwas dagegen unternehmen?
    Wer weiß, vielleicht ist eine nachfolgende Spezies, die die Nische des heutigen Menschen besetzt, besser geeignet, um mit großen Aussterbeereignissen klarzukommen und auch, um den Planeten irgendwann zu verlassen?

    • In jedem Fall sollten wir versuchen, mit widrigen Bedingungen klarzukommen. Zunächst mal müssen wir aber nachweisen, dass wir wenigstens klug genug sind, uns nicht selbst den Teppich wegzuziehen. Wenn wir es nicht schaffen, ist sicher noch genug Zeit für andere Spezies, einen weiteren Versuch zu starten.

      • Bonuskommentar hierzu @ Herrn Dr. Grüter :

        Zunächst mal müssen wir aber nachweisen, dass wir wenigstens klug genug sind, uns nicht selbst den Teppich wegzuziehen. Wenn wir es nicht schaffen, ist sicher noch genug Zeit für andere Spezies, einen weiteren Versuch zu starten.

        Jein.

        “Wir” müssen verstehen “wir” zu sein, durchaus auch im Sinne des Dominium terrae.
        Sich selbst als limitiert zu erkennen.
        Vergleiche auch mit dem, was Steve Petranek irgendwo im an anderer Stelle webverwiesenen Beitrag anzumerken wusste.

        Zwischen von außen angetragenen Herausforderungen und innerlichen, darf bis muss bestmöglich unterschieden werden.
        Der sich anbahnende, auch menschlich verursachte Klimawandel darf geistig nicht überhöht werden, nie zu einer besonderen “Rückgebundenheit”, Religio führen.
        Dr. W weiß sich bei Ihnen dbzgl. in guten Händen, auch die werte Gattin bleibt gegrüßt.

  6. Ja, die Eiszeit kommt, es wird ausgestorben! – Heißt es sinngemäß in der Film-Reihe ‘Ice Age’ an einer Stelle. Es könnte natürlich auch entscheidend wärmer werden, die Erde ihre Atmosphäre in eine Saturn-ähnliche verwandeln, dies dann der “Favorit” von Klimawissenschaftler und Aktivist Jim Hansen.

    Dr. Webbaer verweist gerne rein ergänzend noch auf diesen (schon etwas älteren) TED-Vortrag, auch als Video und e-sprachig verfügbar :

    -> https://www.ted.com/talks/stephen_petranek_counts_down_to_armageddon/transcript?language=de

    MFG
    Dr. Webbaer

  7. Menschengemachtes Armageddon versus extremes Anthropozän
    Ein Armageddon, welches alles übersteigt was in der apokalyptischen Literatur beschrieben wird, ist durchaus möglich, auch wenn wir es bis jetzt nur aus der Erdgeschichte in Form von Klimakatastrophen, Ausbruch von Supervulkanen oder Einschlägen von Grossasteroiden kennen. Neu kommen noch einige potenziell menschengemachte Armageddons dazu wie etwa eine mögliche menschengemachte Klimakatastrophe in naher Zukunft, ein globaler Nuklearkrieg oder ein menschengemachter tödlicher Virus mit der Infektiosität einer Grippe.

    Keine dieser Katastrophen ist sehr wahrscheinlich und eine solche Katastrophe widerspräche auch den Menschheitserfahrungen der letzten paar hundert Jahre, in denen sich die Lebensbedingungen für fast alle Menschen ständig verbessert haben – abgesehen von ein paar kurzen Unterbrüchen durch die beiden Weltkriege etwa. Heute leben Menschen doppelt solange wie noch vor 200 Jahren, nur noch wenige führen ein Kümmerdasein wegen Unterernährung bereits in der Kindheit und nachfolgender Mangelentwicklung. Auch Infektionskrankheiten haben bis auf ein paar Ausnahmen ihren Schrecken verloren und als nächstes steht die Besiegung von Alterskrankheiten wie Alzheimer und von Krebs an und eine bessere Sozialkontrolle (?) besiegt irgendwann auch Luxus- und Degenerationserscheinungen (wie Übergewicht, Nikotin-, Alkohol- und Drogensucht, körperliche Inaktivität) und erspart die Folgekrankheiten dieser Fehlverhalten.
    Auch die Umwelt in der Menschen leben, ist heute weit weniger gefährlich als noch vor einigen hundert Jahren: Raubtiere wie Löwe, Wolf, Tiger oder potenziell gefährliche Grossäuger wie Bären gibt es in den industrialisierten Ländern nur noch in Reservaten oder Zoos, Flüsse wurden gegen Überflutungen verbaut und eine allen zugängliche Infrastruktur sorgt dafür, dass man an (fast) jedem Punkt im Notfall ärztliche Hilfe erhält, etwas einkaufen kann, oder Sozialhilfe erhält, so dass kaum noch jemand etwa Wochen lang hungern muss oder in bedrängende, vielleicht gar zum Tode führende Not gerät.
    Zugleich ist die Weltbevölkerung von 1 Milliarde zur Zeit von Thomas Malthus (der 1820 Hungersnöte wegen Überbevölkerung voraussagte) auf heute 7.5 Milliarden angestiegen, womit also eine immer grössere Zahl von Menschen in den Genuss von immer mehr Wohltaten gekommen ist.

    Zurecht spricht man heute vom Anthropozän, dem Zeitalter, in dem sehr vieles was auf der Erde geschieht, letztlich durch das menschliche Verhalten bestimmt wird. Für den Menschen war das bisher gut. Für das Naturerbe und die Ressourcen nicht unbedingt. Viele Grossäuger (die Megafauna) wurden vom Menschen bereits ausgerottet, viele weitere Grossäuger (Nashhorn etc.), aber auch andere Tiere und Pflanzen stehen kurz vor der Ausrottung was insgesamt zum Bild des Holozän-Aussterbe-Ereignisses passt. Dies kann einen nicht verwundern, wenn man weiss, dass der Mensch und seine Haustiere inzwischen 90% der Masse aller Landsäugetiere ausmachen – für andere Tiere fehlt inzwischen schlicht der Platz, vor allem dann, wenn sie “stören”. Aber auch der Ozean wurde geplündert, viele Wasserpflanzen und -lebewesen sind durch Befischung, Verschmutzung (z.B. mit Plastikmaterial) oder Eutrophierung verschwunden, Zonen ohne Sauerstoff haben sich in bestimmten Meergebieten ausgebildet und die Versauerung durch zunehmende Kohlensäure verändert die Lebensbedingungen im Ozean. Der menschliche Einfluss macht aber auch vor der unbelebten Natur nicht halt. Der Mensch benötigt für seine Betonbauten mehr Sand als es an sämtlichen Küsten gibt, so dass inzwischen Sand aus den unter Wasser liegenden Uferzonen ausgebaggert werden muss. Auch die Tatsache, dass der für die Landwirtschaft unverzichtbare Phosphor inzwischen nur noch in wenigen Länder gefördert werden kann, zeigt, dass die Menschen für ihren Eigenbedarf inzwischen mehr Ressourcen beanspruchen als es überhaupt gibt oder in 100 Jahren noch geben wird. Selbst wenn es dem Menschen gelingt, die Erde immer nachhaltiger zu bewirtschaften und damit Mangelerscheinungen zu entgehen, besteht dennoch die Gefahr, dass wir in einem extrem durch den Menschen geprägten, im Vergleich zum vorindustriellen Zustand verarmten Anthropozän landen, einem Anthropozän das eine Beton- und Stahl-, jedenfalls eine durch menschliche Artefakte geprägte Welt ist. In einer solchen artifiziellen Welt überstehen dann die Menschen der nahen Zukunft eventuell durch die Erwärmung ausglöste Hitzewellen und andere Widrigkeiten. Es wäre ein Überleben in einer extrem naturfernen, extrem menschengemachten Welt und in meinen Augen auch eine Welt, die wir nicht anstreben, sondern vermeiden sollten.

    Eine katastrophenresistene, evolutionär sich entwickelnde Menschheit, Techno- und Noosphäre als Ziel
    Der Mensch und die von ihm gerade angestossene Noosphäre von belebten, intelligenten Dingen und künstlichen Wesen sollten eine “ewige” und zugleich offene Zukunft anstreben und in Analogie zum ewigen biologischen Leben sollten wir ein Zeitalter der ewigwährenden technisch/wissenschaftlichen Evolution einläuten. Und das nicht in Konkurrenz zur Biologie und den natürlichen Grundlagen der Erde, sondern als eine neue Sphäre, die etwas neues und anderes will als nur die Erde bis zum letzten Kiesel auszubeuten. Dazu gehören: Stabilisierung der Erdbevölkerung auf einem wesentlich niedrigeren Stand als heute, Ausbreitung im Sonnensystem und der Milchstrasse und Einführung von dezentralen Organisationsformen, die das Überleben von mindestens Teilen der Menschheit auch im Falle einer grossen Katastrophe ermöglichen. Heute spüren wir allenfalls den Keim einer derartigen zukünftigen Welt und dieser Keim kann ebensogut in einer globalen Depression erlöschen wie er aufkeimen kann.

    • Es besteht die Hoffnung, dass die individuelle biologische Unsterblichkeit bei jenen Menschen, die sie haben wollen, ein verstärktes Interesse an Sicherheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit bewirkt.
      Ungerechtigkeiten, gewaltsame Auseinandersetzungen, und Ressourcenverbrauch würden die individuelle Unsterblichkeit stark gefährden.

    • Wie fast immer von Ihnen, Herr Holzherr, vely schlau angemerkt :

      Zurecht spricht man heute vom Anthropozän, dem Zeitalter, in dem sehr vieles was auf der Erde geschieht, letztlich durch das menschliche Verhalten bestimmt wird. Für den Menschen war das bisher gut. Für das Naturerbe und die Ressourcen nicht unbedingt. Viele Grossäuger (die Megafauna) wurden vom Menschen bereits ausgerottet (…)

      Die Natur hat keinen Wert an sich, keinen intrinsischen, aus humanistischer Sicht darf ausgestorben werden , Fossilien genutzt bleiben, Ressourcen ebenfalls, sozusagen bis zum Geht-Nicht-Mehr.
      Aber auch gepflegt werden, das gute Tier oder die gute Pflanze meinend.
      Aber aus humanistischer Sicht zentral für den hier gemeinten Primaten (vs. Bär).

      Herr Dr. Leinfelder, der hiesige Anthropozäniker, vermochte sich dbzgl. zuletzt ebenfalls von anti-humanistischem Gedankengut der Art “die Erde hat Homo Sapiens” oder “ohne uns wäre die Erde besser dran” (eine anscheinend auch protestantisch geübte Sicht) zu distanzieren, entscheidend.

      MFG
      Dr. Webbaer

  8. Dr. Webbaer,
    “…..Die Natur hat keinen Wert an sich, keinen intrinsischen, aus humanistischer Sicht darf ausgestorben werden , Fossilien genutzt bleiben, Ressourcen ebenfalls, sozusagAlles en bis zum Geht-Nicht-Mehr.”

    Bei dieser Ausssage darf kräftig widersprochen werden, weil der Mensch rückgebunden ist.
    Das Sauerstoffmolekül, welches wir gerade einatmen, hat schon einmal vor Millionen Jahren einem Einzeller die Atmung ermöglicht. Alles hängt mit Allem zusammen, das Einzelne hat einen Wert , weil es Teil eines Kreislaufes ist.
    Wenn man die Welt dynamisch begreift, in der sich alles verändert, sind wir selbst Teil des Ganzen.

    Ohne intrinsischen Wert sprechen wir dem Nihilismus das Wort.

  9. Karl Bednarik,
    ……”Die Evolutionsvorgänge verursachen großes Leid”,
    diese Erkenntnis ist eine der Grundlagen von Religion. In den Mythen der Völker wird der Kampf des Stärkeren gegen den Schwächeren auch ethisch gedeutet, im Sinne von, das Gute kämpft gegen das Böse.
    Und den sich auftuenden Widerspruch erklären die Religionen.
    Man könnte auch sagen die Religion liefert den fehlenden ethischen Maßstab!

  10. @ Bednarik, Bote 17

    Das Universum besteht seit ca. 13, 8 Milliarden Jahren, unsere Galaxie ist nur “unwesentlich” jünger, der äußere Teil etwa 11,4 Millarden Jahre als. Galaxien gibt es Milliarden in diesem Universum. Unser Sonnensystem ist ca. 4,45 Milliarden Jahre alt, den Menschen gibt es, angefangen beim Australopithecus, seit rund 4 Mio Jahren.

    In diesem Universum gibt es: Materie und Energie, Naturgesetze (und Naturkonstanten), Kausalität und Komplementarität.
    Daraus lässt sich eine Menge basteln, wieder verwerfen, Neues basteln. Nimmt man nur dies und betrachtet die Entwicklung, dann lässt sich sagen, dass sich – aus minimalen Grundbestandteilen, Naturgesetzen, Kausalität und Komplementarität – aus Wenigem Komplexes entwickelt hat in ungeheurer Vielfalt, dass Vieles verschwunden ist, aus dem Wenigen, das blieb wieder Neues, Komplexeres entstanden ist.
    Und dann entsteht auf dem Planeten eines Sonnensystems in einer Galaxie mit Milliarden von Sonnensystemen in einem Universum mit Milliarden von Galaxien eine Lebensform, die meint, dass die Natur wohl einen Fehler begangen hat, als sie außer Acht gelassen hat, dass es Leid – allerdings auch die ihm komplementäre Freude – geben könnte, dass sie keine Ethik kennt, und sie folglich nicht als Maßstab gelten kann.
    Es liegt doch wohl an uns, wie wir damit umgehen, oder? Wieso meinen wir stets, das Maß aller Dinge zu sein und messen diese Welt und wie sie funktioniert an dem, was für uns gut und richtig ist?
    Bisher war es doch wohl so, dass mit jedem Artensterben die Spitze der jeweiligen Entwicklung verschwunden ist. Warum sollte es in unserem Fall anders sein? Leben gibt es in dieser Welt nicht ohne den Tod.

    Elizabeth Kolbert schreibt in ihrem Buch “Das sechste Sterben” ebenfalls über das Artensterben – übt aber Kritik an unserem Umgang mit der Natur , mit dem wir zu einem sechsten Artensterben beizutragen scheinen.
    Die Frage ist also nicht, ob die Menschheit dem Artensterben ebenfalls zum Opfer fällt, sondern wie und als wer wir von diesem Planeten verschwinden.
    @Bote 17: Sie kennen die Legende von Belsazar, oder? Mene tekel u-parsin: gezählt, gewogen (und für zu leicht befunden), zerteilt ( da wüsste ich allerdings schon gern, an wen das Reich der Erde als Nächsten geht).

    Die Natur kann man nicht betrügen, und wir sind Teil dieser Natur, nicht ihr Schöpfer.

    • Wenn das Verhalten des Universums der verbindliche Maßstab für unser Verhalten sein sollte, dann wären Tierquälerei, Massenmord und die Ausrottung ganzer Arten völlig in Ordnung.

      • Sie haben offenbar nicht verstanden, worum es geht. Die Natur setzt keine verbindlichen Maßstäbe, sie funktioniert nach Naturgesetzen. Eben das ermöglicht ein größtmögliches Maß an Freiheit des Handelns innerhalb des Rahmens, den sie setzt. Dass Freiheit allerdings auch heißt, verantwortlich für das eigene Handeln zu sein, ist in den Köpfen der Mehrheit aller Menschen nicht angekommen.
        Es liegt also nicht an der Natur, dass es Tierquälerei und Massenmord gibt, menschliche Dummheit nicht zu vergessen, sondern am Menschen.
        Die Ausrottung ganzer Arten ist ein anderes Kapitel, die ist insofern Teil der Natur, als es ohne sie keine Weiterentwicklung geben könnte. Was nicht heißt, dass wir deshalb schon berechtigt wären, dies ebenfalls zu tun. Nichtsdestotrotz ist das Artensterben dank unseres tatkräftigen Einsatzes ja bereits in vollem Gange, nur dass wir nicht die Weitsicht haben, dies imsinne einer Weiterentwicklung zu tun.

        Quod licet Iovi, non licet bovi.

        • Der größte Teil der Tierquälereien wurde und wird von Tieren an Tieren verübt.
          Als weitere Verursacher von Tierquälereien kommen noch Mangelerscheinungen, Krankheiten, Parasiten und ungünstige Umweltbedingungen hinzu.
          Der größte Teil der Ausrottungen ganzer Arten fand ganz ohne die Mitwirkung der Menschen statt.
          Die Natur setzt keine verbindlichen Maßstäbe, wofür und vor wem man eigentlich verantwortlich für das eigene Handeln sein soll.
          Die Freiheit des Handelns haben ohnehin nur die Stärkeren gegenüber den Schwächeren.
          Man kann überhaupt nicht feststellen, dass sich die Naturvorgänge und die menschliche Moral miteinander in Einklang bringen lassen.

  11. Trice,
    alles sehr logisch!

    mir ging es nicht darum , den Menschen als Maßstab hinzustellen,
    Die Schöpfung samt Evolution ist wie sie ist. Mir kommt es darauf an, dass die Menschen aller Kulturen einen Widerspruch sahen/sehen in ihrem Selbstverständnis und dem Gesetz der Evolution, das keinem ethischen Maßstab zu folgen scheint.
    Die Bibel findet eine Lösung , indem sie den “Rauswurf aus dem Paradies” als Erklärungsversuch anbietet.
    Die Naturwissenschaftler bieten gar keinen Erklärungsversuch an, sie konstatieren nur, das ist eben so.
    Deswegen mein Hinweis auf die Existenz der Religionen.
    Und solange die Naturwissenschaften keine Antwort auf diesen existenziellen Widerspruch zwischen dem “ethischen Gesetz in mir” und der “ethischen Leere der Evolution” haben, solange wird es Religionen geben.

    • die Menschen aller Kulturen einen Widerspruch sahen/sehen in ihrem Selbstverständnis und dem Gesetz der Evolution, das keinem ethischen Maßstab zu folgen scheint.

      Das liegt zum einen an der Kausalität, zum anderen daran, dass nicht genau genug beobachtet wird. Letzteres kann man der Natur, der Evolution, dem Universum aber nicht ankreiden.

      Die Bibel findet eine Lösung , indem sie den “Rauswurf aus dem Paradies” als Erklärungsversuch anbietet. Die Naturwissenschaftler bieten gar keinen Erklärungsversuch an, sie konstatieren nur, das ist eben so.

      Die Naturwissenschaftler sicher nicht, das ist ja auch nicht ihre Aufgabe.
      Wie gesagt, die Natur bietet keine Erklärungsversuche an, aber wenn man genau genug beobachtet, kann man feststellen, dass sich Natur und Moral durchaus miteinander in Einklang bringen lassen. Es fällt eine nicht in den Schoß, man muss es sich erarbeiten.
      Der ‘Rauswurf aus dem Paradies’ ist eine Metapher, mit Ethik hat sie nichts zu tun.

      • Das deutlich beobachtbare Ziel des Universums ist die Erhöhung der Entropie.
        Das intelligente Leben ist ein Katalysator zur Erhöhung der Entropie des Universums, denn es kann gebundene Energie freisetzen.
        Das intelligente Leben erlischt beim Erreichen des Ziels des Universums.

  12. Über “The Ends of the World” nachdenken, sich darauf vorbereiten oder sogar selbst Hand an sich legen, das kann nur der Mensch. Unzweifelbar ist der Mensch ein biologisches Geschöpf, ein Tier, ein Wirbeltier, ein Säugetier, doch zugleich ist er aus der Biologie herausgetreten und hat eine neue Sphäre betreten. So ist er gerade im Begriff eine sich selbst reproduzierende künstliche Welt zu schaffen, die eventuell zu etwas heranwachsen könnte wie es die biologische Natur schon ist: Ein System von weitgehend autonomen Organismen, die in vielfältigen Beziehungen zueinander stehen, die sich aber auch auf viele Lebensräume verteilen und die sich bereitwillig adaptieren, wobei die Adaption bei entsprechender Sichtweise auch eine Fort- und Weiterentwicklung sein kann. Wenn die technische Welt, die der Mensch geschaffen hat, sich in diese Richtung weiterentwickelt, in der es (teil-)autonome, sich selbst reparierende, sich selbst unterhaltende und sich weiterentwickelnde Subsysteme gibt, dann erhält diese technische Welt Ähnlichkeiten zum biologischen Leben und es wäre quasi eine zweite Lebenswelt entstanden, die aufgrund ihrer Technizität auch nicht mehr an die Erde gebunden wäre, sondern sich über zuerst das Sonnensystem und dann über die ganze Galaxie verbreiten könnte. Ein “The Ends of the World” gäbe es in einer solchen zweiten, technoiden Lebenswelt nur noch als “End of the Universe” und nicht mehr als Ende der Erde, denn die Erde wäre dann nur noch der Planet, wo alles seinen Ursprung genommen hat.

  13. @ Karl Bednarik

    Das deutlich beobachtbare Ziel des Universums ist die Erhöhung der Entropie.

    Der Physiker Richard Feynman beschrieb den Moment, in dem er zur Idee des Zerfalls eines Neutrons kam, als den “Augenblick, in dem ich wußte, wie die Natur funktioniert”.
    Sein Verständnis ist sicher ein ganz anderes, als das was Sie beschreiben. Und ich meine, Feynman hatte deutlich mehr von der Natur und wie sie funktioniert verstanden. Ziele kennt sie nicht, aber Wirkungen.

    Die Natur setzt keine verbindlichen Maßstäbe, wofür und vor wem man eigentlich verantwortlich für das eigene Handeln sein soll.

    Die Natur setzt keine Maßstäbe, das tun nur Menschen. Es kommt halt auf das richtige Sehen an, um zu erkennen, wie sie funktioniert. Und auch wenn sie keine Maßstäbe für Ethik und Moral setzt – beides gäbe es nicht, wenn es nicht in der Natur enthalten wäre. Wie Michael Hampe* einen seiner Protagonisten sagen lässt: eine Tür, die aus der Natur herausführt, ist nicht zu finden.

    Michael Hampe (2011): “Tunguska oder Das Ende der Natur”. München, Carl Hanser

    • Die thermodynamische Richtung der Zeit wird durch die Erhöhung der Entropie bestimmt.
      Wenn ein Neutron in ein Proton, ein Elektron, und in ein Anti-Elektron-Neutrino zerfällt, dann wird Energie freigesetzt, und die Entropie erhöht sich.
      Der zeitlich umgekehrte Vorgang ist zwar möglich, aber sehr viel unwahrscheinlicher.
      Auch wenn ein Lebewesen die Entropie in sich selbst verringern kann, dann erhöht es dadurch die Entropie in seiner Umgebung um noch viel mehr.
      Die Dissipation der Energie im Universum führt daher zu immer energieärmerer, niederfrequenter, langwelliger thermischer Strahlung.
      Auch wenn dabei in der Materie teilweise geordnete kristalline Festkörper entstehen, erhöht sich dabei die Entropie des gesamten Universums.
      Richard P. Feynman, Stephen W. Hawking, und ziemlich viele andere Physiker vertreten diese Auffassung.

      • @Karl Bednarik: Wenn man den Zeitpfeil mit der Thermodynamik erklärt, heisst das implizit, dass er ein emergentes Phänomen ist, also ein makro- kein mikroskopisches Phänomen. Aber selbst wenn man annimmt, der Zeitpfeil sei ein emergentes Phänomen, ist es nicht sehr befriedigend ihn mit Thermodynamik zu erklären, denn Thermodynamik hat direkt nichts mit Quantentheorie zu tun und ist somit nicht elementar. Time’s Arrow Traced to Quantum Source berichtet über eine Gruppe von Physikern, die den Zeitpfeil mit der Quantenverschränkung erklären (Zitat):“Finally, we can understand why a cup of coffee equilibrates in a room,” said Tony Short, a quantum physicist at Bristol. “Entanglement builds up between the state of the coffee cup and the state of the room.” Allerdings scheint ihr Ansatz ebenfalls enge Beziehungen zur Thermodynamik zu haben. Die Quantenthermodynamik, die in den letzten Jahren entiwckelt wurde, stammt übrigens von denselben Leuten wie der erstzitierte Artikel. Die Quantenthermodynamik erklärt die Entropie nun mit der Dissipation von Information und betrachtet sie als beobachterabhängig. Letztlich erklärt die Quantenthermodynamik auch die klassische Thermodynamik.

        • @Holzherr: Über manche Erklärungsversuche von Physikern für den Zeitpfeil kann man nur den Kopf schütteln. Denn für Physiker ist ZEIT das, was die Zeiger einer Uhr anzeigen.
          Deahalb wäre es eigentlich sinnvoll, sich damit zu beschäftigen, wie eine Uhr funktioniert und wodurch die Zeiger bewegt werden.

          z.B. eine mechanische Uhr ist eine Maschine, der man beim Aufziehen der Feder potentielle Energie zuführt. Läuft die Uhr, dann wird diese Energie weniger, wobei in Form von kinetischer Energie das Uhrwerk und die Zeiger bewegt werden.
          D.h. wenn Zeit vergeht, hat man in der Uhr einen einseitig gerichteten Fluss von Energie – deshalb hat der ´Zeitpfeil´ auch nur eine Richtung (hin zu einem energieärmeren Zustand).
          Man kann daher sagen, das Wesen von Zeit ist Energie.

          Es wäre schön, wenn für Physiker ZEIT nicht nur das wäre, was die Zeiger der Uhr anzeigen – sondern wenn sie sich auch einmal damit beschäftigen würden, wie eine Uhr funktioniert (die diese Zeiger bewegt).

      • Karl Bednarik,
        …….Entropie
        wo bleiben bei diesem Gedanken die Schwarzen Löcher?
        Die sammeln alles und bringen die Materie auf Niedrigentropie. Bis zum nächsten Big Bang.

        • Die Entropie der Materie sinkt teilweise, und die Entropie der Energie erhöht sich wesentlich mehr.
          Wenn ein Wasserplanet zum Eisplaneten wird, dann strahlt er seine Erstarrungswärme in den Weltraum ab.
          Wenn ein Stern zum schwarzen Loch wird, dann strahlt er seine Differenz an potentieller Energie in den Weltraum ab.
          Der Wärmetod des Universums ist eigentlich ein Kältetod mit einer gewissen Menge geordneter kristalliner Festkörper, die bei Temperaturen von unter minus 270 Grad Celsius eine Zeit lang überdauern, oder später in ein schwarzes Loch fallen.
          Die ungestörten schwarzen Löcher zerfallen dann nach sehr langer Zeit durch die Aussendung von Hawking-Strahlung.

      • @Karl Bednarik

        Wenn ein Neutron in ein Proton, ein Elektron, und in ein Anti-Elektron-Neutrino zerfällt, dann wird Energie freigesetzt, und die Entropie erhöht sich.

        Das ist die Schlußfolgerung aus dem, was ‘gesehen’ wurde: was man sieht, ist das allgemeine Gesetz hinter diesen Vorgängen. Man kann sich dann, wie Feynman, Hawkings, Einstein, Darwin, Newton usw. es getan haben, den einzelnen Vorgang, mit dem man sich speziell beschäftigen will, herausgreifen und für ihn den Lösungsweg entwickeln, ohne das Gesetz selbst entwickeln zu müssen. Das ist dann ein minimaler Teil des Ganzen, von dem der Teil, der sich verständlich machen lässt, von der Masse aufgegriffen und zum Allgemeinwissen hinzugefügt wird – ohne dass der Gesamtzusammenhang erkannt wurde.

        Und eben das ist unser (menschliches) Problem: wir halten einen Teil der winzigen Teile in der Hand, ziehen auf dieser Basis Schlußfolgerungen, vermengen sie mit Moral und treffen auf dieser Basis Entscheidungen mit wiederum weitreichenden Folgen, an der dann die Natur, der liebe Gott oder die Dummheit und Charakterlosigkeit der Menschen die ‘Schuld’ tragen. Und darüber, sowie über das, was nicht berücksichtigt wurde, was überhaupt ganz anders ist und wie man es stattdessen tun muss, darüber lässt sich trefflich streiten.

        • Eine allgemeine Aussage:
          Die Erhöhung der Entropie ist ein allgemeingültiges Gesetz im gesamten Universum, und dieser Gesamtzusammenhang bestimmt die Richtung der Zeit im gesamten Universum.
          Im Prinzip sagt die Entropiezunahme etwas über die statistische Wahrscheinlichkeit der Dissipation der Energie im Universum aus.
          Eine spezielle Aussage:
          Beim Zerfall eines Neutrons wandelt sich ein down-Quark in ein up-Quark um, indem es ein W-minus-Boson aussendet.
          Dieses W-minus-Boson zerfällt dann in ein Elektron und in ein Anti-Elektron-Neutrino.
          Ein Feynman-Diagramm dazu:
          https://de.wikipedia.org/wiki/Betastrahlung#Beta-Zerfall_von_Atomkernen

          • Anhang:
            Die Zeit entspricht nur dann einer vierten Raumdimension, wenn man sie als imaginär annimmt.
            Konkret bedeutet das, die zeitliche Distanz ist gleich imaginäre Einheit mal Lichtgeschwindigkeit mal Zeit, also w=i*c*t.
            Eine Sekunde sind also rund 300 Millionen imaginäre Meter.
            Sobald man die Zeit als imaginäre Raumdimension annimmt, funktionieren der Minkowski-Raum, die spezielle Relativitätstheorie, und der Feynmansche Pfadintegral ganz besonders einfach.

  14. @Karl Bednarik

    Sobald man die Zeit als imaginäre Raumdimension annimmt, funktionieren der Minkowski-Raum, die spezielle Relativitätstheorie, und der Feynmansche Pfadintegral ganz besonders einfach.

    Nehmen Sie mal die Zeit als (Symmetrie-)Eigenschaft der Raumzeit an und formulieren Sie ein ganz allgemeines Gesetz, dann wird es sogar noch einfacher. Denn das gilt dann nicht mehr nur für physikalische, sondern auch für biologische, psychologische, oder eben alle Vorgänge und Prozesse der Natur.
    Wie gesagt – man muss es einmal gesehen haben, wenigstens ungefähr, dann kann man sich das jeweilige Ereignis, mit dem man sich beschäftigen möchte, heraussuchen, um es zu entwickeln.

  15. Nachtrag:

    Die Erhöhung der Entropie ist ein allgemeingültiges Gesetz im gesamten Universum

    Sie verwechseln den Vorgang mit einem Gesetz…

    und dieser Gesamtzusammenhang bestimmt die Richtung der Zeit im gesamten Universum.

    … und ein Vorgang bestimmt nicht das Gesetz, sondern umgekehrt: das Gesetz bestimmt, wie der Vorgang – in der Zeit – abläuft.

    Aber ich denke, ich verstehe jetzt, wieso Sie zu falschen Schlußfolgerungen bezüglich des sechsten Artensterbens und wenn es betrifft gekommen sind.

    • Ob man etwas als Gesetz oder als Vorgang bezeichnet, das spielt keine Rolle, denn es geschieht in der physikalischen Realität.
      In der physikalischen Realität gibt es keine Gleichungen, denn die gibt es nur in den menschlichen Beschreibungen der physikalischen Realität.
      Biologische und psychologische Vorgänge sind natürlich ebenfalls physikalische Vorgänge.
      Ich habe das Geschehen von zahlreichen Artensterben beschrieben, aber ich habe keinerlei Schlussfolgerungen dazu abgegeben.
      Tatsache ist, dass die Vermeidung von Leid im Universum kein Naturgesetz ist.
      Lebensformen die in Gruppen kooperieren, entwickeln oft altruistische Verhaltensweisen, um besser überleben zu können.
      Diese altruistischen Verhaltensweisen erstrecken sich nur selten auf andere Gruppen von Lebensformen.

      • Zu den Naturgesetzen:
        Gleichungen beschreiben das Verhalten der Materie, aber sie verursachen es nicht.
        Auch ein Stein fällt nicht deshalb hinunter, weil v=a*t und s=(a/2)*t*t beträgt, sondern weil er mit der Masse der Erde irgendwie wechselwirkt.

      • @Karl Bednarik

        Ob man etwas als Gesetz oder als Vorgang bezeichnet, das spielt keine Rolle, denn es geschieht in der physikalischen Realität.

        Es spielt eine gewaltige Rolle, denn das, was ich in Ermangelung eines passenderen Begriffs als ‘Gesetz’ bezeichne (es sind mehrere Formeln, nicht nur eine), betrifft sämtliche Vorgänge im Universum und in dieser Welt, nicht nur die physikalischen. Es verursacht sie nicht, es schließt sie mit ein, es erklärt sie, indem es das Wie und Warum beschreibt. Das betrifft das Artensterben, den genetischen Code, die Raum-Zeit, die Arbeitsweise unseres Gehirns, die Evolution …

        Sehen Sie, die Frage, warum ausgerechnet jemand wie ich auf so ein ‘Gesetz’ kommen musste, wieso es nicht einen Wissenschaftler getroffen hat, der kompetenter, prädestinierter gewesen wäre, das habe ich auch erst relativ spät herausgefunden: Wissenschaftler sind nicht nur Spezialisten, sie halten sich auch an die Regeln der modernen Wissenschaft, wonach neue Weltbilder nur noch in Teamarbeit und im Zusammensetzen von Puzzleteilchen entstehen dürfen. So arbeitet die Natur aber nicht. Da ich nicht an ein Fachgebiet gebunden und vom Ende her an die Sache herangegangen bin, habe ich andere Fragen an die Natur gestellt, als es die moderne Wissenschaft tut. Und das war, was ich deutlich machen wollte, als ich Feynman erwähnte. Er hat das ebenfalls getan, obwohl er an sein Fachgebiet gebunden war: als er für einen Moment sehen konnte, wie die Natur funktioniert, kannte er das Ende, d.h., er wusste, wie die Lösung aussehen musste, und auch er musste nur den Lösungsweg finden.

        Im Gesamtgeschehen der Natur hat auch das Leid eine Funktion, sonst würde sie nicht funktionieren. Wenn Sie dagegen die Welt, die Natur, das Universum nur vom anthropozentrischen und einseitig physikalischen Standpunkt aus betrachten, werden Sie das vermutlich nicht erkennen können. Ein solcher menschlicher Standpunkt ist kein Maßstab für die Natur, und ich finde es gelinde gesagt vermessen, eine Perspektive einzunehmen, die dieses Verhältnis umkehrt und meint, die Natur könne uns nicht als Maßstab dienen. Eine solche Sicht nimmt uns aus der Natur heraus, zu der wir aber unabdingbar gehören und deren Bedingungen wir unterworfen sind. Aber solange wir das tun, solange es uns nicht gelingt, diese selbstverschuldete Grenze denkend zu überschreiten, wird es uns auch nicht gelingen, geeignete Lösungen zu finden, schon gar nicht, wenn es um Fragen wie Klimawandel und Artensterben geht.

        • Der Mensch hat ohnehin eingebaute Sicherheitsschaltungen gegen unangenehme oder gefährliche Umgebungsbedingungen.
          Sobald Umweltverschmutzung, Rohstoffverknappung, Klimawandel oder Artensterben spürbar unangenehm oder gefährlich geworden sind, lohnt es sich für die Menschen andere Methoden anzuwenden.
          Zum Beispiel sind seltenere Rohstoffe teurer, werden sparsamer verwendet, und man verwendet lieber Ersatzstoffe.
          Wenn zum Beispiel die verschmutzte Atemluft Krankheiten verursacht, dann sucht man gezwungenermaßen nach Abhilfe.
          Hunger, Krankheiten, Umweltverschmutzung und radioaktive Verseuchung tragen außerdem zur Verringerung der Bevölkerungsdichte und der Anzahl der Nachkommen bei.
          Hunger und Krankheiten werden von der Natur häufig zur Regelung der Bevölkerungsdichte verwendet.

  16. Der Mensch hat ohnehin eingebaute Sicherheitsschaltungen gegen unangenehme oder gefährliche Umgebungsbedingungen.

    Was Sie als Sicherheitsschaltungen bezeichnen, ergibt sich aus dem, was ich Gesetz nenne. Es ist nur so, dass das ein zweischneidiges Schwert ist: Solange die Methoden, die angewandt werden, die Randbedingungen nicht zu sehr verändern, besteht eine Chance, mit Umweltveränderungen zurecht zu kommen.
    Aber wie Sie selbst schreiben:

    Hunger und Krankheiten werden von der Natur häufig zur Regelung der Bevölkerungsdichte verwendet

    ,
    Die Natur regelt so etwas nicht, da hätte sie viel zu tun, ;-). Das entspricht dem Denken, wie man es auch bei Anhängern einer Religion vorfindet: Gott oder Allah regelt das alles.
    Doch es braucht niemanden, der regelnd eingreift. Ich schrieb es schon mehrmals: es genügt ein Gesetz, das für dieses Universum gilt, also auch für die Natur.
    Aber um bei Ihrer Aufzählung zu bleiben: Zählen Sie Kriege noch hinzu, dann haben Sie die Mechanismen, die wesentlich dazu beitragen, das System Menschheit innerhalb der Rahmen- bzw. Randbedingungen zu halten.
    Genau die aber versuchen wir ja derzeit auszuhebeln – oder weshalb, meinen Sie, gibt es UN-Organisationen wie die WHO oder UN-World Food Programm. Schaffen werden wir es sicher nicht, denn wie Feynman schon sagte: die Natur kann man nicht betrügen. Sie arbeitet nach dem Prinzip, wo es das eine gibt, muss es auch sein komplementäres Gegenteil geben: wo es auf der einen Seite Gesundheit gibt, gibt es auf der anderen Krankheit, wo es Saturiertheit imsinne von Sattheit gibt, gibt es auch Hunger. Aus eben diesem Kampf der Polaritäten entsteht Neues, ergibt sich die Weiterentwicklung – wusste übrigens schon Heraklit. Gleichheit dagegen führt zur Stagnation – da hätten Sie dann Ihre Entropie.
    Mit anderen Worten: wir tragen derzeit kräftig zum Artensterben bei. Es ist eben nie nur ein Faktor, der eine große Umwälzung und Veränderung bewirkt.

    Nachtrag: Ich vermute, Ihnen bereitet Schwierigkeiten, zu verstehen, was ich mit „Gesetz“ meine. Wir können es an Feynmans Pfadintegral festmachen. Was Feynman für das Verhalten eines Teilchens herausgefunden hat, entspricht dem, was ich über das Denken einer Minderheit der Menschen herausgefunden habe – das Denken der Mehrheit entspricht dem, was für die klassische Mechanik gilt: man berücksichtigt den Pfad mit der kleinsten Wirkung. Die Frage für mich war: Warum? Was liegt dem jeweiligen Verhalten bzw. Denken zugrunde? Die Berechnung des Pfades, Schrödinger-Gleichung, Hamilton – und Lagrange-Funktion liefert darauf keine Antwort. Wohl aber das Gesetz, bzw. die Formel des Gesetzes, in der diese Berechnung die Größe ist, die in die Y-Variable der Formel eingesetzt werden muss.
    Feynman muss dieses Gesetz gesehen haben, sonst hätte er nicht sagen können, dass er in diesem Augenblick verstanden habe, wie die Natur funktioniert.

    • Die Natur oder die Evolution sind natürlich keine Personen und auch keine sonstigen zusätzlichen Mechanismen.
      Die Evolution ist der Sammelbegriff für alle Wechselwirkungen zwischen allen Lebewesen und ihren Umgebungen.
      Die Natur ist der Sammelbegriff für alle Wechselwirkungen zwischen allen Elementarteilchen in der Raumzeit.
      Aus diesem Grund eignen sich zelluläre Automaten gut zur Simulation von Modelluniversen.
      Wenn ein Stein hinunter fällt, dann wechselwirken alle Elementarteilchen der Erde mit allen Elementarteilchen des Steines in der Raumzeit.
      Das ist zwar im Prinzip eine iterative Integration, aber sie wird garantiert nicht mit Hilfe der Gleichungen aus den Physikbüchern durchgeführt.
      Die Gleichungen in den Physikbüchern sind nur eine näherungsweise Beschreibung dieses Vorganges, und nicht dessen Ursache.
      Die Regeln der Evolution in den Biologiebüchern sind ebenfalls nur eine näherungsweise Beschreibung der Evolutionsvorgänge, und nicht deren Ursache.

      • Nachtrag über die Zukunft:
        Hunger und Kriege kann man durch die Verringerung der Geburtenzahl vermeiden.
        Krankheiten kann man durch die immer besser werdende Molekularbiologie vermeiden.
        Armut kann man durch die immer besser werdende Technologie vermeiden.
        Nichts spricht gegen eine weltweite Stabilität, Sicherheit, Gleichberechtigung, und einen weltweiten Wohlstand.
        Die Rolle der Evolution kann dann die genetische Modifikation übernehmen, die viel schmerzloser, schneller, genauer, und zielgerichteter ist.
        Die Evolution durch Vermehren und Sterben ist dann veraltet.

  17. @Karl Bednarik

    Nichts spricht gegen eine weltweite Stabilität, Sicherheit, Gleichberechtigung, und einen weltweiten Wohlstand.

    … außer, dass diese Welt so nicht funktioniert. Stabilität gewinnt sie nämlich nur durch Fließgleichgewichte, was nicht nur Zustrom und Ablauf eines Systems meint, sondern auch ein Pendeln zwischen Polaritäten. Wären Hunger und Kriege durch Verringerung des Geburtenwachstums zu vermeiden, hätte es zu früheren Zeiten keine Kriege und keinen Hunger geben dürfen – aber es gab sie immer, und ohne Hunger hätte es keine Kriege und keine Anstrengungen und vor allem keine Notwendigkeit gegeben, die Situation zu verändern. Aber eben deswegen gab es beim Menschen auch Weiterentwicklung.
    Und eben weil das so ist, bewirken alle Träume von einer besseren Welt und alle Bemühungen, diese zu erreichen, ihr genaues Gegenteil. Ich nenne das den Laios-Dornröschen-Effekt: die Maßnahmen, die man ergreift, um zu vermeiden, was man fürchtet, führen letztlich dazu, dass es tatsächlich eintreten kann. Insofern sind die Bemühungen der WHO, der UNO und ihrer Organisationen ein wesentlicher Faktor, der zum Artensterben inklusive dem Verschwinden unserer Spezies beiträgt.
    Ich finde nicht schlimm, dass wir irgendwann ausgestorben sind, weil es in der Natur der Sache liegt.
    Was ich dagegen schlimm finde ist, wie wir es tun: Dinosaurier gab es in der Trias, im Jura und im Kreidezeitalter. Die Trias dauerte ungefähr 51 Mio Jahren, der Jura 56 Mio Jahre, die Kreidezeit 80 Mio Jahre, also rundumadum waren es ca fast 190 Mio jahre, die diese Tierart gelebt hat, trotz Klimaveränderungen und wechselnden Umweltbedingungen.
    Ähnlich lang ist der Zeitraum, in dem es Säugetiere gibt. Den Menschen gibt es allerdings erst seit vier Mio Jahren – und viel länger wird es ihn auch nicht geben.
    In der Natur gibt es sehr unterschiedliche Mechanismen, die umwälzende Veränderungen zur Folge haben – Plattentektonik, Klimaveränderungen, ein Meteorit war auch mal darunter – und nun sieht es (für mich) so aus, als sei es unsere Aufgabe, am nächsten Artensterben und dem Untergang der Säugetier-Ära mitzuwirken. Das Tragische daran ist, dass wir es genau dadurch bewirken, weil wir uns – und nur uns – davor bewahren wollen. Und das Peinliche daran ist, dass wir es tun, obwohl wir doch von unserer Intelligenz so überzeugt sind.

    Ad

    :Die Natur oder die Evolution sind natürlich keine Personen und auch keine sonstigen zusätzlichen Mechanismen.

    Das sagte ich auch nicht – lesen Sie nichts in einen Text hinein, was nicht in ihm steht. Wenn Sie etwas nicht verstanden haben, fragen Sie nach, ok? Ich schrieb, Kriege, Hunger, Krankheiten gehören zu den in unserer Welt wirkenden Mechanismen. Zu glauben, dass wir sie eliminieren können, ist, was uns letztlich vernichten wird. Nur schade, dass wir dazu so schuldig werden müssen.

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