Ende des Internet – Chat bei Springer-Spektrum

Wird das allgegenwärtige Internet möglicherweise schon in fünfzig Jahren Geschichte sein? Diese These habe ich in meinem Buch Offline! aufgeworfen und auf Scilogs mehrfach erläutert (hier und hier).

Meine Scilogs-Beiträge haben zu lebhaften Diskussionen geführt, die – wie gewohnt – ausgesprochen facettenreich und fair verlaufen sind. Wer Lust hat, mit mir zu dem Thema zu chatten, ist herzlich eingeladen, morgen (12.11.) ab 16:00 Uhr auf Facebook das Sachbuchforum von Springer Spektrum zu besuchen. Bis ca. 17:00 Uhr werde ich dort auf Kommentare, Fragen oder Einwände direkt antworten. Hier ist die Ankündigung des Verlags:

Einladung zum CHAT: Am morgigen Dienstag von 16 bis 17 Uhr steht Thomas Grüter, der Autor des provokanten Buches „Offline! Das Ende des Internets und der Untergang der Informationsgesellschaft“, im Sachbuchforum bereit, um Fragen zu seinen Thesen zu beantworten.

Die Gefahr, dass das Internet in den nächsten 50 Jahren kollabiert und dass dies die Informationsgesellschaft, wie wir sie heute kennen, mit sich reißt, ist kein Hirngespinst, sondern höchst real. Das Buch, das der Münsteraner Wissenschaftsautor und Blogger nach intensiver Recherche geschrieben hat, ist keine angenehme Lektüre – und soll aufrütteln. „Manche Risiken erscheinen so bedrohlich, dass wir einfach nicht darüber nachdenken möchten“, meint Grüter. Denkt doch morgen mit ihm gemeinsam nach. Ob Ihr Grüters Zukunftsszenario für plausibel haltet oder nicht, morgen habt Ihr die einmalige Gelegenheit, ihm direkt Fragen zu „Offline!“ zu stellen (solange wir noch online sind …).

Zur Information ist ein Thesenpapier zum Buch angehängt. Alle, die am Dienstagnachmittag verhindert sind und trotzdem eine Frage stellen möchten, können uns gerne eine kurze Nachricht schicken – wir bringen diese Fragen dann in den Chat ein. Und unter allen Teilnehmern am Chat werden wir zwei Exemplare des Buches verlosen.

Ich würde mich freuen, wenn sich eine spannende Diskussion ergibt. Springer Spektrum ist ein Verlag der Springer-Gruppe, der hauptsächlich Sachbücher im Bereich Naturwissenschaften/Mathematik herausbringt. Sie haben sich freundlicherweise entschlossen, mein Buch zu verlegen, obwohl dessen zentrale These eher ungewöhnlich ist.

Buchcover Offline!Noch ein Wort zum E-Book: Aus irgendeinem Grund ist bei Amazon.de oder Buch.de zurzeit nur das gedruckte Buch im Angebot. Wer lieber das E-Book haben möchte, kann es beim Springer-Verlag direkt bestellen.

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das Internet steht hier für eine globale Infrastruktur ohne die die heutige Zivilsation, vor allem ihre globale Ausrichtung nicht mehr denkbar sei.
    Doch in der Praxis, in der Verwendung, ist das Internet lange nicht so global wie von vielen wahrgenommen. Der arxiv-Artikel How Does the Great Firewall of China Affect Online User Behavior? Isolated ‘Internets’ as Culturally Defined Markets on the WWW behauptet, dass Internet-Blockaden für viele ausländische Websites, wie sie in China wirksam sind kaum einen entscheidenden Einfluss auf den auch ohne diese Blockaden sich entwickelnden Internetverkehr haben. Ztiat:
    “Analyzing online audience traffic among the 1000 most visited websites globally, we find that websites cluster according to language and geography. Chinese websites constitute one cluster, which resembles other such geo-linguistic clusters in terms of both its composition and degree of isolation. Our study demonstrates that cultural proximity has a greater role than access blockage in explaining people’s web usage.”

    Fazit: Das globale Internet oder noch wahrscheinlicher Teile des deutschen Internets mögen wegen schwacher Infrastruktur zusammenbrechen, auf das chinesische Internet wird das jedoch nur wenig Auswirkungen haben.

    • Das Web entspringt halt der militärischen Anforderungslage den Stationsausfall, wie er sich bspw. im Atomkrieg ergibt, aushalten zu können.
      Um danach zu gewinnen.
      >:->

      Gewonnen hat das Web oder zuvor das ARPANET schon auf ganz andere Art und Weise, Honnie bspw. hat sich 1987 genötigt gesehen einen gefakten 1MegBit-Chip bereit zu stellen, und insgesamt ist der real existierende Sozialismus nicht nur an schlechtem Essen abgegeigt, sondern eben doch an Errungenschaften wie dem Web, dem TV und dem Auto.

      Inwieweit sich Datenhaltungen sogenannten EMP-Waffen entgegenstellen können, bleibt eine spannende Frage, der Schreiber dieser Zeilen würde davon ausgehen wollen, dass Google & Co. dbzgl. gehärtet (das Fachwort) sind.

      MFG
      Dr. W (der auch mal ein paar Monate in MS war und dort allen alles Beste wünscht)

  2. Die digitalen Endzeitfantasien des Hr. Grüter erinnern mich an Hoimar von Ditfurth und seine
    Theorie des Baumsterbens wg. sauren Regens in den frühen 80ern. Demnach dürfte heute in DE kein Baum mehr stehen.
    Meine Empfehlung an alle Astrologen des Medienzeitalters:
    Virtuelle Kristallkugel vom Rechner löschen und sich der Realität widmen!

  3. Nachtrag:
    Vor 35 Jahren war der Begriff eine digitalen Zeitalters bzw. einer digitalen Revolution unbekannt.
    In den letzen drei Jahrzehnten hat es eine Entwicklung des Computerzeitalters gegeben, die NIEMAND erahnt hätte.
    Nicht mal ein Steve Jobs. Und jetzt wird uns erklärt, was in 50 Jahren passiert?
    Märchen für den Papierkorb…

    • Darum geht es nicht. Es geht darum, Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und mögliche Gegenmaßnahmen zu überlegen. Die Frage ist nicht, was geschehen wird, sondern was geschehen kann, wenn keine Vorsorge getroffen wird. Die Diskussion um das Waldsterben hat dazu geführt, dass die Umweltgesetze deutlich verschärft wurden. Das ist sicher eine sinnvolle Maßnahme, auch wenn man zwischenzeitlich erkannt hat, dass die Situation des Waldes nicht so daramatisch war wie befürchtet. Auf der anderen Seite heißt das aber auch nicht, dass der Wald keine Schäden hat.

      Ich habe inzwischen mehrfach die Meinung gehört, es werde sich schon alles ergeben, wenn man nur alles laufen ließe. Die Menschheit sei immer rechtzeitig mit allen Herausforderungen fertig geworden. Im Jahre 2011 hat das Büro für Technikfolgenabschätzung beim deutschen Bundestag eine Studie zu den Folgen eines großräumigen und langanhaltenden Stromausfalls in Deutschland veröffentlicht. Darin stellt er fest, dass eine solches Versagen der Technik eine nationale Katastrophe darstellen würde. Man könnte sich jetzt auf den Standpunkt stellen, das sei alles nur Schwarzmalerei und immerhin sei bis heute nichts geschehen. Also kann man sein Geld besser verwenden, als solche Studien zu betreiben. Wenn der Fall wirklich eintritt, würden sich die Menschen schließlich problemlos darauf einstellen. Oder etwa nicht?

  4. Nach dem Internet kommt das Meshnet, welches über eine App Mobilfunkgeräten direkt miteinander vernetzt und genügend benachbarte Handy-Besitzer nach der Kommunikationsapokolapse noch mit Ihresgleichen kommunizieren lässt. Da freut man sich doch geradezu auf den nächsten Hurrikan a la Sandy oder die nächste Nuklearkatastrophe, denn dann erst zeigt sich ob die App etwas taugt.

    • Lieber Herr Holzherr, danke für den Link. Das mit dem Mesh klingt wirklich spannend, ist aber wohl nur ein Notnagel, nicht ein vollwertiger Ersatz für das Internet. Sollte das Internet wirklich ausfallen, weil die Ersatzteile nicht mehr geliefert werden, dann würden auch die Handys nicht mehr lange funktionieren. Schließlich hat das durchschnittliche Handy auch nur eine vergleichsweise geringe Lebensdauer.

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