Ende der Überflussgesellschaft?

In der Coronakrise haben viele Menschen in Deutschland zum ersten Mal erlebt, was Knappheit bedeutet. Waren des täglichen Bedarfs fehlten in den Regalen der Supermärkte, Schutzmasken waren, wenn überhaupt, nur zu Wucherpreisen zu bekommen. Und jetzt haben sich die Preise für Gas und Strom plötzlich vervielfacht. Ist die Überflusswirtschaft an ihre Grenzen gestoßen? Und wenn ja, was bedeutet das für die ehrgeizigen Klimapläne der EU und der Ampelkoalition?

Die Berichte der Presse könnten kaum dramatischer sein. Der Sender ntv kommt zu dem Schluss, dass sich die Versorgungskrise immer mehr ausweitet und der Wirtschaftsjournalist Hendrik Müller sieht bereits eine Ära des Mangels heraufziehen. Nehmen wir mal an, das ist nicht übertrieben. Liegt das nur an der Pandemie oder gleicht die Weltwirtschaft einem Kartenhaus, das beim ersten Windhauch einstürzen muss?

Die Fragile World Hypothesis

Der israelische Politikwissenschaftler David Manheim hat dazu die sogenannte „Fragile World Hypothesis [Hypothese der zerbrechlichen Welt]“ entwickelt.1 Er postuliert, dass ständiger technischer Fortschritt irgendwann zum plötzlichen Zusammenbruch führen wird. Drei Risikofaktoren sind dabei entscheidend:

  1. Die meisten Neuerungen bewirken eine Verringerung der Kosten zulasten der Ausfallsicherheit. In kritischen Bereichen wie Transport, Landwirtschaft und Datenübertragung erhöht das die Gefahr eines Systemzusammenbruchs.

  2. Wirtschaftswachstum führt keineswegs zu einem Aufbau von Reserven und Vorräten. Im Gegenteil: Der scharfe Wettbewerb zwingt die Akteure dazu, alles eng zu vernetzen und auf teure Vorratshaltung zu verzichten.

  3. Die Weltwirtschaft ist ein komplexes System mit verborgenen Schwachstellen. Deshalb können sich kleine Probleme unerwartet zu Katastrophen aufschaukeln.

Das Manuskript stammt noch aus der Vor-Corona-Zeit und war damals eine akademische Spekulation. Heute klingt es wie eine aktuelle Zustandsbeschreibung. Allerdings hat das Modell auch deutliche Schwächen. Entgegen der Behauptung des Autors behandelt es nicht die Gefahren des technischen Fortschritts, sondern die des globalen kapitalistischen Wirtschaftssystems. So haben beispielsweise viele Staaten oder Städte bemerkt, dass die Privatisierung von defizitären Infrastrukturbetrieben wie Eisenbahnen oder Wasserversorgung tatsächlich zunächst zu einer Kostenentlastung geführt hat. Weil private Unternehmen aber gerne an den Wartungskosten sparten, ging die Zuverlässigkeit des Systems zurück (Punkt 1) – unabhängig vom technischen Fortschritt. Die Optimierung von Lieferketten führte in der Vergangenheit oft dazu, dass die Lagerhaltung vernachlässigt wurde und ein Lieferant wegen seiner günstigen Preise eine Schlüsselrolle bekam. Das rächt sich irgendwann. Die Autoindustrie kann den Lieferanten für ihre Computerchips nicht plötzlich austauschen, weil er (Punkt 2) ein weltweites Monopol hat.2 Eine Marktregulierung würde die Punkte eins und zwei schon entschärfen. Und was Punkt drei angeht: Ein komplexes System neigt immer zu plötzlichen und kaum vorhersagbaren Zustandsänderungen (nachzulesen z.B. in meinem Blogbeitrag vom 18.10.2021).

Manheims Modell hilft also nicht wirklich weiter. Es ist einfach zu allgemein. Welche spezifischen Probleme lassen sich denn identifizieren?

Probleme der Globalisierung

Die Globalisierung hat aus der Welt einen einzigen Wirtschaftsraum gemacht. Sie hängt aber kritisch von vier Faktoren ab:

  • Schneller weltweiter Informationsaustausch,
  • ausreichende politische Zusammenarbeit,
  • schneller und günstiger Transport von Waren,
  • schnelle internationale Reisen.

In der Pandemie fiel der vierte Faktor weitgehend aus, der zweite und dritte schwächten sich ab. Die Globalisierung hat aber nicht nur Voraussetzungen, sondern auch Folgen:

  • Für wichtige, aber sehr spezielle Güter – wie Computerchips für die Autoindustrie – gibt es oft weltweit nur noch einen Lieferanten.
  • „Smarte“ Produkte brauchen angepasste Hard- und Software. Selbst Küchengeräte gehören inzwischen in diese Kategorie.
  • Viele dieser Spezialkomponenten sind die Ergebnisse jahrelanger Entwicklungsarbeit und sind deshalb nicht kurzfristig zu ersetzen.

Der geforderte schnelle Umbau der Wirtschaft auf Nachhaltigkeit und geringere Emissionen von Treibhausgasen bleibt auch nicht ohne Nebenwirkungen:

  • Der hohe Ersatzbedarf, verbunden mit dem weltweiten Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, bewirkt eine steigende Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen – und dieser Trend wird sich bis 2050 noch verstärken. Es steht also zu befürchten, dass irgendein Rohstoff immer gerade knapp und teuer ist.3
  • Die Anzahl von Fachleuten, Produktionsstätten und Handwerkern ist begrenzt. Liefermengen oder Bauleistungen lassen sich nicht beliebig vermehren.
  • Wenn alle Lieferketten maximal strapaziert sind, reagieren die Preise auf jede Änderung der Nachfrage unverhältnismäßig stark.

Was heißt das übersetzt? Ganz einfach: Wir sind an den Grenzen des Machbaren angekommen. In Zukunft wird man sich nicht darauf verlassen können, dass es für jede Nachfrage sehr schnell ein passendes Angebot gibt. Zwei Beispiele:

  1. Wenn man mehr Elektroautos auf die Straßen bringen will, braucht man große Mengen Lithium und Cobalt für die Akkus. Aber: Der Abbau kommt nicht nach und die Preise schnellen in die Höhe.

  2. Nicht nur die Autoindustrie, sondern auch die Computerindustrie leidet unter Lieferproblemen: Es fehlt an DDICs, kleinen Chips, die für die Ansteuerung der überall vorhandenen Displays absolut unentbehrlich sind.

Ehrgeizige Pläne

Und ausgerechnet jetzt möchte die EU und die Bundesregierung unsere Energieerzeugung und beträchtliche Teile des Wirtschaftssystems in Rekordzeit umbauen. Dabei ist die Frage nicht unbedingt, ob das sinnvoll ist, sondern ob die Vorgaben überhaupt erreichbar sind.

So plant die EU, ihre Mitgliedsländer zu verpflichten, den Energieverbrauch von Gebäuden bis 2030 deutlich zu reduzieren.4 Die Gebäude mit dem höchsten Verbrauch (Effizienzklasse G) sollen zuerst saniert werden. Die Vorgabe betrifft ca. 35 Millionen Gebäude, wovon ein Teil voraussichtlich nicht sanierungsfähig ist und damit unbewohnbar wird. Aber bis 2030 sind es nur noch acht Jahre – und wie die Hausbesitzer diese gewaltige Bauleistung stemmen sollen, sagt die EU nicht. Spiegel online schreibt dazu:

„Es mangelt an Schreinern, Elektrikern oder an Anlagenmechanikern, die eine Wärmepumpe installieren können … Zudem fehlt es in fast allen Gewerken an Nachwuchs … Und es herrscht auch noch Materialmangel. Es gibt zu wenig von fast allem: Dämmplatten, Baustoffen, Maschinenteilen.“ (SPON 16.12.2021)

Auch die Bundesregierung hat große Pläne. Die Deutsche Bahn soll bis 2030 die Verkehrsleistung im Personenverkehr verdoppeln, und den Schienengüterverkehr um 25 % steigern.5 Nur: Dafür fehlen die Ressourcen.

Auch weitere Vorhaben der Ampelregierung sind außerordentlich ambitioniert. Sie hat das Ziel vorgegeben, bis 2030 vier Fünftel des Stroms aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen.6 Dazu müsste sie ab sofort pro Jahr mindestens dreimal so viele Windkraftanlagen und Solaranlagen errichten lassen wie 2017 bis 2021 – selbst in einer Überflusswirtschaft nicht ganz einfach. Ach ja, es sollen bis 2030 auch Dutzende von Gaskraftwerken gebaut werden, um die Kohlekraftwerke zu ersetzen, deren Abschaltung die Bundesregierung bis zu diesem Datum plant.7

Ehe man sich an den generellen Umbau macht, sollte man sich aber vielleicht Gedanken über die Erhaltung wichtiger Infrastrukturen machen. Der deutsche Städte- und Gemeindebund schätzt den Investitionsstau allein im kommunalen Bereich auf rund 149 Milliarden Euro (Stand Mai 2021). Die neue Regierung (naja, die alte auch schon) erweckt den Eindruck einer Familie, die allen Freunden fröhlich verkündet, ihr Haus in Rekordzeit auf den allermodernsten Stand bringen zu wollen. Bisher hat sie aber weder die Finanzierung gesichert, noch die Handwerker beauftragt.

Wenn wir Pech haben, stehen wir am Ende vor einer teuren Bauruine, die weder dem Klima noch den Menschen viel nutzt.

P.S.: Die Gefahren der Globalisierung, die Hypothese von Manheim („fragile World“) und das eher politische Konzept der „Vulnerable World Hypothesis“ von Nick Bostrom habe ich in meinem aktuellen Buch „Offline – Der Kollaps der globalen digitalen Zivilisation“ ausführlich diskutiert. Sie finden es im Buchhandel oder online, z.B. hier, hier oder hier.

Anmerkungen

[1] Manheim, D. (2020). The Fragile World Hypothesis: Complexity, Fragility, and Systemic Existential Risk. Futures, 122, 102570.

[2] In den meisten Fällen die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company – TSMC. Sie ist kaum bekannt, aber ihr Börsenwert ist mehr als dreimal so hoch wie der von VW (Stand 31.3.2021, Quelle: deutsche Wikipedia).

[3] Die Europäische Kommission hat dazu eine Mitteilung an das Europäische Parlament verfasst. Darin heißt es:
„Die OECD prognostiziert, dass sich der weltweite Materialverbrauch … von 79 Milliarden Tonnen im Jahr 2011 auf 167 Milliarden Tonnen im Jahr 2060 mehr als verdoppeln wird (+110 %) … Für die Zwecke der Kritikalität lohnt es sich, die OECD-Prognose für Metalle genauer anzuschauen, deren Verbrauch 2060 von 8 auf 20 Milliarden Tonnen steigen soll (+150 %).“
Bei den für Akkus wichtigen
Metallen Aluminium, Kobalt, Eisen, Blei, Lithium, Mangan und Nickel werde der Bedarf „bis 2050 unter einem 2 °C-Szenario im Vergleich zu einem ‚Business-as-usual‘-Szenario um mehr als 1000 Prozent zunehmen“. Das bedeutet aber nicht nur höhere Preise, sondern auch eine beträchtliche Umweltbelastung. Die lässt sich zwar reduzieren, aber das kostet natürlich extra.

[4] Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat dazu am 15.12.2021 einen ausführlichen Bericht veröffentlicht.

[6] Wenn gleichzeitig die Heizungen immer mehr auf Wärmepumpen umgestellt werden und immer mehr Elektroautos fahren, steigt natürlich auch der Strombedarf deutlich an. Die Vorgabe, 80 % aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen, ist ein bewegliches Ziel. Man wird das Ausbautempo also eher um den Faktor vier oder fünf steigern müssen.

[7] Es nutzt dem Klima nicht viel, wenn wir weiterhin russisches Gas beziehen, weil bei der Förderung und dem Transport große Mengen Methan entweichen. Außerdem ist es durchaus fraglich, ob die Bundesregierung nicht besser die Abhängigkeit von russischem Gas verringert, statt sie zu erhöhen.

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

29 Kommentare

  1. Das Drama mit der EU ist, dass diese Behörde glaubt mit einem neuen Gesetz sei das Problem schon zur Hälfte gelöst.
    Allein die Elektroautos bereiten Kopfschmerzen. Bei einem Brand braucht es Stunden bis das Feuer gelöscht ist. Und das geht nicht mit Wasser , nur mit Schaumlöscher.
    Die Überflussgesellschaft findet ihren Höhepunkt in der Tatsache, dass 1 Tonne Weizen billiger ist als 1 Tonne Müll.

    • Sehr guter Beitrag aus dem man vor allem eines mitnehmen sollte:
      Man kann Prozesse nicht beliebig beschleunigen und alte Versäumnisse (zu langsame Energiewende bis anhin) nur bedingt per Entscheid und vorgegebenen zeitnahen Termin korrigieren.
      Allerdings würde ich zu folgendem Satzfragment aus dem obigen Beitrag (Zitat) „der Wirtschaftsjournalist Hendrik Müller sieht bereits eine Ära des Mangels heraufziehen.“, sagen, dass es wohl eher ein Mangel an Überfluss ist, der uns bevorsteht als ein Mangel an lebensnotwendigem. Sicher, es gibt heute andere Massstäbe: die Ferienreise in die Karibik gilt nach der Pandemie-Enthaltsamkeit für viele als (über-)lebensnotwendig.

      Einige, der oben erwähnten Punkte möchte ich noch ergänzen (Zitat):

      Wenn man mehr Elektroautos auf die Straßen bringen will, braucht man große Lithium und Cobalt für die Akkus. Aber: Der Abbau kommt nicht nach und die Preise schnellen in die Höhe.

      Ergänzung: Ein Elektroauto benötigt über Motor und Batterie 3 Mal soviel Kupfer wie ein Verbrenner. Offshorw-Windkraftwerke benötigen 6 Mal mehr Kupfer, Solarkraftwerke 4 Mal soviel Kupfer wie konventionelle Kraftwerke. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass bis 2050 der jährliche Kupferabbau verdoppelt werden muss. Der Kuperpreis ist bereits auf 4.39 USD pro Lbs (24.12.2021) angestiegen, betrug aber im März 2021 nur 3.6 USD/Lbs und lag zwischen 2018 und 2020 unter 3 USD/Lbs.
      Der Preis von Lithiumcarbonat stieg zwischen März und Dezember 2021 um das 2.5 fache. Der Preis von Nickel (für NMC-Batterien wichtig) stieg seit März um das 1.5 fache.

      Eines ist sicher: Wer auf Zufuhr von Rohstoffen (oder Drogen) angewiesen ist, ist erpress- und verwundbar.
      Wenn man hier liest (Zitat) “ Ach ja, es sollen bis 2030 auch Dutzende von Gaskraftwerken gebaut werden, um die Kohlekraftwerke zu ersetzen, deren Abschaltung die Bundesregierung bis zu diesem Datum plant.“, dann darf man sicher sein, dass das auch Vladimir Putin weiss und dass Putin seinen Vorteil aus der Nachfrage nach russischem Gas ziehen wird.

      • Ergänzung zur Ergänzung: laut ganz neuer Studie reichen die bekannten Kobalt-Vorräte nur noch 11 Jahre.
        Zwar gibt es auch E-Auto-Batterien ohne Kobalt, doch haben sie eine geringere Kapazität bei gleichem Volumen.
        Laut der IEA-Studie zu den Rohstoffen kommen ca. 70% der jetzt so sehr benötigten Rohstoffe entweder direkt aus China oder werden in China aufbereitet.
        Erpressbar sind “wir” dadurch sehr, klar. Aber andersrum gesehen hat dadurch China heute schon fast überall “die Hand drauf”. Die Umweltaktivistin Patricia Adams aus Kanada sagt ja auch, dass China gut versteckt hinter den NGOs steht, die so arg “auf Klimakrise” machen, um damit seinen Handel aufzuweiten und kriegslos “den Westen” sozusagen zu übernehmen.

  2. Wir haben das Problem von Katzen im Obstgarten – wenn sie alle Mäuse gefressen haben, gibt’s erst Kannibalismus, dann Hunger. Außer für die eine oder andere, die es schafft, vom Fleischfresser zum Allesfresser zu mutieren, für die bricht eine Ära des Überflusses an. Wenn Sie sich den Abgrund zwischen dem Machbaren und dem Realistischen ansehen, verstehen Sie das Problem.

    Die Erde ist ein nahezu menschenleerer Planet und trotzdem überbevölkert, weil sich acht Milliarden Menschen in acht Dixie-Klos zwängen – ist einfach zu teuer, mehr zu bauen. Wir haben Hunger, weil es zu teuer ist, neue Anbauflächen zu erschließen oder auch nur die Felder nicht auszulaugen und zu vergiften. Wir ersticken an Energie und Energiemangel, weil’s zu teuer ist, das Zeug einzufangen und in Batterien zu packen. Menschen verrecken in Slums und auf Flüchtlingsrouten, weil’s zu teuer war, sie auszubilden, und sich keine sinnvollen Aufgaben für sie finden. Es mangelt an natürlichen Ressourcen, weil’s zu teuer ist, kilometertiefe Löcher zu bohren oder zu recyceln, die Umwelt legt uns um, weil zu teuer, bla bla bla. Die EU zerfällt und die Welt wählt Möchtegern-Warlords, weil Kooperation zu teuer wird, während Kannibalismus noch Profit verspricht. Immer wieder das Gleiche: Es mangelt an einer Fantasieressource, die wir in unendlichen Mengen kostenlos herstellen können, während gleichzeitig die Banken nicht mehr wissen, wohin mit dem Scheiß, die Inflation die Ersparnisse frisst und die Börsen immer mehr brauchen, weil immer mehr davon Schulden generieren, die bezahlt werden müssen, ohne dass die Welt mehr davon hat, als Blut, Schutt und Asche. Die Welt ging schon vor Corona zum Teufel.

    Alle Ressourcen sind in Überfluss vorhanden – das einzige Problem ist Misswirtschaft. Misswirtschaft ist aber eine freie, demokratische, informierte Entscheidung der Menschheit, die respektiert werden muss. Wir haben uns entschlossen, mitten im Schlaraffenland in eigenen Exkrementen zu verrecken – zwingt uns keiner, es anders zu machen, zwingt uns keiner, es so zu machen. Wir müssen nur die Konsequenzen tragen. Das Leben gibt uns, was wir wählen, nicht, was wir wollen.

    Wollten wir unsere Misswirtschaft ändern, wüssten wir nicht mal, wo wir da anfangen sollten, es erwartete uns also ein riesiger Haufen Arbeit voller Frust und Rückschläge. Wenn wir stattdessen bequem weiter so vor uns hin dümpeln wollen, wie wir’s gewöhnt sind, auch wenn das morgen Elend, Verzweiflung, Krieg und bittere Reue bedeutet, ist das kein Problem, sondern eine Lösung – wir bekamen verschiedene Wege zur Auswahl und das ist der, für den wir uns entschieden haben. Wir haben halt unsere Prioritäten gesetzt und sind bereit, den Listenpreis zu zahlen. Noch nie in der Geschichte des Planeten hatte eine Spezies so viel Macht, so viel Freiheit, ihr Schicksal zu wählen. Wir sind Götter, und wenn Götter sterben wollen, wer sollte sie aufhalten?

    Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe. Das ist der Unterschied zwischen Machbarkeit und Realismus.

  3. Nötig: Rohstoffe wieder selber fördern
    Seltene Erden oder Lithium gibt es in den USA und auch in Europa in Hülle und Fülle. Nur lohnt sich der Abbau nicht, denn er ist zu teuer. Nicht zu teuer aus grundsätzlichen Gründen, sondern wegen all den Auflagen, die es in den USA und Europa gibt, denn der Abbau dieser Rohstoffe ist in der Regel „schmutzig“ mit potenziell vielen Umweltproblemen.

    Das Modell, wo alle schmutzigen Arbeiten einfach ausgelagert werden kann sich aber gegen die Nachfrager wenden. Denn eine Gratis-Nachfrage, wo der Nachfrager den Rohstoff zum billigsten Preis bekommt und der Anbieter dieser Nachfrage immer ohne weitere Konsequenzen nachkommt, die gibt es auf die Länge nicht.

  4. Jedes System entwickelt sich innerhalb der gegebenen Randbedingungen – so hat sich das Leben auf dieser Erde innerhalb der physikalischen und chemischen Randbedingungen entwickelt, haben sich diese geändert, hat sich das Leben an die neuen Bedingungen angepasst, Unveränderbares ist ausgestorben, Veränderbares hat überlebt und war Keimzelle für weitere Entwicklung, wir nennen das Evolution.
    Ebenso sehe ich das im technischen Bereich, jede Technik entwickelt sich innerhalb der materiellen ( wirtschaftlichen ) und gedanklichen ( wissenschaftlichen ) Ressourcen, wenn ein Mangel herrscht ( kaum Rohstoff oder hoher Preis ), ändert sich die Technik, wer das früh genug merkt, hat Vorteile, wer es zu spät bemerkt, geht bankrott – so ungefähr wenigstens. Zu diesen Randbedingungen gehören natürlich auch gesellschaftliche Vorstellungen und Transportmöglichkeiten.
    Als Beispiel brauche ich keine lithiumfreie Technik zu erfinden, so lange es irgendwo auf dieser Welt genügend Lithium gibt und der Rohstoff zu möglichst geringem Aufschlag zeitlich exakt bei mir am Werkstor ankommt.
    Wird Kupfer teuer, könnte man auf Aluminium zurückgreifen, die Leitfähigkeit ist zwar nur 64% der vom Kupfer, dafür ist Kupfer ~3x schwerer, die Konstruktion muss sich anpassen.
    Eine spezielle Randbedingung sehe ich allerdings als gefährlich an, es ist das “Geld”, die Vorstellung der Finanzwelt und der Gesellschaft ( “Subventionen” ), welche Rolle es einzunehmen habe.
    Etwas überspitzt formuliert hat man früher gefragt: “Wie teuer wird es sein, wenn es ( lange, gut ) funktioniert?”
    Heute fragt man:”Wie viel Funktion ( Lebensdauer ) kann es ( noch ) haben, wenn es möglichst billig gebaut ist?”
    Wir müssen also unsere Einstellung zum “Geld” kritisch bewerten und dann können wir unserer technischen Phantasie freien Lauf lassen.

    • ‘Geld’ bedeutet die Konvertibilität von Vermögen, Kommentatorenfreund Karl Maier, Geld ist insofern eine zivilisatorisch bedeutsame Erfindung, wird hier “komisch” herumgemacht, staatlicherseits, findet das Leben einen Weg (Zitat vom Film “Jurassic Park” gemopst), bspw. Cryptowährung, nackteste Fiat-Währung sozusagen.

      Die BRD könnte sozusagen i.p. Klimawandel erst einmal zur Nutzung der sog. Kernenergie finden, als Einstieg sozusagen, auch damit sie sich nicht international lächerlich macht.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer (der noch gut das sog. Waldsterben memoriert, das es witzigerweise hauptsächlich (oder nur?) in der BRD gab, Dr. Wolfgang Schäuble hat in einer TV-Diskussion Mitte der Achtziger genau darauf hingewiesen – doch, lol, die politisch linken und ökologistischen Diskussionspartner laberten einfach weiter, dieser Einwand interessierte sie gar nicht)

  5. Änderungen ziehen Änderungen nach sich
    – Die Erdgasheizung einfach durch eine Wärmepumpe ersetzen geht nur in bereits gut isolierten Gebäuden, denn die Wärmepumpe liefert nur Niedrigtemperaturwärme. Der Grossteil der Altgebäude in der EU ist aber schlecht isoliert.
    – Fast alle Versuche auf fossile Energien zu verzichten führen zu mehr Stromverbrauch, denn die Wärmepumpe, das Elektroauto oder die industriellen Prozesse, die früher mit Erdgas betrieben wurden und umgestellt worden sind, arbeiten nun mal mit Strom. Eine völlige Dekarbonisierung eines Landes verdoppelt in etwa seinen Elektrizitätsverbrauch, selbst wenn der Gesamtenergieverbrauch sich bei dieser Umstellung halbiert. Denn der Grossteil der Energie kommt heute aus fossilen Quellen und die Umstellung auf Strom senkt den Total-Energieverbrauch, erhöht aber den Total-Stromverbrauch. Doch heute hat das noch kaum eine Regierung in ihre Pläne einbezogen. Selbst die hochgesteckten Ziele der neuen Bundesregierung haben den steigenden Strombedarf noch nicht mit einkalkuliert. Im Endeffekt braucht es dann doppelt so viele Windturbinen und doppelt so viele Solarpanel.

  6. @Holzherr 25.12. 23:29

    „Die Erdgasheizung einfach durch eine Wärmepumpe ersetzen geht nur in bereits gut isolierten Gebäuden, denn die Wärmepumpe liefert nur Niedrigtemperaturwärme.“

    Wenn man die Wärmepumpe mit einer Gas- oder Holzheizung kombiniert, kann man hier auch in Altbauten eine Menge Strom nutzen, wenn er denn mal als regenerativer Überschuss zur Verfügung stände. Bei vielen Altbauten wird es sich nicht sonderlich lohnen, diese wirklich so fit zu machen, dass man komplett mit der Wärmepumpe heizen kann. Und doch wird es sich hier vorerst nicht rechnen, diese Altbauten abzureißen. Dann eben mehr zuheizen, als Ergänzung zur Wärmepumpe, mit entsprechenden Heizkosten, wenn dafür irgendwann nur noch Wasserstoff oder andere Syntheseenergieträger zum Einsatz kommen sollen.

    Ähnliches gilt auch z.B. für Flugzeuge. Auch die kann man gegen Ende der Energiewende notfalls eben mit Synthesekerosin betreiben, zumindest solange dies doch noch günstiger ist, als neue Flugzeuge zu bauen, die mit Wasserstoff oder mit Superakkus fliegen.

    Wir müssen eben auch angesichts begrenzter Rohstoffe und begrenzter zusätzlicher Arbeitskraft gucken, wie schnell wir mit der Energiewende vorwärts kommen. Eventuell ist es doch vernünftig, die alten Kernkraftwerke und auch die Kohlekraftwerke noch länger in Bereitschaft zu halten, wenn das eben nicht so schnell funktioniert wie erhofft. So oder so, die Altkraftwerke produzieren ja nur Treibhausgase bzw. Atommüll, wenn sie tatsächlich im (Not-) Einsatz sind, sonst nicht.

    Es ist wohl sowieso zunächst reichlich entsprechend viel Wind- und Sonnenenergie zuzubauen, erst wenn das richtig in Gang gekommen ist, werden doch erst Elektroautos und noch später dann Wärmepumpen sinnvoll. Alles der Reihe nach, würde ich vorschlagen. Es geht nur so schnell, wies eben geht.

    Eine andere Idee wäre sicherlich, wenn es gelänge Konsum abzubauen. Das macht nicht nur Geld, sondern auch Rohstoffe und Arbeitskräfte frei, die man in die Energiewende investieren kann. Also z.B. eine mittelfristige Halbierung des PKW-Bestandes. Wenn man entsprechend die Städte Fahrradfreundlich macht, Öffis fördert und jede Menge Carsharing erfolgreich populär macht, erscheine mir das in vielleicht 15 Jahren umsetzbar.

    Und eine Investition in mehr Touristik im eigenen Land könnte auch den Flugverkehr reduzieren, wenn hier Rohstoff- oder Arbeitskräftemangel Schwierigkeiten macht.

  7. @Tobias Jeckenburger (Zitat): “ Es ist wohl sowieso zunächst reichlich entsprechend viel Wind- und Sonnenenergie zuzubauen, erst wenn das richtig in Gang gekommen ist, werden doch erst Elektroautos und noch später dann Wärmepumpen sinnvoll. “
    Das ist nicht koordiniert und niemand koordiniert das. Das heisst niemand hat einen Ablaufplan.

    In Deutschland haben sich die Neuzulassungen für E-Autos zwischen 2018 und 2021 verachtfacht und in China sind jetzt 20% aller Neuwagen Elektroautos. Für 2030 erwartet VW für Deutschland, dass mehr als 40% der Neuzulassungen batterieelektrische Autos sind und in China werden es mehr als 70% sein. In diesem Umfeld ist es eigentlich – ja sogar wirklich – Unsinn, Elektroautos mit Prämien von mehreren tausend Euros zu subventionieren wie das Deutschland tut, denn warum sollte man aus einem Boom einen Superboom machen zumal ein Boom immer auch mit Verknappung verbunden ist ( ausser der Boom betrifft Dinge, die nichts kosten wie etwa Nacktbaden).

    Planwirtschaft funktioniert sowieso nicht und hat noch nie funktioniert. Die Politik sollte möglichst einfache, aber breit wirksame Massnahmen einsetzen wie etwa eine Abgabe auf alle Produkte, die mit CO2-Emissionen verbunden sind. So etwas bewirkt keinen Boom, sondern eine Umorientierung praktisch aller Akteure von der Industrie bis zu jedem Einzelnen. Doch populär sind solche Massnahmen nicht. Vor allem darum weil sie als Bestrafung erlebt werden, während die Kaufprämie für das Elektroauto als Belohnung erlebt wird. Endorphine gewinnen immer auch wenn sie anstatt zur Beruhigung zum Rausch führen. Aber Menschen wollen ja berauscht werden.

    • Howdy, Herr “Holzherr” (die doppelten Anführungszeichen nur deswegen, weil Sie nicht so heißen und ein als solches unerkennbares Pseudonym verwenden (was einigen im Web als unschicklich gilt)), hierzu kurz :

      Planwirtschaft funktioniert sowieso nicht und hat noch nie funktioniert. Die Politik sollte möglichst einfache, aber breit wirksame Massnahmen einsetzen wie etwa eine Abgabe auf alle Produkte, die mit CO2-Emissionen verbunden sind. So etwas bewirkt keinen Boom, sondern eine Umorientierung praktisch aller Akteure von der Industrie bis zu jedem Einzelnen.

      ‘Planwirtschaft’ funktioniert, aber schlechter als anderes Wirtschaftssystem, auch ein EU-weiter Emissionsrechte meinender Zertifikatehandel ist nichts anderes als a bisserl getarnte Planwirtschaft.
      Planwirtschaft hat den Nachteil, dass woanders erfolgreicher wirtschaftlich gehandelt wird und das planwirtschaftlich vorgehende Gesellschaftssystem in zivilisatorischen Rückstand geraten könnte oder, direkt formuliert : zwingend auch früher oder später geraten wird.
      Geraten liberale Demokratien in diesen Rückstand, ist wohl niemandem auf diesem Planeten geholfen, Dr. Webbaer setzt insofern auf beizeiten i.p. Ausgasung entstehende Workarounds oder auf die Anpassung, es wird aus diesseitiger Sicht nicht so-o viel wärmer, wie die Ökologisten aktuell glauben.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

  8. Globalisierung, wenn sie die Auslagerung wichtiger Produkterstellung meint, ist problematisch, denn so werden Abhängigkeiten erzeugt, die in Krisen übelst durchschlagen könnten, der Konjunktiv ist gewählt, noch darf gehofft werden.
    Zudem kann mit Geld, auch mit staatlicher Kaufkraft vermögender Gesellschaftssysteme hier viel gemacht, kompensiert werden.

    I.p. Klimaerwärmung, der (partiell) anthropogene Klimawandel ist gemeint, es ist mehr oder weniger klar, dass besondere Aktivität des hier gemeinten Hominiden die Atmosphäre verdichtet, so dass es a bisserl wärmer wird, vermutlich nicht so-o viel, wie Ökologisten glauben, geht es so nicht :

    -> ‘DER KAMPF UMS KLIMA ENTSCHEIDET SICH IN EUROPA.’ [KONRAD SCHULLER – aktuell dem ehemals bundesdeutsch-konservativen “Schlachschiff” Frankfurter Allgemeine Zeitung entnommen, einem Kommentar dort]

    Gegenmaßnahmen i.p. Klimawandel können nicht europa-zentriert, gar germanozentrisch, germanozentristisch angeleitet, erfolgreich bzw. effizient sein.

    Mit freundlichen Grüßen und weiterhin viel Erfolg !
    Dr. Webbaer

  9. Wie vermutlich allgemein bekannt, lautet die Antwort auf die Frage der Überschrift gemäß Betteridge’s “Law of Headlines” (“Any headline that ends in a question mark can be answered by the word no.”)… also: “No”.

    Aber das liegt daran, dass das Wort “Überflussgesellschaft” nicht einen allgemeinen Zustand, sondern nur ein ganz bestimmtes Phänomen innerhalb eines aus- (möglicherweise über-) differenzierten marktkapitalistischen Systems beschreibt: in einem begrenzten Teil der Welt führen die marktlichen Systemlogiken zu einem übergroßen Angebot, das durch Nachfragepositionen nicht mehr in Gänze abgerufen werden *kann*. Dieser Problembereich ist durchaus system-immanent, wenn auch nicht wirklich “beabsichtigt”. Leider wird es einen solchen “Überfluss” wohl für einen gewissen Marktanteil “immer” geben – vgl. etwa die Mittelpunkt-Hofhaltungen feudaler Gesellschaftsstrukturen, bei denen es auch beständig zu einem Überangebot von Leistungen kam.

    In diesem spezialisierbaren Sinne ist die Antwort auf die Frage der Überschrift also tatsächlich: “No”.

    • “Any headline that ends in a question mark can be answered by the word no”

      In diesem Fall stimmt das ausnahmsweise nicht. Hier geht es um die Erhaltung von Infrastrukturen und den schnellen Umbau in Richtung einer CO2-freien Wirtschaft. Dazu braucht man zusätzliche menschliche als auch materielle Ressourcen, die nicht nur der Spitze einer hierarchisch-feudalen Gesellschaft, sondern einer breiten Mehrheit zur Verfügung stehen muss. Sie müssen vorhanden, ausbaubar und bezahlbar sein. Und die Frage im Titel deutet darauf hin, dass genau dieser Aspekt tatsächlich in Frage steht. Die Pläne der Bundesregierung und der EU setzen in aber als gegeben voraus. Und das halte ich für einen schweren Fehler.

  10. @Holzherr 26.12. 02:01

    „….In diesem Umfeld ist es eigentlich – ja sogar wirklich – Unsinn, Elektroautos mit Prämien von mehreren tausend Euros zu subventionieren wie das Deutschland tut…“

    In der Tat ist dies Unfug. Klimaschutz würde eigentlich mehr gefördert, wenn es deutlich weniger Privatautos gäbe. Hier wären eben Fahrradverkehr und Öffis zu fördern, und wenn Autos, dann Carsharingfahrzeuge. Auch Rohstoffverbrauch und Arbeitseinsatz ließe sich in erheblichem Ausmaß einsparen, würden hier nicht so viele Statussymbole vor den Türen herumstehen, die nicht mal eine Stunde am Tag im Einsatz sind.

    Auch kommt die Förderung von E-Autos wohl ein paar Jahre verfrüht, man müsste sie noch überwiegend mit fossilem Strom aufladen. Wir müssen doch erstmal einige Jahre reichlich WKA und PV zubauen, bevor wir hier E-Autos auch mit grünem Strom aufladen können.

    Eine Regulierung des Wildwuchses bei den Ladestationen wäre allerdings mittelfristig vernünftig, und auch die technischen Voraussetzungen für eine Ladestrategie, die die Fahrzeugakkus bevorzugt bei Überschüssen im Stromnetz aufläd, wäre hilfreich, und könnte schon mal angegangen werden.

    @webbaer 27.12. 06:38

    „Gegenmaßnahmen i.p. Klimawandel können nicht europa-zentriert, gar germanozentrisch, germanozentristisch angeleitet, erfolgreich bzw. effizient sein.“

    Klar retten wir das Klima nur, wenn der Großteil der Welt mitmacht. Wir haben allerdings, zumindest in D, einen chronischen Exportüberschuss, der sowieso unnötig ist, und auch unsere Partner in Europa durchaus unter Druck setzt. Diesen Überschuss können wir zumindest teilweise mit einem gewissen Vorweggehen im Klimaschutz einsetzen. Außerdem haben die westlichen Industrieländer schon sehr lange sehr viele Treibhausgase freigesetzt, was auch Mehranstrengungen rechtfertigen kann.

    Auch haben wir in Europa eine wesentlich kleinere Herausforderung als die USA, einfach weil die dort wegen extremerem Klima mehr heizen und kühlen müssen, und dann auch noch verteilter wohnen, was flächendeckend weitere Wege mit sich bringt. Entsprechend haben die USA auch ein chronisches Außenhandelsdefizit, und müssen also auch vorsichtiger mit Klimaschutzmaßnahmen sein, als wir in Europa.

    @webbaer 27.12. 06:53

    „…der noch gut das sog. Waldsterben memoriert, das es witzigerweise hauptsächlich (oder nur?) in der BRD gab,…“

    Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, bezog sich das Waldsterben vor allem auf Fichtenbestände, die sowieso etwas deplaziert angepflanzt waren, aber durchaus real geschädigt waren. Die Reaktion war dann auch eine weitgehende Entschwefelung von Abgasen aller Art, mit dem Erfolg, dass das schwefeldioxidbedingte Waldsterben ausblieb. Nun gut, inzwischen macht der Klimawandel dann doch noch flächendeckend vor allem die Fichten kaputt, wobei allerdings durchaus die immer noch emittierten Stickoxide eine gewisse Rolle bei spielen dürften.

    Nebenbei sind Stickoxide auch immer noch ein Thema, was unsere Gesundheit angeht. Immerhin war die Entschwefelung der Abgase auch diesbezüglich ziemlich sinnvoll.

    • Sog. Waldsterben gab es ja nur in der BRD, so dass es auch nur dort “ausbleiben” konnte, vergleiche mit Ihrer Nachricht :

      …der noch gut das sog. Waldsterben memoriert, das es witzigerweise hauptsächlich (oder nur?) in der BRD gab,…“ [Dr. Webbaer]

      Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, bezog sich das Waldsterben vor allem auf Fichtenbestände, die sowieso etwas depla[t]ziert angepflanzt waren, aber durchaus real geschädigt waren. Die Reaktion war dann auch eine weitgehende Entschwefelung von Abgasen aller Art, mit dem Erfolg, dass das schwefeldioxidbedingte Waldsterben ausblieb.

      Dr. Wolfgang Schäuble, genau der, gab sich als Kanzleramtsminister seinerzeit betont politisch konservativ, nannte sich sage und schreibe, lol, seinerzeit ‘wertkonservativ’, machte in einer TV-Diskussion vor etwas mehr als 35 Jahren, als es um das sog. Waldsterben ging, darauf aufmerksam, dass derart nur in der BRD diskutiert wird und andere Staaten dieses Problem nicht kennen, worauf die ökologistischen Gegenredner, auch Naturwissenschaftler waren dabei, gar nicht eingingen und einfach weiter besorgt “knödelten”.

      Dr. W hat sich’s gut im Gedächtnis behalten, diesen frühen postreligiösen Ökologismus, dem er zuerst ca. 1978 begegnet ist, als das bundesdeutsche Staatsfernsehen irgendwelche frühen Ökologisten in einer Gruppe auspackte, zusammen sozusagen interviewte, die gar nicht mehr cool wie Hippies aussahen, sondern irgendwelche gestrickte Jacken und Latzhosen trugen, die dann angaben schlicht vor der friedlichen Nutzung der Kernenergie Angst zu haben und sich auch sonstwie über alles Mögliche zu sorgen, anti-rational sozusagen.
      Sicherlich spielte damals schon entarteter Protestantismus eine Rolle.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

  11. Zwei Antworten auf den Wunsch nach Überfluss: Überfluss für alle oder Überfluss für niemanden
    Thomas Morus Utopia war eine Antwort auf den frivolen/schamlosen Überfluss am Hofe von Heinrich VIII, einen Überfluss der Wenigen auf Kosten Vieler.

    Die Antwort war eine (utopische) Gesellschaft ohne irgend eine Form des Überfluss. Anstatt Überfluss für Wenige gab es das Notwendige für jeden. Nicht für jeden Nichtsnutz, sondern für jeden, der seine Arbeitskraft in den Dienst der Gesellschaft stellte gab es alles gratis. Aber nicht im Überfluss, sondern in der gerechten Zuteilung bis hin zur Zuteilung von Ehepartnern.

    Die utopische Antwort des Thomas Morus ist selbst heute, nach x-maligem Scheitern von sozialistischen Gesellschaftsmodellen, die ähnliches wie Utopia versprachen, noch attraktiv. Denn bedeutet Genügsamkeit und gerechte Verteilung nicht auch Nachhaltigkeit und Harmonie mit Natur und Umwelt? Und ist nicht Nachhaltigkeit heute in aller Munde?

    Genügsamkeit und Beschränkung aufs Notwendige ist allerdings nur als Denkmodell attraktiv. Seine Realisierung aber kommt nicht darum herum festzulegen was notwendig und was Luxus ist. Und damit kommt dann das erste Problem: Denn wer entscheidet was notwendig und was Luxus ist? Und ist nicht für den einen etwas notwendig, was für den andern Luxus ist?

    „Jedem nach seinen Bedürfnissen!“ ist jedenfalls um vieles besser und um vieles weniger konfliktbeladen als „Jedem nach seinen Fähigkeiten und seinen Leistungen“. Wenn allerdings jeder seine Bedürfnisse selber bestimmen kann und nach unmittelbarer Befriedigung seiner Bedürfnisse verlangt, dann sind wir wieder in einer nicht nachhaltigen Überflussgesellschaft. Denn sind die Bedürfnisse nicht letztlich immer fast grenzenlos?
    Dennoch sehe ich am Horizont bereits die Umrisse einer noch weit stärker durch Überfluss gekennzeichneten Gesellschaft als die heutige.
    Ermöglicht durch fortschreitende Technologie. In nicht allzu ferner Zukunft könnte Arbeiten zur Option werden, denn Roboter und ein smartes Internet der Dinge übernehmen alles Unangenehme und alles Dröge und den Mitgliedern der Gesellschaft bleibt nur noch der Stress der Bedürfnisoptimierung und der Stress der Auswahl zwischen super und super-super. Nicht einmal die Umwelt muss in einer fernen Zukunft darunter leiden, denn diese sich der Lust verschreibenden Menschen werden sich kaum noch die Last auferlegen, Nachkommen auf die Welt zu stellen, so dass immer mehr Umwelt für immer weniger, immer mehr konsumierende Menschen übrig bleiben wird. Natürlich gibt es auch in solch einer Welt einen Unterbau, eine Unterschicht. Das werden die Roboter und smarten Subsysteme sein, die hoffentlich nie auf die Idee kommen, sie seien unterdrückt und bräuchten mehr als ihnen zugestanden wird.

  12. Überfluss, worin ?
    In naher Zukunft werden die Böden, die noch nicht vergiftet sind rar. Die saubere Luft wird kostbar und Meerwasser, das noch nicht mit Mikroplastik vermüllt ist noch seltener.
    Überfluss an Geld ? Geld kann man nicht essen !

    Die Überflussgesellschaft wird es nicht geben. Es wird Reiche geben, die sich viel leisten können, die große Masse wird verelenden.

    • @hwied (Zitat): „ Die Überflussgesellschaft wird es nicht geben. „
      Das ist eben eine Sache der Einschätzung. Verglichen mit dem Leben vor 100 Jahren leben wir heute schon im Überfluss. Doch den meisten kommt es nicht so vor. Subjektiv leben viele, die sich nur einen Urlaub an der türkischen Südküste (der türkischen Riviera) leisten können, im Elend. Darum schreibe ich ja: Bedürfnisse sind praktisch unbeschränkt. Sie kommen ähnlich wie der Appetit mit dem Essen.

  13. @Holzherr 27.12. 13:43

    „Und damit kommt dann das erste Problem: Denn wer entscheidet was notwendig und was Luxus ist?“

    Na erst einmal jeder selber, vor allem auch gemäß seines eigenen Budgets an Geld. Wer will das denn abschaffen? Man mag hier erfolgreich den Menschen anregen, z.B. über die Vorzüge eines Statussymbols vor der Tür noch mal nachzudenken. Und eben z.B. Carsharing im Sinne des Gemeinwohls steuerlich zu begünstigen, und den Fahrradverkehr mit guten Radwegen fördern. Entscheiden tut dann immer der Einzelne, wie er sich jetzt konkret entscheidet, wofür er sein eigenes Geld einsetzen will.

    Es gibt sogar Leute genug, die geben ihr Geld schon längst gar nicht mehr aus, nicht um es zu sparen oder zu vererben, sondern weil ihnen einfach nichts mehr einfällt, was sie sich anschaffen sollen. Das ist sehr wichtig und begrüßenswert, lässt sich aber weder fördern noch vorschreiben. Nur vorschlagen, darüber mal nachzudenken, das kann man.

    „Denn sind die Bedürfnisse nicht letztlich immer fast grenzenlos?“

    Bei einigen sicherlich, aber die haben eben auch nur ihr eigenes Geld, das sie so grenzenlos einsetzen können.

    „..den Mitgliedern der Gesellschaft bleibt nur noch der Stress der Bedürfnisoptimierung und der Stress der Auswahl zwischen super und super-super.“

    Wen das stresst, der ist dann wohl selber schuld. In diesem Zusammenhang stelle ich mir vor, dass die eigentliche Herausforderung dann darin besteht, sich irgendwie sinnvoll und herausfordernd zu beschäftigen. Also z.B. eher ehrenamtlich an einer globalen Raumfahrtstrategie mitzuarbeiten, und auch generell Astronomie und Wissenschaft in einem Ausmaß mit zu betreiben, das die derzeitig praktizierten Anstrengungen auf diesem Sektor um ein vielfaches übersteigt. Oder im lokalem Umfeld eine richtig gute Integration von Natur mitten in der Stadt zu verwirklichen, und dort seine Arbeitsenergie hineinzustecken.

    „…der Lust verschreibenden Menschen werden sich kaum noch die Last auferlegen, Nachkommen auf die Welt zu stellen,..“

    Oder eben genau das Gegenteil. Dass die Menschen dann entdecken, dass sie gerade mit Kinderaufziehen ihre Zeit ganz gut und sinnvoll füllen können.

    „…so dass immer mehr Umwelt für immer weniger, immer mehr konsumierende Menschen übrig bleiben wird.“

    Was dann eben auch ausfällt, wenn wir denn mal die Kurve kriegen, und uns wieder normal reproduzieren. Das kann aber gerne erst in 50 Jahren passieren, derweil gilt: Je weniger wir sind, desto einfacher ist es, die Natur auch leben zu lassen, und eben auch soviel Überfluss zu praktizieren, soweit wir hierzu nun einmal neigen. Wir können ja schlecht mitten im vollem möglichem Überfluss einfach den Leuten ihr Geld wegnehmen, wenn die Weltbevölkerung niedrig genug ist, dass der Überfluss eben kein Problem mehr für Mensch und Natur ist.

    Dass die Menschen auf den Geschmack kommen, dass eine herausfordernde Beschäftigung mehr Vergnügen bereitet als überbordender Konsum, das können wir hier entspannt abwarten, scheint mir.

  14. @hwied 27.12. 16:17

    „In naher Zukunft werden die Böden, die noch nicht vergiftet sind rar. Die saubere Luft wird kostbar und Meerwasser, das noch nicht mit Mikroplastik vermüllt ist noch seltener.“

    Warum so negativ? Die Böden kann man mit biologischem Anbau wiederherstellen, mit der Einführung des Elektroautos wird die Luft wieder ziemlich sauber und das Mikroplastik wird so manchen Gesundheitsschaden verursachen, aber mehr auch nicht. Auch lässt sich das Plastikproblem wohl durchaus abstellen.

    „Die Überflussgesellschaft wird es nicht geben. Es wird Reiche geben, die sich viel leisten können, die große Masse wird verelenden.“

    Wenn wir es versäumen, uns weltweit darum zu kümmern, dass überschüssiges Kapital in einer zukünftigen Überflussökonomie abgeschöpft und an die Menschen verteilt wird, dann ja, dann werden wir ein Verelendung der großen Masse bekommen. Und das mitten in einem Überfluss, den die Technik fast alleine produziert.

  15. Tobias Jeckenburger,
    Tatsache ist, dass sich Deutschland z.B. nicht mehr selbst ernähren kann. Die Böden reichen dazu nicht aus. Und trotzdem werden immer noch landwirtschaftliche Gebiete zugebaut, so, als ob die Versorgung aus dem Ausland für immer gesichert sei.
    Das ist für mich eine kurzsichtige Politik. Wenn die USA einmal als Außenhandelspartner wegfallen sollte, dann bricht unsere Exportwirtschaft ein.
    Und bei einer Massenarbeitslosigkeit bekommen wir bürgerkriegsähnliche Zustände.

    Was hier als Überschuss genannt wird, das ist bei näherer Betrachtung nur Müll.
    Wer statt 2 Paar Schuhe 20 Paar besitzt, das ist nur Müll.
    Wer es sich leisten kann nach New York zum Shoppen zu fliegen , das ist ein Zeichen von Überfluss, aber ein sehr zerbrechlicher.

  16. @hwied 27.12. 21:51

    „Tatsache ist, dass sich Deutschland z.B. nicht mehr selbst ernähren kann.“

    Neben den Importen von Nahrungs- und Futtermitteln steht einiges an Fleischexporten dagegen, und jede Menge Energiepflanzen, die derzeit in D angebaut werden, um hier Überschüsse abzubauen, damit die Erzeugerpreise nicht noch weiter sinken. Wenn wir dann noch berücksichtigen, dass die Landwirte, der Großhandel, der Einzelhändler und am Ende auch der Verbraucher zusammen mindestens 30% der Nahrungsmittel wegwerfen, so mach ich mir eigentlich wenig Sorgen, sollten wir tatsächlich mal nur noch Nahrungsmittel gegen Nahrungsmittel international eintauschen können.

    „…dann bricht unsere Exportwirtschaft ein.
    Und bei einer Massenarbeitslosigkeit bekommen wir bürgerkriegsähnliche Zustände. „

    Wenn dies unvorbereitet passiert, und die Leute keine Finanzierung und auch keine alternative Beschäftigung finden, dann wird es in der Tat schwierig.

    Wenn wir aber perspektivisch auf 30 Jahre oder länger gucken, kann ich mir eine Welt mit deutlich weniger Erwerbsarbeit gut vorstellen. Erstmal kann man die Wochenarbeitszeit auf 20 bis 30 Stunden reduzieren und wieder normal Kinder bekommen, und das auf vernünftigem Konsumniveau bei entsprechend ausgiebigem Automatisierungsstandart. Und wer kreativ ist, mag sich dann gerne selbstorganisiert beschäftigen, oder sich um Pflanzen und Tiere kümmern. Man müsste nur gucken, das bei längerfristig fehlendem Wirtschaftswachstum genügend Unternehmes- Vermögens- und Erbschaftssteuern in international gemeinsamen Vorgehen eingetrieben werden. Dann bleibt das Geld weiter im Kreislauf.

    Und wie gesagt, Raumfahrt, Astronomie und Wissenschaft kann dann auch eine Massenbewegung werden, wenn unsere Nachfahren da Lust drauf haben.

    So oder so, ich meine, dass es tatsächlich Alternativen zur Massenverelendung gibt – obwohl sie eventuell recht haben könnten, falls wir eine Art internationale Oligarchie bekommen, gegen die wir uns nicht mehr wehren können, und der die Menschen völlig egal sind.

    • Es ist schon seltsam, dass Menschen, die im Überfluss und mit Übergewicht leben von Massenverelendung reden und Lebensmittelmangel befürchten.
      Tatsächlich ist die deutsche und sogar die gesamte EU-Landwirtschaft zu produktiv. Bis vor kurzem wurden Überschüsse noch nach Afrika abgegeben oder irgendwo gelagert. Doch letztlich muss die Produktion eher zurückgehen als weiter ansteigen.

      Klar entstehen die Überschüsse mit dem Einsatz von Dünger, dem Einsatz von ertragsreicheren Sorten und von Kühen, die doppelt so viel Milch liefern wie noch vor 30 Jahren. Doch man muss sich bewusst sein: ohne Technologie würden wir in einer völlig anderen Welt leben. Auch was die Landwirtschaft angeht.

      Auch die Angst vor Verelendung wegen zunehmender Automatisierung und möglicherweise zunehmender Arbeitslosigkeit steht auf schwachen Füssen. Denn wenn das kapitalistische Wirtschaftsmodell etwas am meisten braucht, dann gehört dazu wohl der Konsument. Denn Produkte, die nicht konsumiert werden sind sinnlos. Doch was will der Kapitalismus denn anderes als immer mehr Produkte produzieren. Zum Produkte gehört der Abnehmer, der Kunde . Dass es Kunden gibt, spürt man unter anderem an jedem Weihnachtsfest.

      Es könnte aber sein, dass man in Zukunft Konsumenten erfinden muss, damit man die Waren an den Mann, die Frau bringt. Roboter als Konsumenten? Heute undenkbar, doch morgen? Der Mensch ist erfinderisch. Und nicht jede Erfindung dient dem Fortschritt. Viele dienen einfach dem Absatz. Und wenn es den nicht mehr gibt, dann muss man ihn eben erfinden. Und schon in ein paar Jahren überlegen die Menschen dann vor Weihnachten, was sie wohl ihrem Roboter schenken könnten. Und ja, die Roboter haben vielleicht andere Vorlieben als Schokolade. Aber damit, so denke ich, kommt die Industrie gut zurecht.

  17. Martin Holzherr,
    sie leben sicher in einem sicheren Wohngebiet.
    Wir leben in einem Stadtteil , der früher ein Hotspot war mit offener Drogenszene. 500 m von uns befindet sich „Die Tafel“, wo die Armen Lebensmittel umsonst bekommen und die Schlange davor wird von Jahr zu Jahr länger.
    Von dem Warenüberschuss bekommen diese Menschen nichts ab. Ein ganzer Stadtteil, auch in unserer Nähe wurde entmietet. Die Gegend wurde luxussaniert und die ehemaligen Mieter wurden „umgesiedelt“ , alles legal natürlich.

    Sie sagen zu recht, zu jedem Produkt gehört ein Abnehmer, (einer der das Produkt auch kaufen kann), diese Abnehmer werden immer weniger. Es ist betriebswirtschaftlich klüger, Produkte wegzuwerfen und damit den Preis hochhalten zu können.

    Ihre Pläne setzen voraus, dass der Staat in der Lage ist, die Wirtschaft zu lenken. Ist er schon lange nicht mehr. Auf die internationalen Konzerne hat unsere Regierung kaum Einflussmöglichkeiten.
    Unsere Wohlstandsgesellschaft steht auf wackeligen Füßen.
    So kurz vor Jahresende werde ich jetzt aufhören zu unken, denken Sie aber an 2023, da ist das Hundertjahrejubiläum der großen Inflation von 1923. Schon vergessen, vermute ich.

  18. @Holzherr 28.12. 02:31

    „Doch was will der Kapitalismus denn anderes als immer mehr Produkte produzieren.“

    Naja, der Profit ist zwar meistens nicht ohne den Umsatz zu erzielen, aber dann doch noch wichtiger.

    „Zum Produkte gehört der Abnehmer, der Kunde.“

    Wünschenswert wäre es, wenn einerseits mehr in Klimaschutz investiert wird, und auch die Menschen in den armen Ländern mehr am Wirtschaftskreislauf beteiligt würden. Hier sind die Kunden, die es eigentlich vorrangig zu bedienen gilt. Zumindest ich meine, dass wir bei uns hier, was den Privatkonsum angeht, überwiegend längst mehr als genug haben.

    Aber das dürfte den Kapitalisten recht egal sein, die denken selten über den Tellerrand der eigenen Firma hinaus. Sogar die entferntere Zukunft weiter als 10 Jahre wird meistens nicht beachtet, man konzentriert sich auf den Umsatz und Profit, der ganz aktuell tatsächlich zu erzielen ist.

    @hwied 28.12. 09:43

    „Auf die internationalen Konzerne hat unsere Regierung kaum Einflussmöglichkeiten.
    Unsere Wohlstandsgesellschaft steht auf wackeligen Füßen.“

    Wenn sich die Konzerne besser international organisieren, als es die Regierungen tun, dann ist das in der Tat gefährlich. Derzeit ist es wohl längst so, das die Bigplayer Steuern erfolgreich vermeiden, und so manche soziale Plattform Unvernunft fördert und letztlich sogar unsere Demokratie gefährdet. Hier und da bilden sich u.a. durch die Datenmacht der großen Datensammler Monopole, die die Marktwirtschaft unterlaufen können.

    Hier ist die neue Regierung und auch die EU gefragt, ihren Spielraum zu nutzen und sich mehr einzumischen. Die aktuelle internationale Übereinkunft über mindestens 15% Unternehmenssteuern sind ein Anfang in die richtige Richtung.

    Auch finde ich China insofern interessant, dass man dort ähnliche Probleme hat bzw. noch bekommen wird, da aber andere Möglichkeiten hat, damit umzugehen. In jedem Fall ist es sowohl ärgerlich als auch unnötig, dass dort die Meinungsfreiheit eingeschränkt ist, aber doch vergleichsweise zumindest interessant, wie eine Diktatur es schafft, richtig produktiv zu werden. Immerhin hat man sich hier nachhaltig selbst aus der Armut befreit. Andere Despoten, die sich nur für sich selbst interessieren, schaffen das nicht.

    • Das Beispiel China zeigt uns, dass nicht nur die Organisationsform entscheidend ist , sondern auch der Mensch selbst. Chinesen sind fleißig, lernwillig und zielstrebig. Sie haben viel von den Europäern gelernt.
      Und wenn man bedenkt , dass China 3x soviel Einwohner hat wie die EU, dann relativieren sich ihre Erfolge wieder.
      Was jetzt die EU betrifft, da ist mal wieder Kritik angesagt. Frau von der Leyen ist ja nett, im richtigen Umgang mit Diktatoren ist sie die falsche Besetzung. Sie hat jetzt scharf gegen die Polen geschossen, das wird die aber nicht stören, weil die EU Polen braucht.

  19. @Webbaer 30.12. 15:59

    „diesen frühen postreligiösen Ökologismus, dem er zuerst ca. 1978 begegnet ist….
    und sich auch sonstwie über alles Mögliche zu sorgen, anti-rational sozusagen.
    Sicherlich spielte damals schon entarteter Protestantismus eine Rolle.“

    In der Tat wurde dieser Ökologismus zu einer eigenen Weltanschauung, in der Konsumverzicht quasi vom Protestantismus übernommen, und dann vom Gottgefälligem ins Irdisch-Ökologische übertragen wurde.

    Hier wurde und wird von so manchem reichlich übertrieben, dass sehe ich auch so. Aber es gab und gibt tatsächlich eine Menge von ökologischen Nebenwirkungen, die letztlich vom Konsum verursacht werden.

    So etwa die Kernenergie: man bedenke dass in Tschernobyl ein Gebiet von ca. 60 x 60 Km nicht nur über 30 Jahre, sondern über mindestens 1000 Jahre verseucht und unbewohnbar wurde. Wenn man tatsächlich den Nutzungsverlust dieses Gebietes auf über 30 Menschengenerationen beziffern würde, dann wäre durch diesen Unfall die gesamte sowjetische Atomstromausbeute zunichte gemacht worden, was dort in 40 Jahren an Stromwertschöpfung mit AKWs erzielt werden konnte. Und der Atommüll wird noch Kosten nach sich ziehen, die auch astronomisch werden können.

    Hier ist generelles Misstrauen zu beobachten, mit dem man in der Tat vorsichtig sein muss, dass es nicht ins Irrationale ausartet. Aber die Liste von Giften und Umweltschadstoffen ist lang. Inzwischen hat man eine Menge davon tatsächlich entschärft. Neben Schwefeldioxid auch FCKW, Asbest, Staubemmissionen, Blei in in Autoabgasen und generell der Dreck im Abwasser von Privat und Industrie. Die Welt ist schon um einiges wieder sauberer geworden. OK, ich lebe von Geburt an mitten im Ruhrgebiet, und konnte in meinen 58 Jahren beobachten, wie aus einer richtigen Drecksgegend Stück für Stück wieder ein sauberer und angenehmer Lebensraum entstand. Im Rhein kann man inzwischen schon wieder baden und Lachse gibts auch wieder.

    Ein paar Sachen stehen auch noch auf der Liste: Treibhausgase, Stickoxide und Feinstaub vom Verkehr, Glyphosat und andere Pestizide, Artensterben in der Landwirtschaft und in den tropischen Regenwäldern, und auch die Vermüllung von Meer und Land durch Plastikabfall.

    Ansonsten ist die eher religiöse Idee, dass wir auch gegenüber den Göttern eine Verantwortung für unsere Wirtschaftsnebenwirkungen zu übernehmen haben, doch grundsätzlich gar keine so schlechte Idee. Immerhin haben wir nur diesen einen Planeten, und es macht richtige Sinn, diesen auch schön zu pflegen.

    Übertreiben kann man es damit, ja, unbedingt. Und es geht auch nicht um persönlichen Ablass, sondern um florierende Lebensräume, in denen es sich gut lebt.

    • Gerne Schaltflächen mit der Beschriftung “Antworten’ betätigen, um erst dann in diese sozusagen unterirdische von den SciLogs.de bereit gestellte Text-Box Inhalt einzugeben [1], möglichst den Diskursverlauf unterstützen, und hierzu kurz :

      @Webbaer 30.12. 15:59

      „diesen frühen postreligiösen Ökologismus, dem er zuerst ca. 1978 begegnet ist….
      und sich auch sonstwie über alles Mögliche zu sorgen, anti-rational sozusagen.
      Sicherlich spielte damals schon entarteter Protestantismus eine Rolle.“

      In der Tat wurde dieser Ökologismus zu einer eigenen Weltanschauung, in der Konsumverzicht quasi vom Protestantismus übernommen, und dann vom Gottgefälligem ins Irdisch-Ökologische übertragen wurde.

      Hier wurde und wird von so manchem reichlich übertrieben, dass sehe ich auch so. Aber es gab und gibt tatsächlich eine Menge von ökologischen Nebenwirkungen, die letztlich vom Konsum verursacht werden.

      Sicherlich ist dieser degenerierte Protestantismus nicht nur aktuell und bundesdeutsch ein Problem, seine Herkunft scheint im Neumarxistischen zu liegen, dieses Werk :

      -> https://en.wikipedia.org/wiki/Eros_and_Civilization

      .. ist bald 70 Jahre alt. [2]

      Niemand hat etwas dagegen, wenn Tier nicht gequält werden und wenn der Konsum bedarfsgerecht aufälltt, so angelegt ist, nicht jeder Champagner, Hummer und Trüffel verzehrt.
      Tut Dr. Webbaer ja auch nicht.
      >:->

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

      [1]
      Ist ein Unding, Dr. Webbaer ist seit mehr als 25 Jahren im “Web-Geschäft” und glotzt dann immer noch auf so gemeinte Boxen.

      [2]
      Dr. Webbaer ist ein wenig angefressen, weil der schwule Dr. Stephan Schleim ihm seit heute derartige Webverweise verbietet, gar sog. Hausverbot erteilt hat.
      Wenn er, also Dr. Webbaer, auf Herbert Marcuse und andere verweist : Dr. Webbaer mag so nicht im wissenschaftsnahen WebLog-Wesen.
      Dr. Webbaer hatte mit Dr. Stephan Schleim nie persönliche Probleme, kommentierte dort seit ca. 2006.
      Sieht hier bundesdeutsch weiteren Verfall, dem gerade auch Schwule aus diesseitiger Sicht entgegen wirken sollten.

Schreibe einen Kommentar