Die Grenzen der Intelligenz sind noch nicht erreicht

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die Psychologie irrationalen Denkens
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Das Titelthema der aktuellen Ausgabe (05/2012) von Spektrum der Wissenschaft lautet: Die Grenzen der Intelligenz. Der amerikanische Wissenschaftsjournalist Douglas Fox sammelt in dem zugehörigen Artikel Argumente dafür, dass sich die menschliche Intelligenz nicht mehr wesentlich steigern lässt. So ganz schlüssig ist seine Beweiskette allerdings nicht.

Eigentlich sollte der Artikel Wasser auf meine Mühlen gießen. Schließlich habe ich in meinem aktuellen Buch „Klüger als wir?“ gerade die Meinung vertreten, dass sich die Intelligenz des Menschen weder mit chemischen Mitteln, noch mit einem direkten Interface zwischen Hirn und Computer weiter steigern lässt. Dabei ging es mir aber nur um die Steigerung der individuellen Intelligenz. Douglas Fox hat dagegen die Frage aufgeworfen, ob das menschliche Gehirn bereits die Grenzen der evolutionären Möglichkeiten weitgehend ausreizt. Er argumentiert unter anderem, dass das Hirnvolumen kaum zu steigern ist, weil der Energieverbrauch zu hoch würde. Die Vernetzung der Nervenzellen sei ebenfalls am Limit. Für mehr Nervenbündel sei einfach kein Platz. Wenn man das Gehirn größer mache, würden die Wege länger und die Arbeitsgeschwindigkeit gehe zurück. Das ließe sich vielleicht mit dickeren Axonen kompensieren. Axone sind die langen Ausläufer, über die Nervenzellen mit ihresgleichen verbunden sind. Je schneller sie eine Erregung weiterleiten sollen, desto größer muss ihr Durchmesser sein. Damit nehmen sie mehr Raum ein, verbrauchen mehr Energie und zehren den Vorteil durch eine Gehirnvergrößerung gleich wieder auf. Eine dichtere Packung der Neuronen ist ebenfalls keine Lösung, weil damit die Signalqualität leidet.

Titelbild von Spektrum der Wissenschaft 05/2012

Wo immer man ansetzt, um die Hirnleistung zu verbessern, so meint der Autor des Artikels, steht einem hohen Aufwand ein geringer Nutzen entgegen, ein Phänomen, das als „law of diminishing returns“ bekannt ist. Die Leistung des Gehirns sei weitgehend ausgereizt, die Evolution sei mit dem menschlichen Gehirn an eine Grenze geraten, die kaum überschritten werden kann. Damit wäre der Mensch zwar nicht die Krone der Schöpfung, aber doch ein Endpunkt der Evolution. Unser Gehirn representiert das, was eine halbe Milliarde Jahre Evolution maximal an Intelligenz hervorbringen kann, schreibt der Autor.

Tatsächlich ist es aber nicht ganz so einfach.

 

Faktencheck

Seit vielen Jahren suchen Forscher nach dem fundamentalen Unterschied zwischen dem menschlichen Gehirn und dem Gehirn aller anderen Tiere, bisher allerdings vergeblich. Nach dem neuesten Stand ist das menschliche Gehirn in erster Annäherung ein maßstäblich vergrößertes Primatengehirn1.

Wie bei anderen Primaten stecken die meisten Nervenzellen im Kleinhirn, das Großhirn hat zwar eine höhere Masse, enthält aber nur etwa 20% der Nervenzellen. Das Kleinhirn ist die Koordination automatischer Bewegungsfolgen, für das Gleichgewicht und die Feinabstimmung der Muskeln bei Bewegungen verantwortlich. Bei den höheren kognitiven Aufgaben spielt es allenfalls eine untergeordnete Rolle.

Von den ca. 11-26 Milliarden Zellen des Großhirns (genauer weiß es noch keiner) ist nur ein Bruchteil direkt mit den spezifisch menschlichen Intelligenzleistungen befasst. Weil unser Gehirn gegenüber denen der großen Menschenaffen nur geringe strukturelle Unterschiede ausweist, gehen inzwischen einige Forscher davon aus, dass allein die stark erhöhte Zahl der Nervenzellen die überlegene Gehirnleistung der Menschen erklärt. Von allen Hirnregionen ist nur das Stirnhirn der Menschen etwas überproportional gewachsen, und es scheint auch etwas stärker als bei anderen Primaten mit anderen Hirnregionen vernetzt zu sein2.

Man könnte vereinfachend sagen, dass die Evolution dem Menschen bisher ein maßstäblich größeres Primatengehirn beschert hat, das aber für intellektuelle Höchstleistungen keineswegs optimiert ist. Nach einer aktuellen Theorie ist die Stärke der Verbindung zwischen verschiedenen Zentren im Stirnhirn, im Seitenlappen und im Schläfenlappen des Gehirns genauso entscheidend für die Intelligenz wie die bloße Zellzahl3. Eine Verstärkung der Verbindungen könnte die Intelligenz deutlich verbessern, auch ohne dass mehr Nervenzellen involviert wären. Das Gehirn müsste also nicht global größer werden, um mehr Intelligenz zu ermöglichen, sondern lediglich in einigen genau definierten Bereichen etwas zulegen. Dafür wäre durchaus noch Platz.

Im Übrigen darf man nicht vergessen, dass bei jedem dreidimensionalen Körper das Volumen mit der dritten Potenz des Durchmessers steigt. Wenn man das Gehirnvolumen um dreißig Prozent steigert, würden die linearen Maße und damit die Länge der Nervenverbindungen zwischen den einzelnen Gehirnarealen lediglich um den Faktor 1,1 anwachsen. Dieser Zusammenhang ist in dem Artikel nicht erwähnt. Eine Verdoppelung der Anzahl von Nervenzellen für die Bereiche der höheren Intelligenz und entsprechend mehr Platz für Leitungsbündel zur Verbindung der verschiedenen Areale wäre also durchaus denkbar. Die Gesamtzahl der Nervenzellen im Gehirn müsste dabei kaum ansteigen, eventuell könnten andere Bereiche dafür ausgedünnt werden, ohne dass die Leistung dadurch beeinträchtigt würde. Um das Gedächtnis zu verbessern und das Lernen zu erleichtern, könnte schon eine Stoffwechselverschiebung in den Zellen des Hippocampus ausreichen4. Diese lang gestreckte und evolutionär sehr alte Struktur im Großhirn ist für die Fixierung von Gedächtnisinhalten verantwortlich. Sie steuert unter anderem die Übernahme vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis.

Der Denkfehler im Artikel von Douglas Fox besteht darin, dass er die Erhöhung der Intelligenz von einer weiteren maßstäblichen Vergrößerung des Gehirns abhängig macht. Dies war zwar der bisherige Weg zur einmaligen geistigen Leistungsfähigkeit des Menschen, es muss aber nicht der zukünftige sein. Deshalb ist auch bei der Intelligenz durchaus noch viel Platz nach oben.

[1] Herculano-Houzel S (2009) The human brain in numbers: a linearly scale-up primate brain. Frontiers in Human Neuroscience 3:31.

[2] Semendeferi K et al. (2011) Spatial Organization of Neurons in the Frontal Pole Sets Humans Apart from Great Apes. Cerebral Cortex 21:1485-1497.

[3] Jung RE, Haier RJ (2007) The Parieto-Frontal Itegration Theory (P-FIT) of Intelligence: Converging neuroimaging evidence. Behavioral and Brain Sciences 30: 135-187.

[4] Suzuki A et al. (2011) Upregulation of CREB-Mediated Transcription Enhances Both Short- and Long-Term Memory. The Journal of Neuroscience, 31(24): 8786-8802; doi: 10.1523/​JNEUROSCI.3257-10.2011.

Thomas Grüter

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

28 Kommentare

  1. Eingeschränkte Plastizität?

    ZITAT:
    “Die Gesamtzahl der Nervenzellen im Gehirn müsste dabei kaum ansteigen, eventuell könnten andere Bereiche dafür ausgedünnt werden, ohne dass die Leistung dadurch beeinträchtigt würde. Um das Gedächtnis zu verbessern und das Lernen zu erleichtern, könnte schon eine Stoffwechselverschiebung in den Zellen des Hippocampus ausreichen.”

    Ich frage mich, ob die Verstärkung gewisser Nervenbündel nicht mit einer verminderten Plastizität einhergehen würde, einfach weil der Anteil an eher statischer Bereiche (Faserbündel) dann mehr Platz ein nähme. Wenn dies tatsächlich auf Kosten der Lernfähigkeit ginge, so würden wir doch gerade die Fähigkeit verlieren, die uns Menschen (aus unserer Sicht!) so einzigartig macht.

    Gruß

  2. Software

    Was, wenn die Evolution vor allem an der Software weiter optimiert?

    Inselbegabungen zeigen ja, was mit der aktuellen Hardware, dem anatomischen Gehirn (oder ist das dort deutlich anders?) möglich ist. Dass dabei Entwicklungsstörungen mit erkennbaren kognitiven Behinderungen zwangsläufig Folge sein müssen, sehe ich nicht ein.

    Funktion ist mehr als nur Leitungsgeschwindigkeit (Laufzeit) und Anzahl parallel laufender Vorgänge. Dies alles spiegelt eher nur die Anatomie unmittelbar wieder. Neue Funktionen, die die alten Aufgaben auch kann aber um weiten performanter ist, entsteht durch bessere Algorithmen. Jetzt hätte ich beinahe “intelligente” Algorithmen geschrieben, aber das wäre eher eine Metapher gewesen.

  3. Teaching old dogs new tricks

    Markus A. Dahlem’s Einwand – besser bedeutet nicht zwingend mehr – steht für mich auch an erster Stelle. Das FOXP2-Gen, auch als “Sprachgen” bekannt, demonstriert das eindrücklich. Ein Defekt im FOXP2-Gen führt zu Bewegungsstörungen der Mund- und Gesichtsmusukulatur und zu begleitenden Grammatik- und Semantik-Störungen und weiteren kognitiven Problemen bei nur geringfügig verminderter grauer Substanz in der Broca-Aearea.

    Eindrücklich auch die superhuman capabilities gewisser Individuen. (übrigens nicht nur bei idiot savants)
    – Es gibt (ansonsten unauffällige) Leute mit perfektem episodischen Gedächtnis, die jeden Tag ihres Lebens in Erinnerung behalten.
    – Es gibt Leute mit eidetischem Gedächtnis (auch photographisches Gedächtnis genannt)
    – Es gibt Personen, die dutzende von Sprachen beherrschten (wie Emil Krebs mit 68 Sprachen)

    Übrigens finde ich es interessant, dass Computer und Menschen in Bezug auf das Verhältnis Teilleistungen zu allgemeiner Intelligenz ähnlich abschneiden. Allgemeine Intelligenz scheint zwischen Individuen (und Computern) weniger stark zu variieren als die Begabung für bestimmte Teilgebiete.
    Auch Computerprogramme können inzwischen verblüffende “intellektuelle” Teilleistungen erbringen, wie die automatische Gesichtserkennung auf menschenähnlichem Niveau. In Bezug auf allgemeine Intelligenz sind heute aber alle Computer gleich: Sie haben überhaupt keine.

  4. @ Grüter

    Wenn es auf die schiere Anzahl der Neurone ankäme, müssten Tiere mit grossen Gehirnen stets “intelligenter” (was immer das ist) sein, als solche mit kleinen. Das sind sie aber nicht.

    Und in unserem eigenen Gehirn ist das Cerebellum – wie oben ja richtig gesagt – zwar die Heimstatt der meisten Nervenzellen, nicht aber die der meisten kognitiven Leistungen (wiewohl es durchaus nicht NICHTS mit der Kognition zu tun hat, bei cerebellären Läsionen ist z.B. das logische Denken, sofern es sich in zeitlich/kausalen Ketten abspielt) betroffen.

    Ein möglicher “Knackpunkt” ist die Interkonnektivität. Bei linear steigender Neuronenzahl steigt die Anzahl der Leitungen, die man braucht, um den Konnektivitätsgrad zu halten, exponentiell.

    Mit blossem Auge kann man das an Walgehirnen, den Grosshirnen speziell, sehen – relativ viel mehr weisse Substanz, relativ dünnere und zellärmere Cortices.

  5. @Tom

    Die Vergrößerung von Nervenbündeln in der weißen Substanz unter der grauen Hirnrinde verbessert die Konnektivität zwischen den Hirnregionen und kann so zu einer schnelleren und genauer dosierten Reaktion in den so verbundenen Nervenzellen führen. Es gibt Arbeiten, die einen direkten Zusammenhang zwischen der Qualität der Verbindungen und dem IQ aufzeigen. Die weiße Substanz muss die graue Substanz dafür nicht unbedingt verdrängen. Schon eine geringe Vergrößerung des Hirndurchmessers würde zu einer deutlichen Volumenvermehrung führen (Beispiel: doppelter Durchmesser bedeutet achtfaches Volumen).

  6. @Markus Dahlem

    Das Gehirn ist -technisch gesehen- ein selbstmodifizierendes neuronales Netz von hoher Komplexität. Es programmiert sich quasi selbst, und ist dabei von den strukturellen Vorgaben und den aktuellen sowie gespeicherten Außenreizen abhängig. Geringe Änderungen in der Struktur können so natürlich gravierende Abweichungen in der Veränderungsdynamik bewirken. Wenn es gelingt, die für eine durchgreifende Verbesserung der Kognition notwendigen Änderungen der Grundstruktur zu identifizieren, dann wäre eine Intelligenzsteigerung vielleicht schon mit minimalen Anpassungen zu erreichen.

  7. @Helmut Wicht

    Die Autorin der unter [1] genannten Arbeit geht tatsächlich davon aus, dass die Anzahl der Neuronen im Großhirn für die Intelligenz entscheidend ist. Nun haben Wale und Elefanten zwar größere und schwerere Gehirne als Menschen, aber vermutlich weniger Neuronen darin. Ich sage vermutlich, weil man sich mit dem Zählen immer noch schwer tut. Trotzdem hast du recht: Tümmler und Elefanten haben zwar nicht ganz so viele Neuronen wie der Mensch, aber doch fast. Beim Menschen sind dafür die Verbindungen im Gehirn ausgeprägter und die Leitungsgeschwindigkeit ist höher. Ob das aber wirklich der entscheidende Unterschied ist, muss wohl erst mal offen bleiben. Die Elstern haben beispielsweise ein Gehirn von 10g Gewicht, können sich aber selbst im Spiegel erkennen, was als Zeichen höherer Intelligenz gilt. Letztlich ist das Phänomen “Intelligenz” immer noch ziemlich geheimnisvoll.
    Wenn man Gehirnareale mit der doppelten Anzahl Nervenzellen ausstattet würden sich die Verbindungsleitungen in der Tat vervierfachen, wenn man jede Zelle mit jeder verbindet. Ich weiß aber nicht, ob das wirklich nötig wäre, um die Verbindungsqualität zu halten. Das müsste man mal Durchrechnen oder simulieren.

  8. @Martin Holzherr

    Der Hinweis auf das FOXP2-Gen ist sicher hilfreich. Wie schon in der Antwort auf Markus Dahlem gesagt: Geringe Änderungen in der Struktur können gewaltige Folgen haben, im Guten wie im Schlechten.

    Computer haben tatsächlich (noch) keine allgemeine Intelligenz. Vielleicht wird es in den nächsten Jahrzehnten irgendwann einmal einen “Menschsimulator” im Computer geben, vielleicht aber auch nicht.

  9. Vielleicht kann aber die Denkgeschwindigkeit und Reaktionszeit noch deutlich verbessert werden. Die Signallaufzeiten in Nerven muss ja nicht viel schneller sein, als die Reaktionszeiten der Muskeln. Bei Computern ist ja die Lichtgeschwindigkeit die Grenze und die sind damit nun mal millionenfach schneller als der Biokrempel.

  10. @Grüter

    “Wenn man Gehirnareale mit der doppelten Anzahl Nervenzellen ausstattet würden sich die Verbindungsleitungen in der Tat vervierfachen, wenn man jede Zelle mit jeder verbindet.”

    Nur eine Kleinigkeit: (n^2-n)/2 ist die (parabolische) Anzahl 2er-Verbindungen.

  11. Die Signallaufzeiten in Nerven muss ja nicht viel schneller sein, als die Reaktionszeiten der Muskeln. Bei Computern ist ja die Lichtgeschwindigkeit die Grenze und die sind damit nun mal millionenfach schneller als der Biokrempel.

    Axone leiten über weite Strecken mit anähernd Lichtgeschwindigkeit, das ist die sog. saltatorische Erregungsleitung.

  12. @Jörg Schütze

    Ich hatte einen etwas anderen Ansatz: Wenn ich zwei Zellpopulationen mit m und n Zellen haben und jede Zelle der Population 1 mit jeder Zelle der Population 2 verbinde, habe ich m*n Verbindungen. Wenn ich die Populationen verdoppele, habe ich also 2n*2m Verbindungen, mithin 4*m*n.
    Wenn ich innerhalb einer Gruppe von n Zellen alle untereinander verbinde, dann komme ich auf Ihre Formel, also n(n-1)/2

  13. @Thomas Grüter, Markus Dahlem

    Die Aussage “wenn man jede Zelle mit jeder verbindet”, hat mich damit wohl erfolgreich auf die falsche Fährte gelockt (hier ein Smiley, der das Auge zukneift).

    Zum Ihrem anderen Ansatz eine Frage (an die Neurophysiologen): Gibt es im Gehirn solche m*n Verknüpfungen verschiedener Zell-Populationen, die aber selbst nicht miteinander verknüpft sind?

    Und dann noch eine Frage: Wie kommt es zu der erstaunlich großen Unsicherheit bei der Abschätzung der Zellen im Großhirn? 11-26 Milliarden – und genauer weiß es noch keiner..

    – Wenn hier nun von Markus der Begriff Software eingeführt wird, dann dürfte einleuchtend sein, daß eine (beliebig modulare) Software, die es mit einer beliebigen Anzahl von Zellen (Objekten) und ihren Verbindungen (Methoden) zu tun hat, mit steigender Anzahl beteiligter Zellen und Verbindungen (Milliarden) fehleranfälliger wird und schließlich mit N Beteiligten eine Grenze erreicht, ab der Optimierung grundsätzlich nicht weiter möglich ist, im Gegenteil beeindruckende Irrationalität die Überhand gewinnt. Mit der menschlichen Intelligenz ist es, glaube ich, auch nicht soweit her, daß man von den Grenzen einer Maximierungstendenz überhaupt sprechen sollte. Der intentionslosen “reinen” Phantas/ie/magorie hingegen scheinen keine Grenzen gesetzt.

  14. Lernen

    Intelligenz ist hauptsächlich das Ergebnis von Lernen und nicht nur von der vorgegebenen Gehirn-Hardware.
    Je mehr Neues man lernt, um so mehr neue Nervenzellen und Verknüpfungen entstehen. D.h. Lernen beeinflusst direkt die Bildung von Hardware.
    Und was Intelligenz ist, hängt deutlich von den äußeren Umständen ab, und wie das verfügbare Wissen dazu passt. Z.B. wer ins Wasser fällt, dem nützt die perfekte Kenntnis von Mathe, Physik, Chemie und Fremdsprachen gar nichts – hier ist es intelligent, wenn man Schwimmen kann.

  15. @Jörg Schütze

    Zur Verbindung von Gehirnzellen: Die meisten Zellen haben direkte Verbindungen mit den unmittelbar umgebenden Zellen. Weite Verbindungen sind deutlich seltener. Jede Nervenzelle hat ein Axon, einen langen Ausläufer, der durchaus in andere Hirnregionen ziehen kann. In der Peripherie können Axone bis zu einem Meter lang werden. Eine Verbindung von allen Zellen einer Region mit allen Zellen einer anderen kommt wohl nicht vor, diese Annahme diente mir zur Abschätzung der maximalen Zunahme von Faserverbindungen bei einer Vergrößerung der Zellzahl.
    Zählen von Nervenzellen: Es gibt sehr verschiedene Nervenzellen und sie liegen in mehreren Schichten unter der Oberfläche des Gehirns. Sie sind nicht überall gleichmäßig eng gepackt, man kann also nicht von einer kleinen Region auf das gesamte Gehirn extrapolieren. Auch liegen nicht alle Zellen des Großhirns auf der Oberfläche der Hemisphären, wie beispielsweise der Thalamus und die Basalganglien, die Kniehöcker etc.

    Das alles macht die Abschätzung der Gesamtzellzahl ausgesprochen schwierig.

  16. Die meisten Zellen haben direkte Verbindungen mit den unmittelbar umgebenden Zellen.

    Dashängt ziemlich davon ab was man mit unmittelbar umgebend meint und welche Art von Nervenzellen man meint. Die meisten Pyramidenzellen haben keine Verbindung mit den Pyramidenzellen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, weil das dann ja zu positiven Feedbackschleifen und Überschießender Erregung führen würde.

  17. Basis:
    Als Informationsträger kann man das Meme ähnlich behandeln wie ein Gen. Wenn die Anatomie des Gehirns mit der Intelligenz korreliert kann, ist Sie abhängig von Genen+Umwelteinflüssen.
    Hypothese:
    Meme haben massiven Einfluss auf die Intelligenz. Dementsprechend ist es nur sehr schwer abzuschätzen, ob uns andere Meme in Zukunft intelligenter machen.
    Empirie:
    1. Zahl jüdischer Nobelpreisträger und überproportionale Präsenz in anderen Intelligenzgruppen.
    2. Menschen heute intelligenter als Menschen früher. Allgemein geläufige Begründung ist die Änderung der Arbeit, Bildung etc. –> Änderung von Memen

  18. @dagda

    Wie Sie schon ganz richtig erkannt haben, sind nicht exzitatorische Synapsen zwischen benachbarten Pyramidenzellen gemeint. Vielmehr bilden Gruppen von benachbarten Nervenzellen eine anatomische und funktionelle Einheit, eine sogenannte kortikale Säule. Sie ist nach außen wohl nicht vollständig abgeschlossen und eventuell überlappen sich benachbarte Säulen, aber in jedem Fall arbeiten benachbarte Zellen eng zusammen. Es gibt eine ganze Reihe von Veröffentlichungen dazu, zum Beispiel Stoop RL et al: Cortical columns for quick brains. Das Manuskript der Arbeit ist bei Arxiv hinterlegt.

  19. @Anton Maier

    Meme sind selbst-reproduzierende Informationseinheiten. Das können religiöse oder ideologische Inhalte des Typs “Verbreite mich weiter und es wird dir gut gehen” sein, oder aber simple Gerüchte.
    Ich sehe aber nicht, wie sie das Gehirn intelligenter machen. Es könnte allenfalls sein, dass intelligentere Gehirne sich komplexere Meme merken können, womit auch solche Meme bessere Chancen für eine Weiterverbreitung erhalten.

  20. @ Thomas Grüter
    Ich kann hier gerade das pdf nicht öffnen (das liegt an meinem Laptop).
    Das gilt dann aber nur für den Neokortex und hängt auch da davon ab wie man Nachbarschaft meint. Naja mein Kommentar war schon sehr haarspalterisch.

  21. @ Grüter – Strippenproblem

    Ich denke, dass n(n-1)/2 das “Strippenproblem” der vollständigen Verkabelung von n Neuronen um 50% unterschätzt. Die neuronalen “Kabel” (Axone) leiten nur in einer Richtung, man müsste also zwischen 2 Neuronen schon 2, zwischen drei Neuronen 6 (usw.) Strippen ziehen, um “alles mir allem” zu verbinden. Also n(n-1).

  22. @Helmut Wicht

    Es ist wohl nicht ohne tiefergehende Forschungen zu klären, um wieviele Axone ein Nervenfaserbündel zunehmen müsste, wenn die Nerven-Populationen, die es verbindet, vergrößert werden. Wir können beispielsweise nicht davon ausgehen, dass alle Faserbündel Informationen in beide Richtungen gleichermaßen leiten (Beispiel: Sehstrahlung). Jeder Nerv hat normalerweise nur ein Axon, das wiederum einen oder mehrere Endknöpfe hat. Es kann sogar einen Baum von Endverzweigungen haben (Telodendron). Durch das Faserbündel würde aber trotz der vielfachen Endverzweigungen nur eine Axonfaser laufen. Deshalb gehe ich davon aus, dass der Durchmesser von Faserbündeln nicht übermäßig ansteigen muss, um eine effektive Verbindung auch bei vergrößerten Neuronenpopulationen zu gewährleisten. Ich denke, dass dieser Faktor den Zuwachs von Intelligenz nicht wirksam begrenzen kann.

  23. @Thomas Grüter

    Man merkt ihnen an, dass Sie in einer anderen Welt sozialisiert wurden. Sie haben Vorstellungen von Memen, die besser zur klassischen Sichtweise von Geist/Materie Dualismus passen. Sie benutzen die richtigen Wörter aber hinter den Wörtern greifen die Konzepte anders ineinander als nach heutigem Kenntnisstand. Das ist so ähnlich wie mit der Diskussion um den Determinismus und den freien Willen. Die Leute benutzen zwar die richtigen Wörter aber die Konzepte greifen unlogisch ineinander…

  24. @Anton Maier

    Lieber Herr Maier, wenn Sie sich missverstanden fühlen, steht es Ihnen frei, das auszuräumen, auch mit ausführlichen Erklärungen oder Links. Persönliche Angriffe wollen Sie aber bitte unterlassen.

  25. Grenzen der Intelligenz

    Für mich gibt es zwei evolutionäre Prinzipien: den der maximalen individuellen Intelligenz (wie hier beschrieben) und das der “Sozialen Intelligenz” staatenbildender Tiere wie Ameisen oder Bienen oder auch bei den Primaten, wo das Individuum wenig Intelligenz, erst im Zusammenspiel in einer Gruppe erhält.

    Die maximal mögliche Intelligenz des Menschen sehe ich im Zusammenspiel beider Prinzipien. “Ausbaufähig” ist hier besonders das letztere, durch eine Kumulierung des Wissens der einzelnen plus vorangegangener Individuen, verstärkt durch eine möglichst große Divergenz. Eine variationsreiche, umfangreiche Bevölkerungspopulation ist hier in erster Linie eine Chance und keine Gefahr.

  26. Ich denke es kommt vor allem auch darauf an in welcher Reihenfolge unser Hirn Informationen aufnimmt. Da spielen denke ich schon die aller ersten Erfahrungen eine Rolle. Gewinnen tut dabei wohl die beste Struktur, wie nimmt der Menschliche Geist das auf was an Information rein kommt. Je besser das Gehirn von Anfang an strukturiert wurde und je besser dessen Anlagen sind desto effizienter kann es damit umgehen.
    Vielleicht kann jemand den Gedanken nachvollziehen und seine Meinung/Kritik dazu äußern.

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