Der unbewohnbare Planet

Wird die Erde für Menschen unbewohnbar, wenn wir den Klimawandel nicht entschlossen eindämmen? Ein Artikel des Journalisten David Wallace-Wells im New York Magazine prophezeit die Klimaapokalypse und beschwört Bilder aus der Hölle herauf.

Wenn man dem Autor schenken darf, dann stehen uns finstere Zeiten bevor, falls wir nicht sofort entschlossen handeln. Einige heute dicht besiedelte Gebiete werden unter tödlichen Hitzewellen leiden, die Luft wird sich mit Ozon aufladen, die Getreideernten werden einbrechen, Kriege werden die Welt überziehen, und neue gefährliche Krankheiten werden die Menschheit dezimieren. Beim Lesen vermeint man den Hufschlag der apokalyptischen Reiter zu vernehmen. Werden die Menschen am Ende zum letzten Opfer des Massensterbens, das sie selber ausgelöst haben?

Wallace-Wells ist Journalist, kein Wissenschafter. Für seinen Artikel hat die Forschungsergebnisse der letzten Jahre recherchiert und eine Reihe von führenden Wissenschaftlern interviewt. Daraus hat er dann ein Untergangsszenario in neun Akten destilliert. Aber darf man das alles so unbesehen glauben?

Nun bin ich kein Klimaforscher, sondern Mediziner. Inwieweit also die Diskussion um die Klimaentwicklung richtig wiedergegeben ist, vermag ich nicht zu sagen. In den Kapiteln „Klima-Seuchen“ und „Nicht atembare Luft“ befasst sich der Artikel aber mit den Folgen des Klimawandels auf die Gesundheit. Bei diesen Themen leistet der Autor sich allerdings gravierende Fehler.

Was falsch ist

Im Abschnitt „Klima-Seuchen“ steht:

„Es gibt heute, im Eis eingeschlossen, Krankheiten, die in Millionen von Jahren nicht in die Luft gelangt sind – in einigen Fällen so lange, dass Menschen nie mit ihnen konfrontiert waren. Was bedeutet, dass unser Immunsystem keine Ahnung hätte, es sie bekämpfen soll, wenn solche vorzeitlichen Seuchen aus dem Eis auftauchen.“

Klingt irgendwie logisch, ist aber falsch. Das menschliche Immunsystem muss ständig mit Krankheitserregern fertig werden, die es nicht kennt. Antikörper vererben sich nicht. Und heute haben wir ganz andere Möglichkeiten zur Eindämmung von Seuchen, als unsere Vorfahren noch vor hundert Jahren hatten.

Heutige Bakterien sind eher gefährlicher als ihre Vorfahren, die seit Tausenden von Jahren im Kälteschlaf liegen. Sie sind abgehärtet gegen unsere Antibiotika, die es in vorgeschichtlicher Zeit noch nicht gab, und die den aufgetauten Steinzeitbazillen vermutlich gehörige Probleme bereiten werden.

Und selbst wenn die alten Menschheitsgeißeln Pocken und Pest im Permafrost erhalten sind, muss uns das nicht übermäßig beunruhigen. Die Pest ist beispielsweise in Indien und in einigen amerikanischen Bundesstaaten nach wie vor endemisch (also heimisch) – und durchaus behandelbar. Gegen die Pocken halten die meisten Staaten nach wie vor Impfstoffe vor. Vorsicht ist natürlich immer geboten. So könnten sich im Zuge der globalen Erwärmung Tropenkrankheiten auf den Weg über die Alpen machen.

Aber vor prähistorischen Killerbakterien muss niemand Angst haben.

Der gesamte Abschnitt „Nicht atembare Luft“ ist ein Sammelsurium von missverständlichen oder falschen Behauptungen. Einige Beispiele:

„Andere Sachen in der heißen Luft sind sogar noch erschreckender, schon ein geringer Anstieg der Verschmutzung kann die Lebensspanne um zehn Jahre verkürzen.“

Der Autor bezieht sich auf dieses Paper von Mikael Skou Andersen der Universität Aarhues. Nur hat er da einiges missverstanden. Tatsächlich sagt der Autor, dass ein Anstieg der jährlichen Feinstaubbelastung um 10 µg/m³ die Mortalität um 6% erhöht. Daraus und aus einigen anderen Daten schließt der Autor, dass diejenigen, die an einer durch Feinstaub bedingten Erkrankung sterben, im Durchschnitt 9 – 11 Lebensjahre verlieren. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Opfer eines Verkehrsunfalls verliert 35 – 40 Jahre. Weil aber nur relativ wenige Menschen an Feinstaub oder Verkehrsunfällen sterben, sind die Auswirkungen auf die allgemeine Lebenserwartung vergleichsweise gering.

„Je wärmer der Planet wird, desto mehr Ozon bildet sich und bis zur Mitte des Jahrhunderts werden die Amerikaner wahrscheinlich unter einem Anstieg des Ozonsmogs um 70% leiden.“

Auch das ist so nicht richtig. Zur Begründung möchte ich etwas ausholen:

Die unsaubere Verbrennung von Kohle, Öl oder Benzin erzeugt neben CO2 auch CO, Feinstaub, Ruß, NOx und SOx. SOx steht für SO2 und SO3, Schwefeldioxid und Schwefeltrioxid. Zusammen mit Wasser verwandeln sie sich in stark ätzende Schwefelsäure. NOx steht für Stickstoffoxide (auch Stickoxide oder Nitrosegase genannt), von denen es eine ganze Reihe gibt. Die wichtigsten sind NO, NO2 und N2O (Lachgas). Das braun erscheinende NO2 reizt die Lunge, NO erzeugt unter Sonnenlichteinwirkung Ozon, N2O ist ein starkes Treibhausgas. Bei ungünstiger Wetterlage reichern sich die Gase und Feinstäube in der Atemluft an. Die dadurch entstehende grau-braune und krank machende Dunstglocke nennt man Smog.

Gleichzeitig erzeugt die Verbrennung fossiler Brennstoffe auch CO2, das den Treibhauseffekt verstärkt. Treibhauseffekt und Smog haben also eine Ursache gemeinsam. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass der Treibhauseffekt für Smog verantwortlich ist. Jetzt zurück zu der Behauptung:

Je wärmer der Planet wird, desto mehr Ozon entsteht …“. So einfach ist das eben nicht, denn Ozon bildet sich auch in warmer Luft nur dann in großen Mengen, wenn die Luft zugleich mit NOX und Feinstaub durchsetzt ist, also bei hoher Luftverschmutzung. Wenn man den Schadstoffausstoß bekämpft, gehen auch die Ozon-Werte zurück, selbst wenn die Luft wärmer wird. So steht das auch in dem Paper, auf das der Autor sich bezieht. Und noch eine zweifelhafte Aussage:

„Im letzten Monat zeigte ein Paper, dass (unter anderen Auswirkungen) eine Ozon-Belastung schwangerer Frauen die Wahrscheinlichkeit steigert, dass das ungeborene Kind Autismus entwickelt (bis zu zehnfach in Verbindung mit anderen Faktoren).“

Die Arbeit ist nicht öffentlich zugänglich, aber schon nach der Lektüre des Abstracts habe ich – um es vornehm ausdrücken – erhebliche Zweifel an der Aussagekraft. In den vergangenen Jahren wurden alle möglichen genetischen Veränderungen und Umweltfaktoren für die Entstehung von Autismus verantwortlich gemacht, aber bisher gilt keine einzige Ursache als gesichert.

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn der Autor einen Mediziner um Rat gefragt hätte, bevor er den Artikel eingereicht hat.

Was richtig ist

Viele Gefahren, die der Artikel erwähnt, sind sehr real. In einigen dicht besiedelten Gebieten werden schon in fünfzig Jahren tödliche Hitzewellen auftreten. Menschen müssen ihre Körpertemperatur bei 37 °C halten, sonst entgleist der Kreislauf. Wenn die Zusammenwirkung von Hitze und Feuchtigkeit diese Regulation aushebelt, sterben Menschen und viele Säugetiere schon nach wenigen Stunden. Städten wie Kinshasa (Kongo), Lagos (Nigeria) oder Kalkutta (Indien) drohen dann katastrophale Massensterben.

Es ist auch richtig, dass der Ozean wärmer und saurer wird. Die meisten (aber nicht alle) Korallenbänke werden in den nächsten Jahrzehnten sterben. Gleichzeitig steigt die Gefahr, dass sich sauerstoffarme Zonen immer mehr ausbreiten. Sie sind das marine Äquivalent lebensfeindlicher Wüsten. Fische und viele andere Meerestiere würden dort ersticken.

Viele Forscher rechnen auch damit, dass die Ernten für Grundnahrungsmittel zurückgehen, wenn sich die Klimazonen verschieben und die Bodenerosion zunimmt. Zwei Missernten hintereinander würden aber schon reichen, um die Reserven an Weizen oder Reis komplett aufzubrauchen. Gleichzeitig muss die Ernte immer mehr Menschen ernähren. Die Wahrscheinlichkeit globaler Hungersnöte steigt deshalb ständig.

Was unklar bleibt

Ob heißeres Klima – wie der Artikel nahelegt – zu mehr Kriegen führt, ist umstritten und nicht nachweisbar. Wie sollen wir wissen, ob eine kühlere Welt friedlicher bliebe? Weiterhin schreibt Wallace-Wells: „Jedes °Grad Celsius Erwärmung kostet durchschnittlich 1,2% des Bruttoinlandsprodukts“, und prophezeit, dass die Einkommen bis 2100 weltweit um 23% abnehmen, wenn der Klimawandel nicht eingedämmt werde. Auch wenn diese Zahl auf ein Paper im renommierten Journal Nature zurückgeht: Die Vorhersage langfristiger wirtschaftlicher Entwicklungen ist nicht zuverlässiger als ein Blick in die Kristallkugel oder die Beobachtung des Vogelflugs.

Der Sinn drastischer Warnungen

Der Artikel bescherte dem New York Magazine maximale Aufmerksamkeit und wurde bereits 2 Tage nach Erscheinen mit einen eigenen Wikipedia-Eintrag geehrt. Die meisten Klimaforscher waren allerdings nicht besonders glücklich damit, wie die Süddeutsche Zeitung herausfand. Das Internet-Portal Climatefeedback.org hat hier einige Stellungnahmen gesammelt. Von den offensichtlichen Fehlern des Artikels einmal abgesehen: Macht es überhaupt Sinn, den Menschen die gefährlichen Folgen des Klimawandels derart heftig um die Ohren zu schlagen? Hören Sie dann nicht einfach weg, oder verfallen in Fatalismus? Sollte man als Wissenschaftler nicht eher vorsichtig argumentieren, etwa nach der Devise: „Ja, es könnten deutliche Veränderungen auf uns zukommen, aber das Klimasystem ist so komplex, dass genaue Vorhersagen schwierig sind. Aber natürlich befürworten wir, es nicht darauf ankommen zu lassen, sondern rechtzeitig vorzusorgen und den Ausstoß von Klimagasen zu reduzieren, und zwar besser jetzt als später. Das Pariser Klimaabkommen ist ein brauchbarer Startpunkt, es müsste aber nachbessert werden.“

Aus medizinischer Sicht möchte ich anders argumentieren. Wie jeder Arzt habe ich endlos vielen Patienten nahegelegt, ihr Übergewicht zu bekämpfen, das Rauchen einzustellen, mehr Sport zu treiben, oder ihren Hochdruck zu bekämpfen. Aber im Grunde kann ich reden wie ich will, nichts hilft.

Meist bringt erst ein deutlicher Warnschuss – z. B. ein Herzinfarkt oder eine beginnende COPD – die Menschen zum Umdenken und bewegt sie zur Änderung ihrer Lebensweise. Dazu müssen sie aber wissen, wie schlimm ihre Krankheit noch werden kann.

Wenn man diese Erkenntnis auf die Klimadiskussion überträgt, wird die Menschheit wohl erst zu Vernunft kommen, wenn die ersten gefährlichen Anzeichen einer kommenden Katastrophe eingetreten sind. Das könnte eine weltweite Hungersnot sein, eine Hitzewelle mit hunderttausenden Toten oder ein Austrocknen des Amazonasbeckens. Sollte ein solches Ereignis eintreten, müssen sich die Menschen aber bereits darüber im Klaren sein, dass es jederzeit noch schlimmer kommen kann. Nur dann hätten drastische, teure und schmerzhafte Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels Chancen auf weltweite Mehrheiten.

Fazit

Drastische Warnungen machen Sinn. Sie sollten allerdings sachlich richtig sein. Und die Menschheit wird erst dann darauf reagieren, wenn die erste Katastrophe bereits eingetreten ist. Hoffen wir, dass es dann noch nicht zu spät ist.

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

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  1. Katastrophenszenarien, die wissenschaftlich begründet daherkommen, sollten gut durch Fakten, Recherchen und Modelle abgedeckt sein. Das fehlt wohl teilweise bei David Wallace-Wells Artikel, zudem nimmt er unrealistische Extremszenarien an was z.B. die Erwärmung angeht (+7°). Für die Zeit bis 2100 ist bei Klimaschutzmassnahmen wie bisher dagegen folgendes realistisch : 0.16 Celsius Temperaturanstieg pro Jahrzehnt mit 2 bis 3 Celsius Anstieg bis 2100 gegenüber vorindustriell und einem 100-Jahre Meeresspiegelanstieg von 50 bis 150 cm. Mehr und längere Hitzewellen und einzelne klimatisch stark verschlechterte Regionen in Teilen von Südasien, Südamerika, Afrika und dem Pazifik (Indonesien, Philippinen) sind auch zu erwarten. Der Süden wird also leiden, der Norden potenziell profitieren, wenn er auch mit vermehrter Immigration rechnen muss.
    Diese eben aufgestellten realistischen Annahmen bei mässigen Klimaschutzbemühungen machen viele Aussagen Wallace unwahrscheinlich bis unsinnig, z.B. folgende Wallace-Aussage: “Which means that if the planet is five degrees warmer at the end of the century, we may have as many as 50 percent more people to feed and 50 percent less grain to give them.” 5 Grad Erwärmung bis 2100 erwartet eigentlich niemand, schon 3 Grad wären über Erwarten viel. Das Zitat zeigt auch das statische Denken von Wallace, denn die Getreideanbaugebiete werden mit Sicherheit verlagert, wenn die heutigen Anbaugebiete leiden und seine Aussage (Zitat)“yields in places like remote Canada and Russia are limited by the quality of soil there” nehmen den schlimmstmöglichen Fall an, denn Kanadas Anbaugebiet ist im Süden Kanadas und nicht “remote”. Ebenso muss die Verschmutzung oder der Ozongehalt der Luft mit steigenden Temperaturen nicht ansteigen – wie Thomas Grüter schon erwähnt hat -, denn das hängt ja von der primären Verschmutzung der Luft ab und die primäre Verschmutzung kann in städtischen Gebieten in naher Zukunft durchaus sinken, hat doch z.B. Indien geplant, ab 2030 nur noch Elektroautos zuzulassen. Hier zeigt Wallace wiederum statisches Denken: Er verlängert heutige Zustände (Anbaugebiete von Getreide oder die Verschmutzung) bis ins Jahr 2100 und addiert noch die Erwärmung dazu, so als wäre die Menschheit eine Ansammlung von Idioten.

    Und hier nun die aus meinen Augen wahrscheinlichsten Folgen des Klimawandels:
    Im Jahr 2100
    – werden viele südliche, äquatorial gelegene Länder für die Landwirtschaft und das Wohlbefinden deutlich schlechtere Klimata haben als heute
    – wird Auswanderung aus einzelnen klimatisch kritischen Regionen häufig sein
    – langanhaltende Hitzewellen und Dürren, aber auch Fluten das Leben immer wieder unterbrechen mit negativen Folgen für die Produktivität, für Gesundheit und Wohlbefinden
    – grosse Regionen noch weit mehr von Nahrungsmittelimporten angewiesen sein als heute
    – der Meeresspiegelanstieg vielen Grossstädten ernsthafte Probleme machen und sie vor die Alternative teure Wasserschutzbauten oder Aufgabe von Stadtvierteln stellen

    Insgesamt wird aber der Wohlstand in den Entwicklungsländern im Jahr 2100 deutlich höher sein als heute, was aber auch den Land-, Ressourcen- und Nahrungsmittelbedarf weltweit deutlich erhöht. Länder wie Bangladesh mit heute 1000, im Jahr 2050 gar 1500 Menschen auf einen Quadratkilometer werden wegen dem erhöhten Landbedarf der dann wohlhabenderen Einwohner ab der Jahrhunderthälfte aus allen Nähten platzen. Zugleich wird sich das Klima Bangladesh’s verschlechtern. Es wird viele Gründe für Bangladesher, aber auch für Inder geben, auszuwandern. Ähnliches gilt für weite Teile Afrikas.

    Meine Behauptung bezüglich Klimawandel ist folgende: Wir wissen über den zu erwartenden Temperatur- und Meeresspiegelanstieg im 21. Jahrhundert schon recht viel und können auch die Auswirkungen auf die zukünftige Landwirtschaft (mehr Lebensmittelhandel) und den Migrationsdruck (er nimmt zu) abschätzen. Im schlimmsten Fall könnten grössere Regionen unter einer so starken Klimaverschlechterung leiden, dass dies schicksalhafte Folgen für die dortige Bevölkerung haben wird. Es wird aber auch flächenmässig grosse Regionen geben, die keine klimatischen Verschlechterungen erfahren werden. Die Bemühungen um mehr Klimaschutz werden aufgrund dieser Erfahrungen zunehmen.

  2. David Wallace-Wells Artikel ist voller Katastrophismus – und voller Katastrophismen schon in den Untertiteln: ” ‘Doomsday’ , Heat Death, The End of Food, Climate Plagues, Unbreathable Air, Perpetual War, Permanent Economic Collapse , Poisoned Oceans, The Great Filter (Civilizations rise, but there’s an environmental filter that causes them to die off again and disappear fairly quickly), “
    Doch der Leser sollte sich schon bewusst sein, dass David Wallace-Wells immer davon ausgeht, dass die Temperaturen bis 2100 durchschnittlich um mindestens 4° Celsius gegenüber vorindustriell steigen. 4° Celsius Anstieg erwartet das IPCC bei Buisness As Usual (BAU). Dieses BAU-Szenario geht von überhaupt keinen Klimaschutzbemühungen und stetig steigenden CO2-Emissionen aus. Doch einen Trend zu weniger Emissionen oder mindestens einem verlangsamten Anstieg der CO2-Emissionen gibt es bereits und alle rechnen eigentlich damit, dass in Zukunft zwar immer noch viel CO2 emittiert wird, die Emissionen global aber bald schon nicht mehr weiter steigen, wobei die ansteigenden Emissionen der Entwicklungsländer durch die fallenden Emissionen der Industrieländer kompensiert werden.
    Einige Textstellen in David Wallace-Wells Artikel gehen sogar von mehr als 4° Celsius Temperaturanstieg aus und der Leser weiss schliesslich nicht, bei welchen Temperaturen die von Wallace plastisch ausgemalten Katastrophen zu erwarten sind. Das scheint mir etwas unseriös. Damit ist dann auch die an und für sich spekulative Aussage “Es gibt eine 12-prozentige Chance, dass der Klimawandel die weltweite Produktion um mehr als 50 Prozent bis 2100 reduzieren wird, sagen sie, und eine Chance von 51 Prozent, dass sie das Pro-Kopf-BIP um 20 Prozent oder mehr sinken wird, wenn die Emissionen nicht zurückgehen.” noch einmal viel spekulativer, denn es macht einen grossen Unterschied aus ob die Temperaturen um 4 oder nur um 2.8° Celsius (bei Einhaltung von “Paris”) steigen. “Emissionen zurückgehen” ist ebenfalls sehr ungenau. Das IPCC-BAU-Szenario geht von ungebremst steigenden Emissionen aus. Nur schon wenn die Emissionen stagnieren (also zwar nicht sinken, aber auch nicht steigen), landen wir bei ganz anderen Oberflächentemperaturen im Jahre 2100. Und ebenfalls wichtig: Zwar wird der Süden durch die Erwärmung vor allem getroffen, doch die Temperaturen steigen im Norden viel stärker an (was dem Norden bezüglich Landwirtschaft und Wohlbefinden der dort lebenden Menschen aber nicht schadet). Bei 3° Celsius Temperaturanstieg global kann der Anstieg äquatornah durchaus bei “nur” 1.5°C liegen. Noch etwas: Steigender Wohlstand gibt den Bürgern auch mehr Mittel für persönlichen und beruflichen Klimaschutz in Form von Klimaanlagen, klimaangepasster Infratsstruktur, etc. Wenn es nicht so wäre, wäre Saudi-Arabien nichts anderes als ein grosses Wüstenkaff.

    Aber: Tatsächlich könnte sich David Wallace-Wells apokalyptische Klimavision bewahrheiten, wenn es überhaupt keinen Ersatz für die fossilen Energien gäbe oder die fossilen Energien die Zukunft wieder dominieren würden. Insoweit ist sein Artikel doch nicht völlig unrealistisch – mindestens was einige Punkte angeht (diejenigen, die von Thomas Grüter nicht schon “demontiert” wurden).

  3. Gegen die Kriegsthese spricht, daß Kriege eher in Phasen stattfinden, wo schlecht verteilte Ressourcenüberhänge vorliegen.
    Auch sind Kriege fast nie von Dauer, der klimabedingte Krieg hätte ein Merkmal, daß ihn von bisherigen Kriegen unterschiede- der Grund für den Krieg liegt danach immer noch vor, weil der Klimawandel ja nicht einfach aufgehört hat.
    Auch politische Aspekte werden dabei ignoriert, wie der Umstand, daß sich die Haltung zum Krieg immer mehr verändert.
    Darüberhinaus greift es zu kurz, den status quo einfach weiter vorrauszusetzen und die Folgen des KW auf die heute herrschenden Machtverhältnisse umzurechnen.
    Der KW könnte eine massive Umwälzung der globalen Machtstrukturen begünstigen oder sogar auslösen. Für die ärmeren Länder ist er eine riesige Chance, nichts weniger zu versuchen als die Wachablösung des Westens, indem man nicht mehr versucht, ihn zu kopieren, sondern ökologisch voranzuschreiten.
    Während man im Westen immer noch glaubt, in der rückständigen Digitalisierung läge der Schlüssel zur Zukunft, ist es nur eine Frage der Zeit, bis einige ärmere Regionen erkennen, daß es tatsächlich die ökologische Umgestaltung ist, die mit über die zukünftige Verteilung von Macht und Ressourcen entscheidet.

    • Die ärmeren Länder haben weniger Optionen als wir. Die Energiekosten machen in industrialisierten Ländern nur wenige Prozent des BIP aus, in Entwicklungsländern aber fehlt oft das Geld nur schon für ein zuverlässiges Elektrizitätsnetz. Die Aussage: “ist es nur eine Frage der Zeit, bis einige ärmere Regionen erkennen, daß es tatsächlich die ökologische Umgestaltung ist, die mit über die zukünftige Verteilung von Macht und Ressourcen entscheidet.” vekennt 1) die Möglichkeiten der ärmeren Länder und 2) die Bedeutung der Energie, denn Energie, z.B. Strom ist zwar die Voraussetzung für Vieles, aber der Wohlstand und auch die Macht beginnt erst, wenn eine Grundversorgung mit Energie gewährleistet ist.
      In Wirklichkeit sind die ärmeren Länder auf die Hilfe der Reicheren angewiesen, beispielsweise indem die Reichen ihnen Arbeit und damit Verdienst ermöglichen, Verdienst mit dem sie dann ihre eigene Infrastruktur – unter anderem Energieinfrastruktur -, aufbauen können. Der Ausdruck “ökologische Umgestaltung” passt sowieso besser zu Deutschland als etwa zu Niger. Denn Niger muss wenig umgestalten, es muss vielmehr zuerst einmal aufbauen. Wie es das macht und welche Technologien es dazu einsetzt hängt von den Umständen und Möglichkeiten ab und weniger vom Willen und bewussten Entscheidungen des Landes.

  4. Thomas Grüter spricht mit folgendem Satz – unter anderem – das Attributierungsproblem (was kann dem Klimawandel zugeschrieben werden, was nicht) an (Zitat):“Einige heute dicht besiedelte Gebiete werden unter tödlichen Hitzewellen leiden, die Luft wird sich mit Ozon aufladen, die Getreideernten werden einbrechen, Kriege werden die Welt überziehen, und neue gefährliche Krankheiten werden die Menschheit dezimieren. “
    David Wallace-Wells macht mit der Zuschreibung an den Klimawandel als Ursache von Hunger, Krieg, wirtschaftlichem und schliesslich Menscheits-Niedergang (‘Doomsday’) nur das in hochkonzentrierter Form, was Besucher von Wissenschaftsportalen jeden Tag zu Gesicht bekommen. Heute, am 02.08.2017 lese ich beispielsweise im Artikel Global warming reduces protein in key crops: study: “Steigende Kohlendioxid-Pegel, die mit der globalen Erwärmung einhergehen, werden die Protein-Menge in Getreiden wie Reis und Weizen drastisch reduzieren, so dass gefährdete Bevölkerungsgruppen von Wachstums-Stillstand und frühen Tod gefährdet sind, warnten Experten am Mittwoch”
    David Wallace-Wells bringt Aussagen der obigen Qualität in seinem ‘Doomsday’-Artikel am Laufmeter, wozu ich einige Beispiele geben möchte:
    David Wallace zu Krankheit+Klimawandel: Malaria zum Beispiel gedeiht in heißeren Gebieten nicht nur, weil Malaria-Mücken dies tun, sondern auch weil für jeden Grad Temperaturerhöhung der Parasit zehnmal schneller reproduziert wird. Die Weltbank schätzt, dass bis 2050 5,2 Milliarden Menschen damit rechnen müssen (durch Malaria gefährdet sind).
    David Wallace zu Gesundheit und Klimawandel Unsere Lungen brauchen Sauerstoff, aber das ist nur ein Teil dessen, was wir atmen. Der Anteil des Kohlendioxids wächst: Es hat gerade 400 Teile pro Million überschritten, und High-End-Schätzungen, die aus den aktuellen Trends extrapolieren, deuten darauf hin, dass es bis 2100 auf 1000 ppm zunehmen wird. In dieser Konzentration sinkt die menschliche kognitive Fähigkeit um 21 Prozent im Vergleich zu der Luft, die wir jetzt atmen,
    David Wallace zu Luftverschmutzung und Klimawandel Bis 2090 werden 2 Milliarden Menschen weltweit Luft mit mehr Ozon einatmen als gemäss WHO als “sicher” gilt.
    David Wallace zu Krieg und Klimawandel Für jeden halben Grad Anstieg der Temperatur, sagen sie, werden Gesellschaften eine 10 bis 20 prozentige Erhöhung der Wahrscheinlichkeit von bewaffneten Konflikten erleben.

    Es gibt noch viel mehr derartige Aussagen. Aussagen, die zusammengenommen tatsächlich zum Schluss führen, dass die ganze Menschheit dem Tode geweiht ist und der Jüngste Tag – wie im ersten Untertitel angekündigt – bevorsteht. Und das wissenschaftlich abgesichert.

    Für sehr viele der prognostizierten biblischen Plagen, die uns der Klimawandel bescheren soll, gibt es allerdings ein ganzes Bouquet von Faktoren wovon der Klimawandel nur einer ist. Nach Lesen hunderter solcher Aussagen bin ich selbst zum Schluss gekommen, dass etwa 90% der uns angedrohten Gefahren durch den Klimawandel, bereits heute von Organisationen und Regierungen angegangen werden und nur völlige Inaktivität und völliges Fehlen von Mensch, Regierung, Wissenschaft und Technik überhaupt zu den angedrohten apokalyptischen Zuständen führen kann.
    Beispiel: Eine Zunahme von Malaria durch den Klimawandel muss es überhaupt nicht geben – zumal wir heute die wissenschaftlich/technischen Mittel haben diese Krankheit stark einzudämmen indem wir etwa die Malaria übertragenden Mücken stark reduzieren (neu mit Genmanipulation anstatt mit Insektiziden).
    Deshalb bin ich selber zum Schluss gekommen, dass zunehmender Wohlstand und damit einhergender wissenschaftlicher, technischer und gesundheitlicher Fortschritt für das Schicksal der Ärmsten und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ärmsten wichtiger ist als alles andere. Der Klimawandel wird umso schlimmere Auswirkungen haben, je ärmer die betroffene Bevölkerung ist. Wirklich katatstrophal bis fatal wäre der Klimawandel dann, wenn er das Wirtschaftswachstum abwürgen würde, denn dann wären die Menschen hilf- und schutzlos den Elementen ausgefliefert.
    Letztlich muss die Menschheit aber von CO2-Emissionen vollkommen wegkommen, denn irgendwann werden die Folgen eines CO2-Anstiegs wirklich unbeherrschar – sogar für fortgeschrittene Technologie und unbeschränkte Flexibilität der Kulturen und Zivilsationen, die etwa nötig wären, wenn Milliarden umgesiedelt werden müssten.

    • Ergänzung zum Thema
      Bessere Technologie als Antwort auf den Klimawandel
      Kanadas Getreidegürtel im Süden des Landes hat folgende Nachteile/Unterschiede verglichen etwa mit Illinois im Korngürtel der USA: 1)Die Wachstumsperiode ist um 52 Tage kürzer
      2) nur 1/2 des Niederschlags in Saskatchewan verglichen mit Illinois
      3) Sehr kalte Winter
      zu 1) Eine kürzere Wachstumsperiode braucht schneller wachsendes Getreide (Zitat)“Monsanto, DuPont und Croplan Genetics verkürzen kontinuierlich die Reifezeit von Feldgetreide, was eine kontinuierliche Ausdehnung des traditionellen Korngürtels ermöglicht.”
      zu 2) Der Klimawandel selbst wird zu mehr Niederschlägen in Alberta (kanadische Provinz) führen und zu günstigeren Temperaturen für den Getreideanbau
      zu 3) Kalte Winter in Kanada erledigen Parasiten. Viele Insekten überleben kanadische Winter nicht, ein natürlicher Vorteil für Kanada.

      Droht uns ein Nahrungsmangel infolge Klimawandel und Bevölkerungswachstum?
      Nein. Tatsache ist, dass heute Nahrungsmittel nur angebaut werden, wenn es einen Käufer dafür gibt (war aber wohl immer so). Nicht Land ist der limitierende Faktor für die moderne Landwirtschaft sondern Kaufkraft. Mit zunehmendem Wohlstand wird es weniger Hungernde geben, weil genau das angebaut wird, was sich am Markt absetzen lässt.
      Die Pläne gewisser “Grüner” allen oder fast allen von Autos konsumierten Treibstoff über Energiepflanzen bereitzustellen könnte tatsächlich realisiert werden, wenn es genügend zahlende Kunden (Regierungen?) gäbe. Allerdings wäre das eine gewaltige Verschwendung von Land.

      Der Klimawandel kann die Ernährung nur gefähren, wenn er ganze Ernten vernichtet. Und das wiederum ist unwahrscheinlich, wenn die Anbaugebiete weltweit breit verteilt sind (Russland, Kanada, nördliches Amerika). Allerdings nimmt mit dem Klimawandel und der damit einhergehenden Zunahme von Extremwettern die Wahrscheinlichkeit für Ernteausfälle zu.

      • Ergänzung zum Getreideanbau in Kanada – Alberta um genauer zu sein. Man liest unter The Potential for Grain Corn in Alberta folgendes: “Getreideanbau in Alberta könnte als Exotikum betrachtet werden, obwohl die Anbaufläche erheblich gewachsen ist, um 60% allein im Jahr 2014 auf neu 40.000 Hektaren. Ein Großteil dieses Zubaus in der Anbaufläche kann auf Zuchtanstrengungen zurückgeführt werden, die zu Getreide geführt haben, das in der kälteren Umgebung von Alberta reifen kann. Wenn man die Erfahrungen der Nachbarstaaten und Provinzen betrachtet, wird ein weiterer Zuwachs der Anbauflächen erwartet, da Sorten verfügbar werden, die in unseren Wachstumsbedinungen immer höhere Ertragsschwellen erreichen.”

        Also: Heutige Zuchttechnologie verbessert die Anbaumöglichkeiten in Alberta stark und immer mehr. Obowhl Alberta alles andere als ein idealer Anbaustandort ist, unter anderem, weil es zuwenig regnet und bewässert werden muss, kann Getreide aus Alberta heute schon preismässig mit anderen Anbaugebieten konkurrieren. Mehr Dürreresistenz und weniger total nötige CHU’s (Corn Heat Units) bis zur Reifung sollen die Erträge weiter verbessern.

        Fazit: Wer bei Klimaprognosen davon ausgeht, dass der technische Status quo beispielsweise in Bezug auf Standorte, Ertrag von Nutzpflanzen, etc. über die nächsten Jahrzehten unverändert bleibt, der kommt zu viel zu pessimistischen Prognosen. Heute gilt wohl sogar: Ohne ständige Innovation und Adaption gegenwärtiger Technologie ist die Menschheit auf alle Fälle dem Niedergang geweiht – selbst ohne Klimawandel, allein schon über die Zunahme der Bevölkerung und den erhöhten Ressourcenbedarf aufgrund wachsenden Wohlstandes. Das galt übrigens schon zu Zeiten von Malthus – im 18. Jahrhundert also.

        • Der Artikel “The Potential for Grain Corn in Alberta” befasst sich mit dem Maisanbau (Corn=Mais) in Alberta. Für Mais ist Alberta in der Tat etwas kalt und trocken, obwohl es kaum weiter nördlich liegt als Hannover. Ob der agrartechnische Fortschritt in den nördlich gelegenen Ländern Kanada und Russland wirklich ausreicht, um die Ernteeinbußen in anderen Klimazonen auszugleichen, bleibt abzuwarten. Man kann es im Grunde nur hoffen. Einiges hängt auch von der Geschwindigkeit der Klimaveränderung ab. Anpassungen brauchen Zeit, und die wird im Moment schon etwas knapp.

  5. “Ohne ständige Innovation und Adaption gegenwärtiger Technologie ist die Menschheit auf alle Fälle dem Niedergang geweiht”.
    Das sehe ich genauso.
    Es ist sehr viel in Gange. Fast täglich liest man von neuen Erfindungen.
    Es wird wohl so sein, daß wir nur mittels eines Kokons an Technologie überleben werden. Aber die Menschheit weiß sich offenbar zu helfen.
    Daß das Leben dann ein “Weg von der Natur, vom Ursprünglichen” sein wird, ist so. Ob man es gut findet oder nicht. Spätere Generationen werden absolut kein Problem damit haben.

  6. @Martin Holzherr

    “Die ärmeren Länder haben weniger Optionen als wir.”

    Das ist wahr. Das hat es aber schon zigfach als status quo in der Geschichte gegeben, wer hätte um 200 gedacht, daß das römische Reich untergehen könne?
    Technischer Verfall kann sehr schnell gehen, wenn der Verfall der sozialen Intelligenz schön länger erfolgt ist, und von einem solchen Zusatnd sind wir nicht mehr weit entfernt.
    Wer die Welt in Zukunft führt oder auch nur gut in ihr leben kann, hat viel damit zu tun, wer die aktuellen Probleme am besten lösen und andere mitziehen kann. Vor etwa 500 Jahren begann der Westen seine Macht aufzubauen, weil Offenheit zunahm und der bis dato starke islamische Bereich begann, ins Archaische zurück zu rutschen. Es mehren sich die Zeichen, daß es im Moment umgekehrt läuft. Erste Vorzeichen technischen Verfalls haben wir schon, BER, Dieselgate, die Unfähigkeit zur Reform der Landwirtschaft….

  7. “Einiges hängt auch von der Geschwindigkeit der Klimaveränderung ab. Anpassungen brauchen Zeit, und die wird im Moment schon etwas knapp.”

    Das ist m. E. der wesentliche Punkt. Das gilt nicht nur für Landwirtschaft und zivilisatorische Infrastruktur, sondern auch für das irdische Biotop. Lebensformen mit raschem Generationswechsel gelingt Anpassung eher als höheren Säugetieren oder gar Bäumen. In der Folge werden in Zeiten der raschen Verschiebung von Klimazonen vermutlich erstere auf Kosten letzterer verdrängt.
    Bislang sind mir hauptsächlich Faktoren bekannt, welche die Erderwärmung weiter beschleunigen. Permafrostböden tauen auf und setzen Methan frei. Schmelzende Gletscher und Polarkappen verringern die Albedo. Wärmere Ozeane übersäuern, deren CO2 Aufnahmefähigkeit nimmt ab. Meines Erachtens ist es völlig offen ob die Biosphäre innerhalb der nächsten 200 Jahre lückenlos Überlebsbedingungen für Wälder und höhere Lebensformen bieten wird.

    Mehrere Missernten hintereinander sind zweifellos ein Katalysator für Spannungen und Kriege Es kann natürlich Zufall sein, aber in Syrien war genau das der Fall bevor die Unruhen und in der Folge der Krieg begannen.

    In der Tat gibt es aber auch Hoffnung. Die heisst technischer Fortschritt und internationale Zusammenarbeit im Hinblick auf gemeinsame Ziele. Das Umdenken fängt gerade erst an.

    • Ja zum Zeitproblem. Wobei der Klimawandel für menschliche Zeitmassstäbe gar nicht so schnell abläuft. Für die meisten Menschen sind 30 Jahre eine lange Zeit. Nur scheint der technologische Wandel im Energiesektor noch langsamer abzulaufen. Schon vor 30 Jahren wurde vor der anthropogen Erwärmung gewarnt, doch immer noch dominieren fossile Energien.

  8. @ Inhaltegeber :

    Wenn man diese Erkenntnis auf die Klimadiskussion überträgt, wird die Menschheit wohl erst zu Vernunft kommen, wenn die ersten gefährlichen Anzeichen einer kommenden Katastrophe eingetreten sind. Das könnte eine weltweite Hungersnot sein, eine Hitzewelle mit hunderttausenden Toten oder ein Austrocknen des Amazonasbeckens. Sollte ein solches Ereignis eintreten, müssen sich die Menschen aber bereits darüber im Klaren sein, dass es jederzeit noch schlimmer kommen kann. Nur dann hätten drastische, teure und schmerzhafte Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels Chancen auf weltweite Mehrheiten.

    Ist schon so, werter Herr Dr. Grüter, der Mensch (vs. Bär) könnte derart sozusagen vergehen, Anmerkungen :

    A) Der Klimawandel, der auch anthropogen zu verstehen ist, ist EIN Aspekt.

    B) Es wird gestorben, dies ist gut so, der hier gemeinte Säuger hat zu sterben, dies ist zwar kein USPm abär ein Leistungsmerkmal, Dr. W stirbt bspw. recht gerne, insbesondere, “Woody” Allen folgend, wenn er nicht “dabei” ist.
    (Bei Nicht-Sterbenden würde der Schreiber dieser Zeilen bspw. (anhaltende) Nicht-Kompetivität vermuten wollen.)


    Vielleicht ist Ihnen, werter Herr Dr. Grüter, dies nicht ganz klar :
    Die Menschheit (vs. Bärenheit, Grüße an dieser Stelle auch an die werte Gattin) befindet sich in einer ständigen ‘Katastrophe’ [Hervorhebung: Dr. Webbaer], gerne auch die Etymologie und die Semantik generell betrachtend, Ihre Person meinend : auch rekursiv.

    MFG
    Dr. Webbaer

  9. Unbewohnbar wird der Planet selbst bei 4°C-Erwärmung nicht (es gab schon heissere Erdperioden), wobei diese 4°C bis Ende des 21. Jahrhunderts bei Fortsetzung heutiger Klimaanstrengungen (weg von Kohl und ÖL, CO2-neutrale Fahrzeuge, etc) nie erreicht werden.
    Die Fehlerliste, die Thomas Grüter für den Artikel von David Wallace-Wells erstellt hat, wurde übrigens von Klimaforschern wie Michael Mann und anderen ergänzt:
    – Es ist nicht mit extrem hohen Methanfreisetzungen wegen Permafrosttau zu rechnen
    – Die Temperaturen sind nicht doppelt so stark gestiegen wie von Klimawissenschaftlern Ende der 1990er Jahre behauptet, sondern der Verlauf entspricht weitgehend den Voraussagen.
    Dies kann man dem Artikel Scientists explain what New York Magazine article on “The Uninhabitable Earth” gets wrong entnehmen.
    Mehrere Klimawissenschaftler dort erwähnen, dass David Wallace-Wells von Extremszenarien ausgeht:
    Richard Betts: Das Konzept die Erde werden unbewohnbar ist bei den vom Autor gegebenen Zeitskalen reine Hyperbole
    – Daniel Swain: Es fehlen Wahrscheinlichkeitsangaben für die prognostizierten Ereignisse
    – Alexis Berg: Dieser Artikel konzentriert sich auf das High-End-Szenario für die globale Erwärmung-hohe Emissionen und / oder hohe Klimaempfindlichkeit, hohe Auswirkungen.

    Dennoch: David Wallace-Wells skizziert mit dem Extremum einfach das, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Und angesichts dieser Möglichkeit ist die heutige Klimapolitik völlig ungenügend.
    Das führt zur Frage:
    Welche Klimapolitik führt zu den stärksten CO2-Emissionsreduktionen
    Für mich ist das klar: Es ist länderübergreifendes Vorgehen, welches zu den kleinsten Kosten die grösste Wirkung entfaltet – vor allem dann, wenn die Erneuerbaren Energien im Zentrum stehen. Denn länderübergreifend können die Erzeugungsschwankungen von Sonnen- und Windkraft ausgeglichen werden. Über Transmissionslinien und über massive EE-Ausbauten an den besten Standorten. Länderübergreifend, zum Beispiel EU-weit, sollten auch die Vorgaben für CO2-Emissionen von Strassenvehikeln sein und am besten weltweit sollte festgelegt werden, wie der Flugverkehr seine Emissionen senkt.

    • Auch bei 4 °C Erwärmung bleibt die Erde bewohnbar, aber einige jetzt dicht besiedelte Gebiete werden zeitweilig und immer wieder lebensbedrohliche Hitzewellen erleben, und zwar so lebensbedrohlich, dass selbst gesunde Menschen sterben, wenn sie nicht in gekühlte Räume flüchten können. Bei einer Erwärmung von 7 oder mehr Grad werden größere Gebiete in den Tropen dann tatsächlich unbewohnbar, so wie heute schon das leere Viertel auf der arabischen Halbinsel. Das wäre schon schlimm genug. Das Thema des Wassermangels hat Wallace-Wells nicht einmal aufgegriffen, obwohl es immer wieder diskutiert wird. Wallace-Wells hat zwar Extremszenarien an die Wand gemalt, aber auch eine geringere Erwärmung kann größere Katastrophen (unterhalb einer globalen Unbewohnbarkeit) hervorrufen.
      Weg zur optimalen CO2-Reduktion: Eine Politik, die Kosten und Wirkung optimiert, also einen Kompromiss zwischen Kosten und Wirkungen hervorbringt, wird scheitern. Eine wirksame Klimapolitik ist teuer, sie liegt jenseits des kombinierten Kosten/Wirkungs-Optimums auf der Seite höherer Kosten. Wenn die Staaten strikt nach den freiwilligen Selbstverpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen vorgehen, landen wir bei ca. 3 °C Erwärmung bis 2100 und 3-7 m Meeresspiegelanstieg bis 2300. Ich befürchte aber, dass viele Staaten ihre Selbstverpflichtung als eine Art Fluchtpunkt am Horizont ansehen, der zwar die Richtung vorgibt, den man aber nicht zu erreichen gedenkt. Das wäre nicht gut und bringt uns näher an das Katastrophenszenario.

      • Ja, wirksame Klimapolitik wird teuer. Sie darf aber nicht so teuer werden, dass die Wirtschaft einbricht. Deutschland könnte aber ohne Weiteres doppelt soviel investieren wir es heute tut. Wenn der Klimawandel auch nur annährend an die Vision von David Wallace-Wells heranreicht, dann wäre es sogar gerechtfertigt vorübergehend die Verteidigungsausgaben auf 0 zu reduzieren und viele Suventionen in Massnahmen gegen den Klimawandel umzulenken.

      • Der MIT-Review-Artikel Climate Change Could Bring Killer Humid Heatwaves to South AsiaZitat: passt thematisch zur Aussage von Thomas Grüter:“bei 4 °C Erwärmung bleibt die Erde bewohnbar, aber einige jetzt dicht besiedelte Gebiete werden zeitweilig und immer wieder lebensbedrohliche Hitzewellen erleben”
        Dort liest man in der Einleitung:
        Eine neue Studie deutet darauf hin, dass, wenn die Treibhausgaspegel weiter steigen, die globale Erwärmung katastrophale Hitzewellen in Teilen von Indien, Bangladesch und Pakistan verursachen könnte. Die Analyse liefert Schätzungen der “Feuchtkugel”Temperatur – ein Maß für die Kombination Hitze und Feuchtigkeit mit tödlicher Wirkung bei 35°C während mehr als 6 Stunden. Solche tödlichen Temperaturen würden beim Hoch-Szenario für die Treibhausgaspegel in Indiens Ganges-Flusstal, in Pakistans Indus-Tal und in Nord-Sri Lanka immer wieder auftreten. Auch Teile Bangladeshs wären häufig nahe an dieser tödlichen Temperatur.

        Meine Folgerung: Überleben könnte also in Teilen Bangladesh schon bald davon abhängen ob man eine Klimaanlage hat und der Strom während diesen kritischen Phasen fliesst. Im Jahr 2050 wird die Bevölkerungsdichte in Bangladesh zudem 1500 Menschen pro Quadratkilometer betragen, was der 3 bis 4-fachen Bevölkerungsdichte Indiens entspricht. Schon heute gilt: Wäre Bangladesh mit Fussbalfeldern übersät, lebten auf jedem Fussballfeld 6 Bangladesher. Bangladesh kann sich trotz dieser Dichte heute noch selber ernähren, denn die meisten Bangladesher sind leicht unterernährt und essen kein Fleisch. Ein wohlhabenderes Bangladesh im Jahre 2050 hat einen höheren Flächenbedarf unter anderem wegen der Verstädterung und dem höheren Nahrungsmittelbedarf. Nehmen wir noch die Hitzewellen hinzu, die das Leben in Teilen Bangladeshs unerträglich machen können, dann haben wir die Keimzelle eines irgendwann einsetzenden Massenexodus, die Keimzelle einer Situation in der jeder dazu fähige Bürger von Bangladesh das Land verlässt.

        Diese Überlegungen sollen auch zeigen, dass der Klimawandel nicht der einzige Faktor ist, der eine Lebenssituation unerträglich machen kann. Eine kombinierte Betrachtung für die Ursachen des Syrienkriegs ergibt beispielsweise folgende Faktoren: 1) Zunehmende Dürre möglicherweise durch den Klimawandel 2) eine Bevölkerungszunahme von 5 Millionen 1960 auf 20 Millionen Syrer im Jahr 2010 3) eine sinkende Ölproduktion bei leicht steigndem Verbrauch
        In Syrien wurde das Leben durch die Kombination von wachsendem Bevölkerungsdruck, zunehmender Trockenheit und sinkenden Exportmöglichkeiten für einige wichtige Produkte, immer schwieriger, was einen Krieg begünstigte. Hier nur dem Klimawandel die Schuld zu geben, wäre wohl zu einfach.

  10. Teure Klimapolitik ist letztlich auch eine Form von Investition- so paradox es sein mag, aber das kann auch ein Wachstumsmotor werden. Allerdings nicht in der heutigen Form, wo nur in kurzfristigen Renditen gedacht und die volkswirtschaftliche Seite kaum gesehen wird.

  11. Thomas Grüters Pessimismus bezüglich dem Willen von Politikern, Ländern und der Bevölkerung, CO2-Reduktionsziele bewusst anzustreben (statt dessen Klimaziele als Zitat: Fluchtpunkt am Horizont), teile ich.
    Es gibt nämlich nicht nur Klimaleugner, sondern auch nicht wenige, die sich vor allem zu Klimazielen bekennen, weil das politisch korrekt ist und sie dazugehören wollen. Dazu passt meine wiederholte Beobachtung, dass solche Leute im Konfliktfall plötzlich anderen Zielen den Vorrang geben. Und praktisch alle Leute aus meinem näheren Umfeld sehen in AKW’s eine weit grössere Gefahr als im Klimawandel. Nicht wenige ziehen sogar Kohlekraftwerke AKW’s vor. In einer Nachrichtensendung erlebte ich sogar, wie die Absicht von japanischen Energieforschern, das an Japans Kontinentalschelf abgelagerte Methanhydrat als zukünftige Energiequelle zu nutzen, positiv bewertet wurde, vor allem wenn die Alternative wäre die japanischen AKW’s wieder hochzufahren.
    Selbst wer apokalyptische Szenarien in Bezug auf Folgen des Kliamwandels auftischt, tut das hin und wieder einfach darum, weil das ins Genre passt, weil das zum Klimanarrativ dazugehört – und nicht weil er eine gefährliche Entwicklung klar vor Augen sieht. Für mich ist deshalb ziemlich klar: Wenn es gelingt das 2°Celsius Ziel einzuhalten oder auch nur schon unter 3°C zu bleiben, dann ist das vor vielleicht schneller als erwarteten technischen Entwicklung zu verdanken und weniger bewussten Anstrengungen die Ziele einzuhalten.

  12. Ergänzung: Gemäss Planet has just 5% chance of reaching Paris climate goal, study says müsste die globale Kohlenstoffintensität (wieviel CO2 wird pro erzeugter Energieeinheit produziert) bis 2100 um 90% sinken, damit bei erwartetem Bevölkerungs-und Wirtschaftswachstum, das 2°C-Ziel knapp erreicht werden kann.
    Zehn Mal weniger CO2-ausstossen für eine erzeugte/verbrauchte Energiemenge wären also nötig und dies in allen Sektoren, in denen CO2 erzeugt wird. In Deutschland werden 25% des CO2’s im Wärme-und Energiesektor erzeugt, 24% in der Forst- und Landwirtschaft, 21% in der Industrie, 14% im Transport, 6.4% im Gebäudebereich. Prognose: Deutschland wird es bis 2050 gelingen den Wärme- und Elektrizitäts- und den Transportsektor weitgehend zu dekarbonisieren. Der Gebäudesektor wird bis 2050 kaum vollständig dekarbonisiert sein und die Land- und Forstwirtschaft wird es noch weniger sein. Deutschland wird damit im Jahr 2050 mit grosser Wahrscheinlichkeit noch 2 bis 3 Tonnen CO2 pro Person emittieren, was aber auch bedeutet, dass es 2/3 der heutigen pro-Kopf-Emissionen reduziert haben wird.
    Ich schätze, dass im Jahr 2050 auch im Weltdurchschnitt noch etwa 3 Tonnen CO2 pro Person emittiert wird. Das wäre weltweit eine Reduktion um 2 Tonnen CO2 pro Person – von heute 5 auf dann 3 Tonnen CO2 Emissionen pro Jahr. Damit wird aber die notwendige Reduktion um das 2°C-Ziel zu erreichen, deutlich verfehlt. Die obigen Einschätzungen des realistischerweise zu Erwartenden beruht auf folgenden Beobachtungen und Abschätzungen:
    1) Pro Jahr reduzieren D und die EU-28 die CO2-Emissionen um etwas 1%
    2) Durch einen schnellen Verzicht auf Kohle und den Verbrennungsmotor könnte die Dekarbonisierung etwas beschleunigt werden
    3) Die Dekarbonisierung des Gebäudebereichs, der Landwirtschaft und des Gebäudebaus wird langsamer ablaufen als die Dekarbonisiserung des Energie- und Transportsektors.

    Meine Prognose: Das 2°C-Ziel wird nicht erreicht – ausser es geschehe ein Wunder (ist in den letzten 25 Jahren aber auch nicht passiert. Das 3°C-Ziel sollte aber bei der oben dargestellten Emissionsreduktion erreichbar bleiben.

    • Lieber Herr Holzherr, die Rechnung ist sogar noch ein Stück einfacher. Im Moment liegt die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre knapp unter 410 ppm und jedes Jahr kommen 2,5 ppm hinzu, mit leicht steigender Tendenz. Die 1,5 Grad-Grenze wird voraussichtlich überschritten, wenn der Wert 420 ppm überschreitet, und ein Anstieg um 2 Grad ist wohl nur einigermaßen sicher vermeidbar, wenn der Wert nicht wesentlich über 450 ppm steigt. 420 ppm werden in 4-5 Jahren erreicht, 450 ppm in ca. 15-17 Jahren, wenn bis dahin die anthropogenen Emissionen nicht deutlich sinken. Diese Entwicklung hängt nur in geringem Maß von Deutschland und der EU ab. China, Indien, die USA, Indonesien, Japan und Russland haben wesentlichen Einfluss. Auch die Entwicklung der Emissionen aus Schifffahrt und Luftverkehr beeinflussen den Wert stärker als alle Reduktionsanstrengungen hierzulande. Wir müssen also nicht bis 2050 warten, um zu wissen, ob das 2-Grad-Ziel erreichbar ist. Vermutlich ist 2035 bereits alles entschieden.

      • Zustimmung zur Extrapolation gegenwärtiger CO2-Anstiege, wobei es mir selbst mehr um die Schwierigkeit der Dekarbonisietung ging als um das 2 Grad Ziel selbst. Deutschland und die EU könnten heute schneller dekarbonisieren als sie es tun, einfach durch Stillegung der Kohlekraftwerke und die forcierte Dekarbonisierung des Transportsektots. Schwieriger wird es aber mit dem Rest. Ähnliches gilt für alle anderen jetzt entwickelten und später entwickelten Länder.
        Zum Zusammenhang CO2-Pegel Temperatur gilt wohl , dass bei 420ppm irgendwann 1.5 Celsius erreicht werden. In 15 bis 17 Jahren sind die 420 ppm erreicht und die Temperatur wird dann in den 2050er Jahren (eventuell schon knapp vor 2050) tatsächlich 1.5 Grad Celsius überschreiten, denn die Temperaturen steigen um 0.16 Celsius pro Jahrzent. Ähnliches gilt für das 2 Grad-Ziel bezüglich Pegel , der deutlich früher erreicht wird als die zugehörige Temperatur.

  13. Zitat:

    “Wir müssen also nicht bis 2050 warten, um zu wissen, ob das 2-Grad-Ziel erreichbar ist. Vermutlich ist 2035 bereits alles entschieden.”

    Nicht 2035, sondern schon jetzt ist entschieden, dass das 2-Grad-Ziel nicht errreicht wird und nicht erreichbar ist. Grund: Gemäss Können wir die globale Erwärmung rechtzeitig stoppen? müssten (Zitat)

    ab 2020 die fossilen Emissionen jedes Jahrzehnt halbiert werden.

    China, Indien, die USA und Europa, die zusammen mehr als 60% der Treibhausgasemissionen verursachen, können aber realistischerweise ihre Emissionen nicht in 10 Jahren halbieren, zumal Indiens Emissionen gerade erst deutlich ansteigen und die USA und Europa momentan nur um 1% pro Jahr reduzieren.

    Wir müssen uns auf eine mindestens 2° wärmere Welt gefasst machen und es wird sogar schwierig sein insgesamt unter 3° Grad Erwärmung zu bleiben, selbst wenn dieses Jahrhundert die 3 Grad Grenze noch nicht überschritten wird.

    Doch unbewohnbar wird der Planet im Temperaturfenster 2 bis 3 Grad Erwärmung insgesamt nicht. Wetterextrema wie Fluten/Überschwemmungen und Hitzewellen eventuell kombiniert mit grosser Feuchte (in Südasien) werden allerdings Teile des Planeten vorübergehend unbewohnbar machen und ganze Regionen werden ein anderes Klima erhalten. Die Mittelmeerregion z.b. wird austrocknen. Pakistan und Bangladesh werden gar nicht nur unter Feuchthitze, sondern auch unter Fluten wegen verstärkter Himalayagletscherschmelze und unter Desertifikation grösserer Landesteile leiden, so dass mit einer Massenemigration zu rechnen ist. Auch aus Afrika werden viele Menschen wegen einer Kombination von Bevölkerungsexplosion und sich regional verschlechterndem Klima auswandern.
    Grosse Erdregionen im Norden werden aber insgesamt eher ein günstigeres Klima für die Landwirtschaft und das Wohlbefinden erhalten. Und die Sahelzone wird wahrscheinlich ab 1.5° Celsius durch eine Verstärkung des westafrikanischen Monsus sogar bis zu 10 Mal mehr Regen erhalten als heute. Die Sahara könnte wieder ergrünen.

    In den nächsten Jahrzehnten ist also allein wegen dem Klimawandel mit einer verstärkten Migration aus Regionen mit sich verschlechterndem Klima zu rechnen. Diese Migrationswelle geht vom Süden in den Norden entsprechend dem Überschreiten von Hitze- und Dürrelimiten für Nutzplanzen und Menschen im Süden bei gleichzeitig milderen Temperaturen im Norden. Hier kann eine neue Politik helfen, die Migration zulässt und verhindert, dass eine Konkurrenz zwischen Migranten und Einheimischen entsteht.

    • Herr Holzherr, es ist in der Tat unwahrscheinlich, dass die Erderwärmung auf 2 Grad begrenzt werden kann. Andererseits möchte ich auch nicht ständig die Katastrophe beschwören, bevor sie nicht eingetreten ist. Und sicher, der Planet wird auch nicht unbewohnbar, aber ausgerechnet in den dicht besiedelten Gebieten der Tropen und Subtropen wird das Leben sehr viel schwerer werden. Ob in der Sahelzone wirklich mehr Regen fällt, weiß noch keiner so genau, aber auch dort leben jetzt schon Menschen, die ihr Gebiet nicht gerne mit Zuwanderern teilen möchten. In jedem Fall machen wir unseren Nachfahren das Leben sehr viel schwerer, weil wir jetzt die Kosten für die Umstellung scheuen und zu einem wirklichen Verzicht nicht bereit sind.

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