Der Kollaps des Marktes

Gedankenwerkstatt

Ein funktionierender Markt regelt sich selbst. Je höher die Nachfrage, desto mehr steigt der Preis, und dann werden findige Händler einen Weg finden, die Produkte zu beschaffen. Soweit die Theorie. Aber die Praxis sieht anders aus.

In meinem Buch Offline! habe ich davor gewarnt, dass uns eventuell ein Engpass bei der Belieferung mit digitalen High-Tech-Komponenten bevorsteht. Der ständige Sparzwang führt zu einer Konzentration auf immer weniger Anbieter, die ihre Fabriken fast alle in Asien betreiben. Gleichzeitig werden die Werke immer größer, und die Anfangsinvestition höher. Wenn ein Anbieter aufgibt oder die Werke aus irgendeinem Grund ausfallen, kann kurzfristig kein Konkurrent mehr einspringen.

Diese Argumentation stieß auf Zustimmung, aber auch auf verbreiteten Unglauben. Der Markt werde solche Fehlentwicklungen nicht zulassen, wurde mir entgegen gehalten, außerdem sei das reine Theorie. Bei Produkten, die für das Funktionieren der gesamten Wirtschaft von entscheidender Bedeutung sind, könnten solche Probleme nicht auftreten.

 

Arzneimittelversorgung ist gefährdet

In einem anderen Wirtschaftszweig besteht seit einigen Jahren aber genau dieses Problem, wenn es auch noch niemand so recht wahrgenommen hat. Apotheken, Krankenhäuser und Patienten kämpfen mit Lieferproblemen bei Arzneimitteln. Das beschränkt sich keineswegs auf exotische Arzneistoffe, sondern betrifft auch gängige und lebenswichtige Medikamente wie z.B. Schilddrüsenpräparate, Hochdruckmittel oder Antibiotika. Derzeit ist ein wichtiger Impfstoff nicht lieferbar und der Engpass wird noch einige Wochen anhalten. Es gibt weltweit nur noch zwei Lieferanten (GlaxSmithKline und Sanofi Pasteur MSD) dafür. Sie können Produktionsprobleme gegenseitig nicht ausgleichen.

Die Produktion von Impfstoffen dauert sehr lange, 12 bis 18 Monate sind die Regel. Sollte eine Charge verunreinigt werden, kann niemand auf die Schnelle Ersatz beschaffen. Das Vorhalten von Impfstoffen ist ebenfalls nicht einfach, weil sie nur begrenzt haltbar sind.

Bei anderen Präparaten wirkt sich der Sparzwang aus. Der größte Teil der Antibiotika kommt aus Indien und China. Eine Produktion in Europa lohnt sich nicht mehr. Die Hersteller tun sich aber schwer, die europäischen Qualitätsstandards einzuhalten. Ferner steigt die Nachfrage steil an, weil sich in den Schwellenländern immer mehr Menschen eine gute Behandlung leisten können. In Deutschland kommt für jedes Medikament immer nur ein Hersteller zum Zug. Damit können die Krankenkassen hohe Rabatte aushandeln. Andere Hersteller liefern dann nicht mehr nach Deutschland oder stellen die Produktion gleich ein. Nur eine Massenproduktion in größten Mengen für den Weltmarkt lohnt sich überhaupt noch. Die Margen sind aber teilweise so gering, dass sich Investitionen in modernere Fabriken nicht mehr lohnt. Die Entwicklung neuer Antibiotika kommt nicht voran, weil sich die Forschung nicht mehr lohnt und die Markteinführung zu teuer ist.

Die gesetzlichen Krankenkassen erkennen allerdings derzeit keine Gefahren. Die Allgemeine Zeitung – Rhein Main Presse erfuhr auf Anfrage beim GKV-Spitzenverband in Berlin, dass gelegentliche Lieferprobleme bei rund 40000 zugelassenen Arzneimitteln verkraftbar seien, insbesondere wenn es Alternativen mit ähnlichen Wirkstoffen gebe. Immerhin sparen die gesetzlichen Krankenkassen Milliarden durch die Rabattverträge.

Für Patienten, die auf ein bestimmtes Mittel eingestellt sind, ist ein Wechsel aber nicht einfach. Und manchmal liefert eben kein anderer Hersteller ein vergleichbares Mittel.

Bisher ist noch kein Fall bekannt geworden, in dem Patienten zu Schaden gekommen sind. Sollte es aber beispielsweise bei der Versorgung mit Insulin zu einem Engpass kommen, müssten wir schon nach wenigen Tagen mit Todesfällen rechnen. Der Bedarf ist hoch: Etwa 1,5 Millionen Menschen sind in Deutschland täglich auf Insulin angewiesen (Angabe der deutschen Diabeteshilfe).

 

Internet und Weltwirtschaft

Was hat das mit den Szenarien in meinem Buch über das Internet zu tun?

Alles! In der Computerindustrie bauen sich die gleichen Strukturen auf, die derzeit bei den Medikamenten zu Engpässen führen. Der Kostendruck erzwingt immer größeren Produktionsstätten. Die Anzahl der Anbieter sinkt. Drei Firmen teilen sich weltweit die Festplattenproduktion, zwei Firmen beherrschen den Markt für Grafikkarten. Die Zentralisierung führt zu Engpässen, weil Produktionsprobleme nicht mehr ausgeglichen werden können. Selbst ein Allerweltsprodukt wie ein Smarthandy braucht Jahre an Entwicklungszeit.

Die Probleme bei den Arzneimitteln treten in einem wirtschaftlich intakten Umfeld auf. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Es ist kaum absehbar, was geschieht, wenn beispielsweise der Klimawandel zu einer Serie von weltweiten Missernten führt, und die Weltbevölkerung nicht mehr ernährt werden kann. Dann wird es zu einem zeitweiligen Zusammenbruch der Wirtschaft und einer Phase von kriegerischen Auseinandersetzungen kommen.

Wenn wir uns nicht vorbereiten, wird das Internet diese Belastung nicht überleben, was wiederum den Wirtschaftskollaps verlängert. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich die Folgen für die medizinische Versorgung auszumalen.

Früher oder später wird es eine größere Wirtschaftskrise oder einen Krieg geben. Es wird eine große Naturkatastrophe kommen. Statt uns darauf zu verlassen, dass dann schon alles gut gehen wird (es ist doch immer alles gut gegangen, oder nicht?) sollten wir uns überlegen, wie wir diese Herausforderung meistern. Noch ist Zeit.

Buch zum Thema

Buchcover Offline!

 

 

Thomas Grüter

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

27 Kommentare

  1. Jedes Spital in Deutschland hat Notstromaggregate und im Irak hat praktisch jede Firma ein Notstromaggregat. Warum? Weil jeder sich um seine eigene Zukunft und um die Zukunft des ihm Anvertrauten kümmert oder dazu vom Gesetzgeber angehalten wird.
    Dieses Vorsorgen kann versagen, wenn man die Situation falsch einsetzt. Es ist also meistens nicht Fahrlässigkeit, sondern eine Fehleinschätzung, wenn die Vorsorge nicht klappt.
    Nehmen wir die Sicherheit der Arzneimittelversorgung. Hier gibt es ein Problembewusstsein beispielsweise für die fehlenden neuen Antibiotika in der Pipeline und es gibt in den USA bereits staatlich geförderte Antibiotikaforschung.
    Ein weiteres Beispiel: Die Impfstoffherstellung, die im obigen Beitrag als kritisch dargestellt wird, hatte das Problem der Vorlaufzeiten bis ein Impfstoff in genügenden Mengen hergestellt ist, schon immer gehabt. Die Situation hat sich wenn schon verbessert seit die UNO immer mehr vor möglichen Pandemien warnt. Es werden sogar ganz neue Methoden der Influenzaherstellung erforscht, die die Vorlaufzeiten drastisch verkürzen werden.

    Das Problem liegt also in einer möglichen Fehleinschätzung der Risiken. Solche Fehleinschätzungen werden in einer zunehmend komplexen, interdependenten Welt mit neuen Risiken immer wahrscheinlicher. Das stimmt gewiss. Man bereitet sich typischerweise mit einer gewissen Verzögerung auf neue Gefahren vor. So sind Abwehrmassnahmen gegen Cyberangriffe erst kürzlich Bestandteil der Verteidigungsstrategie der meisten Länder.

    Dennoch. Das Internet ist besser gerüstet gegen Störungen als viele andere Bereiche. Im Grunde könnte man die in diesem Beitrag geäusserten Warnrufe zu folgender Frage verdichten: Was würde heute passieren wenn ein neuer Weltkrieg ausbräche. Die Folgen währen wohl viel einschneidender als beim Ausbruch des zweiten Weltkriegs. Das stimmt wohl. Weil unsere Welt sehr viel komplexer und zugleich auch fragiler geworden ist. Antifragilität muss zur neuen Doktrin werden um das zu ändern.

    • Die Situation bei den Antibiotika ist leider etwas dramatischer, als ich es hier so kurz angerissen habe. Das Problem liegt nicht so sehr bei der Forschung, sondern beim der Prüfung und Zulassung. Nur wenige im Labor und im Tierversuch vielversprechende Mittel überstehen die klinischen Studien. Deshalb kostet es Hunderte Millionen, um ein Mittel (von anfänglich vielen) ins Ziel zu bringen. Noch während die Studien laufen, wird das Mittel aber schon in der Tiermast eingesetzt, legal oder illegal.
      Bis es beim Menschen angewandt werden kann, sind also schon die ersten resistenten Bakterien da. Dann hat der Hersteller vielleicht noch fünf bis zehn Jahre, um seine Kosten wieder hereinzuholen und Gewinne zu machen. Das erscheint vielen Pharmaunternehmen zu riskant. Staatliche Forschung hilft da auch nicht weiter. Eine rigorose Beschränkung des Einsatzes von Antibiotika in der Tiermast und eine verantwortungsvollere Verschreibungspraxis beim Menschen könnte schon viel erreichen, aber selbst diese lange bekannten Methoden haben sich bisher nicht durchsetzen lassen.
      Die Gefahr von unbehandelbaren Seuchen wächst also.
      Bei Impfstoffen geht es nicht nur um Grippeimpfungen, und selbst dort ist die schnelle massenhafte Herstellung ein Problem. Der Grippeimpfstoff beruht immer auf dem Erreger, der in den Vorjahren am häufigsten aufgetreten ist. Gegen einen mutierten Virus, der sich schnell ausbreitet, wäre er machtlos.
      Das wirtschaftliche Problem ist aber nach wie vor ungelöst: Die Krankenkassen müssen Geld sparen, also handeln sie massive Rabatte aus. Dadurch erzwingen sie Monopole. Würden sie höhere Preise zahlen, ließe sich das vielleicht vermeiden, aber dann würden die Kosten für die Versicherung weiter steigen. Das Problem besteht in vielen Ländern. Wo keine staatlichen Preise festgesetzt sind, oder die Menschen alle Medikamente selber zahlen müssen, kann mehr Geld verlangt werden. Dann besteht aber die Gefahr, dass sich chronisch kranke Menschen ihre Behandlung einfach nicht mehr leisten können.

  2. Interessanter Artikel , Cassandra ist traditionell nicht sehr beliebt in einer Zeit , die in bräsiger Wohlstandsruhe versinkt, ein Grund mehr , die Klappe eben nicht zu halten.

    Kein System ist sicher vor einem kompletten Zusammenbruch , und je sicherer eines zu sein scheint , umso gefährdeter ist es , es braucht nur ein ausreichendes Maß an innerer Degeneration , und das haben wir längst erreicht.

    Der nächste Weltkrieg scheint mir da eher unwahrscheinlich , eher droht eine Unzahl an kleineren Konflikten.
    Hier liegt allerdings auch ein Stück Hoffnung , Kriege wurden häufig eher dann geführt , wenn Ressourcen zur Verfügung standen (allerdings nicht nur dann), genau diese scheinen aber nachhaltig gefährdet , das könnte uns dazu zwingen , konstruktive Lösungen zu finden.
    Könnte – Verlassen drauf sollte man sich nicht.

  3. Ich habe mich total schlappgelacht als ich in der Überschrift gelesen habe, dass es einen Kollaps des Marktes geben wird und dann als Beispiel das deutsche Gesundheitswesen angeführt wird, was aber auch rein gar nichts mit freier Marktwirtschaft zu tun hat.

    Das Engpässe durch katastrophenentstehen können will ich gar nicht verneinen. Diese entstehen aber eher durch “Just in Time” und “Just in Sequenz” Produktionsketten, die oft nicht über große Puffer verfügen.

    Ein Katastrophenszenario kann auch nur entstehen bei neuen Technologien, bei denen es schwer ist eine Produktion aufzubauen, weil die Technologie einfach unbekannt ist. Das Internet gehört hier wirklich nicht dazu. Denn das Internet kann man nicht einfach so abschalten, sondern ist die Summe von Netzen. Selbst bei der Revolution in Ägypten, als dort wirklich versucht wurde das Internet zu blockieren, haben die Leute einfach ihre alten 56k-Modem aus. Selbst wenn große Knotenpunkte abgeschaltet oder zerstört werden sollten, gibt es dann immer noch z.B. Satteliten.

    Auch gibt es neue Trends für die Produktion. So werden durch Individualisierungswünsche und geringere Produktlebenszyklen immer flexiblere Automatisierungen angeboten, die auch recht schnell umgerüstet werden können. Einer dieser Höhepunkte ist derzeit die beginnende Marktdurchdringung des 3D-Druckers für “einfache” Konsumenten.

    Des weiteren gibt es auch die schönen Substitutionsprodukte. Wenn die Festplatten nicht mehr produziert werden können, steigt der Preis und es wird kurzfristig auf Flashspeicher, Blue-Rays, etc. umgestellt, solange bis die Produktion wieder anläuft.

    In der Medizintechnik bin ich jetzt nicht so sehr bewandert in wie weit dort Prozesse verändert werden können.

    So das nur als kleine Gegenposition.

    • Zunächst: auch ein regulierter Markt ist ein Markt. Es gibt Angebot und Nachfrage, aber eben unter besonderen Bedingungen. Unter den Bedingungen eines unregulierten Medizinmarktes würden die wenigen Anbieter den Markt durch Absprachen kontrollieren und Medikamente wären so teuer, dass es sich eine Mehrheit der Menschen eben leisten könnte. Weil sie auf die Medikamente angewiesen sind, ist ihre Verhandlungsposition denkbar schlecht. Die beste Strategie der Firmen wäre es also, die Preise so festzulegen, dass genügend Menschen die Mittel, die sie brauchen, unter Aufbietung ihrer gesamten Reserven gerade bezahlen können. Das wäre allerdings keine wünschenswerte Situation.

      Beim Internet kommen wir derzeit auch in die Phase der Marktregulierung. Die scharfen Proteste gegen einen privilegierten Zugang für Besserzahlende zeigt, wohin die Reise geht. Der Zugang zu Infrastrukturen, die für eine Lebensweise entscheidend sind, wird immer reguliert werden.

      Im übrigen wundere ich mich langsam, dass es sich Menschen einfach nicht vorstellen können, dass irgendetwas irgendwann nicht lieferbar ist, ja es nicht existiert. Wenn einer nicht liefert, liefert eben ein anderer, warum sich Sorgen machen? Ich weiß nicht, ob das einfach ein Mangel an Fantasie ist, oder ein Phänomen einer historisch beinahe einmalig reichen Gesellschaft.

  4. @Martin Holzherr
    Schwarze Schwäne und Antifragilität sind ein gutes Stichwort.

    > Jedes Spital in Deutschland hat Notstromaggregate
    Ja, aber … wie sieht es mit den sonstigen Redundanzen aus? Spätestens nach 24 Stunden bricht der Betrieb zusammen, weil viele andere Sachen ausgelagert und nicht redundant sind … Sterilisation, Verpflegung, Reinigung, Bekleidung, Medikamente, usw. ganz zu schweigen, dass die Notstromversorgung nicht den ganzen Betrieb aufrecht erhalten kann. Und mit ein bisschen Pech gibt es auch kein Wasser … dann ist es wohl ziemlich schnell Schluss mit Lustig.

    > Abwehrmassnahmen gegen Cyberangriffe
    Da gibt es auch sehr viele Luftschlösser … und keine Konzepte für den Fall, dass die Abwehrmaßnahmen nicht rechtzeitig greifen und etwa die Infrastruktur zusammenbricht.
    Aber kein Problem, mit “Smart” wird das alles besser – wir vernetzen alles noch enger miteinander und gehen davon aus, dass die heutigen Probleme in der IT dann im Infrastrukturbereich keine Rolle mehr spielen.

    > Das Internet ist besser gerüstet gegen Störungen als viele andere Bereiche
    Aha … darum gibt es seit Jahren eine exponentielle Entwicklung in den negativen Auswirkungen. Ja, es verwundert immer wieder, warum noch nichts gröberes in die Hose gegangen ist, das ist richtig. Aber daraus zu schließen, dass alles in bester Ordnung ist, ist wohl eine Truthahn-Illusion.

    > Was würde heute passieren wenn ein neuer Weltkrieg ausbräche.
    Wir sind heute global so eng miteinander vernetzt, dass wir keinen Weltkrieg brauchen, um unser Zusammenleben nachhaltig zu schädigen.
    Die regionale Immobilienblase in den USA (2007) konnte eine weltweite Finanz-/Staatsschulden-/Wirtschaftskrise auslösen, wo viele schon wieder glauben, dass sie überwunden sei, dabei warten wir nur noch auf den viel tieferen Sturz, da nichts gelöst wurde. Ganz im Gegenteil, die Lage wurde noch weiter verschärft und die großen Brocken wurden sozialisiert … In Österreich werden nun 19 Milliarden Euro Bankenschulden den Steuerzahlern umgehängt … das ist kein Problem und geht über Nacht. Gleichzeitig muss im Budget um jeden Cent gerauft werden … die Dimensionen passen nicht mehr zusammen. Und dabei geht es uns ja eigentlich noch rosig. Ein paar Kilometer weiter brennen aber schon die ersten Häuser …

    Die Vernetzung hat sicher viele positive Seiten, wir sind nun aber dabei, ihre negativen Seiten kennen zu lernen, da wir zu wenig von der Natur gelernt haben. Es hat schon einen Grund, warum dort “Small is beautiful” gilt.

    1914 konnte sich auch kaum jemand vorstellen, dass sich die Welt in kürzester Zeit vollkommen auf den Kopf stellt. Aber … es kann auch noch länger so weiter laufen … der Umbruch wird aber ziemlich abrupt passieren, Fat-Tails eben

    @Der Kollaps des Marktes
    Es gibt wohl keinen Bereich, der verschont bleibt :-(.

    • Zu den Spitälern:
      Spitäler sind typischerweise in das Verteidigungsdispositiv eines Landes eingebunden. Darum gibt es in vielen Spitälern unterirdische oder sonstwie geschützte Operationssäle und ein ganzes Dispositiv für den Ernstfall.

      Zum Internet:
      Das Internet ist so konzipiert, dass der Ausfall der meisten Knoten (Servern) kaum Auswirkungen hat. Die Offenheit des Internets ermöglicht andererseits überhaupt erst ausgedehnte Softwareangriffe.

      Zu Immobilienblasen und Finanzkrisen:
      Diese Phänomene gab es schon zu Zeiten von Marx, weswegen Marx unter anderem dem Kapitalismus keine Zukunft gab.
      Doch globale Finanz- und Geldmarktkrisen sind ein gutes Beispiel dafür, dass es schon lange Bereiche in unserer Gesellschaft gibt, die durch hohe Instabilität gezeichnet sind. Ich bin überzeugt, dass durch richtige Regulierungen und richtiges Handeln bei beginnender Instabilität die Wahrscheinlichkeit für schwere ökonomische Krisen deutlich reduziert werden kann. Das Traurige ist nur, dass Bemühungen in diese Richtung immer wieder abgeblockt werden.
      Fazit: Finanz- und Geldwirtschaftskrisen gibt es schon seit Jahrhunderten. Sie stehen stellvertretend für eine Komplexität und eine Interdependenz im Finanz- und Wirtschaftsbereich, die es inzwischen auch auf vielen anderen Gebieten gibt. Bei dieser Art von Komplexität besteht die Gefahre einer Dynamik, die ausser Rand und Band gerät, weil es eine hohe Nichtlinearität in solchen Systemen gibt. Es verwundert, dass bis jetzt so wenig unternommen wurde um solche Systeme besser zu steuern.

      • @Verteidigungsdispositiv
        Ja, das hat vielleicht noch im Kalten Krieg funktioniert … dafür war es ausgerichtet.
        Die Welt hat sich aber seither drastisch geändert.
        Gute, ich kann vielleicht ein wenig für Österreich sprechen, vielleicht ist das ja in Deutschland alles viel besser ;-).
        Der TAB-Bericht “Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften –
        am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung” lässt eher nicht darauf schließen …

        @Internet
        Ja, es wurde ja grundsätzlich zur Erhöhung der Ausfallsicherheit konzipiert. Aber nicht für den Zweck, für den wir es heute einsetzen. Und was Herr Grüter anspricht ist die Gefahr der hohen Konzentration und damit Abhängigkeit von einzelnen Akteuren.
        Natürlich ist es eher unwahrscheinlich, dass das ganze Ding auf einmal zusammenbricht. Aber unserer heutige Abhängigkeit würde auch temporäre Ausfälle nur schwer verkraften. Vor allem, so lange wir noch auf das Wirtschaftswachstum angewiesen sind.

        @Instabilität Finanzsystem
        Ja, die hat es schon immer gegeben, so wie auch zyklisches Verhalten. Nur hat es heute sofort weitreichende Auswirkungen, da sich durch die digitale Vernetzungen Störungen wesentlich rascher und umfangreicher ausbreiten können. Darüber hinaus glauben noch immer Leute, dass man das Verhalten berechnen kann … was in komplexen Welten eher illusionistisch ist.

        @richtige Regulierungen und richtiges Handeln
        Ja, vollkommen richtig! Nur wer definiert “richtig”? In komplexen Systemen – und von denen sprechen wir hier – gibt es die einfachen Ursache-Wirkungsketten halt nicht wirklich. Ganz abgesehen von den zeitverzögerten Wirkungen – was heute als Erfolg erscheint, kann übermorgen zur Katastrophe führen. Wie etwa der rasante Ausbau der erneuerbaren Energieproduktion in Deutschland … 🙁

        @Komplexe System besser steuern
        Ganz einfach, so lange wir daran festhalten, komplexe System mit den selben Methoden wie Maschinen steuern zu wollen, werden wir scheitern. Wir müssen zuerst komplexe Systeme verstehen lernen, dann können wir dort auch regeln – aber nicht steuern. Und hier gibt es eine sehr lange Erfahrung – die Natur ist nämlich ein komplexes System und hat schon sehr sehr viel Erfahrung …

        • Hallo Herr Saurogg, auch in Deutschland hat das Verteidigungsministerium keinen Einfluss auf Krankenhäuser. Hier ein Bericht aus dem deutschem Ärzteblatt von 2012, in dem die Probleme bei möglichen Stromausfällen diskutiert werden. Danach sähe es bei einem längeren Stromausfall (>24h) nicht gut aus.
          Bei der ganzen Diskussion im die Sicherheit der Arzneimittelversorgung sollte man nicht vergessen, dass wir hier nicht über einen theoretisch möglichen Ausfall reden, sondern über einen, der zur Zeit akut ist. Es ist also nicht so, dass er geschehen könnte, er ist bereits eingetreten.

  5. Hochtechnisierung und Zentralisierung von Infrastruktur ist ein äußerst hochgezüchtetes Konstrukt und deswegen sehr instabil. Da ist jede “Systemänderung” eine Gradwanderung – und nicht nur eine gesellschaftliche Katastrophe (Krieg), Naturkatastrophe oder ein Rohstoffengpass. Der Einbruch der Umsätze in der PC-Branche ist Symptom einer solchen “Systemänderung” (hier auf mobile Geräte, wie Smartphones und Tablets).
    Die Sättigung des PC-Marktes hat dabei auch zur Zentralisierung der Produktion geführt.

    Es ist derzeit eine Problematik am Werk, die wegen Abspaltung der Privatanwender vom Industriestandart die Industrieanwender in eine ungünstige Position zwingt. Meint: Der Markt für den Privatanwender darf jetzt schon nicht mehr geringer werden, sonst droht der Zusammenbruch der ganzen Industrie, weil sich die eine nur “mit” der anderen rentiert.
    Wir werden also in aller Regelmässigkeit neue Standarts bekommen, damit eine neue Hardware notwendig wird, die angeschaft werden muß. Die Frage um´s Mooresches Gesetz ist keine phänomenale Frage (Leistungsfähigkeit als Ziel), sondern eine Existenzfrage, die nur durch Wachstum sichergestellt werden kann. Leistungsteigerung nicht als Innovation, sondern als Existenzerhaltung wegen Wachstumszwang – sonst die ganze Infrastruktur zusammenbricht und damit gleich gar nichts mehr leisten/produzieren kann.

    Im Grunde braucht man also keine Naturkatastrophenszenarien, um die Instabilität hochgezüchteter Technologisierung und Infrastruktur zu erkennen. (mir fällt dazu gerade die kubanischen verhältnisse ein: veraltete Hardware und minderwertige Vernetzung und zudem auch noch zugriffsbeschränkt, weil die Kapazitäten nicht groß genug sind – nicht mal deswegen, weil Ideologie eine große Rolle spielt)

  6. @ Herr Grüter :

    Früher oder später wird es eine größere Wirtschaftskrise oder einen Krieg geben. Es wird eine große Naturkatastrophe kommen. Statt uns darauf zu verlassen, dass dann schon alles gut gehen wird (es ist doch immer alles gut gegangen, oder nicht?) sollten wir uns überlegen, wie wir diese Herausforderung meistern. Noch ist Zeit.

    Es wird irgendwann alles geben, was halten Sie von der naiven Sicht, dass moderne aufklärerische Gesellschaftsysteme untereinander so gut wie keine Kriege führen, Wirtschaftskrisen als negativen Ausschlag in der allgemeinen Leistungsbilanz pflegen dürfen und dass sich an wirklich große Naturkatastrophen niemand erinnert?

    Dies vor dem Hintergrund gefragt, dass werdende Rückschläge leider nicht umfänglich vorbereitend geplant werden können in der dann notwendigen Bearbeitung?

    MFG
    Dr. W

    • was halten Sie von der naiven Sicht, dass moderne aufklärerische Gesellschaftsysteme untereinander so gut wie keine Kriege führen, Wirtschaftskrisen als negativen Ausschlag in der allgemeinen Leistungsbilanz pflegen dürfen und dass sich an wirklich große Naturkatastrophen niemand erinnert?

      Ich halte das für eine naive Sicht. Gerade im Moment stellt sich beispielsweise die Frage, ob die Großmächte dieser Welt hauptsächlich “moderne aufklärerische Gesellschaftssysteme” haben. Die Bankenkrise von 2008 hat das Weltwirtschaftssystem schwer angeschlagen, die Folgen sind noch nicht ausgestanden. Und tatsächlich erinnert sich heute kaum noch jemand an die Tsunamis vom 2004 im Pazifik (230000 Tote) und in Japan 2011 (19000 Tote). Das liegt sicherlich nicht daran, dass solche Katastrophen selten sind, sondern an dem außerordentlich kurzen Gedächtnis der Menschen. Man kann noch so oft darauf hinweisen, dass alle 200 – 500 Jahre mit einem Vulkanausbruch zu rechnen, der weltweit zu massiven Missernten führt (zuletzt 1815). Oder dass ein starker Magnetischer Sturm weltweit zu massiven Schäden an der Elektronik und der Stromversorgung führen kann. Bevor es nicht geschieht, glaubt es einfach niemand.
      Gerade in Deutschland, wo für alles und jedes Planspiele veranstaltet werden, sollten wir uns eigentlich Gedanken über die Vermeidung der schlimmsten Folgen von Kriegen und Katastrophen machen.

      • @ Dr. Grüter :

        Gerade in Deutschland, wo für alles und jedes Planspiele veranstaltet werden, sollten wir uns eigentlich Gedanken über die Vermeidung der schlimmsten Folgen von Kriegen und Katastrophen machen.

        Danke für Ihre Nachricht. – Ihr Kommentatorenfreund ist hier natürlich optimistischer, sieht beispielsweise, dass der Primat sich erst kürzlich erhoben hat die Welt zu erkunden; dabei auch heute ganz erstaunliche Technologie sein eigen nennt, bspw. das Internet, das ja gerade auf den Stationsausfall hin optimiert ist.

        Äh, …, …, wo war er stehen geblieben?, …, …, ach ja, also es ging um die mittlerweile vergleichsweise solide Ausstattung der genannten Lebensgruppe und darum, wie diese mittlerweile aufgestellt ist: So ganz schlecht stehen die nun nicht da, oder?, die Primaten? – Vielleicht darf hier i.p. Katastrophe, K-Fall und so vielleicht doch auf das vglw. einfache Überwinden gehofft werden?, die bisherigen Herausforderungen zugrunde gelegt?

        MFG
        Dr. W (auch Ihr werte Gattin grüßend)

        • Die Hoffnung stirbt bekanntlich zu Letzt 😉 und die sollten wir nie aufgeben, dass ist richtig. Aber das alleine reicht leider nicht, um auch derartige Ereignisse (“Schwarze Schwäne”) abzuwenden, so wie alleine der Glaube an die Energiewende und den Umstieg auf erneuerbare Energieträger nicht ausreicht, das auch vernünftig und ohne gefährliche Sackgassen zu machen.

          Natürlich weiß niemand, wie die Zukunft genau aussehen wird und was uns noch alles überraschen wird. Wir können aber ein paar Dinge von der Natur abschauen – die hat sich nämlich schon etwas länger bewährt, als wir Primaten, geschweige den, unsere technischen Errungenschaften. Und ein wichtiger Aspekt ist dabei “small is beautifull” – nicht alles miteinander vernetzen, denn wenn es eine größere Störung gibt (siehe Dinosaurier), dann hat das weitreichende Auswirkungen. Diesen Fehler machen wir aber gerade in sehr vielen Bereichen. Wir machen alles voneinander abhängig und das noch dazu betriebswirtschaftlich optimiert mit immer weniger Redundanzen. Das Problem in der Geschichte ist, dass wir nur das mehr sehen können, was sich bewährt hat. Das andere wurde selten festgehalten … außer vielleicht der Neandertaler.

          „Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: ‘Das ist technisch unmöglich!’“
          Peter Alexander Ustinov

          Nein, wir müssen jetzt nicht panisch werden und uns vor allem und jeden fürchten, aber etwas mehr Weitsicht und vernetztes und systemisches Denken würde nicht schaden.

  7. Gibt es auf Krisenängste nur die Antwort der Preppers
    Anstatt viele einzelne Akteure, die in eine kritische Lage geraten könnten, gibt es immer mehr nur das zunehmend komplexe Weltsystem in dem alles von allem abhängt. Zugleich sind die Selbstverteidigungskräfte und Selbstbehauptungsanstrengungen einzelner Länder oder Regionen schwächer geworden gerade auch weil immer mehr an die Interdepenz glauben, welche nur Lösungen in Abstimming aller Parteien erlaube. Gibt es doch einmal eine Krise, dann wird doch die Vernunft obsiegen und die Abstimmung der Interessen aller Nationen in einem der dafür vorgesehenen Gefässe, UNO, G8 oder G20, einen Ausweg eröffnen, so der weitverbreitete Glaube.
    Doch die Geschichte zeigt, dass dieser Optimismus keine reale Grundlage hat. Komplexe Systeme, egal ob natürlicher oder anthropogener Genese neigen zu unvorhersehbarem Verhalten in dem Bifurkationen von einem als stabil geglaubten Zustand wegführen hin zu unknown territory. In jüngerer Zeit haben sich auch Naturwissenschaftler wie Didier Sornette mit diesem Problem beschäftigt. Didier Sornette ist dabei der Überzeugung, dass Komplexität letzlich unbeherrschbar bleibt und die Antwort auf komplexe Probleme nicht selbst komplexe Regelwerke sein können, sondern dass einfache Vorkehrungen wie beispielsweise eine Reduktion der Interdependenzen viel bessere Resultate zeitigen. Leider haben solche Überlegungen bisher keine Konsequenzen. Ein wichtiger Grund dafür ist die Illusion der Kontrolle

  8. @Martin Holzherr
    Ihr Beitrag beschreibt die Situation sehr gut.
    Am Samstag in der Früh gab es im österreichischen Qualitätsradio Ö1 eine sehr passende Meldung zum Einmarsch Russlands in der Ukraine: “Auch wenn so gut wie alle Experten es für unwahrscheinliche bezeichnet haben, dass Russland in der Ukraine militärisch interveniert, die aktuellen Berichte von der Halbinsel Krim deuten darauf hin, dass das angeblich Unwahrscheinliche bereits unwahrscheinlich real ist.”

    Komplexität kann nicht durch Trivialisierung und Zerstückelung in verdaubare Einzelstücke bewältigt werden – davon zeugen immer mehr gescheiterte Großprojekte.
    Eine Komplexitätsreduktion durch eine Reduktion der Interdependenzen macht aber Sinn, da damit die möglichen Wechselwirkungen und die Dynamik reduziert werden können.
    Dennoch benötigen wir auch neue Lösungskompetenzen, um mit beschränkter Komplexität umgehen zu können. Denn ohne Komplexität gebe es auch keine Weiterentwicklung.
    Die Basis dafür ist aber systemisches Wissen und vernetztes Denken und Handeln. Und hier haben wir wohl noch größere Lücken, vor allem in der Ausbildung, wo wir noch häufig nach dem Muster der Industriegesellschaft und nicht nach den neuen Erfordernissen der Netzwerkgesellschaft ausbilden.
    Derzeit wird häufig versucht, Komplexität mit den bisher in linearen und mechanischen Systemen erfolgreichen Kompetenzen vorzugehen – mit den entsprechenden Folgen.

    Und hier kommt wohl wieder die “Schöpferische Zerstörung” von Schumpeter oder die “8” in der Resilienz zum Tragen. Wir hätten zwar das Wissen, um es besser und vernünftiger zu machen, aber wir halten lieber an alten, eingefahrenen und erprobten Pfaden fest.

  9. Facebook kauft Titan Aerospace und will mit den Stratosphärendrohnen, die diese Firma herstellt ganz Afrika ans Internet (und an Facebook) anschliessen. Das zeigt für mich doch, dass wir nicht so schnell offline gehen. Denn damit steigt die Ausfallsicherheit des Internets.

    • Die Meldung über Facebook und die Drohnen habe ich auch gelesen. Leider wird ein Netz aber nicht sicherer, indem man es ausdehnt. Die Stratosphärendrohnen dienen zunächst nur als Basisstationen, wenn ich das richtig verstanden habe. Das sind die Stationen, die hier in Kirchtürmen und auf Dächern stehen. Dahinter muss aber ein weitere Infrastruktur stehen, und die wird durch die Ausdehnung nicht gestärkt.

      • Das Facebook-Projekt wird von vielen mit Googles Loon verglichen: “The project would be in direct competition with Google’s Project Loon, which will see 30 balloons launched into the stratosphere where they would form a network “. Googles Ballonnetzwerk wird nicht nur als Sendemast dienen, sonden es werden auch Daten von Ballon zu Ballon weitergereicht. So wird das wohl auch mit den Titan-Drohnen sein.

      • Über Google-Loon liest man auf Where Loon is going folgendes:

        Looking ahead, Project Loon will continue to expand the pilot through 2014, with the goal of establishing a ring of uninterrupted connectivity around the 40th southern parallel, so that pilot testers at this latitude can receive continuous service via balloon-powered Internet.

        • Google-Loon und auch das Facebook Drohnen-Netzwerk werden wohl Daten von verschiedenen Basisstationen über das gesamte von den Ballonen oder Drohnen abgedeckte Gebiet verteilen können. Natürlich können dann immer noch die Basisstationen ausfallen. Doch bei der üblichen Internetarchitektur sollten dann andere Basisstationen einspringen können.
          Wir haben heute schon ein globales Glasfasernetz und ein globales Satellitennetz welche in der Lage sind Internetdaten global zu verteilen. Jetzt kommt für den ärmeren Teil der Menschheit ein Stratosphärenballonnetz und ein Stratosphärendrohnennetz dazu.

      • Im Singularity-Hub-Artikel Facebook Will Expand Global Internet Access And Reach With Drones and Satellites werden die Pläne für ein Facebook eigenes Netz von fliegenden “Basisstationen”, bestehend aus Stratosphärendrohen und Satelliten, erläutert.
        Das White-Paper von Mark Zuckerberg geht auf die Details ein. Eine gute Abdeckung eines grossen Gebiets ohne terrestrische Kommunikationsinfrastruktur soll mit einer Vielzahl von Stratosphärendrohnen erreicht werden, von denen jede ihre Sendeleistung mit Solarzellen gewinnt und die untereinander mit FSO (free space optics) kommunizieren.

  10. Thomas Grüter scheint nicht ganz allein zu sein mit seiner Warnung vor dem bevorstehenden Kollaps komplexer Systeme.
    Im New Scientist wird auf die Umfrage von Edge.org zum Thema What should we be worried about? eingegangen.
    Befragt werden dabei bekannten Persönlichkeiten aus der Wissenschaft und es wird beispielsweise festgestellt: “Complex systems like the internet might not be robust enough”.

    • Ja, es gibt da noch ein paar mehr Leute, die sich mit komplexen Systemen auseinandersetzen und bisher keine Ansätze gefunden haben, warum wir Menschen mit unserer Technik die Systemcharakteristiken komplexer Systeme aushebeln können sollten … ganz im Gegenteil, und das sollte uns wirklich zu Denken geben.

      Um ein paar zusätzliche Autoren anzuführen:
      * Nassim Taleb, Der Schwarze Schwan
      * Ralph Langner, Industrial Control System Security
      * Johne Casti, Komplexitätsforscher

      Ein paar Zusammenfassungen sind dazu hier zu finden: http://www.cybersecurityaustria.at/index.php/blog/buecher/

      • Herr Saurugg, netter Name btw, Ihr Kommentatorenfreund hat sich jetzt ein einige Informationen hochkommen lassen, geht das so, was Sie und andere vertreten, Richtung libertärer Zukunftspessimismus?

        MFG
        Dr. W (der nie erwartete komplexe ‘Systemcharakteristiken’ jemals ausgehebelt zu sehen (sauruckelnd sozusagen, sr wg. des Gags), der nur grob um Hinweise zur Einordnung der grundsätzlichen Sichtweise bittet)

        • Wäre ich Pessimist, hätte ich mich wohl bestenfalls schon auf eine einsame Insel zurückgezogen…

          Ich schätze mich eher als optimistisch bzw. realistisch ein, andernfalls wäre es mir nicht so ein großes Anliegen, diese Themen in die Breite zu bringen. Denn es ist nicht alles hoffnungslos. Wir haben genügend Wissen, wie wir Systeme vernünftiger und nachhaltiger gestalten können. Jedoch sind wir noch in der bisherigen Systemlogik – Wachstum um jeden Preis – gefangen. Und die Transformation zur Netzwerkgesellschaft wird nicht ganz reibungslos ablaufen, so wie sie es von der Agrar- zur Industriegesellschaft auch nicht war. Wir sägen derzeit an vielen Ästen, auf denen wir noch sitzen …

          Ich habe die Wahrheit nicht gebucht – daher bin ich für entsprechend fundierte Gegenargumente jederzeit zugänglich ;-).

Schreibe einen Kommentar