Atomkrieg – welche Gefahren heute lauern

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die Psychologie irrationalen Denkens
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Atomkrieg, war das nicht der Schrecken der Menschen in der historischen Zeit nach dem zweiten Weltkrieg? Heute redet niemand mehr davon. Die Bedrohung durch die Explosion eines Atomkraftwerks erscheint uns größer als die Gefahr eines nuklearen Waffengangs. Aber diese Haltung ist kurzsichtig und falsch.

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI hat gestern die neuesten Daten über die Anzahl der nuklearen Sprengköpfe in der Welt vorgelegt. Die Gesamtzahl ging um ca. 1500 von 20500 auf 19000 zurück. Die meisten davon lagern in den USA und in Russland. Übrigens hat die Federation of American Scientists auf dieser Webseite eine ständig aktuell gehaltene Tabelle von strategischen und taktischen nuklearen Sprengköpfen. Sie kommen derzeit auch auf ca. 19000 Sprengköpfe. Etwa 4200 können innerhalb weniger Stunden gestartet werden.

Wie groß ist nun eigentlich die Gefahr eines Nuklearkriegs? Derzeit gibt es acht Atommächte, Iran und Nordkorea bereiten den Bau von Atombomben vor. Wissenschaftler haben seit dem zweiten Weltkrieg versucht, Szenarien durchzuspielen, die zu einem Atomkrieg führen können. In der von zwei Machtblöcken dominierten Nachkriegswelt war das relativ einfach, in der multipolaren Welt von heute ist es unmöglich. Mit acht und eventuell bald 10 oder mehr Staaten, die Atomwaffen besitzen, kann niemand eine realistische Bedrohungsanalyse erstellen.

Markus Becker warnte heute in Spiegel online vor einem versehentlich ausgelösten Atomkrieg im nahen Osten. Das hört sich bedrohlich an, wäre aber nicht einmal das schlimmste mögliche Szenario.

Betrachten wir einmal drei mögliche Szenarien.

1. der EMP-Schlag

Der sogenannte NEMP (nuklearer elektromagnetischer Puls) tritt auf, wenn eine Atombombe in großer Höhe (40-200 km) gezündet wird. Hitzeblitz, Druckwelle und Radioaktivität würden auf dem Boden kaum Auswirkungen haben, aber ein enormer elektromagnetischer Puls würde die elektronische Infrastruktur im Umkreis von mehreren Hundert Kilometern zerstören. Bereits 10-20 kleine Atomwaffenexplosionen würden ausreichen, um in Nordamerika, Europa, Japan und Teilen von China das gesamte Mobilfunknetz, große Teile des Internet, viele elektronisch gesteuerte Dienste und ein Großteil der Computer und Laptops zu zerstören. Für Europa reichten vier oder fünf solche Explosionen, um ein völliges Chaos anzurichten.

Krankenhäuser, Polizei und Feuerwehr wären nur noch sehr eingeschränkt arbeitsfähig. Die Sender der Handynetze wären unbrauchbar. Rundfunk, Fernsehen und Internet würde für Tage bis Wochen ausfallen, nicht einmal Zeitungen könnten erscheinen. Die elektronischen Steuerungen der Heizungsanlagen wären durchgeschlagen, bei Frost müsste man mit dem massenhaften Auftreten von Wasserleitungsbrüchen rechnen. Die Industrieproduktion bräche zusammen, auch das Stromnetz wäre vermutlich für Wochen gestört. Eventuell stürzt die innere Ordnung der Industriestaaten gänzlich zusammen. Die Demokratie könnte dann einer Anarchie oder einer Diktatur weichen.

Bei einem weltweiten Angriff wäre die moderne computerbasierte Infrastruktur vermutlich auf Dauer vernichtet, weil die High-Tech-Fabriken für Chips und Computerbauteile zerstört sind, und nicht so schnell ersetzt werden können. Die Vorstellung ist gespenstisch: In den riesigen Fabrikhallen ist alles an seinem Platz, kein Fenster ist eingedrückt, nichts ist verbogen oder verbrannt. Aber das Licht ist erloschen, die Leitstände und die Maschinen zeigen keine Spur von Leben, Telefone und Handys verbinden nirgendwohin. Die Welt wäre in die Ära der Röhren und Einzeltransistoren zurückgeworfen.

Computersysteme und elektronische Steuerungen lassen sich mit überschaubarem Aufwand gegen den EMP härten. Allerdings würde das die Anlagen verteuern und deshalb sind nicht einmal kritische Infrastrukturen abgesichert. Schon ein Blitzschlag in 50 Meter Entfernung kann einen modernen Computer oder eine Heizungssteuerung zerstören. Angesichts der möglichen Auswirkungen eines EMP ist das ein unverständlicher Leichtsinn.

Nordkorea hat vermutlich genug spaltbares Material für 5-10 Atombomben. Das würde schon ausreichen, um die westliche Welt schwer zu treffen. Unsere Abhängigkeit von elektronischen Systemen wird immer größer, und wer weiß schon, welche Länder in den nächsten dreißig Jahren auf die Idee kommen, sich Atomwaffen zuzulegen?

2. Szenario – Regionaler Atomkrieg

So schrecklich ein begrenzter Atomkrieg wäre, die Europäer sind bisher davon ausgegangen, dass die Auswirkungen sie nicht unmittelbar betreffen. Nach Untersuchungen des amerikanischen Klimatologen Alan Robock wiegen wir uns aber in falscher Sicherheit. Er hat berechnet, dass schon ein regionaler Atomkrieg beträchtliche Auswirkungen auf das Klima hat. Millionen Tonnen von Rauch, Staub und Asche würden die Sonne weltweit verdunkeln. Ein Krieg zwischen Pakistan und Indien, bei dem 100 kleinere nukleare Sprengköpfe detonieren, würde weltweit die Durchschnittstemperatur für ca. 1,25° C senken. Die Regenmenge würde deutlich zurückgehen. Die mittleren und hohen Breiten wären stärker betroffen als die Tropen. Man müsste also weltweit mit katastrophalen Missernten rechnen. Das könnten in einer ohnehin instabilen Welt schwere Verteilungskriege auslösen

3. Szenario – großer Atomkrieg

Wenn die Atommächte wirklich aus irgendeinem Grund mehr als Tausend nukleare Sprengsätze zünden würden, wäre die Menschheit am Ende. Nicht die akuten Zerstörungen, auch nicht die Radioaktivität würde das Ende unserer Art einleiten, sondern der nukleare Winter. Die Temperaturen würden weltweit für mehrere Jahre zwischen ca. 5 und 20° C fallen (im Durchschnitt zwischen 3 und 7 ° C). In Mitteleuropa frieren die Flüsse und Seen zu. Der Bodensee taut nicht einmal im Sommer auf. Auf Jahre hinaus ist Landwirtschaft nur noch in den Tropen möglich. Die gesamte nördliche Halbkugel würde fast vollkommen entvölkert werden. Die Ozonschicht löst sich auf, die zerstörerische UV-Strahlung macht die Menschen blind und zerstört ihre Haut. An der Oberfläche der Ozeane setzt ein massenhaftes Algensterben ein, das Meer stinkt nach Verwesung. Wer sich unabhängig von Zahlen und Tabellen über die Folgen eines massiven atomaren Schlagabtauschs informieren will, dem sei der britische Film „Threads“ aus dem Jahre 1984 empfohlen. Er ist in seinem schonungslosen Realismus allerdings nicht leicht zu ertragen (unbedingt Taschentücher bereithalten!)

Die beiden großen Atommächte USA und Russland halten ihre Atomraketen möglichst weit verteilt, damit sie bei einem Erstschlag der anderen Seite noch zurückschlagen können. Sie haben ihre Raketen auf U-Booten versteckt und in tiefe Bunker eingemauert, damit sie auch nach einem überwältigenden Angriff noch gestartet werden können. Mutual Assured Destruction (MAD) lautet das Stichwort. Nach Robocks Berechnungen wäre dieser Irrsinn allerdings überflüssig. Bereits ein massiver Erstschlag würde den für alle Seiten tödlichen nuklearen Winter auslösen.

Hoffen wir, dass es nie dazu kommt. Wir sollten uns aber darüber im Klaren sein, dass ein Atomkrieg keineswegs ein Schreckgespenst vergangener Zeiten ist.

Thomas Grüter

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

9 Kommentare

  1. Surviving a total nuclear war possible

    Ob es einen nuklearen Winter des oben beschriebenen Ausmasses gibt, hängt entscheidend von der Menge an Staub- und Russpartikeln ab, die in die Stratosphäre gelangen. In der englischsprachigen Wikipedia wird unter Nuclear winter angenommen, dass 1/3 des globalen nuklearen Materials 50 Teragramm Partikel in die obere Atmosphäre freisetzt . Unter dieser Annahme ergeben sich jahrelange globale Abkühlungen von mehreren Grad. Schlimmer wäre natürlich eine totaler nuklearer Krieg mit 150 Teragramm freigesetzten Partikeln.

    Doch die entscheidende Annahme, dass nämlich Feuerstürme sehr viele Städte komplett abbrennen lassen, basiert auf historischen Vergleichen mit Hiroshima und heutige Städte sind viel weniger stark entflammbar als Hiroshima das war. Zudem brannte Hiroshima vor allem deshalb völlig ab, weil durch die Bombenexplosion um 08:15 viele Herdfeuer (für das Frühstück) auf die Gebäude übergriffen. Zudem gab es in Hiroshima in den 3 Wochen vor der Bombe keinen Regen. In Nagasaki kam es nicht zu einem solchen Feuersturm.
    Nun gut. Das ist alles in der Wikipedia nachzulesen.

    Besonder stark hat sich Brian Wang auf seiner Site NextBigFuture mit dem Thema nuklearer Winter auseinandergesetzt. Hier zwei Links zu seinen Auslassungen:
    Nuclear Famine Fears based on Faulty Assumptions
    Nuclear Winter and City Firestorms

    Die Aussage im obigen Artikel Wenn die Atommächte wirklich aus irgendeinem Grund mehr als Tausend nukleare Sprengsätze zünden würden, wäre die Menschheit am Ende
    darf deshalb – weil keine solchen ganze Städte verzehrenden Feuerstürme zu erwarten sind – bezweifelt werden.

    Das heisst also, dass viele Menschen einen totalen nuklearen Krieg überleben würden. Doch das wirft natürlich andere Fragen auf, wie etwa die folgenden:

    Sollte man sich auf einen totalen nuklearen Krieg vorbereiten?
    Wahrscheinlich nicht, denn worin sollte die Vorbereitung bestehen? Zudem ist die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses sehr gering.

    Sollte man sich auf einen regionalen nuklearen Krieg vorbereiten? Schon eher, denn je nach Vorbereitung würde man eine kritische Zeitdauer von einigen Monaten bis wenigen Jahren besser oder weniger besser überstehen. Die Vorbereitung müsste wahrscheinlich vor allem organisatorischer Art sein. Deutschland könnte beispielsweise eine Art Rationierungssystem, dass dann zur Anwendung käme, schon jetzt ausarbeiten.

    Sollte man sich auf einen EMP vorbereiten? Auf alle Fälle. Kritische Systeme sollten gegen einen EMP-Schlag gesichert werden und es sollte Prozeduren geben, die es erleichtern, Handynetze und so weiter nach einem solchen Schlag in möglichst kurzer Zeit zu reaktivieren.

  2. Atomkriege

    Eine sehr bedenkenswerte Analyse! – Zu den großen Atommächten USA, Russland und China vielleicht noch: Hier ist man mittlerweile wirtschaftlich stark interessiert und gebunden, in Russland wie in China haben wir vielleicht unter dem politischen Mantel Plutokratien festzustellen, was die diesbezüglichen Risiken minimiert.

    Die Bedrohung durch Kleinstaaten hat dagegen massiv zugenommen, d.h. ein begrenzter Nuklearkrieg wird wahrscheinlicher. – Man spricht heute nicht mehr gerne darüber und Hinweise wie aus dem Hause Grass sind wenig geeignet eine vernünftige Diskussion anzustoßen, Hinweise aus dem Iran und aus Pakistan dagegen eher.

    MFG
    Dr. Webbaer

  3. @Martin Holzherr

    Brian Wang ist in der Tat davon überzeugt, dass die Klimaeffekte nach einem großen Atomkrieg wesentlich geringer ausfallen, als Robock berechnet hat. Ich habe seine Blogposts sorgfältig gelesen, dabei aber den Eindruck gewonnen, dass er Robock nicht ganz richtig gelesen hat. Robock geht nicht davon aus, dass in allen Städten Feuerstürme ausbrechen. Er stützt sich bei seinen Annahmen über das Eindringen von Ruß, Staub und Asche in die Stratosphäre vielmehr auf frühere Arbeiten, z.B. von Turco et al. 1983. Ich kann Wangs Ansicht nicht teilen, dass sie behauptet, in jeder getroffenen Stadt würden Feuerstürme ausbrechen. Dafür berücksichtigt sie auch die Möglichkeit von großen Waldbränden. Deutschland ist beispielsweise zu einem beträchtlichen Teil von Wäldern bedeckt, die nach einer Kernwaffenexplosion teilweise verbrennen würden. Robock neues, auf genaueren Simulationen basierendes Modell geht gegenüber älteren Modellen davon aus, dass der nukleare Winter länger dauert als angenommen, weil die Teilchen nicht Monate, sondern Jahre in der Atmosphäre verbleiben.
    Wenn ich Robock richtig verstehe, geht er auch nicht davon aus, dass in seinem schlimmsten Szenario 150 Millionen Tonnen Rauch und Asche in die Stratosphäre eindringen (wie Wang unterstellt), sondern dass sie insgesamt entstehen. Aber selbst wenn man annimmt, dass Robock ein Worst-Case-Szenario aufbaut, ist es wohl besser, man lässt es nicht darauf ankommen. Nach den Berechnungen der Arbeitsgruppe von Carl-Friedrich von Weizsäcker würden schon 70 Explosionen von je 2 MT ausreichen, um das Gebiet der alten Bundesrepublik sofort völlig zu zerstören. Bei einem Austausch von mehreren Tausend Nuklearwaffen müsste man mit dieser Größenordnung rechnen. Die meisten Menschen hier hätten dann nicht mehr genug Lebenszeit, zu verhungern. Der Film Threads zitiert eine britische Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass einige Jahre nach der Explosion von 100 Atombomben auf den britischen Inseln nur noch 10-15% der Bevölkerung am Leben sein werden.

  4. @Thomas Grüter: Overkill ohne Sinn

    Besten Dank für die ausführliche Antwort. Ich verstehe nicht ganz, warum man die Zahl der Atomwaffen nicht längst auf einen zehntel der heutigen Zahl reduziert hat. Diese Reduktion würde bereits genügen um ein völliges Auslöschen der Menschheit auszuschliessen.
    Die Überzahl der Atomwaffen macht überhaupt keinen Sinn.

  5. Biologische Waffen sind unser Untergang

    Letztlich wird alles, was technisch möglich ist, auch irgend wann
    einmal realisiert. Man denke nur an die Atombombe und die Atomkraftwerke.

    Da es aber nicht so viel Radioaktivität zu verteilen gibt um die Menschheit auszurotten,
    kann man von einem anderen Ende ausgehen:
    So kann man getrost davon ausgehen, dass die Menschheit früher oder später durch
    einen selbsgemachten hochansteckenden Virus sich selbst auslöschen wird.

    Schon vor Jahren konnte man (ohne RNA-Material !) nur durch Bestellung gewöhnlicher
    Chemikalien (z.B. Aminosäuren u.a.) aus dem Internet recht leicht einen allerdings
    wenig ansteckenden Grippevirus selber zusammenbasteln.

    Inzwischen hat ein holländischer Forscher durch Genvariation einen ohnehin schon
    tödlichen H5N1-Virus zu einem H5N1-Typ, der sich leicht über die Luft (Tröpfchen)
    überträgt, verändert. (dazu haben sich zwei in Käfigen nebeneinander stehende Marder
    durch die Luft mit diesem gebastelten Virus infiziert und getötet)

    Die RNA-sequenzen zu dieser absolut tödlichen, durch Tröpcheninfektion durch die
    Luft auch z.B. am Flughafen übertragbaren H5N1-Version sind im Internet (wegen
    “Forschungsfreiheit”) frei einsehbar(!) und von jedem Terroristen (egal welcher Religion)
    nachbaubar (sofern er sich eines Tages die Mühe machen sollte, sich etwas in die
    RNA-Reproduktion einzuarbeiten; Labors dazu sind sehr viel einfacher als z.B.
    Uran-Zentrifugen).

    Die Frage ist also nicht, ob so ein Virus die Menschen oder zumindest
    viele Millionen von ihnen töten wird, sondern nur wann das sein wird
    (Gesetze gegen die Veröffentlichung wären daher zwar nötig, verstößen aber gegen den
    offenbar höher zu wertenden “freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur” und würden
    daher zu weit reichende Eingriffe in die “Presse- und Publikationsfreiheit” bedeuten).

    Da kann man nur hoffen, dass man noch ein paar Jahre lebt bevor das irgendein Irrer oder
    Selbstmörder umsetzt…

    • Zustimmung Antiviral: Je mehr Menschen tödliche Waffen/Gifte/GM-Viren zur Verfügung haben umso wahrscheinlicher ein Doom-Szenario. Die meisten Leute, auch die meisten Regierungen sind sich dieser Gefahr nicht bewusst. Das ist aber gut erklärbar und zeigte sich auch im 9/11-Ereignis: Erst nachdem die Zwillingstürme (WTC) in Schutt und Asche lagen wird mit dieser Gefahr gerechnet (die Zone-Zero-Nachfolgehochhäuser sind nun gegen einen Flugzeugangriff gewappnet), denn es gibt sehr viele Möglichkeiten unser Leben vorübergehend schwer zu stören und es muss zuerst etwas konkretes passieren bevor man die Gefahr überhaupt als wahrscheinlich betrachtet.

      Das schlimme an dieser Situation ist folgendes: Sollte schon der erste Anschlag auf die Menschheit (durch einen Menschheitsattentäter) einen grossen Schaden anrichten und viele Opfer kosten, könnte es zu spät sein um Sicherheitsmassnahmen zu ergreifen, selbst wenn viele Menschen den Anschlag überleben. Die Zivilisation könnte nämlich trotzdem zusammenbrechen, hängt sie doch von sich selber ab, denn sie schaftt Ordnung und diese Ordnung wiederum ist die Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Zivilisation.

      Diese Überlegungen lassen mich Elon Musks Ziel, aus der Menschheit eine multiplanetare Spezies zu machen, gut verstehen. Denn: Gibt es nur Menschen auf der Erde dann braucht es – aus heutiger Sicht – wenig um ihre weitere physische und/oder zivilsatorischen Zukunft für immer zu kompromittieren. Wenn die Menschheit aber auch Kolonien auf anderen Himmelskörpern unterhält, sieht es besser aus.
      Für mich ist dies letztlich die Konsequenz daraus, dass der Mensch und seine Zivilisation ein in mehrfacher Hinsicht offenes System ist. In diesem offenen System gibt es keine Sicherheit. Diese Offenheit kennzeichnet auch das biologische Leben als Ganzes. Sie hat das Problem vor allem durch die Biodiversität und die vielen Lebensräume gelöst. Dass alles Leben ausgelöscht wird ist deshalb unwahrscheinlich. Der Mensch schafft nun seinen eigene künstliche Welt: Diese Welt wird nur Bestand haben wenn sie wichtige Merkmale aus der Welt der biologischen Geschöpfe, Arten und Ökosysteme, Merkmale wie Diversität und relative Autonomie von Teilsystemen ebenfalls realisiert.

  6. Es würde HEUTE keinen nuklearen Winter geben, auch kein globales Fallout aus folgenden Gründen:

    1. Bei einer Explosion von 1 Mt in Bodennähe erreicht die Staubwolke die Grenze zur Stratosphere, daß bedeutet das alle Sprengköpfe über 1 Mt globale Auswirkungen haben, und alle unter 1 Mt nur lokale.
    WICHTIG: eine Explosion in Bodennähe (oder unter der Erdoberfläche oder unter Wasser) verursacht Fallout, wenn aber die Explosion in der Luft sich ereignet und der Feuerball den Boden nicht erreicht, gibt es kein Fallout (ganz genau gesagt, es würde absolut minimal sein).
    Um Fallout zu vermeiden gibt es den Begriff bzw. die Sprenghöhe (HOB) “No fallout height of burst”, die bei 1 Mt 869 Meter ist, bzw. wegen meteorologischen Faktoren zwischen 669-1100 Metern liegt. Der Feuerball hätte in diesem Fall einen Radius von 531 Meter. Es gäbe keinen Fallout… ABER eben wegen der Sprenghöhe würde der Staub doch in die Stratosphere gelangen.

    Und eben da verlieren die meisten “zivilen” Forscher den Pfad im Dschungel…

    Man sollte nur einfach einen Blick auf die heutigen Sprengköpfe werfen… die größte Sprengkraft liegt bei 800 kt (russicher R-36M2/RS-20V/SS-18M6). (China hat noch 3,3 und 5 Mt Sprengköpfe, die werden aber derzeit ausgemustert auf kleinere MIRV und MaRV Ladungen.)

    ALLE SPRENGKÖPFE weltweit haben 100-800 kt!!!

    800 kt… weil es da bei einer Explosion in der Luft weder Fallout gibt, noch die Stratosphere erreicht sein würde (“No fallout HOB: 795 Meter, bzw. 612-1000 Meter).

    Man sollte auch die Sprengköpfe bzw. ICBMs und SLBMs des Kaltenkrieges und von heute geunauer betrachten. Im Kaltenkrieg waren die strategischen Ladungen – zich Tausende – 1-25 Mt, die Treffgenauigkeit (CEP) lag bei 0,5-5km, es gab weit mehr Schilos, was dierekte Bodentreffer benötigte (=FALLOUT), und auch die damaligen MRV (meherere Sprengköpfe) und MIRV (meherere Sprengköpfe die autonom gesteuert werden können) Sprengköpfe waren wegen des schlechten CEP auf das selbe Ziel vorgesehen. Heute nicht.

    (Man sollte im algeimeinen verstehen wie die Zerstörungskraft einer Atomexplosion optimalisiert werden kann: mit der Sprenghöhe (HOB) kann man zb. den statischen Überdruck (static overpressure) optimalisieren, im Sinne der Fläche oder auch im Sinne eines bestimmten Überdrucks (25 psi) auf die größt mögliche Fläche… beide haben verschieden HOBs… und das könnte ich jetzt Seiten lang weiter schreiben.)

    2. Feuersturm (wurde oben schon angesprochen): Dresden, Hamburg, Tokio und Nagasaki hatten ihre Gründe…

    Ein Feuersturm benötigt eine kritische Dichte brennbarer Materialien: 0,337 kg/m2
    Hamburg hatte einen Wert von 1,348 kg/m2. Eine Stadt von heute hat einen Wert von 0,084-0,211 kg/m2.

    Und die ICBMs und SLBMs zielen nicht unbedinkt auf Städte…

    Scenario: HEMP
    – HEMP E1 (kommt in der Natur nicht vor) ca. 50kV/m maximale Feldstärke in 3.8 Nanosekunden, betroffene Fläche hängt mit der Höhe der Explosion zusammen, zb. 500km USA, Teile Kanadas und Mexikos würden betroffen sein. Höhe 1500km, Radius am Boden 4000km (=wäre nicht kreisförmig!!!)
    – E2A und E2B (quasi wie ein Blitz) ist nur wegen der Synergie mit E1 und E3 wichtig, Feldstärke wesentlich kleiner als bei einem Blitz, aber betroffene Bodefläche immens groß
    – E3A und E3B (quasi wie ein geomagnetischer Sturm) verursacht GIC (=geomagnetisch induzierter Strom). E3A Blast ab 100km Höhe, stärke hängt von der Ladung ab, also ne 20 Mt Ladung wäre absolut BRUTAL. E3B Heave.

    • Hallo István, ich sehe, Sie haben sich ausgiebig mit dem Thema befasst. Es gibt heute in der Tat keine Megatonnen-Bomben mehr (das ist gut). Aber die Gefahr eines nuklearen Winters ist keineswegs gebannt. Er würde nicht allein von Feuerstürmen erzeugt, sondern auch von “normalen” Bränden, die als Folge von Atombomben-Explosionen ausbrechen. Hier ein Link zu einer der vielen Arbeiten von Alan Robock zu dem Thema: Nuclear winter is a real and present danger.
      Ferner bin ich nicht so recht überzeugt, dass in heutigen Städten kein Feuersturm mehr ausbrechen kann. Nur zwei Aspekte dazu:
      1. Der Hitzeblitz würde in Städten große Flächen des Straßenasphalt verdampfen. Der Dampf ist brennbar.
      2. Die vielfach verwendeten Styropor-Dämmungen sind zwar vielleicht schwer entflammbar, aber wenn sie einmal brennen, erzeugen sie eine enorme Hitze.

      Eine Korrektur hätte ich noch: Der Fallout entsteht größtenteils aus radioaktiv gewordenem Staub, der hochgewirbelt wird. Allerdings ist dafür nicht der Hitzeblitz, sondern der initiale Gammablitz und die Neutronestrahlung verantwortlich. Die Reichweite des Hitzeblitz ist nicht allein entscheidend.

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