Let There Be Light – Dokumentarfilm über Fusionsforschung

Vor ziemlich genau einem Jahr feierte ein Dokumentarfilm über Fusionsforschung auf einem kanadischen Filmfestival Premiere der etwas anders als der übliche Fusionsfilm daherkommt. 2017 tourte der Film durch zahlreiche internationale Festivals und seit kurzem ist er über amazon prime und vimeo (kostenpflichtig) erhältlich und ich kann jedem Leser dieses blogs nur empfehlen, den Film anzuschauen, es lohnt sich.

Verantwortlich für den Film sind der Emmy-Preisträger Mila Aung-Thwin und Van Royko und ich habe ihn als  „etwas anders“ bezeichnet, da hier nicht die Fusionsforschung selbst im Mittelpunkt steht, sondern die Forscher. Zudem beschränkt sich der 90 minütige Dokumentarfilm nicht auf ITER, es werden die privaten Projekte General Fusion und Focus Fusion vorgestellt sowie der Stellarator W7-X.

Let there be light, Filmposter. Bild: mit freundlicher Genehmigung von Mila Aung-Thwin.

Stellvertretend für ITER, führt Dr. Mark Henderson durch das Projekt. Er wird dabei als leidenschaftlicher Wissenschaftler präsentiert, der für Bau von ITER die Konstruktion einer Kathedrale als Vergleich heranzieht: er selber wird (zumindest offiziell) in Rente gehen, bevor an ITER die wirklich interessanten Experimente beginnen. Den größten Teil seines Berufslebens hat er allerdings genau mit der Planung und Vorbereitung dieser Experimente verbracht (entsprechend den Baumeistern einer Kathedrale).

Die Idee hinter der kanadischen Firma General Fusion wird von ihrem Gründer Dr. Michel Laberge erklärt: Kolben sorgen für eine mechanische Komprimierung des Plasmas – tatsächlich lösen die Kolben Schallwellen im Plasma aus, die für die Komprimierung sorgen. Nur durch geschickte Steuerung, soll heißen exaktes Timing ist wichtig, findet die Kompression gleichmäßig und lokal konzentriert statt. General Fusion hatte Ende 2016 65 Mitarbeiter und ca. 60 M€ Fördergelder eingesammelt, was beeindruckend für ein privates Unternehmen auf dem Gebiet der Fusionsforschung ist.

Eric Lerner wirkt ein wenig wie der schrullige Physiker der in seiner Garage an Fusionsreaktoren experimentiert und dürfte somit einige typische Klischees erfüllen. Sein Projekt Focus Fusion ist auch in der Tat das mit Abstand kleinste Unternehmen. Er versucht das Plasma mittels elektromagnetischer Kompression auf Fusionstemperaturen zu bringen und hat dazu auch einige vielversprechende Ergebnisse publiziert. Man sollte sich hier allerdings keine Illusionen machen, die beiden privaten Projekte sind noch deutlich vom break-even entfernt. Allerdings sind sie auch deutlich günstiger als ITER und insofern eine lohnende Investition (von spannenden und lustigen Experimenten selber mal ganz abgesehen).

Der Film führt mit kurzweiligen und schön anzuschauenden Animationsfilmchen durch die Geschichte der Fusion und auch einige Fusionskenner werden mit Sicherheit die eine oder andere neue Geschichte zu hören bekommen. Seine stärkste Szene hat der Film, wie ich finde, als Mark Henderson einigen Arbeitern auf der ITER-Baustelle erklärt, woran sie hier eigentlich arbeiten. Und bevor ich hier anfange den Film im Detail zu beschreiben, einfach anschauen (als Alternativprogramm zum Tatort heute). 

 

Veröffentlicht von

Alf Köhn hat in Kiel Physik studiert und an der Uni Stuttgart am Institut für Plasmaforschung promoviert. Momentan ist er als Post-Doc am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching tätig und beschäftigt sich dort überwiegend mit der Wechselwirkung von Plasmen und elektromagnetischen Wellen.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • oh je, dass das Video bei amazon dem geoblocking unterliegt, ist mir gar nicht aufgefallen. Da kann man entweder abwarten bis es auch bei amazon prime Deutschland zur Verfügung steht, vimeo nehmen (wobei das dann im Zweifelsfall extra kostet) oder nach geoblocking googeln.

  1. Der Film wird am 19. Mai um 07:15 auf Arte ausgestrahlt. Danach ist er wahrscheinlich auch wieder auf arte.tv verfügbar sein.

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