Die Sonne, ein leuchtendes Gas?

BLOG: Formbar

Plasmen im Mittelpunkt
Formbar

Nein, nicht ganz. Auch wenn uns das ein – ansonsten sehr schöner – Song weismachen will. Genauer gesagt sollte das dazugehörige Video Schulkindern in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts die Sonne näher bringen.

Das Originalvideo kenne ich leider nicht, aber hier gibt es den Originalsong mit ein paar netten Bildern dazu:

Ok, soweit so schön, ist doch eine schöne Melodie mit Hang zum Ohrwurm. Und was ist daran jetzt falsch? Naja, die Sonne ist halt mehr als "nur" ein leuchtendes Gas, die Sonne besteht aus heißem Plasma. Das mag jetzt mancher für spitzfindig erachten, aber es macht schon einen Unterschied, ob ich von einem Plasma oder einem Gas rede. In einem Gas wechselwirken die einzelnen Gasteilchen untereinander durch direkte Stöße. In einem Plasma hingegen ist ein gewisser Prozentsatz der Teilchen ionisiert, besitzen also eine Ladung. Ladungen haben elektrische Felder zur Folge und üben eine Kraft aufeinander aus. Das wiederum bedeutet, dass die ionisierten Teilchen nun über längere Distanzen miteinander wechselwirken können, was eine ganze Reihe von Effekten zu Folge hat, die in einem einfachen Gas nicht auftreten. Kurz gesagt: In einem Gas gibt es nur kurzreichweitige Wechselwirkungen, in einem Plasma hingegen auch langreichweitige Wechselwirkungen.

Das alles hat aber die Band They Might Be Giants nicht davon abgehalten, den Song noch einmal neu zu vertonen. Das Ergebnis kann sich zwar durchaus sehen lassen wie ich finde, aber der Fehler ist halt immer noch drinnen.

Nun bin ich natürlich nicht der einzige, dem dieses aufgefallen ist. Daher brachte die Band mittlerweile eine Richtigstellung in Form eines neuen Songs heraus. Ich bin leider erst heute auf diese Richtigstellung aufmerksam geworden (die Kollegin Ludmila Carone von ScienceBlogs war da etwas schneller), was jedoch kein Grund ist, das Wochenende nicht mit diesem Song zu beginnen.

In diesem Sinne, ein schönes Wochenende!

Alf Köhn-Seemann

Veröffentlicht von

Alf Köhn-Seemann hat in Kiel Physik studiert und in Stuttgart über Mikrowellenheizung von Plasmen promoviert. Von 2010 bis 2015 war er dort als Post-Doc tätig. Nach mehreren Forschungsaufenthalten im englisch-sprachigen Raum, arbeitet er von 2015 bis Ende 2017 am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching. Seit Ende 2017 forscht und lehrt Alf Köhn-Seemann wieder an der Uni Stuttgart.

4 Kommentare

  1. Einsamkeit

    Tja. Die Einsamkeit im All wurde an anderen Stelle diskutiert (http://www.kosmologs.de/…9-07-26/hommage_collins). Aber da ging es um Astronauten. Ich denke mal die Sonne ist mit der Umwandlung (mittels Kernfusion) von 564 Mio. Tonnen Wasserstoff pro Sekunde in 560 Mio. Tonnen Helium beschäftigt genug. Aber wieso überhaupt ohne uns…, ob ich da wohl was verpasst habe?

Schreibe einen Kommentar