Bedeutet eine starke Impfreaktion auch besseren Impfschutz?

Die Impfstoffe gegen Covid-19 verursachen ja bei vielen Geimpften recht heftige Nebenwirkungen. Ich habe diese Impfreaktion nach der ersten Dosis mit Vaxzevria selbst erlebt, 24 Stunden Erschöpfung und erhöhte Temperatur. Bei den mRNA-Impfungen passiert das nach der zweiten Dosis, die Symptome sind wohl ähnlich. Aber bedeutet so eine heftige Immunreaktion auch, dass man besser geschützt ist? Und was ist, wenn man kaum etwas oder gar nichts merkt?

Die gute Nachricht ist: auch wenn man keine oder nur sehr milde Impfreaktion hat, ist man mit der gleichen Wahrscheinlichkeit geschützt. Das kann man schon daran erkennen, dass laut den Impfstudien viel mehr Leute geschützt sind, als Nebenwirkungen kriegen. Und es gibt auch den umgekehrten Fall: Wer zum Beispiel wegen einer Organtransplantation ein unterdrücktes Immunsystem hat, ist nach der ersten Impfdosis fast überhaupt nicht geschützt. Trotzdem erleben auch Transplantierte ebenso oft heftige Impfreaktionen wie alle anderen auch.

Das ist quasi die kurze Antwort. Sie lässt einige interessante Fragen offen, vor allem natürlich, warum diese beiden Effekte der Immunreaktion so unabhängig voneinander sind, und weshalb manche Menschen eine Impfreaktion kriegen, andere aber nicht. Die lange Antwort ist leider in vieler Hinsicht ziemlich unvollständig. Der Kern der Sache ist aber, dass Impfreaktion und Impfschutz durch zwei unterschiedliche Systeme entstehen, die nur teilweise miteinander zusammenhängen.

Die Nebenwirkungen gehen auf das angeborene Immunsystem zurück, während der Impfschutz durch die adaptive Immunabwehr entsteht. Das erklärt nicht nur, warum die jeweiligen Effekte so unterschiedlich stark sein können, sondern auch, warum Immunsuppression nicht vor der unangenehmen Impfreaktion schützt. Die meisten Immunsuppressiva greifen in die adaptive Immunantwort ein und beeinflussen die angeborene Immunreaktion kaum.

Zwei getrennte Systeme verursachen die Effekte

Kompliziert wird es, weil die beiden Systeme nicht unabhängig voneinander sind: die Reaktion des angeborenen Immunsystems ist nötig, um die Entstehung der erlernten Immunität einzuleiten. Deswegen ist auch unklar, ob es Impfstoffe ganz ohne Nebenwirkungen geben kann. Das hängt davon ab, ob und wie die jeweils nötigen Signalwege miteinander verbunden sind. Also ob man die angeborene Reaktion so steuern kann, dass die Symptome mild sind, die adaptive Immunabwehr aber maximal alarmiert ist.

Während bei einem Individuum die Impfreaktion keine Aussage über den Impfschutz zulässt, gibt es auf allgemeiner Ebene durchaus Indizien für einen grundlegenden Zusammenhang. Zum Beispiel zeigen Impfstoffexperimente mit verschiedenen Wirkverstärkern, dass jene Wirkverstärker, die eine stärkere Immunreaktion verursachen, tendenziell auch mehr Nebenwirkungen verursachen. Eigentlich ist der Zusammenhang auch einleuchtend. Die Impfung soll ja eine Immunreaktion hervorrufen, und die grippeähnlichen Symptome stammen ebenfalls vom Immunsystem.

Wie aber eine bestimmte Impfung grippeähnliche Symptome erzeugt, ist nur in sehr groben Zügen bekannt. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die diese sogenannte Reaktogenizität erzeugen. Zuerst einmal natürlich der Impfstoff selbst. Der besteht bei klassischen Impfstoffen aus dem Virus oder zumindest dem Antigen und einem Impfverstärker, der die angeborene Immunantwort provoziert.[1]

Bei den neuen, derzeit gegen Covid-19 eingesetzten Impfstoffen dagegen hat man es mit einem in Zellen eindringenden Erbgutstrang, dem von der Zelle selbst produzierten und präsentierten Antigen sowie dem jeweiligen Transportvehikel zu tun. Das macht potenziell einen großen Unterschied, denn die Immunantwort auf eine Impfung hängt davon ab, wie sie aktiviert wird.

Warum die Covid-19-Impfungen (vermutlich) mehr Nebenwirkungen auslösen

Das Immunsystem detektiert Impfstoffe mit Hilfe von Mustererkennungsrezeptoren (pattern recognition receptor, PRR), die von zirkulierenden und lokalen Immunzellen, aber auch normalen Zellen des Gewebes gebildet werden. Die verschiedenen Impfstoffe aktivieren diese PRR an sehr unterschiedlichen Orten, und die Reaktion des Immunsystems hängt davon ab, wo genau der Alarm ausgelöst wird.

Zum Beispiel würde ein klassischer Impfstoff auf Basis eines Proteins oder virusartiger Partikel von Mustererkennungsrezeptoren auf zirkulierenden Immunzellen erkannt, während die mRNA-Impfstoffe von Rezeptoren in der Zelle selbst erkannt werden, die auf eindringende RNA anspringen. Ein Vektorvirus wiederum aktiviert diverse Systeme in der Zelle, die auf angreifende Viren reagieren.

Dass diese verschiedenen Wege unterschiedlich starke Immunreaktionen auslösen, leuchtet ein. Ein passiv im Blut rumschwimmendes Antigen ist ein weniger dringender Anlass, Alarm zu schlagen, als wenn bereits die Zellen angegriffen oder gar schon erobert werden. Entsprechend braucht man bei einem Totimpfstoff oder gar einem auf Proteinbasis verschiedene Hilfsmoleküle, Adjuvanzien, die das Immunsystem auf Trab bringen.

Dagegen war bei mRNA-Impfstoffen die extrem heftige Reaktion des Immunsystems auf das Molekül einer der Gründe, warum es so lange gedauert hat, die Technik zu entwickeln. Erst seit die Immunreaktion dank chemisch veränderter RNA auf ein erträgliches Maß gesenkt wurde, sind mRNA-Impfstoffe sicher.

Man könnte also schon von der Dringlichkeit des Alarms her vermuten, dass die Gen-Impfstoffe häufiger Impfreaktionen verursachen als klassische Impfstoffe. Dafür gibt es auch ein konkretes immunologisches Argument: die vorhandenen Daten deuten darauf hin, dass die Interferon-Signalwege mit starken Impfreaktionen zusammenhängen. Und Interferon ist das erste Alarmsignal, ausgesendet von Zelle, in die gerade Viren eingedrungen sind.

Es gibt ein weiteres Argument, warum man bei den neuen Impfstoffen mehr Nebenwirkungen erwartet. Die Adjuvanzien, die man bei klassischen Impfstoffen verwendet, sind natürlich auch nach dem Kriterium ausgewählt, möglichst wenige Nebenwirkungen auszulösen. Dagegen muss man bei Präparaten, deren Hauptbestandteile selbst eine starke Immunreaktion provozieren, naturgemäß nehmen, was kommt.

Daten vom allerersten eingesetzten Vektorimpfstoff, dem gegen Ebola, bestätigen diesen Zusammenhang. Diese Impfung, bei der man zuerst mit einem Adenovirus-Vektor, in der zweiten Dosis mit dem Vesikuläre-Stomatitis-Virus geimpft wird, verursacht besonders in höheren Dosierungen starke Impfreaktionen analog zu der bei Vaxzevria. Dort gibt es anscheinend eine Beziehung zwischen Impfdosis, höheren Leveln an Entzündungssignalen wie IL-6 und den klassischen grippeähnlichen Symptomen.

Die lokale Entzündung durch die Impfung

Am Anfang der Reaktion steht bei allen Impfstoffen die Aktivierung der im Gewebe sitzenden Immunzellen – entweder durch herumschwebendes Antigen, oder durch das von “infizierten” Zellen abgegebene Alarmmolekül Interferon-1. Mastzellen, Makrophagen und Monocyten, die Zellen der angeborenen Immunantwort, reagieren binnen Minuten auf den entzündlichen Reiz. Zusammen mit ihnen reagieren Dendritische Zellen, die die Entstehung der adaptiven Immunität, also des Impfschutzes, einleiten.

Das aber später, denn die adaptive Immunität braucht einige Tage, um in Gang zu kommen. Dagegen reagieren die Zellen der angeborenen Immunantwort schneller, binnen Stunden. Sie produzieren nun Signalstoffe und andere Moleküle, die den Entzündungsprozess einleiten – und die typischen lokalen Symptome verursachen.

Unter anderem erzeugen sie Prostaglandine, die die Blutgefäße weiten, proinflammatorische Cytokine sowie Komplementfaktoren, die im Blut zirkulierende Immunzellen herbeirufen und sie ins Gewebe eindringen lassen – zum Beispiel T-Zellen, die so eine weitere Querverbindung zur adaptiven Immunität bilden. Diese Zellen geben ihrerseits Cytokine und andere Signalstoffe ab und stimulieren auch direkt die lokalen Schmerzrezeptoren.

Dadurch entstehen schmerzhafte Schwellung, Rötung und Hitze am Ort der Impfung. Solche lokalen Effekte sind die häufigste Form der Impfreaktion, sie sind bestenfalls lästig. Wenn man derzeit von Impfreaktion redet, meint man damit aber nicht so etwas, sondern gemeinhin die vor allem beim AstraZeneca-Impfstoff recht häufig auftretenden, vorübergehenden Symptome eines grippalen Infekts, die systemische Impfreaktion.

Die systemische Impfreaktion entsteht im Gehirn

Die entstehen, weil auch eine lokale Entzündung dazu führt, dass sich Entzündungssignale über das Blut im ganzen Körper verteilen. Das wichtigste Zielorgan ist die Leber, die spielt nämlich ebenfalls eine Rolle bei Entzündungsprozessen. Interleukin-6, das in Makrophagen und Fettzellen gebildet wird, stimuliert in der Leber die Bildung von Akutphasenproteinen, darunter CRP. Dieser Akutphasenproteine unterstützen die lokale Immunreaktion, zum Beispiel indem sie den Immunzellen Nachschub liefern oder zum Abbau geschädigten Gewebes beitragen. CRP und Interleukin-6 sind auch die wichtigsten Biomarker einer systemischen Impfreaktion.

Interleukin-6 gehört außerdem zu den endogenen Pyrogenen, jenen Molekülen der Entzündungsreaktion, die Fieber auslösen können. Sie werden von Monozyten abgegeben und stimulieren Komponenten des Zentralnervensystems, vor allem den Vagusnerv. Diese Signale setzen im Gehirn eine Kettenreaktion in Gang, an deren Ende Prostaglandin E2 im Hirn selbst gebildet wird – und das ist der direkte Auslöser erhöhter Temperatur und der bekannten allgemeinen Krankheitszeichen wie Muskelschmerzen und Erschöpfung.

Der entscheidende Punkt in dieser Kette, der darüber entscheidet, ob man eine stärkere Impfreaktion bekommt, ist vermutlich die Wechselwirkung der Entzündungssignale im Blut mit dem Zentralnervensystem. Unglücklicherweise gibt es einen ganzen Haufen Moleküle, die daran beteiligt sind, und bei nahezu jedem Impfstoff ist irgendein anderer Signalstoff mit starken Impfreaktionen und grippeähnlichen Symptomen assoziiert. Deswegen kann bisher niemand so genau sagen, wen es tatsächlich erwischt, und warum.

Die vielleicht aussichtsreichste Spur deutet bisher auf die Gene verschiedener mit dem Immunsystem und dem Zentralnervensystem zusammenhängender Signalwege. Das Argument: vielleicht ist es ja nicht allein ein Signalstoff, der mehr produziert wird, sondern ein Rezeptor für eins der Signale. Das würde zumindest erklären, warum die Analyse der Signalstoffe selbst bisher anscheinend mehr Fragen aufwirft als beantwortet.

Wie Impfreaktion und Impfschutz zusammenhängen

Man sollte meinen, dass beim Impfschutz besser bekannt ist, wie er zustande kommt. Unglücklicherweise ist das keineswegs der Fall. Die genauen Mechanismen sind rätselhaft, und Analysen deuten – wie bei der Impfreaktion auch – auf eine Vielzahl von Faktoren, deren Gewichtung von Impfung zu Impfung schwankt. Hinzu kommt, dass die bisher eingesetzten Impfstoffe gegen Covid-19 auf ganz anderen Prinzipien basieren als klassische Vakzine. Entsprechend ist unklar, was man von früheren Ergebnissen überhaupt übertragen kann.

Zumindest der allgemeine Ablauf ist bekannt. Wenn der Impfstoff die Mustererkennungsrezeptoren der Immunzellen auslöst, werden auch die Dendritischen Zellen im Gewebe alarmiert. Ihre Aufgabe ist, den Zellen der adaptiven Immunantwort, hauptsächlich T-Zellen und B-Zellen, das gesuchte Antigen zu präsentieren und ihnen quasi zu sagen, wie sie den Gegner bekämpfen sollen. Bei tatsächlichen Viren sind das vor allem die T-Helferzellen, die ihrerseits antikörperproduzierende Zellen und zellzerstörende CD8-positive T-Zellen stimulieren.

Diese Reaktion soll eine Impfung natürlich auch auslösen, aber da wird es kompliziert. Es gibt nämlich nicht “die” T-Helferzellen und so weiter, sondern alle Immunzellen haben verschiedene Unterpopulationen mit unterschiedlichen Funktionen. Sie bewirken, dass die Immunreaktion je nach Impfstoff anders ist. Das gilt schon für die dendritischen Zellen, die verschiedene Rezeptoren tragen, und deswegen etwas anders gewichtete Reaktionen der adaptiven Immunantwort auslösen. Sie entscheiden darüber, wie der Körper beim erneuten Kontakt mit dem Antigen reagiert.

Die Rolle der Dendritischen Zellen

Die Dendritischen Zellen allerdings sind der Knackpunkt bei der Frage nach Impfreaktion und Impfschutz. Denn sie reagieren nicht nur auf das von ihren Mustererkennungsrezeptoren detektierte Antigen, sondern auch auf die Signalstoffe der Entzündungsreaktion. Dieser Signalprozess ist das Bindeglied zwischen der angeborenen Immunantwort, die die Impfreaktion verursacht, und der adaptiven Immunantwort, die für die schützende Wirkung der Impfung verantwortlich ist. Ohne das passende Signal der angeborenen Immunantwort gibt es auch keinen Impfschutz.

Das ist quasi die lange Antwort auf die Frage nach dem Zusammenhang zwischen unangenehmer Impfreaktion und dem erwünschten Impfschutz. Beide entstehen zwar durch sehr unterschiedliche Systeme, sind aber an ihrem Ursprung durch den gemeinsamen Aktivierungsweg über die Mustererkennungsrezeptoren und die chemischen Signale der lokalen Immunreaktion miteinander verbunden. Eine starke Impfreaktion zeigt also, dass der Impfstoff auf dem gleichen Instrument spielt, das auch den Impfschutz auslöst. Allerdings verrät sie nicht, wie gut der adaptiven Immunantwort die Musik gefällt.

Dass die Immunreaktion von Person zu Person so unterschiedlich ausfällt, verkompliziert die Situation natürlich zusätzlich. Deswegen ist es derzeit ebenfalls unmöglich zu sagen, wer durch die Impfungen gegen Covid-19 tatsächlich eine systemische Impfreaktion bekommt, und warum. Zumindest beim Alter weiß man mehr: ältere Menschen haben seltener systemische Symptome wie Fieber, und bei ihnen findet man im Blut auch weniger Interleukin-6 und CRP.

Diverse weitere Faktoren beeinflussen die Anfälligkeit, darunter allgemeiner Gesundheitszustand, Geschlecht, Umweltgifte, Lebensstil und womöglich sogar die Tageszeit. Auch Stress spielt vermutlich eine Rolle. Es ist also nicht mal völlig ausgeschlossen, dass die hohe Zahl an Impfreaktionen einfach damit zu tun hat, dass wir alle gerade insgesamt ziemlich von der Pandemie genervt sind.

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[1] Es gibt außerdem noch Lebendimpfstoffe mit abgeschwächten, aber vermehrungsfähigen Viren. Die behandle ich hier nicht, weil da die Sache mit der Impfreaktion trivial ist. Das ist ein Virus. Das macht dich krank, und hinterher bist du immun.
[2] Diese feinen Unterschiede führen auch dazu, dass verschiedene Impfstoffe unterschiedlich gut schützen. So stimulieren klassische Impfstoffe die zellzerstörenden CD8-positiven T-Zellen nur wenig; vermutlich weil für diese auch Mustererkennungsrezeptoren in infizierten Gewebezellen aktiviert sein müssen. Aber leider ist es nicht so trivial, wie das Beispiel der neuen, genbasierten Impfstoffe zeigt. Theoretisch sollten sie diesen Teil der Körperabwehr effektiver stimulieren als bisherige Vakzine. Doch während die Adenovirus-Vektoren sehr effektiv zellzerstörende CD8-positive T-Zellen stimulieren, werden bei den mRNA-Impfstoffen vor allem Antikörper gebildet. Mit solchen Unterschieden dürfte auch zusammenhängen, dass eine systemische Impfreaktion bei Vaxzevria von AstraZeneca häufiger nach der ersten Dosis auftritt, bei den mRNA-Impfstoffen dagegen nach der zweiten. Letzteres kennt man von diversen anderen Impfstoffen, zum Beispiel verursachen Auffrischungsimpfungen gegen Tetanus häufiger solche Reaktionen als die erste. Allerdings gibt es auch andere, wie jene gegen Hepatitis A, bei der Nebenwirkungen bei späteren Booster-Impfungen seltener auftreten.

56 Kommentare

  1. “Eine starke Impfreaktion zeigt also, dass der Impfstoff auf dem gleichen Instrument spielt, das auch den Impfschutz auslöst. Allerdings verrät sie nicht, wie gut der adaptiven Immunantwort die Musik gefällt.”

    Super!!!

  2. Vielen Dank für diesen Artikel. Bei mir bleibt eine Frage offen: Könnten epigenetische Aspekte auch eine Rolle spielen?

    • Meine Einschätzung: vermutlich ja. Allerdings weiß ich so spontan nicht, was für Effekte und in welcher Weise.

    • Hallo Herr Mai,
      grundsätzlich sind die Impfreaktion beeinflussende epigenetische Modifikationen denkbar. Bei den mRNA-Vakzinen (Biontech+Moderna) kommen Interferenzen mit intrazellulären mikroRNAs in Betracht, die zu veränderter Translation, d. h. zu unterschiedlichen Bildungsraten der antigenen Spikeproteinfragmente führen.
      Bei den Vektorvakzinen (Atrazeneka, Johnson&Johnson), bei denen ja der Spikeproteincode als DNA in die Zellen transportiert wird, wären schnelle DNA-Methylierungen denkbar, welche die Transkriptionsrate, also die mRNA-Bildungsrate individuell unterschiedlich verändern.
      Der „Histoncode“ als dritter bisher identifizierter epigenetischer Mechanismus – also die Methylierung, Acetylierung oder Phosphorylierung von nucleosomalen Histonen – kommt wohl nicht in Betracht. Die virale Vektor-DNA ist nicht zu Nucleosomen verpackt.
      Meine Ausführungen sind aber bislang reine Theorie. Ich denke aber, Epigenomanalysen werden nicht allzu lange auf sich warten lassen.
      VG Stefan Graf

  3. Ich habe zwar nicht alles gelesen, aber ich finde es sehr nett, dass ich am Anfang “die kurze Antwort” bekomme und trotz nicht tiefergehendem Interesse meine Antwort bekommen habe. Wie immer super geschrieben!

  4. Gibt es inzwischen Untersuchungen, ob eine vor der Impfung stattgefundene Covid 19 Erkrankung zu stärkeren Impfreaktionen führt? Wenn nicht, sollte das schnellstens nachgeholt werden. Bei der Vielzahl der symptomlosen Covid 19 Erkrankungen – und daher nicht erkannten Fällen, dürfte so etwas nicht belanglos sein.

    • Es gibt Hinweise, dass eine vor der Impfung durchgemachte Infektion die Impfung effektiver macht, und sogar Überlegungen, deswegen bei Genesenen auf die zweite Impfdosis zu verzichten.

      • Ich reagiere z.Z. auf die erste RNA-Impfung mit starken Reaktionen – seit 2 Wochen… Ich traue mich nicht mehr, die zweite Impfung zu machen, da diese ja noch heftigere Reaktionen auslösen soll.

        • Welchen Impfstoff haben Sie denn bekommen? Ich hatte heftige Reaktionen bei der 1.Impfung, war über mehrere Tage ausgeknockt und bei einer Kollegin zug es sich über 3 Wochen hin. Zweite Impfung: nach 1,5 Tagen wieder auf dem Damm! Besprechen Sie es doch mit Ihrem Arzt. Alles GUte Ihnen jedenfalls!

      • Das ist mir bekannt. Es geht aber bei meiner Frage um den Punkt, dass nicht erkannte Fälle möglicherweise einer extrem starken Immunreaktion ausgesetzt sind. Vielleicht erklärt sich ja damit auch die unterschiedliche Empfindlichkeit geimpfter. Im Laufe der Zeit habe ich versucht mich von seriösen Seiten schlauer machen zu lassen. Ich schätze mal, dass Correktiv-Faktenscheck auch dazu gehört. Hieraus habe ich entnehmen können, dass ein Zytokinsturm nach einer Covid-Impfung – wie von Schwurblern behauptet- keinerlei Evidenz besitzt.
        Aber, ist das auch der Fall bei genesenen, welche irrtümlich 2 x geimpft werden?

  5. Bei Astra-Zeneca scheint dazuzukommen, dass sich der Körper mit zwei Antigenen auseinandersetzen muss: Dem Vektor und dem dann produzierten Spike-Protein.
    Man geht ja davon aus, dass die geringere Boosterwirkung bei der Zweitimpfung darauf zurückzuführen ist, dass bei der Erstimpfung Antikörper gegen den Vektor gebildet werden.

    Denken Sie, dass damit auch die höhere Nebenwirkungsrate erklärt werden kann?

    • Jein. Ich denke schon, dass die stärkere Impfreaktion mit dem Vektor zu tun hat, aber nicht mit der Reaktion der adaptiven Immunabwehr.

    • Die Ärzte sagten mir, ich sollte den Arm nehmen, der am wenigsten belastet wird, also z.B. den linken Arm, wenn man Rechtshänder ist – egal, ob erste oder zweite Impfung.

    • Hängt davon ab, welchen Arm Sie am Tag der Impfung und danach weniger brauchen und benutzen wollen. Wie bei jeder anderen Impfung auch.

  6. Was passiert eigentlich langfristig mit dem in die Zellen eingebrachten Erbgutstrang, sowohl RNA als auch Vektor, wird er von der Zelle wieder abgebaut und biochemisch “entsorgt” oder besteht vielleicht auch die Möglichkeit, dass er sich sogar mit dem Erbgut im Genom verbindet und die Zelle sich verändern kann?

    • Der Sinn der Sache ist ja, dass die Immunabwehr die mit dem Impfstoff “infizierten” Zellen vernichtet, ganz wie bei einer normalen Infektion. Und mRNA ist ohnehin nicht allzu stabil, die verschwindet wieder.

  7. Sehr interessanter Beitrag. Ich hatte – außer kurzzeitigen Kopfschmerzen und einem schmerzenden Arm – erst mal keine Nebenwirkungen nach der ersten BioNtech-Impfung. Allerdings traten nach ca. 14 Tagen wieder deutliche Schmerzen im Arm auf, die einige Tage anhielten. Ich vermute, die Antikörper waren da erst so richtig aufgebaut. Und eigentlich müssten die antigenpräsentierenden Zellen im Muskel ja vom Immunsystem ebenfalls abgebaut/zerstört werden?

  8. Gibt es Untersuchungen welcher Impfstoff bei laufender Immunsuppression
    w/Rheuma (MTX und Cortison) den höchsten Wirkungsgrad hat?

  9. Zitat: “Es ist also nicht mal völlig ausgeschlossen, dass die hohe Zahl an Impfreaktionen einfach damit zu tun hat, dass wir alle gerade insgesamt ziemlich von der Pandemie genervt sind.”

    Nach all den Ungewissheiten, von denen Sie auch im Kommentarbereich schreiben und denen wir nun mal ausgesetzt sind, scheint mir dieser Schluss gar nicht einmal so fernliegend.

  10. Hallo Herr Fischer,
    bei einer B-Zell-deplementierenden Immun-Therapie (Ocrelizumab) werden laut Hersteller die B-Zellen “entsorgt”. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass bspw. Biontech ins Leere gespritzt würde? Oder werden B-Zellen aktiviert, die das Therapeutikum ja beseitigen soll? Also führen sich die beiden Medikamente gegenseitig ad absurdum?

  11. Grundage
    ich habe einen metastierenden Karzinoid Tumor
    Behandlung Sandostatin …
    UND ANGST VORM IMPFEN
    habe Schmerzen im Halswirbel, LWS Schmerzen, Herzschmerzen
    Gliederschmerzen und BeinKrämpfe bis in die Zehen
    Kopfschmerzen usw. (der Krebs ist nicht der Auslöser)
    meine Angst vorm Impfen wird immer stärker.
    Schmerzen gleich Entzündung ?
    Immunsystem im Keller – und welcher Impfstoff überhaupt –

    • Sandostatin ist in erster Linie kein Immunsuppressivum. Ob Ihr Immunsystem in einer anderen Weise stark beeinträchtigt sein könnte, lässt sich anhand Ihrer Angaben nicht sagen, besonders nicht über das Internet. Bzgl. einer Impfempfehlung setzen Sie sich bitte mit Ihrem behandelnden Arzt/Ihrer behandelnden Einrichtung in Verbindung.

  12. Toller Artikel, richtig was für die “kleinen grauen Zellen”. Vielen Dank!
    Ich werde im Juni meine zweite Impfung, wohl nicht wieder mit dem Vektorimpfstoff bekommen, und bin schon sehr gespannt, wie die Nebenwirkungen dann sind. Auf die erste Dosis mit Vaxzevria hatte ich nach 12 Stunden 12 Stunden lang richtig ordentliche Gliederschmerzen.

  13. Hallo Herr Fischer,
    bin am 16.1. und 6.2.21 mit Biontech geimpft worden. Impfreaktion wie bei der jährlichen Grippeimpfung. Kein Fieber.
    Anlässlich eines Krankenhausaufenthaltes wurden die zirkulierenden AK bestimmt. Kein Titer nachweisbar. Der Lymphyzytentransformationstest gab nur eine minimale Reaktion (3 bei einem Normalwert von 60) gegen das Spike-Protein.
    Was soll ich tun? Abwarten sagen die Einen, nochmal mit AstraZeneca impfen die anderen. Ansonsten keine Immunsuppresive Therapie, Risiko Lebensalter 75 J.

  14. Sehr informativer Artikel. Vielen Dank.
    Welche Reaktion ist zu erwarten bei einer aktiven Autoimmunkrankheit (Morbus Basedow mit seit einem Jahr hohen Antikörpern)? Mein Gefühl sagt mir, ich solle besser auf eine Impfung verzichten. So weit ich weiß, gibt es dazu aber keine validen Daten. Wäre ein Totimpfstoff vielleicht weniger riskant?

  15. Ich habe meine 1.Biontech-Impfung am 2.5.erhalten am 3.5. ging es mir gut,am 4.4.Linksseitige Lähmung mit Sprachstörungen,Notarzt gerufen,durchschecken lassen.
    Ich überlege,die 2.Impfung am 13.6. machen zulassen?(73J)

  16. Sehr geehrter Herr Fischer,

    hatte Covidinfektion im Oktober, jetzt AK Titer 125, muß ich mich impfen lassen, um meine Freiheiten zu erhalten. Ich denke ich sei wohl noch immun, befürchte auch eine womöglich erhöhte Impfreaktion.
    Ist nach einer Infektion überhaupt eine 2. Impfung nötig?
    Wann werden nach vollständiger Impfung 3. Impfungen nötig? Die Senioren im Pflegeheim wurden ja schon ab Weihnachten geimpft, die 2. Impfung war ja im Februar.
    Vielen Dank für Ihre Antworten

    Dr. Hans Lehmann

  17. Erster Satz: “Die Impfstoffe gegen Covid-19 verursachen ja bei vielen Geimpften recht heftige Nebenwirkungen.”
    Ein “ja” eingeschoben um etwas als allgemein Bekannt zu suggerieren.
    Und dann noch ein “bei vielen” hinterhergeschoben, um eine große Zahl anzudeuten ohne jeden Kontext. Und das auf einem “Wissenschafts”-Blog. Sorry, aber nach dem Satz konnte ich nicht weiterlesen…

  18. Ich verstehe zunächst nur die Hälfte, lese aber Ihre Beiträge mit großer Begeisterung nehrmals. Sie sind so glasklar und leserfreundlich und faktenreich und sorgfältig recherchiert! Hut ab!

  19. Ein weiterer Aspekt ist der, ob der Impfstoff in die Blutbahn kommt und dort Endothelzellen befallen könnte.

    Das ist zwar durch einen Faktencheckern(1) widerlegt. Wobei ich mich dann aber wundere, ob die dort aufgestellte Behauptung wirklich stimmt: “Das eigentliche Virusprotein zirkuliert im Körper, und zwar in großem Umfang”.

    Wenn das so wäre müsste jeder Infizierte an Thrombosen leiden, da “[s]chon geringste Mengen des Spikeproteins reichen in Zellkultur aus, infizierte und nicht infizierte Zellen verschmelzen und absterben zu lassen.”

    Für mich – mit Verdacht auf Vaskulitis und einem erhöhtem Thromboserisiko – ist diese Nebenwirkung bedrohlicher als eine Rötung und etwas Mattigkeit.

    (1) https://faktencheck.afp.com/nein-diese-studie-belegt-nicht-die-gefahr-von-spike-proteinen-corona-impfstoffen
    (2) https://www.pei.de/DE/newsroom/pm/jahr/2021/03-gewebeschaeden-zellfusion-covid-19-rolle-spikeprotein.html;jsessionid=41364821D3339F93F7C3ECB5E14718D0.intranet242?nn=172068

  20. Vielen Dank für den informativen Beitrag. Mir fehlt eine Angabe, wie lange eine Nebenwirkung auf sich warten lässt. Die hier in der Diskussion genannten Zeitangaben von auftretenden Nebenwirkungen erscheinen mir etwas seltsam. Wie können sich die Betroffenen so sicher sein, dass es Nebenwirkungen sind und nicht Symtome anderer Ursache? Wirkt hier vielleicht ein presseverstärkter Nocebo-Effekt?

    • Das kann man tatsächlich nicht so genau wissen. Deswegen unterscheidet man zwischen Adverse event following immunization (AEFI) – das ist einfach alles, was irgendwelchen Leuten nach Impfungen passiert – und tatsächlichen Impfreaktionen/Nebenwirkungen. Erst wenn eine bestimmte AEFI überzufällig häufig auftritt, kann man auf nen Zusammenhang mit der Impfung schließen. Und auf individueller Ebene kann man deswegen eh nie ganz sicher sein.

      Das gesagt, die Impfreaktionen auf die Impfstoffe sind statistisch gut belegt.

  21. Hallo Herr Fischer, gibt es Erkenntnisse über die Zusammenhänge mit Immunglobulinen? Mein Mann bekommt wegen einer limbischen Enzephalitits regelmäßig IVIG (aktuell 50g alle 4 Wochen). Er wurde vor einer Woche mit BionTech geimpft. Ist davon auszugehen, dass trotz gesteigerter Abwehr eine ausreichende Wirkung erzielt wurde?

    • Moin Monika,
      zu IVIG ist mir nichts bekannt, tut mir Leid. Deswegen würde ich empfehlen, dass Sie vorgehen wie bei anderer Immunsuppression: impfen lassen, weiter maximal schützen und nach 2-3 Wochen Antikörper und T-Zellen checken lassen. Das müsste eigentlicv über das gleiche Fachmedizinische Zentrum laufen, das auch die Grunderkrankung betreut.

      • Vielen Dank für die Antwort, allerdings trifft sie nicht ganz die Frage. Durch die Gabe von IVIG hat der Körper eine erhöhte Immunabwehr, also das Gegenteil von Immunsuppression. Ist dadurch zu befürchten, dass die Impfung nicht so gut wirkt?

        • Um die Frage zu beantworten habe ich nicht die Sachkenntnis. Ich kann höchstens vermuten, dass die Behandlung T- und B-Zell-Antwort nicht einschränkt und deswegen keine negativen Auswirkungen hat.

  22. Hallo, ich habe meine 2. Impfung bereits seit 2 Wochen hinter mir (mit Biontech) ich hatte keinerlei Nebenwirkungen. Doch der Schutz muss da sein, da ich vor 1 Woche einen Kontakt hatte mit einer positiven Person (welche es dazu noch nicht gewusst hatte) und ich bis jetzt negativ bin. Selbst gehöre ich zur Risikogruppe mit einer chronischen Lungenkrankheit. Ich kann nur sagen, ich bin heil froh geimpft zu sein.

  23. Hallo Herr Fischer, ich bin unter 60, bin im März mit Astra Zeneca geimpft worden, nun steht die 2. Impfung an. Wenn ich mich jetzt mit Biontech impfen lasse , muss ich mich dann auch noch ein drittes Mal impfen lassen, mit Biontech, um die volle Immunisierung zu erlangen?
    Herzliche Grüße Britta Schumacher

    • Es gibt gewisse Indizien dafür, dass Impfstoffe kombinieren sicher ist und auch im Bezug auf die Impfwirkung gut funktioniert, ohne dass eine weitere Dosis nötig wird. Aber konkrete Studiendaten wird es erst im Juni geben

  24. Hallo Herr Fischer,
    ich bin Mitte März mit Astra Zeneca geimpft worden. Am dritten Tag waren meine axillären Lymphknoten geschwollten, das Maximum war nach ca 2 Wochen. Leider ist die Schwellung auch jetzt noch nicht vollständig weg. Mein Hausarzt hat ein Blutbild gemacht, das war unauffällig, meine Gynäkologin kannte das Phänomen, meinte aber, da könne man im Moment nichts machen.
    Jetzt steht aber in zwei Wochen die zweite Impfung an, aufgrund des Alters (52) mit einem mRNA Impfstoff.
    Ich überlege mir aber, ob ich diese zweite Impfung jetzt überhaupt machen kann, wenn sich das Immunsystem noch nicht beruhigt hat. Kennt jemand Fälle von so lang anhaltenden Lymphadenopathien und wie man damit umgehen soll?

  25. Guten Tag Herr Fischer,

    ein sehr informativer Beitrag, Danke für die Mühe!
    Es kursieren Meinungen, dass jemand, welcher unter sehr starken Impfreaktionen gelitten hat, im Fall einer Corona Infektion vor der Impfung auch einen schweren COVID-Verlauf genommen hätte?
    Gibt es Indizien oder wissenschaftliche Zusammenhänge, die so etwas plausibel erklären?

    Vielen Dank!

    • Das kann ich leider nicht beantworten, ich halte es aber für unwahrscheinlich. Es scheinen ja vor allem jüngere von starken Impfreaktionen betroffen zu sein, während ältere eher schwere Verläufe bekommen.

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