Fleisch aus dem Labor schafft mehr Probleme als es löst

Als regelmäßiger Fleischesser kommt man ja nicht um die Einsicht herum, dass so ein Schnitzel eine ganze Sammlung ethischer, ökologischer und sozialer Probleme mit sich bringt. Idealerweise hätten wir deswegen gerne das Fleisch, ohne dafür Tiere mästen und töten zu müssen – zum Beispiel indem man das gewünschte Gewebe in Zellkultur heranzüchtet.

Dass das prinzipiell möglich ist, haben Forscher jetzt anhand einer Frikadelle demonstriert, deren Fleisch im Labor aus Stammzellen herangewachsen ist. Im Geschmackstest erwies sich das Produkt als auch nicht schlimmer als normale Burger. Allerdings ist der PR-Stunt des Forscherteams ohne jegliche praktische Relevanz, denn das Retorten-Fleisch löst die Probleme der Tierhaltung keineswegs und schafft zusätzlich noch einige neue. Sören hat sich der Frage schon aus Tierhaltungs-Sicht angenommen, und ich diskutiere in dem Video die Probleme des Zellkultur-Verfahrens selbst.

Ich bin gelernter Chemielaborant und habe ab 1999 in diesem Beruf gearbeitet. Anschliessend habe ich an der Uni Hamburg Chemie studiert. Seit dem Abschluss Ende 2006 veröffentliche ich Beiträge in meinem Fischblog und verkaufe Artikel an andere Publikationen. Seit 2008 wohne ich im Raum Heidelberg und bin bei Spektrum der Wissenschaft für das Blogportal Scilogs verantwortlich. Daneben arbeite ich als freier Journalist und Redakteur unter anderem für die digitalen Angebote von Spektrum, veröffentliche auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und experimentiere mit Mobile Reporting. Zu meiner Webseite

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. mir gefallen deine blogbeiträge besser. ich schätze die kombination von zugänglichkeit und informationsgehalt und -dichte. die beiden letzteren fehlen mir in den videos, was videos aber so an sich haben…

  2. Abiotisch erzeugteNahrungAls Ultimativum

    Manna das vom Himmel fällt, sich direkt materialisiert aus Luft und Licht, war schon in der Bibel die Wundernahrung (“Diese Speise fiel nachts auf den Wüstenboden und konnte des Morgens aufgesammelt werden.”) und wird in der nahen Zukunft wohl als reale Nahrung angeboten werden. Direkt synthetisiserte Proteine und andere aus Grundchemikalien erzeugte Vitamine, Fette, (Omega3-)Fettsäuren etc. werden von 3D-Druckern in die gewünschte Form und Konsistenz gebracht werden um schliesslich bei den Gourmets oder aber vielleicht eher bei den Hungermäulern der Zukunft zu landen.

    Nahrungsbedarf pro Tag: 2.36 Kilowattstunden
    Man wird nicht mehr von zugeführten Nahrungs-Kalorien pro Tag sprechen, sondern auf die Angabe in Kilowattstunden zugeführter Nahrung umstellen analog zu den Verhältnissen beim Automobil, wo man auch nicht mehr von PS, sondern von Kilowatt als Mass für die Leistung spricht. Mit Strom im Wert von 40 Cent (2 Kilowattstunden) wird man soviel Nahrung herstellen können wie ein Mensch pro Tag braucht.

    Neuer Pauperismus und Elysium
    Die nötige Technologie für die oben dargestellte Zukunftsvision wird sicher kommen, wenn auch die Reichen und die echten Gourmets auch in Zukunft wohl Kobe-Rind dem Biococktail vorziehen werden. Doch die Technologie der Direkterzeugung von Nahrungsmitteln wird es ermöglichen, dass nicht nur 7 Milliarden Menschen wie heute sondern 700 Milliarden Menschen auf der Erde leben können. Die Reichen werden sich in so einer Zukunft wohl in ihr Elysium zurückziehen und die wuselnden Menschen auf der Erdoberfläche werden zum grossen Teil aus Mitgliedern streng religiöser Gemeinschaften (wie den Ultraorthodoxen, den Amisch oder Hutterern) bestehen, die sich ein Lebensziel gesetzt haben: Möglichst viele Kinder zu zeugen und sich zu vermehren wie die Heuschrecken.

  3. @Karl

    Der Witz an dem Soylenthype ist doch, dass sowas schon tonnenweise hergestellt wird. Sie können einfach Sondennahrung kaufen. Da gibt es verschiedenste Rezepturen…

  4. Krebszellen …

    … sind im lebenden Organismus äußerst unerwünscht.
    Aber zur Fleischproduktion, könnten sie da nicht genau das richtige sein? Die wuchern und wuchern …

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