Chicken Wings mit Quecksilbersoße gefällig?

Fischblog

Dieses kleine Fundstück aus der Welt des abseitigen Marketings möchte ich euch nicht vorenthalten. Die Lebensmittelmarke Buffalo Wild Wings führt anscheinend derzeit neue Soßen für ihre Chicken Wings in den Markt ein und hat dabei ein gewisses Faible für toxische Metalle entwickelt.

Hg und Be - es gibt nichts besseres zu Chicken Wings
Hg und Be – es gibt nichts besseres zu Chicken Wings

Dass Quecksilber und seine Verbindungen ziemlich giftig sind, brauche ich euch ja nicht zu erzählen. Beryllium ist weniger prominent, aber ungefähr genauso unerfreulich. Erstens ruft es akute und chronische Vergiftungen hervor, die vor allem Lunge und Atemwege betreffen, zweitens ist es ein Kategorie-1-Karzinogen. Das heißt, bekanntermaßen krebserregend bei Menschen und Tieren.

Derek Lowe, bei dem ich das gefunden habe, vermutet als Ursache dieses, hm, ungewöhnlichen Brandings, dass die Leute beim Hersteller schlicht keine Ahnung haben. Dagegen spricht aber das hier auf der Seite weiter unten:

labnotes

Wir können also davon ausgehen, dass der Chemie-Look gewollt ist. Dafür spricht ja auch das sciency Hexagon, das da als optisches Element auftaucht. Das heißt ersten, der Hersteller wirbt tatsächlich bewusst mit dieser “chemischen” Aufmachung. Sowas freut mich natürlich sehr. Ich bin es echt leid, wie Werbefutzis und Unternehmen hierzulande mit “ohne Chemie” den chemophoben Esos in den Arsch kriechen.[1]

Und dass sie gleich zwei sehr toxische Elemente für ihre Soßen ausgewählt haben, ist ganz sicher auch kein Zufall. Niemand wäre blöd genug, das nicht nachzuschlagen. Schon gar nicht in den USA. Ich vermute sehr stark, dass da jemand einen recht eigenwilligen Humor hat – und darauf setzt, dass die Kunden Spaß verstehen.[2] Ich muss mal gucken, ob es den Kram hierzulande auch gibt.
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[1] Was gleich auf mehreren Ebenen bewusste Irreführung ist – wofür die Hersteller dann meist auch noch n paar Prozent auf den Preis draufschlagen. Man könnte es Dummensteuer nennen, wenn man böse wäre. Was ich natürlich nienicht bin.

[2] Allerdings haben sie bei der einen Soße sicherheitshalber dazugeschrieben, dass sie kein Quecksilber enthält. Wahrscheinlich werden sie sonst verklagt, wenn sich ein Kunde nicht damit vergiftet…

Lars Fischer

Ich bin gelernter Chemielaborant und habe ab 1999 in diesem Beruf gearbeitet. Anschliessend habe ich an der Uni Hamburg Chemie studiert. Seit dem Abschluss Ende 2006 veröffentliche ich Beiträge in meinem Fischblog und verkaufe Artikel an andere Publikationen. Seit 2008 wohne ich im Raum Heidelberg und bin bei Spektrum der Wissenschaft für das Blogportal Scilogs verantwortlich. Daneben arbeite ich als freier Journalist und Redakteur unter anderem für die digitalen Angebote von Spektrum, veröffentliche auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und experimentiere mit Mobile Reporting. Zu meiner Webseite

7 Kommentare

  1. Quecksilber und Beryillium für die Verwegenen, die wenigen harten Kerle, die es noch gibt?
    Oder für diejenigen, die andere schocken wollen indem sie sich beispielsweise in der Öffentlichkeit eine Nadel durch die Lippe oder Zunge bohren?
    Oder für die Scherzbolde, die am liebsten jeden Tag eine Tischbombe hochgehen lassen?

    Jedenfalls sind das Produkte, die sich mit einem Mehrwert verkaufen und damit aus dem Heer der dutzenden No-Name Produkte herausstechen wollen. Mal was anderes als das Versprechen die Welt oder mindestens einen grossen Teil des Amazonas zu retten. Etwas was sowieso nur der Käufer erfährt, nicht aber seine Gäste, denn damit kann man nun wirklich nicht angeben.

    Ein Mehrwert ist offensichtlich sogar in den Augen des Autors dieses Artikels vorhanden, sonst würde er nicht darüber schreiben und hätte wohl die leckeren Saucen auch nicht eingekauft um seine nächsten Besucher damit zu überraschen.

  2. Vielleicht hat die Marketing Abteilung einfach nur zu viel Breaking Bad geschaut und will auf den Zug aufspringen.
    Sr, Be, Hg sind Elemente
    Jetzt gibt aber auch Ww (für Wicked Wasabi), was gegen die Elementethese spricht.
    Oder vielleicht auch ein ganz besonderer Werbe Schachzug, wenn man glaubt, man hat es verstanden dann ..

    Kann man die eigentlich verklagen, wenn sich der Sprössling die Flasche mit dem Hg aus dem Chemieschrank genommen hat, und sich damit das Essen würzt?

    ansonsten:
    – Das sechseckige Symbol könnte aber auch einfach eine Bienenwabe sein, würde zum Honey passen.
    – Ist es eigentlich besonders cool Sportkleidung zu tragen, auf der Quecksilber steht?

    • @Andreas Herzog:

      Die Idee kam mir auch als erstes 🙂

      Und gleichzeitig eine Marketingidee …

      Statt den 57 Varieties von Heinzens Saucen, deren Namen jeweils ein Breaking Bad – mässiges Elementsymbol enthält … das wären immerhin zur Zeit 118 Varieties .. 🙂

  3. Ich fand schon immer, dass amerikanische Barbecue-Sauce metallisch schmeckt. Und ich finde es nett, dass im Periodensystem oben Links Li-Be steht.

  4. Ganz wild geraten:
    ‘Hg’ steht für ‘Honey ginger’ und ‘Be’ für ‘Big easy’, zum Glück war aber nichts mit ‘88‘ dabei.
    MFG
    Dr. W (der hier einen ganz leichten AH-, äh, Aha-Effekt spürte)

  5. Ohne wild zu raten, was gewissen Intellekten ja eh unmöglich ist:

    HG (nicht Hg) steht für “Homöopathischer Genuss” und BE (nicht “Be”) für “Bescheuerter Esel”, vulgo also so etwas wie der Braunwebbär.

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