Philosophie, Mode und Sex

Ah ja. Wenn es also darum geht, die Kleidung und Stils der „großen Denker“, sprich in dem Fall Philosophen, zu untersuchen, dann fragt man… eine Literaturwissenschaftlerin! So geschehen zumindest in einem der jüngsten Beiträge der Philosophie-Sendung „Sein und Streit“ im Deutschlandfunk. Da kann ich ja nur herzlich lachen.

Quelle: https://openclipart.org/

Sollte man im Umkehrschluss Philosophen befragen, um herauszubekommen, wie sich Literaturwissenschaftler kleiden? Oder sollte man auf die absurde Idee kommen, sie sich einfach… ja, ähm… anzusehen, wenn man schon auf Äußerlichkeiten wert legt? Oder sollte man eventuell auf die noch viel absurdere Idee kommen, dass in den Geistes- (und womöglich auch anderen) Wissenschaften derartige Akzidentien eine maximal untergeordnete Rolle spielen?

 

 

Erstaunlich unprätentiös: Eine neue „Philosophie vom…“

Okay, man mag Verständnis dafür haben, dass eine wöchentliche Sendung gefüllt sein will. Dabei gäbe es so viele andere Themen die man aufgreifen könnte: Gerade in postfaktischen Zeiten zum Beispiel den Begriff der Information. Oder nach wie vor und immer wieder aktuell: Tierethik. Sämtliche Bereiche betreffend: Würde, Ernährung, Recht, Medizin… A propos Tiere: Jüngst erschienen „Vögeln – eine Philosophie vom Sex“, sogar im Dradio Kultur aufgegriffen, allerdings in der Lesart und in nicht in Sein und Streit.

Dabei auffallend erfrischend: Das fast schon joviale Aufbrechen der (normalerweise üblichen) „Philosophie des/ der…“-Titel. Kein Witz, durchsuchen Sie mal Ihre Internet-Filterblase nach dem Stichwort „Philosophie der“ oder „Philosophie des“ und Sie werden mit Sicherheit schnell fündig werden. Bei „Philosophie vom“ dürfte das Ergebnis anders aussehen und „Philosophie von der“ kommt allenfalls in Untertiteln wie „von der Antike bis zu Postmoderne“ oder „von Platon bis Kant“ vor.

Quelle: https://openclipart.org/

Gronemeyer im Dradio Kultur-Interview dazu: „Die körperliche Liebe wird [in der antiken Philosophie, zum Beispiel Platons Symposion] denunziert.“ Die nicht-körperliche Liebe sei die eigentliche, wahre. „Und das zieht sich eigentlich durch die ganze Philosophie-Geschichte hindurch.“ Ein Beispiel: Michel Foucaults diskursanalytische Geschichte der Sexualität. Georges Batailles „Das obszöne Werk“ sei da eher eine Ausnahme, so Gronemeyer. Sein Buch sei daher unter anderem der Versuch, „aus der sehr eng geführten wissenschaftlichen Sprache herauszukommen […]. Das ist sicherlich ein Grund, warum sich (zumindest die akademische) Philosophie so schwer tut mit dem Thema, weil sie sich quasi so ein Begriffskorsett selber angelegt hat, was also alles Körperliche, alles Riechende, alles Schmeckende, vielleicht auch alles Eklige und Vulgäre außen vorhält und versucht, die Vernunft in ihrer Reinheit zu fassen.“

Übrigens könnte man, anstatt über die Mode der Philosophen zu auch über die Philosophie der Mode sprechen. Vor einigen Jahren auch Thema in Dradio Kultur.

    Bachelor-Studium "Philosophie, Neurowissenschaften und Kognition" in Magdeburg. Master-Studium "Philosophie" und "Ethik der Textkulturen" in Erlangen. Freie Kultur- und Wissenschaftsjournalistin: Hörfunk, Print, Online. Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Abteilung Philosophie, Fachbereich Medienethik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

    6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    1. Mode der PhilosophInnen – also ich halte das für ein interessantes Thema. Auch weil ich denke, dass Mode mehr ist als nur Kleidung und sowohl auf die innere Haltung und das Denken als auch auf die äußere Ausstrahlung wirkt.

      Ich erinnere mich noch an die Leute aus meiner Studienzeit, die immer schwarz trugen, sich vor allem von Kaffee (natürlich schwarz) und Zigaretten ernährten und dem Existentialismus zugeneigt waren.

      Und da gab es die Streber wie mich, die in Hemd und Stoffhose an der Uni erschienen. Mein Grund: Das ist doch etwas besonderes, an einer Universität zu studieren! Das wollte ich auch nach außen zeigen.

      Interessant übrigens, dass Herr Gronemeyer sein Buch über Sex auf Lesungen „mit Performance“ vorstellt… Da darf man gespannt sein! 😉

      P.S. Literaturtipp: Barbara Vinken (LMU-Professorin), Angezogen (Buch über Mode). Über die Mode ihrer professoralen Kollegen äußerte sie sich einmal im ZEIT-Interview.

      • Ich finde das Thema Mode von Philosophen auch spannend. An dem Dradio-Beitrag stört mich aber die pauschale Stereotypisierung in „Existentialisten-Style“, “ Dandy-Style“ ect.; zumal eben keine Philosophen befragt wurden, warum sie sich so kleiden oder was das womöglich mit ihrem Denken zu tun hat.

        Ich kenne einige Philosophen, die außergewöhnlich große und extravagante Ringe tragen. Dieses Phänomen hätte man auch untersuchen können.

        A propos Mode von StudentInnen: Eine amerikanische Professorin (Neuro-Linguistik) hat neulich in einem Interview erzählt, dass ihre Studierenden aus Protest gegen ein zu straff getaktetes Studium häufig in Schlafanzügen (oder zumindest -Hosen) in der Uni herumlaufen.

    2. @Leonie

      Ich kenne einige Philosophen, die außergewöhnlich große und extravagante Ringe tragen. Dieses Phänomen hätte man auch untersuchen können.

      Na, dann kannst du das ja jetzt tun!

      P.S. Die Idee mit den Schlafanzügen finde ich genial. Das sollten meine Studierenden auch mal machen. Dann komme ich in Pyjama und Bademantel.

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