50 Jahre Gettier-Fall oder -Fail?

Wer glaubt, in der Philosophie gehe es um relevante Fragen wie die nach dem guten oder glücklichen Leben, nach dem tugendhaften Charakter oder der richtigen Handlung, der irrt. Stattdessen beschäftigen sich Philosophen lieber damit, zu diskutieren, wie es ist Rot zu sehen und was passiert, wenn man sich dafür entschuldigt, dass man auf eine Katze getreten ist [1]; sie wälzen gedanklich die Gelüste nach Austern, Muschelpizza und Pekingente [2], sie reden vom kahlköpfigen König Frankreichs [3], Sandhaufen [4] und Junggesellen [5], wann diese eben diese sind und wann nicht.

Doch nicht Katzen und Glatzen, sondern zunächst eher vernachlässigbar erscheinende Münzen und Scheunenattrappen halten die Philosophen seit 50 Jahren auf Trab. Wieso? Stellen Sie sich zunächst folgendes Szenario vor: Smith und Jones haben sich für einen bestimmten Job beworben. Der Personalleiter des Arbeitgebers versicherte Smith, dass Jones den Job bekommen werde; außerdem habe er, Smith, vor zehn Minuten zehn Münzen in der Tasche von Jones gezählt. Auf diese Weise kommt Smith zu der Annahme

(a*) “Jones wird den Job bekommen und Jones hat zehn Münzen in der Tasche.”

Diese Annahme beinhaltet die allgemeinere Aussage

(a) “Derjenige, der den Job bekommt, hat zehn Münzen in der Tasche.”

Nehmen Sie ferner an, dass dennoch nicht Jones, sondern Smith selbst den Job bekommen wird und dass er, Smith, selbst zehn Münzen in der Tasche habe, ohne das zu wissen. Wir würden also sagen:

(1.) Proposition (a) ist wahr.

(2.) Smith glaubt, dass (a) wahr ist.

(3.) Smith ist darin gerechtfertigt, (a) zu glauben.

Und dennoch würden wir nicht sagen, dass Smith weiß, dass (a), da er ja von der falschen Annahme ausgeht, dass Jones den Job bekommen wird.

 

In seinem Aufsatz Is justified true belief knowledge? [6] stellte der mittlerweile emeritierte Philosophie Professor Edmund L. Gettier den obigen Fall zur Diskussion. Ähnliche Fälle gingen im Folgenden als Gettier-Fälle oder Gettierprobleme in die Philosophie-Geschichte ein. Wo aber ist das Problem?

Gettier geht in seinem nur drei Seiten langen (und vielleicht auch deshalb so viel rezipierten) Aufsatz von einer Standardanalyse des Wissens aus. Demnach kann man sagen “S weiß, dass p.”, wenn die drei Bedingungen erfüllt sind:

(1.) Die Proposition p ist wahr.

(2.) S glaubt, dass p wahr ist.

(3.) S ist darin gerechtfertig, zu glauben, dass p wahr ist.

Fällt Ihnen etwas auf? Genau diese drei Bedingungen würden wir auch (zumindest vermutlich prima facie) in dem obigen Beispiel Gettiers unterschreiben, und DENNOCH (siehe oben) “würden wir nicht sagen, dass Smith weiß, dass (a), da Smith ja von der falschen Annahme ausgeht, dass Jones den Job bekommen werde”.

 

Es geht hier also um den Begriff des Wissens, darum, was Wissen ist und welche Bedingungen für sein Vorhandensein gegeben sein müssen. Wenn der Begriff des Wissens auf dem Spiel steht, dann sind Philosophen erfahrungsgemäß auf 180. Auch und vielleicht gerade deshalb, weil es in der Philosophie oft tatsächlich nicht (nur) um Wissen geht, sondern darum, wer die besseren Argumente hat.

Gettier behauptete mit seinem Aufsatz, dass die Standardanalyse des Wissens ((1.), (2.), (3.)) keine hinreichenden Bedingungen dafür liefert, dass jemand etwas weiß. Denn: Eine Person kann zwar eine wahre, gerechtfertigte Meinung haben, die aber auf falschen Hintergrundannahmen basiert und daher liegt kein Wissen vor.

In der Vergangenheit haben verschiedene Philosophen verschiedene Strategien entwickelt, um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, es zu lösen… oder es gar nicht als Problem anzuerkennen. Anlässlich zum 50-jährigen Jubiläum von Gettiers Aufsatz fand Anfang Juni der Workshop 50 Jahre Gettier an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen statt –- mit unter anderem provokanten Thesen wie “50 Jahre Gettier: Reichen vielleicht.” (Wolfgang Spohn, Uni Konstanz), “Warum das Gettierproblem kein Scheinproblem ist.” (Sven Bernecker, University of California, Irvine) und “Was ist eigentlich das Gettierproblem?” (Gerhard Ernst, Uni Erlangen).

Wolfgang Spohn plädierte dafür, in der Debatte um das Gettier-Problem einen korrespondenztheoretischen Wahrheitsbegriff mit einem pragmatischen bzw. epistemischen Wahrheitsbegriff zu verknüpfen, was seiner Ansicht nach viel zu wenig praktiziert wird. Seiner Meinung nach kann es aufschlussreich sein, zu beobachten, wie der Begriff der Wahrheit im Alltag verwendet wird -– anstatt von Wahrheit so zu sprechen, als würde man damit subjektive Aussagen mit objektiven Tatsachen verbinden (siehe oben: Korrespondenztheorie).

Sven Bernecker machte darauf aufmerksam, dass schon Peter von Mantua um 1400 einen Gettier-Fall beschrieben habe (ungefähre Wiedergabe gemäß dem Vortrag): S glaubt, dort läuft Sokrates. Dabei ist es gar nicht Sokrates, der da läuft, sondern Platon. Doch, wie es der Zufall will, läuft Sokrates auch in diesem selben Moment, allerdings nicht hier, in Athen, sondern in Rom. Daher hat S eine wahre, gerechtfertigte Meinung… aber kein Wissen.

Peter Baumann toppte dies genüsslich mit einer noch viel früheren Erwähnung eines Gettier-Falls des indischen Philosophen Dharmottara um 800: Ein Mann sucht in der Wüste Wasser und glaubt –- aufgrund einer Fata Morgana –- Wasser zu sehen. Gemäß der Wahrnehmung des Mannes ist das Vorhandensein von Wasser natürlich nicht wahr, da er einer Täuschung unterliegt. Gleichzeitig befindet sich an derselben Stelle, auf die der Mann schaut, tatsächlich Wasser, allerdings hinter einem Stein verborgen, was der Mann nicht sieht. In diesem Sinn wandelte Baumann einen der Vortragstitel spontan um, was für großes Gelächter sorgte: “1250 Jahre Gettier: Reichen vielleicht.” Vielleicht gehöre “die Gettier-Situation aber auch zur conditio humana”, so Baumann.

 

Auch immer wieder für Schmunzeln sorgten die kleinlauten Entschuldigungen für die Wiederholungen der Beispiele, die nach der Meinung einiger hartgesottener Philosophen bereits standardmäßig zu einem “Augenroll-Reflex” führe. Gettier selbst führte in seinem kurzen Aufsatz nur zwei Beispiele an. Im Anschluss daran entstanden zahlreiche Fälle nach dem selben Muster, wie auch der sehr bekannte Fall von Scheunenattrappen nach Alvin Goldman [7]. Nachlesen können Sie das Beispiel auch bei Gerhard Ernst: Radikaler Kontextualismus, S. 174 [8].

Gerhard Ernst versuchte, den Zuhörern klar zu machen, was das Gettierproblem eigentlich ist. Die Standardanalyse lege nur nahe, dass die Rechtfertigungsbedingung notwendig ist für Wissen, nicht aber hinreichend. Jedoch werde aber gerade Dieses von den Gettier-Fällen angegriffen. Tatsächlich stecke aber ein anderes Problem hinter dem Wissensbegriff, das Ludwig Wittgenstein in seinen Philosophischen Untersuchungen allgemein so formulierte: ” »Es ist doch nicht so!« – sagen wir. »Aber es muß doch so sein!« ” (PU, § 112) [9]. Demnach sei das Dilemma beim Wissensbegriff, dass wir einerseits von objektivem Wissen sprechen, andererseits oft nicht alle Informationen zu einem bestimmten Sachverhalt kennen. Man müsse also unter anderem die jeweilige Perspektive betrachten, von der aus ein Subjekt von Wissen spricht oder nicht, um beurteilen zu können, ob es sich tatsächlich um Wissen handelt oder nicht. (Siehe Weiterführende Literatur)

Peter Baumann warnte schließlich vor der Dennettschen Intuitionen-Pumpe. Je ausführlicher und detailreicher die Beispiele beschrieben seien, desto eher sei man gewillt, den Subjekten auch Wissen zuzuschreiben, so Baumann. Damit stellte er die dritte These der Standardanalyse in Frage, dass nämlich die Proposition immer wahr sein muss, damit Wissen vorliegt. Wissen und Zufall sind Baumann zufolge nicht per se unvereinbar.

Ob es am Schluss Zufall oder Wissen war, dass der Workshop um 12 Uhr endete, vermochte — mit Blick auf die Russell’sche Uhr — keiner mehr so wirklich zu sagen. Das schien der heiteren Stimmung aber keineswegs zu schaden.

 

Quellen:

[1] Searle, John: Intentionality. An Essay in the Philosophy of Mind. Cambridge University Press: 1983.

[2] Taylor, Charles: Negative Freiheit? – Zur Kritik des neuzeitlichen Individualismus. Aus dem Englischen von Hermann Kocyba. Mit einem Nachwort von Axel Honneth. Suhrkamp: 1992.

[3] Russell, Bertrand:  On Denoting. In: Mind. New Series, Vol. 14, No. 56, 1905, pp. 479-493.

[4] Zum Begriff der Vagheit: Sorensen, Roy:  Vagueness . The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Summer 2012 Edition), Edward N. Zalta (ed.).

[5] Rey, Georges:  The Analytic/Synthetic Distinction . The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Summer 2012 Edition), Edward N. Zalta (ed.).

[6] Gettier, Edmund L.:  Is justified true belief knowledge?  Analysis 23.6, Juni 1963.

[7] Goldman, Alvin I. (1976):  Discrimination and Perceptual Knowledge, in: Journal of Philosophy 73, 771-791.

[8] Ernst, Gerhard:  Radikaler Kontextualismus. Philosophie und/als Wissenschaft Proceedings der GAP.5, Bielefeld 22.-26.09.2003.

[9] Wittgenstein, Ludwig: Philosophische Untersuchungen. 2003.

 

 

Weiterführende Literatur:

* Baumann, Peter:  Erkenntnistheorie . Metzler: (2)2006.

* Baumann, Peter: No Luck with Knowledge? On a Dogma of Epistemology, in: Philosophy and Phenomenological Research, forthcoming.

* Beispielhausarbeit eines Studenten der Uni Hamburg aus dem Downloadbereich der Uni Bielefeld:  Die Gettier-Fälle und kontraintuitive Lösungsansätze.

* Bernecker, Sven: Impliziert Erinnerung Wissen? Gesellschaft für Analytische Philosophie.

* Brendel, Elke. Was können wir von der Welt wissen? Spektrum der Wissenschaft: Serie Philosophie (Teil 6), Skepsis und Wissen. 2011.

* Brendel, Elke: Wissen. De Gruyter: Vorr. August 2013.

* Ernst, Gerhard:  Das Problem des Wissens . Mentis, 2002.

* Freitag, Wolfgang: The Topology of Knowledge.

* Freitag, Wolfgang: Wissen und Normalbedingungen. XXI. Deutscher Kongress für Philosophie.

* Tolksdorf, Stefan: Sind Sprachspiele des Wissens epistemisch geschlossen?

* Schurz, Gerhard:  Vorlesung Erkenntistheorie. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

* Spohn, Wolfgang:  Eine Einführung in die Erkenntnistheorie. Vorlesung im SS 1995.

* Ältere Fotos: Philosophen in Aktion. Heinrich-Heine Universität Düsseldorf.

Bachelor-Studium "Philosophie, Neurowissenschaften und Kognition" in Magdeburg. Master-Studium "Philosophie" und "Ethik der Textkulturen" in Erlangen. Freie Kultur- und Wissenschaftsjournalistin: Hörfunk, Print, Online. Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Abteilung Philosophie, Fachbereich Medienethik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hüstel

    , mal vom einleitenden Satz des Artikels abgesehen, der hier nicht so-o gut ankam, hierzu:

    Smith und Jones haben sich für einen bestimmten Job beworben. Der Personalleiter des Arbeitgebers versicherte Smith, dass Jones den Job bekommen werde; außerdem habe er, Smith, vor zehn Minuten zehn Münzen in der Tasche von Jones gezählt. Auf diese Weise kommt Smith zu der Annahme

    (a*) “Jones wird den Job bekommen und Jones hat zehn Münzen in der Tasche.”
    Diese Annahme beinhaltet die allgemeinere Aussage
    (a) “Derjenige, der den Job bekommt, hat zehn Münzen in der Tasche.”

    Nehmen Sie ferner an, dass dennoch nicht Jones, sondern Smith selbst den Job bekommen wird und dass er, Smith, selbst zehn Münzen in der Tasche habe, ohne das zu wissen. Wir würden also sagen:

    (1.) Proposition (a) ist wahr.
    (2.) Smith glaubt, dass (a) wahr ist.
    (3.) Smith ist darin gerechtfertigt, (a) zu glauben.

    Und dennoch würden wir nicht sagen, dass Smith weiß, dass (a), da er ja von der falschen Annahme ausgeht, dass Jones den Job bekommen wird.

    War das denn korrekt die Problemlage beschreibend formuliert? Auch das mit dem A und A(Stern) irritierte ein wenig.

    MFG
    Dr. W

  2. @Dr. Webbaer

    1. WO kam der erste Satz nicht gut an?
    2. Versteht man nicht die Ironie? Falls nein, wäre das bedauerlich. Ggf. würde ich mir etwas anderes einfallen lassen.
    3. Gettier beschreibt das Beispiel selbst etwas kompliziert, ich wollte nah am Original bleiben:

    “[…] Suppose that Smith and Jones have applied for a certain job. And suppose that Smith has strong evidence for the fol1owing conjunctive proposition:
    (d) Jones is the man who will get the job, and Jones has ten coins in his pocket.
    Smith’s evidence for (d) might be that the president of the company assured him that Jones would in the end be selected, and that he, Smith, had counted the coins in Jones’s pocket ten minutes ago. Proposition (d) entails: (e) The man who will get the job has ten coins in his pocket.
    Let us suppose that Smith sees the entailment from (d) to (e), and accepts (e) on the grounds of (d), for which he has strong evidence. In this case, Smith is clearly justified in believing that (e) is true.
    But imagine, further, that unknown to Smith, he himself, not Jones, will get the job. And, also, unknown to mith, he himself has ten coins in his pocket. Proposition (e) is then true, though proposition (d), from which Smith inferred (e), is false. In our example, then, all of the following are true: (i) (e) is true, (ii) Smith believes that (e) is true, and (iii) Smith is justified in believing that (e) is true. But it is equally clear that Smith does not KNOW that (e) is true; for (e) is true in virtue of the number of coins in Smith’s pocket, while Smith does not know how many coins are in Smith’s pocket, and bases his belief in (e) on a count of the coins in Jones’s pocket, whom he falsely believes to be the man who will get the job. […]”

  3. Es zählt

    oft (auch auf das Intro bezogen) der Erste Eindruck, ansonsten: wenn Smith weiß, dass Jones und nur Jones den Job bekommen wird und weiß, dass Jones 10 Münzen in der Tasche hat, dann weiß er, dass jemand aus der einelementigen Menge, die 10 Münzen in der Tasche hat und den Job bekommen wird, den Job bekommen wird.

    Dummerweise gehört Smith zur mehrelementigen Menge mit 10 Münzen in der Tasche, die den Job nicht bekommen wird, was er aber nicht weiß, also das mit den Münzen zumindest.

    LOL

    MFG
    Dr. W (der noch einmal darüber nachdenken wird, dafür sind Webbaeren ja da, im Moment schaut es aber mau aus)

  4. @Dr. Webbaer

    Klar, es gibt viele Möglichkeiten, die Konstruktion der Fälle und Gettiers These(n) anzugreifen bzw. zu kritisieren und das wurde ja auch gemacht.
    Zum Nachdenken: Keiner zwingt Sie, ist nur ein Angebot. 🙂

  5. @Dr. Webbaer

    Meinung ist nie gerechtfertigt […] im ‘gerecht’ steckt das ‘richtig’, die ‘Gerechtigkeit’ meint die ‘Richtigkeit’, sie meint im übetragenden Sinne die Richtigkeit des Sollens.

    Ich glaube, dass die drei Bedingungen nach der Standardanalyse (zumindest so, wie sie Gettier darstellt) _zusammen_ Wissen ergeben sollen — oder eben auch nicht, wie Gettier ja mit seinen Gegenbeispielen zeigen zu können behauptete. Die drei Bedingungen sind (verkürzt) “glauben, dass p” (Meinung), “gerechtfertigt” (mit Ihren Worten: Die Richtigkeit des Sollens, dass man p glaubt) und “p ist wahr” — damit wird nicht ausgesagt, dass Meinung immer zwingenderweise gerechtfertigt ist. Hingegen muss sie es (laut dieser Darstellung der Standardanalyse) notwendigerweise sein, wenn Wissen vorliegt.

  6. Genau. Wobei umstritten ist, was als Rechtfertigung zählen kann. Man kann hier z.B. grob zwischen interner und externer Rechtfertigung unterscheiden (siehe z.B. http://plato.stanford.edu/entries/knowledge-analysis/#JusCon ). Übertriebene Ansprüche an die Rechtfertigungsbedingung, so dass am Ende keiner mehr irgendetwas gerechtfertigt für wahr halten und somit wissen könnte, sind allerdings unplausibel und sicher keine gute Analyse unseres Wissens-Begriffs.

    Eine interessante Kritik am Standard-Wissensbegriff hat übrigens auch Ansgar Beckermann geliefert: http://www.uni-bielefeld.de/philosophie/personen/beckermann/wnutz_ww.pdf

  7. Wissenschaft

    Demnach sei das Dilemma beim Wissensbegriff, dass wir einerseits von objektivem Wissen sprechen, andererseits oft nicht alle Informationen zu einem bestimmten Sachverhalt kennen.

    Ist das international auch so, hat man dort nicht statt des unglückseligen Begriffs Wissenschaft die Scientia oder Science, also das Verständnis oder die Erkenntnis?

    Damit nicht jeder sagen kann, was er will, und Erkenntnis behauptet, hat man die “wissen”-schaftliche Methode.

    Sokrates hat das schon alles bearbeitet, ausreichend, wie der Schreibär dieser Zeilen findet.

    MFG
    Dr. W

  8. Verwandtes Problem

    Wenn ich mit dem Bus von A-Stadt nach B-Dorf fahre, am Automaten aber versehentlich einen Fahrschein nach C-Stadt zum gleichen Preis gelöst habe, fahre ich dann schwarz?

  9. Offensichtlich

    Wenn ich mit dem Bus von A-Stadt nach B-Dorf fahre, am Automaten aber versehentlich einen Fahrschein nach C-Stadt zum gleichen Preis gelöst habe, fahre ich dann schwarz?

    fahren Sie dann schwarz.

    Wobei die Entlarvung des Bemühens um die “gerechtfertigte” Meinung gelungen scheint.

    Letztlich ist es ja ein: “Wenn ich glaube ein Ticket gekauft zu haben, aber doch keines gekauft habe, fahre ich dann schwarz?”

    Notwendige, aber nicht hinreichende Rechtfertigungsbedingungen, bleiben denn auch lau, …, …, …, ohne hierzu weiter ausführen zu wollen…

    MFG
    Dr. W

  10. @Sven Türpe

    Nein, Sie fahren nicht schwarz, weil es an der Absicht, das Entgelt nicht zu entrichten, fehlt. Wenn Ihnen der Fehlkauf allerdings vor dem Besteigen des Busses nach B auffällt und Sie dennoch einsteigen, dann dann handeln Sie mit Vorsatz und fahren schwarz.

    Falls Sie nun vor lauter Überlegen ob des falsches Fahrscheins irrtümlich in den Bus nach C einsteigen aber glauben, im richtigen Bus B zu sitzen, dann liegt ein untauglicher Versuch vor, der gleichwohl strafbar ist, jedenfalls wenn man § 265a Abs. 2 StGB glauben darf.

  11. Der selben meinung

    Da bin ich ganz der Meinung von Ano Nym. Sie handelt nicht mir dem Vorsatz schwarz zu fahren!

  12. Fehlende Parallele des Beispiels?

    Das Beispiel mit dem Schwarzfahren mag aber für den Begriff des Wissens möglicherweise nicht sehr erhellend sein, da wir zum einen nicht per Gericht entscheiden, ob jemand etwas wusste oder nicht — das hängt vermutlich vom Sprachgebrauch ab und dem, was wir unter “etwas wissen” verstehen. Die “Kontrollinstanz” für tatsächliches Wissen wäre demnach die gelungene Kommunikation.
    Zweitens würden wir ja auch, wenn jemand aus Versehen etwas nicht wusste, dennoch sagen, dass er es nicht wusste, frei nach dem Motto “Unwissenheit schützt vor Nicht-Wissen nicht.”.

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