Schon mal etwas von katholischen Zellen gehört?

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Zwischen Molekularbiologie und Medizin
Enkapsis
Die Spracherkennung von Windows, die seit dem Betriebssystem Vista mit jedem Windows-Computer mitgeliefert wird, ist im Prinzip ein optimales Werkzeug, um Texte zu diktieren. Man stelle sich vor: Statt einen elendig langen Text abzutippen, diktiert man ihn einfach und der Computer schreibt mit. So weit so gut. In der Realität läuft es allerdings ganz anders ab. Während einfach Sätze wie "Peter sucht Susi in ihrem Haus" problemlos verarbeitet und niedergeschrieben werden, schaut es bei wissenschaftlichen Texten ganz anders aus. Dabei könnte man es den Wissenschaftlern und Forschern doch so leicht machen. Nicht selten sitzen sie stundenlang vor dem Computer und tippen ihre Forschungsanträge, ihre Forschungsergebnisse und ihre gesamten wissenschaftlichen Publikationen ab. Wie das ganze also in der Realität ausschaut, kann man an den folgenden Beispielen sehen. Ich habe dabei insgesamt drei kurze wissenschaftliche Texte, die ich während meines Studiums in Protokollen abtippte, diktiert.

Beim ersten Text geht es um das Cytoskelett. Das Cytoskelett ist das Stützgerüst unserer Zellen, was ihnen so ihre Form und Funktion verleiht. Ähnlich wie uns unsere Knochen und Sehnen stützen und elastisch machen, so helfen Mikrotubuli, Mikrofilamente und Intermediärfilamente den Zellen in ihrer Gestaltengebung. Im folgenden nun der Originaltext. Die diktierte Version ist danach zu lesen.
Original:
Das Cytoskelett ist ein dynamisches Netzwerk, das zur mechanischen Stabilisierung und Strukturerhalt jeder eukaryotischen Zelle dient. Zudem findet an ihm auch gerichteter Transport innerhalb der Zelle statt. Es besteht aus den Proteinen Mikrotubuli, Mikrofilamente (Aktinfilamente) und Intermediärfilamenten.  Mikrotubuli sind hohle Stäbe bestehend aus  α- und ß-Tubulin. Sie dienen besonders der Zellbewegung durch Cilien und Geißeln und spielen eine wichtige Rolle bei der Chromosomenwanderung bei Zellteilungen. Mikrofilamente bestehen aus 2 umeinander gewundene Aktinsträngen und dienen vor allem der Muskelkontraktion und Bildung der Teilungsfurche bei der Zellteilung. Intermediärfilamente sind spiralisierte Faserproteine und bestehen aus Keratin, Vimentin und Desmin und dienen vor allem der Verankerung des Zellkerns und anderer Organellen und bilden u.a. die Kernlamina aus.

Diktierte Version:
Das jedoch Geländes ein dynamisches Netzwerk, das so mechanischen Stabilisierungsstruktur als jeder und katholischen Zelle dienen. Zudem findet an dem auch ein Gerichtabtransport in all den Zellestart. Es besteht auch im Proteine Mikrotubuli, Migros Kieler Menze (Anti die lahme Ente) um und Intermedia die lahmenden. Migros Togolesen Throne stärker bestehen aus Eifer-und besser-Schulin. Die Länder soll das Ganze Erwägung durchziehen am ganze und spielen eine wichtige Rolle bei der Chromosomenwanderung Wein Zellteilungen. Migros vieler meinte bestehen aus 2 Uhr einander gewundene Akt ihn strengen und dienen vor allem der Muskelkontraktion will Umweltheilung chronischer weil Selbstheilung. Intermedia Kieler meinte sein spiralig ihren Sohn armer Proteine und bestehen aus Keratin, bemängelt schien und Essen ihn und dienen vor allem der Herren Kong des Zellkern das und anderer Organellen Unbilden u.a. die Kern langen aus.

Als zweiten Text habe ich mir eine Versuchseinleitung ausgesucht, die die gradientenartige Verteilung des Regenerationsvermögen von Süßwasserpolypen beschreibt. Süßwasserpolypen sind Organismen, die ein hohes Regenerationsvermögen aufweisen. Trennt man ihnen nämlich den Kopf oder den Fuß ab, so kann sich dieser problemlos neu bilden. Der Text enthält nun ein wenig mehr Fachbegriffe und Abkürzungen als der erste. Schauen wir mal, wie sich die Spracherkennung geschlagen hat.

Original:
Das Regeneratiosvermögen beruht auf dem beschriebenen Gierer-Meinhardt-Modell. Dabei sind zwei Morphogene vorhanden, die im Organismus eine gradientartige Konzentration hervorbringen und so die Kopf- und Fußbildung steuern. Lithium wirkt auf diese Musterbildung hemmend. Mit Diaglycerol behandelte Hydren bilden jedoch mehrere Köpfe aus, daher muss noch ein weiterer Faktor vorhanden sein, der bei der Kopfbildung wirkt. Die Antwort ist das sogennante second-messenger System, welches durch Lithiumbehandlung gehemmt wird und somit kein Kopf ausgebildet wird. Es wirkt auf  den Phospholipase-Signalweg, indem es die Phosphatase hemmt. Diacylglycerol (DAG) wird abgegeben indem PIP2 sich in IP3 durch Bindung eines Moleküls an einen Rezeptor bildet. IP3 aktiviert Kinasen über das Öffnen von Calcium-Kanälen. DAG bindet an die Kinase PKC, welche nur funktionsfähig ist, wenn Calcium und gebundenes DAG vorliegt. Durch Phosphorylierung werden Proteine durch PKC aktiviert. Die Bindung von DAG an PKC fördert so die Kopfbildung. Lithium setzt nun an der DAG-Entstehung an. Diese wird verhindert, indem die PIP2-Bildung blockiert wird. DAG kann nun nicht mehr freigesetzt werden und es kommt zur Fußbildung.

Diktierte Version:
Das Regenerationsvermögen beruht auf dem beschriebenen ihrer-Mein H-Modell. Dabei sind zwei Moro Gene vorhanden, die im Organismus eine Gradient artige Konzentration LO frühen und so dick ob-und Tuchfühlungssteuern. Jedes Jon wird auch die Muster Bildung ernannt. Wenn die Lage zu holen Anwälte biederen bilden jedoch mehrere Bekannte aus, daher muss noch ein weiterer Faktor worden seien, ja beide Koch Bildung wird. Die Antwort ist das sogenannte Segment-Messe unter dem, welches durch den Slowaken umgegangen wird und somit keine, ausgebildet wird. Es wird auch Infos Rohleder Haase-Signale W, indem es die auch als Assistent. Die natürlich sowohl (DAG) mit abgegeben im WM P I P zwei sich in die Play drei durch Bildung eines Moleküls an eine Rattedoppel. I P drei Activity nach über das eröffnen. Als Jo-Kanälen. DAG Bündel an China sowie EKD, welche nur Punktion fähig ist, Metalls Jon gebundenes reagieren Politik. Durch Phosphorjom werden Proteine durch die Katia aktivieren. Die Bindung von DAG an Pica ziehen würde so die Koppelung. Lithium sechs nun an der DAG in-Stimmung an. Diese wird verhindert, indem die Lieblinge zwar eine-Bülow blockiert würden. Die H nun nicht mehr freigesetzt werden und es kommt zur Ausbildung.

Der dritte Text ist noch eine Stufe schwerer. Er beschreibt die Durchführung eines Overlay-Blot-Assays. Dabei handelt es sich um eine Methode in der Wissenschaft, bei der man gewünschte Proteine mit Antikörpern nachweisen kann. Schauen wir es uns mal an.

Original:
Die Proteine aus einem Polyacrylamid-Gel aus Versuch 5 wurden auf eine Nitrozellulosemembran geblottet und diese über Nacht bei 4°C in Renaturierungspuffer inkubiert, damit alle Proteine möglichst wieder ihre native Form annehmen. Am nächsten Tag wurde die Membran zweimal 15 Minuten lang in Bindungspuffer gewaschen und anschliessend 1 Stunde in einer eingeschweissten Folie mit 3ml Bindungspuffer+15µl GTP+GST-Tubulin inkubiert. Danach wurde die Membran fünfmal in Bindungspuffer und zweimal in TBST je 5 Minutan lang gewaschen. Es folgte eine Inkubation in 10% Milch bei Raumtemperatur und ein Waschgang mit dreimal je 10 Minuten in TBST. Nun wurde die Membran mit dem ersten Antikörper Kaninchen anti-GST (1:500 in 10% Milch in TBST verdünnt) 1 Stunde bei Raumtemperatur inkubiert, anschliessend erneut dreimal je 10 Minuten in TBST gewaschen und mit dem zweiten Antikörper anti-Kaninchen mit Peroxidase (1:5000 in 5% Milch in TBST verdünnt) 1 Stunde bei Raumtemperatur inkubiert. Als letztes wurde die Membran dreimal je 10 Minuten mit TBST gewaschen und die ECL-Methode zur Entwicklung angewandt (siehe Versuch 6).

Diktierte Version:
Die Proteine auch einen Pulli All Colani-gehe aus versuchten O nach einem Nitrocellulose Membran geflutet und diese über Nachbar in Jena Celsius im E Renaturierung voran kopiert, damit alle Routine möglich wieder ihren aktive Form annehmen. Am nächsten Tag wurde die Meran zweimal 15 Minuten lang bin Oktober gewaschen und anschließend eine Stunden eine eingeschweißten OLE mit 3 m Bildungsprogramm A plus 15 Migros Liter geht in die Lust EST-School in ihnen Kubiak. Danach wurde die Membran tun wollen Bildung Kupfer und zweimaligen die SP Jägern minutenlang gewaschen. Es folgte eine Inkubationszeit N 10% mich bei Raumtemperatur und ein Waschgang mit dreimal jährlich zehn Minutenn. Kids leben. Nun wurde die Membran den ganzen Antikörper Kaninchen Anti-g. s. t. (eins zu 500 in 10% männlich in Thiele erzielter drei und) eine Stunde bei Raumtemperatur in kopiert, anschließend erneut dreimal jetzt zehn Minutenn. Jede Erskine waschen und mit den Zweigen Antikörper Anti-Chairman wenn er auch die Gase (O eins zu 5000 in beiden Prozent männlich im TESTN Welt und) eine Stunde bei Raumtemperatur ihnen Kubiak. Als letztes wurde die Membran dreimal in zehn Minuten mit den es je gewaschen und die EST ein-Methode zu Entwicklung angewandt.

Wie man sieht, versagt die Spracherkennung auf ganzer Ebene, obwohl ich ich so deutlich wie möglich diktiert habe. So geht es plötzlich um katholische Zellen,  um China, um einen Sohn armer Proteine oder um eine Segment-Messe, welche durch den Slowaken umgegangen wird. Ich komme also zum Schluss, dass Wissenschaftler ihre Texte lieber abtippen, statt diktieren sollten. Diktieren nur dann, wenn eine kompetente Person zum Abtippen anwesend ist. Trotzdem lässt sich sagen, die Spracherkennung sorgt für ordentlich viel Spass! Wissenschaftliche Arbeiten würden so aber niemals zur Publikation freigegeben werden.

 
 
 

Veröffentlicht von

Sebastian Reusch ist Naturwissenschaftler und studierte Biologie mit den Schwerpunkten Zell- und Entwicklungsbiologie, Genetik und Biotechnologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Danach arbeitete er am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin an molekularbiologischen Prozessen des Immunsystems. Derzeit promoviert er am IRI Life Sciences der Humboldt-Universität zu Berlin an grundlegenden Fragen der Zellbiologie und Biochemie des Tubulin-Zytoskeletts in Stammzellen. Seine Schwerpunktthemen hier im Blog sind Molekularbiologie und Biomedizin. Twitter: @MrEnkapsis

2 Kommentare


  1. Als Phonetiker und Phonologe sehe ich derzeit keine Möglichkeit, allein aus dem Sprachschall die korrekte Phonemsequenz und in einem weiteren Schritt die zutreffende Buchstabenfolge zu ermitteln.
    Vielleicht könnte die Zukunft der Spracherkennung darin liegen, dem Programm eine Text-Datenbank zu übergeben, in denen das benutze Vokabular vorkommt. In Ihrem Fall wären das Fachpublikationen, die dem diktierten Text vorausgehen, vielleicht ein Glossar, eine Liste von Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Institutionen usw.

  2. @Charlie Ruland

    So eine Datenbank wäre sicher sinnvoll, müsste aber auch über die Zeit sehr gepflegt werden, weil es permanent neue Begriffe in der Wissenschaft und Forschung gibt. Neue Methoden werden entwickelt, neue Gene und Proteine entdeckt, denen man einen Namen gibt. Das dürfte aber kein allzu großes Problem darstellen. Ich glaube allerdings, dass solche Spracherkennung-Tools keine Anwendung unter Wissenschaftlern finden würden. Man bedenke allein die wissenschaftlichen Publikationen, die in einem gewissen Format formatiert werden müssen. Man muss daher so oder so noch einmal selbst Hand anlegen. Viel schneller geht es also, während man den Text abtippt und gleichzeit formartiert. Alles andere würde noch viel länger dauern. Vielleicht setzen sich diese Software-Programme aber ja im universitären Betrieb durch, etwa für die Erstellung von Zusammenfassungen. Man müsste z.B. eine Vorlesung nicht mehr auf Video aufnehmen (wie es manche Studenten machen), sondern könnte nebenbei einfach seinen Computer laufen lassen und alles was der Professor sagt, wird niedergeschrieben. Natürlich würde dies die Studenten nicht mehr allzu sehr fordern, die dann die Information nicht mehr selbst selektieren und aufschreiben müssten. Wie gesagt, es gibt viele Vor- und Nachteile und jeder muss für sich selber entscheiden.

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