Richard Dawkins interviewt Michael Baum zum Thema Alternativmedizin

BLOG: Enkapsis

Zwischen Molekularbiologie und Medizin
Enkapsis

Eines der besten Interviews die ich von Richard Dawkins je gesehen habe, ist das Gespräch von ihm mit dem Mediziner Michael Baum über Medizin. Es werden in dem Interview Themen behandelt wie Alternativmedizin, klinische Studien, die wissenschaftliche Methode, etc. Es ist wirklich sehenswert und Prof. Michael Baum sicherlich mein neues Vorbild!

 

 

 

 

 

 

 

 


Sebastian Reusch

Veröffentlicht von

Sebastian Reusch ist Naturwissenschaftler und studierte Biologie mit den Schwerpunkten Zell- und Entwicklungsbiologie, Genetik und Biotechnologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Danach arbeitete er am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin an molekularbiologischen Prozessen des Immunsystems. Derzeit promoviert er am IRI Life Sciences der Humboldt-Universität zu Berlin an grundlegenden Fragen der Zellbiologie und Biochemie des Tubulin-Zytoskeletts in Stammzellen. Seine Schwerpunktthemen hier im Blog sind Molekularbiologie und Biomedizin. Twitter: @MrEnkapsis

4 Kommentare


  1. Es lohnt sich absolut, sich eine Stunde Zeit zu nehmen für dieses Interview. Ich hätte gerne mitgeschrieben, denn Baum hat einige zitierwürdige Dinge gesagt, wie etwa:

    „There was no golden age. This is the golden age and the next day it will even be more golden providing we continue our scientific quest.“

  2. Ja, dieser Satz war einer der besten Sätze aus dem Interview überhaupt und Recht hat er allemal! Ich fand die Anekdote zu seinem Professor-Titel auch toll und wie er seine Studenten dazu ermutigt, immer alles zu hinterfragen und mit Fakten belegen zu können.

  3. Ich kann meinen beiden Vorrednern nur zustimmen. Ich selbst habe das Buch “The God Delusion” gelesen. Die Art und Weise wie er hier die gestellten Fragen beantwortet. Herrlich.
    VG Tim

  4. Was zeigen Metastudien?

    Baum wirkt in dem Interview sehr sympathisch, ehrlich und überzeugend. Als Naturwissenschaftler (aber medizinischer Laie) interessieren mich aber vor allem harte Daten, und ich erwartete, dass klinische Vergleichsstudien doch sicher ein klares Bild davon geben, ob Homöopathie nun besser wirkt als ein Placebo oder nicht. Ich habe in dem Interview also vor allem darauf gewartet, was Baum hier für Belege nennt.

    Das kommt zu Beginn von Teil 2. Erst nennt Baum hier als Beleg für die fehlende Wirkung der Homöopathie Metastudien mit „huge statistical significance“, aber er nennt dann erst einmal nur einen anderen Professor, mit den Worten „I bow to his special knowledge“. Das ist ein „appeal to authority“, als Sachargument ungeeignet.

    Doch dann kommt endlich eine konkrete Aussage zu einer Metastudie, die im Lancet publiziert worden sei. Dort sei herausgekommen: je größer die Zahl der Probanden, desto eher habe die Homöopathie sich als wirkungslos erwiesen, im Gegensatz zu „matching trials“ mit wissenschaftsbasierter Medizin, wo größere Studien eine stärkere Wirkung belegen. Alles in den ersten 1,5 Minuten von Teil 2. Klingt überzeugend.

    Als Wissenschaftler bin ich gewohnt, immer die Originalstudie anzusehen und niemals Sekundärreferenzen zu vertrauen. Also Google: http://www.google.com/…cial&client=firefox-a

    Sofort habe ich offenbar die richtige Studie gefunden, von Shang et al.:
    http://www.thelancet.com/…805%2967177-2/abstract

    Doch dann der Schock, denn im Abstract steht:
    21 homoeopathy trials (19%) and nine (8%) conventional-medicine trials were of higher quality. In both groups, smaller trials and those of lower quality showed more beneficial treatment effects than larger and higher-quality trials.

    Also etwas völlig anderes als Herr Baum behauptet hat: sowohl bei der homöopathischen als auch bei der konventionellen Medizin zeigen die kleineren Studien größere Wirkung der Behandlung! Zudem steht im Abstract:
    Biases are present in placebo-controlled trials of both homoeopathy and conventional medicine. When account was taken for these biases in the analysis, there was weak evidence for a specific effect of homoeopathic remedies, but strong evidence for specific effects of conventional interventions.

    Dort steht also nicht, dass mit riesiger statistischer Signifikanz die Wirkungslosigkeit von Homöopathie belegt wurde, sondern dass es schwache Belege für eine spezifische Wirkung der Homöopathie gibt.

    Dann habe ich noch den ersten Treffer von Google angesehen, eine Kritik von Fisher an der Studie von Shang et al.:
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/…rticles/PMC1375230/

    Diese Kritik scheint mir als Laien durchaus gute Sachargumente zu enthalten: nur auf den 8 ausgewählten „guten“ und „großen“ Studien (von 110 insgesamt, und 21 „guten“) würde die genannte Folgerung einer schwachen Evidenz für eine Wirksamkeit von Homöopathie beruhen. Das Paper benenne aber nicht, welche 8 dies sind, und auch auf Anfrage hätten die Autoren diese 8 nicht nennen wollen. Beides klingt unglaublich. Und die Schwelle für „große Studie“ sei bei den Studien der konventionellen anders gesetzt worden als bei den homöopathischen. Ich habe das mangels Zugang zum Volltext (paywall) nicht nachgeprüft. Es klingt aber nach vernünftigen Sachbedenken.

    Ich habe dann noch eine Antwort auf diese Kritik von Fisher gefunden:
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/…rticles/PMC2000646/

    Dort wird diese Kritik mit einem Satz vom Tisch gewischt: es sei „surely not the required level of peer-reviewed evidence necessary to cast significant doubts on this meta-analysis”. Kein Wort zu den Sachargumenten.

    Summa summarum: als Naturwissenschaftler halte ich es a priori für sehr unwahrscheinlich, dass Homöopathie wirken kann (das war mein Bayesian prior, für die, die damit etwas anfangen können). Diese kurze Auseinandersetzung mit Homöopathie durch das Baum-Interview, auf das ich hier zufällig gestoßen bin, hat meine Einstellung eher in die Richtung verschoben, dass wider erwarten doch etwas dran sein könnte.

Schreibe einen Kommentar