Neues Max-Planck-Institut in Argentinien

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Zwischen Molekularbiologie und Medizin
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Demnächst erhält der Tango Einzug in die Max-Planck-Gesellschaft, da Mitte dieses Jahres das erste lateinamerikanische Partnerinstitut in Buenos Aires, Argentinien seine Pforten öffnen wird. Rund 40 Mio. US-Dollar hat der imposante Bau gekostet, der sich im zukünftigen wissenschaftlichen Zentrum der Stadt, dem sogenannten "Polo Científico y Tecnológico", befindet und in dem in Zusammenarbeit mit weiteren Instituten biomedizinische Grundlagenforschung betrieben werden soll. Direktor wird der argentinische Molekularbiologe Eduardo Arzt sein, der bereits am Max-Planck-Insitut für Psychatrie in München gearbeitet hat und somit die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland un Argentinien weiter ausbauen soll. So gibt es bereits einen bilateralen Masterstudiengang in "Biomedical Sciences" zwischen der Universität Buenos Aires und Freiburg, der den Austausch zwischen Argentiniern und Deutschen bereits fördert.

 
  Abb. 1: Das zukünftige wissenschaftliche Zentrum der argentinischen Haupstadt Buenos Aires – der "Polo Científico y Tecnológico" – in dem u.a. das erste lateinamerikanische Max-Planck-Institut angesiedelt sein wird (Quelle).
 
Das Insitut soll den argentinischen Wissenschaftlern, die hier in Deutschland arbeiten, einen Anreiz geben wieder ins Land zurückzukehren, um so die Entwicklung in Sachen Wissenschaft und Technologie weiter voranzutreiben. Insgesamt finde ich das Konzept des "Polo Científico y Tecnológico" interessant, da hier nach Arzt ein "Raum für Öffentlichkeit und Interaktion mit der Gesellschaft" geboten und so eine Brücke zwischen Deutschland und Argentinien geschlagen wird, um gemeinsame Projekte ins Leben zu rufen. Bereits 2010 hat die argentinische Präsidenten Cristina Fernández de Kirchner zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit ihres Landes gesagt, dass Wissenschaft und Technologie dei beiden größten Chancen für das Land sind und somit gefördert werden müssen. Dass die Förderung u.a. so aussieht, dass eine stärkere Kooperation zwischen deutschen und argentinischen WIssenschaftlern stattfindet, finde ich gut. Bitte mehr davon!
 
Eine imposante Animation des Campus kann man sich übrigens hier anschauen. Die Deutsche Welle hat sogar auch schon über dieses Projekt berichtet, welches man sich hier anschauen kann. Der Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, Herbert Jäckle, hat zudem ein Interview zu diesem Thema gegen, welches man hier nachlesen kann.
 
 
 
 

Veröffentlicht von

Sebastian Reusch ist Naturwissenschaftler und studierte Biologie mit den Schwerpunkten Zell- und Entwicklungsbiologie, Genetik und Biotechnologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Danach arbeitete er am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin an molekularbiologischen Prozessen des Immunsystems. Derzeit promoviert er am IRI Life Sciences der Humboldt-Universität zu Berlin an grundlegenden Fragen der Zellbiologie und Biochemie des Tubulin-Zytoskeletts in Stammzellen. Seine Schwerpunktthemen hier im Blog sind Molekularbiologie und Biomedizin. Twitter: @MrEnkapsis

5 Kommentare

  1. Wow das ist ja mal klasse..
    Gefällt mir super…
    Könnte ruhig mehr davon geben.
    Koopreationen gibt es ja viel, nur das ist da noch etwas anderes 😉

  2. Forschung mit Vorbild

    Laut Wikipedia gibt es 78 Max-Planck-Institute, davon 3 im Ausland,
    nämlich die Bibliotheca Hertziana in Rom, das MPI für Psycholinguistik in Nimwegen und das Kunshistorische Institut in Florenz. Die Max-Planck-Gesellschaft selbst listet auf ihrer Homepage auch noch das Max Planck Florida Institute auf. Ferner scheint es auch etwa 8 Max-Planck-Center/Partnerinstitute und 44 Partnergruppen (für die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern) zu geben.

    Das geplante Partnerinstitut in Buenos Aires funktioniert scheinbar auf derselben Basis wie die anderen Max Planck Center/Parnterinstitute (Zitat Max Planck Homepage): Max Planck Center sind Plattformen für institutionelle Kooperationen zwischen Max-Planck-Instituten und internationalen herausragenden Forschungseinrichtungen.
    Weiter liest man: Die Finanzierung der Center erfolgt aus der institutionellen Förderung jedes Partners oder aus Mitteln der jeweiligen nationalen Projektförderung, die teilweise auch ins Ausland transferiert werden können.

    Fazit: Das neue Max-Planck Parnterinstitut in Buenos Aires verdankt seine Existenz wohl dem Bekenntnis der argentinischen Regierung zur Förderung der Wissenschaft, wobei bewusst die Anlehung an einen Forschungspartner mit internationalem Renommee gewählt wird. Das ist sicher eine richtige Entscheidung und kann wohl mithlefen den Wiederaufschwung Argentiniens seit 2002 weiterzutragen.

  3. Finanzierung

    @Martin Holzherr: Das stimmt, ohne Argentiniens guten Willen wäre nichts mit Finanzierung. Die ersten Juniorgruppen werden dort übrigens gemeinsam durch das argentinische Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Produktive Innovationen (MINCyT), der Max-Planck-Gesellschaft an sich und durch die Volkswagen-Stiftung finanziert. Zustande ist das Ganze eben dadurch gekommen, das es bereits Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien gab, da beispielsweise im Jahr 2008 rund 60 Postdocs bei der Max-Planck-Gesellschaft hier in Deutschland gearbeitet haben. Die Aushängeschilder davon sind eben Eduardo Arzt und Damian Refojo. Die 40 Millionen US-Dollar, die übrigens der ganze Bau kostet, wurden zum Teil durch einen Kredit der interamerikanischen Entwicklungsbank mitgetragen.

  4. Max-Planck-Institute im Ausland

    Internationale Kooperation ist natürlich absolut notwendig und sollte auch stark gefördert werden. Die aktuelle Tendenz der Max-Planck-Gesellschaft, neue Institute hauptsächlich (oder sogar ausschließlich?) im Ausland zu errichten, halte ich absolut nicht für sinnvoll. Das bringt dem Partnerland natürlich viel, sorgt aber für “Brain Drain” aus Deutschland weg – eigentlich nichts, was wir mit unseren Steuergeldern finanazieren sollten, denke ich.

  5. halb so wild

    @Mierk Schwabe: Ich habe da jetzt nicht so große Bedenken, dass ein “Brain Drain” stattfindet, da man die Max-Planck-Außenstationen ja an einer Hand abzählen kann oder kommen da in nächster Zeit noch mehr dazu? Zudem werden die Institute ja nicht hauptsächlich mit Steuergeldern finanziert (siehe dazu meinen Kommentar an Martin Holzherr), sondern durch die jeweiligen Wissenschaftsministerien des Landes und durch diverse Stiftungen finanziert. Die Finanzierung, die von der MPG ausgeht, ist jetzt nicht so groß. Ich sehe das Ganze zudem eher als eine Chance, internationale Kooperationen und einen Austausch von Wissenschaftlern zu fördern und sehe nicht, dass da Wissenschaftler aus Deutschland konsequent abgezogen werden sollen.

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