Interessante Wissenschafts-News der Woche #2

BLOG: Enkapsis

Zwischen Molekularbiologie und Medizin
Enkapsis

Die Woche ist rum, weswegen es hier wieder das Neuste aus Forschung und Wissenschaft gibt! Heute liegt der Schwerpunkt in der Medizin! Neben neueste Studien zu Krebs, HIV, multipler Sklerose, Arthritis, Ösophagitis und Depressionen, gibt es neue Erkenntnisse über die Funktionsweise von RNAs und eine Modifikation des Cre/LoxP-Systems. Wie üblich, hänge ich die ausführliche Pressemeldung als Link hinten dran (Details) und verweise auf die wissenschaftliche Publikation (Paper), insofern ich sie gefunden habe.

Hilfe bei multipler Sklerose (MS): Der Antikörper namens BT-061 aktiviert regulatorische T-Zellen, die bei MS-Erkrankten nur eine eingeschränkte Funktion besitzen, was mit der Krankheit in Verbindung gebracht wird. Regulatorische T-Zellen sind Zellen des Immunsystem, die das Immunsystems des Menschen unterdrücken, damit keine Autoimmunkrankheiten entstehen können. So wird die Antikörper-Produktion gegen körpereigene Proteine unterdrückt und das Immunsystem "artet" nicht gegen den eigenen Körper aus, wie es bei MS der Fall ist. Erste präklinische Daten mehrerer Arbeitsgruppen zeigen, dass der Antikörper BT-061 regulatorische T-Zellen, die von MS-Kranken stammen, aktiviert. Die Zukunft sieht eine klinische Phase II in Patienten mit MS vor, um eine mögliche neue Therapie zu entwickeln. Details

Eine neue Meßmethode analysiert die Interaktion biologischer Moleküle jeglicher Größe: Die sogenannte MST-Technologie kann dabei die Interaktion kleinster Moleküle – den Small Molecules – und anderen Ionen durch das Prinzip der Thermopherese (gerichtete Bewegung von Teilchen entlang eines Temperaturgefälles) analysieren und aufdecken. Small Molecules sind Substanzen, die klein genug sind, um in jede Zelle eindringen zu können und daher ein hohes pharmazeutisches Potential aufweisen. Wenn diese Moleküle aneinander binden oder mit anderen Ionen in Verbindung treten, verändert es ihre thermophoretische Bewegung, was mit einem Fluoreszenzmikroskop gemessen werden kann. Die Vorteile dieser Methode sind, dass sie leicht in der Handhabung ist, die Bindungsstärker der Moleküle feststellen und direkt in einer Lösung stattfinden kann. Details, Paper

Hilfe gegen chronische Entzündung der Speiseröhre: Die Eosinophile Ösophagitis ist eine Erkrankung bei der eine Umlagerung des Bindegewebes in der Speiseröhre stattfindet, was zu lebenslangen Beschwerden und Entzündungen führen kann. Das Asthma-Medikament Budesonid soll diesen Beschwerden nun angeblich entgegenwirken können, indem es die Entzündung lindert. Dabei wird die Krankheit keinesfall geheilt. Weitere Studien müssen nun zeigen, ob die Behandlung mit Budesonid längerfristig wirksam ist. Details, Paper

Wie man die Zerstörung des Nervensystem nach einer Rückenmarksverletzung aufhalten kann: Bei einer Rückenmarksverletzung steigt innerhalb von ein paar Stunden die Kalzium-Konzentration innerhalb der Nervenfasern des verletzten Bereichs, wodurch angrenzende Nervenfasern zerstört werden, indem sich die Fortsätze der Nervenzellen (den Axonen) selbst verdauen. Eine mögliche Regulation des Kalzium-Spiegels durch Kalziumkanalblocker könnte diesem Abbau der Nervenzellen vorbeugen, was nun erstmal im Modellsystem Ratte nachgewiesen wurde. Details, Paper

Die neue "Dual-RMCE"-Technologie vereinfacht die genetische Modifikation von embryonalen Stammzellen bei Mäusen. Mit ihr ist es aber auch möglich gezielter krakheisterzeugende Mutationen ins Genom einzubringen, um so präzisere Mausmodelle für menschliche Erkrankungen schaffen, um so Tumore und andere Erkrankungen zu untersuchen. Details, Paper

Hilfe bei Knorpelschäden: Der Knorpel ist ein Gewebe, der als Puffer in Gelenken wirkt und nicht regenerierbar ist. Ist er einmal abgenutzt, verschleißen Gelenke und Knochen, was zu Arthrose und Arthritis führen kann. Ein neues Zelluloseimplantat soll nun Abhilfe schaffen, indem es an die passende Stelle transplantiert wird und durch Kalziumphosphat-Nanopartikeln aktiviert wird, womit es mit dem Knochen verwachsen kann. Details

Wie nicht-kodierende RNA-Moleküle gezielt Gene auschalten: In jeder Zelle in unserem Körper dürfen nur spezifische Gene aktiv sein, und zwar die, die für die Zelle charakteristisch sind. Schliesslich ist nicht jede Zelle gleich und unterliegt einem anderen Metabolismus. Ein Mechanismus unseres Körpers, um dies sicherzustellen, ist die Verwendung von Methyltransferasen. Dies sind Enzyme, die an bestimmten Stellen in unserem Genom Methylgruppen an die DNA anbringen und so spezifisch Gene inaktivieren. Wie aber weiss die Methyltransferase, wo sie eine Methylgruppe anheften soll? Hier kommen die nicht-kodierenden RNAs ins Spiel. Es sind Moleküle, die an bestimmte Gene binden und die DNA dann nicht wie üblich in einer Doppelhelix vorliegt, sondern als Triplehelix, also drei umeinander gewundene Stränge. Genau an dieser Stelle können nun die Methyltransferasen binden und zum passenden Gen dirigiert werden. Dieser Vorgang wurde nun erstmals genau charakterisiert. Details, noch mehr Details, Paper

Weiterer Schritt vorwärts in der HIV-Forschung: Es wurde ein neuer zellulärer Abwehrmechanismus entdeckt, der mittels körpereigenen so genannten "Risp-Proteinen" die Vermehrung von HI-Viren in bestimmten Gehirnzellen verhindert. Das humane Immundeffizienzvirus löst AIDS aus, wobei es Immunzellen und Zellen des Nervensystems infiziert und sie so zur Vervielfältigung des Viruses umprogrammiert. Die Risp-Proteine interagieren mit einem bestimmten Protein des Virus, wodurch die Umprogrammierung der infizierten Zellen verhindert wird. Es bleibt jedoch abzuwarten, inwiefern eine Therapie entwickelt werden kann, was sowieso lange dauern würde. Ein neuer Ansatzpunkt bedeutet aber auch neue Hoffnung. Details, Paper

Neue Untersuchungsmethode, um die Erfolgsquote in der künstlichen Befruchtung deutlich heraufzusetzen: Vor kurzem gab es erst den Medizin- und Physiologie-Nobelpreis für die künstliche Befruchtung und nun gibt es eine neue Methode, mit der Chromosomenschäden in der Eizelle angezeigt werden können. Solche Schäden sind die häufigsten Auslöser für eine Fehlentwicklung des Embryos. Mit dem Verfahren kann man nicht nur bis zu 90% Veränderungen der Chromosomenzahl sichtbar machen, sondern auch Brüche in der DNA. Details

Neubewertung der Bestrahlung bei Krebs: Erkrankungen des lymphatischen Systems werden als Non-Hodgkin-Lymphome bezeichnet und werden mittels einer Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie behandelt. Bisher ging man davon aus, dass eine Bestrahlung zu Spätfolgen wie Gedächtniss- und Konzentrationsstörungen führen kann, aber nötig sei, um den Krebs zu bekämpfen, da er aggressiv das Nervensystem befällt. Die Ergebnisse einer Studie in der Patienten mit und ohne Strahlentherapie verglichen wurden, kam aber zu dem Ergebniss, dass eine Strahlentherapie keinen Einfluss auf eine Verlängerung der Lebenszeit hatte, sobald der Krebs bereits mit der Chemotherapie bekämpft war. Nun diskutiert man, ob eine zusätzliche Strahlentherapie neben der Chemotherapie überhaupt noch nötig ist. Details, Paper

Neue Hilfe bei Depressionen: Laut einer neuen Studie eignen sich angeblich starke Magnetfelder bei der Therapie starker Depressionen. Durch einen ausgelösten Krampfanfall im Gehirn der Patienten besserten sich angeblich deren Zustand deutlich und es traten keine Nebenwirkungen auf. Details, Paper

Aspirin hilft, um Darmkrebsrisiko zu senken: In einer aussagekräftigen Studie wurden Patienten 20 Jahre lang begleitet, um die Effekte der täglichen Einnahme von Aspirin zu erfassen. Aspirin wird bei älteren Leuten zur Vorbeugung von Herzproblemen und Schlaganfällen eingesetzt. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen greifen ältere Herrschaften jedoch nicht darauf zurück. In der aktuellen Studie wurden nun die Ergebnisse vorgelegt, dass eine Einnahme das Risiko einer Darmkrebs-Erkrankung um 24 Prozent reduzierte. Das Risiko, an dieser Krankheit zu sterben, sank um 35 Prozent. Details, Paper

Sebastian Reusch

Veröffentlicht von

Sebastian Reusch ist Naturwissenschaftler und studierte Biologie mit den Schwerpunkten Zell- und Entwicklungsbiologie, Genetik und Biotechnologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Danach arbeitete er am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin an molekularbiologischen Prozessen des Immunsystems. Derzeit promoviert er am IRI Life Sciences der Humboldt-Universität zu Berlin an grundlegenden Fragen der Zellbiologie und Biochemie des Tubulin-Zytoskeletts in Stammzellen. Seine Schwerpunktthemen hier im Blog sind Molekularbiologie und Biomedizin. Twitter: @MrEnkapsis

2 Kommentare

  1. @Christina

    Gerne! Ich werde versuchen, jedes Wochenende so einen Überblick rauszuhauen! Mal schauen, ob ich den Nerv habe Hunderte von Meldungen jedes mal durchzugehen…zum Glück gibt es Koffein! 😀

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