Die Daniel Düsentriebe der realen Welt

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Zwischen Molekularbiologie und Medizin
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Wer kennt sie nicht: die Micky Maus-Hefte und die Geschichten von Tick, Trick und Track, Donald und Onkel Dagobert? So ziemlich jeder hat schon einmal in sie hinein geblättert und erinnert sich auch an Daniel Düsentrieb und seinem komischen Helferlein. Als Erfinder ist er die Person, die aufgesucht wird, falls man mal wieder in die Vergangenheit reisen muss oder ein Gegenstand gebraucht wird, der "Wunder" vollzieht. Er ist in den Micky Maus-Heften Wissenschaftler, Erfinder und Ingenieur zugleich und der Ansprechpartner, wenn es um Wissensfragen geht. Dieses Bild eines Wissenschaftlers hat sich bestimmt in Kinderköpfen so festgesetzt. Daher, wenn man ein Problem hat, geht man einfach zu einem Erfinder der dann bis zum Abendgrauen ein Apparat entwickelt hat, der die Probleme auf einen Schlag löst. Vielleicht liegt es daran, dass manche Menschen noch im Erwachsenenalter ein verzerrtes Bild von der Wissenschaft und den darin arbeitenden Menschen haben. In der realen Welt gibt es aber keine Daniel Düsentriebe! Seinen Part übernehmen abertausende, wenn nicht millionen Wissenschaftler, die Tag aus Tag ein forschen, nachdenken und experimentieren und dies jahrelang bis dabei überhaupt etwas bei rumkommt.

Na klar, man kann Jungen und Mädchen nicht einen Wissenschaftler präsentieren, der erst einmal über Sachen genauer reflektieren muss, mehrere Hypothesen aufstellt, sie verfeinert um so am Ende etwas bauen kann. Dies wäre in der Tat langweilig, aber so ist es eben in der realen Welt. Vielleicht tragen die Micky Maus-Hefte also dazu bei, dass man falsch über Wissenschaftler denkt, zumindest einbischen. Eine absurde Hypothese, aber ein klitzekleines bischen Wahrheit könnte schon dran sein! Daher bitte alles nicht so ernst nehmen!
Manchmal wird von der "Forscher-Gemeinde" verlangt, man solle prompt einen Impstoff auf den Tisch knallen, wie es bei der Schweinegrippe der Fall war. So einfach ist es nicht: es braucht jahrzehntelange Grundlagenforschung bis man überhaupt zu dem Punkt kommen kann, dass man ein Fazit, geschweige den einen Nutzen aus der Wissenschaft ziehen kann. Manchmal kann es aber auch nur Jahre dauern, aber mit so wenig Zeit wie mit 24 Studen ist kein Wissenschaftler in der Lage – außer Daniel Düsentrieb – etwas Großartiges zu vollbringen.

 

Impfstoffentewicklung gut, das Prinzip haben wir einigermaßen verstanden, deswegen ist es heute eben erst nach langer Vorarbeit möglich, in ein paar Wochen/Monaten einen Impstoff herzustellen der "einfachere" Krankheitserreger wie etwa Grippeviren keine große Ausbreitungschancen zu lassen.

Vielen Menschen ist es aber immer noch nicht bewusst, dass hinter einer Idee, deren Erforschung und eventuelle nützliche Umsetzung, eine Menge Arbeit steckt. Ein neues Medikament auf den Markt zu bringen kann nämlich gut 15 Jahre dauern. Wissenschaft ist langsam. Dies liegt nicht daran, dass sie unfähig, sondern daran, dass sie kompliziert ist. Den technologischen Fortschritt den wir im 20. und 21. Jahrhundert gemacht haben, ist das Ergebnis jahrzehntelanger Grundlagenforschung, die in dieser Form seit dem 16. Jahrhundert mit Galileo Galilei angefangen hat. Die Biologie wurde sehr stark von Darwin geprägt, der im 19. Jahrhundert sein "Unwesen" trieb und die moderne Medizin wurde erst im 20. Jahrhundert geprägt. Wir beginnen also erst jetzt in den 13,7 Milliarden Jahren, die es das Universum schon gibt, die Prinzipien dahinter zu verstehen und diese allmählich dazu zu verwenden, es den Menschen besser ergehen zu lassen.

In diesem Sinne danke ich allen Biologen, dass sie die Entwicklung von Medikamenten möglich machen. Allen Physikern vielen Dank für das Fernsehgerät und danke den Chemikern für die Tupperware!

Sebastian Reusch

Veröffentlicht von

Sebastian Reusch ist Naturwissenschaftler und studierte Biologie mit den Schwerpunkten Zell- und Entwicklungsbiologie, Genetik und Biotechnologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Danach arbeitete er am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin an molekularbiologischen Prozessen des Immunsystems. Derzeit promoviert er am IRI Life Sciences der Humboldt-Universität zu Berlin an grundlegenden Fragen der Zellbiologie und Biochemie des Tubulin-Zytoskeletts in Stammzellen. Seine Schwerpunktthemen hier im Blog sind Molekularbiologie und Biomedizin. Twitter: @MrEnkapsis

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