Die angesagteste Forschung aus 2010

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Zwischen Molekularbiologie und Medizin
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Heute titelte die Nachrichtenagentur Reuters, dass genetische Forschung "Top of the Pops" im Wissenschaftsbetrieb darstellt. Gut 10 Jahre ist es her, dass das menschliche Genom entschlüsselt wurde und so erstmals ein detaillierter Blick in die DNA des Menschen möglich war. Die Genomik hat sich seitdem extrem schnell weiterenwickelt und führte zu den heute beliebten Forschungsgebieten der Epigenetik, personalisierten Medizin und der Haplotypisierung. Der Nachfolger des Human-Genom-Projektes nennt sich heute "The 1000 Genomes Project". Was sich dahinter verbirgt, hatte ich hier schon einmal berichtet. Ohne weiteres hat Reuters diese Artikelüberschrift natürlich nicht gewählt, denn kürzlich kam eine Liste der am meisten zitiertesten Autoren in der Wissenschaft und der am meisten zitiertesten wissenschaftlichen Publikationen der letzten 2 Jahre heraus. Neben der Häufigkeit wie oft man publiziert, wird man in der Wissenschaft an Zitationen gemessen, wie oft also die eigenen Publikationen durch andere Wissenschaftler in deren Arbeiten zitiert werden. Letztendlich errechnet sich dadurch auch der Impact Factor einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Dieser dient dazu zu ermitteln, wie angesehen diese Zeitschrift ist. Je angesehener, desto bedeutender sind meistens die wissenschaftlichen Ergebnisse, die dort abgedruckt werden.

Auf Platz 1 der Liste der Autoren mit den angesagtesten Publikationen findet sich Eric S. Lander wieder. Er ist Präsident und Direktor am Broad Institute am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Harvard. Dort beschäftigt er sich u.a. mit der Kartierung von Genen und deren Zusammenhang mit Krankheiten. Es verwundert kaum, dass er ganz oben auf der Liste zu finden ist, schließlich gehört das MIT weltweit zu den führenden Hochschulen in Sachen Technologie und Forschung. 10 seiner Publikationen stellten sich im vergangenen Jahr als besonders gefragt heraus. Platz 2 teilen sich die Wissenschaftler Augustine Kong, Kári Stefánsson, Francis S. Collins, Richard Durbin und Rory Collins mit insgesamt 9 angesagten Publikationen. Kong und Stefánsson sind Mitarbeiter der biopharmazeutischen Firma namens deCODE genetics, welche sich mit der Humangenetik und der Entwicklung von Medikamenten gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etc. beschäftigt. Francis S. Collins ist Direktor der Institutes of Health in U.S.A. und erregte Aufsehen durch seine Arbeiten in der Diabetes-Forschung und wie Lander, ebenfalls durch Arbeiten, die Krankheiten mit bestimmten Genen in Zusammenhang bringen. Richard Durbin arbeitet am Wellcome Trust Sanger Institute und leistete bedeutende Arbeiten in der Sequenzierung von Genomen und deren Analyse. Collins ist Epidemiologe der Universität Oxford und bekannt durch seine Untersuchung von Proteinkonzentrationen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Den dritten Platz teilen sich ebenfalls mehrere Wissenschaftler mit insgesamt 8 bedeutenden Publikationen. Zu finden sind dort Andre K. Geim (University of Manchester ), Unnur Thorsteinsdottir (deCODE genetics ), Richard K. Wilson (Washington University ), Mark J. Daly (Broad Institute of MIT and Harvard and Massachusetts General Hospital), Yang Yang (University of California, Los Angeles), Douglas G. Altman (University of Oxford) und Juan J. Nieto (U. of Santiago de Compostela). Unter ihnen finden sich drei Genetiker, zwei Materialforscher, einen Mathematiker und einen Statisten. Unter diesen insgesamt 13 Wissenschaftlern sind 7 Genetiker. Kein Wunder also, dass dieses Forschungsgebiet "Top of the Pops" ist.

Andre K. Geim erhielt letztes Jahr den Nobelpreis für Physik durch seine Arbeiten mit dem Material Graphen. Yang Yang arbeitet an polymeren Solarzellen. Neben Graphen ebenfalls ein zukunftsorientiertes Thema. Mark J. Daly erlangte sein Ansehen durch mehrere Publikationen zum Thema Morbus Crohn, der bipolaren Störung und anderen Erkrankungen. Wilson veröffentlichte über genetische Untersuchungen an Lungenkrebs, dem Glioblastom und Leukämie. Der einzige Statist, Douglas G. Altman, publizierte über Probleme in klinischen Studien. Der Mathematiker Juan J. Nieto hatte mit Arbeiten in fraktionalen Differentialgleichungen und der Aufstellung von Modellen für den Pflanzenschutz zu tun.

All diese Wissenschaftler wurden in Arbeiten anderer Forscher am meisten zitiert. Neben dieser Liste der am meisten zitiertesten Wissenschaftler, gibt es auch noch eine Liste der Publikationen, die am meisten zitiert wurden. Auf Platz 1 findet sich hier die Arbeit mit dem Namen "Prevalence and trends in obesity among US adults, 1999-2008" von K.M. Flegal, et al. Diese Arbeit wurde insgesamt 106 mal zitiert. Auf Platz 2 findet sich "Exome sequencing identifies the cause of a mendelian disorder" von S.B. Ng, et al. mit 81 Zitationen. Platz 3 belegt J.J. Qin, et al. mit "A human gut microbial gene catalogue established by metagenomic sequencing". Die ganze Liste ist hier am Ende des Artikels einsehbar. Auch hier fallen wieder sehr viele Publikationen aus der Genetik ins Auge.

 
 
 
 

 
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Veröffentlicht von

Sebastian Reusch ist Naturwissenschaftler und studierte Biologie mit den Schwerpunkten Zell- und Entwicklungsbiologie, Genetik und Biotechnologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Danach arbeitete er am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin an molekularbiologischen Prozessen des Immunsystems. Derzeit promoviert er am IRI Life Sciences der Humboldt-Universität zu Berlin an grundlegenden Fragen der Zellbiologie und Biochemie des Tubulin-Zytoskeletts in Stammzellen. Seine Schwerpunktthemen hier im Blog sind Molekularbiologie und Biomedizin. Twitter: @MrEnkapsis

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